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Jüdische Presse · 1930-04-11 · 15-16 (11.4.1930) · page 7

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Journal
Jüdische Presse
Volume
16 (1930)
Issue
15-16 (11.4.1930)
Date
1930-04-11
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 15/16 Seite 7 JÜDISCHE PRESSE Die Frählingsstürme verursachen den Rheumaleidenden große Pein Massieren Sie sich über ärztliche Weisung mit ALFA Menthol-F ranzbranntwein Der Erfolg wird Sie freudig überraschen. Beachten Sie den Original-Ver- Schluß mit unverletzter Plombe! Verbesserte Qualitäten Exquisite Modelle Preise Sachsel-Hüte II., Taborstraße 39 XIV., Sechshauserstraße 39 XVII., Kafvarienberggasse 34 JEREIM die den seelisch-sittlichen Aufstieg Israels auf der Grundlage strengster Thoratreue ersehnen und die Sorge für die Wohlfahrt des Volkes mit diesem Aufstieg• in Einklang■ gebracht sehen wollen, aboan i e reu die neue Monatsschrift Redakteur: D r. N a 111 a n 13 i r n I) a u m, Berlin. Redakteur: D r. N a 111 a 11 B i r 11 b a u 111, Berlin. Abonnementspreise: für 1/2 Jahr M. 5, für lU Jahr 1V1. 2.50, Einzelheit M. I. Bestellungen in D e u t s c h 1 a 11 d an den Verlag• ״Aulim“, Berlin, NW. 87, Flotowstraße 10; in Oesterreich an die dortige Geschäftsstelle: D. Boiuly, Wien, 11., Große Mohrengasse 3 B. Geldsendungen nur an N. E I z a s & Z o n e n, K a s s 01 (Postscheckkonto Frankfurt am Main 83.558 für ״Aufstieg-“. Dieses Jahr nach INTERLAKEN כשף Hotel de la Paix (Schweiz) כשר 45 Betten / Prima Verpflegung / Herrliche Touren Neues Strandbad / Juni "und September reduzierte Pensionspreise Zweiggeschäft Berlin, Rest. Vienna, Kantstraße 132 Unter Aufsicht Adas Jisroel < 11111111111111111111111111111111 11111111 ו ו ו ו 11111111 ו ו ו ו 11 ו 11 ו ו ו וII111111 Ij. Laurana (!tauen) streng orth. כשר streng orth. כשף, PENSION WEISS neueröffnet I Vorzügliche Küche Mäßige Preise Referenzen und Psospekte zur Verfügung __ ’י1וו1ווו1ווווו1וווווווווווווווווו1ווו!1וווו1וווווווווו!ו1ווווו!וווו1וו Die ״Talmnd'Thora“-Volksschnle in Wien. Ein Beitrag zur inneren Geschichte fler Wiener Jadengemeinde. Von L. Moses. (Fortsetzung.) II. Der Holwechsler Ignaz Deutsch. Der Mann, dein das׳ nun folgende Kapitel gewidmet ist, hat in den Jahren des Kampfes derart entscheidend in die Geschicke der Talmud-Thora-Schule eingegriffen, daß die Schale alsbald als sein Werk gelten und vergessen werden konnte, wer der wirkliche Gründer war. Noch mehr aber als sich schon zu seinen Lebzeiten das Bild des Hofwechslers in der Parteien Gunst und Haß verzerrte und seine wirkliche Bedeutung verschob, ist dies nach seinem, Tode der Fall und es verlohnt sich daher ־wohl, einmal ohne Beschönigung, aber auch ohne Beeinflussung durch frühere parteiisch gefärbte Dar- Stellungen eine Neuretnschierung dieses Bildes vorzunelimen. Ignaz Deutsch war am 11. August 1808 in Preßburg geboren, in der Zeit und dem Milieu also, die uns Siegmund Mayer in seinen bekannten Werken ״Ein jüdischer Kaufmann“ und ״Die Wiener Juden“ so treu schildert. Er besuchte in Preßburg die Jeschiwa, soll aber, wie sein Gegner, der Historiker Gerson Wolf, behauptet, dort nicht viel gelernt haben. Im Jahre 1836 kam er, wie aus einem hier zum Abdruck gelangenden Polizeiberichtei hervorgeht, nach Wien und befaßte sich mit Hausieren, bald aber auch mit dem Spiel an der Börse. Aber schon im Alter von 24 Jahren war er als Mitglied jener Deputation nach Wien entsendet worden, die dem Kaiser die Martinigänse zu überbringen hätte, und dürfte schon damals den Plan gefaßt haben, dauernden Zutritt und Einfluß bei Hof zu erlangen. Und auch damit, daß er bald nach seiner Niederlassung in Wien ein Privilegium für die Verbesserung der Fischbeinzubereitimg zu erwerben wußte, zeigte sich bald, nach welchen Richtungen sich der rege Geist und das immense Geltungsbedürfnis des späteren Hofwechslers geltend machen sollten. Er wollte sowohl auf finanzpolitischem und industriellem Gebiete als auch als Führer und Vertreter seiner Glaubensgenossen in der aufstrebenden Residenz eine Rolle spielen. Er war zwar schon im 19. Jahrhundert geboren, stak aber in mancher Hinsicht doch noch tief im 18. Jahrhundert und sein Ideal war vielleicht der Hofjude vom Schlage Samson Wertheimers. Hier soll natürlich weniger die industrielle als die jüdisch-politische Tätigkeit Ignaz Deutsch’ zur Darstellung kommen. Die kaufmännische Seite seiner Lebensarbeit dürfte zur Genüge durch die Publikation der nachstehenden bisher unbekannten Dokumente illustriert werden, und wir können unsere Aufmerksamkeit dann umso ungeteilter dem Einflüsse zuwerideu, den Ignaz Deutsch auf die innere Entwicklung der Wiener Judeugemeiude und überhaupt auf die jüdischen Angelegenheiten seiner Zeit jahrzehntelang auszuüben wußte. ־ K. k. Börsekammer in Wien Zahl 93/B. K. י ־ Die Börsekammer spricht Euer Wohlgeboreii ihren Dank aus für die Ueberseudung von 20 Exem- ׳ plaren Ihrer Denkschrift ״Die Finanzlage in Oesterreich und das Verhältnis der Nationalbank zum Staate“, welche Ihren! Wunsche gemäß an die Mitglieder, der Börsekammer verteilt worden sind. Wien, am 19. April 1862. An Seine des Herrn lg. Deutsch, Hof Wechslers, Wohlgeboren. Zahl 18357/5042 Corr. B. K. k. Börsenkammer Wodiner tu. p. HqcIiI. k. k. n.-ö. Statthalterei! In Befolgung des: hohen Auftrages vom 3teu. prs, 6. ds. Mts. Z. 24305 wird der hoben Stelle eine Abschrift des über Indorsat-Auftrag vom 27. November 1856 Z. 53824 erstatteten hierortigen Berichtes bezüglich der persönlichen und Vermögens-Verhältnisse des k. k. Hofwechslers Ignaz Deutsch iin An- Schlüsse gehörsamst unterbreitet. Für den k. k. Polizei-Director Wien, den Steu Juni 1857. Nischer m. p. Zahl 34100/5836 C. A. II. , Ji׳i Hochlöbl. k. k. n.-ö. Statthafteren .. Ueber das anruhende mit dem hohen Indorsat-Airftrage vom 27: November v. J., Z. 53824, zur Aeiißerung herabgelahgte Gesuch des Israeliten Ignaz Deutsch um die J grundbücherliche Besitzan- Schreibung an das Haus Nr.. 177 in Oberdöbling wird hiemit Nachstehendes geborsamst berichtet. Bittsteller ■ist 48 Jahre alt, von Preßburg gebürtig, israelitischer Religion, verheiratet, .Vater von zwölf Kindern, k. k. •Hofwechsler u. derzeit in der ׳Stadt N1704 .־ wohnhaft. Er kam im Jahre 1836 nach Wien und befaßte sich anfänglich mit dem Hausieren von Goldwaren, die ihm sein Schwager Koch in Kommission gegeben, war aber auch schon damals als Börsesipieler bekannt. Bald nachher erwarb er sich ein k. ׳k. Privilegium auf •die Verbesserung der Fisehbemzubereitu'ng u. erhielt sofort iin Jahre 1843 ein einfaches Fabriksbefugnis, das er bis zum J. 1849 im!kleinen M'aßstabe in der Leopoldstadt Nr. 13 betrieb, während er in der Stadt am Ruprechtsplatze ein Niederlagsgewölbe unterhielt.. I. Deutsch war damals mit dem Kaufmanne Rudolf Ganser in Verbindung getreten, der ihm so ziemlich das Geschäft allein überließ u. ihm zugleich .in Hamburg einen Kredit von dreißigtausend Gulden eröffnete. Ig. Deutsch konnte jedoch den dafür ausgestellten und sofort von R. Ganser akzeptierten Wechsel zur Verfallszeit nicht liquidieren und erklärte sich sonach als insolvent. Durch die Verwendung des Spezereihändlers Stiebitz erhielt Ganser — dessen Schwager — in späterer Zeit in Teilbeträgen beiläufig dreitausend Gulden von I. Deutsch zurück u. begnügte sieb vorläufig damit, machte jedoch natürlich aus diesem zweideutigen Verhalten des Ig. Deutsch kein Geheimnls. Letzterem gelang es,•auch durch den wohlbekannten Brigittenau-Besitzer*) Simon Eckstein sich in den Jahren 1S4S u. 1849 bei dem damaligen Chef des Finanz-Ministeriums Zutritt zu verschaffen 11. durch konfident-ielle Mitteilungen u. Vorlegung von Projekten**) im Ressort der Finanzen und des Handels sich gewissermaßen geltend zu machen. Ohne früher als wohlhabend gegolten u. ohne je den Ruf eines soliden u. ׳vertrauenswerten Geschäftsmannes genossen zu haben, ward er sohin, wie es heißt, von dem Prager Fabriksbesitzer Leopokl Eppstein mit den Geldmitteln dotiert, um hier ein Obligations־ und Geldverwechslungsgeschäft zu etablieren, das er dermalen in der Inneren Stadt am Lugeck Nr. 486 und 639 ausübt. Mit der allerhöchsten Entschließung vom 29. September 1852 wurde ihm der Titel eines k. k. Hof- Wechslers verliehen. , Er nahm sich nun heraus׳, den k. k. Adler in seinem Geschäfts-Insiegel und seinen Oblatorien eigenmächtig zu führen u. wurde wegen dieser Prävalierung laut des hochortigen Erlasses von! 4. Aug. 1854, Z. 8867, vom Wiener Magistrate geahndet u. zugleich mit seinem nachträglichen Gesuche um die Bewilligung zur Führung des• k. k. Adlers im Siegel abgewiesen. Die polizeilichen Vormerkungen weisen nach, daß I. Deutsch im Jahre 1850 dem Polizei-Kommissariate in der Leppoldstadt wegen Ehrenbeleidigung von dem Goldarbeiter Goldschmidt belangt u. diese Beschwerde sohin damit ausgeglichen worden ist, daß' I. Deutsch seine Schuld bekannte und zehn Gulden Conv. M. für das Spital der Barmherz. Brüder erlegte. Ferners wurde im Laufe des Jahres 1855 eine behördliche Anfrage durch die auch sonst das Publikum unangenehm berührende Tatsache hervorgerufen, daß I. Deutsch in den öffentlichen Blättern ung-escheut die Uebernahme von Nationhl-Anlehens-Certificaten um Preise unter dem Tages-Cours anboth,. was mehr oder weniger auf die Entwertlnmg dieser Papiere einwirken konnte. Endlich kann man nicht unbemerkt lassen, daß mit dem hochortigen Erlasse vom 16. Jänner I. Js. Z. 54.505 über seine unterm 17. Juli 1856 an das k. k. Konsulat in Jerusalem gerichtete Denkschrift rücksichtlich der Anzüglichkeiten, die darin gegen einen kaiserlichen Funktionär Vorkommen, die Mißbilligung ausgesprochen und derselbe hievon mittels des hierämtlichen Dekretes vom 22. ■Jänner 1. Js. Z. 151 intimiert wurde. Bittsteller hält äußerlich streng auf die Moralität u. scheint es sich in religiöser. Beziehung zur Aufgabe gemacht zu haben, den alt. orthodoxen mosaischen Glauben zu wahren. Er ist Gründer und Mitglied mehrerer israelitischer Humanitäts-Vereine und bekannt durch seine Bemühungen •um die österreichisch-deutsche israelitische Cultusgemeinde zu Jerusalem, als deren Mandatar er berechtigt ist, in Oesterreich zu Gunsten armer Israeliten in Palästina Geld zu sammeln. (Fortsetzung folgt.) *) Die Brigittenau war zu jener Zeit ein Vergnügungsort cler Wiener gleich dem Wurstelprater. **) Diese Stelle bestätigt den Umstand, daß Deutsch auch in dieser Hinsicht große Rührigkeit entfaltete.

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