Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 16 (1930)
- Issue
- 15-16 (11.4.1930)
- Date
- 1930-04-11
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 15/16 JÜDISCHE PRESSE Seite 3 Demonstration an der Klagemauev am 15. August 1929 zu dem Ausbruch dev Unruhen beigetragen. Die nächstgrößte Bedeutung ־für die Unruhen messen wir der Tätigkeit der Gesellschaft zum Schutz der moslemitiseben Heiligen Stätten und, in geringerem Grade, der Tätigkeit des Pro-KIagemauer-Komitees bei. b) Aufreizende und von Leidenschaft diktierte Artikel, die in einigen arabischen Zeitungen, in einer hebräischen Tageszeitung und in einer in englischer Sprache publizierten jüdischen Wochenschrift erschienen waren. <•) Die Propaganda unter der ungebildeten arabischen Bevölkerung, die schon berechnet war, das Volk aufzu- ,hetzen, d) Die Erweiterung der Jewish Agency, c.) Die Unzulänglichkeit militärischer Streitkräfte und die Un- Zuverlässigkeit der verfügbaren Polizei, f) Der Glaube, daß die Beschlüsse der Palästinaregierung von politisehen Erwägungen beeinflußt werden würden. Die Empfehlungen der Kommission. Es ist unsere Meinung, daß der Erlaß eines klaren Statements der Politik, die die llegierung Sr. Majestät in Palästina zu verfolgen beabsichtigt, für die gute Kiihrung dieses Landes notwendig ist. Welche Form immer dieses Statement haben׳ mag, sein Wert würde sehr erhöht werden I. wenn es in klaren; und positiven Ausdrücken eine Deutung enthielte, die die Regierung Sr. Majestät denjenigen Abschnitten im Mandat gibt, welche die Sicherung der Rechte, den• nicht jüdischen Gemeinden in diesem Lande vorsehen und 2. wenn sie, als Richtschnur für die Regierung Palästinas, deutlichere Richtlinien als bisher über die Politik in so vitalen Fragen wie Boden und Einwanderung niederlegt. Jede Ungewißheit über die Linie der Politik in der vitalen Angelegenheit der Einwanderung muß sich in der Haltung der Palästina-Regierung, in der Haltung und Stimmung der arabischen Bevölkerung und jener, die jüdische Interessen vertreten, widerspiegeln. Wir empfehlen, daß die Regierung Sr. Majestät bald eine klare und entschiedene Deklaration der Politik erlassen soll, die hinsichtlich der Regulierung und der Kontrolle weiterer jüdischer Einwanderung nach PaUistina befolgt werden soll, und daß sie bei der Abfassung dieser Deklaration unsere Konklusionen über das Thema der Einwanderung berücksichtigt. Die administrative Maschinerie für die Regulierung der Immigration sollte das Ziel haben, eine Wiederholung der übermäßigen Einwanderung von 1925 und 1926 zu verhüten. Es sollte irgend eine :geeignetere Methode ersonnen werden, um die Erteilung von Eiuwanderungszertifikateil gemäß der Anbeitcr-Schedule zu regulieren. Bis irgend eine Form repräsentativer Regierung in Paliistina gefunden ist, sollte, wenn möglich, eine Maschinerie ersonnen werden, durch die 11 icht.jiiclische Interessen betreffende Angelegenheiten beachtet werden könnten. Die baldige Detcrmiuieruug der mit der Klagemauer verbundenen Rechte und Ansprüche ist unserer Meinung nach eine im Interesse des Friedens und einer guten Regierung i!1 Palästina notwendige Maßnahme. Wir glauben deshalb, daß tlie Bildung einer ad-hoc- Kommission und ihre Abreise nach Palästina auf jede mögliche Weise beschleunigt werden sollen. Die Zionistische Organisation nicht berechtigt, an der Führung Palästinas teilzunehmen. Wir empfehlen, daß 'die Regierung Sr. Majestät das im Jahre 1922 gemachte Statement neu bestätigen solle, laut welchem die der Zionistischen Organisation durch das Mandat •zugewiesene Souderposition diese nicht dazu berechtigt, in irgend einem Grade an der Führung Palästinas teilzuhaben. (Fortsetzung folgt.) Die englische Regierung nimmt Stellung zum Shaw Bericht. — Erklärung MacDonalds im Unterhaus. (J. T. A.) Premierminister MacDonakl hat, wie er vor einigen lagen äuge kündigt hatte, in der Sitzung des Unterhauses am ׳Donnerstag, den 5. April, zu dem Bericht der iPalüstina-yntersnclnuigs-Kommission jm Namen der englischen Regierung Stellung genommen. Er erklärte, die Regierung werde die Verwaltung von Palästina gemäß den Bestimmungen des ,Mandates fortführen. Der Premierminister fügte hinzu, die Verwirklichnng• des Mandates schließe die Verantwortung־ für die Errichtung des Jüdischen Nationalheinis in Pnlästina ein. Es sei dies eine internationale Verpflichtung, der man sich auf keinen Fall entziehen könne. Dabei aber dürfe nichts geschehen,!was die Rechte der nichtjüdischen Bevölkerung :in Palästina oder die Rechte der Juden in anderen Ländern beeinträchtigen könnte־. Die Regierung sei entschlossen, :sowohl die gegenüber dem jüdischen Volke wie die gegenüber der nichtjiidischon Bevölkerung Palästinas übernommenen Verpflichhingen ini Geiste der Balfour-Deklaration in die Wirkliclikoit umzusetzen und allenthalben der palästinensiselten :Bevölkerung Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Diese!Pflicht, der die Regierung sich nicht entziehen könne, werde sie mit allen!ihr zur Verfügung stehenden Mitteln erfüllen. MacDonakl wies darauf hin, dafl die Kommission die Aufgabe hatte, die ׳unmittelbaren Ursachen der bedauenisiwerten Zwischenfälle im August 1929 zu unter- ׳suchen und Maßnahmen vorzuschlagen, wie eine Wiedenholung solcher Zwischenfälle in der Zukunft zu vermeiden seien. Die Kommission war bemüht, sich ihrer Aufgabe ■iu gerechter Weise zu entledigen, aber es liegt in der Natur der Sache, dafl ihre Aufgabe eine sehr schwere ׳war. Ihr Bericht erstrecke sich auf ein weites Gebiet. Die Regierung sei jetzt mit der Prüfung dieses Berichtes beschäftigt. Der Premierminister betonte zum Schluß, daß die Willensmeinung der Regierung, für die Zukunft Zwischenfälle nuisizuschalten, so viel bedeutet, daß genügend Polizeikräfte zur Erhaltung von Ruhe und Frieden sofort zur Verfügung gestellt werden würden. י Der frühere Premierminister •Baldwi 11, auf dessen Interpellation hin diese Erklärung abgegeben wurde, sprach sein Ein Verständnis mit der vom Premier- 226e4e4 Si&get 'ßu/egt Ihnen dafür, daß Sie das damit verschlossene Speisefett Kunerol ohne Bedenken zur Zubereitung von Osterspeisen verwenden können. Kunerol ist reines Kokosnuhfett und wird in den Kunerolwerken, Wien, unter streng ritueller Aufsicht des Herrn Bezirksrabbiners S. Ehrenfeld zu Matter.sburg erzeugt. L 100% REINES KOKOSNUSS FETT minister geäußerten Willenskundgebung der Regierung aus. Auch Lloyd George billigte ■im Namen der libcralcn Partei die Erklärung MacDonalds. Aus meinen Erinnerungen Ein Preßprozeß und was darum ist. Von Rabbiner Ph. Fischer in Sürospatak. Die Erwartung־, daß die gewaltige Protostmanifcstation jener großen Versammlung vom Jahre 1907*) die Unifikationsbestrebungen seitens der Neologie zum Stillstand bringen werde, erwies sich als eine vergehliehe. Ja, noch nie raste das neologe Wochenblatt in solch haßerfüllter, blind wütender Weise gegen die Selbständigkeit der Orthodoxie, wie in den auf jene Manifestation folgenden Monaten. Die orthodoxen Gemeiiulen des Landes wurden ,in unerhörtester Weise gegen ihre Rabbincn und ihre Zciitralkanzlei verhetzt. Sie wurden geradezu zu pffoncr Auflehnung gegen die autonome orthodoxe Organisation zugunsten einer mit den Ncologen gemeinschaftlichen Organisation aufgefordert. Und in sehr vielen, namentlich sogenannten ״einheitlichen“ orthodoxen Gemeinden, in denen naturgemäß stets eine größere oder kleinere Anzahl mit den Unifikationsbestrcibungcn sympathisierender Persönlichkeitcu vorhanden war, war die Lage sehr kritisch geworden und deren Rabbincn blickten mit größter Besorgnis der Zukunft entgegen. Und dies um so mehr, als, während Mordechai Ilajehucli**) die Rolle zugctcilt bekam, die orthodoxen!Massen für die U.nifikntionsbestrebungen *) Siehe in Nummer 10 d. Bl. :!:*) Der Schriftstellername des früheren Reilaktcurs des ncologen Wochenblattes. zu gewinnen, Dr. Franz M e z e i, der damalige eigeutliehe Leiter der ncologen .Landeskanzlei. ein Mann von gewaltiger Energie, großem Wissen und scharfem Verstand, dazu noch über eine glänzende Feder verfügend, es nicht unterließ, das Kultusministerium mit Eingaben zu bestürmen, in denen geradezu eine diabolische Advokatenkunst •zur Beweisführung für die •Zulässigk 0 i t, N ü t z I i c h k e i t, G e s e t z 1 i c 11 k e i t, j a u nu m g ü 11 g 1 i c h e Not w e n d i g k c i t d e 1־ g e m e i 11s c 11 a f 11 i c. h c n L a 11 d e s o r g a 11 i s u t i o 11 entwickelt worden ist. Und diesem ungeheuren Druck Her ncologen Presse gegenüber stand die Orthodoxie stumm und machtlos gegenüber ־. sic ver f ii g t e ü b e r k eine e i g e 11 e Presse! 1H i e 1־ m 11 ß t e etwa s g e t a 11 w e 1־ d e 11. In meiner tiefen Besorgnis um die •.Entwicklung der Dinge schrieb ich einen flammenden Appell in deutscher Sprache für den ״Israelit“, worin ich die Unhaltbarkeit dieses Zustandes klarlegte und zur Vermeidung verhängnisvollcr Folgen die sofortige Herausgabe eines orthocloxen Wochenblattes forderte. Ich schickte diesen Artikcl!Herrn Jakob Rosen heim in Frankfurt a. M. und bat ihn zugleich, in der Angelegenheit ׳selbst an Herrn Präses Adolf Frankel in Budapest zu schreiben, da ich cs für ganz gewiß halte, daß letzterer einer von solch Das jüdische Wien, Von. L. M at.ters b 111־ g c r. II. Die Zentren. Heuer fiel der 7. Adar auf einen Freitag. Die üblichen Traucrf eiern hatten schon am Abend vorher stattgefunden und so war dieser Tag ebeii ein E1־cw Sclmbbos wie jeder andere Freitag. Und dennoch sollte ich an diesem 7. Adar noch daran erinnert werden, daß er der Todestag jenes Größten in Israel sei, der eins Land der Sehnsucht 11111• at011 ferne erschauen gedurft. Der Student Salomon Hammer, einer von jenen, die am Wege liegen bleiben, ging an diesem Tage ins Haus der Ewigkeit, in jenes große Zentrum, das alle versprengten Glieder des jüdischen Volkes im der Großstadt, eint. Er war aus Galizien nach Wien gekommen, hatte im Kriege den Keim zu seiner Todeskrunkhcit erworben und dann noch mit übermenschlicher Anstrengung sein Medizin- Studium nahezu beendet — dann aber war seine Kraft gebrochen. Bei einem meiner Besuche bei dem schwerkranken Hammer sprach er, der auch über reiches jüdisches Wissen verfügt hatte, von der weitgehenden Differenzicriuig der jüdischen Sitte, Kranke zu besuchen, des religiösen .Pflichtgebotes ״Bikur Cliolim“ mit seiner luiargenauen Rücksichtnahme auf die Psychologie des Kranken. Zur selben Zeit huttc ich außer Hammer noch eine ganze Reihe anderer Kranker aus meinem Bekunntenkrei.se zu besuchen und so erlangte ich ziemliche Hebung in der Erfüllung dieser Pflicht. Und so sali icli 1m Rothschild-Spital eine ganze Anzahl neuer Patienten ankommen mul — wieder gehen. Da war einmal eine durch einen Schlaganfall halb gelähmte Frau, die sich au ihre bei ihr sitzende Tochter klammerte, als wollte sie damit das Leben festluiiten, das sie am nächsten Tage doch nicht mehr besitzen sollte. Oder ein junges Mäd- <־hen, das wochenlang buchstäblich mit dem Tode rang. Alt und jung sah ich sic da kämpfen und oft, nur allzu olt unterliegen. Und so erlebte ich da wieder einmal jenes große Mitleiden, jenes Verstehen und Verzeihen, das wohl jeder fühlende Mensch beim Aublick so vielen Leides empfinden muß. Gegenüber solchen verzweifelten Kämpfen und verglichen mit der letzten großen Resigimtion, die aller am Ende harrt, verschwinden alle Diffelenzen und Sorgen des Lebens uncl daher mag auch die hohe Geltung der religiösen Pflicht des Krankenbesuches kommen, der ja nicht nur den Leidenden Trost, sondern vielleicht mehr noch den Gesunden Mahner und Erzieher sein soll. Ich begegne denn auch regelmäßig an den Sabbatuachmittagen an den Krankenbetten des jüdisehen Spitals denselben Menschen, denen gleich mir vielunbewußt dieselbe Funktion dieser Mizwah irn jüdischen Seelenleben vorschwebt. Und wenn ich einmal gesagt hatte, daß das jüdische Wien kein richtiges Zentrum besitze, so muß ich dies doch dahin richtigstellcn, daß zwar das Spital auch dadurch nicht zum jüdischen Zentrum wird, daß man dort immer Bekannte treffen kann, wohl aber ein jüdisches Zentrum jener Gesamtbegriff von Pflichterfüllung gegenüber den Mitmenschen ist, den wir als Gemilus Chassodim bezeichnen. Räumlich war das jüdische Spital immer an der Peripherie AViens gelegen und auch heilte ist es der Peripherie näher als dem Zentrum. Freilich war schon im 14. Jahrhundert auf dem heutigen Judenplatz, also in der Mitte der damaligen Judenstadt, ein Judenspital gestanden. Eigentlich hätte aber unser heutiges Spital im Vorjahre sein 300jäh1־iges Jubiläum feiern können, da nach einer von Gcrson W 0 11' in seiner Geschichte der Juden in Wien mitgeteilten Urkunde mn 5. April 1629 das Spital in der Roflnu :für die befreite Judenschaft an die Gewähr geschrieben wurde. Das mochte vielleicht nur ein kleines Häuschen zur notdürftigen Unterbringung Kranker, vielleicht auch gar nur eine Art Hekdesch, wie es früher jede Judengemeinde besaß, gewesen sein, das vor den Toren Wiens am Eingänge zum Friedhofe gelegen und im Jahre J727 erst zu einem wirklichen Spital ausgcstaltel wurde. Seither hatte Wien aber jedenfalls sein jüdisches Spital und nachdem dieses durch Ueberschwemmuiigen baufällig geworden war, wurde a!m 1. November 1795 in der Rofl.au, Juidengasse 50 (Seegasse, an der Stelle des jetzigen Vcrsorgungshauses der israelitischen Kultusgemeinde), das neue Gebäude eröffnet. An der Front trug es 'im Geiste der Zeit die folgende Aufschrift: ״Krankcn-Hospital für die leidende Menschheit von der hiesigen israelitischen Nation erbaut 1795“. A11 der Nordseite des einstöckigen Hauses befand sich ein langer Hof raum und hinter diesem der bekannte, seit 1784 nicht mehr benützte Begräbnisplatz. Aus diesen Tatsachen geht hervor, dafl die Besorgnis mancher frommer Zeitgenossen, das Versorguugshaus stiincle wenigstens zum Teil auf Eriedlvofsgrund, unbegründet ist. Die leitenden Aerzte der Anstalt waren Dt־. Samuel Oppenheimer und Dr. Elias Hirschfeld. Für den Umfang des Betriebes ist die Tatsache kennzeichnend, dafl in den Jahren 1796 bis 1806 jährlich ungefähr 100 Kranke verpflegt wurden. Den oben genannten Aerzten folgten nebst vielen anderen im Jahre 1858 Dr. Ignaz Edler von llofmannsthal. 1851 Dr. Adolf Fischhof und später Doktor Wülfler, dessen Schrift ״Das alte und neue Wiener Israelitenspital“ mehrere Daten entnommen sind. 1868 regte,Dr. Wülfler die Gründung eines großen Krankenliauses an und schon am 17. Jänner 1869 machte Moritz Ritter von Goldschmidt dem Vorstande die Mitteilung, daß Anselm Freiherr von Rothschild sich entschlossen habe, der Gemeinde 200.000 fl. zum Ankauf eines Baugruudes und zur Erbauung eines Spitals mit 100 Betten zu schenken. Und so erstand im Jahre 1873 unter Leitung des Architekten W. Stiafiny und des Professors Oser das bekannte Krankenhaus am Wühringer Gürtel, das durch eine große Weiherede des Predigers Jellinck eröffnet wurde. Im Jahre 1924 erfolgte eine vollständige bauliche und. technische.Umgestaltung der Anstalt, auf die stolz zu sein tlie Wiener Juden allen Grund hätten. Mit dieser Restaurierung ist aber auch eine sehr begrüßenswerte innere Wandlung Hand in Hand gegangen. Der jüdische Kranke will ja nicht nur in jüdischein Milieu leben und, wenn es sein muß, sterben, S011dem er will auch die Gewißheit besitzen, daß die ihm Vorgesetzten Speisen rituell zubereitet sind, und dies ist nunmehr auch in viel höherem Maße als früher der Fall. Ueberdies ist aber'auch durch Anschlag auf allen Stiegen und Gängen dafür gesorgt, daß in den Räumen der Anstatt der Sabbat nicht durch Rauchen entweiht werde. Aber man braucht nicht erst orthodoxe Brillen aufsetzen, schon mit dem bloßen־ Auge, sofern es nur ein jüdisches Auge ist, sieht man, daß diese Restauration im Sinne des überlieferten Judentums noch immer nur einen kleinen Anfang darstellt und erst bei konsequentem Ausbau zufriedenstellend werden kann. Es genügt nämlich nicht, das Rauchen am Sabbat offiziell verboten zu wissen, wenn in allen Ambulatorien und Abteilungen tatsächlich am Samstag Vollbetrieb herrscht, während Sonntags nur Journaldienst versehen wird. Diesen Jourliaklienst von Sonntag auf den Sabbat zu verlegen, selbst auf die Gefahr hin, im Rahmen einer solchen Reform auch einen höheren Prozentsatz jüdischen Ililfs- Personals cinstellcn und schulen zu müssen, wäre Ehrenpflicht einer Verwaltung, die sich der Bedeutung ihres Dienstes innerhalb des Pflichtenkreises echter Gemilas Chesed bewußt ist. Wenn die ״Barmherzigen Brüder“ soweit auf den Sabbat Rücksicht nehmen, daß sie ihren Sammeltag nicht mehr Samstag, sondern Freitag abhalten, kann vom Rothschild-Spital wohl noch ein Mehr von Rücksichtnahme auf den Sabbat erwartet werden. Die Pflicht des ״Bikur Cliolim“ umfaßt eigentlich nur den Krankenbesuch, dagegen ist zur Krankenpflege der Kranke selbst durch andere Gesetzespartien der Thora, die Umgebung־ des Kranken aber durch den Gesamtbegriff ״Gemillus Chassodim“ verpflichtet. Und wenn ein jüdisches Volkslied im Osten TesdmwoJi, Tefilloh und Zedokoli als die jüdische Trojka (Dreigespann) bezeichnet, können diese drei Zentren des jüdischen Le- . bens nicht nur, wie es gewöhnlich geschieht, mit Fasten, Gebete lind Almosen identifiziert werden, sondern wir können auch Zedokoli mit Gemillus Chassodim und seinen vielen Spielarten gleichsetzen. Mit den anderen beiden Säulen aber, auf denen nach der Mischna die Welt ruht, Thora und Awoclah, als Zentren des jüdischen Wien wollen wir uns gelegentlich eines anderen Spazierganges unterhalten. Vielleicht werden wir dann auch finden, was Teschuwoli und Thora mit Fasten, Gebet und Gottesdienst aber mit — Geräusch zu tun haben.