Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 16 (1930)
- Issue
- 15-16 (11.4.1930)
- Date
- 1930-04-11
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 2 JÜDISCHE PRESSE Nr. 15/16 Der Bericht der britischen Palästina- Untersuchungskommission. die Erfolge Jtiiig-lndicns. Die englische Staatspolitik in ihrem kalten Utilitarismus wird in wachsendem Maße mit diesen Faktoren rechnen müssen. Der jüdischen. Sache wird die schönklingende P h ra s e. die korrekte Verbeugung•' gehören.den arabischen Forderungen die praktische F ö 1• d e r n n g. Augesichts dieser Situation, die wie eine .Eiskruste die jüdische Begeisterung für Palästina umfassen wird, werden Tausende und ׳rausende unserer jiidischeu Brüder enttäuscht in ihre Lethargie zurücksinken. Betrogen von dem nationalistischen Phrasen werden, sie den unsichtbaren, aber mit anheim- ■Iו eher Gründlichkeit arbeitenden Kräften der Assimilation anheimfallen, sie werden sich irgend einer neuen modernen Idee raschest verschreiben. Doch wir sind überzeugt, daß der gesund(' Kern 1111seres Volkes seinen Glauben an Erez jisroel, seinen Glauben an die Zukunft des jüdischen Volkes nicht verlieren wird. Enttäuscht von den nationalistischen Phrasen, mit denen der Zionismus alle Krankheiten des jüdisehen Volkes heilen zu können glaubte, abgekehrt von den'nationalistischen Tlhisionen. mit denen der moderne Zionismus Palästina und die hebräische Sprache als das Um und Auf jüdischer Pflicht und jüdischer Aufgabe hillgestellt hat, wird der gesunde Jude z u m G - t i d e r V ä i e r sei n e Zull u c h < n e h m e n. Befreit von dem Wunschtraiun des modernen Zionismus, werden sic zu dem Jahrtausende der Golusnaeht hindurch gehegten Glauben an Erez jisroel, das durch G-ttvcrtrnucn, durch Gläubigkeit, durch Vervollkommnung jüdischer Sittlichkeit und durch die Erfüllung des G-.ttcsgesetzes zu erwerben ist, zurückkehren. Das Lieht: des Sederabends wird die Finsternis der Enttäuschung über die Unzulänglichkeit aller politischen Abmachungen und aller modernen Hillsmittel von der Seele des jüdischen Volkes mit elementarer Gewalt hinwegscheneben. Und trotz aller Feststellungen von Untersuchungskommissionen, trotz aller kühl abwägenden Aeußermigcii nach allen Seiten sieh verbeugender moderner Staatsmänner wird der gläubige Jude in erhebender Innigkeit sprechen: ,.Heuer noch hier, n ii c h s t e s J a 11 r i m L a u d e I s r a e I." Nicht nur aus diesen, spezifischen Brennpunkten jüdischen Lebens, aus Rußland und aus Erez Jisroel. kommen traurige Nachrichten, überall auf dem ganzen Erdenrund keucht das jüdische Volk schwer unter der Last eines immer schwieriger werdenden Lebenskamples. Die ungeheure Vorarmung nach dem Kriege /.ehrt an .Mark und Bein des jüdischen Menschen, der allmählich von allen ideaien Verpflichtungen sich losmacheu will und mir au das karge tägliche Brot «lenkt. Diese!■ allermodernste Materialismus droht nicht nur wertvolle jüdische Institutionen zu vernichten, sondern wir laufen auch Gefahr, den jüdischen Menschen überliaupt zu verlieren. Denn dort, wo der jüdische Mensch den Sinaischmuck ablegt, wo er den lieiligen Sabbat preisgibt, dort muß er in der ägyptischen Fronarbeit lür die Bedürfnisse des täglichen Lebens für das Judentum vcrlorengehen. \ icle. viele Tausende unserer Brüder verschwinden so alljährlich und gehen in dem Völkergemisch unter, das keinen G-tt, keine Ideale, keinen Sabbat und keinen Festtag kennt, nur ein Wohlbehagen des Verdauens und den Rausch sinnlicher Befriedigung. Trotz dieses Umstandes verlieren wir unsere jiidische Hoffnung nicht, denn auch aus der Fron Mizrajims gab es einen Aufstieg, einen Aufstieg, der durch Wüsteneien, durch Entbehrungen führte, aber unser Volk au dem Berg G-ttes vorüberführte, am Sinai, aus dessen Kraft wir seither immer schöpfen, dessen Kraft uns immer aufrichtet. Das enttäuschte, verratene, mit den letzten Kräften ringende jüdische Volk wird aus seinem gesunden Instinkt heraus sieh auf diese unbesiegbare Kraft quelle besinnen, und so wird das Pessaclifest unsere Seelen mit neuer Kraft, mit neuer Hoffnung füllen, auf daß sie im Hinjdick auf die־ Erlösung aus Aegypten ungebrochenen ‘Mutes auf die künftige Erlösung harren. P* Am 31, Mar/ iilu'rroichto dio britischo HogicM’ung :lern In rin mente als B I a 11 h 11 c li den Bericht der von ,"m־ Walter Shaw geführten parlamentarischen Untersiuhimg'skommission Tür Palästina, die die nmniltelbnrrn Ursachen der Palästina-Unruhen־ im Anglist 1929 festzustellen und Empfehlung zu gehen hat.'welche Malhiahmen zu ergreifen seien, um eine Wiederholung solcher Unruhen in der Zukunft unmöglich zu machen. Die ״Jüdische Presse“ hat bereits vorige Woche diesen Bericht im Auszuge veröffentlicht. Mente tragen wir noch einige beachtenswerte ,Fest- Stellungen des Berichtes nach. Ks heißt in dem Berichte: Der Angriff der Araber. Der Ausbruch der Unruhen in Jerusalem am 25. August war von Anfang au ein Angriff von Arabern auf Juden. Unseri' fast von jedem Zeugen gestützt(' Ansicht ist. (laß der Ausbruch weder eine. Revolte gegen die hiitisclie ■Autorität in Palästina war. noch als solche heahsiditigt gewesen ist. Größinufti und Arabische Exekutive. Die neuen Bräuche, die von den moslemifischen religiösen Behörden, deren Leiter der Mufti ist, in der Nachbarschaft der Klngemauer euigefühvt wurden, zielteil zum I eil •daran( hin, die Juden zu belästigen, zum anderen Teil, die moslemitisdieii Eigentumsrechte auf die Klngemauer. das Pflaster davor und das umgehende :Besitztum naelidriickliehst zu!betonen. Eindas Versagen, während der den Unruhen vorangegangenen Woche einen Versuch zu machen, ihre Anhänger, durch eine öffentliche und nachdrückliche Prkläruug. daß sie auf der Seite von Recht und Ordming stehen, in den Zügeln zu halten, können weder der Mufti noch die palästinensisch-arabische Exekutive von Tadel ■freigesprodien werden. Luke trifft kein Tadel. , V ir billigen Herrn Lukes Vorgehen, wenn er es ablehnfe. die beträchtliche Zahl von Juden zu bcwall neu. deren Dienste ihm angeboton wurden. Nach seiner Meinung sowie der der Zivilberater hätte die Bewaffnung einer großen Anzahl Juden die Gefühle der Araber weiter aufgepeitscht und die Sicherheit einer weit größeren Anzahl von Juden gefährdet, als durch die Bewaffnung jener Sonderpolizisten hätten geschützt werden können. Die jüdische Demonstration. Während, des Oktober 1928 und August 1929 wurden viele aufreizende und leidenschaftliche Artikel in der Press(' Palästinas veröffentlicht. Wir sind der Mei- Mimg, dnß die Befugnis der Palästina-Regierung, eine solche' Presse zu suspendieren, gegen Zeitungen, die solche Artikel veröffentlichten, hätte angowendet werden können. Wir ,können keinen ,Polizeibeaniteil dafür tadeln, daß er die jüdische Demonstration an der Klugemaiier am 15. August nicht verhindert hat. Es ist unsere Ansicht, daß diejenigen, die während der Diskussion mit den Führern der jüdischen Jugend zugegen waren, es uuierließen, Major Saunders gegenüber klnrz11stelle.il, (laß die jüdischen Führer es abgcle.11111 hatten, eine der Bedingungen nnzunehmen, die Herr Luke seinem Be- Schluß, die Prozession zur ,Kla.gemauer zu erlauben, zugmiide!gelegt hat. J eil er Versuch, mb Gewalt die mos- ]omitisch(' Demonstration zu verhindern, die am 16. August stattfand, hätte gefährliche Wirkungen gehabt. Die Palästina-Regierung und das Nationalheiin. Die Kluge, ,daß die Palästina-Regierung dauernd einen Mangel a!rSympathie, fair die Errichtung des jiidi- שומז g TEIRrVO I 3A7 ן 1 כשר של 6סח I (תחח השנחח הרב ד׳ ישעי פורסט שיפשוהב) I Erzeugt unter Aufsicht Sr. Ehrwürden Herrn H Oberrabbiner Jesaia Fürst (Adas Jisroel) B Ueberall erhältllchl fl tarl Blaimselißins Vereinigte fflarsarine- und BiiMaMften j Kostenlose Auskünfte in allen Versichern ngsange I egenheiten. Herr Direktor Weidenfeld der ״Phönix‘f-Filiale VII., Zieglergasse 22 (B-31-2-49) hat sich in Hebenswürdiger Weise bereit erklärt, Mitgliedern und Freunden der Agudah kostenlos gewissenhafte Auskiinfte in allen Versiclierungsangelegenlieiten zu erteilen. In diesem Zusammenhang verweisen wir wieder auf die Vorteile, die die Versicherten ge-!ließen, wenn sie eine Versicherung beim ״P 11 ö 11 i x“ durch die Agudah abschließen. Ermäßigte Polizzengebühr, kostenlose ärztliche Beratung (bei jedem beliebigen Arzt), Aufwertung entwerteter Vorkriegspolizzen seien nur erwähnt, um einige wenige Vorteile zu nennen. Aber es gibt deren noch viele. Ganz abgesehen davon, daß auch die Agudah Nutzen daraus zieht. Es hat also jedermann die Möglichkeit, gemeinnützigen Zwecken materielle Vorteile zuzuschanzen und dabei selbst noch größere einzuheimsen. Vergessen Sie auch nicht, Ihre Kinder (Mitgift, Studiengeld) zu versichern! Nähere Auskünfte erteilt das Sekretariat der Agudah, II., Leopoldsgasse 16 (R-40-0-80). Tüchtige Menschen haben die Möglichkeit, einen schönen Nebenverdienst bzw. dauernden Erwerb zu finden. Näheres im Sekretariat der Agudah. sehen Nntionalhcims gezeigt lmt mul daß ihn־ Politik eine Politik der Schwäche gewesen ist. ist in hohem Maß auf die den! Mandat selbst innewohnenden Schwierigkeiton zuriickzii führen, sowie auf das IJjivormiig'cii, die zweiseitige Natur der Politik, die die Regierung diirchzuführen hat, richtig einzusclnitzen. Jüdische Arbeit und Einwanderung. Jüdische Unternehmung und jüdische •Einwanderung lmhen, wo.sie nicht die Absorptionsfähigkeit des Landes überschritten lialien. Palästina ■wcsentlidien Nutzen gehracht, von dein das arabische Volle profitierte. Wir erachten jedoch, daß die Ansprüche und ׳Fordemngen, die von zionistischer Seite hinsichtlich der Zukunft der jüdischen Einwanderung nach Palästina vorgelmicht worden sind, von einer Art gewesen sind, daß sie unter den Arabern die Befürchtung geweckt haben, daß sie schließlich ihres Lebensunterhaltes beraubt und unter die politische Herrschaft der Juden kommen werden. Wir erachten feiner, daß Sir John Campbell im Recht war, als er darlegfe. daß die Krisis von 1927 und 1928 nuf die Tatsache zuriickzufiiliven sei. daß mehr Einiwanderer nach Palästina gekommen sind, als sie das Land wirtschaftlich absorbieren konnte. Neben anderen und unmittelbareren Ursachen der Unruhen war das durch die jüdische Einwanderung bei den Arabern verursachte UurchtgcTiiltl ein Faktor, der zu dem Ausbruch der Unruhen beigetrngen hat. In der .Bewilligung von iünwanderuugszertifikaten ist es die Praxis der Föderation, auf den politischen Glauben der etwaigen Immigranten mein־ Gewicht zu legen als auf ihre Qualifikationen für die Arbeit in Palästina. Dirses System kann nicht rechtfertigt werden: daß .politisch(• Ueberzengung ein entscheidender Faktor hei der Auswahl unter Immigranten sei. verdient schürfst('!) Finwnml. Palästinas Bodenverhältnisse und Landwirtschaft. , Palästina kann nicht (,ine größere: InndWirtschaftliehe Bevölkerung erhalten, als es sie gegenwärtig erhält, es sei denn, daß die Acker.baumethoden einen• radikaleii Aetidertiug unterworlen ,werden. Bei intensiverer Bodenbearbeitung — wenn sich eine solche als möglich erweisen sollte• ־— könnte Raum für eine Anzahl von Neuankömmlingen in . gewissen Distrikten geschaffen werden. Bedauern darüber, daß die Araber 1922 einen Legislative Council ablchnten. Fs ist zu bedauern, daß die• arabischen Führer nicht das Angebot eines Legislativ(' Council, das ihnen 1922 gemacht wurde, angenommen haben. Fs ist unsere Meinung, daß ein Gefühl der •Frbiiteruug unter den Arabern von Palästina als Ausfluß ihrer Enttäuschung über die NichterluiItuiig eines Maßes an Selbstregirrung die Schwierigkeiten der• lokalen Admiuistrutiou erhöht. Die Regierung soll ein Statement über ihre Politik veröffentlichen. Die der Bnlfour-Deklaraiion mul dem Mandat innewohnenden Schwierigkeiten sind .Faktoten von höchster Wichtigkeit bei der Betrachtung des Palästina- Problems. Der Erlaß einer klaren Definition ihrer Poliiik du roh!ein Statement, daß es die feste Absicht der Regier 1111g Sr. Ma jestät ist, diese Politik bis ins kleinste zu erfüllen, würde für die Sicherung einer Führung des Landes von größtem Nutzen sein. Fs herrscht unter den Arabern in Palästina ein ,starkes Gefühl .der 'Erbitterung über eine Lage, nach der (während sie. die Araber;’ keinen direkten Zugang zu der Regierung Sr. Majestät haben) den Juden in Palästina!gemäß der Funktion der Zionistischen Organisation nach Artikel 4• des■ Mandates jederzeit gestattet ist, sich der Regierung Sr. Majestät direkt zu nähern. Die fundamentale Ursache der Unruhen. Die fundamentale Ursache der Unruhen, ohne die unserer ,Meinung nach diese Unruhen sich entweder nicht ereignet hätten oder, wenn ja, nicht über den Cluirakter eines lokalen Aufstandes hinnusgegangen. sein würden, ist das arabische Gefühl der Feindseligkeit gegen die Juden, das der Enttäuschung bezüglich ihrer politischen mul nationalen Aspirationen und der Sorge um ihre wirtschaftlich(' Zukunft entspringt. Das Gefühl gründet sich auf der zwiefachen Furcht, daß sic, die Araber, durch jüdische Einwanderung und Bodenkauf ihres Lebensunterhaltes!)('rauht werden und schließlich unter die politische• Herrschaft der Juden kommen Icönnlen. Unserer Meinung mich waren die unmittelbaren ■Ur- Sachen des Ausbruches: a) die lange Reihe von ■Zwischenfällen im Zusammenhang mit der Klugemaiier, die am jüdischen Yersühmingstag im September 1928 begann und mit der inoslemitiselu'ii Demonstration am 16. August 1929 endete. Alle diese Zwischenfälle müssen als ein zusammenhängendes Ganzes angesehen werden, am meisten aber hat unserer Meinung nach die jüdische Die erste rituelle Kochschule. (״Dr.-Kiügei-Heini1■•, Wien, II., Malzgasse 7), die nacli einem Vortrag des bekannten Diätetikers Professor Dr. W. S e 111 e s i 11 g e 1• am 5. d. M. zur Eröffnung gelangte, zeitigte einen derartigen Erfolg, daß einige Anmeldungen zur Kursteilnalime wegen momentaner Ueberfüllung zurückgestellt werden mußten. Der Vorstand des Heims ist nunmehr bemüht, Parallelkurse bzw. Spezialkurse einzurichten, und gedenkt nach den Feiertagen — die nötigen Anmeldungen vorausgesetzt — einen Kursus für Diätkost abhalten zu lassen. Anmeldung von 9 bis 12 Uhr und von 3 bis 5 Uhr. (Telephon A-48-0-77.) Neue Sprachschule Montag den 3. März 1930 wurde die neue, vom Wiener Stadtschulrat konzessionierte Schule für die englische und französische Sprache für weibliche Personen im ,.Dr. Krüger-Heim“, Wien. II., Malzgasse 7. Tel. R-43-5-40 (10 bis 12 Uhr und 3 bis 5 Uhr), eröffnet. Kurse Jür Anfänger und Vorgeschrittene, an Nachmittagen und Abenden. Spezielle Kinderkurse. Erprobte, erstklassige Lehrerinnen. Billige Kursbeitrüge,