Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 16 (1930)
- Issue
- 11 (14.3.1930)
- Date
- 1930-03-14
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 JÜDISCHE PRESSE Nr; 11 ,«lllinilllllBBIillHIIIIflaiSIllllflaiRSRIlBniHllllllllUIIIIIIIIIIIIIIIIIIK T schechoslo wakei will und hegreift, daß im Judentum Einrichtung von solch tief religiöser und zugleich eminent praktischer Bedeutung wie die allgemeine ־ כופר נפשAbgabe von besonderer Wichtigkeit ist, wird auch in diesem Jahre bemüht sein, den Erfolg der Aktion mit allen Kräften zu fördern. Namentlich sollten es die weiterblickenden jüdischen Männer in den Orten, wo der כיפר נפש bisher noch nicht eingehoben wurde, es sich angelegen sein lassen, dafür zu sorgen, daß die Jugend sich überall mit gleicher Liebe der Arbeit für den כופר נ פ ש Widme und dadurch sich zum Verständnis für die wahren Bedürfnisse der jüdischen Gesamtheit und unseres Heiligen Landes entwickle. QflBMmmHMBgMBMraHBIW1aMMSUa1HaBRBII(SBHBBSam9IHIBRIIBRBS>SB9aBfia«Bra1 Masaryk-Festg-ttesdienste und -Ver- Sammlungen. Anläßlich des 80. Geburtstages des Herrn Präsidenten fanden ' in allen G e m ■e i n d e t e m p e l n des Landes׳ feierliche Sonderg-ttesdienste statt. Die Landes- und Ortsbehörden waren bei den synagogalen Feierlichkeiten ׳vertreten. Die Gemeindemitglieder und ebenso die jüdische Schuljugend mit ihren Lehrern waren selbstverständlich vollzählig anwesend. Die Rabbiner verrichteten bei geöffnetem T'lioraschrank das Festgebet und hielten von der Kanzel herab patriotische Reden, in denen die Persönlichkeit des 'Herrn Präsidenten geschildert, seine Verdienste um das Vaterland gewürdigt und die Gemeinden zur ausdauernden Liebe und Treue zur tschechoslowakischen Republik ermahnt wurden. Fast überall wiesen die Redner zugleich auf das auf den Namen des Präsidenten ■in der• Tatra zu errichtende jüdische Genesungsheim hin und forderten die Institutionen und Einzelpersonen •auf, dieses ehrende Werk des Gesamtjudentums tafkräftigst zu fördern, damit es ehebaldigst verwirklicht werden kann. Bemerkung: Wir können die zahlreichen an uns gelangten Einzelberichte über die F e s tg-tt es dienst© und Versammlungen, Sitzung: e n usw. in den Gemeinden- und Vereinen wegen des großen Raumes, den sie füllen würden, nicht veröffentlichen. Es sei bloß im allgemeinen festgehalten, daß es keine einzige jüdische Gemeinde gibt, die nicht die Gelegenheit freudig ergriffen hätte, dem Präsidenten anläßlich seines 80. Geburtstages ihre Verehrung zu beweisen. Die Redaktion. Die נפש “IS*D-Aktio11 für das Jahr 5690. Wie alljährlich schreiten die Agudas J i s r o c L .1 ugendgruppen in der Slowakei im Laufe die־ ses Monats zur Einhebung der unter dem Namen כופר נפש bekannten Abgabe von jedem Juden und jeder Jüdin, die durch dieses ״Löscgeld für die Seele“ ihre innige Verbundenheit mit dem heiligen Lande bekunden sollen. Der ״Kofev Nefesch“ wird zur Förderung prakti: scher Unternehmungen und Bewirtschaftung des Heiligen Landes im Sinne dev religiösen Vorschriften und im Ein׳ klänge mit ihnen verwendet. Die auf diesem Wege in den vergangenen Jahren aufgebrachten Beträge wurden zum Ankauf von Boden, zur Erwerbung eines Bauplatzes für die Jerusalemer ״Bes Jakow“־Madchenschule verwendet. Auf diesem Wege soll auch in Zukunft fortgeschritten werden. Angesichts der Ereignisse im letzten Jahre er־ scheint es besonders notwendig, das religiöse Erziehungs־ wesen wirtschaftlich zu stärken und die heran wachsende Jugend gegen die Unbill der Zeiten zu wappnen. Der ״Kofer Nefesch“ erfreut sich seit seiner Einrichtung auf Grund des Beschlusses auf der ersten ״Kenessijoh Ge־ dauloh“ allgemeiner Sympathien. Sowohl die Zahl der Teilnehmer als auch die der Orte, in denen er alljährlich erhoben wird, ist im Wachsen begriffen. Dies umso־ mehr, als es ein erfreuliches Zeichen ist, daß es allent־ halben die begeisterte orthodoxe Jugend ist, die sich mit andauerndem Eifer in den Dienst des guten Werkes stellt und damit beweist, daß sie ihr jüdisches Gemeinschaftsgefühl an richtiger Stelle zu bewäh־ ren versteht. Wer unsere Jugend in ihrem Streben stärken 1a»a11MaBw' unserer Tage eine Ein Brief von Rabbi Chajim Sonnenfeld .Kofer Nefesch46״ über ־Jugend־Jisroel־Die Leitung der Agudas Organisation in der Slowakei erhielt dieser ־Tage von Oberrabbiner Rabbi Chajim Sonnenfeld in Jeru salcin ein bemerkenswertes Anerkennungsschreiben über ihre bisherige Arbeit für die religiöse Jugenderziehung in Aktion. Der־Erez Jisroel und über ihre Kofer Nefesch Brief des greisen Thorafürsten, zu dem die ganze Diaspora ־verehrend emporblickt, dürfte die weitesten Kreise inter ־cssieren. Er lautet in seinem hebräischen Original fol .־gendermaßen יוסח חיים זאננענפערד רב ואב״ד למקהלות אשכגזים בעיה״ק ידוש ל ם הו״ב. ב״ה יום ה׳ לחרש שבט שנת הר״צ פעהיק ירושלם ת״ו. שלום וברכה למע״כ הנאהבים והנעימים־ הסתדרות הארצית של צעירי אגרת ישראל הי״ו בסלובקיי בראטיסלאווא. אחרשה״ט שמחתי באומרים לי שמע״ב הי״ו מעלים את ארץ הלרש על ראש פעולתכם־ וכי הגדלחם לעשות לעזור לבנין את״ה על סי התורה והמסורה ולחמיך בהחגיך החרדי, להקים בארץ אבית דור דיעה של דעת ד׳ ותוה״ק כנים נאמנים מתחנכים לחורה ולמצות כחפץ אבית. יישר כחכם וחילכם לאוריתא וד׳הטוב יצליח דרככם לראית טוב בעמלכם ולהביא ברכה מרובה אל הקדש בלבל כס וכמשאת נפשכם. חזקו ואמצו גם את חבריכם ואת כל בגי הנעורים לקרב ואתם אל חיבת הקדש ולעורר אותם לחזוק התירה ולחזוק ארץ הקדש. והנני גם אני להצטרף בשבח התקנה הטובה ע■ הנהגתם בתרומת "כיפר נפש" אשר פרוטה ופרוטה מצטרפות להשכין גדול ולברכה בקרב חארץ. והנני בברכה מרובה לכל החברים הנאמנים ולעוסקי בעברת הקי־ש באמונה, המחכה לישועה קרובה (הת״י) יוסף. חיים זאננענסעלר• In deutscher Uebcrtragung: J. CH, SONNENFELD Chief Rabbi of the Jewish Ashkenasic Community JERUSALEM. Jerusalem, 8. Schewat 5690. Gruß und Segenswünsche an meine lieben Freunde in der Landesorganisation der Agudas JisroeLJugend in dev Slowakei (Bratislava). Meinen Gruß voran! Es freut mich zu vernehmen, daß Ihr das Heilige Land an die Spitze Eurer Tätigkeit stellet und daß Ihr für seine Aufrichtung im Sinne der Thora und der Tradition und für die Förderung des orthodoxen Erzie־־ hungswesens Großes geleistet habet, damit im Lande Subotica. Am vergangenen 7. Adar veranstaltete die hiesige ח׳ ש״ס wo täglich ח״לין gelernt wurde, im Ansolrluß an die seitens •des Herrn Oberrabbinens -beendeten וי ס׳ משנה ein wohlgeluiigenes Sijtimfest. Bei der Tafel, an welcher die Leitungen der ■Gemeinde, T. T. 11. a. m., wie auch viele Gäste aus der Umgebung, teil-nahnren, sprach zuerst -Se.!Ehrw. Oberrabbincr einen scharfen חילון in der 1סוגי' קיטו ולא ר׳ימ verbunden mit einer ge istreichen הדרן •und zmn Herzen dringenden Miissar-Dros-cho, worin sowohl auf!Llimid wie Hachsokcs Hatauro eindrin-glichst hingewiesen ward.!Es sprachen!noch: Herr Wolf Klein, der tägliche Vortragende des Vereines, H. Schlesinger, Sam, Ehrmatin, Mich. Adler. Szombnthcly (Steinamanger). Samstag den 1. März verschied in der Blüte seiner Jahre der Gutsbesitzer Herr Albert Spitzer ץ״ל ein würdiger Sohn des geachteten ר׳ שלמה כ״ץ שפיצער♦ Die Herren Oberrabbiner cßiiedikt, Rabbiner Einhorn, Hausner und Stein schilderten bei der Bestattung die Frömmigkeit des Verstorbenen, dessen Heimgang von der Witwe und zwei unmündigen Kindern und den weitverzweigten Patrizier- Familien Spitzer, Steiner, Paszkusz und Gestettner beklagt wird. Die Führung der zionistischen Arbeit ist von der Exekutive der Zionistischen Organisation auf die Exekutive der Jewish Agency übergegangen. (J. T. A.) Das Sekretariat des Weltvcrbandes der Zionistcn-Rcvisionisten hat soeben den Briefwechsel zwischen den Führern der Zionisten-Revisionislcn und dev Exekutive der Zionistischen Weltorganisation, betreffend die Forderung der Revisionisten nach Schaffung eines politischen Notkomitees, veröffentlicht. Aus dem Antwortschreiben der Zionistischen Exekutive geht hervor, daß die Führung der politischen Arbeit von der Exekutive der Zionistischen Organisation auf die Exekutive der Jewish Agency iibergegangen ist. Staatliche Reifeprüfung am Realgymnasium der Adass Jisroel. (J. T. A.) Zum ersten ■Male in der Geschichte der deutschen Judenheit hat — wie der J. T. A. mitgetcilt wird — an einem jüdischen Gymnasium die staatliche Reifeprüfung stattgefunden.. Die Prüfung erfolgte in dem 1919 gegründeten Realgymnasium der Adass Jisroel zu Berlin. Sämtliche Abiturienten bestallden das Exameu. Der als Vertreter des Provinzialschulkollegiums anwesende Oberschulrat drückte in seiner Schlußansprache seine besondere Zufriedenheit mit dem Lehrerfolg aus und ermahnte die Abiturienten, in einer Zeit der Technik und der Maschinen nach der Lehre ihrer Schule die Seele nicht zu vergessen und im Berufe durch stetes Eintreten für Ueberbriickung der Gegensätze dem Staate zu dienen. Die religiöse Erziehung der jüdischen Kinder in New York. (J. T. A.) Auf der in Baltimore unter Teilnähme von jüdischen, katholischen und protestantisehen Erziehern abgehaltenen Konferenz der ״Gesellsehaft. für religiöse Erziehung“, teilte der Vertreter des New Yorker jüdischen Lehrerseminars Dr. Julius Maler mit, daß von den jüdischen Kindern der großen New Yorker Schulen 69,6 Prozent der Knaben und 37,2 Prozent der Mädchen eine jüdische religiöse Erziehung genießen. 1909 bildeten die jüdischen Kinder New Yorks 31 Prozent aller New Yorker Kinder, die sich Gesetzes- Übertretungen zuschulden kommen ließen; 1929 war der Prozentsatz solcher jüdischer Kinder nur 14. Meist wurden jüdische Kinder wegen verbotenem Hausierhandel, Straßenbettel und grobem Unfug verhaftet. Dem gegenüber ist die Zahl der jüdischen Kinder, die wegen Raubüberfälle, Diebstahl und ähnlicher schwerer Verbrechen bestraft wurden, eine sehr kleine. Die Regierung zahlt 100.000 Pfund Entschädigung. (J. T. A.) Die Palästina-Regierung hat 100.000 Pfund Sterling zur Entschädigung von Personen, die während der Augustunruhen Schaden erlitten haben, bewilligt: davon werden 80J)00 Pfund — wie die hebräische Tageszeitung ״Hazman“ erfährt — zur Entschädigung von Juden und 20.000 Pfund zur Entschädigung von Arabern verwendet werden. sehen Rußland angeblich historisches Material für den Ritualmord bei Juden beschafft haben. Gorki erklärte, daß das zu diesem Monsterprozeß tatsächlich vorhandene Dokumentenmaterial nur zum Teil bekannt ist. Er sei im Besitze von bisher unbekannt gebliebenem reichen Urkundenmaterial, durch dessen Veröffentlichung eigentlich erst in die Hintergründe des Prozesses und seiner Vorbereitung hineingeleuchtet 'und auch die politische Bedeutung des ganzen Feldzuges sowie die Haltung der Regierungsbehörden unzweideutig festgestellt wird. Diese Arbeit werde vielleicht das wichtigste Quellenmaterial zur Bekämpfung der Ritualmordlüge und cler Aufhellung der Fälschungen von Urkunden, Protokollen und Zitaten aus anderen Werken clarstellen. Auch das zweite Werk, an dem Gorki jetzt arbeitet, soll eia gründliches Monumentalwerk werden und die Geschichte des Antisemitismus von den ersten judenfeindlichen Regungen bis auf unsere Zeit, auf ganz neues, aber durchweg unerschütterliches Quellenmaterial gestützt, behandeln. Diese Arbeit ist schon weit fortgeschritten. Es ist wahrscheinlich, daß die Werke gleichzeitig in verschiedenen Sprachen herauskommen werden. Kaiser Wilhelm gegen die Ritualmordlegende. Interessante Aeußerungen des ehemaligen Kaisers Wilhelm über die Ritualmordlegende teilt der Kriminalkommissür a. D. Gustav Steinhuuer mit, der den Kaiser als Detektiv überallhin begleitete und jetzt im Berliner 8״-U11r-AbendbIatt“ seine Lebenserinnerungen veröffentlicht. Kriminalkommissar Steinhauer berichtet von einem Gespräch, dus während eines Gastaufenthaltes des Kaisers Wilhelm in Liebenberg, dem Landgute des Fürsten Waldenburg, stattfand..Man sprach über den angeblichen Ritualmord in Könitz, der damals ganz Deutschland in Aufregung־ versetzte. Ich muß gestehen, sagt Kriminalkommissar. Steinhauer, der dem Gespräch beiwohnte, daß die vernünftigste Ansicht in dieser Sache der Kaiser äußerte. Er nannte die ganze Geschichte einfach blödsinnig. Er bedauere es sehr, daß es noch einflußreiche und sonst vernünftige Leute gibt, die diesen Blödsinn nicht nur kolportieren, sondern ihn dadurch noch nähren, daß sie nicht dagegen angehen. A11 den Mienen der Herren konnte ich bemerken, daß sie nicht alle seiner Meinung waren. Darüber ärgerte er sich. * Als dann einer der Herren, ich glaube es war Barnbüler, bemerkte, daß sich, die Juden docli tatsächlich gesellschaftlich von den Christen absondern, so daß man auf den Gedanken kommen könnte, daß sie Heimlichkeiten treiben, erwiderte der Kaiser ziemlich ironisch: ״Ich habe von einem gesellschaftlichen Absondern, insbesondere in den höheren Kreisen, noch nichts bemerkt. Ich kann auch nicht sagen, daß mein Vater oder mein Großvater ein besonderes Vorurteil gegen die Juden gehabt hätten, im Gegenteil, der letztere hatte einen jüdisehen Bankier namens Kolm. Dieser stand bis an sein Lebensende in größter Achtung bei meinem Großvater.“ Er bemerkte dann weiter, daß nach seiner Ansicht der Ritualmordgedanke von vielen Leuten nur aus Neid genährt werde, weil der Wohlstand der Juden immer mehr steige. ״Fahren Sie doch einmal nach England oder Amerika! Da kümmert sich kein Mensch um die Juden, und zweifellos hat mein Onkel Eduard viele persönliche Freunde, die der jüdischen Religion angehören.“ Neue Dokumente zur Drcyfiis-Afiare. (J. T. A.) Rand XIII der Sammlung der diplomatisehen Akten des Auswärtigen Amtes enthält einem Berieht des preußischen Militärattaches in Paris, Freilicrrn von Siißkind, über seine Unterhaltung mit dem seinerzeitigen französischen Kricgsmiuister General Gallifet über die Affäre Dreyfus. Es waren damals wenige Tage vor Beginn des zweiten Dreyfus-Prozesses vor dem Kriegsgericht in Rennes. Die französische Regierung, deren Ueberzeugung von der Unschuld des Angeklagten im Gegensatz zur Ueberzeugung־ des Kriegsgerichtes feststand, versuchte bei den zuständigen dcutsehen Stellen die Bekanntgabe der Wahrheit zu erwirken. Der französische Ministerpräsident Waldeck- Rousseau war sich klar darüber, daß nur offeue Auskauft über den Inhalt der deutschen Militärakten und die eidliche Vernehmung der cingeweihten militärischen Persönlichkeiten Deutschlands dem Prozeß eine Wenclung geben konnten. Waldeck-Rousseau unternahm zunächst persönliche Schritte. Als diese zu keinem Resultat führten, wagte er einen letzten, fast verzweifelten Schritt: er schickte, mit bestimmten diplomatischen Instruktionen, seinen Kriegsminister, den General Gallifet, vor, cler bekanntermaßen die Sympathien des deutschen Kaisers genoß. In einer äußerst denkwürdigen Unterredung Gallifcts mit Freihcvrn von Siißkind machte Gallifet einen hochpolitischen Vorstoß allererster .Ordiiung, indem er die Hilfe des Kaisers für die Festigung des republikanisch gesinnten Kabinetts gegenüber dem Druck der Nationalisten erbat und in ziemlich unverbliimtcr Weise einen Gegendienst von europäisch-internationalem Charakter in Aussicht stellte. Es war die Zeit der ersten deutsch-englischen Entfremdung und zugleich des frauzösicli-cnglischen Zwischenfalls von Faschock. Gallifet bot, als Preis für die Wahrheit in der Affäre Dreyfus, nicht mehr und nicht weniger an, als ein deutsch-französisches politisches und militärisches Zusammengehen. Der Fortbestand Frankreichs, erklärte General Gallifet, sei in Gefahr. Seine Majestät der Kaiser könne im Interesse des europäischen Gleichgewichtcs dies nicht wünschen. Käme es einmal zu einem politischen Gegensatz zwischen Deutschland und England, so könnte ein Zusammengehen von Deutschland und Frankreich von Vorteil werden. Seine Bitte um den allerhöchsten Beistand Seiner Majestät zur Aufklärung clor Wahrheit trage keinen egoistischen Charakter. Die Person zählt für ihn nicht, nur die Wahrheit. Das ״Berliner Tageblatt“ bemerkt zu diesem Bericht: ״Eben hatte Frankreich die ersten Annäherungen an Rußland vollzogen und damit den Keim der Einkreisungspolitik gelegt. Wie hätten sieh die Dinge, entwickelt, wenn Deutschland damals auf die französische Anregung eingegangeu wäre? Hätte die Einkreisungspolitik sich noch sprengen lassen? Wäre der Weltkrieg vermieden worden: .