Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 16 (1930)
- Issue
- 10 (7.3.1930)
- Date
- 1930-03-07
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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- Minsk 2× ep/1000754
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Seite 2 JÜDISCHE PRESSE Nr. 10 Die Sowjetregieruug veröffentlicht einen Appell von sechs treigelassenen Minsker Rabbinern gegen Antisowjetpropaganda im Ausland. (J. T. A.) Das AimvänF'ge’ iAmt!ücr S-aw/jetregicrunig iiboif/iib Kteu .Vertretern ■tkv Brom' einen■ va.1 ()berra׳l־/u׳iner GilKsikiaT fßnif w.eSio.jcn .vc-rhTßel ,gewesenen 11 nid! mi.11 1 re;!geyia«« e1r.cn AfJ/ihswer ,RjjNner.11■ 1/1.7׳; enzecMi ne ton Appell um •die J11denlic.il der igaurzen Wc!!t, in weikihom ׳Kalbibi iMenadrcim• CA-wkji ml däe i/l־: ,'!gen NvüfiÜedc'r de« Ralb'bi׳n׳afs ■ihre ־Bmpdrunlg wiegen des .im Ausland ir,n Z1u:s1a!m1m׳en1ha1111g mit dc;u .1Raibblnerse.riiai'ViMugen e'i/'u clc-i tc t.eii :Fclldzti.ges gelten ■dev Sowjet» ztwn A;n:־>d. tmk brirgon miid bitten, diese ..’1!r.1g’crecI1l׳en A/ng!!lf:-e“!räiiit .;■«1 wmcrsMiitoefi. .Die Scivvjctrc«.ic׳i11:1nkr;, bGD; ,es ü! denn ■A1;1׳: e!i, bekämtpre .mit aülem NaOhdrirclk den AutLseamtU1n׳:us. Wohl ,bestehe i!n Rn.ßbnd eine amti.P&!i:.sdöse •lJrc׳pr1gr«tda■, ,evgei! d:'e׳ «ve.lt d!e Ralbbiner weiiden, albc.r die •ScAVj cU regier iw!« 1׳’.s «ia'.cb.e •hblbe den J’Uid-en jEeiche bä lg erhübe Rechte uäd: Freiihcht der RcAL- ■sfcnsü׳bu1; 1g -.Kc\\*Dl:u1t. Es wird •k's\yesiä!k, itoß .seii Bestiehen de« S0Mcv74g!V.v.e.$ hvJ.1 eia ige. 'RabMiter <h-in\ge,r!;c.hte’t worden sei. Eine kömmiuiistische Zeitung behauptet, daß alle Rabbiner Spione sind. ׳Die in Minwk erscl.irinealc jr!;Ui׳i«e.he >kc1m1n,1u1!11lsl׳i8d1e Ze.i11׳m(g ,,■()kiiiabr“ ei'lkJäii:. /daß s'änitücbc Riab'Eüier in d'or Sciwiclitt/nficn cii!:•e vAdhliige Rc!״e .bei ׳der 1g.cig1emvMng •im Äti«.'׳aj1,d neu ׳augufaüM'en iAnJisciwIieukiimupagne .siplolien! mild daß die ׳Re.lbbuncr denmta.cli a׳!s Sphäre der a.׳u׳sl!ä»td׳i;9chieni!K!ontorve'vähvtion .>11י. ftH^atd-eiiu «.:•nid-. ,Eie Zeituttiig te'iilt miiit, dalli in ‘Kc1u1c!/a׳nov.׳,!Kixi:«■ AibniJk., die Jede! iscto'f/t in /dar ■Ortissyna&we eine i.ll tigaile Versn'mmk!.»« ■ateelhaiben ■ ח nid 'bescäiiostsetn k׳J, s׳ic 11 an׳ die amcäkiaiä'übetn Plait'kCe.rs nrvd lsm:pe;r־hal!1is.1beH miiii' de׳r Bhte 7m v. cikIüii, idle jjuPipchien ׳״Mop- Lende“ getgei iti'ber der Ec1w);׳el>mach:t in Soliurt7 ,/־.>n nehmen. Diic Zeii taiui/g 'bcMiiidhitet aneih. ii׳ber an'd.r.CiKigiöise• Stnaßerjdem-oiustira'trcinien •in ׳cliuer: iRe.iihe van jüdischen. S't'ä'diicn׳ tWeillr11'ßk;!11d(S, wo •übera/fl die $c»1!Äe!ßm 1g der Synaigagon gefordent winlde. ln dtlm- Stiiidteilten Krirpke ■wnidic dire letiztc iSytu׳!g!o<ge ge«01׳:llcßs׳t111׳; in /Mniriscilnan iwairdc jd'Je Oni«1syi11aigog.e in .di.nc SoluiJe ־ycnw/rintdeiUt, •vani Ciebänide lieira/b;weiht ijetat die rate Fdhne; von fiinlf Synagogen!in ,Hcniiol 'wn.nden 1zi\vei in A;rlbe1.'׳1׳e rkhilb.s nnld« ■dreki!111 güittysscnschaiftliiclhe ׳Walliiwntagen iiür/gewlan/deill:. s Dfc j'.:kü«d1e!Hai׳ma 11be-ji־ongo»׳oss׳etnts.ül1<a i t ׳״Rater iOk’tdbe.r“ in Boili/scm, ICreds ,H'iiiadk. wucld'e a!ulf.g׳el!as.t, •weil isie iPe«sa:d:1t!vllcr nalt ׳en1t,s!1:,rcc:l־.!erideu ■.h-clbr’ä'iisolien Amt- ׳sdhrlfiteit ,mum Venkvutf ]•jcnge.steölit!bat. Der 'S,0!\\1je.til:ß’,ndeils’a1’.igest'e!lt׳e. 'ri׳tcr.׳sik׳i״!eine• der aik- :üK'is'ten ׳jiiidiisdlien■ Pcirisiöirliicbkelteii rin Milivsk., wunde• amis •seiner iB.enurr,svereii.n>iigumlg ׳a׳as,g'esc'hi.c««en, ׳wieiii e,r öillen!t- Hieb erikkäirt• Ihait״ d):,e Jn/deriirajg'e■ ‘in der tSawljcbuinon wende niobit rüclliiiüig &ic/!iösit'. D1׳m־cI11. d׳'.׳esen AuisiscliL'iitß veiriliert •Tile.jj'slkii ■se/in.en Postier.׳, ■clb׳eri:sio d'a«!R׳ed:1;•, diimen!ö’ffeii'tfficlhen ■Pckeri ln Rmßtiianld l>1׳t 'bekleiden. In! der gegen׳ .iihüt igidfiilh.rltcn .gese'llsd'MWilchien Gerkd.t.sivcilband'I'i’.irg wurde er aks ״Zirm.M“ enklärt. Der 16. Mürz Protestta# der ninerikanisehen Judenheil. (J. T. A.) Eine י um Anierikaniscli-Jiidi.sclien Kong'i־(‘(? oinberufene Konferenz, der 146 Delegiert(; als Vertreter von 39 jüdischen Organisationen Amerikas beiwohnten, nahm die folgernde KntscliIieOung au: Ohne uns in die inneren Angelegenheiten der Sowjetrussischen Union eimnischen zu wuueu, protestieren wir als amerikanische Bürger gegen die Verfolgung der Religion in Rußland. Die Konferenz, hat Sonntag, den 16. März als Tag des nationalen Protestes der amerikaiiiseheu judeiihoit gegen die Beligionsverfolgung in Rußland festgesetzt. Der Ehrenpräsident des Amerikanisch-jüdischen Kongresses, Rabbiner Dr. Stephen S. VVise, der auf der Konferenz die llaiiptanspraehe hielt, erklärte: Es darf kein(' Anerkennung Rußlands durch die Vereinigten Staaten erfolgen, bis nicht die religiöse Freiheit in den .Ländern der Sowjetunion gesichert ist. Der '׳Präsident des American jcwislt Congress, Herr Beninrd Deutsch, hat ein Statement verölTcntlicht, in welchem er den von D1־. Joseph Bosen, Leiter des Agrojoint in Rußland, während seines jüngsten Aufenthaltes in den Vereinigten Staaten geäußerten Ansichten über die Lage der russischen Judenheit widerspricht und erklärt, der Optimismus von Doktor Rosen sei in den Verhältnissen nicht gerechtfertigt. Bußg-ttesdienst in den palästineusichen Synagogen wegen Verfolgung der jüdischen Religion iu Rußland. (J. T. A.) Am 27. Februar, anläßlich des ״Jom Kippur- Kutan״ (Vorabend des liosch Chodeseh), wurden in allen Synagogen Palästinas im Zusammenhang mit der Vorfolgung dev Religion und der Rabbiner in Rußland Bußgebete gesprochen. In die Gebete wurde ein vom Oberrabbinat empfohlener Passus eingefügt, der sich direkt auf die russische judenheit bezog. Russisch-jüdische Führer gegen die Antisowjet־ aktion im Ausland. (j, T. A.) Im Zusammenhang mit der von ausländischen Zeitungen zum Ausdruck gebrachten Ansicht, daß der Appell des Rabbi Gluskin und der audereu Minsker Rabbiner gegen die im Zusammenhang mit ihrer Verhaftung im Auslaiule entstandene Antisowjetkumpagne unter dem Zwange seitens der Sowjet- •behürden erlassen wurde, wird dem J. T. A.-Vertreter seitens eines prominenten Führers der Moskauer Jiidi- ,scheu Gemeinde erklärt, daß Rabbi Gluskin nicht der Sorte Rabbiner angehört, die einen solchen Appell unter Zwang unterzeichnen würden: er würde eher sein (.eben opfern, als eine Erklärung, die mit Religion zusammen- |Äufruf!l §§ Der Adar-Monat 5690 ist von der Leitung n §f der Agudas Jisroel dazu bestimmt worden, eine | j Aktion zur Förderung des 1 | Schulwerkes in Erez Jisroel. | i Rs .gedenke daher jeder ■Agudist in diesem i § Adar ~~ dem traditionellen Werbemonat zur g j Heiligung des jüdischen Gesetzes — der ewigen g 1 Gemeinschaft, die uns mit Erez Jisroel ver- I 1 bindet, und der heiligen ׳Pflichten dieser Ge- I 1 meinschaft! | | Wie einst im Adar aus den halben Schekel- | g Spenden der Reichen und der Armen der | | Opferdienst im Heiligtum erstand, so lasset I g mich Ihr den Adar nicht vortibergehen, ohne 1 g der Speudenpflicht des halben Schekels fiir das g 1 ■heilige Land zu genügen. g | Das Schul werk der Agudas Jisroel | 1 in Jerusalem, Tiberias, Safed, Tel-Awiw. Pc- I g tacli-Tikwah und Bne Brak umfaßt 1465 King i der und 62 Lehrer. g I Willst du. daß dieses Sch ul werk bestehen g g bleibt, dann teile der Palästina-Centrale der | g Agudas Jisroel, Frankfurt a. M., ■Hanauerland- § j§ straße 15 mit, Avieviel du monatlich beitragen | 1■ willst und■ überweise ■deine •Spende auf das Post- | i sclieck-Konto I I No. 53.900 Frankfurt am Main der Paläg 1 stina-Gentrale der Agudas Jisroel; g 1 No. 67.144 Berlin (Dr. Moses Auerbach für | g Palästinaschulen der Agudas Jisroel); I 1 Oesterr. Postscheckkonto No. 113.621 Pag i lästinaschulwcrk der Agudas Jisroel, Wien; | I No. V1n/12.017 Ziiricli der Palästina-Ceng 1 trale der Agudas Jisroel. g Jeder sich in den Dienst der A d a r- Aktion stellende Sammler, der m i 11 d cs׳ tens S 100 zugunsten unseres Scliuivverkes sammelt, sei es durch Vertrieb unserer Coupons oder durch freie Sainmlungen, kann sich an der am 5. ׳N i s s a n 5 6 9 0 (3. April 1930) stattfindenden Verlosung beteiligen. Der Sammler hat folgende Bedingungen zu erfüllen: Bis zum 2. Nissan (31. März) müssen mindestens S 100 als Sammelergebnis im Besitz der Palästina-Centrale sein (durch Ueber- Weisung auf das Postscheckkonto der Palä-־ tma-Centrale der Agudas Jisroel Nr. 53.900 Frankfurt a. M. oder Palästina-Schuhverk der Agudas Jisroel Oest. Postsparkassa Nr. 113.621, Wien. Die Palästina-Centrale stellt dem Sammler hiergegen eine numerierte Empfangsbestätigung aus. die ihn •berechtigt, sich an der unter Aufsicht eines Notars stattfindenden Verlosung zu beteiligen. PREISE hei einem. Sammelergebnis von; g mindestens S 150 I g!.Preis; Eine Reise nach •Erez Jisroel. g g (Schiffskarte für Hin- und Rückg | fahrt inkl. Bett und Verpflegung), g | Sobald für ■die Auslosung des• g I 1. Preises ,mehr als 100 Sammler! g in Betracht kommen, wird als g 1 2. Preis: ebenfalls eine Reise nach Erez! 1 Jisroel zu den gleichen Bedingunj g . gen ausgesetzt. I I mindestens S 125 §j g 3. Preis: 500 Palästina-Cigaretten | g 4. Preis: 1 Kiste Jaffa-Orangen g i 5. Preis: 1 handgravierte Challaplatte g 1 6. Preis: 1 silbernes Challomesser g | 7. Preis: 1 iSederwaschgarnitur | g 8. Preis: 6 Flaschen Palästina wein g fjj 9. Pre.is: 1 silberner Kidduschbeclier | |. 10. Preis: 1 silberner Mauziteller g 1 11. Preis: 1 HawdokvGarnitur י g 1 12.Preis: 1 Chanukkaleuchter i 1 13. Preis: 1 Mazzokorb I g mindestens S 100 * | | 14. Preis: 1 Paar silberne Tallisschließen ן 1 15. Preis: 1 silberner Bleistift I g 16. Preis: 1 elektrische Stehlampe | g 17. Preis: 1 Oellämpchcn I g 18. Preis: 1 Hawdolo-Kerzenhalter | 1 19. Preis: 1 Ascher mit Kerzenhalter g g 20. Preis: 1 Misracli | g 21. Preis: l ■Buch ״Belehrung und Mahnung“* I 1 von Dr. S. Breiter ■s. A. g 1 22. Preis: 1 Paar Reiseleuchter g I 23. Preis: i Sukkohängevase g g 24. Preis: 1 Sukkohängevase ־ g 1 25. Preis: 1 verschließbarer Korken -ן ן.Mann!! hängt, unter fremdem Druck abzngeben. Rabbi Gluskin. fügte der Gcmeincleführer hinzu, ist gegenwärtig eine der hervorragendsten Erscheinungen unter der jiidisehen Orthodoxie Rußlands. Obwohl er in Minsk, nicht in Moskau, lebt, sieht die gesinnte Judenheit in der Sowjetunion zu ihm als zu einem religiösen Oberhaupt auf. Der J. I. A.-Yerlreler hatte Gelegenheit, auch mit anderen jüdischen Führern in Moskau sich Uber den Appell der Minsker Rabbiner zu unterhalten: die meisten dieser jüdischen Führer äußerten sich, zurückhaltend, viele andere aber erklärten bestimmt, der Appell sei ein Ausfluß der wirklichen, unter der Sowjetjudenheit gegenwärtig vorherrschenden Stimmung•. Die Meinung dieser jüdischen Führer ist, daß die amerikaniseheu Rabbiner, namentlich Rabbi Dr. Stephen S. VVise. die Angelegenheit ins Ungebührliche übertreiben; vielleicht sogar mit der Absicht, die Kampagne für Aufbriugimg von Fonds zugunsten konstruktiver jüdischer Arbeit zu beeinträchtigen. Man u־eist darauf hin, daß eine Antisowjctknmpagn!• seitens der Juden im Auslände schon darum nicht am Platzt' ist. weil die russische Regiorung und die Sowjetbehörden gerade jetzt eine Neu- Orientierung ihrer Politik gegenüber der jüdischen Deklassierten vornehmen und Früheren jüdischen Händlern Wahlrecht verleihen, uni ihnen so die Mögiichkei: zu geben, sich in die Produktiousfront eiltziigliedern. Rabbi Simon Gla/.er bestreitet, eine Konferenz mit den Minsker Rabbinern abgehalten ־zu haben. (j. T. A.) Bekanntlich lud das Hunptorgan der russischen Regierung־ ,.lsvestija“ erklärt, die Verhaftung der Minsker Rabbiner sei nicht wegen religiöser Hebungen erfolgt, sondern wegen Konspiration mit ausländischen Stellen: so liütien die Minsker Rabbiner mul Gemeindeführer ״eine illegale rabbinisclie Verstimm- 11111g unter Teilnahme des amerikanischen Rabbiners Simon Gla/er abgeluüteu, wobei die Rabbiner dem Gaste Informationell über den Status dev Religion in Sowjetrußland und die Lage der Juden gaben und ihm erzählten, das jüdische Volk gelte unter und die Religion sterbe aus“. Rabbi Simon Gla/er. Präsident des Zenlralrutes der orthodoxen Rabbiner Amerikas, bestreitet in einer durch die Jüdische Telegraphcn-Agcntur verbreiteten Erklärung, eine Konferenz mit den Minsker Rabbinern ubgehalton und von .ihnen Informationen entgegengenommen zu haben. Das Auskunftsbüro dev Sowjetunion in Washington, die Sowjethotsclmfter in .Berlin und das Russische Auswärtige Amt. erklärt Rabbi Gla/er. waren über den Zweck meines Besuches genun informiert: ich wollte das jüdische Leben unter dem Sowjetregime studieren. Unter diesen Bedingungen wurde mir-ein Paß ausgefolgt. Bei meiner Ankunft in Rußland war ich sofort in der Lage, die Gesetzes- Vorschriften vom April 1929 betreffend religiöse Körperschaften in der Hotelvorhalle, ־wo sie öffentlich auslagen, käuflich zu erwerben; ich erlde.lt so in der Nacht nach meine/• Ankunft alle Informationen, die ich brauchte. Die Gesetze, waren vom Präsidenten der ,Sowjetrepublik Weißrußlands. Tsehorkakow, bestätigt. Ich nahm an keiner Rabbinerversammlung teil, weil für mich nicht die Notwendigkeit vorlug, weitere In- Formationen zu sammeln. Auf meiner Rückreise nach Amerika traf ich mich mit dem stellvertretenden amenkanischen Botschafter in Frankreich, und diese!■ riet mir, die gesammelten Tatsachen, wie sie sind, auf alle Fälle zu publizieren: das tat ich auch. Die Verhaftung der Rabbiner in Minsk, schließt Rabbi Glazer, ist ein teuflischer Akt. Die Rabbiner hatten gar keine Gelegenheit, mich zu sehen, da ich stündig unter Bewachung, ja Begleitung der Militärpolizei gehalten wurde. Briefe aus Palästina. Er hat nichts, und sie hat nichts, — also können sie heiraten. Diese paradox anmuteiule Ansicht klingt wie ein Scherz, ist aber die Lebensweisheit der Mehrzahl der jüdischen Jünglinge und Jungfrauen in Palästina. Wenn auch gedanklich meistens unbewußt, so sprichi doch Gottvertrauen aus solcher Auffassung bei dem entscheidensten Lebensschritt. Diesejugend verläßt sich auf die Arbeit ihrer Hände im wörtlichsten Sinne des Wortes. Sie greif! zu jeder Arbeit, und sei es auch Steineklopfen, denn sie empfindet jede produktive Arbeit uls eineu Beitrag zum wirtschaftlichen Aufbau der jiidischeu Ansiedlung Palästinas.- In ihrem Idealismus hat diese Jugend ihre persönlicheu Ansprüche auf das Mindestmaß eingestellt. Ein Zimmer mit zwei Betten, Tisch, Schrank und einigen Stählen genügen. Man geht zum Büro des Rabbinats, das als Standesamt funktioniert und laßt gleich nach Erledigung der Formalitäten den religiösen Akt vornehmen, und dann geht man nach Hause, nicht selten gleich ins Tagewerk hinein. Ein Beispiel aus der Praxis: Er und sie sind Kinde/׳ aus angesehenen orthodoxen l'amilien Westouropas. Sein Gehalt als Lehrer war schon wieder einmal, was hier im Lande niemand in Erstaunen setzt, schon einige Monate rückständig. So ging man denn zu Fuß nach dem Gemeindehaus, unterschrieb und zahlte unten im Büro und stieg dann auf das Dach, wo die religiöse Hundlung vor sich geht. Die Keluw-ah wurde von dem Raw verlesen, dann zog der Gemeindediener aus den Hosentaschen seines abgetragenen Anzuges eine