Mannheim
Compact Memory

Jüdische Presse · 1930-02-21 · 8 (21.2.1930) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Presse
Volume
16 (1930)
Issue
8 (21.2.1930)
Date
1930-02-21
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2629891-2630341-2630349--3550-2635564
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Seite 2 JÜDISCHE PRESSE Nr. 8 ״Sabbat - ludentum - Menschheit“. (j. T. 1A.) Der deutsche •Landesverband itti ״Weltverband für Sabbafschutz ,Schont« Sohabbös‘“ ׳leiiete seine Werbeaktion für den im SotUmcr di. J. liti 'tlerUn £e- Plantet! Weltkongreß mit einer Massenkundgebung dtti 16.!Februar ein. Etwa ■zweitausend Personen füllten Pärkett, Galerien und Gänge •des ,,Bachsaales“. Führende Persönlichkeiten aus allen thoratre'udn, aber aüch äüs anderen ׳Lasern der Berliner Judeii'heit lind zahlreiche Vertreter der jüdischen und der allgemeinen Presse waren erschienen.!Der Gründer und Präsident des Welt verband es-, Seminardozent Dr. Samuel ■Grümberg, begrüßt die Vertreter der jüdischen Gemeinde und der ״Ada-ss Ja-sroel“, der!führenden jüdische״ Organisationen und der -Presse, als Ehrengast ■den!Präsidenten des MLsracbi-Welt verbandes, Rabbi Meir Berlin, Er bezeichnet es als -die Tragik des Judentums, daß es gerade im Zeitalter des gesetzlichen Ruhetages um dessen Gr- und Vorbild, den 'Sabbat, zu kämpfen ihabe. Zur Verlesung gelangte eine 'Sympathiekundgebung •des Staatssekretärs z. D. ,Prof. (Dr. Julius Hirsch.!Dieser regt an, seinen Vorschlag zur Verlegung des Lohnzahlungstermins auf verschiedene Wochentage in den Dienst der Sabbatschutzklce zu steilem Rabbiner ■Dr. Freimann bezeichnet den Sabbat als ,״Waffenstillstand im!Kleinkrieg des Lebens“.!Die dem Sabbat drohenden 'Gefahren im Innern sind: Die K011- ' •zentrationsbewegung in den bisher typisch ״jüdischen“ Erwerbszweigen und die die jüdischen Arbeitnehmer entmachtenden ״Sabbatkontrakte“ (formale Beteiligung von Nichtjuden am Unternehmen zwecks •Umgehung der Sabj batheiligimg), von außen her die vom Völkerbund und in den •U. S. A. geplante ‘Kalendcrreform ׳mit 1״Rlankotagen“. Er -fordert Schutzarbeit nach beiden Richtungen. Oberrabbiner Dr. Carlebach (Altona)!kennzeichnet 'den ״Brith Schabbath“ -als die ■Krone -in dem 1Wenk-lang, der ihr! ׳verbindet mit Brith Mila-11 (jüdisches Familienleben), Brith Thor-a ■('Gesetz) -und!Brith Ha-arcz (Heimat, und Messias). Der Sabbat ״gibt dem Augenblick Verewngung und knüpft -ihn -an die Ewigkeit“.!Naöhgea-hmt ist uns -nur -das Aen Berücke, und 1noch ist ■die Mehrheit der Menschen versklavt, damit wenige feiern können. Der Sabbat dient heute der UckerWindung der -die Zeit beherrschenden ■Krisen: der 'Krise der Religiosität :in der Großstadt •als;Kennzeichen für die Verflachung -des!Lebens — und •der ׳Krise des Sozialismus als Ausdruck der;Lebens- Verbitterung. ׳Der!in Verblendung G-t-t Muckende Prolctarier ■flucht •nur -denen, -die,!G-tt im Munde führend, ihren Profit :und ׳ihre Wirtsohätt-sinacht ׳steigern, nicht aber dem G־tte des Sabbat, der ein Wahrzeichen der ,Menschenwürde ■ist־, ,andererseits aber der Vergeistigung ׳des Lebens dient ׳u!!1d sich, wie Cohen sagt, als .das ״Insiegel der G-ttesliebe“ -allzeit bewährt. 1Fr-ä11 Lina Wiagncr-Tanber geißelt die mangelnde Solidarität zahlreicher, ׳auch ״orthodoxer“ Juden- und stellt als Beispiel für Sabbattreue ■die ״Adventisten“ ih-in, die sogar •in!Behörden ■und Großbetriebe unter •Wahrung der Sabbatruhe ׳einzudringen vermögen, weil sie ׳d©11■ ״!Mu!t zur Forderung“ aufbri-ngen*!Rednerin erinnert daran, daß gerade ׳der!Sabbat, ׳also die. scheinbar schwierigste Mlzwah, sieh bei ■den ׳Marrauen am längsten erhalten hat. ■Sie forderl Schaffung •von Arbeitsmögliehkeiten an gesetzlichen ■Ruhcta-gen und rücksichtslose)» Vezieht der Juden auf noch ■einen zweiten Ruhetag ׳bei säbbatfreien Positionen ,und schließt: ,.1Wir wollen -uns vornehmen, den Sabbat zu!halten, und Gott wird uns -helfen!“ Prokurist Fritz :Cohn ■tritt für produktive ,Mittelstaod'sförsorge •unter Ausnützung der vom letzten Weltkongreß der Ag-ndas •Jisroel‘ geschaffenen Grundlagen, für eine :interterritoriale :Kreditgenossenschaft zwecks /Förde¬ -riitig ׳selbständiger 'Existenzen, vor allem im!Handwerk, ein, fordert ferner ׳WeiterVerfolgung des Vorschlages •von *Professor ,Hirsch, Ausnutzung der Wpohenendbewegimg, stärkste Solidarität der Sabbattreiien und statuiert als Ziel: das iKiieiuod ■des Sabbat hlnüberzuretten ■in eine bessere Zukunft. Prof. ׳Dr.!Pick, vormals Mitglied -der Zionistischen Exekutive, 'behandelt ׳den •״Sabbat im!Lichte der Wissensohaft“. Er zeigt, wie alle Angriffe auf ■die Originalität und -Ethik;der!jüdischen 'Sabbatidee,. erhoben vor allein anläßlich des ״Bibel-Babel-Streites“, heute /verseihwunden sind, ■die 'Größe und Unttacbahmliehkett des Sabbat ׳sich aber gerade!jetzt erst recht zeige. Er schildert die neuen 'Formen der Sabbathciliguug,. geschaffen von!Bialilk im ״-Auneg Schabbos“, •der ganz entfremdete Schichten zur Ue’berlieferung. zurückführe, erhofft von dem wieder ganz ursprünglichen Gemeinschaftssabbat in Erez Jisroel be- Sehende Rückwirkung!auf. das Gesamtjudentum, w-eist die verallgemeinernden Angriffe auf ■die angeblich mangelnde Sabbattreue des J-ischuw zurück ׳und gedenkt unter ergreifendem Schwelgen der Versammlung des ״•Kotei Maa- ■rawi“ als'der klassischen Stätte jüdischer Sabbatfeier, Stehend trage der Jude den Sabbath-,Kiddusch vor, um zu demonstrieren für G-t׳t, Lehre und Sabbat, und ׳herbeizuführen den Weltsabbat, die Geulah. Dr. Falk Schlesinger behandelt das Thema ״Akademiker und Sabbat“ und fordert vom Sohomre-Schab'bos- Verband, ■er solle •den im!Berufs- und Geistesleben isoliert stehenden!Akademikern :Rückhalt bieten, gelobt aber auch eifrige 1Mitarbeit der sabbattr-euen Akademiker •bei ■ der wissenschaftlichen ■und organisatorischen Grundlegung des Sabbatschutzes. ׳Handlungsgehilfe Leibowitz referiert über ״•Arbeitnehmer und ׳Sabbatjugeu-d und!Sabbat“. Er fordert RekämjHuug der sozialfeindlichen!Auswüchs e des an sich gesunden Rätionalisientmgs1il־(izCs׳s!es, Konzentration -der Är,beit in Deutschland ■auf konktbte Zwecke •in Zusammendrbeit rHit bestehenden!Institutibiien unter Berüoksichtigiirig vbr allem der •Interessen -der sozial Abhängigen als der Müsse der jüdischen Bevölkerung, zugleich, neben der Sölmfcza/ktion fürder! Sabbat eine OfieHsive der Sablbatidee ziir Verbreite •hing der moralischen und' faktischen Ärbeitsbasis. . ' Als letzter Redner begrüßte Minis.teriaIrat Goslar den überparteilichen, -die -jüdische!Gesa-mtver-antwörtlich- ׳kei!t herausarbeitenden Charakter der 'Kundgebung, die hierin der großen Friedenskundgebung -vor wenigen Wochen gleiche.!Beide 'Ideen seien aber -auch als die klassischen!Beiträge des Judentums zur modernen (Kultur am ehesten als Einigutigsfaktorcu geeignet. Der Sabbat ist der ewig liebende 'Protest gegen die• Arbeit als Selbst■ zweck, ■vielmehr selbst Zweck und •Ziel -der Arbeit-,!Prolest gegen die anarchische, ,nicht produktive. -sonderu ׳Konflikte ■produzierende hochkapitalistische •Wirtschäft -und lebendige Widerlegung des uns!Profit- und Versikilaivungssuch-t vorwerfenden ׳Antisemitismus. Hiefür gilt ׳es um Verständnis zu werben bei den kulturell undsozial -fortschrittlichsten Schichten: den! Proletariat nnd seinen Organisationen. Andererseits dient ■der Sabbat ■der Weihe!der Woche und der Werkarbeit. Goslar fordert vom 'Weltverband systemalische Sozialpolitik, vor allem )Berufsberatung, -Konijunkturforschnng, Information der Behörden u. dg!, -m׳., -und ■schließt mit ■der Schicksalsfrage an das Judentum aus -der nächst wöchigen •Haftarah (Jesaja, Ka׳p. 6): ״Mi ijelech lonu?“ Möge sich aus •der Sabbatschutzarbeit die .G-.ltesgarde derer heraiisschäleu, die die IG-lte-sfrag-e■!beantworten dürfen: ״Mich sende!“ ■Zum Schlüsse der ,Kundgebung,!die ־in Sa-bbatgesäiigen des Oberkantars ■Pinkassowitz mit dem Ghor -der ■Alten Synagoge ihren musikalischen Auftakt •und Ausklang fand, schlug die Leitung •des Verbaiides -durch ׳Griiuberg •folgende Resolution vor, die elnsthiimig Annahme -fand: ״Die von mehr •als -1500 Berliner 'Juden 1besuchte Kundgebung der!deutschen L-audeszentrale׳ des We-ltverbandes ,Soho-mre Schabbos‘ erneuert vor der Oeffeutliohkeit das Gelöbnis der Treue .zum Sabbat, ,als der ■stärksten und für die Ewigkeit gültigen ׳Bekenntnistat des Judentums. Der Sabbat ist ׳.sichtbares Zeichen des ,Bunde's zwischen Gott ׳und 'Menschheit und flammende (Mahnung zu Menschlichkeit, Brüderlichkeit nnd Solidarität,■ Protest gegen die Erdrüokung •der menschlichen-Seele durch eine Arbeit, ■die Selbs-tzweCk wird ■und bloße"F-ron ■darStellt. Er i-st die ■Grundlage aller waihrlh׳aft-,',soz!ialen‘ ,und die Geistigkeit ■des Menschen über.das ׳rein Materielle ■stellenden!Ideen!.• Darum ■hat -der Sabbat Anspruch ■:■auf ,Respekt bei allen!Kulturnationen -und Religionen. : ■ Die Versammlung -richtet deshalb an die Instanzen des Völkerbundes ■und der •in •ihm vereinigten iN-ationen die!Bitte, alle Pläne zur Kalende rrefarm ab zu leih ne rn, -die׳ ■den!Gedanken eines festen /Ruhetages un׳terhöh׳leu ■und. zunichte machen, die den Sabbat vcn. seinem g-ttgegebeneu Platze als Ruhetag nach den sechs; Tagen ■der Arbeit entfernen wollen. Die 'Versammlung richtet ׳an •die J-uden Berlins den Ruf: ״!Erobert euch den 'Sabbat-zurück und helfet -durch ,jüdische Solidarität ׳allen, die -ihn heiligen wollen!“ Kampf gegen die Kalenderreform. Das ״Jüdische Komitee betreffs der Kalenderreform“ lmt an die Oberrabbiner uncl Rabbiner in der ganzen Welt ein Rundschreiben gerichtet, in welch ein es u. a. heißt: Vor bald fünf Jalircn haben Unterzeichnete in Genf vor einem Spezialkomitee des Völkerbundes ihre Stimmen im Namen der Judenheit erhoben gegen eine Reform des.Kalenders mit Blankotag, weil dadurch der Sabbat stark gefährdet wäre. Die Hoffnung bestand, daß solche Kalenderreformbestrebungca auf unabsehbare Zeit zur. Ruhe kommen ,würden, umsomehr, als das Spezialkomitee des Völkerbundes in seinem Rapport vor dreieinhalb Jahren darauf hingewiesen hatte, daß die öffentliche Meinung noch gar nicht genug darauf vorbereitet sei, eine sofortige Reform des Kalenders in bestimmtem Sinne zu verlangen. Diese Hoffnung’ ist aber in allerletzter Zeit viel geringer geworden. In Amerika hat die Propaganda für eine Kalender reform mit Blankotag bereits bedenkliche Fortschritte gemacht, und auch in verschiedenen Ländern Europas malmt nicht nur die Propaganda durch die Presse, sondern auch die Vorarbeit von Staatskommissionen in bezug auf K-alenderrefönn mit Blankotag zu den kräftigsten Maßnahmen jüdischerseits, um wonniglieh die drohende Gefahr für den Sabbat abzuwenden. Von dieser Notwendigkeit durchdrungen, haben die fünf Unterzeichneten, die gerufen wurden, um das Werk in Genf vor fünf Jahren zu beginnen, gemeint, verpflichtet zu sein, es jetzt kräftig fortzusetzen. Eingehende Beratungen, die im Monat Juni in Paris stattfanden, haben zu clem Entschluß geführt, daß wir uns — vorläufig wenigstens — als ständiges Komitee in dieser Angelegenheit konstituiert haben. Unser Zweck ist vor allem darauf gerichtet, alle unsere Glaubens- [inunimumiHnnituHUHHUHtnutuKUHdiiiüKnuiifiiiiiifniifiniinßiüifnnninüßinfdiiißntiitKßifüHRy' Einzige Jüdisch© Primi•' . ' " für Weißnähen und Kleidermachen mit öffentllohkeltsreoht Wien, II., Malzgasse 7, Dr. Krüger-Heim Staatsglltige Zeugnisse Gehllfinnenrecht Samstag geschlossen l brücler in Europa, die — aus welchen Gründen auch — den Sabbat als stabilen siebenten Tag dev Woche nicht preisgegeben sehen wollen, zu vereinen in der großen jüdischen Schutzwehr aut Erden für den Sabbat, als den feststehenden siebenten Tag der Woche, so wie es vom Urbeginh der Zeiten gewesen ist. Wir nieineii, daß es nicht genügt, wenn nur.Rabbiner, llabbinerveibähide, Geirieindeverbände, Säbbatvereiue oclet• sonstige jüdische Organisationen als solche gegen einen Kalender mit ßlankötag ihre Stimme erheben werdeii, sondern daß in erster Reiße ,jede einzelne jüdische Seele, in welcher das Wort Sabbat in irgendwelcher Weise noch einen Widerhall findet, persönlich den Willen bekunden muß, daß der Sabbat als feststehencler siebenter Tag der Woche erhalten bleiben soll. Wir meinen, daß es Sadie der Rabbiner in allen Lündern und Gemeinden ist, auf diese Aufgabe unverzüglich ihre ganze Aufmerksamkeit zu richten. hi dem Rundschreiben werden die Oberrabbiner und die Rabbiner ersucht, das Judentum über die durch eine Kalenderreform mit Blankotag clem Sabbat drohende Gefahr aufzuklüren und den Behauptungen cler Propagandisten für die Kalendevreform in cler Oeffentlichkcit entgegenzutreten. Die wichtigste Aufgabe besteht in der deutlichen Registrierung aller Namen und Qualifikationen derjenigen, die mit ihrer Unterschrift sich bekennen wollen zur jüdischen Wehr für den Sabbat als feststehenden siebenten Tag der Woche. Es soll dafür Sorge getragen werden, daß die Zahlen der Unterschriften durch maßgebende Kontrolle als uktenmäßig feststehend betrachtet werden müssen und dadurch diejenige Bedeutung erlangen, welche das Komitee für einen Erfolg der jetzt einzuleitenden Aktion unbedingt nötig erachtet. Sowohl männliche als weibliche Israeliten sollen ihre Unterschrift ubgeben, unverheiratete vom 20. Lebensjahr an. Die möglichst midi Geschlecht und Beruf geordneten Listen der Unterschriften sollen baldigst an das Sekretariat des Komitees m Zürich abgeschidct weiden. , _ Hoffen wir, so schließt das Rundschreiben, clah che Drohuiigsgefahr nicht den Umfang nimmt, wie es heute den Anschein hat. Hoffen wir, daß unser Rüsten für die heilige Sache cles Judentums schon genügen wird, um den Sabbat als unverrückbaren siebenten Tag der Woche im Bewußtsein der ganzen Menschheit zu erhalten. Unterschrieben ist das Rundschreiben von den Oberrabbinern J. Fürst (Wien), Dr. J. Hertz (London), Israel Levi (Paris), Dr. T. Lewenstcin (Zürich) und Herrn Lucien Wolf (London). Erste rituelle Koch- und Haushaltungsscliule in Wien. Das ״Dr. Krüger-Heim“ (früher ״Elisabeth- : Heini“), das sieh zur Aufgabe gesetzt hat, j ti d i s c 11 e Mä d c 11 e n zur p -r 0 cl ■u ,k t i v e n u n ■d ■m a 11 u ׳eile n Arbeit zu erziehen, hat '•beschlossen, an r seine bereits bestehenden lnstitutionen, wie die F r a 11 •e n g e w e r b e s c h •u 1e für Weißnähen und iKleidennaclien ׳mit Oeffe-ntlichikeitsrecht, das ,von ausgelernten Schülerinnen ,vorgenannter ׳Schule auf ,kollektivistischer Grundlage als Arbeitsgemeinschaft geführte!Schneideratelier sowie die Sprachschule für ■Englisch und Französisch, eine rituell geführte Koch- und Haushaltungsschule mit •Beginn •des kommenden ■Schuljahres anzugiiedern. Als Vorläufer dieser Schule soll Mitte März ein rituell geführter Kochkurs unter Leitung einer jüdischen, vom Wiener Stadtschulrat appro- Werten Lehrerin eröffnet werden. Schlagworte der breitesten Allgemeinheit sind es, ,4ie jüdische Küche ist -schwer, ׳zur jüdischen Küche gehört ein guter Magen“. Der -gute Magen , .; und wir sind bereits mitten im, allerdings im ersten Moment so winzig airsseh enden, Problem und doch mitten in einem die jüdische Frau und damit die jüdische Familie, die jüdische Gemeinschaft angehendeni Problem. Wir wissen, wie verbreitet die Stoffwechselkraukheiten gerade unter -unseren Volksgenossen sind. Es ,beginnt bei der einfachen Verdauungsstörung und Fettleibigkeit ׳und allen ,Folgezuständen dieser scheinbar so geringfügigen Leiden, dann •kommt die gefürchtete Zuckerkrankheit, die quälende Gicht und schließlich die oft früh ,beginnende Arterienverkalkung. Alle diese Krankheiten, ganz besonders aber die zuletzt genannte, sind oft nur der ׳Ausdruck für ein ganzes Leben geübte unzweckmäßige oder Ueberernährung ■und der menschliche Organismus, ,diese wunderbare Präzisionsmaschine, darf eben, wie jede andere ׳Maschine, respektive deren Motoren, nicht überlastet werden und mit ׳den vorhandenen ׳Energien muß weise pnd sparsam hausgeihalten werden. : Die ׳Hauptaufgabe unseres ersten rituellen Koch.־ kurses soll es •nun sein, den Frauen und ‘Mädchen von hervorragendster ärztlicher Seite Aufklärung geben zu lassen über die Errungenschaften der ntoder-nen Ernährungslehre, über ׳Diät und Krankenkost, sowie über -die Ergebnisse moderner Forschung auf dem Gebiete des Vegetarismus und der Rohkost.; Ein dreifaches Ziel -haben wir uns für ׳diesen Kochkurs gesetzt: schmackhafte Kost von der einfachen Küche bis zum erlesenen Festmenü, ,gesunde und die Gesundheit fördernde Ernährung auf Grund der modernsten wissenschaftlichen Kenntnisse ׳und trotz alledem dabei keine Verletzung u n s erer J a h r t a u s e n cl e alten S p e i s e g ■e s e t z e. Anmeldungen für den ersten ׳Kochkurs werden bereits in der Kanzlei des ״Dr. ׳Krüger-Heimes“, II■* Malzgasse 7, entgegengenommeu, woselbst auch Prospekte erhältlich sind. Tel. R-43-5-40. Hermine Krüger,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.