Mannheim
Compact Memory

Jüdische Presse · 1930-02-21 · 8 (21.2.1930) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Presse
Volume
16 (1930)
Issue
8 (21.2.1930)
Date
1930-02-21
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2629891-2630341-2630349--3549-2635563
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

i NarfaorA rfptaM povolen* rlidü pott a ittofralo« ▼ Brttlflav• Ct*. 4117240-2*. Stangen vom Vailtgar veraaniet, Journal •xptdl• par 1'edJtair V.fcfc JÜDISCHE PRES OR6AK FÜR DIE IRTERE89ER DES ORTHODOXEN JUDENTUMS iSfidaktion tt. Administration! Wien, 11., Leopolds*!׳gase lö, 1. Stiege, i. Stock.— Tel.R 4594*4־. i?8eb*cho«lcwakei1 Btatisi&va, Postfach 140. erscheint joden Freitag. — Redaktionsschluss: Mittwoch Mittag. Abonnsmentsprstae 1 Ganzjährig! Für Oesterreich S 16 Tschechoslowakei tschech. K. 80, Einzelnummer öst. Gr. 50, das übrige Aasfand 3 Dollar. Zahlungen anf Konto .Jüdische Presse", Wien für Oesterreich : Postsparkassenkonto Nr. D-P3614; Deutschland! P06tscheckkonto Berlin Nr. 122619; Jugoslawien! Postspk.-Amt Zagreb Nr. 40217; Polen: Postspk.-Amt Warschau Nr. 190409; Ungarn: Postspk.-Amt Budapest Nr.50170; Schweiz: Postscheckk. Zürich VIII. 4117; lür d!e Tschechoslowakei» ,JfldlschePresse", Bratislava, Postspk,-Amt Prag Konto Nr.53386 Nr. 8 Wien-Bratislava, 21. Februar 1S30 וינא־פרעסבויג כ״ג שבט מח .ra 16. Jahrg. Was geht in Zwei Momente sind äs, die vielleicht zu einem zarten Hoffmmffsscliimmer in bezug auf die Verhältnisse in So.wjetrußland berechtigen. Das ist zunächst als Auflösung der Jewsekzija. Man scheint doch in den zentralen Stellen in Moskau zu der Einsicht gekommen zu sein, daß ■man unmöglich das herostratische Wüten dieser Sektion weiter sich austoben lassen kann. Tatsächlich aber war es ja nicht nur der ‘ infernalische Haß gegen die Religion, welche die Maßnahmen der Jewsekzija ,bestimmend beeinflußte, sondern ein von persönlichem ■Haß diktierter Feldzug gegen all die jüdischen Persönlichkeiten, die vor der Revolution in 'wirtschaftlich günstigen V׳erhältnissen waren und die man mit aller Gewalt von irgendwelcher Existenz innerhalb der von der Sowjetverfassufyg gegebenen Möglichkeiten zurückdrängen wollte. Es war also ebenso ein Kampf gegen das Judentum wie gegen die Juden. ׳Das allertraurigste Symptom der Zeit ist es, daß man schon aiifatmen kann, wenn man hört, daß die Schicksale der Juden nicht mehr •von Juden bestimmt werden. Ob man auch hoffen darf, daß auch •für das Judenturn, für die jüdische Religion, ein freundlicheier Morgen .anbricht, das hängt sehr davon ab, wie sich das zweite ■Moment, von dein wir sprechen werden, aiiswirken wird.! . Man liest und hört von einem Erwachen der Welt. Der: päpstliche Stuhl, das Parlament in Holland, der Erzbischof von Canterbury, das Deutsche Zentrum, sie alle sinnen auf Maßnahmen, wie der prinzipiellen Religionsverfolgimg Einhalt geboten werden kann. Nun hat ja schon die Sowjetregierung in einem offiziellen Communiqtie dazu Stellung genomnien und die Tatsache der Religionsverfolgimg glattweg in Abrede gestellt. Es entzieht sich unserer Kenntnis, auf welchen Tatsachen dieses Dementi beruht. Es ist sicher zu erwarten, daß in■'der einen oder anderen Weise Erleichterung eintreten wird. Wir vermuten, daß der Weg eingeschlagcn werden dürfte, daß ■die Religion als solche irgendwie in die Gebiete einbezogen werden dürfte, denen nun auch der Staat ein׳© positive Fürsorge angedeihen läßt, das heißt: es dürfte der Versuch gemacht werden, die Religion in die Linie der Staatsinteressen einzubeziehen, um sie diesem dienstbar zu machen; es ist vorläufig also gar nicht daran zu denken, daß die ganze Mentalität der russischen Staatsideale vom Grunde auf geändert wird, eine Aenderimg dürfte zunächst nur in der bisher scheinbar vorhandenen iivquisatorisehen Verfolgung der Religion als staatsfeindlich im Prinzip eintreten. Mit ׳anderen Worten, die Religion und ihre Vertreter können vor ein ganz für £» Wien, II., Malzgasse 7 IMMNHE&ESS; Sabbathaltende fördert die Sabbathaltenden I 1 pmm₪₪₪m₪₪mmm₪₪mmm₪₪₪mm₪mmm Wissen gnädige Frau bereits vom Räumungsverkauf in Perücken, Scheiteln, Transformation etc. der bekannten Kunstwerkstätte Rußland vor? neues Problem gestellt werden. Es könnte sich der geschichtliche Vorgang wiederholen, daß die Eeligionen eingeladen werden, sich zu überlegen und kiarzusteilen, ■wie sie sich zu der Staatsform beziehen und wie sie sich dort wohnlich einrichten können. Auf das Stadium der Verfolgungen dürfte das Stadium der Verhandlungen folgen. Wahrlich, auch für das Judentum ein sehr ernstes Moment! Doppelt ernst, ■wenn dazu derartig gequälte Menschen ■berufen werden, wie unsere Brüder und Schwestern in Sowjetrußland. Doch wir zagen nicht,! es wird auch hierbei Tradition und Geschichte helfen und führen. P. K. Verhaftung der Rabbiner der jüdischen Gemeinde von Minsk. (J. T. A.) Nachdem die G. P. U. (russische politische Polizei) 111 allen •Synagogen der ׳Kreise Minsk und Mosyi* .Hausdurchsuchungen dnrchgefiihrt hat, verhaftete sie in Minsk 15 führende. Mitglieder der jüdischen Gemeinde,!unter ,ihnen den Pew.snei־ Rabbi Ascher Kirsten״ und Rabbi Gluskis. Den Verhafteten wird vorgeworfen, daß sic Beziehungen zu dem im Auslande weilenden Rabbi Schnee rsolm •(Luba witsch er Rcbbe), zu Rabbinern in Amerika und :in Polen unterhalten buben. Angeblich' sollen hektographierte Aufrufe, die für jüdische Organisationen im ■Auslände!)(,stimmt waren, gefunden worden sein. Konzentrierter Kampf gegen die Religionsverfolgungen in Rußland. (j. T. A.) Die Verschärfung des Kampfes gegen die Religionsgemeinschaften in Rußland hat in England zu einer Pressekampagne gegen Rußland geführt. Die Oberhäupter der christlichen Kirchen in England haben neuerdings geharnischte Erklärungen gegen das religionsfeindliehe Sowjetregime erlassen. Auf zahlreiche im Unterhause an ihn gerichtete Anfragen erwiderte der Minister des Auswärtigen Arthur II ende r s o 11, die Berichte über die religiösen Verfolgungen in Rußland haben in England und in anderen Ländern tiefe Besorgnis erregt und die ernste!Aufmerksamkeit der iA rbeiterregierung gefunden1. El־ zweifle aber, ob die Behandlung der Frage der religiösen Freiheit durch den Völkerbund, wie dies von einigen Fragestellern gefordert wird, den gewünschten Erfolg zeitigen würde. Der Außenminister bat das Parlament jedoch, überzeugt zu sein, daß die Regierung, sofern dies im Interesse der Betroffenen liegt, all ihren Einfluß eiusetzen wird, um die Sache der religiösen Freiheit und die Freiheit der Religionsausübung in Rußland zu unterstützen. ״Daily Telegraph“ gibt die Rede des Münchener Erzbischofs Kardinal Faalhaber ׳wieder, die der Kardinal am 8. Jahrestage der Krönung des Papstes in München hielt. Kardinal Faullmber hat darauf hinge: wiesen, daß innerhalb eines Vierteljahres im Sowjetreich 200 Synagogen und Moscheen und 980 christliche Kirchen geschlossen und weltlichen Zwecken übergeben wurden. Der Kampf gegen die Religion in Rußland, fuhr der Kardinal fort, die absolute Unterdrückung der Gewissensfreiheit, haben ihre Rüdewirkungen auf die westliche Kultur. ״Israelit“ fordert ״jüdische Einheitsfront“ gegen die Religionsverfolgnngen. F r a n k f u r t a. M. (J. T. A.) ״Der Israelit“ bespricht die. Aktion cles Papstes gegen die Religionsverfolgung in Rußland und schreibt unter dem Titel ״Was ist zu tun?“ u. a.: Wir haben keine zentrale Macht in der Diaspora, die ihre Stimme zum Protest, zur Warnung und zur Sammlung zum Zwecke der Abwehr erheben könnte. Sollten wir darum schweigen? Wenn irgendwo das Wort ״Jüdisdie Einheitsfront“ Inhalt hätte, so in diesem Falle, wo Millionen unserer Brüder so schwer leiden, wie noch nie eine Religionsgemeinschaft gelitten hat. Denken wir. Othmar Schiff Wien 1, Kärntnerring 6 (gegenüber Hotel Bristol) u"4vt62 nidvt gering von dem in Rom n»gekündigten Allgemeinen Protesttag mit der päpstlichen Bußmesso in der 1 elerskirche. Das Weltgewissen muß, wenn es kräftig gerüttelt wird, doch einmal erwachen. Warum ordnen wir nicht rasttage an? Warum werden nicht in Stadt. u1?. ',!P ■ überall, wo jüdische Herzen schlagen. Vorträge über die Vorgänge gehalten? Wo bleiben unsere Organisationen? Auch die Zeitungen sollten mehr und lauter als bisher ihre Stimmen erbeben. Aber die Sache scheint in ein greifbares Stadium zu treten. Rom begniigt sich nicht mit 1'asten und Beten. Es appelliert au die Staaten und Regierungen. Es wünscht die Glaubcnsfreilunt in Riißland als Preis für seine Anerkennung als Glied 1m \ Ölkerchor der Welt. Dieses Druckmittel hat Europa in der Hand, nud es gibt Staaten genug, denen der Vatikan noch etwas gilt. Daß wir Juden dabei indit zu kurz kommen, daß nicht die Glaubensfreiheit m Rußland kommt und das Schicksal der jüdischen Religion dennoch in der Hand der ״Rischcj Israel“ bleibt, darauf sei beute unser ganzes Denken und Trachten gerichtet. Behalten wir die römische Aktion im Auge ״**d verlieren wir den Anschluß nicht. Hier müßte ein Weltbund aller religiösen Menschen erstehen, um den Kampf der Gewissensfreiheit aufz.11 nehmen. ״Jewsekzija“ wird aufgelöst? (J. I. A.) Aus sicherer Quelle wird dem Korrespomienten der Jüdischen Tclcgruphen-Agentur mitgeteilt, daß das Zentralkomitee der Kommunistischen lartei Rußlands in einer soeben abgehnltenen. Sitzung־ den Beschluß gefaßt hat. die ״Jewsekzija“ (jüdische Sektionen cler Kommunistischen Partei) aufzulösen und die Führung der Parteiarbeit innerhalb der jüdischen Bevölkerung Rußlands Bevollmächtigten des Zentralkomitecs anzuvertrauen. Diese Instrukteure des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei werden sich — so lautet der Beschluß weiter — in keiner Weise in die Arbeit der Regicrungsorganc in der jüdischen Sphäre eimnischen, sondern sic werden einzig und allein die Instruktionen des kommunistischen Zentralkomitees befolgen, ohne etwas mit den Verordnungen und Gesetzen des Zentralexekutivkomitecs oder cles Volkskommissarenrates der Regierung der Sowjetunion zu tun zu haben. —- Wie der J. T. A.-Korrespondent weiter erfährt, ist dev Beschluß, die ״Jewsekzija“ aufzulösen, in Yevfolg der gegenwärtig in der Durchführung begriffenen allgemeinen Reorganisation cles kommunistischen Par: teiapparates in der Sowjetunion gefaßt worden und wird in der offiziellen kommunistischen Presse amtlich nicht publiziert werden, (Es bleibt abzuwavten, ob die •Auflösung der .,Jewsekzija“ den auf große Teile der jüdischen Bevölkerung Rußlands lastenden fürchterlichen Drude mildern wird. Die ,,Jewsekzija“ hat ihren ganzen Einfluß für die vollkommene Ausschaltung der jüdischen ״Deklassierten“ (ehemalige Kauflcute und Angehörige intelligenter Berufe) aus dem wirtschaftlichen Leben der Sowjetunion wirksam werden lassen und hat sich dadurch in Gegensafz zu der offiziellen Politik der Regierung der Sowjetünion gegenüber der jüdischen Bevölkerung gestellt. Politik und Beschlüsse der ״Jewsekzija“, die auf die Vernichtung großer jüdischer Bevölkerungsteile in Rufiland gerichtet waren, wurden in der letzten Zeit durch Beschlüsse ־ der maßgebenden Regierungsorgane, die darauf gerichtet waren, auch den jüdischen Deklassierten irgend eine Existenzmöglichkeit zu geben, desavouiert. Es bleibt ferner abzuwarten, ob nach der Auflösung cler ״Jewsekzija“ der von dieser Körperschaft geführte Vernichtungsfelelzng gegen die jüdische Religion in Rußland anfhöreu oder wenigstens eine Milderung erfahren wird.) KlNfc 1וצ öiejüöiscfye Schule fyofäsu.7ßaupk(fiuf&fürWtaSe/1, ■und Tläddai milOßwiß&Ioifsrecfii ״ a. Ulafcgasse 16 » So lange der Vorrat reicht. 20% Rabatt vom Originalpreis. Verlangen gnädige Frau Gratis- Katalog und Preisliste!!P@!?"

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.