Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 16 (1930)
- Issue
- 7 (15.2.1930)
- Date
- 1930-02-15
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 JÜDISCHE PRESSE Nr. 7 darf nicht beten sehen, er darf nicht zum Rabbiner sehen, die Bethäuser zieht man ein, und auf das Bethaus, weiches noch bestellt, lest man so viele Nalcs (Absagen), daß es nicht möglich ist, sie zu bezahlen. In allen Städten fehlt die Milcwah. Man läßt keine Mlkwah bestehen. Wo noch eine Mikwah besteht, aber sollte man dafür so viel bezahlen, was unerschwinglich ist. Man ist, Gott behüte, vor dem Schließen derselben. Man läßt kein Koscherfleisch zu. Die Schächter läßt man nicht Vieh (gemeint ist Großvieh) schlachten. In manchen Städten Hißt man sogar kein Gefliigel schlachten. Sollte ein Schächter an einem verborgenen Orte schachten und ertappt inan ihn dabei, so setzt man ihn ins Gefängnis, und seine ,.Stube“ wird angefordert. Den Rabbinern legt man Steuer anf, so daß viele Rabbiner an die Regierung schreiben müssen, daß sie ihrem Beruf entsagen, und jene Rabbiner, welche nicht entsagen, haben kein Stückchen Brot. Man tritt sie mit den Füßen, und schreiben kann das auch keiner, deshalb schreibe ich es, ,und mit großem Schrecken (gemeint Gefahr), und würde man mich ertappen, so würde man mich erschießen... Jom Kippur ist mau in alle Bethäuser gelaufen, um ■das Beten zu verhindern. An manchen Orten wurden in die Bethäuser Steine geworfen. Man will nur ein Stückchen Brot geben, wenn man . . . entsagt, und Menschen wollen essen. Sie müssen also alles tun. Würde man nur den Tod androhen, um die Sabbat-Entweihung zu erzwingen, so würde man sich töten lassen, aber man martert zu Tode, und Kinder wollen essen. All die Leiden der frommen Juden zu beschreiben ist unmöglich. Gar nicht zu reden davon, daß jedem, der ein Ge- Schüft gehabt, alles weggenommen wurde, sogar die W011luung samt Bettzeug, er selbst ins Gefängnis geworfen. Würde man im Gefängnis zu essen geben, so wären alle Juden gerne ins Gefängnis gegangen. Aber man gibt kein Essen, und die Leiden sind groß. Man kann infolge Unrein-!lichkeit vergehen. Jetzt aber haben alle Juden schon ׳längst ׳keine Geschäfte mehr, und dennoch werden sie dafür verantwortlich gemacht, daß sie früher einmal Krämer waren oder ihre Eltern. Kurzum, jeder wird für schuldig befunden und zu Tode gequält, viele Menschen aus ihrer Wohnung geworfen. Alles wurde ihnen weggenommen. Es ist ein Schrecken, dies anzusehen. Von Tag zu Tag neues Leid, neue Gcsera. Unsere Kinder wurden uns entrissen. Ein Chedcr darf man nicht besuchen. Erwischt man einen Melammed beim Unterricht eines Kindes, so wird er in das Gefängnis gesetzt. Man hat ihre Fußböden aufgegraben und die Wände niedergerissen, um zu suchen, ob nicht etwas versteckt wurde. Menschen verschickt man nach . . . Wehe, wehe! Heilige Brüder, wie bitter ist die Lage unserer Juden, Wehe, bitter ist den Rabbinern, sie schreiben Euch gar nicht, denn sie fürchten sich s'ehr und befinden sich in großen Schrecken; außerdem haben sie keinen Bissen Brot. Nur ich unterziehe mich des Schreibens ... Es mögen viele tausende Menschen versammelt sein und darunter mir zehn. Banditen, welche von Dingen ■sprechen, die niemals auf der Welt dagewesen, und alle w.issen, daß es eine Lüge sei — wird keiner sagen, ■daß es . unrichtig ׳ist. Sagt es aber einer, so wird er verbannt. Versteht Ihr schon, was sich bei uns tut?! Deswegen sollt Ihr nicht verschweigen, allen unserri Brüdern in Amerika zu schreiben, auf daß ,Gewaldeu‘ gemacht werden in ganz Amerika und aufgei iU׳e:lt werde die große Welt daß ein Sturm gehe von,e’.um Ende der Wt! t zum andern. Wie läßt man es zu, daß Menschen so gemartert werden? Warum hat man sich so verlegt auf die Religion? Warum schweigen alle unsere Brüder in den freien Ländern, wo mau reden ׳darf? Bei uns, wenn wir gar nichts reden, sagt Spendet für den der Adas Jisroel* Wien, II., Nestroygasse 11 man, wir haben geredet und man kommt bei Nacht und ergreift viele Menschen und verbannt sie, wie schrecklich ist unsere Lage. Schweiget nicht! Schreiet! Lärmt! Man nimmt uns alles weg, die Kinder aus der Wortming samt allem anderen und schickt es nach dem Auslande; man tauscht es um gegen Maschinen, 11 nscr Blut wird gegen Maschinen c i n g e t a 11 s c h t. Es wäre schon besser gewesen, daß Amerika Maschinen gäbe und wreschne (?) Menschen verlangen, welche keine' Rechte haben. Und wir hätten für die Maschinen abgearbeitet. Man schweige nicht und rette uns alle Juden. Wir werden vergehen vor Schreck der Leiden. Wollt Ihr uns nicht retten, so rettet die ״Jiidischkeit“. Man nimmt unsere kleinen Kinder und redet ihnen ein, daß es — fern sei cs von uns — keinen Gott gehe. Dies lehrt mau alle Kinder. Warum schweigt Ihr? Wir würden schreien, könntet Ihr unser Geschrei vernehmen! Man schickt amerikanische Delegierte ‘zu uns, und unsere Regierung hält sie in allen schöneren Orten auf. Man zeigt ihnen Moskau und die schönen Orte. Man gibt ihnen gutes Essen, man führt sic in das Theater. Was erfahren sie? Sollen sie kommen aus Amerika und dorthin fahren, wo es ihnen selbst beliebt, so werden sie wissen, was sich heute tut. Von Tag zu Tag wird es ärger. Schweiget nicht! Rettet uns in unserer großen Not und befreiet uns von unserem großen Leiden! Mit Blut schreibe ich, nicht mit Tinte! . . Palästina-Fragen im britischen Unterhaus (J. T. A.) Graf Wintcrton richtete im Untcrliause an den Unterstaatssekretär für die Kolonien Dr. Sliiels die •Frage, ob die Regierung bei Veröffentlichung des Berichtes der Palästina-UntersucJiiuigskommission oder nachher eine Erklärung , Uber die Ursachen der Pa Uistina-Unruhen im August 1929 abgeben wird. Dr. Sliiels erwiderte, diese Frage werde nach Erhalt des Berichtes erwogen werden. Colonel Howard Bnry fragte, ob die Aufmerksamkeit der Regierung auf die von Herrn Jabotinsky am 23. Dezember in Tel-Awiw gehaltene Rede gelenkt worden sei und ob hinsichtlich dieser Rede nicht Schritte gemäß dem Seditious Offenccs Ordinancc Act (Verordnung betreffend aufrührerische Akte) ergriffen worden sind. Dr. Sliiels erwiderte: Ein Bericht über die Rede lag mir vor, es ist mir nicht bekannt, ob die lokale Beliördc eine Aktion erwogen habe. leb höre, daß Herr Jabotinsky zwei Tage nach seiner Rede Palästina verlassen hat. Howard Bury fragte weiter, ob bekannt׳ sei, daß 1920 Jabotinsky wegen ähnlichen Vorgehens ins Gefängnis gebracht wurde. Darauf erwiderte Sliiels, er sei der Meinung, daß cs für Juden wie für Araber von *BoCAs ■u.2ßauphscfudkfiirJMaßw, ■und Wläddw, milOßenl&fiJtatsraM י //. Ulalzgasse. /, ff Nutzen wäre, wenn sic freundschaftlich nebeneinander leben könnten. Ist es nicht eine Tatsache, fragte Shillaker (Labour-Party), daß Herr Jabotinsky im Jahre J920. nachdem ihm eine 15jährige Gefängnisstrafe erlassen wurde, sieh verpflichtete, Palästina zu verlassen und nicht mehr zurückzukehren? Mir ist davon nichts bekannt, erwiderte Dr. Sliiels; ich werde hierüber Erkundigungen einzichen. Howard-Bury fragte den Unterstaatssekretär, ob er wisse, daß Scheich El Muznffar. Ehrensekretär der Moslem and Christian Association, ein früherer Mufti der türkischen Armee und nenn führende Moslcmiten aus Jaffa in der Nacht zum 23. November 1929 verhaftet und dann nicht etwa von einem Richter, sondern von der Verwaltungsbehörde von Jaffa abgcurtcilt wurden, daß ihnen kein Anwalt bewilligt wurde, daß sic alle mit zwei überführten Mördern zusammen, an den Händen gefesselt, nach dem Gefängnis in Akko gebracht warden, daß Scheich EI Muzaffar und Mid hat Effendi noch heute infolge der damals ihnen zuteil gewordenen schlechten Behandlung krank im Spitale liegen. Doktor Sliiels erwiderte, er habe über viele Punkte, die de!• Fragesteller vorgcbvacht hat, keine Information und sei deshalb nicht in der Lage, sie als Tatsachen zu akzeptieren. Er wisse, daß eine Anzahl Personen, die sich mit politischer Agitation befaßten, verhaftet und gemäß der Prevention of Crimes Ordinance abgcurtcilt warden. Diese Ordinancc sieht Gefängnis für jene Personen vor, die, obwohl hierzu aufgefordert, keine Sicherheit für weiteres gutes Betragen gehen wollen. Ich habe keinen Grund, eine weitere Untersuchung zu veranlassen. Howard-Bury fragte, ob der Grund für die Verschiedcnheit der Behandlung־ clcs Scheichs El Muzaffar und des Herrn Jabotinsky darin liege, daß der eine Araber, der andere Jade ist. Dr. Sliiels erwiderte: Teil muß eine solche Insinuation strikte zurückweisen: der Fragesteller muß wissen, daß diese Angelegenheiten unter der Kontrolle des High Commissioner stehen, er darf cs nicht erwarten, daß wir hier uns in die Einzelbeiten einmischen. Wir sind vollkommen überzeugt, daß das durchgefiihrte Verfahren richtig und den l:u1stünden angemessen war. Herr Marcus, eines der jüdischen Untcrliausmit״ glieder, fragte, ob die Regierung die Gelegenheit der demnächst erfolgenden Auskunft einer arabischen Delegution aus Palästina ergreifen wolle, um autoritative arabische und jüdische Führer zu einer gemeinsamen Konferenz unter Leitung der Regierung einzuladen und so einen Versuch zu machen, die schärferen Differenzen freundschaftlich beizulegen. Dr, Sliiels erwiderte, die Anregung werde aufgenommen werden, er könne aber nicht sagen, ob die Umstände cs erlauben werden, die Anregung auch durchzuführen. Marcus fragte weiter, ob der Unterstaatssekretär mitteilen könne, wie viele jüdische Einwanderer in den vier Monaten vor den August-Unruhen und wieviel in den folgenden vier Monaten nach Palästina kamen. Dr. Sliiels erwiderte: In den Monaten Mai bis August 1929 kamen 631 neue jüdische Einwanderer nach Palästina, 367 als Touristen Eingewanderten wurde die Erlaubnis erteilt, im Lande zu bleiben. Insgesamt wandorten also in diesen vier Monaten 998 Juden ein. In den Monaten August bis November (für die folgende Zeit stehen die Zahlen noch nicht zur Verfügung) wanderten in Palästina 2509 Juden ein, darunter 2059 neue Einwanderer und 250 Reisende, denen die Erlaubnis gegeben wurde, im Lande zu bleiben. Marcus fragte weiter, ob der Unterstaatssekretär mitteilen könne, wieviele Juden in den letzten zehn Jahren sich in Palästina angesiedelt haben und wieviel jüdisches Kapital im Lande investiert wurde. Dr. Sliiels erwiderte; Vom 1. September 1920 bis zum 30. November 1929 betrug der Ueberschuß der jüdisehen Einwanderung über die Auswanderung־ ungefähr 27.000 Personen. Es bestellt kein Zweifel darüber, daß während dieser Zeit sehr große Summen jüdischen Kapitals in Palästina investiert wurden; ich bin aber nicht in der Lage, offizielle Zahlen diesbezüglich zu nennen. __ Berufen Sie sich bei ihren Einkäufen auf die ״Jüdische Presse“. Briefe aus Erez-Israel. Unterhaltungen beginnen häufig mit dem Wetter. Diese Einleitung klingt nicht gerade geistreich, rechtfertigt sich aber immerhin als ein Mittel, den Faden zu einem Gespräch aufzunehmen. Doch, wenn diese Briefe aus Erez-Israel mit dem Wetter anfaugen, so ist nicht Verlegenheit die Ursache, sondern daß das Wetter es tatsächlich verdient, von ihm zu sprechen. In der Regel fällt nur an etwa einem halben Dutzend Tagen des Winters, der Regenzeit, ein meli- 1־erc Stunden andauernder, sehr heftiger Regen, den Donner und Blitze begleiten. Die übrigen Niederschlüge, besonders die Spütregcn des Frühjahrs, dauern nur fünf, zehn und — wenn es hoch kommt — zwanzig Minuten. Tage ohne Sonne sind unter dem Himmel von Erez-Israel eine Ausnahme. In diesem Jahre nun scheint sich das Wesen der klimatischen Verhältnisse geändert zu haben. Heute schon, am 20. Tewes, ist das normale Jahresquantum der Niederschläge erreicht und in mandien Teilen des Landes übertroffeu. Diese Unterscheidung klingt eigentümlich. Man sollte doch meinen, daß ein Ländchen von 26.000 Quadratmeter Fläche — das entspricht der Größe des Landes Tirol — ein gleichmäßiges Wetter haben müsse! Wohl nirgends auf Erden gibt es aber auf einem so eng begrenzten Gebiet solche Gegensätze wie in Erez-Israel. Wahrlieh, es ist ein besonderes, von anderen Teilen der Erde auserlesenes Stück Erde! Auf dem Skopusbcrg in Jerusalem erschaut der Blick das Tote Meer. Doch während in Jerusalem kühlende Luft das Gesicht umfächelt, treibt am nahen Toten Meer die Hitze den Sehweiß aus den Poren. Nahe dem subtropischen Tiberias liegt Saffed, dessen Klima bereits den Obst bäumen der gemäßigten Zone gut ist. Nach dem immergrünen Haifa winkt der schneebedeckte Ilermon hinüber. Wüste mul fruchtbares Land liegen hart nebeneinander. So verschiedenartig sind auch die Niederschläge anf dem kleinen Gebiet. Die Gegensätze in der Natur haben nichts mit der •eigentümlichen Anziehungskraft, die Erez-Israel auf den Menschen ausübt, zu tun. Auch die BodengestaUuug mit ihren kahlen Bergzügeu und ihren häufigen Steppen 11 ml Wüsten, in den waldlosen Tälern übt wahrlich keinen Anreiz aus. Selbst wenn die Unsicherheit außerhalb des Umkreises der Ortschaften nicht wäre, würde es landschaftlich an dem Antrieb zu Wanderungen fehlen. Das ist kein Semmering, das ist kein Taunus, von den Alpen ganz zu schweigen. Das Besondere, Unvergeßliche liegt auch nicht an der Materie des Bodens, vielmehr an dem gleichsam Ideellen, was über der Materie webt. Es sind die Farbentönungen in der Natur von Erez-Israel, wie sic das llimmelsliclit liinmalt. Die Seele des Juden hat liier die Empfindung, als sehe.sie den Odem des Schöpfers des Weltalls über dem Stofflichen schweben, und eine Ahnung der Berufung der jüdischen Seele steigt in ihr auf, das Göttliche mit dem Irdischen, Himmelsüther und Erdenschwere harmonisch zu vereinigen. Darum haben auch unsere Weisen den Aussprucli: ״Die Luft von Erez-Israel macht weise“ getan: sie fühlten den Einfluß der Atmosphäre des Landes auf das dem denkenden Menschen eigene Sehnen nach der Erkenntnis des Sinnes der Welt und besonders ihres edelsten Geschöpfes, des Menschen, So ist denn Erez- Israel unter den Ländern der Erde das Land der Religion geworden. Die Ichheit der Seele bleibt aber auch im Volke der Religion meist im Keime des Unbewußten, 01111c sich zum Bewußten zu entfalten. Die Bestätigung dieses Satzes zeigen Zchntausende, die sich in den letzten zehn Jahren als neuer jisehuw in Erez-Israel angesiedelt haben. Unbewußt wirkt in ihnen noch das Erziehungswerk der Thora, während ihr bewußtes Verhältnis zur Thora, dem Dokument der jüdischen Religion, ein indifferentes ist. Tel-Awiw zum Beispiel, diese vom Bürgermeister bis zum Ilundefünger jüdische Stadt von bald 50.000 Einwohnern, hat den Ralf einer Hochburg der Thora- Entfremdung. Tel-Awiw ist besser als sein Ruf. Es gibt auch noch tausende Thoratreue in ihr. Aber seine Mehrheit ist tatsächlich so weit weg von dem Willen einer Verpflichtung zur Thora, daß man meinen sollte, ein ganzes Jahrhundert der Assimilation liege hinter ihr, und nicht, daß die meisten Erwachsenen noch in der mit Thora-Atinosplmrc durchwirkten Judengasse Osteuropas aufgewachsen sind. Tel-Awiw hat aber trotz allem einen durchaus jüdischen Charakter, und cs ist für Touristen sehr lehrreich, längere Zeit in Tel-Awiw zu verweilen und das Leben und Treiben seiner Bewohner zu beobachten. Im Weichbild dieser Stadt fehlen die Restaurants mit ihren müßigen Stunden bei Alkohol und Kartenspiel. Die alten Leute sitzen in den zahlreichen Synagogen und lernen in der G-tteslehre, sie lernen, wi'c sic es als Kinder getan und als Männer fortgesetzt haben, sie sind bis zu ihrer Todesstunde Lernende, die mit jedem Tag ihres Lebens mehr vom Willen G-ttes begreifen wollen. Aber auch die jungen Leute verleugnen ihr Vätererbe nicht, auch sie lernen, freilich nicht in der Weisheit Israels, sondern in der Weisheit der anderen Völker. Städte mit der zehnfachen Einwohnerzahl haben sonst nicht so viele Buehluuullungen, Bibliotheken, Vorträge und Lcrnkurse wie Tel-Awiw. Alle ״Ismen“ finden hier ihre Interessenten, nur der ״Judaismus“ wird als Lebenslehre abgelehnt. Im bewußten geistigen Streben klaffen Welten zwischen den Söhnen und ihren Vätern, und die Alten nehmen dies meist als ein Fatum hin. In der Judenstadt Tel-Awiw sind Roheitsakte und Trunkenheit unbekannt. Der Familiensinn ist so stark, daß den Kindern häufig mehr an überquellender Liebe gegeben wird, als ihnen erzieherisch gut ist. Wach ist auch noch hei den Jungen das traditionelle jüdische Herz dank der starken Wirkungskraft gefühlsmäßiger Einstellungen. Wo würde sonst eine Bevölkerung die Straßensanimlungen der Wohlfahrtsvereine als eine Selbstverständlichkeit hi nach men. Jeden Monat sind einige ״Bändchentage“, an denen man immer wieder an gehalten wird, solange einem nicht nach Einwurf eines Geldstückes in eine Büchse ein Bändchen aus Papier nngcheftet worden ist. Wenn die in ihrer Mehrheit aus Rußland staminende Bevölkerung von Tel-Awiw ein Modell der mssischen Judenheit ist, dann käme man zu dem Schlüsse, daß das gegenwärtige Bestreben der russischen Regieruug, die jüdische Religion zu vernichten, wie einst bei Antioehus Epiplianes, nur den Widerstand hervorrufend, das Gegenteil erreichen kann und einem 1ioch übriggebliebenen verstaubten Oeikriiglein achtfache Kraft geben wird! Tel-Awiw. S. G . . s.