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Jüdische Presse · 1930-01-31 · 5 (31.1.1930) · page 4

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Journal
Jüdische Presse
Volume
16 (1930)
Issue
5 (31.1.1930)
Date
1930-01-31
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 JÜDISCHE PRESSE Nr. 5 ■die im religiösen Bewußtsein ■des jüdischen Volkes tieic Wurzel ■geschlagen/ hat. (Aber man!ist es ja schon gewöhnt, daß christliche Theologen■ in dem Augenblick!ihre wissenschaffCliehe Obfjektiivität verlieren, wo vom nachbiblischen Judentum die Rede ist. Bei einem Wenk, ,welches wie das ,vorliegende die biblischen 1Heilserwartungen zum!Gegenstand■ hat, mag ■die Versuchung besonders groß gewesen sein, int späteren Judentum einen Abstieg gegenüber den alttestamientliichen Vorstellungen zu sehen . . . Schade, daß ■auch eim so ernster und! im allgemeinen unvoreingenommener (Forscher wie König dieser Versuchung erlegen ist, doppelt schade, daß diesem bedeutsamen Werk ein ״Weissagung und Erfüllung“ betiteltes ,Schlußwort beigefügt ist, dessen Ausführungen mehr in eine christlich-dogmatische :Abhand- 3ung als in eine ■wissenschaftliche Untersuchung passen. 1Dem prophetischen Schrifttum im engeren Sinne des Wortes ist das!Buch von ,Dürr: ״W ollen u 11 d W i rtkeuder alttesta in e n 11 i c 11 e 11 1P r 0 p he t e n“ (Verlag L. •Schwann,!Düsseldorf) gewidmet. Der erste einleitende Teil handelt von ׳der Stellung der ■Prophetie in der allgemeinen1 und israelitischen 1Religicusgeschichte sowie von1 der ,historischen Aufgabe der Propheten. Sehr klar und überzeugend ,wird die Verschiedenheit der Aufgaben; bei den vorexilischen Propheten einerseits und bei den exi'l'isehen und nuohexilisehen Propheten andererseits heraus- •gearbeitet, eine ,Verschiedenheit, die sich aus der geänderten kulturellen und religiösen!Lage ■des Volkes ergeben!!mußte. Denn das babylonische Exil!war tja die scharfe Cäsu׳r, die nicht nur eine durchgreifende ׳politische Wandlung, sondern auch eine Zeit des geistigen und sittlichen!Lebens heranbrechen■ ließ. Der zweite Teil ■des Werkes spricht ׳van ,den großen Eiinzelgestalten der!Prophetie, wobei wiederum eine Teilung ,in ׳die Zeit vor dem Exil •und ׳die nach dem Exil vorgenommen׳ •wird.!Nicht alle Propheten ,werden: ׳be- 'handelt und auch־ von •denen, die der Verfasser in •den Kreis seiner Betrachtung zieht, •keine systematische Darstellung geboten. Dürr wollte nur •die religiösen!Grundgedanken, ׳der großen Propheten׳ herausstellen und ׳zeigen, ■daß ihr Arbeiten, und Leiden, ihr!Glauben und!Hoffen •auch ,heute noch eine!unversiegbare!Quelle!religiöser Belehrung und Erjhebung!bilden. Das Buch ist aus akademischen •Vorlesungen und aus Vorträgen auif rcligiös-nviisse!1 sohaftlichen!Kanfc- •renzeni henvorgegangen. 'So erklärt sich ׳auch seine lockere Gestaltung, die auf allen größeren ,wissienschaftlichen Bailast verzichtet.!Gerade das aber wird das schöne u׳nd ■warmherzig ■geschriebene Werk einem breiten Leserkreis anziehend machen. — Eine sehr wertvolle!Ergänzung ׳zu ' Dürrs Werk bildet die!Schrift •von!Eberhart er ,)Die v 0 r e x i 1 i s che n P r o phe ten und die Politik ihrer Zelt“ ׳(!Asohendorffsohe 'Verlagsbuchhandlung,!Münster i. W). Während •Dürr die sittlichen und religiösen Grundgedanken ■der Propheten entwickelt, hat sich Eber- ׳harter die Aufgabe gestellt, den׳ ׳politischen iHintergrund zu zeichnen, von dem ■sich das Wirken׳ der Propheten abhebt. Die ׳jüdischen Propheten waren ija!!nicht weltabschiedene Anacboreten, ׳die• unbeeinflußt ,vom! ׳Gang ׳der Zeit ihre Worte kündeten, sondern (Männer ides tätigen Lebens, die sich auch dort in den Dienst!ihres Volkes ,stellten, wo dessen irdisches! Wohl •auf dem ISpie'lc stand. Wenn die 'Propheten> .auch׳ niemals in amtlicher Eigenschaft an leitender Stele wirkten, so haben sie ,doch mit ,scharfem ,Blick •die politischen Zeitereignisse verfolgt und dort, wo es not tat, mit starker IHiarid ־eingegriffen.. Die!Kenntnis der '■zuweilen! recht ■verwickelten inner- und ■außenpolitischen Verhäiitnisse, die im alten Israel* herrschten, ist daher für;ein genaues .Erfassen ׳des •prophetischen Schrifttums .not- ’׳,wendige Voraussetzung. IMit ׳Recht betont aber Eber-;harter, daß •es ׳völlig verkehrt wäre, ,wollte man ׳das Wir- '.':ken der Propheten 'lediglich unter politischen und wir.t- ■■sc'haftliohen1 1Gesichtspunkten betrachten־; •die Propheten Trieben nicht!Politik um ihrer selbst willen, sondern ihr Ein-?greifen in die• politischen■ Vorgänge der vorderasiatischen |Ku׳lturweit ■stand stets unter dem Gesichtspunkt der Wall- Turig der sittlich-religiösen Schätze, •die!Israel׳ ׳der Welt?z׳u ־■geben!.hatte. — ,Die ausgezeichnete kleine!Schrift ist so f'reebt geeignet, all 'jenen ׳ein zuverlässiger!Führer und Be- Tater zu sein, die mm ein tieferes Eindringen in die Bibel )bemüht sind, denen es aber an Zeit und Gelegenheit ge-?•bricht, eingehendere Studien zu •treiben. Die!Schrift ist in ״•der Sammlung ,״Biblische Zeitfragen“ erschienen, einem *Zyklus von Broschüren, in denen in einer •auch dem gebil- M׳eten Laien verständlichen Form jene biblischen Zeitfragen ^behandelt ,werden, die im •Vordergrund der Diskussion?stehen.!Die aittcstamentliohen Abhandlungen der Samm- ]hing, die ,strenge Wissenschaftlichkeit ,mit besonnener konjservativer Einstellung verbindet, seien auch der ■jüdischen (Leserweit ■angelegentlich empfohlen. Belehrung und Mahnung. Aus nachgelassenen Schriften von Ral>i>. Dr. Salonion Breuer. Erster Teil: Genesis. Im Verlag j. iKauffmunu, Frankfurt a. M., erschien kürzlich ein Band Reden von dem berühmten Frankfurter Rabbiner Dr. S.• Breuer. Diese Sammlung wird nicht verfehlen, weit über den ׳Kreis. der;Rabbiner nncl Prediger hinaus berechtigtes Aufsehen zu erregen. Zunächst;bringen wir mit Rücksicht auf ihren kulturhistorischen Inhalt das Vorwort des Werkes mit Kürzungen zum Abdruck. D. R. Es war der stille Wunsch des vor drei Jahren heimgegangenen Frankfurter Rnw יזצ״ל daß sein gesprodienes Wort nach seinem Tode einem weiteren Kreise auf dem Wege der Drucklegung zugänglich gemacht werde. So tief war er von der Bedeutung dev 'Kanzelrede, wie sie seit einem dreiviertel Jahrhundert im •Gotteshaus clev Frankfurter Kehilla erklang, durchdrungen, daß er den Wunsch, vor allem sein Kanzelwovt den kommenden Geschlechtern zur Erinnerung• an den zweiten Rabbiner der Adas Jeschurun zu erhalten, als einen Ausdruck seinen• iuueren Verbundenheit mit seinem Vorgänger im Amte empfand, dessen vornehmste Waffe im Kampfe mit den zerstörenden Mächten dev Zeit das Begeisterung־ weckende, Leben zeugende, Widerstand bezwingende Wort gewesen. Das Wort der Weisen von der Erhöhung, die Gott in seiner Welt erführt, wenn Israel im Gotteshause sidi versammelt, ושומעיו הגרה טפי הרב um a״s dem M״״de des Führers Worte der Führung zu vernehmen, denen Gott selber lauscht, indem er zu den Boten seines Dienstes spricht: Kommt und schaut, welch ein Volk ich mir in meiner Welt geschaffen habe; dieses tiefe Wort, das in der ״Predigt“ ׳kein überflüssiges Zubehör des synagogalen Gottesdienstes sieht, ihr vielmehr als einem unentbehrlichen Mittel der Masscubclehrung und Volkserziehung für Gott und Gottes Wort eine geradezu kosmische Bedeutung zuerkennt: dieses Wort hat zuallen Zeiten den synagogalen Rednern, die sich ihrer heiligen Aufgabe bewußt waren, vor Augen geschwebt und ihrer öffentlichen Rede einen Abglanz prophetischer Würde und Weihe verliehen. Von der prophetischen Mission Rabbiner S. R. Hirschs זצ״ל als Kanzelredner war keiner so tief durchdrungen wie sein Nachfolger, den auf der Kanzel seines Vorgängers niemals das Bewußtsein verließ, ein geistiges Erbe von wahrhaft geschichtlicher Bedeutung zu verwalten. Dreizehn Jahre lang hat er Rabbiner Hirsch als Schwiegersohn, zuweilen in wochcnlangcm, ununterbrochenem Zusammensein, persönlich nahe genug gestanden, um die Eigenart seiner Persönlichkeit, das Wesen seines Lernens und Lehrens, die edle Leidenschaft ׳seiner öffentlichen Wirksamkeit als Rufer im geistigen und politischen Streite kennenzulcrncn, um vor allem das. worauf es bei der geistigen Führung einer west jüdischen Gemeinde ankommt, sich anzueignen: den richtigen Geschmack für das in öffentlicher Rede Sag- und Unsagbare, den richtigen Instinkt dafür, dessen es in heutiger Zeit bedarf, um lür die antike Lebens- ׳Weisheit des Judentums das zielbewufltc, zeitgemäße, dem Zweck der Seelcnformung angepaßte לשון למודים zu finden, und mit dieser geistigen Einfühlung doch wiederum jenes jesaianische אחור לא נסוגתי u11׳d שמתי פני כחלמיש zu verbinden, das jedes Kompromiß mit der Lüge, ׳jede •religiöse und politische Halbheit ■als einen ganzen Verrat an der Thorawahrheit empfindet. Dreizehn gesegnete Jahre hindurch stand er seinem Vorgänger im Amte persönlich nahe genug, um alles in sich aufzunehmen, dessen er bedurfte, um die verwaiste Kanzel Rabbiner Hirschs זצ״ל nicht als Werdender, sondern als Gewordener zu betreten. Ihm bedeutete jede Predigt und jeder Vortrag, mochte er ihn in der Synagoge oder in Vereinen halten, eine Kundgebung, zu der er in gewissenhaftester Arbeit sich rüstete. Und wenn ihm auch die Gabe freier Rede in köstlichem Umfang verliehen war (unvergeßlich, wie ihm bei Gelegenheitsreden in kleinerem Kreise, durchglüht von loderndem Temperament, durchsetzt von gchaltenem, edlem Humor, die dem Augenblick sinnig und fein angepaßten Thorawortc aus begnadeten Lippen sprudelten), in seiner Öffentlichen Wirksamkeit hat er nur ungern von ihr Gebrauch gemacht. Zu schwer lastete auf ihm das Bewußtsein der Tragweite, die er dem in der Oeffentlichkeit gesprochenen Worte beimaß, zu sehr 1beherrschte ihn אימחא דצמרה die ängstliche, aus tiefer Bescheidenheit fließende Scheu, die ihn während seines ganzes Lebens keinen Augenblick verließ, wenn er vor seine Gemeinde zu treten hatte, als daß er sich hätte entschließen können, sich der Eingebung des Augenblicks zu überlassen. Das galt vor allem von den מוסך Worten, von denen alle seine Reden durchzogen waren, deren gewissenhafte Niederschrift er selbst in den Jahren, da das geschwächte Augenlicht ihm den Gebrauch der Feder fast unmöglich machte, sich nicht versagen zu dürfen glaubte. Und so legte er sich, dem seiner .ganzen Natur nach jede Niederschrift lästig fiel, die Fessel wenn auch oft nur flüditiger und in zunehmendem Alter schwer zu entziffernder Skizzierung auf, die der Nachwelt wenigstens einen kleinen Bruchteil aus dem unerschöfpflichen Schatz seiner Thoraweisheit bewahrt hat. . .1; Die Reden, denen das von salomonischer Sprudi- Weisheit (1, 2) erstrebte Ziel .חכמה ומוסר das chavakteristische Gepräge verleiht, werden den Fernstehenden, die das lebendige Wort niemals als Hörer in persönlidiem Kontakt mit dem Redenden vernahmen, nur ganz ungefähr eine Ahnung vermitteln von der Eigenart dieses Redners, der in einer ganz besonderen Mischung das Wesen des klassisdien מגיף mit dem eines modernen Redners vereinte. Man muß ihn persönlich gesehen und gehört haben, wenn an den ausgezeichneten Tagen des Jahres, etwa an שבח הגרול oder an שבת שובה in dem großen Gotteshause der Adas Jeschurun dichtgedrängt, bis in die Zwisdiengänge der Sitzreihen hinein, die Zuhörer seiner begnadeten Stimme lauschten, um bei der Lektüre!seiner Reden die Uetberzeugungzu gewinnen, daß hier ein Redner von besonderem Ausmaß diesen gedruckten Worten einst den Odern seiner ungewöhnlechen Persönlichkeit eingehaucht: hat. Man muß ihn gesehen und gehört haben, um sich zu erinnern, mit welch einfachen, schlichten Mitteln, die so schlicht und einfach wie die Diktion seiner Rede waren, er zuweilen die tiefsten Wirkungen zu erzeugen verstand. Wenn er — 11,m nur einige Beispiele herauszugreifen — au׳s tiefem Widerwillen gegen die salbungsvolle Manier der landesüblichen Predigt audi in rhetorischen Aeßerlidikeiten die Tradition seines großen Vorgängers übernahm und seine Kehilla niemals mit ״liebe-oder gar ״andäditige" Gemeinde, sondern immer nur mit ״meine Brüder und Schwestern“ anredete und doch in diese gewiß nebensächliche Floskel bei seinen .Mussar-Reden zuweilen den ganzen Gefühlsreiditum seiner eigenen seelischen Ergriffenheit hineinströmen ließ; wenn er im Gotteshause keine Rede je gehalten hat, ohne ״unseres großen Rabbiners ״ זצ״ל zu gedenken, ׳dessen Erklärungen zur Thora, zu den Propheten und Psalmen ihm eine unerschöpf liehe Fundgrube echter und lebenskräftiger חרושי תורה waren, die er sein Leben lang emsig studierte und durch eigene Forschungen aus Talmud und Midrasch immerfort zu bestätigen, zu ergänzen und fortzuführen wußte; wenn er, der schon in seiner Jugend, als 25jähriger Rabbiner einer ungarischen Großgemeinde, ein anerkannter נדול בתורה war, schon zur Zeit, cla man von einer Agudas Jisroel noch nicht zu träumen wagte, in seinem harmonischen geistigen Bildungsgänge und im einheitlichen Gusse seiner Persönlichkeit das Beste aus östlicher und westlicher Art zu verbinden wußte, wenn dieser Mann, den Gottes Vorsehung aus ungarischem ישיבה Milieu sdion in jungen Jahren in das Mainz-Frankfurter Zentrum deutsch-jüdisdier Geistigkeit verschlug, wo das Erbe seiner Heimat nicht zertrümmert, sondern im Gegenteil vertieft und bereidiert werden sollte, wenn er im vollen Bewußtsein der tiefen Problematik der ע□ דרך ארץ HT^־Devise gleichwohl in ergreifender Treue zu dem empovblickte, der diese Losung auf seine Fahne geschrieben hatte, daß er selbst bei seinen halachischen Vorträgen, die seiner Gemeinde an den Festtagen die Zeiten eines פני יהושע und המלאה zuvückgcrufen haben, die Kanzel niemals ohne das in Deutschland übliche Gewand des Rabbiners betrat, um schon durch diese dekorative Aeufierlichkeit den inneren Zusnmmenhang seines Lebeiiswerkes mit dem seines Vorgängers zu betonen: so mag man schon an solchen Nebensächlichkeiten, die freilich für ihn selbst, wohlüberlegte Kundgebungen von programmatischer Bedeutung waren, ermessen, welch ein aufrechter, ״nahhängiger יבעל המוסר welch ein hinreißender, tief aufwühlender מעורר לתשובה er war. jßci allem Verständnis für die ästhetische Wirkling rhetorischer Acußcrlichkeiten war ihm jedoch die lieberbetonung des rein Formalen, das kokette Wohlgefallen an glitzernden Phrasen, der Rauschtrank einer hohlen Red(', die auf Kosten gedanklicher Klarheit die Gernüter umnebeln und betäuben will, aus tiefster Seele zuwider. Fr hat nie im Leben eine Rede gehalten, die nicht irgenein von jedermann wiederholbares, nachsagbares דבר הורה enthielt. Das Wort der Weisen: אשרי. מי שמתחדש ד״ת על פיו ובל מי שמתחרש ד״ת על פיו רומה כמי שמשמיעין איתי טן השמים ,,Heil dem. dessen Mund dazu beiträgt, aus den ,riefen des Gotteswortes neue Erkenntnisse ans, Licht zu fürdein, er gleicht dem, dem sich die Gottheit selbst offenhart“: dieses Wort kennzeichnet Absicht und Ziel seiner öffentlichen Rede. Dabei wußte er genau, daß •auch die schönste תורה ohne jede Wirkung bleibt, wenn es der Redner nicht versteht, ihr den Weg in das Herz des Hörers zu bahnen. Für seine חחשי תורה immer eine möglichst klare und eindrucksvolle Form zu finden, war ihm ein geistiges Erfordernis und ein seelisches Bediirfnis. Die Hörer :seiner ישיבה wissen, welch einen großen Wert er auch heim Talmudstudium auf das richtige Reden legte. Das richtige .!■!ergeben des gedanklich Frfaßten war ihm das Kriterium 'gedanklicher!Klarheit, und wie' er im Beth-HamidrascJi sich beim .,Ausreden“ nie zufrieden gab, bevor er für das ,,Auszuredende“ die durchschlagende Form einer restlos befriedigenden Dar- Stellung fand, so haben auch seine agudischen und 11alachischen Reden in der Synagoge durch den wahrhaft künstlerischen Reiz ihres systematischen Aufbaues uiid die auf den Höhepunkten der Auseinandersetzung geradezu überwältigende Kraft der Darstellung immer wieder gezeugt, welch ein großer Redner er war. Nur Menschen von einer tiefen Bildung des Geistes und der Seele bringen es zuwege, in heutiger Zeit die Welt des Talmuds und des Midrasch an ein gebildetes Publikum mit •solch elementarer Wucht heranzubringen, wie er es vermochte. Denn siehe, hierin gerade, wie er als Kanzelred 11 er, ausgestattet mit einem feinfühligen Sinn für das, was an geschmackvollen דברי תורה einem gebildeten Publikum der Gegenwart geboten werden darf, zwischen der Scylla ühergclclirter, buntscheckiger Anhäufung von □מדרשי unter deren Last das wirksame Kanzelwort erstickt, und der Gharybdis tiefsinniger Ergründunig wisseiiscbaftlicber Probleme, die das Gotteshaus in einen ihm wesensfremden akademischen Hörsaal verwandelt, den richtigen Mittelweg stets zu finden und einzuschlagen verstand: in diesem natürlichen Empfinden für die großen Anforderungen einer wirklich guten דרשה in heutiger Zeit, denen er mit den schwersten Opfern au Zeit und Kraft, mit der unaufhörlichen Selbstzucht und Selbsterkenntnis des wahrhaft Großen zu entsprechen suchte, hat sich die tiefe Bildung eines Mannes offenbart, der nicht mir zu den hervorragenden Schülern des כתב סופר zählte, der einst auch deutschen UnivcrsitUts- Professoren im Examen gegenübersaß und dem zeitlebens ׳die geniale ,Rednergestalt eines S. R. ׳Hirsch vor Augen stand, durch ׳dessen Schule er lange genug gegangen war, um in erschütternder Klarheit ■zu •wissen, was cs heißt, das Erbe seiner Kanzel zu verwalten, vom großen Atem seiner Rede sich beseelen zu lassen und im Feuer ihres Rhythmus zu erglühen. Mit der Herausgabe dieses Teils seiner Reden, der eine kleine Auswahl von Vorträgen und einige Predigten zum בראשית ,D enthält, dem in zwangloser Folge weitere Teile sich anschließen sollen, glauben seine Kinder nicht bloß eine Pflicht der Pietät gegenüber ihrem verewigten Vater זצ״ל zu erfüllen, sondern auch einen• stillen Sehnsucht derer zu entsprechen, die aus dem gedruckten Worte die Erinnerung an vergangene Feierstunden, in denen dieses Wort mit lebendiger Kraft erklang, sich zurückrufen möchten. ספר מנהגי בעל ה ח ת " ם סופר ובו׳ מלוקט ומסודר ובו׳ ע״י (הרהיג ח! יו ש ע לי ב שילל הרב אב״דק״ק פיזונג. ובסופו צוואת הודם. הובא לבית הדפוס. עיי "צעירי אגדת ישראל" דק״ק פ״ב, בראטיסלאויא תריץ מ׳ עמי 8° Die Pießburger Agudas Jisrocl-Jugeuclgruppe hat ■sich mit der Herausgabe dieses auch äußerlich vorzüglieh ausgestatteten wertvollen Buches ein Verdienst um die Sittengeschichte des Judentums erworben. Denn unter DTIH מנהגי בעל werden hier nicht etwa bloß synagogule Riten und Bräuche verstanden, die Rabbi Mosche Sofer צ״ל] eingeführt hat oder deren Ur- Sprung auf ihn zurückgeht. Dieses Werk schildert aut Grund der Werke von ihm und über ihn seine ganze persönliche Lebensführung, sein יהתנהנית ini privaten und öffentlichen Tun und Lassen, sein Beten und Lernen sowohl wie alle die kleinen und großen Verrichtungen und Handlungen, deren Summe den Mensehen in seiner Totalität ergibt. Gehen wir von dem Grundsätze des ש1יתיךלנגדי תמיד aus, den wir hei einem Thorafürsten und צדיק von der unbestrittenen־ Größe des חתם סיפר voraussetzen dürfen, so gewinnt jedes Detail seines Lebens für die gesamte jüdische Diaspora praktische Bedeutung. Wir sehen vor uns ein Ideal, dem ein jeder einzelne Jude zuzustreben sich bemühen sollte, ln diesem Werke ist aber auch eine treffliche wissenschaftliche Arbeit niedergelegt. Denn der Herausgeber, Oberrabbiner Schill in Pezinok, hat alle seine Angaben mit den einschlägigen Quellen verglichen und gut belegt oder für jeden מנהג des ח״ס minclestens die Zusammenhänge nachgewiesen. Der Biograph des ח״ס und seiner Zeitgenossen findet hier eine Fülle von Einzelheiten, die ein prächtiges Mosaikbild der Zeitgeschichte ergeben. Die Beigabe des Testamentes des ח״ם nach dem verbürgten Texte der Originalhand- Schrift (mit manchen textlichen Abweichungen von den bisher veröffentlichten Ausgaben) ergänzt die מנהגים sehr wertvoll. Es sollte sich jeder. Verehrer der גדולי ההוראה allgelegen sein lassen, dieses Buch zu besitzen und es immer wieder zu lesen. Der Reinertrag aus dem Erlös des Werkes wird der Jeschiwu-Aktion der Preßburger Aguda-Jugendgruppe gewidmet. B.

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