Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 16 (1930)
- Issue
- 5 (31.1.1930)
- Date
- 1930-01-31
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 5 JÜDISCHE PRESSE Seite 3 AUSD€RW£^>€^JUCH€S^MH(i|B^_ LITERATURBLATT DER ״JÜDISCHEN PRESSE״ Bibelwissenschaft. Eine klare attd kurze Ucbersicht über den Stand der alttestamenitliehe»• Wissenschaft und ihre Aufgaben gibt eine sehr bemerkenswerte Rektorats rede des Utrechter •Altiestamentlcrs, d ic je tztlm! Druck •verliegt •(■A. Mao d t 7. y: '0 a s •R ä t s e 1■ des 1A!11 eil T e s t a m e n t s, Verlag Wol- IerniatHi, :Braunschweig). ׳Nach einer gedrängten :Darstelhing der Anfänge der bibe ]!kritischen Schule, behandelt Noodtzy die Leistung des repräsentativen Bibelkritiikers uni die »Mitte des 19. Jahrhunderts. .Julius Wellhausen, ■dessen ״Proiegomena zur Geschichte Israels“ wie kein zweites Werk dieses!Gebietes Einfluß auf ׳weiteste, bis in den gebildeten ■Lai eilst and biueinreichende!Kreise gewonnen hat. In sehr ,klarer und überzeugender Weise weist der ’Ver- ׳fasser darauf hin, wie Wellhausens 'Werk die Merkmale seiner Entstehungszeit und der damals herrschenden!Geisteslagc an sich trägt, die vor allein durch die starke Betonurig entjwickhiugsgesch'ichtlicher Gedanken ge'kennzeichnet ist.!Mit •der Aenderung •der wissenschaftlichen Methoden, ׳besonders in •der geschichtlichen Forschung, die sich'gegen :Ende des 19. Jahrhunderts immer mehr Bahn bricht, beginnen auch die als unwiderlegbar gegoltenen ׳Resultate der Wcllhausenschen Forschung zu wanken. Ein! überzeugter Anhänger Wcllhausens, Ritd. Kittel', mußte ׳itn Jahre 1921 •erklären, ׳daß die nach Wolthausen genannte Richtung ihre Anhänger •fast nur noch! in der älteren Generation hat, in der jüngeren bis auf wenige Ausnahmen mir noch mit star- 1kein Vorbehalt, und ׳Hugo iGressmann gab in einem '1924 erschienenen Aufsatz ״,Die Auigabe ׳der alttestanientlichen Forschung“ der lUeberzcugiung Ausdruck, daß auch auf dem Gebiet des Alten Testaments die :Forschung am Anfang einer •neuen Zeit stehe. In kurzen Worten sucht »Noodtzy die Wege anzu'deuten, deren Beschreitung verspricht, wonigstens einen!Zipfel׳ des Schleiers zu lüften, hinter dem sich ״das Rätsel ׳des Alten1 Testaments“ noch immer •verbirgt. Vor allein •ist ׳die, »Forderung zu erheben, daß jeder Forscher, ■der um die Losung der Probleme ernstlich be- ■müht •ist, von ׳dem Kenntnis zu• nehmen hat, was die Ausgr-a bung cu im vorderen ■Orient zutage fördern. Die Periode der bloßen Literankritik sei endgültig vorbei, •und ein richtiges Verständnis des Bibeltextcs könne nur gewonnen werden, wenn al׳le ׳Lebensäußerungen der altorientalischen Umwelt Israels ständig zum Vergleich herungezogen werden. Allerdings •darf, wie Noodtzy mit Recht betont, das iBeiuiihen. die altisraefMische ׳Kultur- und Religiousgschiclite aus ihrer ■Isoliertheit zu »befreien und in Verbindung mit• ihrer Umw׳e!t ■zu bringen, nicht dazu führen, die!Sonderstellung Israels zu verwischen und einen iPanbabyloniismus, wie er etwa durch :Delitzsch und Winckler gekennzeichnet ist, zu befürworten. Nicht nur die VcrbinduuigS'linien, •die vom »Alten Testament׳ ■zum •alten Orient leiten, sondern auch die ganz eigenartige Stellung und Ursprünglichkeit der •aithebräisehen •Kultur ■und Religion darf die Forschung nie aus dem■ Auge •verlieren. Eine zweite methodische' Frage ist die nach dein einheitlichen Charakter der Bibel. Noodtzy weist darauf hin, daß die Bücher •des Alten Testaments ein planmäßiges Ganzes sind׳, eine Einheit, deren Teile!von der einen Idee ■beherrscht •werden, zu zeigen, wie Israels .Weg durch Jahrhunderte von ■einem g-M'lichen, sich in!Israels ׳Geschicken enthüllenden Ratschluß bestimmt ist. Nicht׳ Geschichte, sondern religiöse Pragmatik will die Bibel1 geben — ein methodischer;Grund1gedanke, der, richtig angewandt, historische ■Unklarheiten lind!Schwierigkeiten!in der Bibel »beseitigt oder beträchtlich verringert. Wichtiger aber als derartige, rein methodische Fragen ist die Forderung, die der Verfasser als psychologische Voraussetzung einer des Ernstes ihrer!Arbeit!bewußten!Bibelexegese stellt■ — die ■nach größerer iBescheidenhelt und größerem Respekt!vor abweichenden An- Spendet für den Kindergarten und Jessode Hattiora der Adas Jisroel, Wien, li., Nesfroygasse 11 sichten. Mit aller Eindringlichkeit weist ׳Noodtzy darauf hin. daß die kritische Schule Selbstbescheidung lernen muß und nicht jeden, der ihre ״feststehenden Resultate“ mit skeptischem •Zweifel aiuziuichmen wagt, als voraussetzungsvollen Apologeten oder unwissenschaftlichen Konservativen ablehnen dürfe. Erst ׳wenn diese psychologischen Voraus-׳ Setzungen geschaffen werden! — einstweilen ist freilich erst eine leise Wendung zum Besseren zu merken —, dürfe man hoffen, daß die Bibehvisseiisehaft zu gesichertereirResiiltateii Vordringen wird, als es bisher der Fall war. Mit diesem warmen Appell an das wissenschaftliche Gewissen des Forschers!beschließt Noodtzy seinen sehr klaren und lesenswerten Vortrag, der als erste einleitende Orientlerang über die Probleme der 'gegenwärtigen Uibctwissenschalt sehr empfehlenswert ist. Wer sich allerdings eingehender über den derzeitigen Stand der Bibehvisseiisehaft orientieren will, wird nach einer ausführlichen Darstellung greifen müssen, wie sie etwa in R. Kittel: ״D i e a l t t c s t a in e n 11 i c 11 e• W i ss c ׳n s ch a f t“ (5. Auflage, Verlag Quelle &!Meyer, Leipzig) vorliegt. Kittels Name ist weiteren Kreisen durch sein ,Gutachten in dem vor einigen' Jahren geführten :G-ttestästcrungsprozeß gegen den Aiitisemitenfiihrer Ph. Fritsch be- •kannt geworden. ,Die Tendenz dieses Gutachtens, dem ■der Angeklagte seinen Freispruch־zu verdanken hatte, hat auch von christlicher Seite alterschärfste Zurückweisung er- ■fahren. Die durchaus ■bibdkritische Stellung Kittels kommt auch in dem genannten Werk zum Ausdruck, nnd wir möchten es nur solchen Lesern empfehlen, die auch die Eiiiwände gegen die bibelkritischen Methoden kennen. Diesen kann allerdings das Buch als derzeit beste!Darstellung dessen, was nach Anschauung der neuen Forschung »bereits gesichertes Resultat nnd was noch zweifelhafte ■Hypothese ist. reiche ׳Belehrung geben. Kittel hat ein ungemein reiches ׳Material in seinem Werk verarbeitet, :Nach -den einleitenden ■methodischen Abschnitten," in denen von •den Graden •der Sicherheit der Forschung gesprochen wird, •zerfällt der ׳Hauptteil in zwei Abschnitte, deren erster die Ergebnisse auf!Grund der •Ausgrabungen behandelt. Besonders ausfü'hrlieh werden die Ausgrabungen in Teil Arnarna ׳und die durch die Funde ■in Palästina bekanntgewordene ׳alt- ■kamaamäische •Kultur sowie das Verhältnis von Israel zu den ausländischen!Herrschern besprochen.!Dann :folgen die Ergebnisse auf Grund der Liferaturkritik und Literalurgeschichte sowie der geschichtlichen und religionsgeschichtliehen Forschung.!Kittels Werk .ist aus einem;Kurs von Vorträgen ■für Volksschutlehrer entstanden, und so!bringt denn auch der ׳.Anhang des Buches Mitteilungen und Besprcchungen, die sich •an die Vorträge anschlossen. Ein!Literaturverzeichnis, das ■man freilich gerne etwas ausführlicher und unter stärkerer (Berücksichtigung auch •der konservativ eingestellten Forschung gewünscht1 hätte, sowie ein sehr sorgfältig gearbeitetes Sachregister •bilden den 'Beschluß des Buches, das in seiner ׳klaren und al'lgemein verständlichen Form, •auch -eine schriftstellerische ,Leistung von ,hohen!Graden ist. Zahlreiche Tafeln, und ׳Abbi'ldungen, deren Reproduktionen bemerkenswert gut gedüngen■ sind, unterstützen den Text des Werkes, ■dessen biicbtecbnischer Ausstattung der Verlag alle Sorgfalt hat angedeihen lassen. ׳ Die genannten Werke ivmiassen das ■■Gesamtgebiet der Bibel. Auf größere, zusammenhängende Teilgebiete beziehen sich einige wichtige Publikationen der letzten (Zeit. ,Hier ist vor allem das Werk von Eduard ■König: ״Die m cs spanische (Weissagung des Alten T es tarn ent s“ (Verlag Ohr. Bclser, Stuttgart) zu nennen. »Das Grauen des Weltkrieges und seiner Folgeerscheiinimgen hat das Interesse für die in der 'Bibel ■ausgesprochenen Heiiserwartungen! zu ungeahnter Mächtigkeit an sch weilen lassen, so daß ’Königs Werk, welches •diese!'eile ■des Alton Testaments zum!Gegenstand׳ spezieller!Untersuchung macht,!bereits .1nach einem Jahr vergriffen war und eine neue Auflage ׳nötig erschien. Die einleitenden!Kapietl geben eine Charakteristik der Hauptarten der!Divination:!(Ze!ichendeuterei, Prophetentum) bei anderen!Religionen. Mit ungeheurem Fleiß und ■seltener 'Sachkenntnis hat (König das weite ■Gebiet durchforscht, dessen Erscheinungen mir äußerliehe Aehnfichkeiten mit den prophetischen Weissagungen der Bibel aufweisen, sachlich aber grundverschieden z-u» werten, sind.!Der 'Hauptteil des Werkes bringt die Erklärung all jener Stellen der Bibel, die eschatotogischen Oharakter tragen. König faßt diesen Begriff sehr weit, er ׳zieht z. B. in den Rahmen der Betrachtung auch Gen. Kap. 3, 15,!in denen׳ von d!er Feindschaft zwischen dem Prinzip des Bösen ■(die Schlange) und dem!Menschen die Rede ist und der endliche Sieg des ׳Menschen über das Böse verheißen wird.!Die ■Erklärung dieser •Stellen■ ist von einer ■Gründlichkeit und umfassenden׳ Gelehrsamkeit, die ihresgleichen suchen: sie weiten sich zuweilen, insbesondere bei den eschatoliogischeii Partien der zwölf kleinen Propheten, zu exegetischen Monographien aus, die auf erschöpf ende Weise das ganze einschlägige!Material durcharbeiten. Schwächer geraten ist das Kapitel über die messianischen Vorstellungen im Schrifttum des sogenannten rabibinisohen Judentums. Hier hat sich König auf die iMischna und׳ einige alte •Gebete beschränkt, während er Gemara und Midrasch überhaupt nicht heranzieht. ,Nur so konnte das schiefe Ur- ׳teil zustande ׳kommen, daß die ״messianisohe!Hoffnung, wie sie!in der Literatur des offiziellen Judentums sich zeigt, durch große Mattheit charakterisiert“ wird, und ferner ״daß das Grttesreich im talmudischen!Schriftam einen politischmateriellen Charakter besitzt“. ('S. 349.) Als Beweis dafür führt •König •auch den Satz aus Abotli 5, 19, an, wo es heißt: ״Die Schüler Abrahams essen in dieser YVelt und erben in der zukünftigen Welt.“ Gerade die Gleichsetzung der messianischen Zeit mit ■der zukünftigen Welt, die K'önig ׳hier vornimint — bekanntlich wird1 :sie auch im Talmud, sehr •häufig, aber nicht konsequent durchgeführt —, hätte den Verfasser darauf bringen müssen, die Aussagen! des rabbinischen Schrifttums über die ,zukünftige Welt für die :Beschreibung der Heils er• Wartung nach ■jüdischer Auffassung zu werten. Er hätte dann manches gefunden, was sein schiefes Urteil in wesentlichen Punkten korrigiert hätte. An dieser Stelle mag der Hinweis genügen auf Berachoth 16 ׳b, wo mit aller Deutlichkeit ,der künftigen Welt jeder ״politisch-materielle“ Charakter abgesprochen wird, sowie auf die Ausführungen, von (Maimonides im iMischnakommentar zu Sanhedrin X!I, 1, •der mit allem ׳Nachdruck •׳betont, •daß irdisches Glück mir als Voraussetzung und ‘Begleiterscheiuimg, ■keinesfalls aber als letzte Erfüllung des messiamischen Hells gewertet ,werden darf — eine Auffassung, 115ןו!1!וו!!וו!ז1!!זזח!!1זזחווזזזזו!חחןו11חזחו!ח1זזן1ז1ז11)י!ו!)ז!חז!1זז!וו1[ז1ו!1(11[וו1ןמ!1ז[1ן1הן(5!ן1ןן!1ון!ו1!ו11ןוו1וזןו!1)ן!(חן!!1זן LeAensversickrongs - Gesellschaft 90 Gegründet 1882 Gegründet 1882 .Ende Mai 1929 ZOOG Millionen Sdiiillits Garantiemitfel Ende 1928 . 238 Millionen Shilling Prämien- und Zinseneinnahmen im Ja&re 1928 . 9?1/־ Millionen Sihilling Tätigkeitsfeld der Gesellschaft: Oesterreich, Deutsches Reich, Tschechoslowakische Republik, Belgien, Holland, Frankreich, Spanien, Italien, Ungarn, Polen, Jugoslawien, Bulgarien, Griechenland, Rumänien, Palästina, Syrien, Türkei, Aegypten Mus 0Vergangenheit und Qegenwart Die jüdischen Generäle Franz Joseph I. (J. T. A.) Vor einigen Wochen ist in Brünn der pensionierte General Karl Schwarz gestorben, der es in der österreichisch־ungarischen Armee als Jude zum hoch# sten Rang gebracht hat. Die Prager Blätter haben seine bis an sein Lebensende bekundete Treue zum jüdischen Glauben hervorgehoben. Es verdient bemerkt zu werden, daß die Mehrzahl der jüdischen Generäle aus der Zeit Franz Josefs aus den Reihen der ungarischen Judenschaft hervorgegangen war, so auch der erst vor kurzem ver# i storbene General Simon Vogel, ferner General Martin; Zöld von Siogard und General Julius Bauer von Krupjecz. Die glänzendste Karriere unter den jüdischen Offizieren hat ohne Zweifel der erst vor zehn Jahren verstorbene General■ Eduard Schweitzer gemacht. Er war Geschäfts# reisender auf dem Balkan, als er zur Ableistung seiner dreijährigen Militärdienstzeit einrücken mußte. Die bos# nischc Okkupation hatte er schon als Feldwebel mit# gemacht. Da ereignete es sich, daß ein ungarisches De# tachement eine Befestigung gegen den Ansturm der Herzegowiner heldenmütig verteidigte und schon im Be# griffe war, die Stellung aufzugeben, als Feldwebel Schweitzer, der die Sprache und Gewohnheiten der dortigen Gegend sehr gut kannte, es unter Gefähsdung des eigenen Lebens unternahm, mit dem Truppenkörper die Verbindung herzustellen und die befestigte Stellung zu retten. Die Heldentat des jüdischen Feldwebels wurde dem Kaiser־König Franz Josef gemeldet, der nach der .Beendigung des bosnischen Feldzuges die Aufnahme des jungen jüdischen Feldwebels in die Kadettenschule an# ordnete. Nach Absolvierung der Kadettenschule hat Schweitzer seine glänzende militärische Karriere fortge# setzt und es schließlich zum General und zum Ritter ge# bracht. General Eduard Ritter von Schweitzer wurde Kommandant des in Esztergom stationierten Infanterie# regimentes, das damals nach Wien verlegt wurde. Seine Ka# meraden, Vorgesetzten und die Hofkreise gaben sich alle Mühe, ihn zum Glaubensübertritt zu bewegen, er hat aber jedes derartige Ansinnen brüsk zurückgewiesen. Als der Inhaber des unter seinem Kommando stehenden Infanterie# regimentes, der russische Großfürst Michal, sein fünfzig# jähriges Dienstjubiläum feierte, war es unmöglich, den jüdischen Regimentskommandanten zu umgehen, Oberst Schweitzer aber wies den ihm aus diesem Anlaß neuerlich zugemuteten Glaubensübertritt kategorisch zurück. Schließlich war die Offiziersabordnung genötigt, unter Führung des jüdischen Regimentskommandanten am Zarenhof zu erscheinen. Der Zar mußte ihn in Privat# audienz empfangen und hat ihn mit dem Großkreuz des Sankt Anna#Ordens mit den Brillanten dekoriert. Bald darauf wurde General Schweitzer als Brigadekommandant nach Kaschau versetzt. Während seiner Budapester Dienstleistung war er der Begründer mehrerer Wohl# tätigkeitsinstitutionen und lange Zeit hindurch Vorstands# mitglied der Chewra#Kadischa. Die Generation aus der Vorkriegszeit weiß sich noch lebhaft an den schneidigen General zu erinnern, der an jedem Freitagabend in Paradeuniform im Tempel in der Dohany ucca zu er# scheinen pflegte und an den Feiertagen sich zum Gottes# dienst pünktlich einfand. Er fühlte sich stets geehrt, wenn er gelegentlich zur Thora aufgerufen wurde. Mischehen bei Juden in Rußland. (J. T. A.) Interessantes Material ׳über Mischehen nnd Eheschließungen •bei der jüdischen ■Bevölke'mmg Rußlands hat ׳jetzt die Sektion für Wirtschaft und Statistik des Jiddischen Wissenschaftlichen Instituts (1W;0) ,bearbeitet. Die veröffentlichten Ziffern beziehen sich a!uf ׳die Ukraine ׳und betreffen die Jahre 1924. 1925. 1926 und’ 1927, auf d!as europäische Großrußland׳, d. hl auf die Sowjetrepublik RS'FSR. ohne den asiatischen Teil (1925. 1926 und 1927) und auf Weißrußland (1926). Des Vergleiches wegen werden auch die Prozente der Mischehen bei Russen, Ukrainern. Weißrussen und Deutschen gebracht. Die Ziffern sind auf ,je 100 Eheschließungen der betreffenden Nationalität berechnet, für Ukraine und Weißrußland noch dazu gesondert für Männer und für Frauen. In der Ukraine haben von 100 Männern, die •Ehen eiagegangen sind, fremde, nicht derselben Nationalität ange« hörende. Frauen geheiratet: bei Juden 3,6 (im Jahre 1924׳), 4,1 1(1925), 4,4 (1926) und 4,8 (1927); ׳bei Russen 28,0 (1924), 35,7 (1925), 31,3 (1926) und 30,4 (1927); bei Polen 25,9. 38,3,. 33.0 und 30,2; bei Deutschen 110,5. 11,4, 11,6 ,und ,11.5. Von 100 eheschließenden Frauen haben fremde, nicht derselben. Nationalität angehörende Männer geheiratet; ׳bei Juden 4.1 (1924). 4,4 (1925), 4,8 (!1926) und 5,1 (1927); ׳bei Russen 18,9. 26.0, 24,0 und 23,8; bei Polen 38,0, 40,6, 34,8 und 33,6; bei Deutschen, 9,3, 10,3, 10,3 und 110,7. Im europäischen Großrußland waren unter 1100 Ehe- Schließungen Mischehen: bei Juden 18,8 (1925), 25,0 .(1926) und 27,2 (1927); »bei Ukrainerin■ 10.1. 12,7 und 14,3: bei Weißrussen 33,8, 37,6 uind48,8 ׳; ibei Polen 80,5, 82,6 und 85.6: bei Deutschen 15,3. 10,9 ■und!14,1■. In Weißrußland!haben lim Jahre 1926 von 100 eheschließenden Männern fremde Frauen geheiratet: (bei Juden 2,0. ■bei Russen 72,0, ■bei׳ ׳Polen 33,0: von 100׳ eheschließenden Frauen haben fremde Männer geheiratet; bei Juden 4,0, bei Russen 40.0. bei Polen 41,0. Aus diesen Ziffern ist zu ersehen, ׳daß ׳der Prozentsatz der jüdischem: Mischehen in Rußland!in dauerndem Steigen!begriffen ist. ■Besonders stark angewachsen ist er in Großrußland, wo er im Jahre 1927 die!kolossale Zahl von 27,2 erreicht hat, — eine Zahl, die zweimal so hoch ist. als die betreffende Zahl bei den Ukrainern .und׳ Deutsehen für das gleiche Jahr. Die ukrainischen und weißrussischen Zahlen zeigen, daß .mehr 1jüdische Frauen Nichtiuden heiraten als iü׳disc׳he Männer nichtiüdisohe •Frauen. In der Ukraine sind *im Jahre 1927 3092 jüdische Männer und 3087 jüdische Frauen geschieden worden. Von den 3092 geschiedenen Männern waren 236 (7,6 Prozent) mit niohtjüdischen Frauen verheiratet: von den 3087 geschiedenen Frauen waren 231 (7,5 Prozent) mit Nichtjuden verheiratet. Da der Prozentsatz der jüdischen ׳Mischehen itn Jahre 1927 in der Ukraine nur 4,8 bei׳ den!Männern und 5.1 bei׳ den, Frauen war. so ergibt sich, daß die Zahl׳ der Ehescheidungen unter Mischehen anderhalbmal so groß ist wie die Zahl der Mischehen selbst. ln Burapäisch-Rußland (ganz Rußland ohne den asiatischen Teil) sind im Jahre 1926 geschieden worden; 3939 jüdische Männer und 3749 jüdische Frauen, von denen 518 (13 Prozent) Männer mit niohtjüdischen Frauen und 328 (8.8 Prozent) Frauen mit N.ichtiuden verheiratet waren. 73483629066400321962280623 00020101021701