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Jüdische Presse · 1930-01-24 · 4 (24.1.1930) · page 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Presse
Volume
16 (1930)
Issue
4 (24.1.1930)
Date
1930-01-24
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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‘‘■*»■»».■«*<«»1ו>י#׳ו! -1111׳1-11׳Eag«SBääMa»a»BW1Bs Nr. 4 JÜDISCHE PRESSE Seite 3 ׳ f r, I I darüber zu sagen, was Aguda in Wien leistet und was sie für die Wiener Orthodoxie bedeutet. Die Hauptaufgabe der Aguda ist es, den Fortbestand des Thorajudentums zu gewährleisten und eine von Thorageist beseelte Jugend heranzubilden. Wenn nun der Präsident der Wiener Aguda, Herr Wolf Pappenheim, vor etwa zehn Jahren darangegangen־ ist, eine Jugend# gruppe ins Leben zu rufen, die in stetem numerischen und geistigen Wachstum begriffen ist und ein Bollwerk gegen die Kefira und alle Gefahren der Großstadt darstellt, so wäre dies schon Leistung genug. Aber die Leitung der Ortsgruppe gibt sich hiemit nicht zufrieden. Sehen wir selbst von den vorübergehen# den Aktionen, wie es zum Beispiel die aufopfernde Tätig# keit in den Jahren der Massenwanderungen ostjüdischer Brüder durch Wien war, sehen wir ab von der großen Arbeit, die der Empfang und die Bewirtung Tausender orthodoxer Juden, unter ihnen die bedeutendsten Größen unserer Zeit, anläßlich der Knessio Gedaulo erforderte. Die Wiener Aguda unterhält hier ein Durchwan# d e r e r h e iim, das mustergültig geführt wird, und für Minderbemittelte, die sich vorübergehend hier aufhalten, geradezu, einen Segen bedeutet. Die Wiener Aguda unter# hält ein eigenes Büro und arbeitet für Erez Jisroel, insbesondere für das Schuhverk, die Wiener Aguda arbeitet durch das Keren#Hatora#Sekretariat für Keren Hatora und ihre Institutionen, die Wiener Aguda hat eine Beth#Jaakob«Schule ins Leben gerufen, die immer weiter ausgebaut wird, die Wiener Aguda bietet neuer# dings ihren Mitgliedern durch Vorträge über aktuelle Fragen Gelegenheit, sich über wichtige jüdische Probleme zu informieren una schließlich unterhält die Aguda in ihrem Büro einen L e s e s a a 1, in dem Agudisten zwecks Lektüre jüdischer Blätter und zu persönlicher Aussprache mit Gesinnungsfreunden sich täglich cinfinden. Und so manches wäre noch zu nennen. Sie sehen also, lieber Agudist, ganz so untätig ist die Wiener Aguda i denn doch nicht, und wenn Sie sich etwas mehr infor# iniert hätten, 'wären Sie sicher mit Ihrem Vorwurf nicht an die Oeffentlichkeit getreten. Auch ein Agudist. Das Sabbat-Problem. Je schwieriger die allgemeine Wirtschaftslage, um so schwieriger ist es, dem Sabbat#Problem beizukommen. Der ״Schomre#Schabbos#Wcltverband“ in Berlin hat in der verhältnismäßig kurzen Zeit seines Bestehens ein großes Netz von Ortsgruppen in einer Reihe von Ländern geschaffen, ein Beweis dafür, daß in der ganzen jüdischen Welt das Bestreben vorherrscht, der Lösung der Sabbat# Frage nahezukommen. Leider haben wir noch nichts Näheres darüber gehört, welche konkreten Wege der Weltverband einschlägt oder einschlagen will, um dein großen Kreis notleidender SchomresSchabbos zu helfen und eine Vergrößerung dieses Kreises zu verhindern. Hier in Wien geschieht, soweit die Oeffentlichkeit weiß, auf diesem Gebiet gar nichts. Die Jugendgruppe der Aguda hat zwar einmal den Anlauf genommen und in einer Spezialfrage es verstanden, einige hundert Schomre# Schabbos#Firmen unter einen Hut zu bringen. Nachdem jedoch die damals entrierte Aktion bei den Behörden nicht den gewünschten Erfolg gebracht hat, wurde an# scheinend die Flinte wieder ins Korn geworfen, statt daß man durch intensivere Tätigkeit die Grundlage für einen Verband geschaffen hätte, der geeignet gewesen wäre, in Fragen, die die sabbathaltende Kaufmannschaft und Ge# werbetreibenden betrifft, vor den Behörden Gehör zu finden. Die Schaffung eines ״Gremiums der s a b b a t# haltenden Kaufmannschaft und Gewerbe# treibenden“ ist neben einer auf eine breite Basis ge# stellten Stellenvermittlung, die sich aus Unternehmern und Angestellten zusammensetzen muß, ein eminent wich# tiger Faktor auf dem Wege der Lösung des Sabbat# Problems im Interesse aller hieran beteiligten Kreise. (Diese Zuschrift aus dem Leserkreis erhielten wir zu einer Zeit, da von der Reorganisation des Wiener Schomre#Schabbos#Vereines noch nichts bekannt war. Hoffen wir, daß mit der dieswöchigen Gencralversamm# Jung, worüber wir an anderer Stelle berichten, eine Besse# rung eintreten wird. D. R.) Hebräisch-Schreiben. Gestatten Sie einer Leserin1, a<n alle, •die es angeht, im Wege ihrer gesch. Zeitung die Frage zu richten, weshalb aui den ׳meisten Jesdmvos auf den Unterricht im! LebensversiGherDngs - Gesellschaft | iJHÜNIXl |וווווווווווווווווווווווווווווווווווווו!וווווווווווווווווווווווווווווו) | Gegründet 1882 Gegründet 1882 |! Venidieiongslieitaiid Ende Mai 1929 2000 Mlltan Schilling!! Garastlemittel Entle 1928 . 238 Millionen Milli! I i Prämiennnd Zimeneinnabmen I I im Jahre 1928.9?1/־ Millionen Milli! I i £ | Tätigkeitsfeld der Gesellschaft: | | Oesterreich, Deutsches Reich, Tschechoslowakische 1 | Republik, Belgien, Holland, Frankreich, Spanien, | § Italien, Ungarn, Polen,Jugoslawien, Bulgarien, Griechen- 1 | land, Rumänien, Palästina, Syrien, Türkei, Aegypten 1 BiiiiiiiiiiiiiiiiiHimiiiiuitwHiuuiuHuiniiiMiuiwwmnnimauBflmuiimiumminmiiummmumHniiiuiimJ hebräischen Schreiiben kein Gewicht gelegt wird. Es scheint mir nicht zum!Ruhme■ der thoralcrnenden Jugend beizutragen, wenn gelegentlich festgestellt ׳werden muß, daß ׳unter den Jcscliiiwa-lBachurim viele nicht in der Lage sind, einigermaßen richtig )jüdisch zu schreilben. Dem könnte durch regelmäßige Schreib Übungen abgeholfen werden. Eine Leserin in der Slowakei. |0| NACHRICHTEN B Von der Aguda. Die Presseabteilung der agndistisehen Landeszentrale für Oesterreich teilt ׳mit: Sonntag den 19. d. M. sprach Herr Räbb. Dr. Joel Pollak im agudistischen Heim, das bis auf das letzte Plätzchen gefüllt war, über jüdische Erziebungsfragen und ließ sein Referat .in ׳den Anpc!1 ausk’ingen, jü iische!Kinder in die׳ (jüdische 1Schule zu schicken. Denn nur dort wird ihnen!jüdisches ׳Wissen ׳un-d Leben vermittelt, nur dort werden sie •einer wahrhaft ׳jüdischen Lebensvorhereitung teilhaftig.!Hierauf ergriff der 'Präsident der osterreiichis’chen Landesorganisation,!Herr Wolf 'Pappenheim, das Wort, um ׳die Wichtigkeit der!jüdischen Schule zu unterstreichen. Präsident •Pappenheim warnte auch ׳vor dem ׳tiujüdisohen ׳Geist, der in manchen!jüdischen .Erzichungsanstalten sein Unwesen treibt. Vortrag M. Hornstein. Sonntag •den 26. d. um 7!Uhr abends, hält 1Herr Markus •Hornstein, Obmann •des agudistisehen Parteirates, i!m agudistischen Heim einen Vortrag über ״Die Orthodoxie In Polen im Zusammenhänge mit der politischen Lage in Erez Israel“. Im agudistischen Heime, i׳I.. Leo׳pokIsgas׳se 16, das täglich von 6 •bis 9׳ Uhr abends geöffnet und jedem frei zugäuglich ■ist, liegen folgende Zeitungen auf: ״Jüdische Presse", ״Kol 1Israel“, ״Warschauer Tageblatt“, ׳״Israelit“, 1״Neue׳ Freie Presse“, ״Jüdische Stimme”. ״Press-zentrale Zürich“, ״.Ret׳h-Jako'b־Journar, ״Wahrheit“ u. v. ׳a. Rabbi Schmelka Erblich זצ״ל Am 15. Teweth wurde unter überaus starker!Beteiligung der gesetzestreuen Judensdiaft in Wien Rabbi Schmelka E r b 1 i c ׳h ׳zu Grage getragen. Der verewigte Rabbi Schmelka war ein תלמיד חכם großen Formats, ein ירא שמים im weiteste Sinne des Wortes. An den konventionellen Lügen de!r Welt, die ihm, dem Nachkommen großer Ahnen׳, nicht ׳die verdiente Anerkennung •zollte, übte er ׳messerscharfe Kritik. HSölu Wahrheits- und Gere chtigfkeitsfanatismus tadelte alles das, womit wir uns schon als selbstverständlich abfinden. Mit Rabbi Schmelka sinkt ׳eine Menge von Erzählungen und Anekdoten, die nicht aufgezoichnet wurden, ein Schatz an jüdischem und weltlichem Wissen ins!Grab. So manchen Kampf mit!Ungläubigen focht er dank seinen droßen Kenntnissen siegreich zu Ende. Vor einigen Monaten bemächtigte sich׳ eine heimtückische Krankheit seiner und! er wälzte sich auf dem Lager mit buchstäblichen יסורי ארך Dennoch verlor er seinen unverwüstlichen!Humor, seine bezwingende Satire nicht und unter den heftigsten Schmerzen prägte er so manchen geistreichen Ausspruch׳. Unerschrocken und mutig ging er durchs Leben, das er aber auch als צדיק abschioß. Aliron J ernc h em. Endlich Koscherbrot auch irti 9. Bezirk. Seit geraumer Zeit halben nun auch die Jereim des 9. Bezirkes die Möglichkeit, Koscherbrot. -Semmeln. -Semmellbrösel!und -Feingebäck für den täglichen Bedarf, ferner alle Arten Barches im Bezirk selbst zu kaufen. In •der «Glasergasse .10, also im Herzen des Bezirkes, hat Herr Emil Meißner, ehemaliger Sekretär der Schi ff schul, seit 19. November v. J. eine allen Anforderungen ritueller Verläßlichkeit und׳ modeiner Hygiene entsprechende Verkaufsstelle errichtet. i!n der er sämtliche Erzeugnisse der ׳bestbekannten, unter Aufsicht d!2r Adas Jisroel stehenden Dampfbäckerei Lederer & Kohiii (Elka-ßr.ot) feilbietet. Bestellungen für festliche Anlässe werden auch telephonisch (Fernruf A!10-6-50) entgegengenommen und bestens ausgeführt. Wir freuen uns, unseren Lesern ans •dem 9. Bezirk sowie aus den!!Nachbaribezirken von dieser Tatsache Mitteilung machen zu können. Sijumfeier im 20. Bezirk. Sonntag den19 ׳. Teweth veranstaltete der Verein .,Ansche Bat'li-wuzedek“ eine סיום הש״ם “Feier, an der sich sämtliche Mitglieder desselben und zahlreiche Vertretungen anderer Vereine ■׳beteiligten. Seine Eh׳r׳w. Herr (Rabbiner!M. Gottesmann er öffnete mit einer Begrüßungsansprache die Feier, in ׳welcher er die!Erfolge des Vereines!henvorlhob, dessen Programm תורה, עמדה וגמילחחסרים.^.!Unter anderem führte der Redner aus, wie groß und erhaben der לימור התורה ברבים ist, daß selber das■ ׳beste Mittel für אהבת ואחדות רעים ist, und ׳forderte die Mitgliedcr auf, sich weiterhin mit noch größerem Fleiß dem לימור הש״ס zu!widmen. Nachdem Herr J. Ehrenikramz das. Ende der מס׳ נדה gelernt hatte, •fand׳ ein Bankett stjitt. Es wurden auch׳ schöne דברי תירה von Herrn; Vereins- •rabibiner!Gottesmann, H. E. Grü!11ber׳g und Herrn IM. Zucker gesprochen. Von Herrn Kantor Rosenberg wurden schöne שירים ותשבחות!vorgetragen. Für das Arrangement des vorzitglich gelungenen Festes sorgte Herr M. Rosenblatt. Baden bei Wien. Am Samstag den 18. Jänner, abends, hielt Herr Universitätsprofessor Dr. Ma׳x Eisler, Wien, im. Festsaal׳ des Gafö Waldeck in Baden einen ׳außerordentlich lehrreichen LichtbiM!e׳r!v:ortrag über jüdische Kunst.!Redner, behandelte in erster Linie den holländisch-jüdischen Maler. Josef ׳Israels und stellte alsdann Vergleiche mi׳t Schaffun-, gen Max Lieberma׳n.׳ns :an. Das zahlreich erschienene Publikum dankte dem Redner durch leibhaften• Beifall!׳.' Neunkirchen. Am זאת חנוכה veranstaltete der, Jiigendverein תסארת בחורים eine Chanukafeier. Nach. Begrüßung der Gäste und Erstattung des!Rechenschafts- ׳beliebtes durch ׳Herrn iRabbiuer ׳Zimmermann zündete־ Oberkantor ׳Blumenfeld mit!Chor- und Klavierbegleitung die .Lichter an. Herr ,Jelltnek trug mit großem Erfolg ׳ein Gedicht von Morris (Rosenfeie! vor. und dann ergriff ,der als- Gast anwesende Oberrabbiner Dr. Weiß aus Wr.־Neu׳stadt das Wort zu seiner äußerst wirksamen Festrede. Die:!Herren Camd. Ing. Josef Feiner •und■ Jcllinek sorgten durch weitere •künstlerische Darbietungen׳, die Herren und Damen •des Komitees für das übrige Arrangement des gelungenen. Abends. Samson-Raphael-Hirsch-Gesellschaft. Auf Initiative •einiger orthodoxer führender!Person— lioh'kei'ten, darunter Rabbiner Jonathan ׳Horovicz,!Rabbiner Dr. Josef Breuer, Dr. ׳Salomon Ehrmann. )Rechtsanwalt Dr. Isaac Breuer u. a.. wurde am 13׳. Jänner 1930 in Frankfurt a. M. ׳eine Samson-Raiphael-!Hirsc׳h-IGese׳llscl1aft •gegründet. Der Zweck dieser ׳Gesellschaft ist, die •Ideen von Rabbiner S. R. ׳Hirsch s. 1A. •in der •Welt zu verbreiten und zu verwirklichen. Noch nie zuvor w!ar ׳die Zeit für• die Verwirklichung der!Ideale ׳S. R. IHirsoli’ so ׳reif wie־ die heutige. Der geniale Politiker und!Ideologe der modeinen Orthodoxie!Deutschlands, der 'Schöpfer der Selbständigkeit •der _ Orthodoxie und ׳Begründer des Thoraim Derech-Erez-Prinziips, hatte eine Zeit ׳vorausgeseihen, wo־ seine Ideen nicht mehr Sache ׳einer lokalen ׳Gemeinde Die Methode S. R. Hirsch’s im Verhältnis zur talmudischen Interpretationsweise und zu den Vorgängern. Von Rabbiner Ph. Fischer in Särospatak, Ungarn. Seine vergiftetsten Pfeile schießt der radikale Vor# kämpfer für die Reform des Judentums Abraham Geiger gegen den ehemaligen Studiengenossen S. R. Hirsch זצ״ל ab,*) weil derselbe in seinen eben erschienenen Schriften (Neunzehn Briefe und Chanrew) seine Erklärungen und Begründungen der מצות der göttlichen Gesetze, nicht auf dem einfachen ״philologischen Pschat“ des Bibel# textes, sondern auf Grund der talmudischen Inter# pretationen aufbaut. Nur ein kleines Muster von der Methode, mit der Geiger das auf der Basis talmudi# scher Interpretationen errichtete exegetische System Hirschs zu bekämpfen suchte: ״Sollte wirklich der Ver# fasser (Hirsch) so ganz in seine Ansicht hineinverlebt sein, daß er das wahrhaft Komische nicht gefühlt hat in dem Ausspruche, daß, wer den Sabbat entweiht, d. h. also, wer etwa zwei Buchstaben an ihm schreibt oder ein Licht berührt und dergleichen, der spreche hiemit aus, es gebe keinen Gott, der werde zum Leugner an Gott und Menschenberuf.“ Und es schadet nicht, so es einmal in aller Oeffent# lichkeit fest unterstrichen wird, daß eben die Einzigartig# keit des großen Meisters auf dem Gebiete der jüdischen Symbolik und der Begründung der göttlichen Gebote, der טעמי המצות die Einzigartigkeit, womit er geradezu Front gegen alle seine Vorgänger macht und die ihm zum größten, ja unvergleichbarsten Vorzug bei allen Denken# den im gesetzestreuen Lager angerechnet werden sollte, nämlich der Umstand, daß Hirsch der einzige ist, der seine Symbolik und Begründung der מציה nicht einzig und allein auf dem biblischen Text, sondern auf der Totalität der im Talmud enthaltenen *) In seiner ״Wissenschaftlichen Zeitschrift“, II, 351, 518, III, 74. näheren Ausführungsbestimmungen basieren läßt, in kurzsichtiger Uebereilung als seine Achillesferse oder, wie der von M. Sachs stammende spöttische Ter# minus lautet: als eine Art ת ש ל י ך *Philosophie auch in manchen solchen Kreisen gilt, für die sonst die talmu# disch überlieferten Interpretationen von gleicher Bedeu# tung und Wichtigkeit wie das biblische Gesetz selber sind. Solches ist aber letzten Grundes auf größere oder geringere Beeinflussung seitens einer prinzipiell geg# nerischen Kritik zurückzuführen, für die die talmudischen Interpretationen etwas dem biblischen Texte Fremdarti# ges, ja in manchen Punkten sogar demselben geradezu Widersprechendes seien. Denn allerdings muß zum Exempel, um beim bereits früher erwähnten Beispiel zu verbleiben, die Begründung des Sabbatgesetzes anders ausfallen, so man bloß die knappen Worte לא תעשה כל מלאכה zur Unterlage nimmt, als wenn man es — wie Hirsch — auf Grundlage der im Talmud überlieferten מלאכות usw. tut. *) Nach Hirsch kann überhaupt die Exegese der gött# liehen Gesetze **) nicht auf der Basis des bloßen Pschat erfolgen. Hier eben scheiden sich dieGeister. Nach der christlichen Theologie und der von Geiger und Gesinnungsgenossen vertretenen jüdischen Reform ist eben die talmudische Interpretation gar häufig irrtümlich und unrichtig, dem eigentlichen Willen des Gesetzgebers nicht entsprechend. Nur daß Geiger diese Anschauung dahin modifiziert, daß das Bestreben der talmudischen Interpretationsmethode dahin ging, das ״starr gewordene“ biblische Gesetz den veränderten Verhältnissen der spä# teren Zeiten ״anzupassen“. Aber auch die von Z. Frankel und dessen Haupt# schüler Rektor Schwarz in Wien vertretene Richtung, die, im Gegensatz zur eben erwähnten Auffassung, der tal# mudischen Interpretationsweise einen logischen Cha# rakter zu vindizieren sich bestrebt, entspricht keinesfalls dem traditionellen Begriff von der Authentizität der *) S. 19 Br. und Chaurew. **) Namentlich in halacbischen Teilen. יתורה שב״ם Wie er in dem überlieferten Schrifttum voir beinahe zwei Jahrtausenden lebt und wirkt. Es ist hier nicht der Ort, uns hierüber des weiteren auszulassen. Zur Charakterisierung dieser Richtung bezüglich ihrer Ein# Stellung zum uns überkommenen Traditionsbegriff genüge׳ der eine Satz von Rektor Schwarz: ״Es ist eine irrige Annahme, daß der Talmud auch nur eine, geschweige denn alle Middoth zu einer sinaitischen Tradition gestern* pelt hat“. (Die hermeneutische Antinomie in der talmudi# sehen Literatur, S. 3.) Der traditionelle Begriff eignet vielmehr der tal* mudischen Interpretation des biblischen Textes einen dem biblischen Text gleichwertigen sinaitjschen Charakter und Wert zu. Doch gibt es im Rahmen dieser auf uns überkommenen Auffassung verschiedenartige Ein# Stellungen zu der L o g i z i t ä t dieser überlieferten Inter* pretationen. So stellt zum Beispiel der berühmte Malbim־ in seiner Vorrede zu Wajikro bei voller Anerkennung des göttlichen Charakters der überlieferten Interpreta* tionen es als seinen fundamentalen Grundsatz hin: ■וכי כל דברי י-ורה שבע״ס מוכיחים ומוטבעים בפשט הכתיב •ובעומק הלשון. ובי הדריש הוא לבוו הוא הפשט הפשוט המיוסד בפי חוקי הלשון האמיתים והברורים וכי,. Auch der Verfasser des הכתב וקבלה geht ähn* liehe Wege. Ja, an vielen Stellen seines Pentateuch#Kom# mentars scheint auch Hirsch von einem ähnlichen Bestre# ben geleitet. zu sein. Doch scheint uns der Malbim’sche Grundsatz allzu weitgehend*) gefaßt zu sein. Daher glauben wir uns viel eher Hirsch’s Fassung an# schließen zu müssen, der nicht, wie Malbim, in jedem דרש von חז״ל den philologischen הפשט המייסד ע״פ חוקי הלשון erblickt, sondern vielmehr freimütig bekennt, daß die מרות רמיים ומיעיטים שהתירה נדרשת בה ein von g 1 סt, dem Autor des biblischen Textes, und der Ueberliefe# rung gegebener Schlüssel sind, um mit Hilfe *) Man sehe einmal viele (übrigens nicht direkt gegen Malbim gerichtete) Stellen, besonders S. 52 in der trefflichen Schrift: Die mündliche Lehre und ihr Dogma, n. Heft, von Dr. S, Kaatz. ■ 1 d י

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