Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 16 (1930)
- Issue
- 3 (17.1.1930)
- Date
- 1930-01-17
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 JÜDISCHE PRESSE Nr. 3 EssetnurF.JKA.nrnt aus der unter Aufsicht der Adas Jisroel stehenden DAMPFBXCKEREI LEDERER &KOHN Betrieb: Wien II, Hollandstraße 7 Telephon R-47-4-95 Verkaufslokal: II, Große Schiffgasse 16 Telephon A-41-7-45 Handumdrehen davon iiberzcturt, daß unter der .Parole Spaniolen sämtliche sogenannte Scphardim TranssyÜvaniens dissidieren und selbständige 'Gemeinden!bilden! dürften. lDie sephardische Fraktion der Klauscnburger Gemeinde hatte!bereits das Ministerialdekret in der!Hand, in dem ihr der Austritt und die unabhängige Organisierung als Spaniolen gewährleistet wurde.!Kaum war die Tinte auf diesem Aktenstück getrocknet, als schon — vom vielverheißenden Beispiel angeregt — 19!Gesuche im Ministerium ‘Vorlagen, um in 19 Gemeinden den!Keil der Spaltung hieinschlagen zu lassen. Da hieß es schnell und entschlossen handeln. Die Führer der Gemeinden gaben sich redliche Mühe, um die Scheinargumente der SpaUtingsanhänger bei den leitenden Männern im!Ministerium mit gewichtigen, bandgreiflichen Gegenargumenten zu entkräften, wodurch es tatsächlich möglich wurde, daß die bereits!herausgegebene Separierungscrlaubuis von der Klausenburger 'Sephardengemeinde eingezogen und damit das Schicksal der anderen 19!Gesuche entschieden wurde.!Allein die rasche Anpassungsfähigkeit der Regierung an die schnurstracks entgegengesetzten Auffassungen war durchaus nicht geeignet, die Aufregung der öffentlichen Meinung zu ׳beruhigen. 'Die Gemüter wurden im!Gegenteil noch mehr aufgepcitsoht, die iBefiirchtungen! für den Bestand der Einheit der orthodoxen!Gemeinden war erst so recht!in die' Nähe der täglich hereinznbrechcn drohenden Wirkliohkeit gerückt. Schon erschien am Horizont das!Gespenst der Zerklüftung, denn unsere!Zentralkanzlei besitzt nicht das allgemeine Vertrauen der Gemeinden aller Schattie-!rangen in solchem!Maße wie z. 1B. die ungarische ׳Zentrale und ׳ist ׳daher nicht in der angenehmen 1Lage, mit ihrer Stellungnahme die Einstimmigkeit der 'Landesrepräsentanz und die Zufriedenheit aller Gemeinden herbei zuführen. Um nicht so leicht wieder gutzumacbendc Schritte von hüben und ׳drüben zu verhüten, befaßten sich elf namhafte Rabbiner mit dem ganzen Komplex der an die Oberfläche geworfenen Fragen, nahmen eine einstimmige!Resolution an und beriefen eine!Rabbineiwersammlung ׳ein, die endgültige Beschlüsse fassen sollte. Im ׳Mittelpunkt der!Beratungen stand das •Kuiltusgesetz und die von den!Scphardim darauf basierten Separieruugsrnögl'ichkeiten orthodoxer Gruppen aus orthodoxen Gemeinden. Oie!Resolution, die der 1Rabbinerver- Sammlung vorgelegt ׳wurde, betonte in un'zweideuitiger Weise die Unteilbarkeit der orthodoxen Gemeinde in zwei orthodoxe Gemeinden, weder;unter dem Namen Spaniol noch unter der Benennung Scphard. Als dieser Beschlußan trag bekannt wurde, atmeten die!Gemeinden auf, sie fühlten ■ sich wie von einem Alpdruck befreit, der ibange und lange Wochen hindurch auf 1ihnen lastete. Allerdings sind sie jetzt nach Verlauf der tRa׳blbine׳rversa׳mmluug ein wenig enttäuscht, denn diese verwarf den!ihr zur Annähme vorgelegten Beschlußantrag und sprach die T e ilb.a r k e 11 der 0 r 11h 0 d 0 x e n!G e in e •i n d e aus für den Fall, daß ein Fiinier-iRaibbineirkoliegiiim aus die!Gemeinde- Institutionen betreffenden religiös-prinzipiellen Gesichts- Rabbi Jecheskel Paneth. Von L. Moses. An einem schönen Sommevtage des vergangenen Jahres ging־ ich über den in der Mittagssone glühenden Josefsplatz, um in den kühlen Hallen der Nationalbibliothek zu arbeiten. Da bemerkte ich zwei jüdische Männer in langen Seidenkaftanen, die hier etwas zu suchen schienen, und erfuhr auf meine Frage, daß der eine von ihnen, der sich als Oberrabiner von Des, Rabbi Jecheskel Paneth, vorstellte, ein von seinem Urgroßvater gleichen Namens vor zirka hundert Jahren dem Kaiser (Ferdinand) gewidmetes und von diesem der Familicn-Ficleikommißbibliothek ein verleibtes Büchlein zu sehen wünsche. Dieses nur in einem Exemplar vorhandene Werk sollte eine von dem Urgroßvater aus irgendeinem Anlaß gehaltene patriotische Rede enthalten. Ich half dem Rabbi und seinem Begleiter gerne bei der Durchsicht der in Betracht kommenden Kataloge, freilich ohne das gewünschte Resultat, und zeigte ihnen außerdem auch noch den Katalog der hebräisdien Hand- Schriften der Bibliothek. Nachdem ich die Männer noch zu einem Reisebüro geleitet hatte, nahm ich von ihnen Abschied. Heute weiß ich, daß ich von dem Rabbi für immer Abschied genommen hatte, da er knapp vor den Tagen des Chanukahfestes zum ewigen Lichte ging. Es war dem einfachen Manne nicht gerade auf den ersten Blick an- Zusehen, daß er auf seinen Schultern die Last großer Ahnenreihen trug, und nudi die Würde des ״Fürsten von Erez Jisrael“ sdiien ihm keine besondere Bürde za sein. Der bereits oben erwähnte Urgroßvater R. Jecheskel Paneth hatte zur selben Zeit, als R. Moses Teitelbaum, der Rabbiner von Ujhely, dem Chassidismus im östlichen Ungarn ein neues Ausdelmungsfeld schuf, dieser Bewegung auch in Siebenbürgen Eingang versdiafft. Ein äußerst aufsdilußreidies Budi eines anderen Nachkommen (״Rabbenu Jedieskel“ von Philipp Paneth) beschäftigt sich eingehend mit dem Leben dieses Gaon Und Zadik, dessen Grabstätte in Karlsburg noch heute von den Juden des ganzen Landes auf gesucht wird, und diesem Buche verdanke idi audi viele Daten über die äußeren Schicksale dieser interessanten Familie. Rabbi Jecheskel Paneth, der nadi seinem Hauptwerk auch kurz ״Mareh Jecheskel“ genannt wird, war in Bielitz (Schlesien) im Jahre 5543 (1783) als Sohn des reichen und gelehrten Getreidehändlers R. Josef Paneth geboren. Schon als Kind erregte er durch sein Wissen die Aufmerksamkeit des ״Schemen Rokeach“, der bei seinem Vater zu Gast war, und so ging er bald an die berühmte Jeschiwah des Rabbi Baruch Teomim-Fränkel in Leipnik und von dort nach Prag, wo der Sohn und Nachfolger des punkten die Teilung für notwendig deklarieren sollte. Jedoch dürfe dieses Kollegium nur nach vorhergegangener Bewilligung der •Rabbiner der Landesrepräsentan'z zusammentreten, die, wie zu erwarten steht, ihre!Bewilligung nur in äußerst ■dringenden, nicht in anderer Weise lösbaren Fällen geben wird. Ebenso hleiibt ׳es dieser!Instanz Vorbehalten, über den Gha׳rakter des verlustig erklärten Teiles der Gemeinde Entscheidung zu treffen. Wenn auch die Fassung des Beschlußantrages der elfgliedrigen Rabb'incrkonferenz dem Beschlüsse der Rabbin er Versammlung vorzuziehen ist, so dürften die Aufregnngen und Befürchtungen doch auch durch ׳letzteren Beschluß zerstreut werden, da man doch unbedingt so viel Vertrauen in die Gewissenhaftigkeit der 20 Ralbbincr der Laudesrepräsentanz, in der doch derzeit sämtliche ׳Riehtaugen vertreten sind, ,halben müsse, daß sie nicht aus Fartciegoismus blühende!Gemeinden ■dem Verfall •in die Arme treiben ׳wird. Ein anderes ist es aber, ob die Regierung geneigt sein wird, auf diese unbestimmte Fassung eitvzugehen. Es scheint bei dem ׳heutigen׳ ׳Stand der ׳Dinge nicht ausgeschlossen, daß der ,mit der Führung des aufgelösten und in das Unterrichtsministerium eitiverleibien Kultusrcssorts betraute Staatssekretär Moldovan, ein!Rind Transsylvauiens und in der Atmosphäre europäischer Verwaltung aufgewachsen, ein ausgesprochener •Ehrervmam.n und reiner, fester Charakter ׳und überdies Universi'tätspro'fessor des Kirchen recht cs ist, der sich aber gleichzeitig sehr eifrig mit den Angelegenheiten seiner engeren Kirchengemeinde!beschäftigt und daher sehr ,genau über alle Einzelheiten informiert ist, von denen das 'Wohl und das Wehe •einer Gemeinde ab'hängt, sich weigern wird׳, der ■immerhin labilen Fassung •der Resolution׳ der Rabbiner- Vollversammlung seine -Zustimmung zu ׳geben. Es steht das um so eher zu befürchten, •da cs gleichfalls Beschluß der Rabbin׳erversan:׳m׳lung war, eine Abordnung an ׳Mihister M'oldovan• zu den!!Zwecke •zu •entsenden, um ihm den ׳bezüglich der Teilbarkeit der orthodoxen Gemeinden gefaßten!Beschluß •mit d׳e׳r Bitte zu unterlbreiten, d,aß er •ihn in die jetzt unter Ausarbeitung stehende Vollzugsver- Ordnung zum Kultusgesetz aufnehme. Jm!Interesse der schwer gewonnenen Ruhe wäre es zu ׳wünschen, daß der Beschluß der Rabbincirversammluug Annahme finde, denn im entgegengesetzten ׳Falle gingen wir wieder vielen Aufregnngen entgegen, da es ׳weder der Rab'׳biuerve׳rsammlung noch der tagsdarau'f getagten Landes.repräsentanz gelungen ist, alle KranikheitS'keime ■aus dem Gemeinde- und sonsti.geri öffentlichen Leben zu entfernen. Sie füllen noch immer •die Luft und sind nach wie ,vor imstande, •die Verhältnlsse ׳zu vergiften. Hoffentlich ,wird die Einsicht' und die Rücksicht auf das richtig ,aufgefaßte Gemeininteresse siegen und die Entwicklung der Dinge ins richtige Fahrwasser lenken. imiiimiiiiiiiiiiimmmuiimmiimiimiiiiiiiiiiimiiiimmu I ״Eletko“ Fisdihflnservenfainik I | Zilina. | 5 Unsere sämtlichen Fischkonserven wie auch der s E schwedische Fischsalat in Mayonnaise sind mit dem E זזכשיי des Munkacser orthodoxen i E Rabbinates E ־■: versehen und werden unter ständiger Aufsicht erzeugt 5 THiiiiimiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiimmiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiimiiiT: Noda l>i Jehucln R. Samuel Landau .und andere hervorragende Größen lehrten. Im Jahre 5562 verließ der achtzehnjährige Jecheskel Prag mit dem Clio wer- Diplom in der Tasche, um bald darauf die Tochter eines wohlhabenden Mannes aus Linsk oder Lisko (Galizien) zu ehelichen. In Links studierte der junge Ehemann Kabbalah und dort geriet er auch unter den Einfluß des immer mehr vordringenden Chassidismus. Auch zu den Schülern des Rymanower Zadik gehörte Rabbi Jecheskel zeitweilig und so wurde er denn im Alter von 24 Jahren von der Gemeinde Ustrik (Ustrziky Dolne, Galizien) zum Rabbiner gewählt, von wo er einige Jahre später nach Terzall (Tamil, Komitat Zemplen, Slowakei) berufen wurde. Kaum war Rabbi Jecheskel kurze Zeit in Terzali tätig־ gewesen, als er eine Berufung in seine Heimatstadt Bielitz erhielt, der er jedoch auf Empfehlung des Rabbi von Nagy-Kallö das Rabbinat von Karlsburg, das mit dem Landesrabbinat von Siebenbürgen gleichbedeutend war, vorzog. Während in den anderen größeren Städten dieses Landes, wie Klausenburg, Kronstadt, Hermannstadt, Sdiäßburg, Des usw., in denen sich heute ansehnliche Judengemeinden befinden, kein einziger Jude wohnen durfte, befanden sich in der bischöflichen und landesfürstlichen Residenzstadt Karlsburg schon seit dem 16. Juhrliundert und in mehreren anderen Orten seit dem 18. Jahrhundert nachweisbar privilegierte jüdische Gemeinden. Der Vorort dieser Gemeinden und Sitz des Landesrabbiners (Richters) war Karlsburg, dessen Gemeinde ursprünglich zum großen Teile aus aus der Türkei eingewanderten spanischen Juden (Francos) bestand. Noch heute ist dort eine Familie Frankovits bekannt, deren Vorfahren wahrscheinlich ebenfalls zu diesen sogenannten ״fränkischen“ Juden gehört hatten, und so ist es denn nur ganz natürlich, daß die ersten Landesrabbiner von Siebenbürgen, abgesehen vielleicht von Josef Reis-Auerbach (1742—1750), Spaniolen waren. Es folgten einander in dieser Würde Salomon Selig ben Saul 11a Kohen, Jochanan ben Jizchak aus Belgrad, dann Benjamin Sew Wolf aus Krakau, Mosche ha Levi Margolioth und Menachem ben Jehosdiua Mendel, der Vorgängör des R. Jedieskel Paneth. Die Berufung des R. Jedieskel nadi Karlsburg war nicht zuletzt auf den Einfluß des R. Mosdie Sofer (Chatam Sofer) zurückzukehren, der von Preßburg aus nicht selten mit ordnender und führender Hand sogar in die inneren Angelegenheiten dieser am entgegengesetzten Ende des Ungarlandes gelegenen Gemeinden eingriff. Der große Meister hatte wohl in R. Jedieskel den richtigen Mann für die Führung der Judenschaft Siebenbürgens erkannt und wir sehen auch bald, daß der neue Landesrabbiner nicht nur durch sein persön- Spendet für den dar Adas Jisroel, Wien, II., Nesiroygasse 11 Wichtige orthodoxe Tagungen in Transsylvanien. Rabbinerversammlung und Repräsentantcnsiizung in Dej. Am 6. Jänner fand in Dej eine allgemeine Ver« Sammlung der orthodoxen Rabbiner Transsylvaniens statt. Fast alle bedeutenden Gemeinderabbiner, an der Zahl ungefähr 50, waren bei der Tagung anwesend. Es standen mehrere wichtige Gegenstände auf der Tagesordnung. Als erster Punkt stand die tief einschneidende Frage, ob in einem Orte zwei orthodoxe Gemeinden bestehen dürfen, beziehungsweise ob bestehende orthodoxe Ge־ meinden geteilt werden dürfen. Auf Grund des neuen Gemeindegesetzes setzte nämlich eine Bewegung ein, unter dem Namen Sephardim, aus der orthodoxen Gemeinde, in der auch vielfach nicht־ orthodoxe Elemente als Mitglieder leben, auszuscheiden. Mit Rücksicht auf diese nichtfrommen Elemente war es den Rabbinern schwer, die Unteilbarkeit einer ortho־ doxen Gemeinde auszusprechen, andererseits waren sie bestrebt, die Teilungsmöglichkeit womöglich zu er־ schweren. Nach hitzigen und langen Debatten wurde endlich eine Resolution angenommen, nach welcher die Teilbarkeit wohl möglich ist, aber ausschließlich den Rabbinern der Zentralrepräsenitanz der ortho־ doxen Landeskanzlei das Recht zusteht, ein Beth־Din aus fünf Mitgliedern zu delegieren, welches berufen sei, über die Zulässigkeit und Notwendigkeit einer eventuellen Teilung und etwa einer notwendigen Aus־ Schaltung aus dem Verbände der orthodoxen Ge־ meinden zu entscheiden. Die orthodoxe Landeskanziei in Bistrita wurde damit be־ traut, bei der Regierung durchzusetzen, daß diese Resolu־ tion bei der bevorstehenden Durchführungsverordnung des Gemeindegesetzes berücksichtigt werde. Vor Ab־ Schluß dieses Aktes erschien auf Ansuchen der ganzen!,Versammlung im Sitzungssaale Kanzleipräses Ober־ 'rabbiner Salamon U 11 m a n n aus Bistrita. Sein Einzug in den Saal war mit Ovationen begleitet, die sichtlich be־ strebt waren; den großen Führer der transsylvanischen Orthodoxie jede Unbill, die ihm in den letzten Monaten in so überreichlichem Maße zugefügt wurde, vergessen zu machen. Mehr als 1000 Jereim haben ihn auf seinem Weg in den Sitzungssaal begleitet. Der Zug war eine Sehenswürdigkeit, die Menge hat in ihrer beispiellosen Begeisterung den Bistritzer Raw auf die Schultern gehoben und ihn so in das Gemeindehaus getragen. Bei seinem Erscheinen im Sitzungssaal' erhoben sich sämtliche Rab־ biner von ihren Sitzen und mit einem Jubel sonder־ gleichen wurde er empfangen. Oberrabbiner Ullmann er־ griff nach seinem Erscheinen das Wort und gab seiner Befriedigung Ausdruck, daß man in dem heikelsten Punkt des neuen Kultusgesetzes eine befriedigende Lösung ge־ funden hat. Denn er glaubt, daß die prinzipielle Zu־ lassung der Teilbarkeit einer orthodoxen Gemeinde unter der strengen Kontrolle der Zentralinstanzen der Ortho־ doxie geeignet ist, eine günstige religiöse Entwicklung zu sichern. Nach der Erledigung dieses Punktes wurden dann noch bezüglich der konfessionellen Matrikelführung und in Angelegenheit der zur Verteilung gelangenden Staats־ Subvention Beschlüsse gefaßt. Als letzter Punkt der Tagesordnung wurde die umstrittene Frage erörtert, ob der Präses der Landeskanzlei auf Lebensdauer oder nur auf eine befristete Periode gewählt wurde. Die zioni־ stischen Zeitungen haben schon seit geraumer Zeit eine gehässige Propaganda gegen Kanzleipräses Oberrabbiner liches Beispiel dem Chassidismus im Lande viele Anhänger verschaffte, sondern auch umfassende Yerbesserangen an deu religiösen Instituten vovnahm und neue Einrichtungen schuf. Er ordnete so die gänzlich vernachlässigte Scheehita, errichtete rituelle Bäder, sorgte für die Regelung der Versorgung des Landes mit Ethrogim, usw., er gründete aber auch die noch heute bestellende Synagoge in Karlsburg und errichtete viele Thora-Lehranstalten. Schon einer der Vorgänger des R. Jecheskel, Mosche Lewi, hatte, da er fortwährend in Begleitung eines Dieners in Talith und Tefilin zu Pferd das Land bereiste, auch ״Rabbi Mosche Mochiach“ geheißen. Mehr noch als dieser durchstreifte Rahb. Jecheskel das Land, um überall nach dem Rechten zu ■sollen, er studierte sogar während ,seiner Fahrten und führte .immer eine ThoraroLlc ׳mit sich. Zahlreich sind die ׳Legenden, die sich um die allseits verehrte ,Persönlichkeit dieses wahrhaften Zadik!in! Laufe der Jaihre woben, und die Erzählungen von den fast ans Wunderbare grenzenden Erfolgen seiner Bemühungen, •für verlassene Frauen die verschollenen Ehemänner zu eruieren. Es ist denn auch kein Wunder, daß!neben den! Eingang des Grabgewölbes, unter dem sich die Ruhestätten des ״Rabbenu jecheskel“ und seines Amtvorgängers befinden, der einfache Grabstein einer Frau steht, deren letzter Wunsch gewesen war, zu Füßen des Meisters ruhen zu dürfen. Und nun ist — 85 Jahre später — auch •sein Ureiikel, sein Namenserbe, der Erbe •seines Geistes, aus dem Leben geschieden. Während!der Ahne bei seiner vielseitigen Tätigkeit noch das bekannte Werk ״Mareh Jecheskel“ und viele andere ungedruckte Werke hinterlassen konnte, war namentlich auch sein vierter Sohn, Rabbi Menacliem Mendel Paneth, Oberrahbiucr von Des, als Verfasser vieler Schriften bekannt geworden- Auch dessen Sohn und ׳Nachfolger, Rabbi Mosche Paneth, gab ein Werk (״Awodatli Klnina“) heraus, und so war ihm auch der nunmehr verstorbene Sohn Jecheskel, der •früher Oberrabbiner von Marosujvar gewesen war, nicht nur kn Amt, sondern auch in seiner Tätigkeit treu gefolgt. Auch er •sorgte durch Schulgründungen für Verbreitung des Thorawissens, und da rankt sich nun wie im Westen des ehemaligen Ungarn um die Preßburger Rabbinerdy nastie im äußersten Osten um die Familie Paneth alle Hoffnung der Thoratreuen. Wie dm altep Frankreich beim Ableben des Königs der Ruf ertönte: ,Le roi est mort, vive le roü“, so konnte auch vor drei Wochen, kurz vor dem Weihefest dem zweiten Jecheskel, nachdem sein Sohin Jakob zu seinem Nachfolger gewählt worden war, noch vor der Bestattung ״Masel tov“ zugerufen werden, denn 1רע שדש מצבחה! 1 '! 1