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Jüdische Presse · 1930-01-17 · 3 (17.1.1930) · page 1

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Journal
Jüdische Presse
Volume
16 (1930)
Issue
3 (17.1.1930)
Date
1930-01-17
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
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ffiTls&vi f^pUtni p0T01en* riadit post a telegralor X Bratislava 21s. 41B72-III-28. Zeitnahen vom Verlecer versandet. Journal expBdls par i'edltsir 0r8ji■ me die interesseb des orthodoxer Judentums Maktlon a. Admißlsfraiteua Wien, 1$. ,Leopoldß״ g%81e 86, 1. Stiege, 1. Stock. — Tel, R 4D-4-9Ä. Tschechoslowakei! Bratislava, Postfach 140. ffrashelni fgden Freitag. — Redaktionsschluss: Mittwoch Mittag. 4boansia3siatsprs5lsc i Oankphrigt Fßr Oesterrelcb S 16 ׳€!scQediosIowÄkd ischech. &. 80, Sfozelnutnmer öst. Or. 50, das übrige Amlmd 3 Dollar, Zahlungen auf Konto ״Jüdische Presse“, Wien für Oesterreich: Postsparkassenkonto Nr. D-93614; Deutschland! Post- Scheckkonto Berlin Nr. 122619; Jugoslawien: Postspk.-Amt Zagreb Nr. 40217; Polen : Postspk.-Amt Warschau Nr. 190409; Ungarn! Postspk.-Amt Budapest Nr.50170; Schweiz: Postscheckk. Zürich VIII. 4117; für die Tschechoslowakei: ״Jüdische Presse“. Bratislava, Postspk.-Amt Prag Konto Nr. 53386 Nr. 3 Wien-Bratislava, 17. Jänner 1930 rin 16 | , ב״ד. וינא־פרעססדג י׳ז טבת. Jahrg. 4J2L® Je mehr .sich die Verhältnisse in Palästina einer neuen Epoche nähern, um so wichtiger ist es, sich ■die historischen Voraussetzungen näher vor Augen zu führen. Es ist klar, ■daß auch hiebei die verschiedenen (Anschauungen innerhalb der Judenheit in ihrer Differenzierung zutage treten werden. Wir wissen nicht, ob sich die Väter der Balfour-Deklaraton ■die folgenden Erinnerungen vor Augen gehalten haben: die Juden jedoch, die zu ■dieser •Frage Stellung nehmen, sollen den Werdegang der Angelegenheit einmal eines kurzen Nachdenkens würdigen. Es ist seltsam und merkwürdig, wie sich im Ablauf der jüdischen Geschichte derselbe Vorgang •jetzt, — nach mehr als zwei Jahrtausenden — wiederholt. Bald nach dem Aufstieg der 1Makkabäer entbrannte innerhalb der Judenheit, soweit sie ■den Weg nach iPalästina zuriiekgefunden hatte, ein Streit über den •Umfang des ׳Begriffes der jüdischen Nation.!Es wollten die einen zu einer politischen Nation werden mit all den ■Ansprüchen einer solchen, d. h. also mit Geltung nach außen, mit Eroberungen, mit ■dem Einfügen des (jüdischen (Gemeinwesens in das Getriebe der ׳Weltpolitik. Dies war das politische Kredo der Sadduzäer, •denen also der Staat wichtiger war als ■die Nation. Aus dieser Vormachtstellung des politischen •Raisonnements ergab sich fast zwangsläufig die Notwendigkeit, •die •Religion (Thora) i׳tn •besten!Falle mechaniscb, niemals •aber organisch in ■die Interessen und!Rieht-!punkte der Gesamtheit einzugliedern. Die Religion wurde zur Privatsaohe. Aber auch •das mit der Einschränkung, •daß auch hier •nicht eine organische Eingliederung in die Aeußerung ■des individuellen Lebens beliebt oder gestattet war. Die Stellung •der Sadduzäer-Partei zur Religion war also sekundär, d. h. von dem ,p 0 1 i t s ch e n iGlaubensbekenntnis bedingt. Ihre Gegner waren die Pharisäer. Ihr Streben war, aus •der (jüdischen Gemeinschaft eine geistige Nation zu machen. Ihnen ging der Begriff!Nation über den Staat; Ausgangspunkt des Nationalen war •das Religiöse, was auch den Inhalt des nationalen Wol'lens ׳ausmachte. Sie strebten lediglich autonome Selbstverwaltung au und lehnten es im Prinzip ab, das jüdische Gemeinwesen, zum Subjekt oder gar Objekt weit poli tischen ■Wolle ns zu machen.!Man kann ■es auch so ausdriieken, daß bei den Pharisäern das Verhältnis zur Politik •von der Religion bedingt war, während cs sich bei den Sadduzäern umgekehrt verhielt. Außerordentlich merkwürdig ist es, daß das ■Auftreten dieser beiden Anschauungen zunächst einmal zeitlich zusammenfiel mit dein ersten ■Eingreifen •der Araber in die jüdische Geschichte. Als in der Periode der Expansions- Politik •der •alte Erbfeind EsaiHEdom in das!jüdische Staatsgebildc hineingezwungen wurde, da setzte sich der arabische Stamm der Nabatäer im alten Seir (Petra) fest. Und ■bald kam es zu einem Zusammenstoß. Das ist, historisch betrachtet, das erste Eindringen der Araber in Palästina. Die Notwendigkeit der aktuellen Auseinandersetzung mit den Arabern sieht das Judentum noch immer in derselben Weltanschanungsdifferenz begriffen. Es leuchtet ein, ■daß eine Geltung des sadduzäischen Standpunktes die Situation hoffnungslos gestalten würde. Wir aber stehen auch in dieser!Beziehung auf dem Standpunkt der Pharisäer und es •ist sicher möglich, von diesem Standpunkt •aus zu einem!Gentlemenagrement zu gelangen. Vielleicht ist von dieser großen historischen Perspektive aus •der Gegensatz zwischen Aguda und ■ihren Gegnern leichter zu begreifen und vielleicht liegt •in •dieser Beharrung einer Weltanschauungsdifferenz eine providentielle!Mission der Aguda. Dazu kommt noch ein zweites. Dieser große Kampf rnit •dem traurigen Ausgang ■der Eroberung Jerusalems durch Titus wurde lediglich ׳innerhalb •der in Palästina wohnenden jüdischen• Gemeinschaft ausgefochten. Wir haben keinerlei Nachrichten darüber, daß die in ■der Diaspora lebenden Juden, außer einer etwaigen inneren Anr teilnahmc aktiv in die Entwicklung •der •Dinge eingriffen. Heute ist es anders geworden. Beide Anschauungen, die Bekenner der politischen Nation und die Verfechter ■des geistigen Inhalts des nationalen Begriffes, haben sich eine Weltorganisation geschaffen, wenngleich es natürlich auch heute noch viele unkundige und unentschlossene Menschen gibt, die merkwürdigerweise glauben, auch einer solchen Frage gegenüber sich neutral verhalten zu können. Die Welt aber stellt •vor der folgenden Frage (sie hat •die jüdische Frage zu einer weltpolitischen ausgestaltet); Au welchen Inhalt des Begriffes ״jüdische Nation“ ■dachte sie dabei? An die sadduzäische oder!pharisäische •Auffassung? •Darauf sollte eigentlich •der Völkerbund Antwort geben. Das ist der nicht •immer erkannte :Hintergrund all der Kämpfe, die sich an die Balfour-Deklaration allschlossen, sowie auch •der neuesten Eminziation in dieser Richtung von Balfour, Lloyd George und Srnuts. Die •in den Weltorganisationen vertretenen Juden müssen aber zunächst sich entschließen, auch ihrerseits •die Frage zu beantworten, denn sie sind nun einmal gleichzeitig Subjekt und Objekt •des politischen Kalküls geworden. P. K. שומז IVO בשר (תחת השגחת הרב ר, ישעי פורסט שיפשוהל) Erzeugt unter Aufsicht Sr. Ehrwürden Herrn Oberrabbiner Jesaia Fürst (Adas Jisroel) Ueberall erhältlich! <3> Von Rabbiner Josef Seit meinem in der ״Jüdischen Presse“ erschienenen׳ Artikel, der sich mit •dem neuen rumänischen Kultusgesetz befaßte, •in der ganzen jüdischen Welt •berechtigtes Aufsehen hervorgenifen und namentlich in der Orthodoxie Gefühle der Freude und Genugtuung •darüber ausgelöst hatte, •daß in neuerer Zeit ein auf •dem Prinzip der weitestgehenden (Gewissensfreiheit auf gebautes Kultusgesetz geschaffen wurde, das vielen ■anderen werde als!Muster •dienen können und dem jugoslawischen wahrscheinlich auch als (Muster gedient hat, sind •fünf!Monate verstrichen. Merkwürdig genug, daß •diese Monate voll Aufregung •und Bangigkeit für ■die Judenheit unseres!Landes waren. Währeu׳d ■der •im Gesetz zum Ausdruck gekommene *Liberalismus ■in der Weltorthodoxie mit Jubel begrüßt wurde, verbreitete sich •in vielen Kreisen unserer Landesorthodoxie eine Furcht, ■die sich nicht verscheuchen lassen wollte, und selbst •in der festgefügten transsylvanischen Orthodoxie konnte man Zeichen •der 'Nervosität bemerken, •denn diejenigen Faktoren, die mit ■der Annahme ■des Kultusgesetzes die letzte!Gelegenheit zur Durchsetzung •ihrer Unifikat'ionsbestrebungeu entschwunden sahen, sorgten •dafür, •daß •die Gemüter nicht zur Ruhe kamen.;Immer größere Schichten wurden von •der!Befürchtung ergriffen, daß infolge dieses Gesetzes, das •die Bildung •dreier!Gemeinden unter der Benennung orthodox, okzklental uncl spaniol gestattet, selbst die bisher einheitlichen orthodoxen •Gemeinden leicht zersplittert werden könnten, •denn die chassidisoh orientierten Elemente •einer Gemeinde, •die sich fälschlich Sephardim nennen, •dürften aus der Gemeinde ausscheiden und unter dem •Namen Spaniolen, •die doch tatsächlich!historisch waschechte Sephardim sind, eine zweite orthodoxe Gemeinde organisieren. Wohl waren diese Befürchtungen im Gesetz selbst nicht begründet, denn es war jedem •vorurteilslos urteilenden Menschen klar, ■daß nur diejenigen Juden unter dem Begriff •Spaniolen verstanden werden können, •die sich durch ■die Abstammung •das geschichtliche Recht dazu erworben haben. Weder 'Minister V 1 a d, dem Schöpfer •des Kultusgesetzes, noch seinem Nachfolger!Minister Moldova!!, Adler (Schäßburg). den! das Los zitgefallen ist, ■das Gesetz ins Leben ■einzuführen, war es auch nur für einen Augenblick eingefallen, unsere soi •disant Sephardim mit •der Benennung Spaniolen zu bedenken und •ihnen mittels Ideenassoziation das Recht zu selbständigen Gemeindebildungen zu verleihen.;Doch was •dem Minister fernlag, stand ■doch zu befürchten seitens mancher Gemeiudegruppen.!In diesen Blättern war vor einem!halben Jahre ■etwa ein!Gedankenaustausch von zwei Kämpen •der ■ungarischen Orthodoxie zu lesen, aus dem zu entnehmen war, ■daß es ■innerhalb der ungarischen orthodoxen Organisation eine!Fraktion gibt, die nach einer gewissen Autonomie fiir den chassidisch oder sephardisoh •eingestellten Teil der orthodoxen Juden- •heit •aspirierte, jedoch ■durch!Beschluß der!Landesrepräsentanz in die Schranken gewiesen wurde. Diesem Bestreben analog, ■nur mit Rücksicht auf •die weit •größere Zahl der sephardisoh orientierten Chassidim in weit stärkerem Ausmaße, lebten derartige Bestrebungeu in den chassidischen Kreisen •der transsylvanischen Orthodoxie, denen das neue Kultusgesetz •als gutes Vehikel willkommen erschien, um alt gehegte Wünsche mit Ausnützung der Staatsgewalt ins Praktische umsetzen zu können. •Und es schien für •einen Augenblick, daß dieses gefährliche Spiel mit dem •Feuer gelingen sollte.!Maßgebende Regierungsfaktoren wurden im gegenwärtiger u. ehemaliger Heimschützlinge, Dr. Krüger- Hein! (fr. Elisabeth ־ Heim) | rÄ5S Wien, II., Malzgasse 7 f Sabbafhaltende fördert die Sabbathafifenden! iS So lange der Vorrat reicht. 20°\0 Rabatt vom Originalpreis. Wissen gnädige Frau bereits | vom Räumungsverkauf in Perücken, Scheiteln, Trans- . etc. der bekannten Wien I, Karn nerring 0 Verlangen gnädige Frau Gratis- (gegenüber Hotel Bristol) &41*3°62 Katalog und Preisliste 01000031010202013102

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