Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 16 (1930)
- Issue
- 1 (3.1.1930)
- Date
- 1930-01-03
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 JÜDISCHE PRESSE Nr. 1 Wahnsinn getrieben. Jede Art religiösen Unterrichts ist verboten. Erst unlängst wurden zwei Rabbiner,, der, eine 71* dät äftd&Ke&. 75 Jähre; alt» zÜC jä sebfiü Monaten Zwangs# Mbbit verurteilt, .־weil sie das ״furchtbare Verbrechen“ fwÄÜngen haben, kleinen Kindern das Beten beizubringen. Iffj^Winlza, Podolien, wurden zweihundert Kinder über Zwei Wochen lang in den Gefängnissen gehalten, weil sie Versteck ihrer hebräischen Lehrer nicht verraten י^. Was ist nun zu tun, fragte Chief Rabbi. Er bte, sagte er, an eine Wirkung von Vorstellungen ns der englischen. Regierühg. Indem diese Regierung äeä, moralischen EnipÖrung aller Menschenfreunde Au ־ד UKXck geben wird, wird sie das Rückgrat jener Staats־ 1er stärken, die einsehen, wie töricht ein agressiver tismus ist. In die inneren Verhältnisse des russischen es will sich kein Mensch einmischen. Der Rabbiner -ß, man dürfe nicht verzweifeln an dem klaren Sinn elH]äs ganzen Volkes, schließlich werde die Gerechtigkeit triumphieren. , Von der Wiener Agudah. Die Presseabteilung der Landeszentrale der Agudah für Oesterreich teilt mit: Im Ffjbiine der Wiener. Agudah» Wien, II., Leopoldsgasse 16, frnden täglich vön 6 bis halb 10 Uhr abends gesellige yfiisammenkünfte statt, woselbst aktuelle, das Judentum berührende Probleme besprochen werden. Zahlreiche jüdische Zeitungen liegen auf.;ן" Samstag, aen 4. Jänner 1930 um halb 8 Uhr abends findet eine Vörständssitzung der agudistischen Landeszen־ tcäle für Oesterreich statt. Tagesordnung: . Wahl zweier "Vbiftreter in den Zentralrat der Weltorganisation. Um pufiktliches Erscheinen wird gebeten. Sind Sie geistig oder körperlich ermüdet? Massieren Sjia. Ihren Körper! Dies geschieht am erfolgreichsten mit ufiäerdünntem Franzbranntwein ״Alpa“. Eine solche Mas־ «e verbessert den Blutkreislauf, stärkt die Muskeln und :ischt die Nerven. Beraten Sie sich mit Ihrem Arzte üöCr die Art der Massage. David Schiff ז״ל, Nach kurzem Krankenlager ver־ schied am 7. Chanukatag Mittwoch nachts im Alter von 67 Jahren David S c h i £ f, ein. frommes und angesehenes Mitglied der Schiff schul in Wien. Die Bestattung fand unter großer Anteilnahme Donnerstag nachmittags statt. ....... Bacau. Am Montag, den .,14... Kislew verschied in Bacau, Rumänien» ,Oberrabbiner Bezalel Wolf» Schafrgn r— im Ailter. vom 62. Jahren. Nicht nur ,die Juden Rumäniens, wo der. weltberühmte Gaonje.bte und wirkte, sondern die gesamte. gegenwärtige Judenheit trauert um eine Leuchte 1n Israel תנצג״וז• . . , Frau Edr Goldschmied ע״ה• In Hamburg ist Mon־ tag, den 4. Tag Chanuka, Frau Edi Goldschmied plötz־ lieh .verschieden. Die Verblichene war eine vornehme, im Schmuck edelster jüdischer Frauentugenden strahlende Persönlichkeit, die im Hamburger jüdischen Leben eine hervorragende Stellung einahm. Als Tochter des Emderter Raw s. z. I. eignete. sie sich eine gründliche jüdische Bildung an und bösaß eine staunenswerte Belesenheit in der Bibel und im Midrasch, die ihren vorzüglichen: Reden besonders zu statten kam. Frau. Edi Goldschmied weilte oft in Wien bei ihrer Töchter Frau Recha Neurath und erfreute, sich auch in der Wiener Gesellschaft aufrichtiger Wertschätzung. 99 Zitiila- 5,;versehen und werden:; unter sWndiger,Aufsicht erzeugt-— »lllllIlllllllllllUlllllll.lllllllllllllillllllllllllUilHllllimillllllT: Amtliche Verlautbarungen der tsraelif. Kultusgemeinde Wien; Z. 8802 ex J 929. Es wird liiemit zur allgemeinen Kenntnis gebracht, daß die neu eröffnete Fleischbank des Herrn I. G l ii c k smann, II., Große Molirengasse 40, nicht unter Aufsicht des ehrwürdigen Rabbinates der israelitischen Kultusgemeinde Wien steht und daß die in der Eröffnungsanzeige erwähnte Berufung auf Se. Ehrwürden Herrn llabbirter M a y e r s o h n den Tatsachen nicht entspricht. Predigten in den israelitischen Gemeindesynagogen; Freitag, den 3; Jänner 1930 werden hei dem um 4 Uhr 20 Minuten beginnenden Abendgottesdienste in michbenannten Gemeindesynagogen Predigten abgehalten, und zwar: I., Seitenstettengasse 4 (Rabbiner Dr. M. Grünwald); XVIII., Schöpenhauerstrnße 59 (Rabbiner Dr. 1כ. Feuchtwang). Israelitischer Jugendgottesdienst. Am Samstag, den 4. Jänner 1930 findet um 3 Uhr nachmittags der Jugendgottesdienst für die israelitische Schuljugend in den Gemeinde- und Bezirkssynagogen statt. Aus dem Einlauf lind Präsidialbericht für die Pleiilätsiföuug des Kultusyorstandes vom 30. Dezember 1929. Die unter der Aegide der Israelitischen Kultusgemeinde durchgeführte Aktion des ״ZeiitralHilfskomitees für die Opfer der Ereignisse in Pälästiiiä“ hat" bis zum heutigen Tage nach Abzug der Auslagen für Druck- Sorten und Porti ein Gesamtergebnis von S 138.000 zu verzeichnen. Hievon wurde am 19. Oktober 1929 der Betrag von engl. Pf. 2500 und weitere engl. Pf. 1000 am 29. November 1929 an die Jewislx Agency in London mit der ausdrücklichen Verfügung übermittelt, daß diese Beträge.ausschließlich zur Hilfeleistung für die Opfer der PalästinäereigriiSse zu verwenden seien. Aus deri Wochenberichten des M a t r i k e n a in t c s für die Zeit vom 17. November bis 14. Dezember 1929, welche zur Einsichtnahme für die Mitglieder des Kultus- Vorstandes aufnegeli, sind die Daten hinsichtlich der Bevölkerungsbe'ivegung z.u, entnehmen. Der statistische Ausweis desj Mätrikehämtes für clea Möriät November 1929 weist folgende auf: Gesamtzahl der vörgenommenen Trauungen;' 64', Gesamtzahl der Ehetrennungen 28, Gesamtzahl der Sterbefülle 198, Gesamtzahl der Geburten (43 männliche,. 46 weibliche) 89, Gesamtzahl der Austrifte 68, Gesamtzahl der Eintritte und Rücktritte 23. Der in Wien wohnhafte und in Bad Hall als Kurarzt praktizierende Herr Dr. Hans K a.ise r bittet in einer Zuschrift das Präsidium um die; Feststellung, daß die Gerüchte,. er sei aus dem Judentum ausgetreten oder habe sich taufen fassen, unwahr sind, daß er vielmehr nach wie vor ebenso wie. in Steyr auch in Wien Kultussteuer entrichtendes Mitglied der Israelitischen Kultusgemeinde sei. Vom Steuer amt der Israelitischen Kultusgemeinde. liegt eine. Konsignation vor über die in der Zeit Einzige jüdische .SU■ für WeiBnähen und kleidermachen mit Öffentlichkeltsrecht 1enV H■» Mafegasse 7, Dr. jCrtfger- Staatsgiltige Zeugnisse . , Oehilfinnenrecht Samstag geschlossen 1 vom 3. November bis 14. Dezember 1929 aus dem Judentum ansgetretenen Kultussteuerträger. Dieselben verzeichnen den Abfall von 29 Kultussteuerträgern, von weldnen IQ eine; Kultussteuer zwischen S 1 und 10; 15 eine־ solche zwischen S 16 und 56, einer S 60, einer S 65, einer S 120, einer S 150 und zwei je S 200 zu entrichten hatten. Einem Bericht des Steueramtes ist zu entnehmen, daß pro 1929 an 59:575 Geineirideifiitglieder Zahlungsaufträge mit einer Gesamtvorschreibung von S 2,457.166 ergangen sind. Darunter befiiideii sich 4677 Fälle voll Neubesfeuerungen mit einem Betrage, voll S 56.067. Der Vorstand der, Chewrä Kadisclia teilt in einer Zuschrift vom 17. pezeitib^r 1929 mit; daß bei der ani 15. Dezember stattgefündfenen ,Generalversaniinlung,,,die Herren Sandor Adler, Franz Denes, Josef Dohan; Sibgnn Ernst, Samuel Glückselig, Adolf Stern und Dr. Josef Ticho in den Vorstand wiedergewählt und die Herren: Gustav Oesterreicher und Paul Schwarzstein neugewählt wurden. Gemäß § 29 des Vereinsstatuts wolle der Kultus•: Vorstand die Wiederwahlen zur Kenntnis nehmen und die neugewählten Vorstandsmitglieder bestätigen; Nach Kenntnisnahme des Präsidialberichtes wurde eine Interpellation der zionistischen Fraktion wegen dei• Niebteinberufnng der Statuten- und Walilrechtskonimission zur Verlesung gebracht. Nach Aufklärungen des Kommissionsobmannes Dr. Josef Ticho behielt sich das Präsidium vor, die Interpellation bis zur nächsten Sitzung zu beantworten. Hierauf wurde nach einem Referat Doktor D. Friedman n ein zweimonatiges Budgetprovisorium beschlossen. Kinderecke. Visitenkartenrätsel: O. T. Karo Bern. Rätsel. 1 5 6 7 1 11 1 13 10 Biblischer Männeruume 7 S 9 Engel 9 Biblischer Briefträger 2 Jüdischer König 8 Siedlung in Palästina Stammutter 8 9 Böse Frau in der Bibel Teil der jüdischen Lehre Jüdischer Gelehrter 8 9 Jüd. Gelehrter in Spanien Strom Berg im heiligen Land Die Anfangsbuchstaben von oben nach unten er geben eine jüdische Organisation 14 t 6 7 14 8 14 15 16 6 1 14 17 16 I 5 1 6 5 8 10 19 16 6 18• 20 9751 18 15 18 mBII■ fm■ «319■ In dieser Rubrik werden wir regelmäßig unseren Lesern Gelegenheit geben, selbst zu sie interessiereiiden Fragen Stellung zu nehmen, Anfragen, an die Öeffehtlichkeit zu richten oder, Beschwerden zu erheben. Wir simt sicher, daß diese Neueinrichtung einem großen Teil unseres Leserkreises eine willkommene Gelegenheit gibt, sich über das auszuspreehen, was sonst nur Gegenstand privater Erörterung war, und paß diese Ausspräche in. der ״Jüdischen Presse“ zur Hebung des Interesses weiter Kreise an Fragen, die das jüdische Leben betreffen, beiträgt. Die Redaktion. nur Brot aus, der unter Aufsicht der Adas Jisroel stehenden DAMPFBKCKEREf LEDERER &KOHN Betrieb: Wien 11, Höllahdsfraße 7 Telephon R-47-4-95 Verkaufslokal: II, Große Schiffgasse 16 Telephon A-41-7-45 der Straße oder einem ihnen wesensfremden Milieu über־ lassen-zu •müssen: ■ .In. hygienisch., einwandfreiem. Raume arbeiten, spie־ len, lachen die; Kinder in. ihrer unterrichtsfreien Zeit. Die stille, unauffällige Beaufsichtigung lockt ihr ureigenes Selbst,..ihre Individualität •heraus, die; depi Erziehet den Eipgerzeig gibt,: wann und die ppsirivevBee'ihfiussung einsätzßJ1 soll,,Besonderen,Anfaß niezu bieten geineihsame F^tverapstäitpngen,a die, Bausteine liefern: zu. dem festzu־ fMgenflßp■;Chäräktpr}1 .•;aü; dem, ,später selbst , ,wuchtige Sphicksalsschläge. abprallen;, In diesepM Sinne, kann auch d!9 Söpntag; stättgefündene , ,außerordentlich, gelungene Chänukafeier’ des Kinderhortes gewertet werden. Der fCünstrera6end iih: Gontihehtäl. .., Die Krönung; aller, GUanukaHTVeraristaltungen des Jahres bildefq entschieden der. am 29. :Dezeiüber zuf linsten, der S c,h u l e r a ii s s p e i s ü.11 g, der T a l m 11 d h ö rvä im. Fd&tsaale. des, Hotel‘ Continental stattgefundene Künstlerabend, der. dem , den Saal bis auf das letzte Plätzchen füllenden Publikum erlesensten Genuß bot. Oberkantor Gerson M a r.g,u 1 i e s zündete mit bekannter Meisterschaft des Vortrages die CHänukahlichter an, wpräüf Ernst׳ F r Le d l ä'Üd e r durch mehrere Cellovorträge reichen Reif all5 erntete. Oberkantör W e'iß (Wifen, X.) ־ rieR düröh gefühlvoll vorgetragenö liturgisehe Lieber wahre Begeisterungsstürme hervor und die BibelrezitätiorienV Oskär B e re gi s Hielten; die. Zuhörer in atemloser Spannung; In ra;üscHendÖr Begeisterung dankte das Publikum dein großen־ Künstler. Die nun. folgende Pause gabden- Anwesenden Gelegenheit, sich an! dem reichlichen'Büfett, von edlen Damen gespendet und gelfeitelf gütlich! zu tun. Hier Wären Frau Sandor Ad’l.e r, Frau Hilde Bondy, Frau Sophie Pappenheim und Frau Henny Schreiber,־ unterstützt von einer Schar jünger Damep,‘ in ihrem Element. Nach der Pause trug Oberkäntör M‘a r g u 1 i e s mit׳ höchster Vollendung jüdische Volkslieder vor, die unstreitig als der Höhepunkt des an und für sich schon unübertrefflichen Abends bezeichnet werden müssen, Hoinunculus sorgte für Erheiterung des Fublikunis, das ilim, durch Lach- und Beifallssajven dankte,, und zum Schlüsse gab noch der Sähger R o s e ri b a c h - Segal jüdische Volkslieder zum besten.. _ Der. GTRphertöge Scherniatin und5 die Rabbis von Czertibwitz. Wir. entnehmen dem ״Hamburger Isr. Familien־ blätt“ folgende interessante Schilderung״ aus der Feder düs Herrp |Ör, Leon Mar g i t a i (Wien);• D. Red. Raphael! Schermann, der weltberühüite Graphologe, dessen• hellseherische;,; schier . ins;;U;eberirdische greifende Begabung ein unlösbares Rätsel därsteHt, weilte vor eini־ gen Tagen* in Czernöwitz, wo er G'äst des Kultusgerenten Dfj. Gutl^e1rz.v.NYa|. Eines Abends lud . der IJausherr die beiden Rabbiner von Czernöwitz, Dr. Mark, der die moderne Richtung, vertritt, und Benzion Katz, das Haupt der orthodoxen Gemeinde, zu sich, nachdem die Rabbis den Wünsch geäußert hatten, Schermann kennen zu lernenund ׳, seine Fähigkeiten zu prüfen. Nach einem an־ fegenden Dispiüt über Philosophie, Talmud und Kabbala, in weicHeiv. Materien ScKermärin; sich als erstaunlich be־ \vandeft erwiesen hatte, zog plötzlich Rabbi Katz zwei Ppkümiente aus; seiner Tasche. Zwei yergilbte alte Schrift־ stücke,— Papiere aus dem Archiv der CzernpWitzfer Ge־ meinde. t ״Sb, Herr Schermänn“, sägte Rabbi Katz mit einem; skeptischen Lächeln, ״jetzt legen Sie Zeugnis ab von ihrer göttlichen Eingebung'; Wenn Sie diese .Schriften deuten können, werde ich gern ä'n Ihre berühmten Fähig־ keitäri glauben. Die Religiön ist voll von mystischen UeberrascHüngen — warum soll ein Rabbi flicht daran glauben, daß Gott einen Menschen mit übermenschlichen Fähigkeiten ausgestattet hat?“ ,. Schermann übernahm die ,zwei Schriftstücke. Mit einem starren Blick schaute er sie ungefähr eine Minute läng: an; Alles saß‘ wie gebannt da —• die Luft war form־ lieh gepreßt vor ,Spannung und Erregung. Plötzlich erhob Schermann seine Rechte, legte das einp Schriftstück, auf die Tischplatte und sprach': ״Dieses Dokument, das ich־ da vor mir Habe, muß der Mann ge־ schrieben haben, als er nooh sehr;, sehr jung war. Er starb• auch in jungen Jahren. War ein Genie. Sein Denken \yar so scharf,, daß man einen solchen Wissenschaftler nur selten •findep wird, Hätte er sich vollends entwickeln können, so wäre er eines, der größten Genies seiner Zeit geworden. Er. konnte: sich aber nicht ganz entwickeln. Er litt unter einem Zwiespalt im Kampfe mit sich selbst. Er konnte; sich zwar zu einer neuen Geistesrichtüng be־ kennen, doch inimeri zpg,es ihn. zur:,alten Lehre zprück; Er war ein großer Redner; er faszinierte seine Zuhörer. Er. hat. schlephte. Zeiten initgemächt; Es gab ׳Füge, an deneü-er nichts zu essen hatte -דdoch was er hätte, teilte er mit anderen. In der Diskussion! verhielt, er sich zuerst ab wartend; aber dann, wenn er den Ausdruck der rieh־ tigen Ueberzeugung gefunden hatte; geriet er in Ekstase. Schweiß,- rann ihm vom י־ Gesicht,. seine Augen wurden feucht. Leide* wau* sein Gesundheitszustmid nicht gut; er hat unendlich viele körperliche Leiden ertragen müssen.“ Dann legte Schermap«־ das zweite . Schriftstück auf den Tisch ,und ־sprach weiter: ״Der Schreiber dieses Doku־ mentes war ein sehr zartfühlender Mensch mit sehr schwäche» Nerven. Man-fürchtete immer um seih Leben. I Sein .Gesicht war von Falten gefurcht, es zeigte Leid und Schmerz. Er war. ein äußerst scharfer Denker, konnte je־ doch seine Gedanken nicht ganz konzentrieren. In seinen Antworten war er kurz angebunden. Kam. er, in Schwung, : so., zuckte sein Körper. Besonders .auffallend,, war , sein Blick. In seinem schmalen Gesicht saßen Augen wie die eines Adlers.“ Schermann war mit seinen Ausführungen zu Ende. Da sprang».Rabbi Katz von seinem Sitz und rief: ״Herr־ lieh, wundervoll! Höret, wer die Männer waren, von deren Hand die Schriften stammen: Die erste stammt aus der Feder des Rabbis Möses Hersch Heller. Er war Rabbiner in Bukaczowce und׳ ist vor hundertdreiundsechzig Jahren gestorben. Er;starb jung, im. Alter von neununddreißig Jahren. Rabbi Heller hat gewaltige Werke hinterlassen. Sie behandeln den Talmud, die Schriften des Müimönides ,und’ anderer Autoren und‘ mäh muß staunen, wie ein Mann in: so jun־ gen Jahren so große Werke verfassen konnte. Nicht nur für unsere Zeit ist Rabbi Heller ein Wunder; auch־ in der damaligen Zeit, Wo man noch mehr jüdische Wissen־ schüft betrieben hat, gab es wenige, die an seine־ Größe herangereicht hätten. Rabbi Leibisch Horowitz aus Stanislau, dessen Schüler Heller war, schrieb, daß dieser unter tausend Schülern der beste gewesen sei. Nur konnte er das rem Talmudische mit der kabbalistischen Richtung nicht in Einklang bringen, er schwankte her und hin. Horowitz schreibt auch, daß Rabbi Hellers Augen in der Hitze der Debatte Blut geschwitzt haben und daß er ein kranker Mann war, der jedes Jahr einen Kurort aufsücheu mußte.“ Jetzt nahm Rabbi, Katz das zweite. Schriftstück in die Hand und sagte: ״Pips stammt vom Rabbiner Mayer Arak, der zuerst in Jaslöwitz, dann in Büczaez gewirkt hat, die Kriegszelt in Wien verbrachte unc| in den letzten Jahren in Tarnow gelebt hat. Er war einer der größten Talmudisten ,unserer Zeit. Charakteristisch, für ihn ,ist, daß er, ob:wqhl sehr gründlich im Studium, sjeji sehr kurz zu . fassen pflegte, und mir gegenüber der Befürchtung Ausdruck, gab,:.daß er ,manchmal nicht verstanden werde. Auch Rabbi Mayer Ärak war efn schwächlicher Mann, und in;der Tat fielen äp, spinpm kleinen CJesichL düs stark durchfurcht war, und immer einen traurigen Aus־ druck hatte, seine großen Adleraugen auf,“ Nachdem Rabbi Katz seinen Kommentar beendet hatte, traten beide Rabbiner zu Schermann und reichten ihm die Hand; Dann faßten sie über die Schriftdputupg ein Protokoll ab, das Rabbi Katz mit nachfolgender Widmung; ergänzte: ״Herrn Raphael Schermann. Ap! dje־ ser Arbeit werden Sie sich selbst, erkennen. Rabbiner Benzion Katz, Cernauti, 17. November 1929.“ 177209591023061