Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 16 (1930)
- Issue
- 1 (3.1.1930)
- Date
- 1930-01-03
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 1 Seite 5 JÜDISCHE PRESSE Tschechoslowakei 1 § ”i9n01a1IHIIMIIIIHBBI|IIIBIUUflRIII>! Der Preßburger Jeschiwatag. Der am 15. Kislew veranstaltete ״G e d eti k t a g der Preßburger Jeschiwa" war unseres Erachtens ein solch wichtiges Ereignis unseres orthodoxen Gemeinschaftslebens, daß es wegen des ככור התורה der sich an diesem Tage kundgab, der Mühe wert erscheint, seinen Verlauf in allen Einzelheiten festzuhalten. Es wäre in unserer ernsten Zeit frevelhaft, an einer Ver- Sammlung von mehreren hundert Personen aus der geistigen Elite gedankenlos vorbeizueilen, ohne aus ihr gewisse Lehren für unser jüdisches Verhalten in der Zukunft zu ziehen. Denn schöner und eindrucksvoller kann der Beweis für die einigende Kraft des Thoralernens und der vertieften t h o r atreuen Gesinnung nicht erbracht werden als durch die Tatsache, daß hunderte jüdische Menschen, die von Raum und Zeit und allerlei anderen Hemmnissen weit auseinandergehalten werden, bloß durch die lebendige Erinnerung an den gemeinsamen Thoralchrer, an die Stätte, au der sie ehemals in den aufnahmsfähigen Jugendjahren vielfach unter Leiden und Entbehrungen, unter Demütigungen und יס1רים wie sic in unserer Zeit nur noch der Thornjiinger kennt, ihr Thorawissen erworben oder erweitert haben, an diesem 15. Kislew von einem Zusammengehörigkeitsgefühl gleich wiedervereinten Gliedern einer Familie aufs innigste durchdrangen waren. Diese Wahrnehmung gebietet dringend, in der Erscheinungen Flucht bei diesem Erlebnis einen Augenblick nachdenkend innezuhalten. Ihm gegenüber wird man sich wohl kaum der Ueberzeugung erwehren können, daß cs einzig und allein die bewußte Pflege der Thoratre.ue, des •Thorageistes und der thora gern äßen LcbensTü hrung ist, die dem jüdischen Volke auch als o r g a nisierter Gemeinschaft die Fortdauer zu gevv ü h r 1 e i s t e n v e r m a g. Diese Erkenntnis drängte sich allen denkfähigen Teilnehmern an dem Gedenktag äufs neue von selbst auf und wird vielleicht gar manchen im Laufe der Zeit durch Oberflächlichkeit und agitatorische Einwirkungen von außen schwach und scliwankend gewordenen ehemaligen Schüler der Jeschiwa am Grabe des Rabbi auf den richtigen Weg zurückgeführt haben. Schon deshalb ist es gerechtfertigt, die Versammlang vom J5. Kislew in Preßburg in die -Reihe jener größeren und kleineren Tagungen zu stellen, die in den letzten Jahren d i e Wiede ra u f r iclitun g u n d E r- 11a 1 t u 11g d e s j ii d i s e b e n V o I k e s a 1 s 1 e b e n swillig e, 111 o r a b e h e r r s c h t e G e s i n 11 u n g sgemeinschaft zielbewußt erstreben oder doch, auch ohne klare Absicht, zu erstreben helfen. Von diesem Gesichtspunkte betrachtet — und je deutlicher in diese Beleuchtung gestellt, um so besser — wird der dauernde Verband aller ehemaligen Schüler der Preßburger Jescliiwa, wenn er zustande kommt, auch abgesehen von dem materiellen Vorteil, den er für die Erhaltung der Jeschiwa ergeben würde, dein gesamten orthodoxen Judentum einen geistigen Gewinn bringen, der nicht unterschätzt werden darf. Die Initiative hiezu ist unter ungemein günstigen Auspizien ergriffen worden; Der Anfang ist gemacht. Es gilt heute nur noch, weitem!־ arbeiten und einen schönen Gedanken in den feistigeh Strom des gesamten orthodoxen udeuturas r i c 111 ig e i 11 z u s c h a 11 e n und zum dauernden Segen zu gestalten. Wird dies ge- Tiugen, so werden sich die Voraussetzungen bewahrheitet und die Hoffnungen erfüllt haben, die dem Gedenktag die Folie verliehen haben. Die Vorbereitung der Zusammenkunft lag in Händen eines großen Komitees von in Bratislava wohnhaften ehemaligen Schülern der Jeschiwa unter Ehrenvorsitz des Herrn Moses Weisz (Schloßstraße), eines der ältesten und geaclitetsten Schüler des ״Schewet Safer״ s. z. 1., und Leitung des Herrn Samuel Sehre ib e r, Sohnes Sr. Ehrwürden des Herrn Oberrabbiners. Die hauptsächliche Arbeit, die mit der Veranstaltung verbunden war, oblag einem aus den Herren Simon Strass er, Leopold F e ttman n und Ludwig Schaff e r bestehenden Büro. Der unermüdlich uneigennützigen Arbeit dieses Büros ist auch im wesentlichen der Erfolg zu danken. Es bedurfte zahlreicher Sitzungen des Vorbereitungskomitees und sehr mühseliger Vorarbeiten des Arrangierungskomitees, um eine Uebersicht über den Kreis der Teilnehmer zu gewinnen und die klaglose Unterbringung der Gäste zu sichern, als bald nach dem Bekanntwerdeu der Veranstaltung durch die Presse ehemalige Schüler der Jeschiwa in ungeahnter Menge sich aus allen . Himmelsrichtungen anmeldeten. Im Arrangierungskomitee betätigten sieh im besonderen die Herren" J. Neugröschl, Nathan Kalisch, Josef Eichler, Jerem. Duschinsky, Geza Löb, Ch. J. Weisz und andere ■sehr eifrig. Ihnen stand die gesamte Jeschiwa-Jugend zur Seite, die im Bahnhof- und Ordnerdienst ihr Bestes tat. Die Direktion der tschechoslowakischen Eisenbahnen, das Außenministerium und die tschechoslowakisehen Konsulate im Auslände und ebenso die Bratislayaer städtischen Behörden bewiesen in dankenswerter Weise besonderes Entgegenkommen. Eine große Anzahl von Preßburger Familien nahmen die Teilnehmer gastlieh auf. Die Gemeindeleitung stellte Für die Begrüßungsfeier die große Synagoge zur Verfügung. Die in Preßburg am Montag und in der Nacht vom Montag, auf Dienstag und während des Dienstag einlaufenden Eisenbahnzüge brachten die Gäste in Scharen aus nah und fern. Imposant war die Beteiligung aus Wien, Von wo etwa 50 ehemalige Schüler unter Führung des ehrwürdigen Herrn Oberrabbiners Fürst und der Herren Wolf P a p p e n 11 e i m und Rabbinner Dr. Joel Po Hak anlangten. Aus Budapest kam ebenfalls eine große Gruppe unter Führung der Herren Abraham von Freudiger und Dr. Adolf Deutsch an. Stark war auch die Beteiligung aus Rumänien, namentlich"aus Cluj und Oradea. Der Großteil der Gäste rekrutierte sich natürlicherweise aus den Gemeinden der Slowakei. Um ein Bi|d der ungewöhnlich großen Beteiligung zu er- •halten, dürfte es genügen, hier bloß die Orte zu erwähnen, aus denen die II a b b i n e r anwesend waren. Es wurden verzeichnet die Rabbiner aus Bratislava (das fesämte Rabbinat und alle Vereinsrabbiner). Piestariy, öpblcany, Sebes, Bätorkesy, Galanta I, Sp. Podhrädie, MederyGuta, ZI. Moravce, Stranan, St. Lubowna, V! Sar- Auhy! Poprad, Nadas, Myjava, Pezinok, Sered, Sala n. V., Vrbove, Banovce, Hlohovec, Senec, Reca, Sv. Jur, Surany, Nitra (Rabbiner Vorhand), Nove Zamky (Rabbiner Stern), Zilina, Oslany, Urmin, Novg Mesto, Lucenec, Roznaya, Rim Sobota, Cus, Kesmarok, Komarno, Samoryn, Kosice (Rabbiner Rosenberg), Berehova (Rabbiner Goldberger, Friedmann), Brezova, Sobotiste, Bosac, D. Kubin (Rabbiner Friedmann), Trnava (Rabbiner Reich) aus der Slowakei; die Rabbiner aus Wien (Oberrabbiner Fürst, Rabbiner Flesch, Dr. Pollak, Schenk, Neuwirth, Haberfeld, Benedikt, Friedmann, Tauber), Wiener-Neustadt, Mattersburg, Baden (Rabbiner Friedmann) aus Oesterreich; die Rabbiner aus Csorna (Oberrabbiner Kohn, Rabbiner Klein), GyÖr, Papa (Rabbiner Wieder), Budapest (Rabbiner Welz, Dr. Fischer, Isr. Braun), Szerencs, Verpelet, Gyöngyös, Kapuvär, Czelldömölk, Tinye, B. Gyarmat (Dr. Weisz), Nemesszalok, Räkospalota, Onod, Tolcsva, Balatonfüred, Tiszapolgär, H. Dorog aus Ungarn; die Rabbiner aus Boskovice, Gewic, Mislice, Skialice aus Böhmen- Mäh ren; die Rabbiner aus Baia mare, Deva, Timissoare, Oradea (Rabbiner Pollak) aus R u m ä n i e n, ferner Leipzig (Dr. Kohn) und andere. Sehr groß ist die Zahl der zum Teil überaus warmherzigen Briefe und Telegra m in e, die aus diesem An lasse an die Jeschi waleitung kamen. Wir erwähnen nur folgende: Oberrabbiner Rabbi Chajim S o n n e n f c l d aus Jerusalem telegraphiert: ״Brocho lekiuus zadikim, sechus rabbosenu tihje inessajatom.“ Das orthodoxe Ober rabbinat und das Gemeindeprüsidium in Jerusalem: ״Jerusalemer Gemeinde waad liair Aschkenasi begrüßt ehrwürdigen lloscli Jeschiwa und versammelte Gedaule Thora zum historischen Jeschiwatag. Jehi rozaun schlo jewaisch hamajon welo jikzauz hoilon pri ez chajiin wekajom omen.” Die Leitung der Agudäs J i s r o e 1: ״Geschäftsausschuß der Agudas Jisroel wünscht herzlichst Brocho wehazlocho. Rosenhei m-Frankfurt a. M.,Oberra bbiner Duschinsky in Hu st: ״Einladung erhalten, Kommen leider unmöglich, bitte meine herzlichen Grüße und den Ausdruck innigster ׳Freundschaft allen Anwesenden Talmide Rabenu Haguen zichronu liwrachu, besonders an Herrn Oberrabbiner jedidi Haguen zu übermittein.“ Das Präsidium der Wiener ״Schiffschul“: ״Adas Jisroel Wien begrüßt herzlichst die im Stammsitz des Studiums der Thora versammelten Jünger derselben. Möge ihr wärmendes Licht mit erneuter Kraft hinausstrahlen auf ganz Israel! ßondi, Dr. Reininger. Oberrabbiner Benedikt in Szombathely: ״Birchas Haschern Taale lerajsch Maschbir Huraw Haguon im kol Hakojdesch hanoudim lichwod Tojruszenu Hakdojsclm.“ T . ., Ferner beglückwünschten die Jesclxiwaleitung: Oberrabbiner Schreiber-Eger, Rabbiner Sußmann-Budapest, Rabbinat Oradea, Redaktion des ״Israclit‘'-Frnnkfurt a. M., Rabbiner Preßburger-Päpa, Oberrabbiner Deutsch-Päszto, Oberrabbiner Dr. Altmann-Trier, Oberrabbiner Grünfeld-S. Szt. Peter, Oberrnbbiner Lebovics- Retjdig, Oberrabbiner Dr. Schweiger-Nitra, Oberrabbiner Fischer-Särospatak, Rabbiner. Dr. Frankl-Halberstadt, Oberrabbiner Dr. Spitzer-Hamburg, Rabbiner Diamant- Hamburg, Rabbinat Paks,; ,Oberrabbiner- Fuchs-Oradea, Oberrabbiner Strasser und Rabbiner Rösenberg-Debrecen, Oberrabbiner Müller-Petrosen, Rabbiner Dr. Ehrentreu-München, Rabbiner Dr. Rosenberg-Cleveland, Rabbimier Soffer^Fet, Rabbiner Weisz-Berlin, Rabbinat und Vorstand des Vereines zur Wahrung der Interessen des orthodoxen Judentums im Rheinland, Dr. Wolf, Grünsfeld-Köln, Rabbiner Jukobowitsch-Köln, Rabbinat Miskolcz, Oberrabbiner Tigermann-Bekescsaba, Oberrabbiner Soffer-Targo mare, Oberrabbiner Rosenbaum-Kisvarda, Oberrabbiner Weisz-Nusfalva, Rabbiner Grünwald-Luzern, Oberrabbiner Ullmarin-Bistrita, Rabbiner Dick-S. a. ujliely, Rabbiner Dr. Hoffmann-Franxfurt am Main, Rabbiner ßerger-Chikago, Oberrabbiner Szoffer- Timissoare, Rabbiner Kunstadt-Fuldä, Königl. Rat Hirsch- Cluj, Oberrabbiner Acller-Sighissoare, Oberrabbiner Katz-Nitra, Oberrabbiner Deutsch-Subotica u. a. Vielfach haben aus einzelnen Orten die dortigen Schüler Kollektivtelegramme mit zahlreichen Unterschriften gesandt. So aus Szombathely, Sevljus, Nyiregyhdiza, Krakau, Sarospatak, Debrecen, Bekescsaba, Munkäcs, Janoskaza, Nyirmada, Baia mare, Sa. a. ujhely, Helmec, Paks, Oradea, Kraszna, Tiszafüred, Secovce, Miskolcz, Timissoare, Mainz, Frankfurt a. M., Bistrita, Tiszadob u. a. m. Solchergestalt stand der Gedenktag im Vordergründe des jüdischen Interesses in Preßburg und man hörte überall, wo Juden zusammentrafen, Ausdrücke des freudigen Wiedersehens mit Freunden und alten Bekannten. Ein herrliches Bild bot der große Tempel. Er war lange vor Beginn der Begrüßungsfeier bis auf den letzten Platz besetzt. In den oberen Reihen nahmen die auswärtigen Rabbiner Platz. Bei lautloser Stille bestieg Se. Ehrw. Herr Oberrabbiner Schreiber das Almemor. Man sah ihm die innere Bewegtheit an, als er vor allen den bejahrten Schülern der Jeschiwa, den Schülern seines Großvaters und Vaters s. z. 1., die aus tiefer Anhänglichkeit an ihre Rabbis sich der mühevollen Reise nach Preßburg unterzogen, und seinen eigenen in großer Zahl anwesenden Schülern seinen warmen Willkommsgruß entbot. Er entwarf ein Bild von dem Geiste und cler Lehrmethode der Preßburger Jeschiwa und von dem großen Segen, den der Begründer der Jeschiwa, der ״Chasam Sofer s. z. 1. una seine zahlreichen Schüler überall, wo sie wirkten, in der Hebung der Religiosität, der Verbreitung des Thorawissens und der Vertiefung der Ueberzeugungstreue gestiftet haben. Er schilderte das Jeschiwaleben, wie es sich viele Jahrzehnte hindurch erhalten hatte, und seinen Einfluß auf die Gemeinde Preßburg, die zu allen Zeiten in der Jeschiwa ihre schönste Institution würdigte. Es bilde für ihn eine Genugtuung, feststellen zu dürfen, daß die Jeschiwa den Weg des Chasam Sofer niemals verlassen habe und daß seine eigenen Schüler sich denen seiner Vorgänger würdig anreihen. Demgegenüber stoße die Erhaltung der Jeschiwa und die Versorgung ihrer gegenwärtigen Schüler mit dem allernotwendigsten unter der allgemeinen wirtschaftlichen Not auf Schwierigkeiten, die nur die dankerfüllte Mitarbeit aller ehemaligen Schüler zu überwinden vermöchte. Einen entscheidenden Schritt nach dieser Richtung habe die Gemeindevertretung mit ihrem feierlichen bindenden Beschluß getan, in der nächsten Zeit zur Unterbringung der Schüler ganz oder zum größten Teil auf Kosten der Gemeinde ein Internat zu erbauen und es gemäß den Anforderungen der Hygiene und der gegenwärtigen Lebensnotwendigkeiten auszustatten. Er bitte alle treuen Schüler der Jeschiwa, auch ihrerseits an der moralischen und materiellen Stärkung der altehrwürdigen Jeschiwa intensiv mitziiwirken, auf daß das Licht der Thora, das vor mehr als hundert Jahren vom Chasam Sofer in Preßburg entzündet wurde, bis ans Ende der Zeiten tinverdunkelt die ganze jüdische Diaspora erleuchte. Die Rede des ehrwürdigen Jeschiwaleiters entwickelte sich in Anlehnung an Erklärungen zahlreicher Bibel-, Talmud- und Midraschstellen und schloß mft tiefgefühlten guten Wünsehen für alle, die den Weg der Thora wandeln und auf das Wort des Allmächtigen hören. Daran schloß sich ein halacliischer Vortrag über die Sugjoli ״Meschicho“ an, dessen scharfsinnige Erörterungen von den Versammelten mit bewundernder Anerkennung angehört wurden. Von der Synagoge begaben sich die Versammelten zum!בית עלמי, wo an den Gräbern des ״K’saw Sofer“ und des ״Schewet Sofer“ stille inbrünstige Gebete verrichtet wurden. Die ehrwürdigen Oberrabbiner Kohn aus Csorna und Snyders aus Györ hielten sodann Hespedim auf den ,;Schewet Sofer“ s. z. 1., die einen überwältigenden Eindruck hinterließen. In ihren meisterhaften Worten, Musterbilder echt jüdischer Reden im Geiste und in den Formen der Tradition, offenbarte sich grenzenlose Verehrung und unverfälschte Dankbarkeit gegen uie großen Lehrer, zu deren Füßen sie saßen, und alle Anwesenden gewannen aus ihren Schilderungen ein lebcnswahres'Bild vom Denken und Handeln der Großen in Israel inmitten einer kampfreichen Epoche des Judentums als Richtschnur und Ansporn für ihre Betätigung im Ringen um die Integrität des Thorageistes in der gewitterschwülen Gegenwart. Am Nachmittag wurde der Schauplatz der Veranstaltung in die Säle des früheren Bellevue und heutigen Sokol-Hauses verlegt. Die ״Konferenz der ehemaligcu_Schüler“ verwandelte sich jedoch hier unter den Eindrücken des Tages zu einem ein wenig übermäßig geräuschvollen Wiedersehen von Freunden. Diesen Charakter trugen auch fast alle Ansprachen, die an Stelle der vorgesehenen ״Referate“ traten und nicht so sehr eine regelmäßige Beratung ein leiteten, als vielmehr Anregungen zum weiteren Nachdenken oder zum Zuendedenken gaben. Der große Saal war auch hier gefüllt. Den Vorsitz führte Herr Oberrabbiner Schill aus Pesinolc. Am Präsidiumtisch nahmen die Herren Oberrabbiner Schreiber (Preßburg), Oberrabbiner Webe r (Piestany), Rabbiner Wessely (Preßburg), Oberrabbiner Frey (Surany), Oberrabbiner Snyders (Györ), Oberrabbiner K r a u s z (Baia mare), Dr. P. J. Kohn (Leipzig), Rabbiner Schenk (Wien), Wolf Papp e n 11 e i m (Wien), Samuel Schreiber (Bratislava), Simon Strasse!־ (Bratislava), Josef Lehmann (Bratislava), Israel Fleisch mann (Bratislava), Iglodi B e rko vics (Kosice) und Karl v. Freudiger (Budapest) Platz. Als Schriftführer fungierten die Herren David H a b e r f e 1 cl (Bratislava) und Isidor S u ß m a n n (Galnnta). Nach Eröffnung durch den Vorsitzenden erhält zunächst Herr Moses Weisz das Wort. Namens des Vorbereitungskomitees begrüßt er in einer gedankenreichen Rede die Erschienenen und bringt den Wunsch zum Ausdruck, daß dieser Tag in allen Herzen eine Auflebung jenes Geistes bedeuten möge, den sie alle einst hier in Preßburg aus den Lehren der Lehrer und Fiihrer geschöpft haben. Oberrabbiner Müller (Sv. Jur) verliest die an den Präsidenten Masaryk, den Landespräsidenten Drobny, Kultusminister Derer abgesandten Begrüßungstelegramme, die von der Versamm- * hing mit jubelndem Beifall gebilligt werden. Herr Geineindeprüses David Krausz richtet sodann an die Versammlung namens der Gemeinde eine warme Be- ^rüßungsanspraclie und überreicht Herrn Oberrabbiner Schreiber das Dokument über eine Stiftung, welche die Gemeindeleitung aus diesem Anlasse errichtet hat. Die Stiftung trägt den Namen ״Bernat-Schreiber-Scliewet- Sofer-Stiftung“ und sollen alljährlich am Jahrzeittage die fnüfprozentigen Zinsen von 10.000 Kronen an eine Anzahl von TaTmidim der Preßburger Jeschiwa zur Verteilung gelangen. Die Ansprache des folgenden Redners Herrn Oberrabbiners Fürst (Wien) bedeutete eine ergreifende Huldigung vor den Manen der großen Meister und gipfelte in der Aufforderung an die Schüler, den Dank für die empfangenen geistigen Güter jetzt und in Zukunft gebührend abzutragen. Ihm schloß sich Herr Oberrabbiner Reich (Batorkssy) mit einer kenntnisreichen und zum Herzen dringenden Schilderung des Lebens und des "Wirkens der Lehrer. Herr Oberrabbiner Spitzer (Spisske Podhrädie) wandte sich dem eigentlichen Gegenstand zu, der zur Beratung stand. Er betrachtet den Sinn des dauernden Zusammenschlusses der Preßburger Talmidim in der zielbewußtem Entschlossenheit, den verderblichen Einflüssen der unjüdischen nationalen Bestrebung im Judentum im Geiste und nach den bekannten Kundgebungen der Lehrer;mutig entgegenzutreteu und die Gefahren zu: verhüten,' die aus dem neuen Nationaljudentum dein alten׳Thorajudentum drohen. Das ist die Aufgabe, die heute an alle Talmidimherantritt, die sich dessen bewußt sein wollen, was die Zugehörigkeit zur Preßburger Jeschiwa bedeute. Als letzter Redner legt Herr Oberrabbiner Hirse b־l ö t. (Modra) die menschlichen und menschenfreundlichen Gimdsütze dar, die sich aus den' ' Lehren und den Leistungen der Rabbis s. z. 1. für alle Angelegenheiten ergäben, denen prinzipielle Bedeutung nicht zukömmt, und wünscht, daß alle ehemaligen Schüler im ׳Aufblick zu den ehemaligen Lehrern ihr öffentliches Wirlcbn zum Wohle des Judentums einrichteu mögen. Herr Sußmann verliest eine Anzahl der eingelaufenen BegruBungen und darauf eine R e s o 1 u t i o n, worin der Verband der ehemaligen Scfiüler der Preßburger Jeschiwa als gegründet erklärt und die Hauptpunkte der Statuten des Verbandes festgelegt werden. In den Zentralaussch u ß des Verbandes wurden folgende Herren ernannt: Oberrabb. Reich#Bator# keai, Oberrabb. Spitzer#Kirchdrauf, Oberrabb. Fürst־Wieni Oberrabb. Kohn־Gsornä, Oberrabb. Rosenbaum#Kilvarda, Oberrabb. Bencdikt#Szombathely, Oberrabb. Fuchs#Oradea, Oberrabb. Kraus#Nagybanya, Oberrabb. Künstlicher# Nagyszeben, Rabb. Wessely ־Bratislava, Wolf Pappenheim# Wien, Karl v. Frcudiger־Budapest und Wilhelm Löffler# Cluj. In den Landesausschuß für die Slowa# kei die Herren; Kosice: Iglodi Berkovits, E. Wein# berger, S. Krausmann, Rabb. N. A.' Rtosenberg, K ez# marok: L. Goldstein, J. Klein. Surany: L. Grünwald. N. Zamky: Rafael Kohn, Armin Bernfeld. Micha# lovee: Arje Mai. Galanta: Ignatz Kalisch, I. Süss# mann. Sp. Podhrädie: S. Eichner. Dun. Streda: L. Paschkus, Bernat Wetzler, M. Ungar. Preso.v: S. B. Friedmahn, S. Reinitz. Nitra: N. Braun, A‘. Kohn. Topolcany: Josef Bernfeld, S; Friedmann. B er e# h o v o: Kopl Alter, Isak Weiß, Ni Israel, S e v 1 i u s: M. Klein. S. Fischhof. GHust: B. Davidovits, A. Wieder mann. Uzhorod: Kalman Weiß, Ignatz Stfe'rhr Tiäi