Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 15 (1929)
- Issue
- 48 (13.12.1929)
- Date
- 1929-12-13
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 4S JÜDISCHE PRESSE Seite 5 Die ״Preßburger Jeschiwa“. Dienstag, den 15. Kislcw werden sielt die alten Lehrräunte der PreRburger 4Jeschiwa abermals füllen. Es werden sieh — voraussichtlich — hunderte ältere und jüngere jüdische Männer aus den früheren und späteren Schülergenerationen zu gemeinsamer Beratung und Erneuerung gemeinsamer Erinnerungen zusammen- Finden: Männer aus dem Leben, aus den verschiedensten Berufen und Gesellschaftsklassen wollen diesen einen Tag wieder der Vergangenheit angehören, ־wollen wieder jung sein und sich in jene Zeit zurückversetzen, da sie als aufstrebende Schüler zu Küßen der Lehrer saßen und dann hinauszogen in das pulsierende und Wechselvolle ,.Leben“, um sich zu bewähren, um all das zu verwirklichen, fiir sich und die jüdische Gemeinschaft in die fortwirkende ״Tat“ umzuwandeln, was in diesen Räumen in mühseliger geistiger Arbeit für jugendliche, unberührte Seelen an heiligen Idealen aus den unermeßliehen Tiefen der Thora cniporgeholt wurde. Dieser ..Gedenktag“ gilt einem nicht immer rosigen und himmethoch jauchzenden, aber immer bedeutungsvollen ״Darnals“: er wird der Erinnerung an Jugend und Blüte, an einen Lcbensfriihling hervorsprießendor jüdischer Iedale. an einen befruchtenden geistigen Morgentau gewidmet sein. Die ״ßachurim“ von einst, die (seither über Lebonssehieksaie und Völkern und Ländern hinweg) Mühe und Kosten nicht scheuend, zum Teil aus weiter Ferne auch jetzt noch zu diesem ..Gedenktag“ unter Opfern nach Preßburg kommen, sind inzwischen keineswegs in der Menge der Gleichgültigen untergetaucht und in den! Streben nach persönlichem Erfolg nicht Männer des Alltags geworden. Es lebt in ihnen allen immer noch ein mächtig Stück jüdischen Heroismus, echt jüdischen Jugendgeistes, wie ehemals, als sie zum ersten Male den Weg zur Jeschiwah fanden und äußerer Vorteile nicht ■achtend Jugendkraft und Zukunftshoffnung auf den Altar der Thora willig niederlegten. Wenn solche Männer sich in reifem Alter ׳/usam men finden, ist es auch von allgemein-jüdischen Gesichtspunkten geboten, hinzuhorchen, auf das, was ihre Seelen bewegt und ihre Herzen erregt. Wir glauben bestimmt, es ist nicht bloß und vielleicht nicht einmal in erster Reihe Ueberschwaug edler Gefühle, ein undefinierbarer seelischer Hang, eine Art schwärmerischen Zuges nach Rekapitulation, nach wiedererwachter Jugend und jugendlicher autosuggestiver Begeisterung für etwas Großes und Erhabenes, das zu entschwinden droht, auch nicht allein die tiefwurzelnde hingebungsvolle Ehrerbietung gegen Rabbi und Meister oder Liebe und Freundschaft zu ehemaligen Jugendgefährten und Weggenossen, was diese reifen und wohl auch vielseitig Avettergeprüften und erfahreneu Männer ■in unserer schweren und nüchternen Zeit in solch imponierender Zahl an ihre alte Thoralehr־ stiitte führt. Es ist vielmehr die quälende und ernste Sorge um sein und. seiner Kinder jüdisches Schicksal, die — vielfach allerdings noch im Unterbewußtsein — dem 1110 rat reuen J u d e n i n ״ n s e r e n T a g e n ii b e r a 11 a u f d e m w eite n E r d e n r u n d e d i e R 11 he de r U n b ek ii m m 1'*1 t!1 e i f 111 1: ־ b t 11 n d r a u b e n m 11 ß. d i e furchtbare Verantwortung f ii r d i e b ed v o h t e R e i n h e i t. U n v e r s e h r t h e i t u n cl Z uk u n f t des o r t h «doxen J u d e n t u m s, d i e u ue 11 t r i 11!1 b a r a u f 11 11 s a 11 e 11, a u f eine m j e d e n E i 11 z 0 111 e n u!11 e r uns, laste t, u 11 d uns nötig t, mit s p ä 11 e 11 d e m A 11 g e rastlos nach G e s i 11־ 11 u 11 g s ge 11 o s s e n a 11 s zuluge 11, 1t m i n m oval is c 11 c r Gemci 11 b ü r g s c h a f t gesell losse 11 a n die Lösung der großen Probleme heranz u t r e t e n. Unter den Teilnehmern des Gedenktages wird wohl kaum einer sein, der nicht von der Ueberzeugimg־ durchdrungen wäre, daß von der Erhaltung mul Gestaltung des höheren orthodoxen Erziehtmgs- Wesens,, also der Jcschiwos, zum entscheidenden Teil die ■Erhaltung des Thorawissens und des Thorageistes im. jüdischen Volke abhängt. Wer selber eine Jeschiwa besucht hat, weiß zu beurteilen und dankbar anzuevkennen. was sie auch inmittcu der allgemeinen Verwahrlosung dem Judentume leistet und was sie auf der Höhe ihrer Aufgabe zu leisten vermöchte. Aus dieser Uebcrzeiigung heraus wird er ihr unausgesetzt seine teil nah 111s volle Aufmerksamkeit zu wenden und bangen Herzens wachen über jede ■Regung in der jiidisehen und aufierjüdischeu Welt, die das Jeschiwa leben direkt oder indirekt beeinflussen könnte. Es darf deshalb sicherlich freudig als Zeichen des . erwachenden Gewissens und beginnender Gesundung gewertet werden, wenn ein großer Kreis ehemaliger Schüler dev berühmtesten Jeschiwa in den Ländern des europäischen Westens während der drei uns voruiigegangenen Lebensalter die Gelegenheit wahrnimmt, sich abermals in den Geist dieser Jeschiwa, der vor noch nicht langer Zeit ein starkes eigenes Gepräge trug und das gesamte jüdischgesetzestreue Leben belebend befruchtete, hineinzudenken und auf dem scharfgezeiclmeten Hintergründe leuchtender Vergangenheit die Umrisse der herbeigeschnten Z u k u n f t zu entwerfen. ,Darin möchten wir von der holten Warte der jüdischen Gesetzestreue aassclmuend den tieferen Sinn dieser auch au sicli beachtenswerten Veranstaltung־ der PreßburgcL־ Jeschiwa erblicken. Darauf deutet auch das Programm des u. E. wichtigsten Teiles des Gedenktages, der akademischen Konferenz, hin. Vertreter dreier Generationen werden da aus gleichen Motiven •heraus, von gleichem Eifer und gleichen Kräften getrieben; imn- ,׳im die richtige Ein- Stellung z u k ii n f t i g e n g e s e t z e s 11־■e u e 11 W o 1lens im Jeschiwalchc n nach Ausdruck ringen müssen, wenn die Zusammenkunft eines tieferen Sinnes nicht entraten soll. Einige wenige nur noch — leider — aus der ״klassischen“ Zeit der Preßbuijger Jeschiwa, aus der Schülerschar des ״Ksa-w Sofer“ s. z. 1., in deren Seele .in den empfänglichen Jugendjahren noch mächtige ■Lichtstrahlen aus dem Geiste des ״Chasam Sofer“ s. z. 1. unmittelbar hineinfluteten, werden uns an den ״großen Kampf“ der Vorfahren erinnern; an das selbstverständliche’ Messirüs Nefesch. das jede Einbruchstelle in die Bastei des wahren Thorajxiclentums mit der eigenen unüberwindbaren jüdischen Persönlichkeit ausfiillte und uns, die Nachfahren, als schwach, kleingläubig und mutlos erscheinen lassen gegenüber Gefahren, die nach Anlage und Ziel weite unvergleichlich größer sind als diejenigen, die die Füll rer von dazumal in die Kampfstellung riefen. Eine starke Schichte verinnerlicht beschaulich selbstsicherer und kampflos wahrheitsdurchclruugener Schüler des ״Schcwet Sofer“ s. /.. 1. wird mehr zu fragen als zu sagen wünschen über den raschen ״Wandel der Zeiten“, mehr zu staunen als zu raunen wissen über die Ocde und Leere in den Köpfen und Herzen unserer heutigen Generation, deren Wege sie längst geebnet und deren Probleme ihre schlichte, auf die früheren siegreichen Kämpfe gegen ״Reformer“, ״Moderne“ und ״Neologeu“ gestützte Lebensanschauung im voraus gelöst zu haben glaubt. Chaotisch ungeschieden, ungcklärt und ungesondert wird der Geist der gegenwärt! gen Generation nach Richtung und nach Wegen suchen, die ihn zu den alten glänzenden Ziele n cmporfiihren sollen. Er wird von den heutigen Führern vielleicht stürmisch Kräftigung und Aufmunterung fiir die neuen Kämpfe unserer Tuge fordern, deren Ausgang für das jüdische Verhalten derer, die nach uns kommen werden, bestimmend werden maß. Von dem harmonischen Zusammenklang dieser drei Generationen in der gegenseitigen Aussprache, von den Maßnahmen zur Erfüllung ihres ii borsti 111 111011(1011 Wunsches nach vertiefter religiöser Gesinnung und Widerstandsfähiger Prinzipientreuc bei der tlioralernenden Jugend und vor allem von unserer liebevollen und verständigen Fürsorge für die geistige und materielle Wohlfahrt der Jeschiwa hängt es ab, ob es gelingen wird, das heilige mul große Ziel zu erreichen, dem alles thoragemäße Wollen im Judentum zustrebt: Das Wandeln im Lichte G-ttes! J. J. B. Erwiderung auf den Nachruf ״Ein Opfer ihrer Pflicht und unserer Nachlässigkeit64. Auf •die in unserer vorigen Nummer ■in einem mit T. D. gezeichneten eindrucksvollen und selbstverständlich von den besten Intentionen diktierten Nachruf enthaltenen Bemerkungen gehen uns die nachfolgenden Richtigste!hingen zu. Wir geben ihnen im Interesse des שמוע בי( אחיכם in einer An-, .־ gelegenhext, deren Einzelheiten sich allgemeinen Kenntnis entziehen, gern!Raum.־ Die Red.“-'׳־ J11 cler vui w'iwiuuiw— at._-__n__ ״•״poh 1 Blattes ist unter dem Titel ״Ein Opfer ihrer Pflicht und unserer Nachlässigkeit“ ein Nachruf erschienen, in welchem die Arti!kelschreiberi11 das ■so bedauernswerte und plötzliche Hinscheiden der allseits geschätzten und verdienstvollen Lehrerin Frau Else Weiner zum Anlasse nimmt, um gegen die administrative Leitung der Schule die schwere!Beschuldigung zu erlichen, als ob diese au dem .Hinscheiden der Frau Weiner s. A. ein׳Verschulden treffen würde. Zur Steuer der Wahrheit und zur sachlichen er trifft hier eine veränderte Welt. Der Sohn des Tre# bitschcr Rabbiners wird überall gut aufgenommen, aber niemand bietet ihm nur einmal ein warmes Mahl oder ein Nachtquartier an. Bange Sorgen bedrücken die Ge« rniiter. Das Jahr 1848 bringt vor allem eine Stockung im täglichen Erwerbsleben, schwere Geldverluste u. U. m. Die Juden verlassen die Wohnungen der Stadt, um die sie so lange kämpften, und ziehen sich ins Ghetto auf den Schloßgrund zurück. -Aber auch geistig hat sich die Welt, in der sich der Vater bewegte, verändert. Die Jeschiba ist nicht mehr das Wahrzeichen der Gemeinde. Ihre Jünger sind infolge ihres vernachlässigten Aeußern all denen, die eine politische Veränderung in der Stellung der Juden von einer Angleichung an die Umwelt erhob־ fen, ein Dorn im Auge. Mit um so größerem Mißtrauen beargwöhnen die Orthodoxen jeden Menschen, der eine weltliche Bildung besitzt. Die Orthodoxie hatte folge:־ richtig gedacht, wenn sie von der geringsten Lockerung | des Althergebrachten unabsehbare Wirkungen be« | fürchtete. j Nun wollen wir aber den Rabbinatskandidaten ä! selbst zum Worte kommen lassen: Mit G־־ttes Hilfe am 6. (Tag der Woche) Abschnitt Teze 608 nach der kleinen Zahl (= 8. September 1848), hier Preßburg. | Teuerste und vielgeliebte Eltern! | Sie werden gewiß schon gespannt sein, die Schil# |j derungen von den Feierlichkeiten, Illuminationes usw. zu | hören, die mir zu Ehren hier veranstaltet wurden, aber | nichts von allen! dem. Ich habe nicht einmal noch ein p Quartier. Doch will ich mir nicht vorgreifen. Hören Sie, | wie es mir hier gegangen ist. Mittwoch mittag kam ich j| nach glücklich zurückgelegter Reise im hiesigen Bahn־ I hofe an. Ich ließ mir die Sachen gleich hereintragen und f. nahm beim jüdischen Gastwirte Pollak ein Zimmer. f| Dann wurde ich zu R. Feibel Kolin geführt. Dieser tf ist ein sehr rätselhafter Mensch. Es wäre gut, wenn Eugen ״! Sue eine Feder führen würde, um eine Charakterschilde# 1־ rung von ihm zu entwerfen. Doch will ich es, so weit % es gehen wird, versuchen. Er ist, möchte ich sagen, der ■I Altgesell der hiesigen Jeschiba, wird als Chassid verehrt, | hat einen kleinen Hofstaat von Bachurim um sich, macht ןל sich in seinem Quartier (beim Lemberger) beständig f• Minjan, hält sich einen eigenen SchnelLGabbai und lebt 4 wie ein frommer Staatshämorrhoidarius, der beständig | kränklich ist, schon in Karlsbad gewesen und die strengste ,1 Diät sich halten muß. Er ist ein kleines Männchen, den! || Ansehen nach über dreißig, mit einem starken, roten Backenbart, mit kleinen Augen, aus denen Schlauheit und Güte zu ersehen ist, Er ist ein Lamdan (״gewaltig“, sagt der gute R. Abraham) afcysr, mirabile dictu, gebildet. Er spricht ordentlich, ist seelengut, weiß von allen neuen Ereignissen im Gebiete des Judentums, kränkt sich auf# richtig (so scheint es wenigstens, ־wenn nicht auch Jesui# tismus und gekränkter Stolz als Heiratskandidat, der keine ordentlichen Anträge erhält) über den Verfall des Judentums und über den wenigen Anklang, den hier in Preßburg die Orthodoxie findet, und ist übrigens ein seht־ guter, freundlicher Mensch. Er hatte mich sehr gut auf# genommen und ein wenig mit den hiesigen Verhältnissen bekannt gemacht, mit denen ich Sie auch in gedrängter Kürze bekannt machen will. Hier ist die Jeschiba der letzte Hoffnungsanker der Orthodoxie. In der Gemeinde herrscht große Antipathie gegen die Bachurim, denen man, namentlich wegen ihres unanständigen Aeußern und unzeitgemäßen Betragens, die Judenverfolgungen und den noch immer regen Judenhaß in die Schuhe schiebt. Wäre die Jeschiba nicht hier, drückt sich R. Feibel aus, würde der Ort schlechter sein als Wien, Pest und Arad. Die hiesigen Freigeister sind wütend und wir würden, wenn sich nur Gelegenheit dazu darbieten würde, die Schüssel umstülpen (eigene Worte desselben). Die Bachurim wer־ . den hier verachtet, zurückgedrängt, und muß zu deren Existenz äußere Hilfe von fremden Reichen in Anspruch genommen werden. Sie sind aber auch sehr liebenswürdig, die hiesigen Bachurin!. Suun! cuique. Da war ich in der Schiurstube bei Minjan, wo man sich vor allen! die Ge# ruchsnerven verrammeln muß. Da stehen einige und beuteln sich, als ob sie besessen wären, schneiden Ge# sichter, daß dem Zuseher grausen kann. Indessen kann man sie durchaus nicht als Misanthropen erklären, son# dern man braucht nur seinen Blick in den Hintergrund zu •werfen, so wird man einige Bengel gewahr, die‘ mit den Zigarren in den! Munde, während oben gebetet wird, tüchtig balgen, an den Haaren ziehen, wahrscheinlich der Vorgeschmack zu den turnerischen Leibesübungen, die in den Hochschulen eingeführt werden werden, Der eine Y0n ihnen ließ sich herab, mir seine dürre Gräbeshand zum Schalon! alechem zu reichen. Der andere geht gravitätisch vor mir vorüber, betrachtet mich vom Wirbel bis zur. Zehe, der dritte würdigt mich keines Blickes, tler vierte fragt seinen Nebenmann, ״von wanne is er“, der fünfte ״hat er schon ä Quartier“, der sechste ״kenn er lerne“ und so fort. Wahrlich sehr amüsant; wär’s nicht zum Todärgern, wiir’s zun! Todlachen. Doch ich will über dies Bild schon einen Schleier werfen und mit Ihnen meine Rundreise weiter fortsetzen. Also Tch bin noch bei R. Feibel. Untet. anderem entnahm ich aus ,seinen Worten, daß er mir wohl ein Haus" verschaffen konnte׳ und wollte, .■.ließ':ymlch־L-aber.''־'merken,f .daß, indem die hiesige!! reichen Kinder, nichts Jüdisches lernen;und nur im Deutschen . unterrichtet werden, wofür auch wenig . oder gar nichts anderes 5als Quartier und Kost gezahlt wird, diejenigen, die in ein Haus gehen, schief angesehen werden.־ Bescm# . ders ist der Umstand hervovzuheben: die Erzieher müssen -natürlich mit, den; Schülern (Knaben) ausgehen, und da;heißt■ es öleiqh, dev ist «ein Lehrer, der von der Kamarilla (schwarz wie die Nacht und gelb vor Neid und Eifer# sucht) angefeindet wird. Herr Kitsee ruft immer aus: Der Trebitschcr Rabbiner meint, Preßburg ist noch immer das alte, wie vor 30 Jahren. Es wäre also das Ratsamste, hier sein Geld, etwa 9 bis 10 fl. C. M. monatlich, zu ver# zehren, un! in der Achtung zu bleiben. Und wie muß da jedes Wort gewogen werden. Ich bin schon ein ganzer Pvthagoräer vor lauter Schweigen und halben Antworten. Wenn s. G. w. ich nach Hause einst komme, spreche ich den Segen über Sie: ״Gesegnet, der seine Weisheit verliehen hat . . .“, mit diesen Finsterlingen wirtschaften zu können!! Und jetzt ist es noch weit ärger. Durch die Verderbtheit der Welt, wovon, wie gesagt, die hiesige Gemeinde sehr angesteckt ist, ist der Fanatismus sehr stark auf der anderen Seite. Selbst ein gebildeter Mann, wenn er nur auch lernen will, wird gemieden — doch ich habe noch kein Quartier, warum? In dem einen will man 4 fl. C. M. monatlich, in dem anderen wird Quar# tier nur mit Kost zugleich vergeben — und zwar für 12 fl. C. M. monatlich, in den! dritten wohnen ״Unter# länder“, in dem vierten ist eine Hausfrau, die sich mit keinen! verträgt, usw. Wenn wenig, war ich schon in zwölf Quartieren, und nirgends was Rechtes. Ich bin also noch nirgends. Meine Kleider und Gepäcke habe ich, nachdem ich in! Wirtshause für eine Nacht 30 kr. C. M. gezahlt, zu R. Abrahan! gegeben und ich selbst habe dort bei ihm heute nach geschlafen, und zwar auf einer Bank, un! zu erfüllen, was gesagt wird: ״Brot mit Salz sollst du . . .“ ־ Nun was Pikantes zun! Schlüsse. Als ich das erste# mal zu R. Abrahams Kostfrau ging und in das kleine Kämmerchen eintrat, zerbrach ich ein Glas, das auf einen! Sessel stand. Da rief sie aus: ״Maseltob, Maseltob, er wird hier ä Chossen werden.“ Ja, clacht’ ich mir, die Aussichten hiezu sind glänzend. R. Jeremia Taubers Tochter ist noch nicht Braut, Aber ein Bachur ist der Heivatskandidat, ein Anverwandter von ihnen, der mich schon scheel ansah. Ich werde, sobald ich nur.in meinem uartier sein werde, nirgends hingehen und das Halacha osafoth, das der Rabbiner ausgegeben (Mizwoth zeri# chbth kawana), lernen, un! in keine Kollisionen zu kommen. Die hiesigen Wucherer verlieren viel und müssen ein Jahr mit ihren Forderungen warten. Ich werde Ihnen nächstens mehr schreiben, auch über den B(aal#) A(keda). Für heute leben Sie wohl, schreiben Sie mir gleich Ant# wort und raten Sie n!ir, ob ich hier bleiben soll und wie׳ ich mich verhalten möge. Ihr Sie liebender und besorgter Sohn Salümon Pollak. Grüße habe ich an Sie von! Rabbiner, R. Feibel, R. Abraham, Kitsee usw., und ich grüße zu Hause alle Geschwister und Anverwandte und guten Freunde.