Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 15 (1929)
- Issue
- 47 (6.12.1929)
- Date
- 1929-12-06
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 47 JÜDISCHE PRESSE Seite 3 Gegründet 1882 Gegründet 1882 233 Millionen Sdtillins im Jahre 1928 Tätigkeitsfeld der Gesellschaft: Oesterreich, Deutsches Reich, Tschechoslowakische Republik, Belgien, Holland, Frankreich, Spanien, Italien, Ungarn, Polen, Jugoslawien, Bulgarien, Griechenland, Rumänien, Palästina, Syrien, Türkei, Aegypten lebt. Es ist nichts ' Wahres un dem von den Arabergegnern verbreiteten ־ Gerücht, daß die Palästina-Araber ihren Antizionismus als eine Maske für eine nntibritische Aktion benützen. Im Gegenteil, die Araber glauben, daß sic mit Unterstützung Großbritanniens ihre nationalen Rechte erlangen werden. Scharen! polnischer, rumänischer und anderer osteuropäischer Juden dürfen nach Palästina kommen, während gleichzeitig reichen Arabern, die in Amerika leben und nun in ihre palästinensische Heimat zurückkehrcn wollen, die Einreise verwehrt wird. Das Geld, das die Juden für gekauften Boden zahlen, fließt nicht palästinensisehen, sondern außerhalb Palästinas lebenden Grundherren zu, die gezahlten Beträge bringen dem Lande keinen Nutzen. Die auf den gekauften Böden lebenden Fellachen werden vertrieben, damit Platz für jüdische Siedler gemacht werde.“ Luke geht auf Urlaub. (J. T. A.) Der Chefsekretär der Palüstimi-Regierung H. C. Luke, der während der Unruhe-Epoche in Palästina bei Abwesenheit von Sir John Chancellor die Geschäfte des Oberkommissariats geleitet hat und der vor einigen Tagen von der Untersuehungskommission über Ursache und Verlauf der Unruhen eingehend vernommen wurde, trat am Mittwoch, den 4. Dezember einen für fünf Monate berechneten Urlaub an und wird wahrscheinlich nach Palästina nicht mehr zurückkehren. Eine Friedensbotschaft Bentwielis nach dein Attentat. (J. T. A.) Am Sonntag abends sollte Norman Bentwich in der Hebräischen Universität den Beginn der Musikvorlesungen des berühmten Pianisten und Korn* ponisten Professor Schorr, früher Professor am Staats« konservatorium in Moskau, als Vorsitzender durch eine Rede einleiten. Da er infolge des Attentats auf ihn nicht mehr erscheinen konnte, sandte er eine Kundgebung, die der Kanzler der Universität Dr. Magnes verlas.׳ Nichts Ernstes ist geschehen, schrieb Bentwich, und wenn das Geschehene beitragen könnte, den Weg zum Frieden zu kein Geld, keine Arbeit wurde gescheut, als es galt, dem Führer im Kampfe um die Eroberung der Macht beizu« stehen. Als Mac Donald die Regierung 1924 selbst über« nahm, wurde in Regierungskreisen allen Ernstes die Frage aufgeworfen, ob man ein Mädchen in die Downing Street übernehmen könne. Doch der Premier konnte sie nicht missen, er gab den Ausschlag, und so wurde zum ersten Male eine Dame offizieller Privatsekretär des englischen Regierungschefs. Als. die Zeitungen diese Wendung erfuhren, wid« meten sie Miß Rosenberg viele freundliche Artikel — man verstand, warum. Aber nicht nur Journalisten, auch Poli« tiker, hohe Beamte, Parlamentarier bemühten sich um Miß Rosenberg, um ja rechtzeitig Neuigkeiten zu erfahren. Ein ganzes Netz von Komplotten wurde ausgeheckt, um ihr politische Geheimnisse entreißen zu können. Aber wie freundlich sie auch zu jedermann ist, niemand kann sich rühmen, etwas herausbekommen zu haben, was nicht für ihn bestimmt war. Ihre Antworten sind stets höflich, für jeden anders formuliert, für jeden ein nettes Wort, aber immer — nichtssagend. Mit der Zeit gaben sich die Journalisten geschlagen; ihre Besuche wurden immer we« niger, da sie einsahen, daß ihre Miihe und Zeitaufwendung vergeblich sei. Auch nach der zweiten Wahl! Mac Donalds hat Rose Rosenberg ihren Sitz in die Downing Street verlegt. Als Privatsekretärin hat sie das Haus in Ordnung zu halten, die ganze Korrespondenz zu erledigen und alle Hausge« schäfte zu besorgen. Alle Besuche müssen sich bei ihr melden. Sie weiß, wen sie vorlassen darf, wen sie weg« schicken muß, wer später kommen soll. Sie hat die Ar« beitszeit des Premiers einzuteilen. Wenn ein Besuch zu lange weilt, ist es ihr Amt, der Audienz ein Ende zu machen, was im Hause des Premiers natürlich mit den feinsten diplomatischen Künsten zu erfolgen hat. Sie er« teilt den Gästen Ratschläge, hält sie Yon unüberlegten Schritten ab und spielt auf diese Weise das Medium zwi« sehen den Bewohnern des großen Weltreiches und seinem Ministerpräsidenten, Rose Rosenberg fehlt auf keiner offiziellen Festlich« keit und wird bei den Bällen der hohen Gesellschaft ein« geladen. Als der englische Journalistenverband zu Ehren des eben eingetroffenen amerikanischen Botschafters Ge« neral Dawes einen Empfang veranstaltete, wurde auch Miß Rosenberg eingeladen. Der Vorsitzende nahm sie zur Seite und fragte, ob sie den General Dawes kenne und ob er sie ihm vorstellen dürfe. Sie merkte sogleich die Ab« sicht des Präsidenten, der nur wissen wollte, ob Pawes bereits bei Mac Donald vorgesprochen habe. Sie gab ihre Zustimmung und bald glaubte der ganze Kreis zii wissen, daß Dawes noch nicht bei Mac Donald die Antrittsvisite gemacht habe. Als der Botschafter ihr vorgestellt wurde, öffnen, wird es zum Guten sein. Ich bin überzeugt, daß wir einen Weg zum Frieden finden werden, finden müssen, je früher die gegenseitigen Beschüldighhgen aüfhören, um so früher wird der Friede einkehren. Ich bitte alle, keine Proteste, klagen und Beschwerden bei der Regierung im Zusammenhang mit meinem Fall zu erheben. Ein arabischer Führer für Aufgabe des Kampfes gegen die Balfonr-Deklaration. (J. T; A.)!Hassan Sidki a׳l ׳De'jani, ׳Mitglied ■des Obersten Moslemitischen Rates, tritt in dem offiziellen Organ des;Rates ״!Al Jamea al Arafoia“ für Aufgaben des Kampfes gegen die Balföur-Deiklarat'ion ein. Die Balfour- Deklaration, schreibt ■er,י enthält nichts, was. den Arabern schaden könnte. Wozu, fragt er. sich im!Kampf um eine negative Forderung — Abschaffung der!Balfour-Deklaration — erschöpfen1? Man sollte eher die Kräfte auf ׳eine positive Forderung: Errichtung eines Parlaments!in Palästina. konzentrieren. Wenn wir diese Taktik verfolgen, schließt ,Hassan Sidlki al Deljani, so werden wir ■die Sympathien der englischen Regierung, des ׳britischen Volkes und des Völkerbundes 'haben. Die Hetze gegen Dr. Magnes. Der amerikanisch-jüdische Kongreß gegen Magnes. (J. T. A.) Das Administrativ Committee des American Jewish Congress nimmt in einer offiziellen Erklärung gegen die Ausführungen des Kanzlers der hebrüisehen Universität in Jerusalem Dr. J. L. Magnes, die er bei der Eröffnung des Wintersemesters der Universität gemacht hat, Stellung. Dr. Magnes wird vorgeworfen, daß er die jüdische Einheitsfront gebrochen und Worte gebraucht hat, die die Schlußfolgerung zulassen, daß man beim Juden durch Terror so manches erreichen kann. Nichts kann verderblicher sein, als Aeußernngcn wie die von Dr. Magnes, die eine Eventualitüt zu lassen, daß man die Balfour-Deklaration aufgeben könnte. Obwohl die Bestimmungen der Deklaratiojv noch nicht verwirklicht sind, heißt es in der Erklärung weiter, haben wir das Vertrauen in die Ehrlichkeit Großbritanniens sowie in seine Fähigkeit, das verpfändete Wort einzulösen und das Jüdische Nationalheim zu errichten. Wir Juden sind nicht gegen ein Parlament; als Sir Herbert Samuel den Vorschlag, eine gesetzgebende Versammlung einzuberufen, gemacht hat, haben die Juden den Vorschlag angenommen, die Araher waren es, die ihn zürückwiesen. Wenn aber ein Parlament geschaffen wird, so muß es mit der Balfour- Deklaration und dem Mandat übereinstimmen. Ein Parlament, das die Balfour-Deklaratio.n aufhebt, ist ein Werkzeug der Tyrannei. Wir halten den von Dr. Magnes konstruierten Gegensatz zwischen jüdischem Nationalheim und internationalem Heiligen Lande als irreführend. Eine solche Antithese besteht nicht. Die Juden wünschen,׳.daßPalästina sowohl, jüdisches Nationalheim als auch internationales Heiliges Land sein solle. Man tiit den Juden unrecht, wenn man sie auf fordert, Frieden mit den Arabern zu machen; als ob die jüdischen Erbauer Palästinas je daran gedacht haben, Krieg nach Palä- .stina zu bringen und den Arabern Unrecht zuzufügen. In Wirklichkeit, haben ja die Juden schon bisher alles getan, um den Frieden mit den Arabern zu begründen. Der Verband. der, jüdischen Legionäre in Amerika hat in einem Telegramm an Dr. Magnes gegen dessen Aeußerungen bei der Semesterweihe an der Jerusalemer Universität protestiert. Der jüdische Rat für Groß-New York fordert den Rücktritt Magnes’. (J. T. A.) Das Executive Committee des Jüdischen Rates ׳für ׳Groß-New York 1(Jewish Cauncü of Greater'New York) ,hat :in seiner letzten Sitzung eine Resolution gefaßt, in ׳der Dr. Magnes, Kanzler der!Hebräischen Universität in Jerusalem, ׳dafür •getadelt wird, •daß er öffentliche Erklärungen abgegeben und Verhandlungen geführt ׳hat, ohne hiezu von der Zionistischen Organisation oder der Jewish machte er ihr freundliche Komplimente, wies aber den Präsidenten darauf hin, daß er bereits ihre Bekanntschaft beim letzten Besuche in der Downing Street gemacht habe. Die Journalisten glaubten, Miß Rosenberg auf einer frischen Lüge ertappt zu haben. Sie meinte jedoch: ״Dort haben Sie die Privatsekretärin des britischen Premiers ge« sprochen und hier machen Sie die persönliche Bekannt« schaft mit Miß Rosenberg.“ Seitdem sollen die Journali« sten alle Hoffnungen aufgegeben haben, jemals eine Neuigkeit herauszubekommen. Miß Rosenberg selbst hat jedoch noch nicht alle Angst vor den Zeitungen aufge« geben. Wie sehr sie sich auf die Amerikareise gefreut hat (es ist ihre erste Auslandsreise), so machten ihr die amerikanischen Reporter die größte Sorge, da sie nicht wußte, mit welchen Mitteln man ihnen beizukommen hat. Sie hat nun jedoch auch dies überstanden und inzwischen mit noch größerer Erfahrung ihr Amt in London wieder aufgenommen. zugunsten der Schüleiausspeisung an der jüdischen Volks- und Hauptschule, Wien II, Malzgasse 16, Sonntag, den 29. Dezember um 8 Uhr abends im Fesisaale des Hotel Continental, 11, Taborstraße 4 Hervorragende Künstler werden an diesem Abend zugunsten des jüdischen Schulkindes mitwirken;: Kalten von S 10.— bis S 2.— in allen U jüdischen Buchhandlungen und in der;: Schüleiausspeisung, II., Malzgasse 16י < | Tel. R-45-4-94, sowie an der Abendkasse KALTE FUSSE sind ein Zeichen schlechten Blutkreis־ laufes. Hiedurch ungenügende Ernährung der unteren Extremitäten. Dies äussert sich bei mangelhafter Bewegung. Massieren Sie täglich vor dem Schlafengehen die Beine mit Original- Mentholfranzbranntwein ALFA Durch Alpa-Massage wird der Blutkreislauf lebhaft und in einer Weile empfinden Sie ein angenehmes Wärmegefühl. Verlangen Sie nur ausdrücklich ״Alpa“-Franzbranntwein. -:_. ,Agency autorisiert worden zu sein, daß er an ungeeigneter Stelle und zu!höchst unpassender Zeit Gedanken ausgesprochen!hat, die!mit denen der jüdischen Siedler in Palästina und der 'hinter •ihnen stehenden׳ Organisationen nicht übereinstimmen, daß seine Aeußerungen den Konzeptionen und den Zielen des Jüdischen ׳Nationalheims eine falsche Deutung geben können. •An •den Präsidenten der Jewish Agency, Dr. Weizmann, und •den Vorsitzenden'des Administrative Committee der J. A., Felix M. (Warburg, wird die •Aufforderung gerichtet, diese irreführenden und schädlichen ׳Statements Dr. Magnes’ ׳von :sich zu weisen. Das Committee beschließt, heißt es in der ׳Resolution weiter. Dr. Weizmann und •die anderen Kuratoren der Hebräischen Universität ׳aufzufordern, auf Dr. Magnes’ Rücktritt von seinem Posten afe Kanzler ׳der!Hebräischen Universität zu׳ bestehen. Wir dokumentieren von neuem unseren ׳Glauben an die friedlichen1 und segenspendenden Ziele der Balfotir-Deiklaration, die das IWo'hl der!jüdischen wie der arabischen!Bevölkerung Palästinas im Auge!hat, und wir anerkennen •die Entschlossenheit des ö'iidischen JisChuw in 1Palästina, in der industriellen und sozialen Entwicklung des Landes ohne 1Unterbrechung fortzufahren. Auch Lazarus Barth gegen die Friedensaktion von Magnes. Lemberg, 27. November. (J. T. A.) Das hier weilende Mitglied der Zionistischen Weltexekutive, Herr Lazarus Barth aus Berlin, erklärte in seinem Gespräch mit dem J. T. A.-Vertreter, daß der Kanzler der Hebräischen Universität in Jerusalem, Dr. J. L. Magnes, seine Besprechungen mit Vertretern der Araber auf eigene Faust, ohne Wissen der Mitglieder der Zionistisehen Exekutive geführt hat. Der Exekutive ist nicht bekannt, daß der frühere britische Resident in Trans- Jordanien, John Philby, mit dem Magnes konferiert hat, durch irgend jemand bevollmächtigt ist, Unterhandlungen mit Repräsentanten der jüdischen Bevölkerung zu führen. Die Zionistische Exekutive ist stets bereit, mit Vertretern dev Araber in Unterhandlungen zu treten. Bedingung aber muß sein, daß der Verbandlungspartner die Balfour-Deklaration und die liistorisehen Rechte des jüdischen Volkes auf Palästina anerkennt. Eine solche Anerkennung muß als Grundlage für jedwede Verhandlung mit den Arabern gelten. Sollte es zu solchen Verhandlungen kommen, so würd& die Zionistische Exekutive mit der Führung derselben nicht eine Persönlichkeit betrauen, die wie Doktor Magnes in einem Presseinterview die Grundlagen der Balfour-Deklaration mit Skepsis betrachtet. Oie Agudah, was sie ist — und was sie sein sollte. Die gegenwärtige, gefährliche Krise, in welcher sich die zionistische!Bewegung befindet, zwingt uns alle, wie ablehnend auch immer wir uns zum Zionis- ■miis stellen mögen, unsere bisherigen Ansichten• einer gründlichen Prüfung zu unterziehen. Die betrüblichen Ereignisse in Palästina haben bewiesen, daß das Judentum auf •sehr schwankendem Grunde baut, wenn es vou der Idee des Nationalismus ausgeht. Der Druck hat Gegendruck hervorgerufen und viele, dem Zionismus ganz fernstehende Juden mußten am eigenen Leibe die Folgen des Nationalismus spüren. Der Weg, den der Zionismus geht, muß daher noch entschiedener als bisher von uns abgelehnt werden. Doch mit einer nur negativen Ablehnung ist wenig gedient; den!Massen müssen positive Ziele gezeigt werden, Ziele, die ׳mit allen unseren Gedankengängen in Einklang stehen, aber auch praktisch den großen Kreisen einen Anhaltspunkt gewähren. Die bisherige Haltung der Agudah war eine vorwiegend passive, sie beschränkte sich darauf, die religiösen Gruppen des jüdischen Volkes vor Abwegen zu bewahren und im gleichen Sinne wie in der Vergangenbeit glaubenstreu zu erhalten. An diesen Endzielen ist natürlidi nicht zu rütteln. Aber ist die passive, lässige Haltung, die die Agudah fast durchwegs einnimmt, wirklich geeignet, der Bewegung auch die großen Massen zuzuführen? Wohl kaum. Ein klar umrissenes praktisches Programm muß aufgestellt wer-