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Jüdische Presse · 1929-12-20 · 49 (20.12.1929) · page 5

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Journal
Jüdische Presse
Volume
15 (1929)
Issue
49 (20.12.1929)
Date
1929-12-20
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 49 JÜDISCHE PRESSE Seite 5 [ Tschechoslowakei 1 Der Preßburger Jeschiwatag. Der 15. Kislevv des Jahres 5690 wird ein denkwürdiger Tag in der geistigen Entwicklungsgeschichte des mittel- und westeuropäischen gesetzestreuen Judentums bleiben. Der ״G e d e n k t a g d e r >P r e ß- Inirger J e s c h iwa“ war ein Ereignis, das־ nach den verschiedensten Richtungen hin ernste Betrach־ Jungen herausfordert und — soll unser jüdisches Leben an :innerer Leere und geistiger Gehaltlosigkeit nicht zugrunde gehen — der Ausgangspunkt tiefeingreifender Taten ׳ לד׳ ולתורתו הקדושהwerden muß. Die an sich erfreuliche und in ■unserer wirtschaftlich ungemein kritischen Zeit nicht hoch ■genug einzuschätzende Tatsache, die sich in den 'letzten Jahren immer wieder,!bei jedem Anlaß, in stetig steigender Stärke wiederholt, daß viele hunderte gute Juden, Rabbiner und Baalebatim תלמידי הנמים לומדי תורה• ומוקירי תורה dem Rufe ■zur gesinnnngsgenössischen Zusammenkunft willig gefolgt sind (nebenbei bemerkt: einer ■der ׳zahlreichen Erfolge der Aguda-Bewegimg), spricht eine sehr deutliche Sprache, daß sie auch dem ■zu denken gibt, der sich vor den großen Sorgen des orthodoxen Judentums geflissentlich verschließt. ׳Wir gehen wohl kaum fehl, wenn wir die Teilnehmer an dem Preßburger Gedenktag auf annähernd achthundert Personen, zum größten Teil aus der Slowakei und den Gebieten ■des früheren Ungarn, schätzen. Hervorragende Rabbiner רבנים גאונים וגדולים der älteren und jüngeren Generation sammelten sich in großer Zahl um den allbeliebten und verehrten Oberrabbiner von Preßburg, den Leiter der Preßburger Jeschiwa und wachsamen Siegelbewahrer ihrer großen Traditionen, um ihm ehrlich und treu zu helfen, diese bedeutende Thoralehranstalt •über die geistige und materielle Not der Zeit hinweg ungeschwächt und unverkümmert der Nachwelt zu erhalten. Ueberwältigend aber mußte •die imposante Zahl der Teilnehmer aus den Kreisen der Baalebatim wirken, die gekommen waren, ein großes Wort, eine Parole aus ■dem Munde des Führers zu erlauschen und m i t z u w i r k e n au jedem Werke, an j e d e r Tat ׳zum Wöhle des Thoralernens und des Thoralebens, wenn die Initiative aus der gemeinsamen Beratung der Thoralehrer hervorgeht und die I mpulse zur -begeisterten, ׳zielbewußten Arbeit ihre Kraft ans den Quellen der Thora erhalten. Diese vielen hundert Menschen waren durchaus nicht etwa Leute aus der naiven, breiten Schichte des u11׳- wissenden Volkes, die unschuldige ‘Schaulust oder hohle Neugierde nach Preßburg führte; sondern es waren Bne Thora, thoralernende und thoraübende Männer, also eine intelligente, ׳denkfähige und unter ■dem gebieterischen Zwange der Tatsachen allmählich auch wirklich denkende Oberschicht der ,heutigen jüdischen ׳Generation, a u s s c h׳l i e ß 1 i c h ehemalige Schüler ■der Preßburger Jeschiwa, ein herrliches Menschenmaterial, aus dem die sichere Hand des Meisters eine ■ganze jüdische Welt formen 1könnte. Denn ■diese Menschen fügen sich willig dem vorausschau'enden Geiste des Führers. Aufrichtige, ■die ganze Persönlichkeit ■beberschende Liebe und Verehrung zu den Lehrern ■der Thora gaben sich in ■dieser Versammlung in vielleicht beispielloser Weise kund. Wenn man die Worte hörte, in denen sich bejahrte und inzwischen sicherlich ׳von allerlei Enttäuschungen heimgesuohte Männer über den Rabbi־ ihrer Jugendjahre äußerten, konnte ■man nicht i׳m Zweifel sein, daß hier echte, edle jüdische Gefühle ׳zum Ausdruck kamen, wie sie nur die Dankbarkeit gegen ׳denjenigen, von dem man das Beste und Wertvollste empfangen hatte, auszulösen vermag. Solcher Menschen!bedarf das Judentum bei den gegenwärtigen Zeitläuften mehr denn je ■zuvor! 'Da9 ist cs, was wir vor ■allen Dingen als ■Gesamteindruck aus der schönen Preßburger Zusammenkunft für die Folge festhalfen möchten. Alles andere hängt ganz ausschließlich von dem Geiste, der Willemsriohtung und der Tatkraft der Führer ab, die für Tun und. Lassen eines s 01 c h e n Volkes gewiß nicht ׳zu Unrecht vor G-tt ■und Menschen die Verantwortung tragen. Die eingehende Berichterstattung über den Verlauf des Gedenktages müssen wir uns wegen der Kürze der Zeit für die nächste Nummer lassen. Heute soll mir die Aufeinanderfolge des Programms aufgezählt werden. 4c Schon am Montag setzt© der Zustrom van ehemaligen Schülern der Jeschiwa ׳nach Preßburg stark ■ein. Das Vorbereitungskomitee hatte alle Hände voll zu tun und es arbeitete gut Am Bahnhof wartete ein Komitee vq® jungen Leuten auf die Ankunft der auswärtigen Gäste. Dienstag bewerte sich eine Menge׳ von Teilnehmern durch das Judenviertel von .Preßburg der großen Synagoge zu. wohin die Begrüßungsfeier verlegt ־werden!mußte. Die Synagoge war weit überfüllt,!als Se. Ehrw.!Herr Oberralbibiner S a h r e i ׳b ■e r ׳seine eindrucksvolle!Begrüßungsrede in ■tiefster Rührung und׳ darauf in ׳der סוגי׳ משיכה einen scharfsinnigen Vortrag ■hielt. Die Konferenz ׳im großen Saale des Bellevue unter Vorsitz des Herrn Oberrabbiners Schill (Pezinok) •war außerordentlich gut ■be- . sucht. Namens des Vorbereitungskomitees begrüßte Ra׳bbiner Mosche We,is׳z (Schloßstraße) die Versammlung. Oberrabbiner S. B. Müller (iSv.Jur) verlas unter großem׳ ׳Beifall ׳warme Begrirßungstelegramme an den •Präsidenten ׳M a s a r y k. den Landespräsidenten 1D r ob « y und den .1Kultusminister Dd rer. Ansprachen hielten sodann ■Herr ■Gemeindepräses iKrauiß (Bratislava) und die Herren Oberrabbiner Fürst (Wien), Qberralb'biner Reich (Batakesy). Oberr abbin er Spitzer (Sp. Podhradie) und .Oberrabbiner Hirse hl er ׳(!Modra). Die •Festmählzeit!bot ■ein ■seltenes Bild an Größe und Lebhaftigkeit. Ansprachen hielten ■die Herren .Rabbiner Wessely (Bratislava),!Samuel S 0 h r ei•b e r (Bratislava), Oberrabbiner Schnei- ■b e r u. a. _ Zur Gedenkfeier der Preßburger ישיבה Von Rabbiner Josef Adler, ßchäßburg. Wenn wir ■die!Bedeutung der Preßburger!Jeschiwa für die /jüdische!Gesamtheit ergründen und in ihrer ganzen Tragweite erfassen ■und bewerten, wenn wir eine nichtige Antwort auf die schwebende, von so ׳vielen gar oft gestellte 'Frage bekommen wollen, wodurch ■sich die Preßburger Thorahochschule wesentlich ׳von allen anderen Schwesteranstalten unterscheide, welcher grundlegender Umstand ihr ■einen gewissen Vorrang!in!den Annalen der Jesclnwotih sichert und ihr gleichsam die ehrenvolle iRolle־ ■eines Primus Inter pares einräumt, so müssen ׳wir!auf ihren Ursprung zurückgreifen. Wir dürfen ■keinen Augenblick die historische Tatsache aus den Augen verlieren, daß diese Jeschi'wo eine Gründung des großen Chatam -Sofer ist, der ihr ■den charakteristischen Stempel seiner ׳Eigenart und Einzigartigkeit aufgedrückt hat. So wir das nötige Verständnis •für das OharaJkteristikon der Jeschiwa des Chatarn Sofer 'aufbringen■, finden wir die richtige Antwort auf obige Fragen ׳und ׳den rechten Maßstab für die entsprechende Einstellung und Würdigung des!Weltrufes ■der jubilierenden Preßburger Jeschiwa■.!Um aber den Schlüssel zur richtigen Erfassung ■der Spezialität dieser grandiosen Tharaiehranstalt zu erhalten, müssen wir ■mit einigen 'Streiflichtern ■die Verhältnisse •beleuchten, die zu׳ Zeiten des Chatam Sofer in!den drei größten Zentren ,jüdischen Lebens!in Europa: in Litauen, Polen und ■Ungarn vorwalteten. Die aus diesem Vergleiche sich abhebenden Kontraste', positiven und negativen Seiten ■werden uns alsdann ־wie von selbst ׳den gewünschten Aufschluß,er teilen, . Litauen. ׳Es ist das Land, in dem ,:das Thorastudium seine höchsten Triumphe gefeiert hat. Aber •der immense Wissensdurst,!die mit Recht angestaunte /Geistesschärfe, der Riesenfleiß, ■die unaussprechliche Freude am!Lernen, am Anhäufen von stets wachsenden Schätzen des umfassenden und tiefgründigen Könnens und Stre'bens ■des kühlen, schneidenden, berechnenden, erwägenden, .vergleichenden, niederreißenden ■und aufbauenden menschlichen Verstandes schuf eine eisige!Atmosphäre,.in ■der nur ■noch das einseitige Gefühl■ der unver׳kümmerlichen Liebe und des unausrott־' baren Hanges zum Thoralernen erhalten und fortgepflanzt werden konnte; Diese Einseitigkeit ■und Eingesponnenheit bewirkte :im Laufe der Zeit eine gewisse Verknöcherung und Erstarrung. ׳Das Lernen wurde zum Selbstzweck und es wuchs sich zu einem alle anderen!religiösen Potenzen und Interessen negierenden Egoismus aus. Was Wunder, daß aus diesem selbstischen, sich selbst vergötternden, nimmer zu befriedigenden 'Heißhunger nach Forschung, die das ■Primat von Jiras (Soliomajim schon längst außer acht gelassen und ■kein!höheres Prinzip als Lernen und Studieren kannte, der ■rücksichtslose Haskalageist geboren wurde, der mit einem Sturm und Drange über alles Heilige und• Althergebrachte, herfiel und mit ,kalter Nüchternheit, ohne jede Gefühlsskrupel, ohne Gewissensbisse ■alte, von Jahrtausenden geheiligte Ewigkeitswerte des Judentums erbarmungslos zerstörte, da •er in dem!Gedanken Beruhigung fand, das /jüdische Studium mit neuen Wissensfeldern bereichert, das ׳jüdische Wissen ■mit neuen Ergebnissen vermehrt, ■die!jüdische Forschung mit neuem 'Schmucke verziert zu haben. (Daß von den scharfgesclhliffenen Waffen ihrer Geistesoperationen die!jüdische vie'l'tausendijährige Tradition täglich getroffen wurde, daß!die Strebepfeiler, auf denen das!Religionsgebäude des Judentumes stand, infolge des neu inaugurierten Forschungssystems geborsten waren, was ■kümmert‘« sie, /hatten sie doch nur das oberste ■Prinzip litauisch-jüdischer Weltanschauung: emsige Forschung, rastloses Thorastudium betrieben! Polen. Die Eigenartigkeit der Juden Polens bestand schon zur Zeit des Chatam Sofer in der Kultivierung des Chassidismus, der in der Verinnereliphung. des ganzen Lebens ׳kulminiert. Der Chassidismus ■mit seinem nach innen gerichteten Streben, das ■das Seelenleben ■erfaßt und das Hauptaugenmerk seiner Auswirkungen auf den G-ttesdienst •richtet, den er aus den engen Tempelmauern hinaus sowohl in G-ttes freie Natur als auch in die Gemeindestube und in die Privat Wohnungen trägt: dieser Ohassidismus war das Pendent des ׳Litauismus. An Stelle •der litauisehen eisigen Luft auf den Höhen ■der subtilen ■Forschung trat die!polnische Wärme der . chassidisclhen Gefühlsglut und Begeisterungsflamme. Seelenerguß, grenzenlose!Hin- ׳gebun/g. Gebetsverrichtung voll Innigkeit und Erhebung, himmelanstrebender!Gesang und verklärender, aus dem Banne des Irdischen hinaustragender, erlösender Tanz, unzerstörbarer, ewiger Frohsinn, Heiterkeit des Gemütes, Esset mirF.T.hTA-Rrnt aus der unter Aufsicht der Adas Jisroel stehenden DAMPFBKCKEREI LEDERER &KOHN Betrieb: Wien II,.Hollandstraße 7 Telephon R-47-4-95 Verkaufslokal: II, Große Schiffgasse 16 Telephon A-41-7-45 ^1l|!ll!!lllllllllllll!l!l!!₪ll!!!lll!l!llllliill*^ i ״Eletko“ Mli/mtil« | Zilina. f§ Unsere sämtlichen - Fischkonserven wie auch der S schwedische Fischsalat in Mayonnaise sind mit dem 1 הכש ר des Munkacser orthodoxen! Rabbinates H versehen und werden unter ständiger Aufsicht erzeugt -₪l₪ll!l₪i!lll!!]!!!lll!illll!!1lll!!!!lll!lll!!!llll1IIW ständige Reinigung und Heiligung ׳des Körpers, der g-ttgesohaffenen Wohnung der!Seele, durch strenge Observanz der rituellen Bäder und ■die systematisch und logisch durchgeführte prächtige, ׳herzgewinnende Ausstattung aller jüdischen Pflichterfüllungen mit tiefen Ideen und erhabenen Gedanken: dieses ganze Wesensinnere des Ghassidismus war ■sehr geeignet. •Ablösen« ■und Bewahrerin vor den Folgen der einseitigen ■und kühlen litauischen Verstandeskultiir zu bilden. Aber wie bei jeder abgeschiedenen ׳Eigenart kam׳ mit der Verbreitung nicht ■auch ׳zugleich eine Vertiefung, son- ■dem vielmehr die Verflachung der Idee des Chassidismus; es setzte ■eine kastenartige!Beschränktheit und ■Oberflächlich־ keit in der Auffassung ׳ein, der (Blick!blieb ■nur an zufälligen oder Inhaltslosen AeußerHchkeiten haften und der ׳unausbleibliche Parteiegoismus, •und mag er noch so heilig seit! und!im Dienste hoher 'Ziele stehen, ■richtete ■große Verheerungen an und ׳entfremdete ganze Volksschichten ■und hielt nicht gerade die Wertlosesten! der Judenbeit der Bewegung fern. Aber ■seine geradezu heftigen IBekämpfer wurden die •litauischen Größen und׳ Ihre Gefolgschaft. Der Geist des litauischen Judentums Und der des' chassidisehen wurden unversöhnliche Antipoden,!deren :Ausschließlichkeit hüben und ׳drüben unermeßlichen Schaden angerichtet hat.!Litt ■nämlich die ganze Persönlichkeit zu erfassen berufene, auf Gefühle, ׳Gedanken und Tatenwelt sich erstrecken müssende Frömmigkeit -durch den ׳einseitigen, alle!anderen!Interessen und Augenmerke!verschlingenden Lerneifer der Litauer, ■so litt ■das Thorastudium ■nicht weniger unter ■der einseitig überspannten Herausarbeitung, mit automatischen Allüren umhängten G-ttesdienstgedankens, der in seiner iSelbstherrlicihkeit das Thorälernen von ■seinem Throne stoße« zu dürfen und es ׳durch ■die alle Lebenserscheiinungen mit! G-ttinnigkeiit durchgreifenden'Lebems/weise vollkommen ersetzen zu )können glaubte.!Unwissenheit In der Thora, was in ■Litauen ein Stigma bedeutete, war in Polen kein, zurücksetze oder Fehler mehr, ■der!Anschluß an den ivolkstümlichen Chassidismus konnte schlechterdings den Wissensmangel wettmachen. Anfangs wurden noch gewisse Anforderungen seelischer Art .a׳n ׳die Bekenner gestellt ■die ■jedoch :immer ׳mehr z/usammenschrümpften, und heute bilden die Merkmale, hach denen ein dem Chassidismus anhängender Jude erkannt und beurteilt wind, ׳pure ■Aeußerlichkeiten1 ,׳z. 'B. an zeitweise sich wieder- ■holendem Aufsuchen eines Rebbe, an •wallenden!Bärten und! flatternden Peos, am Tragen von langen (Mänteln, Samthüten an!Werk- und Streimeln an Samstagen ׳und Feiertagen״ an ■der Umgürtung der Lenden beim Gebete. Die strenge Einhaltung der Tauchbäder vor dem Gebete, das mit einem rühmlichen Feuer lobenswerter Begeisterung verrichtet wird', die mit stürmischen!Gefühlen der (Innigkeit vorgetragenen Tisdhgesänge und die in hinreißendem Elan ■bis zur Sel'bstvergessenheit fortgesetzten Tänze 1bei Jedem ■feierlichen Anlaß bilden •die wenigen innerlichen Berührungspunkte, in denen auch ■die Epigonen •den׳ Titanen des Chassidismus am ähnlichsten sind. Ungarn. 'Dieses Land, das der nächste Nachbar Litauens und Polens war und demzufolge eine sowohl numerisch als auch an innerem Werte ansehnlichere Judenlbevölkerung hatte als die westlichen Länder, ■war nun von der Vorsehung dazu auserwählt, den großen Streit der (Geister, der zwischen ■den Juden •Litauens ׳und Polens ausgebrochea war und dessen verzehrende Flamme,, immer mächtiger auflodernd,!hohe Werte zu vernichten drohte, durch 'Ueberbrüokung zu schlichten׳ ■und ■die verderblichen Konsequenzen zu verhüten. Aber nicht nur das Land, sondern auch den Mann hat die Vorsehung erkoren, der in ■der Schicksalsschweren Zeit nach Preßburg!auf den verwaisten IRa׳b-־ binatssitz berufen wurde, um da einen Thoramittelpunkt entstehen zu lassen, dessen wohltätiger Einfluß sich bis auf den heutigen Tag noch aus wirkt. Dieser providentielie Mann war der Chatham ׳Sofer. Das Festbankett des Tiferes Bachurim in Wien findet Donnerstag, den 26. Dezember d. J. (1. ChanukahsAbend) um halb 7 Uhr abends im Turnsaal der TalmudcThoraeSchule, II., Malzgasse 16, statt. Der von ■ihm verpflanzte Geist steht eben in der glücklichen Mitte zwischen den im entbrannten!Kampfe stehenden zwei ׳Richtungen. Er (hat das richtige Gleichgewicht zwischen beiden hergestellt. Er hat mit seinem weitihinleuohtenden ׳Beispiele den unbeschreiblichen Fleiß und den unverwüstlichen Eifer nebst •einer neuen Methode zur Erforschung der Thora seinen tausenden wißbegierigen, die Nachahmung ihres weltangestaunten Meisters anstrebenden Schülern vermittelt, die als weithin!berühmte Thoragrößen wieder an abertausende Schüler dieses System fortvererbten, so daß ■Ungarn im ׳Laufe einiger Dezennien mit ■einem dichten Netze des emsigen Thoralernens und des gediegenen Thorawissens umspannt wurde. Hier war aber das/Lernen und Forschen!kein Selbstzweck wie in Litauen, dieses Lernen wurde nicht nur mit kalterwägendem Kopfe, sondern mit war/mfühlendem Herze® getrieben. Es wurde unmöglich viel und gründlich gelernt, es wurden die Tage und׳!Nächte mit bloß kleinen Schlaf- Unterbrechungen, mit dem ernstesten, hingebungsvollsten, alle Nerven und ׳Fibern anstrengend beschäftigenden Lernen ausgefüllt, aber nicht nur mit dem Zwecke in den Augen, den unstillbaren Wissensdurst zu befriedigen, sondern um die■ höchste Pflicht ׳des Juden; die Mizwoh des Lernens zu erfüllen. Das ׳Lernen war also eine Tat, die das Primat der Jiras Schomajim täglich, ja stündlich mit bunderten flammenden Zungen verkündeten. ׳Und dieses aus dem reinen Borne der G-tt&sfurcht und der Mizwohlieb© geflossene und idealisierte Lernen erzeugte und förderte eine Lebensart der minutiösesten Observanz, die jeden Minhag mit demselben ׳Ernst, mit derselben Hingebung übte wie die grundlegenden Thoragebete. Das Prinzip des Chatham Sofer war eben eine gelungene Kombination der Lichtseiten des litauischen und der Vorzüge des polnischen Judentums und ihre« eigenartigen Gedstesriohtun!gen ohne ihre Nachteile. Sein scharfer, ׳durchdringender, stets die

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