Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 15 (1929)
- Issue
- 49 (20.12.1929)
- Date
- 1929-12-20
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 49 JÜDISCHE PRESSE Seite 3 Leftensversißhernngs - Gesellschaft ווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווו1וווו! Gegründet 1882 Gegründet 1882 VeislAeiungsieM Ende Mal 1929 2000 Millionen Mitling Oarantieniltel Ende 19Z0 238 Millionen Mitling Prämien- und Zinseneinnahmen im Jalue 192S 9?'/״״ Millionen Schilling Tätigkeitsfeld der Gesellschaft: Oesterreich, Deutsches Reich, Tschechoslowakische Republik, Belgien, Holland, Frankreich, Spanien, Italien, Ungarn, Polen, Jugoslawien, Bulgarien, Griechenland, Rumänien, Palästina, Syrien, Türkei, Aegypten ausdrücklich gesagt wird, daß Palästina kein!jüdischer u11׳d kein arabischer Staat werden soll, sondern ein binationaler Staat. :Diese Politik muß anerkennen das Recht auf :jüdische Immigration, Siedlung auf dem!Lande, freie •Entwicklung der hebräischen Sprache und!Kultur, dies alles ״kraft eigenen •Rechtes und nicht aus Duldung“, in dem ‘Sinne, wie es Ac’had •Haani in seinem 1921׳ geschriebenen Vorwnrt zur ■Ncuausgabe seiner ׳Werke ansführt.!Auf Land- Wirtschaft, Industrie und jüdische Arbeit ׳muß sich das jüdische Zentrum aufbauen. Palästina als das Land zweier Völker und dreier Religionen muß stets unter inteniationaler .׳Garantie stehen, der Völkerbund muß die mit •dem Lande verknüpften internationalen Verpflichtungen ■und׳ die Rechte der verschiedenen :Bevölkerungsgruippen sichern. Magnes schlägt vor., daß eine Gruppe von Staatsmännern, Staatsrec'htlern und wissenschaftlichen!Politikern zur!Ausarbeitung eines derartigen einzigartigen und höchst ׳komplizierten!Projektes!hcrarigezogen werden, soll. Damit dies aber einen Schritt -vorwärts komme, müsse die jüdische Gemeinschaft •ihren jetzigen Erstarrungszustand ׳aibschütteln und müsse verhüten, daß die ■Tnitiatiive den .jüdischen Händen entgleitet.!Eine Selbstverwaltung!könne .in ■Paiästina niemals eine gedankenlose!Uebertragung westlicher parlamentarischer Prinzipien sein, sondern sie■ müsse mit dem!Charakter ׳Palästinas als Land sui •generis und insbesondere mit den spezifischen!jüdischen!Rechten rechnen. Auf alle!Fälle müsse der ׳Uebergang von •der gegenwärtigen absolutistischen Kolonialherrschaft zu einer Selbst'verwai- Hing schrittweise sein. ' 'IMe-ine‘ gegenwärtigen •Bemühungen.־ schreibt Magnes weiter■, haben lediglich den Zweck, dazu beizutragen, die Einsicht zu ■verbreiten, daß der bisherige ׳־Zustand nicht aufrechterhalten 1■bleiben kann •und •daß ohne . ein ehrlich überlegtes und wissenschaftlich aiisgearbeite.tes Programm auf politischem, ökonomischem uud erzieherischem Gebiet man nicht vorwärts kommen wird.!Ich fürchte, daß ohne diese Einsicht die ■jüdische •Qeifentlichkeit schwere Enttäuschungen erleiden wird. 'Wenn wir unsere Aufgabe ernst nehmen, •müssen wir die arabische Welt durch Ökonomische, soziale und politische Erziehung empor,heben und zugleich unsere eigene Gemeinschaft stärker und mächtiger machen, denn unser Werk kann ■nur gelingen, wenn das!jüdische Volk gewaltige Mittel zur Verfügung stellt. Es ist ein langer und schwieriger ׳Prozeß, aber der •einzige Weg, der gangbar •ist, und schon die Anstrengung ■in dieser!Richtung fügt ein ruhmreiches Ka/pitel zur Geschichte des ewigen Volkes hinzu. . Haß über das Grab hinaus. Am T. 'Dezember verstarb in ■Lemberg der Abgeordnete des polnischen Sejms Dr. Leon Raicih. Dr. Reich, ein.!Führer der ostgalizischen Zionisten; war allgemein ■um so mehr beliebt, als er auch Andersgesinnten in der konziliantesten Weise gegenübertrat. Dies zog ihm allerdings den Haß •der Unentwegten im eigenen Lager zu, der sich auch >in unliebsamer Weise beim Begräbnis Reichs äußerte Namens des!jüdischen Sejmklubs sollte Jizchak iGrünbaum, •der Präsident des!Klubs״ am!Grabe des •Verstorbenen eine Ansprüche halten. Das ..׳Zentralkomitee •der ostgalizischen Zionisten erhob!jedoch dagegen 'Einspruch und erklärte, daß es ■zu unliebsamen Szenen kommen müßte, wenn gerade Jizchak Grünbaum, Reichs •prominentester innerzionistischer Gegner, sprechen würde. Daraufhin erklärte Jizchak Grünbaum, nicht zugeben zu können, daß •ein ande-res;Mitglied des Seijmklubs von!Reich in einer Ansprache Abschied nehme. Tatsächlich unterblieb auch eine Kundgebung namens des Sejmklubs. Der unbelehrbare Grünbaum.!Noch in einer anderen Beziehung hat Herr Jizchak Grünbaum von sich reden gemacht. Er hielt vorige Woche im Sejm eine Rede, in welcher er die Orthodoxie, besonders aber die Chassidim scharf angriff. Diese Rede hat in allen jüdischen Kreisen geradezu Erbitterung hervorgerufen. Selbst dort, wo man mit der Orthodoxie oder mit dem Geier Rebbe nicht sympatliisiert, empfand man es als Schmach und Schande, daß ein jüdischer •Abgeordneter von der Tribüne des polnischen Sejms herab Juden, also ״Volksgenossen“, um 1m Stil des ׳Herrn Grünbaum zu bleiben, herabsetzt und beschimpft. Herr Grünbaum selbst war der erste, der Verrat geschrien hat, wenn irgend ein orthodoxer Jude den Weg zu einer Behörde suchte, und offen erklärte, daß ein orthodoxer Jude von Zionisten: sich nicht vertreten lassen kann, wenn die Zionisten in politischer und religiöser!Beziehung einer der agudistischen entgegengesetzten Weltanschauung huldigen. Erst gar, wenn irgend ein agudistischer Abgeordneter von der Tribüne des polnischen Sejms aus,, etwa die politische Unverläßlichkeit der Zionisten oder ihre!Unfreundlichkeit dem polnischen Staate gegenüber behauptet hätte, da wäre .׳Grünbaum dev erste gewesen, der die Orthodoxie des Verrates an dev Jüdischen Solidarität geziehen hätte. Er aber, er darf. Mindestens hat man Herrn Grünbaum sein unverantwortliches Treiben bisher gewähren lassen. Nun scheint es aber, daß seine jüngsten Auslassungen im Sejm doch nicht ungestraft bleiben weiden. Die große Protestaktion der Orthodoxie des י 7יי-י״׳ -hat zunächst bewirkt, daß die eigenen Gesinnung«- und!Klnbgenossen des Herrn Grünbaum, sowohl Sejmabgeovdneter Dr. Thon, Krakau, wie Rabbiner!Bvod, Tomaschow, Hcsclicl Färbstein, Warschau uud Rabbiner Rubinstein, Wilna, mit öffentlichen Erklärungen von Herrn Grünbaum abrücken und seine Vorgangsweise als eines jüdischen Führers unwürdig brandmarken. Diese Protestaktion will bewirken, daß die Lügenmärchen, welche die zionistische Propaganda früher gerne verwendet hat, daß etwa Rabbiner Dr. Pinchas Kohn und Rabbiner Doktor Emanuel Cavlebach s. A. während des Weltkrieges als Emissäre ׳Deutschlands nach Polen gekommen wären, um dort clas polnische Judentum an eine fremde Macht zu verkaufen und somit die Orthodoxie so hingestellt wird, als wäre sie zu jedem Zeitpunkte geneigt, gesinnungs- und rückgratlos die nufsteigende Sonne einer politischen Macht anzubeten, endlich einmal aus dem ,Munde vernntwovtlichcr!Führer verschwinden. Gegen das Gift verleumderischer Hetze, ist es schwer, sich zu verteidigen, man kann die Träger dieser Giftzellcn nicht immer entlarven und sic zur Verantwortung .ziehen. Diesmal aber war Herr Grünbaum verwegen genug, das sattsam bekannte Propagandamaterial zionistischer Volks- Versammlungen von der Tribüne des polnischen Sejms uns zu wiederholen. Die Protestaktion, welche die Orthodoxie in Polen gegen Grünbaum ciugcleitet hat, muß erreichen, daß solche unbegründete, verleumdensehe und einen Großteil der polnischen Judenheit tief verletzende Aeußerungen nicht mehr wiederholt werden. __ Die russische Fünftagewoche. ■In Rußland wurde die ununterbrochene Arbeitswoche •ei.nßeführt. Für die Maschinen wird der Ruhetag a'bgeschafft. Da aber doch der Mensch seinen!Ruhetag haben und den!Arbeitern für die Abschaffung des gewohnten!Sonntages ein Aequivalent geboten werden muß, wurde beschlossen, dem einzelnen!Arbeiter •statt!jeden siebenten Tag!jeden fünften Tag einen Ruhetag •zu ■gewähren.!Die Arbeitswoche hat auf •diese •Weise nur fünf Tage. •Und die Angestellten und Arbeiter werden in bezug ׳auf ihre Ruhetage ■in fünf Schichten eingeteilt. An jedem Tag der /Arbeits- W'och-e'hat also eine andere 1Schicht den Ruhetag.!Nur fünf Tage ■irn!Jaihr, die fünf Reivolutionsfeiertage, sind allgemein. Daß. mit dieser Reform der Arbeitszeit •durch die Abschaffung •des Sonntages und selbst-!verständlich auch ׳des 1Sabbats auch ■der Religion ein ■empfindlicher Schlag versetzt wird, ist nur eine von ■der kommunistischen Regierung■ begrüßte Nebenerscheinung. Die Kalenderreform. (Mit der Einführung •der IFünftagearbeitswoohe werden die einzelnen Werke gezwungen, ׳besondere Kalender zii drucken und sie an ׳die!Arbeiter zu verteilen. Denn es ist ija unvermeidlich, daß ohne solchen!Kalender die größte 1Unordnung entsteht. Niemand kann ija •nun, während der 1Uebergangszeit׳ ״seinen Ruhetag im Kopf behalten; Die Faibri'ken ׳druckten also •einen ,׳Arbeitskalender“ auf verschiedenfarbigem Papier. Blau, grün. ■rot,, gelb und weiß, für ׳jede der •einzelnen Ruheschichten, (Für ,jede!Schicht ■sind die Ruhetage rot aufgedruckt. ־ . ■Wenn schon solche Arbeits׳kalendet gedruckt wur- ׳den, lag auch die!Idee nahe,, entsprechend׳ ׳der neuen Wirtsc'häftsördimmg ־ die IKälendefßefofmt'Sdiirdhziifiiihren. :.!Die Akademie der ׳Wissenschaften 'bekam den diesbezüglichen Auftrag.!Man erinnerte sich nicht nur an •die (Reform der französischen Revolution, ׳sondern auch an (Projekte, ׳die in!Amerika geplant waren. Das amerika n i s c h e System wollte ein ,Jahr in ׳dreizehn gleichmäßige• Monate teilen, mit Rücksicht auf •die religiösen Gefühle der;Bevölkerung aber ׳die Siebentagewoche ■mit ׳dem Sonntag beibehalten.!Nun, in Moskau geht ׳man über die!Religiosität vollkommen hinweg. Der Plan ׳der;Kalenderreform sieht natürlich die Zeitrechnung von der Oiktoberreiv0In ti0» an! vor. Da das landwirtschaftliche Jahr am 1. iNoivember beginnt, ■soll auch -das neue Jahr nach ׳dem neuen!Kalender am alten ׳ersten iNoivember beginnen. Das Jahr hat wie früher zwölf!Monate. Jeder (Monat sechs Wochen zu ije fünf Tagen. Der Kalender soll auch ein ewiger sein, das heißt, er ist so 'konstruiert, daß in jedem, ,Jaihr das gleiche Datum auf denselben Tag fällt.!Die fünf Revolutionsfeiertage führen!kein (Datum, sondern Namen. Sie werden ׳dem einzelnen (Monat, auf den sie fallen, als einunddreißigster Tag zugezählt. (Auf •diese (Weise erhält ׳das russische ׳Jahr •die 365 Tage des astronomischen. Außerdem wird!jedem!Schaltja-hr noch ein Industrialisierungstag zugeteiit. So ist die geplante Kalenderreform. (Man will ■in ׳späteren ■Zeiten auch die Namen der!Monate verändern, an ihre Stelle astronomische Bezeichnungen;setzen und endlieh auch die!Bezeichnung der Tage. |0| Nachrichten־ |(g>l Chanukah-Veranstaltungen. Von den vielen Chanukah#Veranstaltungen, die zu* gunsten verschiedener Wohlfahrtsvereine veranstaltet werden, möchten wir die Aufmerksamkeit unserer Leser zunächst auf das Tiferesz*Bachurim*Bankett lenken, das am 1. Chanukahabend, Donnerstag, den 26. Dezember um H7 Uhr abends im Turnsaale der Talmud*Thora statt# findet. Der Reinertrag fließt den Wiener Bachurim, die auf Jeschiwoth lernen, zu. — Samstag, den 28, Dezember am 3. Chanukahabend findet die Veranstaltung des Krügerheimes im eigenen Hause, II,, Malzgasse 7, statt. zugunsten der Schüleiausspeisung an;: der jüdischen Volks- und Hauptschule, :: Wien II, Malzgasse 16, Sonntag, den! 29, Dezember um 8 Uhr abends im Festsaale des Hotel Continental, ■ I 11, Taborstraße 4 '■ Hervorragende Künstler werden an diesem Abend zugunsten des jüdischen :: Schulkindes mitwiiken :: Kaiten von S 10.— bis S 2.— in allen;: jüdischen Buchhandlungen und in der!: Schüleiausspeisung, II., Malzgasse 16,;: Tel. R-45-4-94, sowie an der Abendkasse \; נ '♦♦»♦»♦mH♦♦»»»»♦»»»♦»»»»»»»»»♦»»»»»»♦♦»♦»»♦»»»»»»»»»»' Rauhes, kühles, und veränderliches Wetter verursacht den Rheumatikern "große Pein Massieren Sie sich, über ärztlichen Rat, mit Original Menthol-Franzbranntwein ALPA Durch ״AIpa״-Massage große Erleichte־ rung, lebhafter Blutkreislauf, ausgezeichnete Körperernährung, Muskelstärkung und Nervenerfrischung -—-- Das Fest beginnt um 6 Uhr, die Festrede hält Rabbiner Dr. J. Pollak. Der Kiinstlcrabend zugunsten der Schüler# ausspeisung an der jüdischen Volks# und Hauptschule, II., Malzgasse 16, findet Sonntag . am 4. Chanukah# abend um 8 Uhr abends im Festsaal des Hotel! Continen# tal, mit reichhaltigem künstlerischen Programm statt. Der Kantoren#Abend, der voriges Jahr zugunsten der Schüler# ausjspeisung stattfand, war geradezu ein künstlerisches Erlebnis. Für die diesjährige Veranstaltung haben sich ebenfalls eine stattliche Zahl' Künstler von Rang zur Ver# fügung gestellt, um den täglichen Mittagstisch armer jüdischer Schulkinder zu sichern. Neunkirclieii (Rabbinntsangelegenheit). An Stelle des vor einigen Monaten verstorbenen Oberrabbiners Reich in Baden, welchem seit Jahren die Besorgung der höheren religiösen Funktionen in der isr. Kultusgemeinde N e u n k i 1־ c 11 e n oblag, hat mit I. November dieses Jahres Oberrabbiner Dr. Heinrich Weiß aus Wiener-Neu stadt diese Funktionen übernommen. Diejenigen Glaubensgenossen, die in Lainz, Spei s i n g־, Matie r, Hetze n d or f u. U m g e b 11 n g wohnen und Interesse an einem ,,Minjan“ an Samstagen und .jüdischen Feiertagen hätten, werden ersucht, dies an Regierungsrat J. Kreppei, Wien, . XIII., Wattinanngasse 102, bekanntgeben zu wollen. Das neue Gemeindegesefz in Jugoslawien. Das neue Gesetz über die jüdische Konfession hat m diesen Tagen die allerhöchste Sanktion erhalten. Das Gesetz sichert der jüdischen Religionsgemeinschaft voll# kommene Gleichstellung zu. Es enthält u. a. folgende Be# Stimmungen: Im staatlichen Budget, ebenso in den. Haus# halten von Juden bewohnter Städte werden Zuschüsse für Bedürfnisse^ der jüdischen Konfession sichergestellt. Die Höhe der Zuschüsse entspricht dem Prozentsatz der jüdischen Bevölkerung. Die!jüdischen Kultusgemeinden genießen Steuer# und Portofreiheit. Jeder Jude gehört automatisch der Kultusgemeinde seines Wohnortes an. Im Bereiche einer Kuitusgemeinde können in Zu# kunft keine Seperatgemeinden gegründet werden, aber die bereits bestehenden Separatgemeinden, orthodoxe und ■ sephardische, bleiben unangetastet. Die religiöse Freiheit der Orthodoxen ist gesetzlich verbürgt. An der Spitze sämtlicher Kultusgemeinden steht der jüdische Gemeindebund, der gemeinsam mit der aus sechs Rabbinern bestehenden Rabbinersynode autoritativ in allen das Judentum betreffenden Angelegenheiten ist. Den Landesgroßrabbiner ernennt der König aus der Mitte dreier Kandidaten, die Von dem Gemeindebunde vorgeschlagen werden. Der Landesgroßrabbiner ist in seinem Range und seinen Bezügen, die vom Staate zu leisten sind, den christlichen Bischöfen gleichgestellt. Das soeben verlautbarte neue Volksschulgesetz ent# hält auch für die Judenheit wichtige Bestimmungen. Der Religionsunterricht ist obligat und wird von Religions# lehrern, die von Religionsgemeinden honoriert werden, erteilt. Minoritätsschul'en sind gestattet. Die bereits be# stehenden privaten Volksschulen dürfen weiter bestehen. Das neue Volksschulgesetz sichert demgemäß den Fort? bestand der jüdischen Volksschulen in Jugoslawien. Herr Direktor Hermann Deutsch aus Subotica, ein Führer der orthodoxen Judenheit in Südslawien, der an dem Zustandekommen des Gesetzes mitgewirkt und an der Enquete beim Minister Skrsic .teilgenommen hat, äußerte sich über die Bedeutung des neuen Gesetzes wie folgt: Das Gesetz wurde am 7. d. M. während einer vom Justizminister Herrn Skrsic persönlich geleiteten Enquete, an der die führenden Personen der jugoslawischen Juden# heit aller Richtungen teil'genommen haben, zu Ende be# raten. Herr Justizminister Skrsic zeigte das freundsChaft# lichste Entgegenkommen. Es wurden alle noch schweben# den Fragen zur vollsten Zufriedenheit aller jüdischen Kreise festgelegt. Die bürgerliche Gleichberechtigung der־ Juden im jugoslawischen Königreiche ist eine vollkom* mene. Es ist kein Fall bekannt, bei dem eine Ausnahme zwischen Juden und Bürger anderer Glaubensbekenntnisse gemacht wurde. In dem vom König sanktionierten Juden# gesetz, welches das Verhältnis der Juden zum Staate: regelt, wird der jüdischen Religion vollste Autonomie, in der gleichen Weise wie der Staatskirche, gegeben. Die gesetzgebenden Faktoren mit dem König an der Spitze sind sogar darauf bedacht, jeder Konfession ihre Rechte■ und ihre freie Entwicklung zu sichern. Im Sinne dieses; edlen Bestrebens wurde auch den in der Minderheit sich befindenden konservativen Juden die vollständige Auto# nomie verliehen, so daß sie sich in keiner Weise von den Andersgesinnten ihrer Konfession beschränkt oder be* hindert fühlen. Das Gesetz sieht das Recht des Zusam* menschlusses sowohl! der Orthodoxen als auch der Libera# len zu einer autonomen Gemeinde vor; es erkennt auch den Zusammenschluß der orthodoxen Gemeinden zu eige# nen gleichberechtigten unabhängigen Landesverbänden an.