Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 15 (1929)
- Issue
- 49 (20.12.1929)
- Date
- 1929-12-20
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite2 JÜDISCHE PRESSE Nr. 49 erweisen müsse; sogar der Hohepriester erschien persön* lieh vor Gericht, wenn er von den Richtern geladen worden war.“ In dem weiteren Verlauf seiner Aussage erklärte Oberrabbiner Kook, die Behauptung, daß die Juden sich des Gebietes der Omar*Moschee bemächtigen wollen, sei absurd; schon darum, weil solche Absichten mit dem jüdischen Glauben nicht übereinstimmen. Juden, die sich zur jüdischen Religion bekennen, dürfen der religiösen Vorschrift gemäß ihren Fuß nicht auf das Tempelgebiet setzen, weil dieses Gebiet, das jetzt von der Omar« Moschee eingenommen wird, heiliger Boden ist. Die jüdi* sehe Ewigkeitshoffnung ist es, daß die Erlösung dörch den Messias (Meschiach ben David) kommen wird, dann wird der Tempel wieder aufgebaut werden als ein Haus des Gebets für alle Nationen. Oberrabbiner Kook verlas Abschnitte aus dem Schulchan Aruch, aus denen zu ersehen ist, daß es für Juden Tradition ist, am Tischa b’Aw und bei anderen Traueranlässen auf dem Boden zu sitzen. Laut dem Schulchan Aruch ist es ferner ein Gebot für die Juden, am Ausgang des Jom Kippur Schofar zu blasen; das EBBBBEBBBEBBBBBBEEB Erregte Auseinandersetzung über die Hebron-Greuel. Zu einer erregten Auseinandersetzung kam es in der Untersuchungskommission, als der Anwalt der Araber Silley die Greuel in Ilebron zur Spradie brachte und auf das von der stellvertretenden zionistisdien Exekutive am 28. August nach London gesandte Telegramm hinwies, in weldiem davon die Rede ist, daß den Opfern Nase, Finger und Brüste abgeschabten wurden.. Hoofien erwiderte, er persönlidi habe das Telegramm nicht abgefaßt, seine .Kollegen Horowitz und Dr. Braude haben ihre Informationen aus gewiß vertrauenswürdiger Quelle der jüdisdien Gesundheitsorganisation Hadassah erhalten. Silley bestand darauf, daß Telegramme abgesandt wurden, ohne daß vorher geprüft worden war, ob die in denselben mitgeteilten Tatsachen wahr oder falsch seien. Die Verbreitung solcher Nachrichten weckte Erbitterung unter den Arabern und erschwerte die Position des Jüdischen Nationalheims oder machte sie gar unmöglich. Hoofien erwiderte, Bequemlichkeit sei nicht das Hauptziel, das die Juden in dem Nationalheim suchen. Uebrigens handelt es sich nicht um Verbreitung von Nachrichten, sondern um die Erstattung eines Berichtes, und es war Pflicht der zeitweiligen zionistischen Exekutive, den Bericht der Hadassah nach London weiterzugeben. Sir Walter Shaw fragte Hoofien: Sind Sie persönlieh von der Unwahrheit der Berichte über Verstummelungen nicht überzeugt? Nein, antwortete Hoofien, ich bin nicht davon überzeugt. Sir Boyd Mcrriman verlas die vom Oberkommissar Sir John Chancellor nach seiner Rückkehr nach Palästina erlassene Proklamation, in der von ״unaussprechlicher Roheit“ die Rede ist. Sir Boyd legte der Kommission fünf Photographien vor, die in Hebron begangene Greuel wiedergeben. Die Mitglieder der Kommission sind vom Anblick sehr erschüttert. Wir, bemerkte Sir Boyd, wollten dieses furchtbare Thema der Greuel nicht zur Spradie bringen, aber unsere Gegner zeigen sich bestrebt, den Umstand, daß wir dieses grauenvolle Thema meiden, dazu auszunutzen, der Zionistischen Exekutive sdilcditen Glauben anzudiditen. Sir Walter Shaw sagte, soviel er wisse, habe die von der Regierung Angestellte Untersuchung die Frage der Verstiimmelungen in Hebron bcigelcgt; er sei erstaunt, zu hören, daß ein Mitglied der Zionistisdien Exekutive trotzdem weiter behauptet, daß Verstümmelungen stattgefunden haben. Sir Boyd erwiderte, die Juden haben den betreffenden Regicnmgsbericht nicht akzeptiert. Der Regierungsanwalt Kenelm Preedy wies darauf hin, daß Herr Horowitz in einem am 4. September nach London gesandten Telegramm diesen Bericht der Regierung diskreditiert hat, und fügt hinzu, dies sei eine ernste Angelegen heit. Sir Boyd stellte dieser Bemerkung gegenüber fest, daß das Telegramm von Horowitz sidi gar nicht auf den offiziellen Beridit der Regierung über die Untersuchung in Hebron beziehen könne, da dieser Bericht erst einige Wochen später veröffentlicht wurde. Das Telegramm bezog sich auf eine Aussage des Herrn Cafferata, der, ohne zu prüfen, 'behauptet hatte, Verstiimmelungen seien nicht vorgekommen. Der erregte Meinungsaustausch dauerte eine Weile fort, bis Sir Henry Betterton zur Erwägung stellte, daß die Frage dieses Telegramms am besten während der Vernehmung des Herrn Horowitz geklärt werden könne. Sir Boyd Mcrriman schloß die Diskussion mit der Erklärung ab, daß er immer noch daran festhalte, daß Greuel, auch sexueller Natur, vorgekommen seien. Oberrabbiner Kook von der Untersuchungskommission. Am Freitag, den 13. Dezember erschien vor der Untersuchungskommission der Oberrabbiner der asch* kenasischen Judenheit Palästinas, Rabbi Abraham Jizchak Kook, um sich über die mit der Untersuchung zusammen* hängenden religiösen Fragen, wie die Bedeutung der Kfagemauer für das religiöse Judentum, die Tischa b’Aw* Trauer und das Schofarblasen am Jom Kippur, zu äußern. ״Die Wahrheit ist nicht schamhaft und nicht furchtsam“, begann Oberrabbiner Kook seine Aussage, •indem er sich auf einen Ausspruch der jüdischen Weisen stützte. ״Ich kam zu dem Gerichte“, fuhr er fort, ״ob* wohl die Herren von der Kommission bereit waren, zu mir zu kommen; denn es ist meine Gewohnheit, alles, was ich dem hatte ich* das Empfinden, daß man Richtern Ehre IBE00BB0B0000BBB00BB dis" "" Ü 15.000 Jesdiiwah-Bachurim 300.000 Volksschffller 30.000 Beth Jakob-Schülerinnen warten aut die Hille des Spenden nehmen entgegen: Die Landesverwaltung des Keren Hathora für Oesterreich Wien, 11., Obere Donaustraße 69 und die Keren Hathora-Zentrale, Wien, II., Leopoldsgasse 26. Bankkonto: Zentraleuropäische Länderbank, Expositur I., Kai 33. B Schofarblasen ist ein integrierender Teil des G*ttes* dienstes am Versöhnungstag. (Bekanntlich wurde am letzten Jom Kippur das Schofarblasen am Schluß dös Gottesdienstes vor der Klagemauer durch die Behörden infolge einer moslemitischen Beschwerde verboten.) ״Das Rabbinat“, erklärte Oberrabbiner Kook wfeiter, ״erbringt kein dokumentarisches Beweismaterial zur Begründung der jüdischen Rechte an der Klagemauer, weil diese Rechte nur allzugut begründet sind. Wollte man für diese jüdischen Rechte einen dokumentarischen Be* Weis liefern, so würde dies so äüssehen, wie wenn mau eine Kerze hochhätte, um das Licht der Sonne zu ver* stärken.“ Von der Kommission befragt, ob er am letzten Jom Kippur deni Gottesdienst an der Klagemauer beigewöhnt habe, erwiderte Oberrabbiner Kook unter Tränen, er habe als alter und gebrechlicher Mann den Weg zur Klage* mauer, den fromme Juden am Jom Kippur nur barfüßig zu machen pflegen — wie dies auch durch das jüdische Gesetz vorgeschrieben ist — in diesem Jahre nicht gehem können. Er sei deshalb nicht in der Lage, über die Vor* gänge an diesem Tage an der Mauer auszusagen. Vom Tage. Die Hetze gegen Dr. Magnes. 1Dr. J. L. (Mag!11 es, dessen (Gespräche mit dem englischen Arahienkenner St. John PhiiLby über die ׳Be- •diiigungen einer arabisch-jüdischen Annäherung wie eine Bombe in fast allen zionistischen!Kreisen wirkte,!versandte an eine Anzahl prominenter Juden eine Erklärung, in der er vorschlägt, daß die Zionistische Exekutive in ׳Jerusalem und der Waa׳d Leumi gemeinsam eine Kommission emsetzen sollen mit dem Ziele, die Meinungen der jüdischen Gemeinschaft (Palästinas!bezüglich einer arabisch-jüdischen Verständigung und der Errichtung eines Parlaments ln Palästina zu erkunden. ,Eine andere ,Kommission sali in ׳London zum Studiums des!Problems unter Heranziehung!von ׳Staatsmännern und ■politischen Sachverständigen eingesetzt wer־■ den. ׳Dr. Magnes führt in dieser Erklärung weiter aus. er sehe in ׳den von ,John Fhiiby gemachten Vorschlägen einen großen Fortschritt gegenüber den von den Arabern gewohnlich vertretenen 1Forderungen, indem IPhilby auf dem Standpunkt steht, daß die;B a 1 f 0 u r -ID e k 1 a r a t i o n und das Mandat bestehen bleiben sollen, daß dem High Commissioner ausgedehnte Machtbefugnisse gewährt werden sollen, so unter anderem die Aufrechterhaltung von Gesetz und Ordnung sowie Vetorecht gegen legislative Aktionen oder 'Beschlüsse des Parlaments. Auch hat sich tPhiiby ■mit dem ׳Prinzip freier jüdische ז Einwanderung gemäß der Aufnahmsfähigkeit des Landes ׳und ■mit ■dem •Recht der Jewish Agency. Jüdische Interessen zu ׳vertreten u׳nd zu schützen, einverstanden erklärt. Dr. Magnes •meint, das Weißbuch von 1901 habe den Traum einer Urherrschait der Juden Im Lande beendet, aber ׳den Juden •das!Recht gegeben, in Palästina zu ׳bleiben ,und eine genügende Basis für ׳die 'Schaffung eines geistigen Zentrums im Sinne Achad Haams zu 1bilden. Der High Commissioner sollte von der (Mandatarmacht ernannt und vom Völkerbund bestätigt werden, wodurch Palästinas (Position :als ein (Heim für Juden, Christen und Moslems geikennzeichnet würde. ׳Palästina sollte ein b inationaler Staat sein mit (konstitutionellen!und legislativen (Formen, die das 'Land zu •einer internationalen IHeimat für alle (Religionen und (Rassen ■machen. So weit •die Meldung der J. T. A. In der zionistische» Presse ist inzwischen gegen Magnes ein wahres Kesseltreiben •entstanden, das sogar •die ״Jüdische 1Rundschau" z» der Frage veranlaßt, wohin ■es führen solle, wenn jedem Menschen •das 'Wort im Munde verdreht werde. Wir können mit Genugtuung feststellen, daß diese Taktik nicht nur a g ׳u d i s 11 s c h e n Führern gegenüber beliebt ist,!können׳ es aber (Herrn!Dr. Magnes überlassen, seinen Standpunkt zu vertreten.!In dem (Dementi•, das Dr. Magnes telegraphisch der amerikanischen und palästinensischen Presse übermittelte, verweist er auf seine Aufsätze ■aus den Jahren• :1921 und 1919, die 'beweisen, daß •er ׳nicht etwa unter dem Eindruck der •arabischen Angriffe ■seine jetzige Meinung gebildet (habe. Er erklärt ׳ausdrücklich, daß die Balfour-Deklaration, die so oft feierlich (bestätigt wurde, schon um des Prinzips vou Treu und Glauben im internationalen Leben unbedingt bestehen ׳bleiben •müsse. Sie solle aber aus •einem •Stein des Anstoßes in die Grundlage einer Verständigung zwischea Juden und Arabern verwandelt werden. Die (Möglichkeit bietet ■die (Interpretation ׳des White Papers von 1922, woris Der Kaftan meines Großvaters. Oer!Kaftan, den mein Großvater seligen Angedenkens trug, war lang und schwarz und aus feiner Seide. Er war von peinlicher ׳Sauberkeit und ׳kein Stäubchen daran zu ׳erspähen. Prüfe ich mich gewissenhaft, so muß ich feststellen, ■daß er •auch vom ästhetischen!Gesichtspunkt aus #nt zu ihm!paßte, und ich könnte mir schwerlich eine andere Folie für sein ernstes, nachderiklic'h-sinnendes, ׳von tflnem silbergrauen ׳Bart umrahmtes!Haupt vorstellen . . . JUnd!doch genierte es ■mich einigermaßen, als ich ■ihn eM«s Tages auf einer (kleinen ,Reise begleiten mußte. Es schien mir, als ob die Leute uns sonderbar musterten, und ich glaubte ■in :ihren Augen den 'hellen Glanz der Schadenfreude entdecken zu können. Es war aber, wie man nach meiner ׳kurzen Schilderung einse'hen muß, nicht der ״schmutzige“ Kaftan, der ihnen verächtlich erschien, sondern allem Anschein ׳nach der Kaftan an sich, der eigentlich schöne, würdige und saubere Kaftan ... Diese Feststellung ist von großer Wichtigkeit. Denn es ist bei uns ״aufgeklärten“ ׳Juden selbst, als wir schließlich dahin gelangt waren, unseren eigenen Kaftan nicht mehr nv verstehen, ׳die Ansicht geltend geworden, die Verachtung der (Nationen richte sich ״nur“ ■gegen den schmutzigen, den schäbigen, den polnischen!Kaftan. Modern-nüchtern, rationalistisch-beschränkt, materiaüstisch-stupid haben wir •die Fähigkeit ׳verloren, ׳Dinge und: Zustände auf ihr seelisches!Motiv hin zu erfassen, die mystischen imponderabllien zu׳ erwittern, die oft tiefere 1Wirkungen hervarrufen, als unsere Schullogik es wahr haben will. Eine einfache Erwägung jedoch hätte genügt, uns eines (Besseren zu belehren, de» Antikaftanistnus anders zu verstehen. Man erinnere sich doch nur einmal an die schmutzigen italienischen Lazzaronl, an den notorischen italienischen Schmutz im allgemeinen und an die holde Objektivität, mit der ihm begegnet wird. Ja, dieser (Dreck ,kann ׳unter Umständen und wenn es eine literarische Opportunität erfordert, sogar von ״malerischem!Reiz“ sein . . . Niemandem aber fällt es ein, sich der Erwägung hinzugeben, in welch einem Milieu eigentlich der polnische Kaftanjude lebt und daß er seine. Wixtsvöl'ker, nithenische ,und polnische Bauern, an ׳Reinlichkeit vermutlich noch weit übertrifft. Warum aber soll der polnische Handeljud, der sich auf dem ׳Markt zwischen schmierigen (Bauern bewegt, ׳nicht auch •das Rech t auf seinen Schmutz ׳haben? So also verachtet ׳man weder den schmutzigen Kaftan noch auch •dieses patriarchalische Gewand an sich; man verachtet einfach den Juden — mit und ohne Kaftan. Weshalb aber der. Jude verachtet wird? Dies •nun ist •eine durchaus mystische Geschichte, wovon wir eine L׳ösung, •die uns sehr einleuchtend erscheint, im nachfolgenden anführen wollen. gegenwärtiger u. ehemaliger Heimschützlinge, Dr. Krüger- Heim (fr. Elisabeth - Heim) I I) r Wien, II., Malzgasse 7 Telephon R-43-5-40 SabbalhaKende fördert die Sabbathaltenden I Der große Mose Maimon deutet dieses Probhmn folgendermaßen; ,iWefl G־tt uns Söhne Israels durch seine :Gnad׳e besonders ausgezeichnet und uns zu Trägern der wahre» Religion, der ,wahren Erkenntnis gemacht .,hat, hasse* uns die Völker; •nicht um unserer selbst, sondern um des G-tfHchen willen, das in unserer Mitte lebt, gewissermaß•* um den g-ttlichem Plan zu vereiteln.“ * Um dieser Deutung zuzustimmen, müßte man vorerst daran glauben, daß die Juden die Träger der wahren (Er- ׳kenntnis seien. Man müßte ferner glauben, daß die wahr« Erkenntnis in •der wahren Religion ׳enthalten sei. Schließ- ,lieh aber müßte man!glauben, daß die wahre ׳Religion uns durch die g-ttliohe •Gnade verliehen worden sei. Um aber an die Gnade G-ttes zu glauben, ׳müßte man — vor allem י— an G-tfc glauben! IDie IKaftanjuden aber glauben an Gott und darum — Hände weg von ihnen! Denn sie sind ln!ihrer!besondere» Tracht und!Haltung, in ihren Sitten, ihrer Eigenart und Geschlossenheit tausendmal vollmenschiioher״ erquicklicher und eindeutiger als wir!jämmerlichen Fradfljuden in unserer trostlosen ׳Halbheit und iHalbgläubigkeit. Wir können den anderen •Nationen nicht gut vorschreiben, wie sie sich uns gegenüber verhalten sollten. Aber in unserer Mitte selbst •müßte mehr Achtung, mehr aufrichtige Ehrfurcht vor jenen bestehen, die den Mut haben, Verachtung und Scheelsucht auf sich zu nehmen, nicht um eigenen Vorteils wißen, sondern im ,Verfolg ihrer G-ttes- und Volksidee. Es führen viele ,Wege zum Judeng-.tt! Vielleicht auch einmal der ,über einen schäbige*. Jüdischen Kaftan ... Samuel Taub•* (Uebersetzung aus seinem!jüdischen Original.) 24!!P@!?"