Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 15 (1929)
- Issue
- 49 (20.12.1929)
- Date
- 1929-12-20
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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ffovtaov* v?platn£ povoleni rltdit post teleiralo* v Bratislava «•. 41R7MII-2•. Zeitungen vom Vorleser versendet. Jon mal exp6dte par l'edltear mniepuc ddcccc illlUlylilU ■IlEwwE ORGAH FÜR DIE INTERESSEN DES ORTHODOXEN JUDENTUMS gcdaktion n. Administration! Wien, U.,Leopoldsgaste 16, 1. Stiege, 1. Stock״ — Tel. R 4594־4־.?eckechoslowakeit Bratislava, Poetisch 140. Kneheim jeden Freitag. — Redaktionsschluss: Mittwoch Mittag. &b03mementsp!:sl88» Ganzjährig! Ffir Oesterreich S 16 Tschechoslowakei tschech. K. 8D, Einzelnummer öst. Or. 50, das übrige Atssland 3 Dollar. Zahlungen auf Konto .Jüdische Presse", Wien für Oesterreich: Postsparkassenkonto Nr. D-93614; Deutschland! Post- Scheckkonto Berlin Nr. 122619; Jugoslawien: Postspk.-Amt Zagreb Nr. 40217: Polen: Postspk.-Amt Warschau Nr. 190409; Ungarn: Postspk.-Amt Budapest Nr.50170; Schweiz: Post• scheckk. Zürich VIII. 4117; für die Tschechoslowakei: .Jüdlsche Presse", Bratislava, Postspk.-Amt Prag Konto Nr. 53386 Nr. 49 Wien-Bratislava, 20. Dezember 1929 rin ב־ה וינא־פרעסבויג י״ח כסלו 15. Jahrg. Pie nächste WMmmei1 erscheint aen 3. Jänner g Das Gebot der Stunde. Ohmnvcitcrs ist anzunehmen, daß ein etwa vorhanclenes Bestreben, welches auf die Rcvolutionievung der Welt abzielt, überall dort in Erscheinung tritt, wo irgendwie Unruhe oder Unzufriedenheit in der Bevölkerung schon vorhanden ist. Selten ahnen die Beimruhigten, zu welchem Ziel sie Handlangerdienste leisten. Von diesem Standpunkt aus ist die Vermutung nicht von der Hand zu weisen, daß jenes Bestreben auch bei den Unruhen in Palästina seine Hand im Spiele hat. Es bedurfte ja wirklich nur einer starken Unter- Streichung der vorhandenen oder vermeintlichen Gegensätze, um Irregeleitete zu diesen furchtbaren Ausbrüchen zu veranlassen. Man muß sich dies klar vor Augen halten, wenn man wirklich zu einem erträglichen Zustand kommen will, cler des Sdiutzes der Panzerwagen und Aeroplane entraten kann. Wir wissen, es ist ziemlich schwer, darüber zu schreiben. Die Möglichkeit des Verkanntwerdens liegt so nahe, die Gewißheit eines inhaltslosen Geschreies über Volksverrat ist beinahe völlig gegeben. Und dennoch ist es nicht recht, zu schweigen in einer solchen Zeit! Vor allen Dingen, um zu warnen, vielleicht auch, um zu raten. .Durch die.Stimmen cler jüdischen Presse geht ein Ton, die Warnung vor dem Defaitismus. Das heißt also, die Bitte, sich durch die augenblicklichen Ereignisse nicht entmutigen zu lassen. Das ist löblich und begreiflich, aber umso ernster erwächst daraus den verantwortliehen Stellen die Pflicht, alles zu tun, damit diese Ereignisse nicht den Charakter der Dauer erhalten. Wir verstehen darunter nicht sowohl die Ereignisse der Tat, als lie Ereignisse der Stimmung. Was soll man z. B. dazu sagen, daß fast durch die ganze englische zionistische Presse cler Ruf geht, Palästina dürfe für die Araber im Verhältnis zu ihrem großen sonstigen Gebiet nicht mehr sein als Nabobs Weinberg. Sind denn diese Herren, die doch die Pioniere des Volkes cler Bibel sein wollen, so wenig bibelkundig, daß sie' nicht wissen, daß cs einen unglückseligeren Vergleich überhaupt nicht geben kann, und wo ist denn das jüdisdie Volk, wenn es sich nicht einmütig gegen diesen Vergleich erhebt, und woher nimmt man das Recht, die Araber so zu reizen, daß man es wagt, diesen Vergleich auch nur in die Debatte zu werfen? Das ist verantwortungslose Desperadopolitik, und je inniger man am heiligen Lande hängt, je heißer man seinen gesunden Aufbau wünscht, umso eher muß man gegen dieses Beginnen protestieren. Es wäre Feigheit, zu schweigen, und wir haben Vertrauen, daß besser denkende Menschen in allen Lagern mit uns übereinstimmen. Denn es kommt jetzt wirklich einzig und allein darauf an, die Stimmung zu verbessern und dadurch erst den Boden zu schaffen, auf dem überhaupt eine Verständigung möglich ist. Es ist ebenso zwecklos, wenn jetzt die Vertreter cler arabischen Sache vor cler Inquiry Commission eine ganze Leporello-Liste der sogenannten zionistischen Uebergriffc zum Besten geben und dabei Kleinigkeiten zu phantastisch großer Bedeutung aufbausdien, wie es verkehrt und zwecklos ist, wenn man auf der anderen Seite vcrsudit, die geheimen Fäden der großarabischen Politik bloßlegen zu!vollen. Im besten' Falle gibt man in beiden Punkten Symptome, aber niemals die Wirklichkeiten. Wer seine Hand im Spiel gehabt hat, wissen!vir nicht, aber es ist geradezu eine Anlage diabolischer Wissen gnädige Frau bereits vom Räumungsverkauf in Perücken, Scheiteln, Transformation etc. der bekannten Kunstwerkstätte ■״ Schlauheit, daß man die Westmauer in den Kampf warf. Man wußte, claß dies ein Punkt ist, bei dem jedes jüdische Herz rasdier schlägt, und maditc deshalb aus einer Stätte der Gefühle der heiligen Wehmut ein Politikum. Wer jemals als religiöser Mensch die Westmauer besudite, und das zu einer Zeit, in der nennens-!verte Störungen der Andacht nicht vorhanden waren, der weiß, wie er sich innerlich damit auseinandersetzte, daß auch diesem Weg und auch dieser Stätte das Gepräge des Golus klar innewohnt. Die Umgestaltung cler Kotei Marowi-Fragc zu einem Politikum, das hätten gesetzestreue Geister niemals mitmachen dürfen. Und wir können nicht daran glauben, daß der im Grunde seiner Seele gläubige Anhänger des Islam irgend etwas von den ererbten Rechten rauben will, die den gläubigen Juden zur Möglichkeit der Befriedigung ihrer Herzensbedürfnisse notwendig sind. Wir wagen es auszusprechen, die Angelegenheit der Westmauer ist eine Sache gläubiger Menschen, und jedem anderen rufen!vir zu: ״hands off!“ Es hat nodi niemals in cler jiidisdien Geschichte gutgetan, wenn rein religiöse Belange mit nicht rein religiösen Motiven verfochten wurden. Ebenso selbstverständlich ist es aber auch, daß die Araber wenigstens in diesem Punkt gleidifalls nur rein religiöse Motive obwalten lassen und die Politik von einer Stätte fernhalten, die beiden Kontrahenten heilig ist. Das alles mag im ersten Augenblick als Utopie erscheinen. Wir sind cler Ansdiauung, daß das einzige •Instrument des Friedens die Religion ist und daß religiöse Faktoren sich finden müssen, um audi den Frieden in clie Politik einzureilien. Wenn die zionistische Organisation weitschauend genug wäre, so müßte sie unseren Vorschlägen jubelnd zustimmen. Denn es handelt sidi nidit um Prestige, sondern zunädist um einen realen Erfolg, dann aber in viel höherem Maße um die Geschichte. Ist, wie wir es annehmen, auch clie jüdisdie Gesdiidite nidits anderes als eine Verkörperung der in unserem Schrifttum niedergelegten Lebensform und Verheißung, so muß die Orthodoxie bereit sein, die Verantwortung auf sich zu nehmen, so muß das jüdisdie Volk in allen seinen Gestaltungen sidi gesdilossen hinter clie Möglidikeit stellen, die allein sub specie aeternitatis den jetzigen Zustand zu einem segensvollen umgestalten kann und will. P. K. Jüdischer Frauenarbeit zum Gruß. Durch die Einbeziehung des großangelegten Dok« tor«Krüger«Heims in den bisher engbegrenzten Kreis der orth.«jüdischen Mädchenerziehung wird uns religiös denkenden Menschen ein ganz neuer Ausblick in die Zukunft der jüdischen Erziehung und Weiterbildung unserer Kinder zuteil. Die Mädchenschule soll ausgebaut werden, und im Anschlüsse daran eine Gewerbeschule für Weißnähen und Kleidermachen, unter jüdischer Leitung, in jüdischem Milieu, mit strenger Einhaltung des Sabbatgesetzes! Nicht allein also ist es der Umstand, daß uns die Möglichkeit geboten wird, unsere Tochter auch weiterhin in die jüdische Schule schicken zu können, wenn sie in das Alter kommt, da sie aus dem wohlbehüteten Kinde zum selbständig denkenden Menschen sich entwickelt, und daher diesen Rückhalt des jüdischen Geistes, den Schutz und die Wehr jüdischer Lebensführung mehr dehn je nötig hat — nein, weitaus mehr! Das junge, heranreifende Mädchen wird in jüdischer Gesellschaft, in jüdischer Umgebung und geleitet von jüdischen Lehrkräften einen Berufszweig erlernen kön« שוט כשר (תחת השגחת הרב ד ישעי סורסט שיסשוהל) Erzeugt unter Aufsicht Sr. Ehrwürden Herrn Oberrabbiner Jesala Fürst (Adas Jisroel) Ueberall erhältlich! nen, um seine Selbständigkeit auch auf dem sozial«!virt« schaftlichen Gebiete in streng vorgezeichneten religiösen Bahnen zu erreichen. Bisher wußte es ein junges, jüdisch erzogenes Mädchen nicht, wie es weiterkommen könne; es war rat« los bei der Wahl seines Berufes, es kam ja überhaupt nicht viel in Betracht wegen des ihr gebotenen Schabbos« haltens — und auch das Wenige, was ihr blieb, scheiterte zumeist an den Schwierigkeiten, die sich schon in der Lehrzeit aus eben diesem Grunde geltend machen. Und bittere Zweifel stiegen auf in dem jungen Herzen zwischen dem unentwegten, - unerschütterlichen Festhalten an dem streng jüdischen Erziehungsideal ihres ihr heilig sein sollenden Elterhauses und — den unerbitt« liehen Forderungen der Lebenshaltung im Alltag draußen! Nun aber kann sie beruhigt und zielbewußt ihren Weg ins Leben beginnen, ohne Gefahr, in sittlich«religiöser Beziehung mit den Anforderungen ihres Berufes in Widerspruch zu geraten. Die ״Jüdische Arbeitsgemein« schaft“ hat ihr den Weg geebnet, sie hat ihr die Steine des Anstoßes aus den Weg geräumt . . . Und erst wir Eltern! Wie haben wir gebangt und gezittert, wenn unser Kind — will es was Rechtes lernen, um auf eigenen Füßen stehen zu können — Gefahr läuft, in unjüdische, ja unpassende Gesellschaft zu geraten — das Kind, das wir zur echt jüdischen Tochter erziehen wollten — sie — dereinst die Mutter ihrer Kinder! Wir sind nun an einem erfreulichen Wendepunkt in unserem jüdischen Gemeinsamkeitsleben angelangt. An uns liegt es,, daß wir an diesem Marksteine jüdischer Kultur nicht gleichgültig vorübergehen! Und ganz be« sondern wir jüdischen Frauen: der große Moment, er finde ein großes Geschlecht! Wir wollen nicht kleinlich und engherzig dem großen Aufbauwerk gegenüberstehen. Vielmehr muß jede wahrhaft jüdische Frau ihren Ehrgeiz darein setzen, daß sie unsere jüdische Arbeitsgemeinschaft nach besten Kräften, sei es ideell oder materiell, fördere und stütze! Wir wollen versuchen, ob!vir unsere Kleider und Wäsche, und seien wir noch so anspruchsvoll in dieser Beziehung, nicht ebensogut von jüdischen, schabboshalten« den Arbeiterinnen hersteilen lassen können, hervorge« gangen aus der Arbeitsgemeinschaft des Dr. Krüger«Heims! Wir wollen nicht nur hebräische Konzerte, jüdische Kunst in Konzertsälen bewundern — weit erhebender sei uns das einfache Lied der Arbeit, das uns entgegen« klingt von den Nähmaschinen unserer einzigen jüdischen Arbeiterjugendorganisation. Und darum Gruß und Willkommen dir, du Stätte, da jüdisches Leben und jüdische Arbeit und jüdisches Wissen zu einem Kulturzentrum sich vereinen. Mögest du blühen und gedeihen, und zur Ehre gereichen deinem Gründer,,, deinen Förderern, deinen Lehrern und deinen Schülerinnen, und zur Ehre dem alljüdischen, von Gott und seinen Lehren vorgezeichneten Erziehungsideal! Henny Schreiber. Othmar Schiff Wien I, Kärntnerring 6 (gegenüber Hotel Bristol) U-41-3Z So lange der Vorrat reicht. 20\ Rabatt vom Originalpreis. Verlangen gnädige Frau Gratis- Katalog und Preisliste