Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 15 (1929)
- Issue
- 45-46 (29.11.1929)
- Date
- 1929-11-29
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2629891-2630294-2630337--3475-2635479- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. '4874« JÜDISCHE PRESSE Seile 5 י im Spital erweitert. Bei der Eröffmwisrsfeacr. m welcher alle Behörden und Delegierte aller Judengemein'den aus dem ganzen Reiche vertreten waren. WMrde das Ehepaar Sebestven herzlich gefeiert. Oradea. Der Schlnr- und .1 es ode - Ha 10 r a h - Ve r ei n zu Oradea (Nag.vvärad) will das Jubiläum der 25}ähricen Tätigkeit seines Lehrers Israel Fisch feiern. Obiger Verein ersucht sämtliche gewesenen Schüler des Herrn Israel Fisch. Ihre Adressen dem Herrn Eugen Leichtmann zu Oreda, Strada Astra 6. bekanntsreben zu wollen. Der BethaHamidrosch der Aguda*Jugend in Oradea. Zu Beginn des Zman wurde der neu erbaute Beth*Hami* drosch der Jugendgruppe eröffnet. Anläßlich der Einwei* hung wurde eine großartige Abschiedsfeier all jener Baehurim veranstaltet, bei welcher alle Rabbiner und Gelehrte der Stadt anwesend waren. Antwerpen. Am 12. November 1929 fand die jähr* liehe Preisverteilung und die Feier des dritten Gründungs» tages der Benoth Agudath Isroel Antwerpen statt. Die Feier wurde mit einer Rede von Frl. F. Wachsstock eröffnet. Sic gedachte vor allem des dreijährigen Be* Stehens der Antwerpener Mädchengruppc; sprach sodann über das jüdische Mädchen der Gegenwart und die Ge* fahren, denen es ausgesetzt ist. Nun kam die Verteilung der mit Liebe ausgewählten Bücher. Nach einer Pause sprach Frl. L. Ratzersdorfer übet die Eindrücke, welche die Kennessio in Wien auf sie gemacht und be* richtete über die Frauentagung. . Kelillljawahlen ln Krakau. In-der Plenarsitzung des Krakauer Kehillaratcs stand am Sonntag den 10. November cfie Wahl der zwölfgliedrigen Verwaltung auf der Tages- Ordnung. Das Interesse war so stark, daß man den Zuhörerraum vor dem Andrang absperren mußte. Dr. Landau er öffnete die Sitzung bei Anwesenheit von 25 Ratsmännern und teilte mit. daß die Listen des Präsidenten, der Gesetzestreuen und der Agtidas Jisroel als verbundene Listen anigemeldet seien. Es wurden nun die Wahlen vorgenommeti. die. folgend« Resultat ergaben: Liste 1 erhält zwei Mandate, und zwar Dr. R. Landau und Dr. G. Oberländer. Die Handwerkerliste bekommt ein Mandat (H. Goldschmidt). Die ziönistiscbrmisracbistiscbe Liste erhält drei Sitze. Auf die Aguda entfallen fünf Stimmen und drei Mandate. Es sind gewählt die Herren Moses Deutscher. Chatim Fröhliä und Itsche Banminger. Dazu kommen die unorganisierten Gesetzestreuen mit zwei Mandaten, und zwar die Herren David Landau und Moses Wolf. Die Orthodoxie ist somit in der Kehillaverwaltutig mit fünf Stimmen vertreten. Interessant kt. daß Misrachi zuerst Fühlungnahme mit den Bobower Ghassidim suchte. Da aber Misrachi trotz seines Versprechens keine eigene Liste aufstellte, sondern mit den Zionisten ging, traten dre Chassidim zurück. Die Orthodoxie, die allein über fünf Stimmen verfügt, stellt mit den anderen nicht zionistischen Gruppen eine Mehrheit von acht gegen vier Zionisten in der Kebilla- Verwaltung dar. Die Freude in den orthodoxen Kreisen ist durchaus berechtigt. Die Ke'hiilamehrheit sucht aber mit allen Mitteln eine Arbeitsgemeinschaft auch mit der zionistischen Fraktion herznstellen; um eine Zersplitterung zu vermeiden und ■gedeihliche Arbeit zu leisten. , Chissinau (Bessarabien). Die hier zum ersten Maio auf Grund des neuen Gesetzes stätt.gehabten umfassenden Wahlen in die Gemeinderenr äsen tanz entfesselten in den letzten Wochen einen lebhaften Wahlkampf. Es waren nicht weniger als 14 Listen von den Parteien eingereicht, dir» in den Wettbewerb bei der Wahl der 71 Mitglieder der . Gemeinclevertretunig eintraten.. Von orthodoxer Seite lagen drei Listen vor. eine offizielle der Agudas Jiaroel, eine der Synagogen und Bethamidrasch, an deren Spitze Qberrabbiner Zirelsobn stand, und endlich eine Sonderliste •der Talmud Thora, die ebenfalls agudistisch ist., Gewählt wurden auf die offizielle agudistische Liste 5, auf die S.vnagogenMste 10 und auf die dritte orthodoxe Liste 4 Vertreter. Unter den übrigen Parteien ist ebenfalls eine ganze Anzahl streng gesetzestreuer Kandidaten, so daß trotz der Wahl von 12 Zionisten und 8 Bundisten von Fall zu Fall auf eine orthodoxe Mehrheit gerechnet werden kann. Rabbi Saul Mordechai Schapiro זצ״ל Rabibi Sau? Mordechai Schapiro. eine der bedeutendsten Persönlichkeiten der Antwerpener Judenheit, ist ins Grab gesunken. Rabbi Schapiro entstammte einer jüdischen Adeisfami'Me zu Krakau. Er war ein Enkel des מגלה ע מזיקות und selber ein Talmld Chochom groben Formats, nebenher aber ein Mann von großem Wohftätigkeitsstrm und reicher Lebenskluigheit. Einer seiner Söhne ist der im öffentlichen Leben bekannte Herr Koppel Schapiro, Präsident der Aigudas Jisroel und der Jesode-Hathora-Schule in Antwerpen, auch führendes Mitglied in der Zentrale der ״Machasike Hadaß“. Der zweite Sohn. Oscher Schapiro fn Krakau, ist eine Stütze der dortigen Orthodoxie und hat sich unsterbliche Verdienste um die Bais-Jakauw-Bewegung in Polen erworben. ' Er ist‘ auch Mitglied der Kehillaverwaltung in Krakau. Rabbi Saul Mordechai Scha- Piro erreichte ein Alter von fast 70 Jahren. Tausende gaben •ihm das letzte Geleite. In der Buchhandlung Rubin Maß, Berlin-Charlottenbur-g. Kantstraße 46, ist soeben ein neues hebräisches Lehrbuch von Dr. F. Schargarodska erschienen. Der Lese- und Uebungsstoff in diesem Lehrbuch behandelt ausschließlich das Leben im heutigen Palästina. Dem Buch sind 106 l'Hustratiopen von Palästina be!gegeben. Näheres ®'!ehe im Inserat. Eine angenehme Nachricht lür unsere Leserinnen, Wie wir erfahren, hat sich die unseren geschützten Leserinnen bestbekannte Kunstwerkstätte für moderne Haararbeiten Othrnar Schiff, Wien, I., Kärntnerring 6, entschlossen, ihr reidiassortiertes Lager an vorzüglidien Periideen, Scheiteln, Transformationen usw., der schweren Wirtsdiaftslage Rechnung tragend, mit einem Ausnahmsrabatt von 20 Prozent der Originalpreise zu verkaufen. Die Lagerarbeiten sind während der Stagnation mit größter Sorgfalt aus feinstem Material angefertigt worden. Durch ihren tadellosen Sitz und ihre sonstigen Vorzüge erfreue« sie sich allgemeiner Beliebtheit und internationalen Rufes, Wir glauben daher, daß unsere geschätzten Leserinnen diese günstige Gelegenheit nicht vorübergehen lassen werden, oline von diesem seltenen Angebot reichlich Gebrauch zn machen. Alle Mitglieder der Verwaltung der jüdischen Gemelnde von Leningrad zu Zwangsarbeit verurteilt. Nach einem Prozeß, der mehrere Tage and<an1erte» wurden sämkich« elf Mitglieder der Verwaltung der jtidiseihen Gemeinde Leningrad von dem Leningrader Gericht zu Zwangsarbeit von vier bis sechs Monaten verurteilt. Unter den Verurteilten ist auch der 77 Jahre alte bebräis<jhe Schriftsteller Leon Rabbinowltz, der einstige Chefredakteur der großen hebräischen Tageszeitung ״Hameiiz". NBUERÖPFNETE REICHHALTIGE MODERNE LEIHBIBLIOTHEK DER BÜCHERSTUBE M. RATH WIEN, II., TABORSTR ASS■ Nr. 20« TELs R-43-1-58. ALLE NEUERSCHEINUNGEN! REICHE AUSWAHL IN H1BRAIKA UND JUDAIKA! MONATSGEBUHR NUR S 3.- KEINE BANDGEBÜHR! TÄGLICHER UMTAUSCH! Der Prozeß begann am ersten Rosch Hasabanah- Tage. Seinem Ausgang wurde mit äußerster Spannung entgegengesehen, Graubärfige Juden und junge Kommunisten füllten d׳as große Gericfotsziromer bis aut den letzten Platz. Die Anklageschrift warf den Angeklagten vot. daß sie sich als die Führer der jüdischen Gemeinde das Recht richterlicher Personen angemaßt haben. Im einzelnen lauteten die Beschuldigungen wie folgt: L Die Gemeinde- Verwaltung wandte sich an die jüdische Bevölkerung mit einem Aufruf, Gelder für die Renovierung der großen Ghor- Synagoge zu spenden. 2. Die Gemeinde hat einen Teil des Verwaltungsgebäudes an eine Produktionsgenossenschaft vermietet, sie hat also Privatgeschäfte gemacht. 3. Die Gemeinde hat mit Kasohruthaufsehern, Tempeldienern und anderen religiösen Beamten Abmachungen getroffen, wodurch sie sich administrative Rechte anmaßte, die ihr nicht zustehen. 4. Die Gemeinde versuchte, die Verteilung von Koscherfleisch unter den Gemeindemitgliedern zu beeinflussen. 5. Die Gemeinde stand mit ausländischen jüdischen Organisationen ln Verbindung und erhielt von diesen zu den vergangenen Pessachtagen 80,000 Pud Mazzoth. 6. Die Gemeinde erhielt Beträge für die Bestattung jüdischer Leichen auf dem jüdischen Friedhof, obwohl der Staatsowjet sich als Inhaber des Friedhofes betrachtet. Die Verteidiger Advokat Krasni-Admonj und Advokat Levidow wiesen da-rauf hin, daß die Ghorsynagoge eine Warnung von der Behörde erhalten hat, daß sie. wenn sie nicht bald renoviert wird, der Beschlagnahme verfallen werde: die Gemeinde mußte also Mittel zur Renovierung der Synagoge beschaffen. Schließlich habe die Gemeinde von Leningrad nicht 80.000: sondern 18.000 Pud Mazzoth aus dem Auslande, und zwar auf Grund einer Erlaubnis seitens ddr Zentralregierung erhalten. Der Richter hielt die Anklagepunkte für nicht entkräftet und sprach die erwähnten Urteile. Die Verwaltung der Gemeinde wurde für aufgelöst erklärt. Unter der Judenschaft von Leningrad herrscht tiefe Niedergeschlagen- :heit. . . . Die Leningrader jüdische Gemeinde Ist die zweitgrößte (die größte Gemeinde ist in Moskau) Gemeinde in der Sowjetunion. Vor einiger Zeit wurde ihr von der Regfermig die Erlaubnis erteilt, eine Konferenz aller jüdisehen Gemeinden Sowjetrußlands einzuberufen. Die Kotifereuz kam aber nicht zustande , In Minsk zwingt man Jüdische Kinder, am ,?om Kippur die Schulen zu besuchen. Moskau, 11. Oktober. (J. T. A.) Die antireligiöse Kampagne aus Anlaß der jüdischen Feiertage wird besonders scharf in Minsk geführt. In den jüdischen Schulen wurden die Kinder au'tgefordert, am jüdischen Versöhnungstag zur Schule zu kommen. Am Kol Nidre-Abend werden für die Kinder in den Schulen Konzerte veranstaltet. Bald zwei Millionen Juden in New York, Nach einer Mitteilung der New York Jewish Communal Survey gab es im Jahre 1928 in New York 1,835.000 Juden. Nach der Schätzung dieser Kommission wird New York in weniger als fünf Jahren zwei Millionen Juden zählen. Die Kom* mission stellt ferner fest, daß sich die wirtschaftliche Lage der Juden in New York allmählich bessert; die Zahl der vom öffentlichen Wohlfahrtswesen abhängigen Familien nimmt zusehends ab. Nach einer Mitteilung von Dr. H. S. Linfield vom Büro für jüdische Statistik und Forschung zählte man im September 1928 in den Vereinigten Staaten 4,228.029 Juden, tHKAaiWUMMiRMlMVRRRRR VflWRR M0MJMMUM0MM Ml Tsch ec hoslowakei HHHaBBSI «1 Die Studenteminruhen. An den Hochschulen in Prag, Brünn und nun auch in Bratislava haben sich in der vorigen Woche tumultuöse Szenen abgespielt. Unsere, Universitätsjugend hat den Fremdenhaß und den Antisemitismus ihren Heben Korn! militiönen in Budapest, Bukarest, Lemberg und Wien gar zu schnell abgeguckt und bringt den ausgezeichneten Namen der tschechoslowakischen Republik in den Verruf jener Staaten, in ■denen lieblose Unduldsamkeit gegen ausländische Mitstreber und grundloser Judenhaß zu den ״Tugenden“ zählen, die die Jugend wohl kepnt. Aus den freimütigen und strengen Kundgebungen der Rektoren unserer Hochschulen und aus dem ganzen Verhalten un* serer Regierungs* und'Polizeibehörden diesen offensicht* lieh vom Au91ande aufgehetzten Radaustudenten gegen* über geht klar hervor, daß sämtliche verantwortungs* bewußten Stellen in unserer Republik ernstlich entschlos* sen sind, den überschäumenden Eifer der studierenden Jugend in die Grenzen zu bannen, die ihm der liberale Geist und der gute Ruf unseres Staates ziehen. Der Staat, den! Thomas G. Masaryk das Gepräge gibt, erhält seine Universitäten, damit die akademische Jugend an ihnen lerne und sich auf allen Gebieten menschlichen Wis* sens ertüchtige, wie es ihr persönliches Wohlergehen und das wohlverstandene Gemeininteresse eines jungen Staates erfordert, und nicht um als Tummelplatz für ungerechten Haß und schmachvolle Gewaltakte gegen junge Menschen zu dienen, die nichts verbrochen haben als daß sie ebenfalls dem Studium obliegen und sieh gleichermaßen an den Quellen der Wissenschaft für ein Leben, das ihnen der Kämpfe und Widerwärtig* keiten noch genug bieten wird, mit Kenntnissen und Fähigkeiten ausrüsten. Sind an räumlichen oder anderen technischen Verhältnissen im wissenschaftlichen Betrieb unserer Hochschulen ־ tatsächlich empfindliche Mängel wahrzunehmen, so ist es Pflicht unseres Staates, f i n a n* zielle Opfer nicht zu scheuen, um Abhilfe zu schaffen und die aufgetauehten Schwierigkeiten schleunig zu bei seitigen. Nur e i n Opfer kann und darf der tschechoslo« wakische Staat nicht bringen: die Untergrabung der geistigen, moralischen und politischen Grundlagen, auf denen er auf gebaut ist, näm* Hch die restlose Gleichberechtigung aller Staatsbürger und die uneingeschränkto gegenseitige Duldung aller Konfessionen und Rassen in dem rechtmäßigen Streben ihrer An gehörigen nach''geistigen oder materiellen Gütern, die der Gesamtheit zu* güte kommen, Mag man auch vielleicht über das übereifrige Hin» drängen der jüdischen Jugend im In* und Auslande zu den Universitäten bei der gegenwärtigen weltanschaulichen Einstellung mancher ״wissenschaftlichen“ Disziplinen auch unter uns Juden verschiedener Ansicht sein und nament» lieh die innere Entfremdung vom wahren, historischen, religiösen Judentum, die gerade in den akademischen Berufen &ueh in unserer Republik י-י wie fast überall n den östlichen Landern, wo das ״Licht der Wissenschaft’* noch zu sehr blendet — geistige Verheerungen anrichtet, vom jüdischen Standpunkte schmerzlich be# dauern, so darf darüber kein Zweifel herrschen, daß die gesamte tschechoslowakische Judenbeit einig ist darin, was sie angesichts der Tumulte an den Hochschulen von der Regierung erwartet: ausreichenden Schutz ■ für die Gleichberechtigung der jüdischen Universitätsjugend mit den Angehörigen der anderen Konfessionen und vor allen Dingen Festigkeit in ihrem. Entschluß und in ihren Maßnahmen, die studierende Jugend an .den tschecho« slowakischen Hochschulen yorderS e lb s t* befleckung mit dem Geist des Ant.isemi* tIsmus zu bewahren. Noch ist kein Grund vorhanden, die beschämenden Ereignisse an unseren Hochschulen anders als einen vorübergehenden Erfolg einer im stillen wirkenden und unbemerkt die Seele der studierenden Jugend vergiften» den Hetze politischer Dunkelmänner zu betrachten. Sie' sind aber ein Signal laut genug, um alle diejenigen zur Wacht aufzqrufen, die in der vollkommenen Gleichbe» rcchtigung aller Staatsbürger im gesamten öffentlichen Leben allein den inneren Frieden und das Wohl des• Staates verbürgt sehen. Civis Judaeus.. Getäuschte und Enttäuschte. Die Führer der Zionisten und jüdischen ״Nationalisten“ geben sich seit dem Bekanntwerden des Wahlresultates redlich Mühe, allenthalben Begeisterung und Siegesjubel darüber zu wecken, daß zwei ihrer vordersten Mannen bald das Glück haben werden, ihr ״Judentum" im tschechoslowakischen Parlament als ״einzige“ Bevollmächtigte der jüdischen Wähler zu vertreten und für die Rechte einer zionistisch-jüdischen ,,Minderheitsnationalität“ mit Löwenmut zu kämpfen. Und doch scheint es, daß die Freude nicht ,recht aufkommen will. Man hat vor den Wahle« allzu große und allzu laute Worte gesprochen und den ״Mitkämpfern‘ vor den Wahlen so allerlei versprochen״ daß die Wirklichkeit der bitteren Tropfen der ״Enttäuschung“ .,nun allzu viel enthält. Da will und muß mau sich und dem arg bedrängten Gemüt . irgendwie Luft machen, zumal man in Wahrheit den nunmehr ״bevollmächtigten“ Führern sehr wenig vertraut oder, vielleicht auch sehr viel zutraut. Es möchte doch eigentlich niemand unnötigerweise die Rolle des ״betrogenen Betrügers“ übernehmen und zieht es vor, um der ()Öffentlichkeit gegenüber noch ein Wort sagen zu können, ״getäuschter Enttäuschter“ zu sein. Das bringt naturgemäß unter den gegebenen Umständen recht komische Situationen mit sich. Am komischesten wirken natürlich die Auslassungen derjenigen unter den ״Enttäuschten", die sich selbst Führer dUnken und nun von einem bangen, aber durchaus unbegründeten Gefühl der Furcht beschlichen werden, die jüdischen ״Massen“ könnten s i e, die sich ״Führer“ glauben, für die groben Wahltäuschungen ״verantwortlich“ machen. In ihrer heillosen Furcht vor der Nemesis schlagen die Armen um sich gegen die Orthodoxie, die Rabbiner und — selbstverständlich — gegen die Aguda und alle möglichen Menschen und Körperschaften, die mit ihnen, diesen hochwichtigen nationalen Führern des ״Gesarotjuddn״ tums“ nämlich, nicht an einem Stricke ziehen wollten. Eine kleine Auslese dieser Auslassungen in den Preßorganen dieser ״Jüdischen Partei“ wird genügen, um unseren Lesern die gemütliche Situation unserer ״Min׳ derheitsnationfllisten“ deutlich zu veranschaulichen. In der ״Jüd, Volkszeitung״ Nr, 41, dem hochoffizielle« Organ der ,jüdischen Partei" für die