Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 15 (1929)
- Issue
- 45-46 (29.11.1929)
- Date
- 1929-11-29
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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;fÜmSÜRE PRESSE Seite d Nr. 45/46 Lebeasversichsrongs ־ Gesellschaft ( _ 5: 2 וווווווווווווווווווו1וווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווו Gegründet 1882 Gegründet 1882 IMmgsMnil Ent! Mal 1929 2009 Millionen Mag Barantiemittel Ende 1920 . 2J0 Miitoo Shilling PrSmianai 2ineHM 1 jaiire 1928 ■ 97'/פ Millloien Sdiilling Tätigkeitsfeld der Gesellschaft: Oesterreich, Deutsches Reich, Tschechoslowakische Republik, Belgien, HollanJ. Frankreich, S anien, Italien, Ungarn, Polen, Jugoslawien, Bulgarien, Griechenland, Rumänien, Palästina, Syrie 1, Türkei, Aegypien Amtliche Verlautbarungen der Israel. Kultusgemeinde Wien. Aus der Plenarsitzung des Wiener Kultus• Vorstandes vom 26. November 1929 Traurige Ziffern. [ Dev statistische Ausweis über die Monate Septem* hier und Oktober d. J. weist folgende Daten auf: Gesamt־ zahl der vorgenomtnenen Trauungen: 234, Gesamtzahl der vorgenommenen Ehetrennungen ,63, Gesamtzahl der Sterbefälle 390, Gesamtzahl der Geburten: (117 männlich, 93 weiblich) 210, Gesamtzahl der Austritte: 147, Gesamt* zahl der Eintritte und Rücktritte 44. Vom Steueramte der I s r. K u 11 u s g e* m e i n d e liegen Konsignationen vor über die in der Zeit vom 18. August bis 2. November d. J. aus dem Judentum ausgetretenen Kultussteuerträger. Dieselben verzeichnen den Ab falT von 73 Kultussteuerträgern, von welchen 42 eine Kultussteuer zwischen S 1 und. S 10, 22 eine solche zwischen S 10 und S 50, fünf zwischen S 50 und S 60. zwei S 100 bis 150, einer S 300 und einer S 600 ent* richteten. Bemerkenswerfe Ereignisse. Von besonders bemerkenswerten Ereignissen, die das Präsidium beschäftigten, seien die folgenden hervor* gehoben: י Am 3. Oktober d. J. hat mit einer stillen Feier der neuerbaute Tempel im XIII Bezirke die Eröffnung gefun* den. Das Präsidium der Kultusgemeinde, welche durch ihren ansehnlichen Suhventionsbeitrag das Zustandekom* men des Tempelbaues wesentlich förderte, hat an dieser Feier teilgcnommen.; Am 13. Oktober d. J., am Vortage des Versöhnungs* festes, hat in besonders feierlicher Weise die Weihe der K r i e g e r d e n k m ä l e r auf der israelitischen Abteilung des Zentralfriedhofes stattgefunden. Die ausführlichen Be« - richte der Tagespresse und der jüdischen Blätter erübri* gen einen detaillierten neuerlibhen Bericht. Das Präsidium kann jedoch verzeichnen, daß dieser Pietätsakt des Kultusvorstandes im Kreise der Gemeindemitglieder W:11 r d i g u n g und Anerkennung gefunden hat. Am 3 November d. J. .hat das Präsidium beim Herrn Bundeskanzler Schöbe r in Angelegenheit des Ansuchens der Kultusgemeindcn um einen Staatsbei* tra'g vorgesprochen und den Anlaß wahrgenommen, um den Herrn Bundeskanzler eingehend über die einschlägige Materie und die Berechtigung des gestellten Begehrens zu informieren; Die ׳ stattgehabte Aussprache läßt erwar* teiv.daß nunmehr dje schon so länge anhängige Angele* genheit in Bälde in das entscheidende Stadium gebracht werden wird.; Die Landesregierung von Wien hat zum Zwecke der Berichterstattung an das. Bundesministerium für Unterricht eine eingehende Prüfung der Rechnungs* äbschlüsse und Voranschläge der Kultusgemeinde unter vergleichsweiser Heranziehung der Vorkriegsergebnisse v'orgenotnmen und es wurde den Vertretern der Landes* regierung Gelegenheit geboten, auch in den Dienstbetrieb der einzelnen ז Aemter der Kultusgemeinde Einsicht zu nehmen. Als in den ersten Novembertagen dieses Jahres die antisemitischen י Ausschreitungen in den Wiener Hoch* schulen :sich ereigneten, hat das Präsidium der Isr. Kultus* gemeinde unverzüglich einen Empfang durch den Herrn Bundesmfnister für Unterricht erbeten, der auch am 8C November d. J, stattfand. Das Präsidium hat sofort nach dem Emnfange durch die Aussendung eines Com* ipüniquös an die Tagespresse und an die jüdischen Blätter die Oeffentjichkeit von dem vollzogenen Schritte und dessen Ergebnissen in Kenntnis gesetzt. Gefangenenfürsorge. Im Jal\re!928 hat das Justizministerium der Kultus* gemeinde die Geneigtheit bekanntgegeben, einen Betrag votieren; zu \yollen, yrenn seitens der jailtusgemeinde eine geeignete Persönlichkeit bestellt wird, um einmal irp Monate •in der Strafanstalt Stein Pastorievungen, so lautet der hiefür 'gebrauchte Ausdruck, vorzunehmen. Das Präsi* cßum war sich darüber im klaren, daß es nicht genügen kann, wenn ein rabbinischer Funktionär etwa einmal im Monat eine Predigt vor den jüdischen Häftlingen dieser Strafanstalt^ hält; daß vielmehr nebst den Seelsorger* ügehderi au9h'fürsorgerische versehen werden müssen. ׳• In der Persqn des Professor Dr. Kupfer wurde eine solche' geeignete Kraft erkannt. Es wurden ihm unter Zustimmung des'Justizministeriums diese Agenden über* ttägen und es wurde das Tätigkeitsgebiet des Herrn Pro* fessor Dr.' Kupfer noch dadurch erweitert, daß er seitens der KaJtiisgeM.eihdo aucb ‘n die außerhalb Wiens ge le* genen FürsÖrgeqnstalten der Stadt Wien, wie Ybbs, Maüer־Oehling usw., peeriodisch entsendet wird. Professor Pn.. •Kupfer widmet sich diesen Agenden in höchst anerkennenswerter Weise. Es gelingt ihm da* bei, die ynte־rst(itzVng von Personen außerhalb der Kul* |asgemeinde zu finden und auch das Entgegenkommen־ Die ״Talmad-T110ra“׳V01kssct1ale in Wien. (Ein Beitrag zur inneren Geschichte der Wiener Judengemeinde.) Von L. Moses. (Fortsetzung.) Wenn sich auch ein direkter aktenmäßiger Beleg für die Gründungszeit der Talmud Thora, wie oben erwähnt, nirg־mds vorfindet, so geht doch aus zwei im Vereinsarcliiv des Wiener Magistrats befindlichen Schriftstücken — wenigstens indirekt — in einer allen Zweifel ausschließeuden Weise hervor, daß wir diese Gründungszeit, wenn wir schon nicht, dem zweiten dieser Dokumente fölgend, das Jahr 1849 annehmen, doch diese Gründung nicht erst in das Jahr 1851 verlegen, sondern 1850 als Gründungsjahr ansetzen und demnach im Jahre 1930 das achtzigjährige Jubiläum unserer Schule feiern können. Die hier folgenden amtlichen Schriftstücke sind aber nicht nur insofern״ von Bedeutung für die Geschichte der Talmud-Thora, als sie einwandfreie Zeugen für ihr Alter darstellen. Sie zeigen darüber hinaus auch schon gleichsam in einem Querschnitt ein deutliches Bild der Kämpfe um die Existenz der Schule, die zunächst auf dem neutralen Boden der staatlichen Behörden ausgetragen wurden. Wir sehen auch innerhalb dieser Behörden die Meinungen geschieden und erfahren, daß Magistrat, Polizeibehörde und Staathalterei geneigt waren, die Schulgriindung zu untersagen, da sie in jüdischen Angelegenheilen die unbedingte Autorität des jüdischen Gemeindevorstandes gewahrt wissen wollten, während die höchste Tnstanz, das zuständige Ministerium mit dem auf dem Schriftstücke III eigenhändig fertigenden Grafen Thun an der Spitze, die Richtung des Widerstandes an« deutet, der dem Vorstande der jüdischen Gemeinde entgegen einer, wie wir heute wissen, guten Sache zum Durchbruch verhalf, I. HochlÖbl. k. k. Statthalterei für Niederösterreich! Wie die hohe Statthalterei aus den anruhenden Verhandlungsakten hochgefälligst zu entnehmen geruhe, so werden in dem Hause Nr. 15 in der Leopoldstadt bereits seit dem Jahre 1850 über Veranlassung des k. k. Hofwechslers Ignaz Deutsch ohne vorausgegangene behördliche Bewilligung ungefähr 60 bis 80 schulpflichtige israelitische Kinder mehrerer Familien außer den gewöhnlichen Schulstunden versammelt und durch die beiden Privatlehrer Salomon Bendiner und Salomon Weiß einzig und allein im Urtexte der heiligen Schrift unterrichtet. Da Ignaz Deutsch zur Errichtung dieser selbständigen israelitischen Religionsschule, die mit dem hohen Studienhofkommissions-Dekrete vom 12. September 1814 vorgeschriebene besondere behördliche Bewilligung nicht erwirkt hat und da auch die als Religionslehrer daselbst in Verwendüng stehenden Salomon Bendiner und SalamonWeiß das mit der h. Regierungs-Verordnung vom 21. Mai 1822, Z. 20517, vorgeschriebene Lehrfähigkeitszeugnis nicht ausweisen konnten, so wurde ■bereits unter dem 23. April 1856, Z. 1642, dem Ignaz Deutsch wegen Unterhaltung einer Religioiis- Winkelschule und Verwendung von Winkellehrern eine ernstliche Verwarnung erteilt und die Schließung dieser Anstalt nach Verlauf von drei Monaten, wenn das dahin die hodiortige Genehmigung züm Fortbestände derselben nicht erfolgt sein sollte, aufgetragen. Ungeachtet der unter dem 4. September v. J. erwirkten weiteren Frist von drei Monaten hat Ig. Deutsch bisnun die hochortige Genehmigung zum Fortbestände der fraglichen Religionssdiule nicht nachgew'esen und in dem beiliegenden Gesuche A um eine weitere Frist bis Ende Jänner 1857» in dem sub B angesdilossenen Gesudie aber um eine weitere Frist von drei Monaten gebeten. Da Bittsteller sidi h. o. über das bereits am 16. Juli 1856 bei der k. k. Polizeidirektion gestellte Ansudien um die Bewilligung zur Gründung eines Talmu-Thora-Vereines ausgewiesen hat, womit die fraglidie Religionssdiule nach der von der k. k. Polizeidirektion anhergelangten Mitteilung in Verbindung gebracht werden soll, so sieht sich der Magistrat, der sich zur Erteilung eines weiteren Termins nicht mehr für ermächtigt hält, weldiem andererseits aber der nähere Stand der höheren Orts schwebenden Verhandlungen nicht bekannt ist, veranlaßt, der hohen k. k. n.-ö. Statthalterei das vorliegende Einschreiten des׳;,k;,;k.. Hofwe.dislers Ig. Deutsdi zur weiteren hodigefälligen Entscheidung , zu unterbreiten, ob mit der Schließung der genannten Schule bis auf weiteres eingehalten werden soll oder nidit. Wien, am 27. Februar 1857. Der Bürgermeister. II. Das zweite dieser Sdiriftstücke ist ein vom 8. Juni 1857 datiertes internes Protokoll der n.-ö. Statthalterei, das dem Kultusministerium vorgelegt wurde, Das Schriftstück beginnt mit den Worten: ״Der k. k. Hofwechsler Ignaz Deutsdi, der Wiener orthodoxen Judensdiaft angehörig, unterhält seit dem Jahre 1849 in der Leopoldstädt auf seine Kosten eine Religionsschule...'* Im weiteren Verlaufe dieses Aktes, dessen vollständige Wiedergabe, da neue Tatsachen in ihm nicht zum Vorsdipin kommen, hier unterbleiben kann, spridit sich die Statthalterei gegen die Genehmigung der Schule aus. Uns interessiert an ihm hauptsächlich die Fixierung des Gründungsjahres und wir wenden uns einem weiteren Aktenstück zu, das zwar keine definitive Entscheidung zeigt, für uns ־ aber schon wegen der Unterschrift, die es auf weist, von Interesse ist. ״ III. Ministerium für Kultus und Unterricht. Die k. k. Statthalterei hat über die beiliegende Vorstellung des k. k. Hofwechslers Tg. Deutsch gegen den Auftrag des hiesigen Magistrats, eine von ihm gegründete und unterhaltene israel. Religionslehranstalt zu schließen, bis 5. k. M. unter Anschluß der verhandelten Akten aufklärenden Bericht zü erstatten, mit der angeordneten Schließung ist bis zur definitiven Erledigung dieser Angelegenheit innezuhalten und hievon Ignaz Deutsdi zu verständigen. . Wien, den 28. Mai 1857, Thun ni. p. An die k. k. Statthalterei für Niederösterreich. (Fortsetzung folgt.) p der in Betracht kommenden Behörden und Aemter mit Erfolg in Anspruch zu nehmen. Seitens des Präsidiums der Kultpsgcmeinde wird die ersprießliche Tätigkeit des Herrn Professor Dr. Kupfer tatkräftigst unterstützt, in* dein ihm fallweise die für Unterstützungszwecke und Hilf »werke erforderlichen Mittel zur Verfügung gestellt werden. \ Die Finanzkommission hat sich bestimmt gefunden, einen besonderen Kredit für die Hilfszweige, soweit' sie nicht schon im Fürsorgebudget Bedeckung finden, zu votieren. Bibelschulen. Ordentliches Steuerverfahren.; Ueber das erfreuliche Anwachsen von Bibelschulen referierte, der Obmann der Schulkommission Dr. Ticho. Auf Antrag des Finanzreferenten R. R. Dr. Oppenheim würde für das Jahr 1930 das ordentliche Steuerver* fahren beschlossen. Vor Eingang in die Tagesordnung widmete Präsident Prof. Dr. Pick dem verblichenen Rabbiner des X. Bezirkes, Prof. Dr. Mandel, und dem Führer der Orthodoxie in Wien, Bernhard Hofbauer,' warme Worte des Gedenkens. Predigten in den israelitischen Kultusgemeindetempeln. Freitag, den 29. November werden bei dem um 4 Uhr (0 Min. beginnenden Abendgottesdienst in folgenden' Gemeindetempeln Predigten abgehalten, und zwar; II., Tempelgasse 5 (Rabbiner Dr. M. Grunwald): XVI., Hubergasse 8 (Rabbiner Dr. J. M. Bad!). — Samstag, den 30. November findet beim Morgengottesdienst (Beginn 8 Uhr 30 Min.) im Gemeindetempel XVIII״ Sdiopenhaiierstraße 39 (Rabbiner Dr. D. Feuchtwang), ein exegetischer Vortrag statt. Israelitischer Jagendgottesdienst. Am Samstag, den 30״. November findet um 3 Uhr nachmittags der• Jugend« gottesdienst für die israelitische Schuljugend in den Gemeinde- und Bezirkssynagogen statt «י *®otAs u.täaupk<fiu&ßr%naStn, mdTläddvtmilOfinlMJQäsrafil a. Vlatzgassetö