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Jüdische Presse · 1929-11-22 · 44 (22.11.1929) · page 2

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Journal
Jüdische Presse
Volume
15 (1929)
Issue
44 (22.11.1929)
Date
1929-11-22
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 JÜDISCHE PRESSE Nr. 44 Rücken. 1Es gelang dem Verletzten, in das Vestibül zu gelangen, wo ihm die erste Hilfe geleistet wurde. Er wurde sodann in das Hadassahsoitail gebracht, wo ihn Chefarzt Dr. Wunderlich in ,Behandlung nahm. Es ׳zeigte sich eine Süßere Wunde zwischen dem Schulterblatt und der ׳Wirbelsäule zwischen der dritten und vierten!Rippe, vier ׳Zentiimeter ׳längensenkrecht auf den Zwischenrippenraum, wodurch die Heftigkeit des Stoßes gemildert und die (Richtung abgelenkt wurde, so daß eine bedeutende!Verletzung der Lunge unwahrscheinlich erschien. Der große Blutverlust war beängstigend. Dr. Wunderlich verordnete dem;Pa-!tienten unbedingte und absolute )Ruhe und verbot!jedem Besucher den Zutritt. Ue'ber die Person des Täters fehlt!jede verläßliche!Angabe.!Man weiß nur, daß er ein Araber in europäischer!Kleidung war. ׳Lieber •die!Ursachen des Atten- 4ats läßt sich nichts sagen. Ein ׳persönlicher Grund ist ausgeschlossen. Dr. Ticho ist ein gefeierter, allgemein ■beliebter Arzt, dessen glänzende ׳,Heilerfolge und dessen persönliche Aufopferung die ungeteilte Anerkennung finden.!Er -hat tausenden (Kranken, Juden und Arabern ohne ׳Unterschied, stets in ׳bereitwilliger Weise ohne!Entgelt!Hilfe gebracht. Pollitisch hat er sich nie betätigt, und er steht bei allen Teilen der!Bevölkerung üi gleichem (Ansehen.!Er genießt die Achtung der ,Juden, ebenso wie er die Sympathie׳der ,Araber besitzt, und die Teilnahme, die sich allgemein ׳kundgibt, beweist dies. Die Spitzen der;Behörden haben persönlich!ihre Teilnahme ausgesprochen. (Sowohl vor der IKlinäk Dr. TiChos als vor dem Spital •Hadassah!hatte sich rasch eitle nach!Hunderten zählende aufgeregte iMenschenm'assc ׳ariigesammelt, die auf Nachrichten über das Befinden des geliebten Arztes warteten. Die!Menge wurde von der ׳Polizei zerstreut. Von dem Rabbinat in Jerusalem wurde durch öffentlichen Anschlag angeordnet, daß für den Verletzten gebetet und ThiUim gesagt und!Fasten abgehalten werden. Mit Freude wurde die Verlautbarung aufgenommen, daß der Zustand des Verletzten sich gebessert habe. Dr. Albert Abraham Ticho wurde in Boskowitz in Mähren geboren. Er entstammt einer altangeschcnen Familie von תורה וגדולה במסוים אחד Nach Absolvierung des!Gymnasiums in ,Brünn;bezog er die Wiener Universität,!an welcher er, nachdem er zwei Setnester in!Prag verbracht hatte, den Doktorgrad der!Medizin erwarb. Frühzeitig •hatte er sich der Augenheilkunde zugewendet: nachdem er die allgemeine chirurgische Ausbildung an der Abteilung des Hofrates Föderl erworben hatte, war er durch!mehrere Jahre Assistent der!Bergmeistersohen Augenabteilung, die ■er ׳im Juni 1912 verließ, um die Leitung •des Augens׳pitals Lomaan •Zion in Jerusalem zu übernehmen. Zu Beginn des!Krieges trat er an die Spitze des österreichisch-ungarischen 'Hilfswerkes. Später ■mußte er die Schrecken •des Krieges in der österreichisch-ungarischen Armee mitinachen. Nach dem Kriegsende •ging er wieder nach Jerusalem, wo er sich sein Arbeitsfeld neu hauen mußte, da Lamaan Zion, eine deutsche Schöpfung, von den neuen Herren des Landes eingezogen worden , war. ,Seine glänzende!Begabung, seine Tüchtigkeit verschafften ihm bald die Stelle ■eines ׳führenden . Augenärztes ■des Orients, der von Jerusalem bis Bagdad und •Alexändrien und darüber hinaus die erste (Stelle einnahm.'׳Neben der ungeheuren Arbeit •der täglichen!Praxis vom frühen Morgen bis zum späten Abend weiß er Zeit zu finden, seine Erfahrungen ׳wissenschaftlich z׳u verwerten, •und!seine Ver- •offentlichimgen auf den verschiedenen!Gebieten der Augen- Iheilkunde haben ihm einen glänzenden Namen in den Fach-!kreisen Europas verschafft. Dr. Ticho ist ein 'Mann von der ׳vornehmsten Bildung.!Im Verein mit seiner feinsinnigen Gattin hat er die entziic-kendste Häuslichkeit sich einzurichten verstanden, deren Gastfreundschaft von all den zahlreichen vornehmen Europäern gerne genossen und mit der größten Anerkennung gerühmt wird.; Dr״ Tielio außer Gefaluv!Glücklicherweise sind die letzten hier eingetroffenen Meldungen günstig, and• es steht zu hoffen, ■daß dieser gute Mensch seiner menschenfreundlichen Aufgabe bald wieder-!gegeben wird. Lebensversicbernngs - Gesellschaft ״PHÖNIX“ Gegründet 1882 Gegründet 1882 lleisidieiuiigslittil Ende Mai 1929 2000 Millionen Milling Carantiemittel Ende 1929 . 238 Millionen Schilling Prämien- und im Jahre 1928 Tätigkeitsfeld der Gesellschaft: Oesterreich, Deutsches Reich, Tschechoslowakische Republik, Belgien, Holland, Frankreich, Spanien, Italien,Ungarn, Polenjugoslawien, Bulgarien, Griechenland, Rumänien, Palästina, Syrien, Türkei, Aegypten Das jadische Volk schreibt sich ein ספר תורה Wiederum entsprang der leuchtenden Weisheit des Pietrkauer Raw. Rabbi Meir Sehapiro, ein origineller Gedanke, der sicherlich überall belle Begeisterung Hervorrufen wird. Dieser Mann der eisernen Energie und glutvollen Liebe hat cs aberinals verstanden, die jüdische Welt in den Bann seines erfinderischen Geistes zu ziehen, der wie ein Lichtstrahl der göttlichen Herrlidikeit die jüdische Volksseele durchleuchtet. Wiewohl dieser Gedanke haiachischen Ur- Sprunges ist, zeugt er doch von des Schöpfers durchschlagender Einsicht in die Zeitläufte unserer Geschichte. Noch nie zuvor war das jüdische Eigenwesen von solch einer Gefahr der Verfälschung umnebelt, wie heute im Zeitalter der Säkularisierung. Nun gilt es, die Götzen der Zeit zu zerschmettern, ihren gefährlichen Einfluß aus dem Leben des׳ jüdischen Volkes restlos zu bannen. Die Thora ist nicht nur Religion des Incliviclu- 11ms. sie ist auch Königin in Israel, die ihre absolute Herrschaft über das Volksganze ausbreitet. Das jüdische Volk ist ein Volk Gottes, ein Volk Seiner Thora, ein heiliges Volk. Jede Volks-, oder Staatsgewalt geht von der Thora aus, sic ist riditunggebend nicht nur für das individuelle Leben, sondem auch für das nationale Leben des jüdischen Volkes. Denn das jüdische Volk ist ein Volk der Thora. Aus diesen Motiven heraus mußte sich der jüdische König, der die Volks- und Staatsgewalt .inne hatte, ein ספר תורה schreiben und diese immer mit sieh tragen. Sie bedeutete für ihn Programm, Weg und Ziel. Wie eine Feucrwolke leuchtete die Thora über den dornigen Weg des jüdischen Staates und wie eine unverwüstliche Fclsenburg umgab sie ihn mit ihrer schützenden Macht. Auch der jiidisehe Staat ist nur Werkzeug Gottes, der Seinen Willen im Leben der Nation zu verwirklichen hat. Aber auch das jüdische Volk ist verpflichtet, wie der Pietrkauer Raw halachisch nachgewiesen hat, sich ein ספר חורה schreiben zu lassen. Auch das Volk maß bekunden, daß es mit der Thora unauslöschlidi verbunden ist. zumal 11 eilte, da uns unser Staat geraubt ist und wir weder König noch Priester haben und von vielen Seiten der Versuch unternommen wird, das jüdische Volk seines göttliehen Charakters als Thoravolk zu berauben und es den anderen weltlichen Völkern der Erde gleichzustellen. In dieser Zeit ist der Ruf nach Erfüllung dieser sinnvollen Miswah Von בתיבת ספר תורה בעד כלל ישראל die das Eigenwesen des .jüdischen Volkes so symbolisch und so kraftvoll charakterisiert, fast von größter historischer Bedeutung. Gilt es doch nach innen wie nach außen, nach links wie nach rechts, das jüdische Volk vor jeder Verwischung seines wahren Charakters zu schützen und seiner ewigen Verbimdenheit mit der Thora machtvollen Ausdruck zu verleihen. Also lautet nun der Ruf des Pietrkauer Raw an die Gesamtheit Israels, der wie eine Siegesfanfare das schwererprobte jüdische Volk durch:• zittert: Schreibe dir ein ספר תורה. Wie soll sich das jüdische Volk ein 0פר תורה schreiben? Da ist die Antwort einfach und — originell. 600.0Ö0 Buchstaben hat ein ,0פר תורד entsprechend den 600.000 Seelen, die sie am Sinai empfangen haben, welche damals das gesamte jüdische Folk ausmachten. Thora und Volk sind ja eins, eine tmzert renn liehe Einheit, über welcher der Schöpfer des Alls thront. Wir haben sie mitempfangen, wir sind in dieser Summe der Seelen mitenthalten. Auch wir sind mit der Thora persönlich verbunden. jeder Jude kaufe sich nun einen Buchstaben von diesem ספל תירה des IClall Jisroel und damit bekunde er seine Verbundenheit und die Verbundenheit des Klall jisroel mit der Thora! Wer diese Verbundenheit noch persönlicher zum Ausdruck bringen will, kann sich seinen ganzen Namen, wenn dieser in dem ספר תורה vor- Unterhaltend! Belehrend! s Schönstes Ghanukageschenk ״Igroth Sopherim“ 250 Privatbriefe von Rabt>.: Akiba Eger, Chasam Sofer, Ksaw Sofer, Schewet j Sofer, R« Simon sofer und mit 24 hochinteressanten Bildern. Preis des 420 Seiten starken Buches, auf feinstem Papier gedruckt, in Pracht-Leinenband S 12.—. JOS. SCHLESINGER, Wien, I., Seitenslettengasse Nr. 5. iliillll kommt, oder die Buchstaben seines Namens, oder nur den Anfangsbuchstaben seines Namens und des Namens seiner Frau und Kinder erwerben, damit alle, ja alle in das Buch des Lebens und des Segens eingetragen sind. Zu diesem Zweck wird ein goldenes Buch angelegt, das den Titel אות עולם trägt, in welches die Namen der Erwerber und die Zeichen der Buchstaben zu ewiger Erinnerung eingesehrieben werden. Der Erlös dieser Volksaktion, wie die ספל תורה selbst, ist für die Welt-jeschiwah in Lublin bcstimmt, welche von der ersten Kcnessio Gedaulo der Agudas Jisroel bechlossen und vom Pietrkauer Raw unter kräftiger Unterstützung des Keren Hathora ins Leben gerufen worden ist. Diese Jeschiwah, welche eine zentrale Thorastätte für das gesamte jüdische Volk bilden soll, geht nun ihrer Vollendung entgegen. Nach dem Beschluß des Rahbinisdien Rates soll die feierliche Eröffnung dieser Zentral-Jeschiwah, in welcher der jüdischen Jugend aller Länder die Möglichkeit gegeben wird, sieb in der Tliora zu vervollkommnen und sich zu תלמידי חכמים Rabbinen uucl Tlioralelirern auszubilden, am 15. Ijar dieses Jahres stätttfindem Aus dem Erlös dieser Aktion für das ספל תולה sollen nun die Selilußarbeiten au dem prachtvollen Bau der Jeschiwah gemacht und die Zcntral-Bibliothek der Jeschiwah, die bereits eine große Zahl von ספלים besitzt, vervollständigt׳ werden. Der Rest der Eingänge bleibt für den Fonds der Jesdiiwali reserviert, aus welchem das laufende Budget der Jeschiwah bestritten werden soll. Wir sehen nun, daß diese Volksaktien, außer ihrer haiachischen und moralischen, noch eine uugeheuer eminente praktische Bedeutung hat. Eine jüdisch-nationale Aktion also im wahrsten Sinne des Wortes. Nun erwerbe ein jeder einen oder mehrere Buchstaben des 0פל תולה des Klall Jisroel, damit er vor allen Dingen durch seine Beteiligung die מצוה von כתיבת ס״תבעד כלל ישלאל erfülle und gleichzeitig seine Verbundenheit und die Verbundenheit des jüdischen Volkes mit der Tliora dokumentiere und dadurch auch den Bau eines Heiligtums für das gesamte jüdische Volk unterstütze. Der Preis eines Buchstabens betragt 1 Dollar., Den Verkauf für Oesterreich hat die Keren ITathora-Zentralc, Wien, II., Leopoldsgasse 26. Teleplion R-45-4-94. Rabbi J. L. Bloch, der Gaon von Telschi זצ״ל Die Zierde!das!litau׳isdh׳en •Rabbinerstandcs ist ■ins Gra/b!gesunken. Rabbi Josef IL׳e!b Bloch, der Telschier Raw — ist, kaaim 67jährig, nach Iknirzem ,Krankenlager gestobben. Als Schwiegersohn des ׳weltberühmten Gaon Raiblbi Etieser!Gor.don.hat er schon;׳in }innigen Jahren das Glück genossen, einen!Melis ter vor sich!zu haben, dem er nicht!nur im Amte eines Rosch-Jeschiw-a ׳und Ra׳w in Teilschi folgte, sondern dem er!auch 1a11!f dem ganzen weiten Gebiete des jüdischen Geisteslebens ׳nacheifern -konnte. Rabbi J. L. Bloch •war ein Gaon •nicht inur!den! Titel nach, sondern ein!Gaon, ■der selbst!in Litauen, ,dem Heimatlande jüdischer ׳Gelehrsamkeit, unter seinen Zeit- und Amtsgenos&e׳n׳ hervorragte, ein •Gaon, dessen!Ruhm überallhin drang, •wo nach der Adelslkrone jüdischer 1Ge׳lehrsamikeit ׳gestrebt wird. Unter Führung!von Rabbi J. L. Bloch ist die Josobiwia in Telschi der Haupt sitz .jener Richtung innerhalb der •jüdischen Gelehrsamkeit geworden,!die alle menschlichen Regungen, ■das gesamte Göfühlsliöben dem scharfen, klaren Denken ׳untergeordnet!wissen •will. Ist Sldbofcka der Sitz!der!mussaristisafoen Richtung, so repräsentiert das Telschi von Rabbi J. ׳L. iBloah!die Reinkultur von lamdischer Charifus. Rabbi J. 1L. Bloch •war selbst von dieser ׳Richtung so •sehr ׳durchdrungen, daß .sein Tagewerk mit der Pünktlichkeit eines Uhrwerkes!vor!sich ׳ging. U!m 5 Uhr;morgens saß ׳er schau iboi seinen Seforim ׳und Tag für Tag 'hielt er seinen Stundenplan!mit ׳peinlicher Genaiiigkeit ein. Sein ׳täglicher Spaziergang von ■halb 2 bis halb 3 Uhr ׳mußte, mochte es draußen ׳noch so stürmen und wettern, abgehalten werden. Obwohl Rabbi J. L. •BlloCh vollkommen in den •alten Traditionen des Bebh-Hamidrasch wurzelte, hatte er dennoch ׳tiefes Verständnis!für die Nöte und Forderungen der ׳Gegenwart. Un dem!ungeheuren Kampfe um die Seele der Jugend erkannte er die Not- Wendigkeit eines ׳im thoratreuen Geiste geführten!modernen Schu'lwerkes. So blieb Telschi in ׳der ׳Nachkriegszeit nicht nur der Sitz der ׳berühmten Jeschiwa, es •wurde ׳auch das Zentrum des Jawne-Schulwerkes, in dessen Programm auch die Mädchenerziehung eine große Rolle spielt. Ebenso erkannte •er die große •Bedeutung der Agudabewegung, ׳und wenn es ihm auch ׳nicht gelang, in Litauen, wo ■er einen!großen Einfluß!besaß, eine Aguda- Organisation z!u schaffen, so •scheute er ׳persönlich nicht die Mühe, an den zentralen Zusammenkünften der Aguda im Auslände ■teilzunehmen, und seine ehrwürdige Ersaheimung bat der Preflburger!Konferenz ׳der Aguda im Jahre 1920 ׳einen besonderen Glanz verliehen. Rabbi J. L. Bloch repräsentierte den alten Gaon ׳und den mo-

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