Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 15 (1929)
- Issue
- 43 (1.11.1929)
- Date
- 1929-11-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2629891-2630294-2630335--3460-2635462- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
JÜDISCHE PRESSE Seite 2 Nr. '43. Bollinger ״ £ j sk aste n sind seit 1870 die besten!] XV., StAfiLGASSE 10 (BEI MARIAHILFERSTRASSE 148) Vll.j BURGGASSE 17 Tel. R-3Q.5-38, R-35-8-47 u. B-32-380 konnte, wobei er ־von seiner gleichgestimmten Gattin in aufopferungsvoller Weise unterstützt wurde, seine Leistungen als Vizepräsident der Talmucl-Thora-Schule, besonders aber sein Wirken für ״seine Schul“, die er durch 46 Jahre als sein Schoßkind betreute, zeugen von seiner Unermüdlichkeit im Dienste von חורה, עכורה 1ג״ח Einzig war er in der Vertretung der Interessen der Orthodoxie und in der Abwehr von Angriffen auf dieselbe. Da war ihm Zeit, Geld und Mühe nie zuviel. Bei den Statutenberatungeji der Kultusgemeinde, bei den Verhandlungen über den Gemeindebund ließ er sein Geschäft Geschäft sein, um die ihm heiligen Interessen der Orthodoxie zu wahren. Ein Beispiel von אהבת תורה ויראת שמים erzog er seine Kinder in seinem Geiste. Die letzten Wochen hatte er nur einen Wunsch, den Jom Kippur zu erleben, um rein und sündenlos vor G-ttes Thron zu erscheinen. Sein Wunsch ist in ■*יErfüllung gegangen. Oberrabbiner Emanuel Grünwald זצ״ל!Der Soproncr Raw, Oberrab'biticr Menachem G r « nw a 1 d, ist Dienstag ■den 25. Tischri im Alter von 86 Jahren sanft 1entschlafen. iEr.kam im Jahre 1873 an die Spitze der ׳damals nur einige Mitglieder zählenden, kurz vorher gegründeten,!kleinen jüdischen Gemeinschaft in Sopron, nachdem er bereits vorher einige Jahre in Preßburg Rabbiner eines Thora-Lehrvercines gewesen. Die unansehnliche kleine Soproncr Gemeinde, welche mir ein kleines׳, ge-' mietetes 1Betlokal besaß, wuchs unter seiner Hand, zu einer der größten im heutigen Ungarn heran, welche mit allen ,rituellen flnshit»tionen und Einrichtungen ausgesta.ttet ist, Oberrabbiner Griinvvald s. z. 1. übte durch seine große ,talrmidische Gelehrsamkeit, mit Bescheidenheit gepaarte Liebenswürdigkeit und sein tolerantes Wiesen große An- .aichungskraft und verschaffte sieh die Achtung und Schät- -izung aller, die mit ihm!in Berührung kamen. Als Religions- ■lehrer der ■Mittelschulen, Seelsorger der Strafanstalten und Miliitär-Su'bsidiarseelsorger übte er auch außer seinem ׳engeren Wirkungskreis im Gemeindeleben einen wohl- •/tätigen Einfluß auf erzieherischem׳ und sozialem. Gebiete. Als Sohn einfacher frommer!Eltern im Dorfe Czecze (bei Sarbogard, Komi tat Fejer. geboren, kam er nach talimidischen Studien in seinem Heimatsorte (R. ׳Mosche Giins s. z. I.) ■Pinczehely irnd Kiskuiihalas <!R. ■Sußmatui Sofer s. z. •I.) ׳in ganz jungen Jahren nach /Preßburg, wo er zehn Jahre hindurch zu Füßen des weltberühmten Ksav Safer s. z. 1. saß und sich auch die Kanzelrednenkunst von dem!unerreichbaren Magid R. F. Fisohmann aneignete, ,ln kurzer• Zeit war er ׳der •Lieblingsschüler seines■ Rabbi:, der ״ihn auch mit dem Unterricht u׳nd der Erziehung seines ^Sohnes 'betraute. Infolge seiner hervorragenden Eigen- .schäften erwählte ihn Rabb. David Neumann. Roseh beih- Din der ׳Preßburger Gemeinde, zu seinem Schwiegersohn. Nach dem frühzeitigen Tode seiner Gattin ע״ה ehelichte er die Tochter des Neuhäusler, später Wiener Rabbiners Jizchok Kramer s. z. 1. Von den zahlreichen Kindern des Verblichenen wirken zwei als Rabbiner,!Rabbi •Izchok in Luzern, Rabbi Jehoschua in Meran. Mit Rücksicht auf die in der Ferne wohnenden Kinder ging die Bestattung erst Donnerstag vor sich. Die Beteilignng aus nah und fern war grandios, würdig der großen Persönlichkeit des Verblichenen, der über 60 Jahre als Rabbiner wirkte und als Nestor des orthodoxen iRabbinerstaudes in Ungarn allgemeine Achtung genoß. Die Wiener Schiffschul war durch Vorstandsmitglied Leopold Richter vertreten. Zur Statistik der Berliner Juden. fm Gemeindeblatt der jüdischen Gemeinde zu Berlin stellt Dr. Julius R o 111 h o I z Betrachtungen zur Statistik der Berliner Juden an und schreibt u. a.: Die judenreichste Stadt der Welt ist New York mit 1,750.000 Jaden, die fast 50 Prozent der Gesamtbevölkerung ausmachen. Tn den amerikanischen Großstädten schwanken die jüdischen Anteile zwischen 6 bis 15 Prozent. So weist Chikago 525.000 Juden auf, Philadelpliia 275.000. Berlin mit seinen i72.672 Juden nimmt erst die achte Stelle in der Reihe der Städte nach der absoluten Zahl der jüdischen Einwohner ein. Das viermal so kleine Warschau übertrifft es mit 522.1S5. Budapest mit 212.756, Wien mit 201,515 Juden und selbst in London wohnen fast 50.000 Juden mehr als in Berlin. Abgesehen von russischen, polnischen und jetzt auch rumänischen Provinz- und Großstädten, wo die Juden die absolute Majorität bilden, übertrifft Frankfurt a. M. mit seinen 6,5 Prozent Juden die 4,5 Prozent betragenden jüdischen Anteile der Einwohner Groß-Berlins. Verhältnismüßig judenreicher als Berlin ist auch Amsterdam (10,5 Prozent), Saloniki (22.8 Prozent), Bukarest (14.5 Prozent), Montreal (6,9 Prozent), Riga (11,7 Prozent), Manehester (4,7 Prozent), Bagdad (14 Prozent), Antwerpen (6,2 Prozent), Sofia (1.1 Prozent) und Wien (10,8 Prozent) und viele andere Städte. LebensoersicherunMsellschaft ״PHÖNIX“!וווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווו!ו Gegründet 1882 Gegründet 1882 Versicherungsbestand Ende Mai 1929 ... 2000 Miliidnen Schilling Garantiemittel EndeT928' . 238 Millionen Schilling Prämien-u. Zinseneinnahmen im Jahre 1928. 97y2 Millionen Schilling Tätigkeitsfeld der Gesellschaft: Oesterreich, Deutsches Reich, Tschechoslowakische Republik, Belgien, Holland, Frankreich, Spanien, Italien, Ungarn, Polenjugoslawien, Bulgarien, Griechenland, Rumänien, Palästina, Syrien, Türkei, Aegypten Kinder-Versor§un§s־Uersicher11n§ llllllllllilllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllltlllll Erziehungsrente für das Kind, Sterbegeld nach dem Tode der Eltern, und prämienfreie Versicherung des g Kindes vom 24. Lebensjahre an illlllllllllllllllll!llllllll(((lllllllllllilllllll!llillll₪W כשר SEIFE Marke: ALEFBETH mit המ8ר des orth. Rabbinatäässessors, KoSice, erzeugt ״POLIO“ FRIEDMANN & Co. SEIFEN-UND KERZENFABRIK, KO S ICE An der Spitze der 20 Berliner Verwaltungsbezirke stellt Wilmersdorf, wo die Juden ungefähr 13 Prozent der Bevölkerung ausmachen, ihm schließt sich an die City, der Ursitz der Berliner .Judenschaft, wo die jiidisehen Anteile noch immer 10 Prozent betragen, dann folgen Schöneberg mit 8 Prozent und Charlottenburg mit 9 Prozent, im Ticrgartenx iertcl und Prenzlauer Berg sinken die Sätze auf 5 bis 6 Prozent, um in den sonstigen Peripheriebezirken auf J und 5 Prozent und darunter heraozugehen. Ja, es sind in Groß-Berlin sogar kleine Ortschaften vorhanden, wo bei der letzten Volkszählung überhaupt keine Juden gezählt wurden. ln Berlin kommen auf 100 Männer 112 Frauen. Nach den Konfessionen verschieben sich die Verhältnisse. Bei den Evangelischen kommen auf 100 Männer 123 Frauen, bei den Katholiken auf 100 Männer 119 Frauen, bei den Juden auf 100 Männer 103 Frauen, bei den Dissidenten auf 100 Männer 80 Frauen. Daß bei den Berliner Juden der Frauenüberschuß ein viel geringerer ist, mag darauf zurück/.uführen sein, daß der Zustrom des Handels und der Industrie seitens der männlichen Jugend ein besonders großer ist. Aber das Bild ändert sich für die mittleren Städte und das platte Land. Für diese Gebiete steigt der Frauenüberschuß bei den Juden auf 10 bis 11 Prozent und nähert sich dem allgemeinen Durchschnitt. $ In Berlin wurden im Durchschnitt der letzten sechs Jahre je 1500 bis 1600 Kinder in rein jüdischen Ehen geboren. Daraus ergibt sich, daß diese Kindergruppe im Höchstfälle 10.000 Seelen umfaßt. Da die jüdische Gcsamtbevölkerung sich auf rund 170.000 Seelen beläuft, kommen auf 1000 Juden rund 60 Kinder im Alter von 1 bis 6 Jahren. Machen wir dieselbe Rechnung für die Gesamtbevölkerung auf, so erhalten wir als Resultat den Tausendsatz von 54 Kindern. Dabei hat Berlin seit 1922 die niedrigste Geburtenziffer aller Weltstädte des Abendlandes und damit die niedrigste Geburtenziffer der ganzen Welt. Betrachten wir die Gruppe von Kindern von 6 bis 15 Jahren. Es besuchten die Volksschulen Berlins im Jahre 1921 576.940 Kinder, davon 4875 jüdische: 1926 waren unter 270.679 Schulländern 5345 Juden. Während die allgemeine Volksschülerzahl um 28 Prozent abnahm, hat die jüdische Schülerzahl um 10 Prozent zugeuoinmeu. Aber dieses Plus ist darauf zurückzuführen, daß ‘die Einwanderung von jüdischen Familien aus den verlorengegangenen Ostprovinzen nach Berlin eine bedeutende war und in diesem Zeitraum die Vorschulen der höheren Schulen, die stark mit jüdischen Kindern durchsetzt waren, aufgehoben wurden, worauf die Abwanderung nach den Volksschulen erfolgte. Es besuchten die höheren Knabenschulen Berlins (ohne die Vororte) im Jahre 1914 16.47? Schüler, davon 2334 Juden. 1926' waren es 21.154, davon 1661 Juden. Während die allgemeine Schülerzahl der höheren Schallen um 30 Prozent zunalmi, .hat die Zahl der jüdischen Schüler uni 30 Prozent abgenommen. Diese Zahlen liefern den Beweis, daß der jüdische Mittelstand sehr unter der Not der gegenwärtigen Zeiten leidet und nicht mehr imstande ist, die Kosten für die Ausbildung der Knabenschaft ,auf höheren Schulen zu tragen. Esset nur FJ,KA-Rrnf aus der unter Aufsicht der Adas Jisroel stehenden DAM P FBÄCKEREI LEDERER & KOMM Betrieb: Wien II, Holiandstraße 7 Telephon R-47-4-95 Verkaufslokal: II, Große Schiffgasse 16 Telephon A-41-7-45 Das Huhn. Von ׳Betty Heimann. ״. . . Einliegend ׳etwas Geld für eiai Sc/ha!biho־s!h!u׳h׳t1 ■für Ihren krarilken■ 1Mann . . .“ Berta ■Rasch ׳zählte nach. ״Es 1wf׳r׳d• ׳ •nur ■kna׳pp re-iohen . . .“ — war i!hr ׳erster!Gedanke: <i1h;r ׳zweiter, ׳wer;׳woihil ׳der ungenannte ׳'Wohltäter sein!könnte. Alber Berta Rasch׳ war ׳viel zu ■praktisch, um allzulange über ׳dieses unlösbare Problem nach zag riilb ein. Während! ׳sie noch: das Papier izusammenifaltete und ■es!mit dem ׳Geld! in ■die Schürzentasche schob, kam über ׳sie -cl-ie Erinnerning, ׳daß es noch׳!nicht ׳lange lhe!r war, ׳d׳a.ß ,Berta Rasch — ׳damals!hieß sie Berta ■Loelb — eher hätte denken ■können!, diie Weilt ■ginge ׳mnter, al׳s ■daran, Armenhiffe anizmnebmen. Vor ■n.iciht :langer Zeit•: •ja. Als sie ,noch im Eltemmhause lebte rnnd׳ ■noch :nicht ■mit dem Sclhineider Rasch in ,dieses Dorf gezogen ■war. ,Nicht ■mit Reue ■dachte :sie daran zurück; bewahre. Nur ׳mit :etwas Verwunder.ien.g ׳vielfeicht und׳ '׳noch ,etwas, das , sie!nicht woiite aulfikommen ■lassen. Da lag :min der ׳Moritz nebenan (krank ׳lind;konnte .seit ,dem (Masdiinemin.fal.J nicht arbeiten. 'Das war selbstverständlich. ׳Und ebenso selbstverständlich•, ,daß sie ׳jetzt ׳Mir zwei arbeiten mußte. Sie hatte den Moritz gewollt und!!mußte ׳die bösen Tage wie ■die guten mit!in Kauf nehmen. Darüber ׳ein Wort ,zu verliefen, war unnütz. So ׳fing sie an. mit Strümpfen zu hau- ׳de-Ln. Stand morgens um vier!U'hr auf, ׳machte die Woh- ,nung in Ordnung, bereitete dia:s Essen, ,steilte den Tee au Moritz’ Bett und ging z׳u den :Kunden. ׳Kam wieder ■nach!Hanse, wusch, sorgte iiir den!Kranken, stopfte, ׳flickte — alles ohne ■viel Aufhebens davon zu machen. Es war ihre Pflicht — und damit ■war die Sache für sie erledigt. Es freute sie. •daß die Leute ihr (halfen•, •aber eigentlich betrachtete sie es als eine Selbstverständlichkeit. die sie im anderen Falle a׳u׳ch •getan hätte. ׳Sie!hätte ■dem• unlbekamnten Sender des ׳Geldes gern gedankt — ,schon der Ordnung halber; ׳sie ׳schenkte Ihm jedoch weiter!keinen Gedanken» ■war schon ■damit beschäftigt, machzudetiken. we׳r von ■den ״Mäirktlern“ ,am billigsten• sein würde. Es war so ,lange her, ■daß sie ein ,Hühnchen ■gekauft hatte. ׳Der Gedanke, d׳e׳m Moritz!morgen, ■am Schabbos. ׳eines :vorsetzen ׳zu ,könmen. •ließ sie einen Augenblick :freudig erregt in ,ihrer Beschäftigung — Kart cf fei schälen — ■inuchalten, aber auch u׳u׳r einen Augenblick; •dann holte sie die Kartoffel•, die ׳sie;hatte fallen lassen, ׳unwirsch aus dem Topf, uad mit •den .kurzen, verarbeiteten ׳Fingern nahm sie die Arbeit ,wieder auf. Alles an iBerta Rasch war fest ׳mul ,breit, vor allem die untersetzte Gestalt, die mit ׳so kurzen, festen Schritten ’ ■durch die Straßen ging. Sie hatte ein rotes, gutmütiges!Gesicht, in dem ׳die!kleinen Augen ruhig ■und bestimmt blickten. ,u׳n׳d eine ,niedrige ■schräge Stirn unter dem glatten .gescheitelten Haar. ״Wo gehst du bin?“ Moritz richtete.,den langen ׳mageren Körper halb ׳im Bett a׳uf. ״Und •dein rotes Tuch hast du umigebu׳nden?“ ׳fügte er erstaunt!hinzu. Berta ׳blieb stehen, und sah gleichsam schuldbewußt auf1 den ׳wollenen •Schau. Ihr Bruder, .!der Joseph, hatte ihn ihr;vorige Woche geschickt, .und sie wollte ihn ■doch׳ bis zum Jaumtamw liegen •lassen. ׳Eigentlich (hatte sie ihn urngebunden, weil sie!wußte, daß ׳Rebekka undi (Martha Behread. Seide und Lea Turm •auch b׳ei den ״iMäirktlerm“ sein ,würden — um ,zu ׳zeigem daß sie, Berfa 'Rasch, ein Hiiihnchen!kaufen konnte und: ■dabei einen Schal tragen, ■der, abgesehen •davon, daß •er so schön warm war. auch sehr ״ibekowed“ aussa'11. ־ ״Es ist halt kalt, und ׳der ■Joseph hat gesagt, er war’ gut für ׳diie ׳Gicht.“ Sie sagte es scharf, aber ׳mit einem etwas unsicheren Blick auf den (Kranken, der sich seufzend hatte in ׳die •Kissen ׳zu rück fallen lassen. ׳Richtig — Rebekka. Martha. Seide und (Lea — sie waren •alle ׳noch ׳da und standen vor Sara, ׳dier (Händlerin, die breit und ׳unerschütterlich ■dasa.ß und ׳mit beiden! ׳Händen zwei schreiende ׳Hühner ■und einen Hahn auf ihrem :Schoß Ifestzuihalten versuchte. Das Schelten׳, Schreien, Feilschen ׳der •Frauen mischte :sich mit dem׳ ängstlichen■ Gackern der Tiere, die jeden Augenblick zu entfliehen! drohten. Das Kr eh chen ■der vier ■Frauen hörte •plötzlich für einen Augenblick auf, als sie Bertas ansichtig wurden, ׳die!mit ihren festen, kurizen Schritten ,zu ,ihnen: kam, sic:h :neben sie stellte, ■nickte, lächelte ■undi ■Sara fragte, wie die •Hühnchen ״heute wären“. Es war etwas i׳n ׳dieser gleichgültigen Sicherheit und ׳ruhigen Selbstverständlichkeit, was die vier anderen ■gegen!sie aufb,rächte. Sie waren ׳einen• Augenblick stumm, ׳während■ Sara schmeichelnd1 und :schnell die ׳Hühnchen anpries. ■Rebekka nahm eines ׳der Tiere i!1 die (Hand. streichelte es •sanft und sagte mit ihrem süßesten Lächeln: ״Die 'Hühnchen sind teuer — sehr teuer!“ ‘Wobei sie 'Berta rasch ausah. ״Nun. für ein gutes ׳Hühnchen ׳muß man •halt •zahlen,“ sagte diese unbewegt. ״Als ob’s nix für sie wär’“, flüsterte Seide ׳zu׳ Martha. Diese starrte unverwandt auf etwas Warmes, Wollenes. Rotes, das weich und laug und warm «am Bertas Hals geschlungen war. die breiten Schultern deckte und noch ein großes Stück über dem blauen Rock ■hing. ״Es ׳scheint Ihrem ׳Mauin, uuberufen, borueb Ihascbem, ׳wieder gut zu gehen,“ sagte .sie und löste ■den Blick vom Schal, um Ihn ■über ■das!Huhn ,streifen zu ,lassen, •das Berta in den Armen hielt. ״Unberufen, Gottloib, es geht besser,“ ■sagte iBerta froh — sie meinte, daß von der Krankheit die Reale ׳sei. ״Ja, gut wenn man’s kann!“ seufzte Martha und •nahm .sich vor, ׳diesen Monat keine Strümpfe mehr bei•!Berta •Rasch ׳zu kaufen, was sie doch sonst, weiß Gott — :hier seufzte sie ■wieder — nur aus reinem Rächmones ,getan!hatte ... , 'Für Berta war ■diese Stunde voll!Genügtu.1mg •undi heimlichen •Gliücksgefiiihis. ■Hier stand sie wie •jede andere — wie Rebekka. Martha und wie ׳die einstige •Berta Loeb, und handelte ,und! ׳kaufte ein gutes Sch ab b 0 sh ii hubheu — und ׳hatte einen schönen warmen Schal ■um. Sie würde noch in Zukunft von der!Befriedigung dieser ■einen Stunde ׳zehren können. ״Ich w.erdi’s ׳noch mit ׳■Knödelchen machen,“ sagte sie ׳obenhin — ׳mit heimlicher Spannung, ob die ׳vier es ihr glauben würden. Sie würde •es natiüriioh nicht mit Knödel- Chen ׳machen, ■denn sie hatte ihr letztes Geld zum Huthu zügelest. ׳״Wohl■ mit Wiener Meid?“ fragte Rebekka ■mit ihrem süßesten Lächeln, während die anderen in ■lautloser Spannung ,diie Antwort erwarteten. ״So wird’s das beste sein.“ 'Nun wußte iBerta aus guten Gründen gar .nicht, was ״Wiener Meid“ sei — •aber es ■:genügte auch■ Schon, daß di׳e anderen es ׳wußten. Einige ebenso ■verständnisvolle ׳wie vielsagende Blicke wunden gewechselt, worauf sie .sich in einiger .Eile verabschiedeten, um denen zu ׳Barne die •natürlich ■freudige — aber etwas umerwa!rtete — Mitteilitng zu machen, daß es Berta Rasch und!dem׳ Moritz uüberiife.n,!Gottlob so gut ■ginge, ׳dia-ß sie ein fettes ׳Bühnchen .zu Schabbos kaufen konnte und Knödel backen konnte — mit Wiener M׳ehl ... Am ׳nächsten Tag, Schabbos. wahlfahrteten einige aus der K’hilloh zu Rasclhs, um sich mit eigenem Augen■ von der Wahrhaftigkeit ׳dieser unglaublichen Aussage m überzeugen;!sie hatten!übrigens ׳kein ׳Glück׳ ,־denn ׳Moritz und '׳Berta ,hatten ■schon gespeist — wie ׳sie!sagten —; aber (hier greife ■ich den Begebenheiten ■voraus. ,Berta blieb also allein zurück und zahlte, wobei sie noch um einige Pfennige zu •k׳ur,z (kam. Aber selbst dieses: eine große Summe /zahlen 1und ׳eine ׳Kleinigkeit schuldig bleiben, (bereitete ,ihr ■ein eigenes Vergnügen. So ׳machten es die Reichen. Freundlich nickte sie der ׳Hühnerfrau Sara zu und ging, das Huhn behutsam rnit beiden Armen um-