Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 15 (1929)
- Issue
- 43 (1.11.1929)
- Date
- 1929-11-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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' ^411-hmv* »»'plstae povoie«* rmdli po&1 « 1ele#r*f{>' » Br*tW*ve fl*. 41172111-2־». Zeitungen vom Verleger vertetttftt« Journal exp4dl• par l'edltiZt V.kfe. ORGAN FÜR DIE INTERESSEN DES ORTHODOXEN JUDENTUMS: m .m• JUDBCHE PRESS güsdaktlon n. Administration 1 Wien, i!.,Leopoldsfikase 26, 1. Stiege, i. Stock. — Tel. R 45-4-94. Tiebeeboilovrakeis Bratislava, Postfach 140. ihiricfaelnt jeden Freitag. — Redaktionsschluss: Mittwoch Mittag. Abonnementsprelie 1 Ganzjährig! Für Oesterreich S 14 Tachechoslowakel fschech. K. 70, Einzelnummer öst. Gr. 40, dai übrige Ausland 8 Dollar. Zahlungen auf Konto ,Jüdische Presse״, Wien für Oesterreich: Postsparkassenkonto Nr. D-93614; Deutschland: Post- Scheckkonto Berlin Nr. 122619; Jugoslawien: Postspk.-Amt Zagreb Nr. 40217; Polen: Postspk.-Amt Warschau Nr. 190409; Ungarn: Postspk.-Amt Budapest Nr.50170; Schweiz: Postscheckk. Zürich VIII. 4117; für die Tschechoslowakei: ,JUdische Presse״, Bratislava, Postspk,-Amt Prag Konto Nr. 53386 Uru 43 *Ken-Bratislava, 1. November 1929 ב*ה וינא־שרעסבויג כ״ח תשרי ת־*ץ 15. Jahrg. Bernhard Holbaaer זצ״ל 5. Ab 5607 — 16. Tischri 5690. Alt und satt an Jahren ist Bernhard Hofbauer am zweiten Tag Sukkoth von uns gegangen. Alt, denn wenn es ihm auch vergönnt war. noch im Sommer dieses Jahres als Zweiundachtzigjähriger mit jugendlicher Kraft für die Interessen der Wiener thoratreuen Judenschaft und ihrer Institutionen zu wirken, sq ist Bernhard Hofbauer doch alt' geworden in dem Sinne, daß er sich mit der Gegen־־ wart, mit dieser so viele neue Probleme stellenden Nach־ kriegsgegenwart, nicht mehr gut verstanden hat. Seine Größe, seine Bedeutung; der Glanz seines Namens, seine unvergängichen Leistungen für die Wiener Orthodoxie wurzeln in einer Zeit, die den meisten von heute nicht mehr aus eigener Anschauung bekannt ist. Fast wie eine legendäre Gestalt trat uns Nachkriegsmenschen Bernhard Hofbauer, entgegen, als ein Mann, bei dem Lauterkeit der Gesinnung, uneigennütziges Wollen und ideale Bestrebung noch selbstverständliche Voraussetzung einer Öffentlichen Wirksamkeit waren. Bernhard Hofbauer, der aus Preßburg stammte und die Traditionen der ehrwürdigen Preßburger Kehilla des Ksaw Sofer in sich aufnahm, ist in Wien stets in den ersten Reihen der Kämpfer für die Orthodoxie gestanden. Der schabboshaltende Großkaufmann, inn desen im Zen# trum der Stadt befindlichen Unternehmen nahezu 100 An# gestellte beschäftigt waren, war Jahrzehnte hindurch ein Wiener Phänomen, ein Kiddusch Haschern, der seinen Nanaen mit einer Gloriole umwob. Er schuf nach deut# schein Muster einen Verein zur Wahrung der Interessen des orthodoxen Judentums, dessen Präsident er zeitlebens war. Dieser Verein war als Plattform für die gesamte Wiener Ortodoxie gedacht, um durch Einigung aller or# thodoxen Kräfte die Möglichkeit zu schaffen, den Reform# gelüsten der Wiener Kultusgemeinde Widerstand zu leisten. Bernhard Hofbauer verstand es vortrefflich, vor den Behörden und gegenüber den Allgewaltigen der Wie# ner Kultusgemeinde die Sache der Wiener Jereim zu führen. Heute, wo diese Kämpfe im großen und ganzen abgeschlossen sind und aus einer historischen Perspektive heraus beurteilt werden können, erfüllt uns geradezu Be# wunderung über die Arbeit eines Mannes, der, obgleich nicht zum engeren Kreis der Schiffschul gehörend — er gründete und unterhielt ein eigenes Bethaus im ersten Be# zirk — in seiner Klugheit es verstand, nach außenhin die Einheitslinie der Orthodoxie in Wien herzustellen und allen Stürmen zum Trotz auszubauen. Gern erzählte der Verblichene von seiner Arbeit als Mitglied der Statuten# komraission der Kultusgemeinde, wo er bei der Durch# beratung der Paragraphen einen zähen Kleinkrieg für die Interessen der Wiener thoratreuen Judonheit führen mußte. Die Früchte dieses mühevollen Ringens genießen heute alle jene, die in einer besseren Zeit und unter gün־־ stigeren Bedingungen für eine Erweiterung der Rechte der Orthodoxie in Wien kämpfen. Gewiß, die Erstarkung der Schiffschul, ihr Aufstieg zu einer monopolartigen Stellung innerhalb der Wiener Orthodoxie, das Aufblühen der Aguda, die auch in Wien die Vorzüge einer iiberstaat# liehen Organisation der thoratreuen Sache zugute kommen läßt, das Hereinströmen von vielen Hunderten strenggläu# bigen jüdischen Familien aus dem Osten, haben die Struk# tur der Wiener Orthodoxie in der Nachkriegszeit wesent# lieh verändert. Anders wurden ihre Kampfmethoden, an# ders die Kraftquellen, aus denen sie schöpfte. Das Ziel: das Selbstbestimmungsrecht, die Autonomie der Ortho# doxie, blieb dasselbe; und das gemeinsame Ziel sichert Bernhard Hofbauer trotz allem Wandel und Wechsel einen Ehrenplatz unter den Führern der Wiener Orthodoxie. Neben dem großen politischen Kampf fand Bern# hard Hofbauer, wie dies zu allen Zeiten bei führenden jüdischen Persönlichkeiten der Fall war, noch Zeit zu einer ausgedehnten philanthropischen Tätigkeit. Unver# gessen bleibt die nach altjüdischer Art׳ geübte Wohltätig# keit in seinem Hause, wo seine ihn im Tode vorangegan# gene Gattin als wahre Esches Chajil Zeit fand, im Verein mit den nachstrebenden Kindern für alle jene zu sorgen, deren Not ihr zur Kenntnis kam. Ueber die private Wohl# tätigkeit hinaus, versuchte Bernhard Hofbauer durch die Gründung der rituellen Speisehälle ״Einheit” dem Massen# lend innerhalb der einheimischen .und zugereisten Juden an den Leib zu rücken. Als Präsident der ״Einheit” gelang eS ihm, weite Kreise der Wiener Judenheit für die Aerm# sten der Armen zu interessieren. Diese so ungemein se# gensreiche Institution ist eine der wenigen Schöpfungen des thoratreuen Judentums, die, aus . der Vorkriegszeit stammend, über alle Erschütterungen des Krieges und über alle Wirtschaftskrisen der Nachkriegszeit bis zum heutigen Tage uns erhalten blieb. Auch in dem Schulverein Talmud Thora war Bern# hard Hofbauers Wirken segensreich. Auch hier liegt seine große Leistung in den Vorkriegsverhältnissen der Wiener Orthodoxie begründet. Zu jener Zeit war die Position der Ortodoxie innnerhalb dieses ,Schulvereines noch durch# aus nicht gesichert. Da war es Bernhard Hofbauer, der seinen wenigen Gesinnungsgenossen im Vorstande treue Hilfsdienste geleistet hat, um diese Institution, die in ihrer Gründungszeit um ״die Mitte des vorigen Jahrhunderts geradezu im Kampfe gegen nichtorthodoxe Bestrebungen auf dem Gebiete des Unterrichtswesens entstanden war, für die Orthodoxie nicht ganz und gar zu verlieren. Auch hier haben die Nachkriegsverhältnisse einen Wandel ge# schaffen und es war Bernhard Hofbauer, der um diese Zeit die Vizppräsidentenstelle des Vereines bekleidete, שרמץ כשיי (תחת השגחת הרב ד ישעי סורסט שיםשוהל) Erzeugt unter Aufsicht Sr. Ehrwürden Herrn Oberrabbiner Jesaia Fürst (Adas Jisroel) Ueberall erhältlich! vergönnt, die Umgestaltung und den Aufbau der Schule im Geiste des religiösen Judentums zu erleben. Bernhard Hofbauers Privatleben war würdig seiner öffentlichen Wirksamkeit. Im Kreise seiner zahl#■, reichen Familie — er hinterläßt vier Söhne und sechs Töchter — verstand er es, in patriarchalischer Weise die Traditionen einer frommen jüdischen Lebensweise auch bei den Seinen zu verwirklichen. Ueber seine engere und wei# tere Familie hinaus haben alle, die ihn kannten, einerlei, ob sie seiner Anschauung waren oder nicht, in ihm die klassische Verkörperung eines jüdischen Biedermannes ge# sehen. Als die schmerzliche Kunde vom Ableben dieses edlen und erfolgreichen Vertreters einer leider immer mehr im Verschwinden begriffenen Zeit sich im Kreise der Wiener Judenheit verbreitete, da waren auch jene aufs tiefste erschüttert, die es für töricht halten, die ״gute alte Zeit” auf Kosten der Gegenwart zu rühmen. Tausende und aber Tausende drängten sich in den engen Gassen des ersten Bezirkes, als Bernhard Hof# bauers Sarg noch einmal vor die Schwelle des Bethauses geführt wurde, wo er täglich morgens und abends seine Andacht verrichtete. Hoch schwebte der Sarg über die Köpfe der Menge, sowie zu Lebzeiten Bernhard Hofbauer seine Mitmenschen vielfach überragte im Wollen und Wirken für die Interessen des orthodoxen Judentums. Er wurde auf dem Friedhofe der Preßburger Kehilla bestattet. So ist er zu jener Stätte heimgekehrt, deren Ideale er durch ein langes g#ttgesegnetes Leben hindurch verkör׳־. pert hat; P. Die Bestattung. Biensta«, den 22. d. M. fand um halb 9 Uhr vormittags vom Trauerhause, I., Franz#Josefs#Kai 19, ■di© feierliche Einholung; der!Leiche, die in einem Leichenaaito nach Preßburg überführt wurde, statt. Eine riesige Trauerversairmmlung :hatte sich im Hause selbst einige- ׳iunden und)!die Gassen, durch die sich der Zug bewegte, waren ׳voll!Menschen, die Geschäfte in der judengasse restlos gesperrt. lEs war die Heimjkehr!eines Großen! in Israel. ׳Der Leichenzug bewegte sich!mit den Angehörigen, die dem von!Freunden getragenen Sarge nachfolgten, vom Sterlbehause ®u!m!Bethaus jMachsäike Hadas“ i!m!Laiazenhof unter .Reizitierung von Trauerpsalmen.!Beim Bethaus!sang Olber'kantor!Heller in ergreifender Weise das Eil.!mole •rachamim. Sodann wurde die Leiche ®um bereitstehendeii Auto gebracht, das die Trauergäste noch ein Stück seines letzten Weges nach Preßburg!begleiteten. Bernhard Hofbauer זצ״ל Von Wolf Pappenheim. Eine Säule der Wiener Orthodoxie ist geborsten. Im patriarchalischen Alter von 83 Jahren ist Bernhard Hofbauer s. z. 1. von uns geschieden. Ein erschöpfendes Bild dieses Mannes zu geben, übersteigt weit den Rahmen eines Nachrufes. Enkel eines der größten נתלים Ungarns ר׳ שלום חריף זצ׳ל genoß er im Hanse seiner Eltern eine streng jüdisehe Erziehung, die ihn befähigte, in Wien, wohin er im Alter von 20 Jahren kam, durch Dezennien hindurch als Muster eines echten Jehudi, also auch eines aufrechten Ehrenmannes zu gelten. Ein musterhafter Sohn, Gatte, Vater und Verwandter, ־ hatte er doch noch ■immer Zeit, für alle Armen und Bedrängten. Seine Hilfsbereitschaft und Wohltätigkeit hatten keine Grenze. Sein Fleiß und seine Redlichkeit wurden von G-ttes Segen gelohnt und es gelang ihm in Wien ein erstrangiges Kaufhaus zu errichten, das in der ganzen jüdischen Welt als Wahrzeichen der Wiener Orthodoxie galt. Seine Tätigkeit in der ״Einheit“, die er dahin erweiterte, daß sie im Kriege 4000 Menschen täglich speisen Was bietet die führende Weitfirma Othmar Schiff, Wien, I., Kärntnerring Kr. 6 in Damenperücken? I. Modernste und individuelle Ausführung II. Tadellosen, mustergültigen Sitz III. 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