Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 15 (1929)
- Issue
- 42 (18.10.1929)
- Date
- 1929-10-18
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 42 JÜDISCHE PRESSE Seite 3 er seinen ersten Dank zum ׳Ausdruck bringen, in der Hofinun ff, in der Erwartung, daß die schmerzliche Uebergangszeit für die Ke'hilla nunmehr überwunden sei und einheitlicher!Friede cinkehre. Er sei sich des Pflichtenkreises, der seiner harre, voll bewußt., und es solle an seiner •'Kraft, an seiner ehrlichen Absicht, an seinem Streben ibis ■zur Selbstverleugnung nicht ׳fehlen.!Der Erfolg wird von Ihm, dem!Herrn der Welt, beschieden. Er selber wolie es mit seinem großen Großvater halten, der von sich bezeugte, שמוני נוטרח את הכרמים כרמי שלי לא נטרתי da er wie dieser all seine eigenen Interessen weit hintenan stelle vor den Interessen der Gemeinschaft, die zu!!eiten er berufen sei. Oer Sechus seiner Väter, wie das der großen Väter der Kehila werden ׳Zusammenwirken, daß ihm die Fortsetzung des großen ׳Werkes seiner Vorgänger gelinge.. Diesen Gruß- 11 nd Segensworten schloß sich dann eine kurze Drosc'ho an ,in Anknüpfung •an den ersten 'Satz des Wochenabschnittes אתם נצבים היום כולכם וכי׳. Oie Weisen stellen diesem Verse einen anderen aus Misch 1e gegenüber הפור רשעים ואינם וכית צדיקים יעמוד. Das Haus der Zadikim, das sei das Haus der Ke’hilla. Abraham nannte G-tt und seinen Dienst einen .Berg, Jizchok ein Feld, Jakob ein Haus. War der erste Raw der Frankfurter Israelitischen •Religionsgesellschaft ein Geistesheros von ragender Bedeutung, der ein ganzes!Zeitalter zur!Berghohe der G-ttteserkenntuis ennporrief, so hat sein Nachfolger Rabbiner Salomon!Breuer seine ganze überragende Kraft darein gesetzt, das שדת , den ■Acker der Thora •zu bestellen und mit reicher Saat zu bedenken. Seine, des Redners Aufgabe, werde es sein, die reiche Ernte, die die Lebensarbeit dieser beiden großen *Meister gezeitigt, zu sichern,!ins Haus zu bringen und die Mauern dieses Hauses ׳zu festigen. Oie Vielfalt der Meinungen und!!Ideen sei g-t-tgewollt und g-t׳tgegeben, darum auch die Brocho חכם הרזים wenn ■man!Menschenmengen in einer Reihe sieht. Darum spricht auch Moses zu ■G־tt ״ יפקוד ד׳ אלוקי הריחית לכל בשרG-tt der Geister für alles Fleisch“. Das Fleischliche, die körperliehe Beschaffenheit ist im Ganzen bei ,allen gleich, ,nur in wenigen Nuancen unterscheidet sich •leiblich der Mensch vom Menschen, so ist es aber auch mit der seelischen Beschaffenheit. Die ׳Grundel erneute der Seele sind bei allen gleich, bei allen gut. Der Führer ■habe sie, so vielfaltig und verschieden die menschlichen Meinungen sind, in einen Rahmen zu bringen, damit auch die Brücke zu den früheren!Generationen zu bauen. Der Führer setzt die Arbeit seiner Vorgänger fo!;t, wenn auch 1jeder Führer seiner Zeit •die eigene Prägung• aufdrückt. 'In diesem Sinne i seien auch seine Sorge und seine Arbeit dahin gerichtet, daß das בית צדיקים״» das Baus, aus •verschiedenen Bestandteilen •sich ׳zusammensetzend, doch ein Einheitliches und Ganzes bilde. Und über •das Haus hinaus'. Alle, die noch außerhalb sind und zu uns kommen, werden mit gleicher Liebe empfangen. Heißt es doch im Wochenabschnitt dieses Mal ו ג ר ך אשר בקרב מחניך - Der Fremde, der zu •dir kommt, ist schon!in deiner Mitte. Und ist es ein בית יעקב so werde er auch des Waisenwörtes eingedehkt bleiben בית יעקב אלו הנשים. Die Frauen, die Trägerinnen •des jüdischen Hauses sind, wirken ■zum Aufbau der Gemeinde mit. Die Tage, die uns die Seiicho in die Hand geben, rufen uns zur Versöhnung auf, zur Versöhnung bis zum letzten Reste כי אסלח לאשר אשאיר♦ So wird!das Jakobshaus wachsen und gedeihen. ■Mit dem Maariwgebet und dem Schlußakkord des Halle'lujah schloß die denkwürdige Feier. Mögen all die Segensworte und -Wünsche des Abends voll in Erfüllung gehen zum Wohle und zum Gedeihen unserer Gemeinde und der Gemeinschaft. * Im Laufe der Woche hat der neue Raw seine Tätigkeit 'bereits mit einer Reihe von Miissarvorträgen an Hand des חובת הלבבות, •die allabendlich stattfinden, begonnen lind die, obgleich ursprünglich für einen engeren Kreis bestimmt, infolge des ungeheuren Andranges •des Publikums aus dem Hörsaal in die Synagoge verlegt werden mußten. Diese Vorträge werden •während der Teschuwo-Tage fortgesetzt werden. Der Pogrom von Safed vor Gericht.!Bei ungeheurem!Interesse der gesamten Oeffentlichkeit in Palästina gehen ׳jetzt in Haifa die ersten Prozesse gegen Araber, die des Mordes an Juden angeklagt sind, vor sich.!Am 8. Oktober wurden sieben Araber, die •beschuldigt werden, am 29׳. August in Safed zwei Juden ermordet zu haben, gefesselt und unter starker Eskorte aus ■der Zitadelle ,vou Acco zur. •Aburteilung nach Haifa gebracht. Berittene ׳Polizei ■und ein •Zug des Green! Howards Regiments begleiteten •den Gefangenentransport. Die •kleine Villa in der deutschen Kolonie ׳von Haifa, in der der Gerichtshof tagt, wird!von britischer und palästinensischer Polizei zu Fuß und zu 'Pferde unablässig bewacht. Den Vorsitz im Gericht führt Oberrichiter Sir Michael Mac Donneli aus Jerusalem, als Beisitzer fungiert Richter ׳Litt, der als Einzelrichter bereits 37 Araber aus Tire'h, die einen ,Angriff auf 'Hadar Hakarmel versucht ׳hatten, abgeurteilt hat •und der bei seinen 'Urteilssprücben über Juden, die ■im!Besitz von Waffen angetroffen wurden, das Moment der Selbstverteidigung in Rücksicht zog. Zunächst begann am S. Oktober die Verhandlung gegen •drei von den angcklagteu sieben!Arabern, die ■des Mordes an -Isaak Mamaan, •der im Dienste der Hadassah in Safed stand, beschuldigt werden. Zu Beginn des!Prozesses erklärte •der ׳Staatsanwalt, •daß er •die auf ׳vera'bredeten Mord lautende Anklage auch auf das Delikt der Verschwörung ausdehnt. Es entstanden schon in der ersten Gerichtssitzung ׳Unzuträglichkeiten, weil der vom Gericht berufene hebräische Dolmetscher als disqualifiziert erklärt wurde, weil er mit dem ermordeten Mamaan entfernt verwandt war und der arabische!Anwalt mehrere geeignete Dolmetscher, die ihre Dienste freiwillig anboten, ablehnte. Die Aussage der hebräisch sprechenden 'Zeugen wurde •dem . Gericht in einer unerträglich -falschen Darstellung •wiedergegeben, so daß der im Gerichitssaal anwesende ■Herr Jacob Fishman sich entschloß, den Staatsanwalt Herrn Sheriwell und •das Gericht darüber aufzuklären. Im Geric'htssaal sind zahlreiche arabische Notabeln und /Politiker, unter •ihnen die Muftis von ׳Acco und Safed und •der Hauptscheich -von Haifa, anwesend. Die -arabischen Anwälte Maghanan und iAsföur, 'beide christliche ■Araber und als die geschicktesten arabischen• Anwälte ׳im;kande bekannt, unterzogen' die ersten zw-er ■jüdischen Zeugen ־' feinem!fast siebenstündigen Kreuzverhör, so daß der Prozeß nur sehr schleppend vor sich geht. Der erste Zeuge, Dr. ■Bordiansky, der Hadassa'h-Arzt, •der -den ■tödlich verletzten Mamaan!behandelte, ließ ■sich durch •das ermüdende!Kreuzverhör nicht erschüttern, -dagegen verlor •der zweite ׳Zeuge, Jose-plh Bemderly, nach dem ׳mit ,ihm allein ■an׳g es teilten Kreuzverhör die •Nerven -und wurde ׳in einigen seiner Darlegungen unsicher. 1E1־ sollte nämlich •diejenigen Angeklagten identifizieren, die vor seinen Augen auf Mamaan losgeschlagen und losgestiochen 'hatten.!Da er •durch •das lange Kreuzverhör und durch •die •schlechte Wiedergabe• seiner Worte durch den ,provisorischen Dolmetscher in Erregung geriet, wurde es den arabischen Anwälten nicht :schwer, in seinen Aussagen •kleine Widersprüche festzustellen. Schließlich verlor Oberrichter Sir Michael Mac •Donneli ■die Geduld und er sprach den arabischen Anwälten den Tadel ■dafür aus, daß sie •durch ein Kreuzverhör, das geeignet sei, •die •Angelegenheit zu verwirren, statt sie zu 'klären, •das Gericht auf eine harte Pr סיס e steilen. Daraufhin legten die ara'bisc'hen Anwälte ,ihr ■Amt als Verteidiger nieder. Der Gerichtshof ׳beschloß, den Prozeß ׳zu •unterbrechen und ihn vorderhand zu vertagen. Sfeder Strenggläubige;?!ilisil kann ohne Bedenken zur Zubereitung der Speisen Kunerol verwenden. Die Kunerol־־Erzeugung steht bis zur Verpackung des gebrauchsfertigen Natur־* fettes unter strengster Aufsicht des Herrn Bezirks« rabbiners S. Ehrenfeld zu Mattersburg. 100% REINES KOKOSNUSSFETT Ein zweiter Prozeß wird angefangen, aber ebenfalls vertagt. Das Gericht unter Vorsitz des palästinensischen Oberrichters Sir Michael MacDonnell ging dann in die Verhandlung gegen die übrigen vier Araber ein, die gemäß der Anklageschrift am 29. August Frau Lula Farjoun, eine sephardfschc Jüdin, ■in Safed •erschossen haben. Die vier Angeklagten waren alle aneiiiandergekettet. Es zeigte sich, daß ihre Anwälte nicht vor Gericht erschienen waren, weshalb der Vorsitzende die Angeklagten durch den Dolmetsch informieren ließ, daß am folgenden Tage der Prozeß gegen sie fortgeführt werden wird, ob ihre Anwälte erscheinen oder nicht. Der Prozeß wurde daraufhin unterbrochen. Die arabischen Anwälte und die in Haifa abwesenden Notabeln hielten eine Beratung ab, <in der angeregt wurde, für Sonnabend eine Sitzung der arabischen Exekutive einzuberuifen, die sich mit den Gerichtsfällen befassen soll. Es scheint, daß die Araber die Ausrufung eines Streiks samtlicher arabischer Rechtsanwälte planen. In den Kreisen der Regierung und der Juden befürchtet man, daß ein solcher Schritt Anstoß zu neuer Agitation geben würde. Fortführung des ersten Prozesses. Am Mittwoch, den 9. Oktober eröffnete Sir Michael MacDonnell ■die Verhandlung gegen üie drei Araber, die des Mordes an Isaak Mamaan an'geklagt sind. Als hebräischer Dolmetsch fungiert der Distriktsbeamte Herr Bergmann, der die Zeugenaussagen wortgetreu überträgt. Der Zeuge Joseph Benderly blieb bei seiner Behauptung, daß die drei Angeklagten es waren, die Mamaan angriffen. Es war ei!n vierter Mann bei ihnen, den er nicht kenne. Der Zeuge Mqrdechai Klirrger erkannte. ebenfalls ,in •den Angeklagten die Mörder von Mamaan und erzählte, daß dieselben Leute sich auch auf ihn stürzten, daß aber einer derselben ihn schützte und ihm zurieif, er •möge nur weiter gehen, Kiinger wiiies auf einen der Angeklagten als denjenigen, •der ihn vor dem sicheren Tode gerettet hatte. IKlinger, der Sohn des reichsten Juden in Safed, ein intelligenter und sehr sicher auftretender Mann, schilderte in ,klaren und eindrucksvollen Worten die Tragödie von Saifed. Von Sonnabend bis Mittwoch, erzählte er. waren auf Anraten der Behörde alle jüdischen Lüden in Safed geschlossen, kein Jude verließ sein Heim. Am Donnerstag aber glaubte man, daß die Gefahr — nach der arabischen Demonstration — vorüber sei, und er verließ seine Wobinnig. Unvermutet!hatten ׳die :arabischen Angriffe begonnen. Ais er, •nichts ahnend, seine Wohnung verließ, sah er sich der wilden Szene gegenüber, die mit der tödlichen Verletzung Mamaans endete. Der Z׳e׳uge ׳Nissim Adam, ein dunkelhaariger orientalfecher Jude, •der nur arabisch spricht und sich selbst als Sohn Arabiens bezeichnet, erkannte ebenfalls ׳ln •den •Gefangenen die Mörder Mamaans. Er hat selbst gesehen, wie die Angeklagten Mamaan mit Dolchen angriffen. Jn der Nachmittagssiitzung wurde der Zeuge Nissan die Berliner Jugend leider ja zunächst ein innenpolitischer, das schöne Wort durch die ■politische Bewegung gleicher Firma schmählich ׳entwertet. Wir wollten das Minderlheitenproiblem an Ort u׳nd Stelle ׳studieren, wollten deutsche,, •magyarische, kroatische und Zigeiuiersieidlungen auf österreichischer und auf ungarischer’ Seite kerrnemlernen! und die natürliche Hauptstadt des Landes, ■Oedenburg, besuchen, die infolge einer höchst fragwürdigen״ ׳Volksabstimmung“ ungarisch geblieben ,ist. ■ Wir!kamen ,gleich hinter 'Wiener ,Neustadt!über die alte ,ungarische Grenze zunächst nach Sauerbrunn, dem kleinen Badeort, wo ■die Landesregierung sitzt, und1 Ibesuchten von hier aus den größten Ort ׳dies Landes. Mattersbur׳g. Die dortige jüdische Gemeinde, 450 Köpfe stark, lebt noch :innerhalb ihres alten Ghettos und unterhält eine angesehene Theologenschule. Es interessierte uns, festzustellen, worin sich das Leiben dieser Juden von dem unter uns lebenden unterschied ■(ln vier oder ■fünf Untetr-riclhit'.sstunden hatten wir die •Entwicklung des Judentums in Europa geschicbtlich verfolgt). Der Oberrabbiner Ehreme.d empfing mich ■— ich hatte uns angemeldet — und gab uns den Leiter der jüdisehen Schule •als Führer mit. Und nun sahen wir Archiv und Tempel, Schule lind1 Friedhof und die in entsetzliche Enge izusammengedrängten Häuser mit ihren düsteren, ׳wohl malerischen, doch luft. und liohtarmen Höfen. Besonders erfreute uns, •zu :hören, daß ,zwischen• der jüdischen Minderheit und der katholischen Mehrheit das denkbar ׳beste Verhältnis bestand; ein Antisemit war ihnen völlig fremd. Entsetzt waren wir über di2 Wohnungsnot. Ein Mädeben schrieb nach der Reise in einer Arbeit darüber folgerdes: ,־!Eigentlich müßten die alten Wohnungen abgerissen werden. Doch ich glaube kaum, daß die Juden das .zulassen würden; denn sie hängen bestimmt sehr an ihren Häuseben, in denen schon Großvater und Urgroßvater starben. Außerdem würde man mit dem Ghetto auch vergessen, wie unmenschlich die Juden Jahrhunderte hindurch leben mrußten■, und es ist ganz gut, wenn die heben Christen vorläufig noch׳ etwas daran erinnert werden, wieviel Nächstenliebe sie den Juden gegenüber bewiesen.“ ׳Die Abhängigkeit der jüdischen Gemeinde von ihrem ehemaligen •Schutzherrn, ׳diern!Fürsten Esterhazy, wurde noch deutlicher •in •dem anderen Ghetto des Landes, in Eisenstadt, der!künftigen Hauptstadt des Burgen lande s. Hier bildet die 300 Köpfe zählende •jüdische Gemeinde auch politisch ein selbständiges Gemeinwesen mit eigenem Bürgermeister und eigener Verwaltung — und noch drängt sich ihr Bezirk eng an das prunkvolle Schloß, •unter dessen Schutz (gegen! gute, sehr gute Bezahlung!) diese Juden׳ ihr Leben führen durften, bis auch für sie die Stunde der Befreiung, der .Selbstbestimmung kam. Fremd, fast ׳unheimlich mutete •unsere Jungen •und Mädchen diese W-elt des Ghettos an. Ein Mädchen! schrieb; ״Der erste• •Eindruck vom Ghetto׳ ׳war 'für mich .etwas beklemmend. Vielleicht wirkte die Umgebung niederdriiekend, vielleicht auch die mir fremden und rätselhaften Menschen׳. Kinder spielten in schmutzigen Gossen, Frauen mit wirren, schwarzen Haaren lagen in Fenstern; die Männer kamen mir finster vor. Menschen aus dem Süden amzutreffen, •bedeutet für mich immer beinahe ein •Abenteuer; doch kann mich ihr Anblick nie fröhlich •stimmen.“ Hier wußte man doch auch schon ׳von antisemitischen Angriffen. Mit Landtag undi Landesregierung werdennatiirlieh auch allerlei׳ •Parteimeinungen in diesen bisher •so stillen O.rt verpflanzt, und es steht!zu befürchten, daß diese primitiven, ganz auf altem Rechtsboden errichteten israelitischen Gemeinden Mühe haben werden, sich ׳darauf umzu stellen. So ergeben sich •mit all diesen Anregungen neue Fragen für uns nach dem )künftigen Schicksal der ׳bürgenländischen Ju׳d׳en. Dr. Rudolf Z w e •t z. Professor Faitlovitch über die Falaschas. Berlin, 26. September (J. T.!A.). In •diesen Tagen weilte in Berlin Herr Professor Jacaues Faitlovitch. der bekannte Forschungsreisende und'Begründer der Bewegung zur Rettung •der Falaschas für das Judentum. Falaschas (in der abessinischen Sprache; Eingewanderte) •werden die •dunkelfarbigen Juden in Abessinien genannt, die •mehr als 50.000 ■Seelen zählen. Sie sind Nachkommen der •jüdischen• ׳Bevölkerung, die vom 9. bis zum 13. Jahrhundert in ׳Abessinien eine große!Rolle spielte und für einige ׳Zeit sogar ■das Land beherrschte. ‘Später sind •die Falaschas durch •Kriege und durch Uebertritt zum Christentum stark ׳zusammenigeschmolzen. Ihre!Reste halten aber noch immer mit bewundernswerter Treue trotz aller Isolierung am Judentum fest. Professor Faitlovitch. der 1904-05 im Auftrage von Baron ׳Edmond de!Rothschild, 1908 und 1913 im •Aufträge •der iPro-Falascha-Komitees •drei Expeditionen nach Abessinien durchgeführt hat, um Material über •die Falaschas zu sammeln, arbeitet seither mit Hingebung au der ׳kulturellen Hebung der Falaschabevölkerung und daran, daß dieser isolierte Teil des ׳Judentums seine Verbindung mit •dem Weltjudentum behält. Professor Faitlovitch hat mehrere ׳junge!Falaschas nach ■Europa gebracht, wo sie als moderne Lehrer für ihre Volksgenossen ausgebildet wurden und heute eine ausgedehnte jüdische erzieherische Tätigkeit in ■Abessinien entfalten. •Während seines dritten •Aufenthaltes in!Abessinien 1913!)׳) errichtete er' 1Wanderschulen, 1923?׳tffrichtete er in ■der Hauptstadt Abessiniens Addis Abeba eine Zentralschule bereits mit abessinischen jüdischen Lehrern. Dieser Schule wurde während seiner letzten Anwesenheit ein Internat •für Lehrer und Schüler angeschlossen. e׳Dr J.-T.-A.-Vertreter traf Herrn Prof. Faitlovitch in seinem Berliner Hotel ׳ in Gesellschaft eines jungen Falascha, der in dem Realgymnasium der Adas Jisroel in •Berlin seine Ausbildung erhielt. Er kehre, erzählte Prof. Faitlovitch. jetzt von einem 15monati2en Besuch in Abes- •sinien zurück. Er habe jetzt einen starken Fortschritt auf religiösem und kulturellem Gebiet festsfellen können. Die Falaschas. denen vor ihrer Entdeckung das, Hebräische vollkommen unbekannt war, beherrschen jetzt zu einem großen Teil die hebräische Sprache, in der die Gebete gesprochen werden; der ׳Opferdienst hat fast aufgehört, 1j׳üdische Ueberlieferung im rabbinischen Sinne wird hoch gehalten, die Falaschas fühlen sich eins mit •dem gesamten Judentum. Die Falaschas leben in ihrem eigentlichen Be-