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Jüdische Presse · 1929-09-20 · 39 (20.9.1929) · page 3

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Journal
Jüdische Presse
Volume
15 (1929)
Issue
39 (20.9.1929)
Date
1929-09-20
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 39 JÜDISCHE PRESSE ‘Seite 3 Dr. Kohn Das Ehrenpräsidium des Rabbinischen Rates ist bereits gewählt. Es setzt sich zusammen aus dem Chofez-Chajim, dem Czortkower und Gerer Rebben. Das Arbeitspräsidium setzt sich aus a c h t Herren zusammen, und ׳zwar: Kongreßpolen 2, Randgebiete 1, Galizien 1, Litauen 1, Slowakei 1, Rumänien 1, Deutschland 1. Den Vorsitz in diesem Gremium hat der Wiinaer Rasw, Rabbiner Chajim Oser G r 0s z e n s׳ k i übernommen. Das Geschäftspräsidium tagt am Sitz des Vorsitzenden. Alle drei ׳Monate findet eine Sitzung des Präsidiums statt. Sollten drei Mitglieder mit den gefaßten Beschlüssen nicht einig gehen, wird die Meinung des Ehrenpräsidiums eimgeho'lt. Vier m a 1 in einer Periode von einer Kcnessio Gedaulo bis •zur anderen tagt die Exekutive, zwei־ mal der gesamte Rabbinische Rat. hiervon einmal sechs Monate vor der Kenessio Gedaulo. Der Rabbinische Rat soll jedesmal in einem anderen Lande tagen. Die erste Tagung soll auf Vorschlag des Czortkower Rebbe in ׳Erez Israel stattfinden. Der Bericht über die erfolgte Konstituierung des Rabbinischen Rates wurde vom Plenum ׳mit ׳ungeheureni Jubel aufgenommen. Weiter gab Oberrabbiner Scliapira alsdann einige vom Rabbinischen Rat gefaßten Beschlüsse in bezug auf Chisuk Hadas, Handwerker- und Gewerbeschulen sowie ד! י נ ו ך bekannt und teilte mit, daß der Rabbinische Rat auf eine Eingabe des Weitbundes jüdischer Frauen hin das A gm n o׳th!p r 0־ blem zur Bearbeitung einer!besonderen Kommission übergeben habe, ferner auf eine Eingabe der Marranen einstimmig beschlossen habe, daß diese als Gerim zu betrachten seien und ins Judentum auf־' genommen werden dürften. Es sei Pflicht, sie in jeder Weise zu •fördern. Bezüglich des § 4 hat der Rabbinische Rat festgestel'lt, ׳daß dieser seinerzeit למגדר מלתא ins Statut aufgenommen worden sei, daher nicht aufgehoben werden könne. Der Rabbinische Rat hat jedoch den § 4 dahin interpretiert, daß bei Weftorganisationeu über die Frage, ob ein prinzipieller Gegensatz zur agudistischen Weltanschauung Vorhänden sei, der Allweltliche, ibe’ Landesorganisationen der ■Landes-Rabbinische Rat zuständig sei. Was die Jewisli Agency ׳anlangt, so hat der Rabbinische Rat prinzipielle Richtlinien der Agudaleitung gegeben •und gleichzeitig betont, daß' sich in Treue ■zu Erez Jisroel die Aguda von niemandem übertreffen lasse. Schließlich verkündete der Referent, daß der Manezes Chachme Ha tu 11 roh einstimmig beschlossen habe, Herrn Jacob Rosenheim (Frankfurt) den Titel ״Morenu Horaw“ zu verleihen. *Ullllllllllllllllllllllllllllllillllllllllllllllllllllllllimilllllllllli: ן ist das Modenpalais I I JULIUS i jKRUPNIKj § nur VII., Kaiserstraße 115 | | Das größte Spezialhaus | 5 in Mänteln, Kleidern, Nachmittags- und Abend- | s toiletten vom einfachsten bis zum feinsten Genre s | Separate Peizabteilung § | Eigene Abteilung für Kinder und Backfische 5 »mullllllllllllllllllllliuillllllllllllllllllllllllllllllllllllllllillll Gegenüber dieser unter ungeheurem Jubel des Pienums gemachten Mitteilung erklärt Jacob Rosenheim, daß er für die gute Absicht danke, daß er aber als Frankfurter glücklicherweise gemäß den dortigen תקנות den Titel nicht annehmen könne. Rosenheim. feiert in tiefer Ergriffenheit das große Ereignis der ׳Konstituierung des Rabbinischen Rates als historisches Moment, als die Erfüllung jahrhundertelanger Sehnsucht. In seinem Schlußwort erklärt der Lubliner Raw, daß nach der neuen Auslegung des § 4 .bei internationalen Angelegenheiten der Allweltliche Raibbinische Rat zuständig sei. Jacob Rosenheim sei keine Angelegenheit von Frankfurt oder Deutschlands, Rosenheim gehöre dem Klall Jisroel, der Allweltliche Rabbinische Rat habe gesprochen und könne sich von Frankfurt nicht desavouieren lassen. Spezialist für 1• Bl Mil In jeder Fasson und Preislage A. SACHSEL Huterzeuger Wien, II., TaborstraBe 39 (Hotel Bayrischer Hof) . n VersanOach {alten Staaten. UNVVIIIV* VVUVVI, I IHUIHUIII HUI VIIIIVHVII«III HUIIUUUIIUIIU1UI III Ul UIIV1U WH Einer unserer Berichterstatter hatte Gelegenheit, Herrn Oberrabbiner Webe r, der während der ganzen Dauer der Kenessio in Wien weilte, und sowohl in den Kommissionen wie im Plenum einen sehr eifrigen Anteil an den Arbeiten nahm, über seine Eindrücke zu befragen. Herr Oberrabbiner Weber hat sich unserem Bericht« erstatte!• gegenüber folgendermaßen geäußert: Ich habe vielfach gehört, daß Gerüchte verbreitet werden, als ob die slowakischen Rabbiner wiederholt mit dem Austritt aus der Aguda gedroht und somit gewissermaßen die Verhandlungen der Kenessio unter ihre Pression ge# stellt hätten. Ich kann Ihnen dezidiert erklären, daß diese Gerüchte in dieser Form jeder realen Grundlage ent« hehren, denn jede Drohung ist eine Erpressung, jede Er« Pressung ein Terrorakt und jeder Terrorakt bedeutet eine Vergewaltigung Andersgesinnter. Eine solche Vorgangs« weise liegt den slowakischen Rabbinern ganz und gar fern. Wir slowakischen Rabbiner sind die tolerantesten . Menschen gegenüber jeder anderen Richtung, insolange unsere Orthodoxie nicht tangiert und beeinträchtigt wird. Wir nehmen aber den entschiedensten Standpunkt ein, wenn man uns irgend etwas aufoktroyieren möchte, wo« durch unser unabänderlicher orthodoxer Standpunkt be« rührt werden könnte. Die orthodoxe Weltorganisation Agudas Jisroel ist mit der Tendenz begründet worden, die Selbständigkeit und Unabhängigkeit des thoratreuen Judentums im Bewußtsein der orthodoxen Massen zu' ver* ankern und wir, die slowakischen orthodoxen Rabbiner, können der Vorstellung nicht Raum geben, daß auch nur ein einziger Schritt seitens der Aguda erfolgen könnte, der dieses Bewußtsein zu schwächen die Absicht hätte. Wenn nun gesagt wurde, daß die slowakische Landes« Organisation den unruhigen Vulkan der Aguda darstellt, so stimmt auch diese Behauptung nicht. Wahr ist vielmehr, daß wir zu dem ״rechten Flügel“ der Aguda gehören und in jeder Frage unseren klaren entschiedenen Standpunkt haben. Die slowakische Landsmannschaft hat ihre Haupt« tätigkeit in den Kommissionen entfaltet. Sie wollte im Plenum nicht viel sprechen, weil es in gewissen Fragen momentan nicht opportun erschien, den slowakischen Standpunkt vor der großen Oeffentlichkeit mit der bei uns gewohnten Entschiedenheit zu vertreten. Ich denke in diesem Zusammenhänge ausdrücklich an das Palästina« Problem. Die Kenessio war selbstverständlich von den er« schulternden Ereignissen in Erez Jisroel vollkommen be« herrscht. Es mußte alles vermieden werden, was auch nur den geringsten Mißton in die Verhandlung hätte bringen können, denn das ganze jüdische Volk ist unter dem Eindruck der Schreckenstaten, durch das vergossene Blut in Erez Jisroel in der Tat geeint und zusammengekittet. Wir alle sind im Schmerz und der Trauer einig, einig in der Empörung, in dem Abscheu gegenüber den Untaten wildgehetzter Horden, die so kostbares jüdisches Leben und jüdisches Gut, das durch nichts und durch niernan« den ersetzt werden kann, vernichteten. Wir beklagen selbst« verständlich nicht nur die uns so nahestehenden Rabbonim und Talmudjünger, die während ihres ganzen Lebens nie« mandem etwas zuleide getan haben, auch das vergossene Blut zionistischer Juden greift uns allen mächtig ans Herz. Nicht weil uns das Leben zionistischer Juden weniger wertvoll wäre, sondern im Gegenteil, weil uns das Leben eines jeden Juden kostbar ist, sind wir gegen eine Lösung, die unter allen Umständen als gefährliches Wagnis er« scheinen muß. Jisthuw Erez Jisroel ist wohl eine der größten Mizwos, sie gehört aber keineswegs — unbe« schadet ihrer Wichtigkeit — zu jenen Geboten, für deren Erfüllung man das Leben in die Schanze schlagen muß. Daher haben wir angesichts dieser Situation geschwiegen. Wenn aber Ruhe eintreten, nüchterne Erwägungen ange« stellt werden können, dann ist die Zeit gekommen, über die künftige Politik der Orthodoxie in Erez Jisroel wie über cfen ganzen Komplex des Palästinaproblems zu sprechen. Unseres Erachtens muß eine jede Lösung, welche die absolute Sicherheit des Lebens unserer Brüder nicht vollkommen gewährleistet, seitens der Orthodoxie ent« schieden abgelehnt werden. Zu dem alten religiösen Ge« gensatz zwischen Zionismus und Orthodoxie wird auch der politische kommen. Von zionistischer Seite wird die Politik verfolgt werden, Zionismus um jeden Preis, auch auf Kosten der Menschenleben der palästinensischen Juden, während wir Orthodoxen al pi halocho verkünden müssen, Blut preisgeben um keinen Preis, auch auf die Gefahr hin, daß die Verwirklichung 'der politischen Ziele eine Verschiebung erfahren könnte. Vor acht Jahren war ich mit einer Delegation der Agudas Jisroel im Auswärtigen Amt in London, wo wir im Kolonialministerium vom Staatssekretär empfangen wurden, um die religiösen Wünsche der Orthodoxie in bezug auf Palästina, in einer Denkschrift gefaßt, zu unter« breiten. Auf eine Frage des Staatssekretärs erklärte ich ihm: ״Herr Staatssekretär, die orthodoxen Juden wollen Palästina, aber lieber hundert Jahre außerhalb Palästinas mit G־tt, mit unserer Thora und mit unserer heiligen Religion, als schon morgen in Palästina, aber ohne G«tt, ohne Thora und ohne unsere heilige Religion.“ Wenn wir orthodoxen Juden, heute vor einem englischen Staats# mann erscheinen würden und er uns die Frage stellen würde, ob wir etwa Palästina nicht wollen, möchte ich ihm mit noch mehr Nachdruck antworten: lieber hundert Jahre außerhalb Palästinas ohne Blutvergießen, als schon heute in Palästina durch Vernichtung von kostbaren jüdischen Menschenleben. Wir Juden waren immer gegen die Poli« tik von Blut und Eisen, sind es heute noch mehr. Alle Völker beraten ernstlich darüber, ob es möglich wäre, das Schwert in die Scheide zu stecken, ohne daß es von dort jemals verheerend gezückt werde. Wir Juden haben schon längst das Schwert zerbrochen und keine Lösung einer jüdischen Frage darf durch das Schwert entschieden werden. So wichtig eine solche auch sein mag, kann und darf sie nur durch friedliche Mittel gelöst werden. Wir wollen und müssen warten bis der G«tt des ewigen Friedens Melech schehaschulojim scheloj uns offenkuhdig seine Entschlüsse kundgibt. Jacob Rosenheim — Morenu. Der iRaibbin'iscihe Rai ׳der Agudas Jisroel hat Jacob Rosen h e i m ׳den More n 11 -Titel verliehen und׳ ־dieser bedeutsame Vorgang gibt uns erwünschte Veranlassung, ei׳n kurzes Lebensbild des ׳also Geehrten ■zu geben. Jacob Rosenheim ist in Frankfurt a. M. geboren1, wo er die Realschule der israelitischen Re׳I׳igionsgeseli!s׳chaft als ein Vorzugsschüler absolvierte’. Insbesondere war es clie Gedankenwelt des Samson Rafael Hirsch, die ihn von frühester Jugend fesselte und in der Tat zu:r Grund־, läge׳ seiner unvergleichlichen Lebensfat geworden ׳ist. Nach Verlassen der Sc/ule widmete er sich dem kaufmännischen Beruf und gründete bereits in jungen Jahren eine Verlagsbuchhandlung. Aber die Angelegenheiten der jüdischen Gemeinschaft!ließen ihn nicht in seinen beruflichen Interessen verharren. Der Klal Jisroel. rief ihn und er folgte dem Rufe. Betrachtet ma׳n die Vorgänge ,innerhalb des orthodoxen Judentums!sowohl in Deutschland als auch insbe- ׳sondere in den Ländern jüdischer Massensiedlungen, so finden wir seit etwa dreißig Jahren Jacob Rosenheim in den Reihen der treuesten und hingebungsvollsten Arbeiter für die Interessen des Klal Jisroels. Unbewußt und vielleicht gegen seinen Willen reifte er allmählich zum Führer der Orthodoxie heran und es ist im Rahmen eines kurzen Berichtes nicht zu -sagen, welche Fülle von Segnungen von ihm ausgegangen ist. Mit ihm geht ein Auserwählter durch unsere Zeit. Niemals hat er eine Universität, nie eine Jeschiwoh besucht, keinerlei Ausbildung auf irgend einem geistigen Gebiet ist ihm zuteil geworden. Das allein läßt schon erkennen, welche Fülle von hingebungsvoller Arbeit an sich selbst dieser Führer leisten!mußte, ,wenn ׳ihm dennoch die Quellen des jüdischen und profanen Wissens und Erkennens in solcliä. hohem Maße erschlossen sind, daß die Thoraautoritäten, clie auf der Kenessio Gedaulo anwesend ■waren, ihn in feierlicher Weise mit dem Ehrentitel. jüdischer Gelehrsamkeit ausgezeichnet haiben.v, . ■;/A^udas Jisroel• •ist in dem Kranze, den Jacob RöSenh^ihi der jüdischen Gemeinschaft in unbesehreiblieher Liebe dargebotem, die köstlichste Blüte. 2

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