Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 15 (1929)
- Issue
- 38 (13.9.1929)
- Date
- 1929-09-13
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 JÜDISCHE PRESSE Nr. 38 taug ob, ihnen Zuschüsse 7,u ihrem Lebensunterhalt ■zu gewähren. Kaliisch: 28 Knaben, hiervon 6 Voll- und 22 Halbwaisen im Alter von 6 ׳bis 17 Jahren. Etwa die Hälfte der ׳Kinder wird in jüdischen und Drofahen •Disziplinen •mitcrrichtct. die anderen erlernen die Schneiderei -im Hause, einige sind auch bei Handwerkern׳ als Lehrlinge und Gehilfen untergebracht. Die Zusammenstellung ergibt, daß der K. W. F. aufhört, der Annehmer der Kriegswaisen zu׳ sein und׳ sich der allgemeinen Waisenfürsorge zuwendet. Das Waisenelend in Polen ist groß, und es wäre innigst zu begrüßet!, wenn der K. W. F. in der Lage wäre, an Stelle der ausscheidenden Kinder andere Waisen zu ׳betreuen. Er erwartet von seinen Freunden und Gönnern, daß sic ihm die Möglichkeit’geben, das Licboswerk. das unter den schwierigsten Verhältnissen begonnen und fortgesetzt wurde, auch in der Zukunft zum Segen unserer polnischen Brii-, der zu. erhalten. Eine Zuschrift von Oberrabbiner A. Lewin. An die . P. T. Redaktion der ..Jüdischen Presse“ Wien. Da der Inhalt meiner!Ansprache, mit ׳der ich namens des Zentralrates die Tagung der K. G. eröffnet habe, in der zweiten Kongreßnummer Ihres gesch. Blattes nicht richtig zitiert ist und zu' Mißverständnissen Anlaß geben könnte, möchte ich Sie um folgende Richtigstellung bitten: iEs ist nicht richtig, wie es in ׳Ihrem Berichte heißt, daß ich ״zunächst der Ereignisse in Rußland, die für das religiöse Judentum unermeßliche Gefahren birgt und dem dortigen gesetzestreuenr Judentum droht“, gedacht habe, und dann ״an die jetzigen Machthaber des russischen Reiches, der historischen Erscheinung des jüdischen Volkes den Respekt entgegenzubringen, der einem alten Kulturvolk gebührt“, appellieren wollte. Das war i;u meiner Rede nicht enthalten. Ich habe bloß hinweisend darauf, daß der Niedergau׳g des .religiösen Lebens während der seit der erste!! K. G. verflossenen 6 Jahre leider sich nicht verringert hat, , auch die furchtbaren Zustände in Sowietrußiand hervopgeliobei!'. wo unsere Brüder ihres Glaubens wegen in schrecklicher, an die furchtbarsten Zeiten des Mittelalters crinnenider Weise verfolgt und gcauält werden. •Mit einem Appell habe ich mich, gelegentlich׳ der Besprechung der schreckliche!! Vorgänge in Palästina, au die ganze Ktilturwelt, an die großen Völker Europas und Amerikas gewendet, incletn ich sic anrief, sie mögen diesen furchtbaren, jedem Begriffe von Kultur und Menschenrecht Hohn sprechenden Ereignissen, wie sie sich in Palästina abgespielt haben. nicht gleichgültig gegenüber stehen, ■sondern auch dem verfolgten iiidischen Volke, •gleich anderen bedrückten Nationen. Ihren Schutz, Ihren Beistand :nicht versagen. Hochachtungsvoll Oberrabbiner Aron Lc w i 11. Der Fraueiikoiigreß. Donnerstag den 12.. September wurde im Hotel Bayrischer Hof, Wien, II., Taborstraßc 39, die erste Tagung des. Frauenkongresses unter großer Beteiligung abgehalten. Nach den herzlichen Begrüßungsworten der Frau Ernestine 13 o n d i (Wien) wiircfe der Kongreß von der Frau des Gerer Robben, von Frau Sara Sclicnircr, von Frau Rabbi־ ner Hirschlor aus Prcßburg und verschiedenen Vertrete־ rinnen aus aller ■Herren Länder begrüßt , die allesamt dem Kongraß erfolgreiche Arbeit wünschten. Ein großangc־ legtes Referat wurde von Fräulein Dr. Judith Rosenbaum (Frankfurt a. M.) erstattet, worin in eingehender Weise das Problem der Mädchenorzichung itn Osten erörtert und die wunderbaren Erfolge der Beth־Jakob־Schulen geschildert wurden. Als nächste Rednerin sprach Frau Bloch über Mädchenerziehung im Westen. Die Referate beider Redne־ rinnen brachten den Wunsch zum Ausdruck, daß der ■Osten dem Westen und umgekehrt einander helfen mögen. Der nächsten Tagung, die Samstag,, halb 9 Uhr abends, ebendaselbst stattfindet, wird viel Interesse entgegenge־ bracht. . ...... . NACHRICHTEN I® Die »,Vereinigung traditionell-gesetzestreuer Rab- .biner Deutschlands“ gibt die nachfolgenden Resolutionen ihrer letzten Tagung an die gesamte jüdische Ocffentlich- ׳keit zur Kenntnis:‘ Die Vereinigung blickt mit tiefer Sorge auf die Tatsaclie, daß sieh selbst in religiösen Familien eine gewollte Geburtenbeschränkung bemerkbar macht. Sie weist mit Nachdruck darauf bin, daß Geburtenregelungen im allgemeinen einen schweren Jssur bedeuten. ׳Nur bei ernster Gefahr für die Gesundheit'׳können solche Maßnahmen vor unserem Gewissen •gerechtfertigt werden.!Niemals aber kan.ii ein einzelner in dieser Frage nach persönlichen Er- Wägungen eine •Entscheidung treffen, sondern muß den objektiven halachischen 'Rat seines Rabbiners einholen. Die Vereinigung legt allen Eltern die Verantwortung für unsere religiöse und nationale Zukunft ans Herz, die mir durch 1Kinderreichtum gesichert wird. Sie empfiehlt allen Frommen daher die ׳Rückkehr zur!Einfachheit der Lebe 11 s f׳ii 11 r u!1 g, durch, die sich erst der ganze Segen des!Familienlebens auswirken kann und die überhaupt Grundlage aller Religion ist. Die Gemeinde׳!! wie die eiiiize'Inen!!,:fibeii die hohe •moralische Pflicht, die 1F r ii 11 e 11 e zu fördern und kinderreiche Familien in ihrem Existenzkampf •zu schützen und zu begünstigen. ■ Die Vereinigung ru.ft alle Kreise unseres Volkes zur Förderung aller!Maßnahmen i׳m Interesse der Heilighaltung des Sabbat auf. Ohne den ׳Sabbat als absoluten Ruhetag und als Tag seelischer und geistiger Weihe ist das Judentum dem!Untergang verfallen. Die!Vereinigung betrachtet es daher als die oberste Pflicht eines jeden, in seinem Kreise denen zu ׳helfen, die den ׳Sabbat heiligen wollen, und die Bestrebungen des Weltverbandes der Sehomre-Schabbos eifrigst und dauernd zu unterstützen. Die Vereinigung begrüßt aufs wärmste die geplante (S i e d 1 u 11 g s a 1k t i o 11 d es R ׳e i c 11 s'b u 11 d e s Ij ׳ii d ischer Frontsoldaten. Sie erhofft von der Rückkehr zur Scholle eine seelische und religiöse Gesundung •der •jüdischen Bevölkerung. •Sic erwartet von der verau tr wort liehen Leitung dieses ׳Unteinieihmens, daß sie Sieheru11׳g׳e!1׳ für •die Heiliglialtuiig des' Sabbat);׳ und aller religiösen!Gesetze geben wird. Ein Ger Zedek. In einer clor letzten Ausgaben der jiddisch-sozialistischen New Yorker Tageszeitung•■ ..For- Werts“ klagt eine junge Frau folgendermaßen ihr Leid: ״leli bin die Tochter eines konservativen frommen Juden, teil lernte einen jungen Christen keimen und lieben, und Fand bei ihm Gegenliebe. Meine Eltern wollten jedoch die Ehe wegen des Glauben.suntorschicdes nicht zugeben, und schließlich willigte mein Bräutigam ein. zum Judentum . überzutreten. Niemand war glücklieber als ich. Die Trauung wurde nach jüdischem Ritus vollzogen, mul ich hätte das glücklichste .Leben führen können, wem! nicht ein großes Unglück cingetreten wäre. Mein Mann ist nicht nur offiziell zum Judentum übrrgetrelen. sondern hat die jüdische Religion mit allen l&otAs 'U.^ßaaphcAuAfürJtnaleJb 4md flädd&i fiuiOßjd&MahrecM //. fflalzgasse, o Eigenheiten so lieb, gewonnen, daß er ein treuer, überzeugter Jude geworden ist. alle Sitten und Gebräuehe und die Festtage genau einhäl.t, und überdies auch von mir fordert, daß ich ei neu" koscheren Haushalt führe, wie ich es bei meinen Eltern gesehen habe. Rate״ Sie mir. Herr ‘Redakteur, was soll ich. eine EreidCnkeriP. in dieSev peinliche!! Lage tun? Ich habe nichts gemein mehr mit . dem Judentum, seinen .Sitten und Gebräuchen. Ich habe mich bereits völlig assimiliert . . .“ Und was antwortet der sozialistische, d. h. atheistische Redakteur? Er meint zwar, die junge Krau ..vergehe sich nichts“, wenn sie auch weiter mit ihrem entarteten Mann zusammenlebe: doch möge sie es versuchen, ihn, natürlich ohne Zwang, in die Versammlungen der ,,Genossen“ zu bringen, wo er .durch die Reden vielleicht doch von seinen ,.Irrwegen“ auf die richtig(' Balm geleitet werden־würde . . . Es ist ■wirklich manchmal schwer, keine Satire zu schreiben! Der ,•Schmiras Schabbos“, Verband «abbathaltiencler Ka!ufleate lind Gewe!!betreibende Oesterreichs, Wien, hat beim Ge.werbe-iliiisipcktorat in Wien erwirkt, daß .׳die Bäckereien: ,Lddercr & Kcihn, Wien, 11״ Hollandstraße 7: Nußbaum!, Wien, II., Franz Hooliediingergass'e: Schächter, Wien, M״ S׳prin,gergas׳se 25; St rum. Wien, •II, Rote ’Sternga:sse 13: Karl Weiß, Wien, IJ., Floßgasse 9. vom 6. bis 20. September d. J. d!ie ׳Nachtarbeiten sowie die Sonntagsarbeiten׳ bis 10 Uhr •vormittags diirchlilliren dürfen. Es wird daher and! Sonntags ׳während! der Kenessio-Gedaulo- Tagung frisches Gebäck zur Verfügung!stellen. Verein ehemaliger Schüler der Preßburger Jeschiba. Anläßlich der II. Re.ness.io Gcdaulo fand unter dem Vorsitz S. Ell1r׳w. des Herrn Oberrabbiiiers Aikilba Schreiber eine' Konferenz der ׳ehemaligen Schüler d!cr iPreßburger Jeschilba statt. Nach einer Ansprache des Herrn Oberralbbiner Schreiber wurde beschlossen, einen Verein ehemaliger Schüler •der Preßburger Jieschilba mit dem Sitz in Preß- 1:1!!rg zu schaffen. (Wir koniimien auf diiesc •Angelegenheit noch zurück. I>. Red.) Der .uildjsdhe Jisclutw an den High Coimnissioner, (J. T. A•) Waad Leunii, Hauiptraiblbiuat und Agudas Jisroel in Palästina haben gemeinsam dem O'berkom- 11!1issar S!ir John Chancellor ein Memorandum unterbreitet, in welchem die Nöte und diie ,Sorgen des jüdischen Jischuw in Palästina int Zu sa mime ml laug׳ mit den fetzten tragischen ' Ereignissen dargelegt,!Klage gegen die Schuldigen erheben und Sicherheit für die Zukunft verlangt •wird. Besserung der Lage in Palästina. London, 11. September. (!Privat.) In dem gestern veröffentlichten offiziellen B e r i c 111 d e s K o'l o 11 i a Iamt es wird eine •allgemeine Besserung der Lage in Paläst'ina als unverkennbar bezeichnet. Die Angriffe auf isoliert gelegene jüdische Siedlungen haben auf ge hört. Die gegenwärtige Truppenzahl in ׳Palästina wird als durchaus ausreichend betrachtet, um Ruhe und ■Ordnung aufrecht zu erhalten. Wie weiter •bekaimtgegebeii wird, still die eng- 1 i s c 11 e Pol izei in Palästina verstärkt werden. 100 Polizisten werden •b cre ׳i t s!11 e u t c von L o 11don 11 a e!1 P a I ä s t i u a a b r eise 11. Die Untersuchung über die Zusammenstöße zwischen Juden und Arabern wird mit aller ׳Energie ■von den englischen Behörden betrieben. Gebiete, die sich als besonders führend 'in den Kämpfen erwiesen haben׳,■ werden mit Geldstrafen •belegt. London, 11. September. (Privat.) 111 den Kolonialkreisen herrscht große Nervosität wegen der über die politischen Verhältnisse in Palästina e׳in׳tre׳ffende!1 Nachrichten. Es sind Kuriere des Groß-Mufti mit Briefen abgefangen worden, in denen aus Kairo und Bagdad Waffen bestellt werden. Die Regierung hat beschlossen, .ספר "התם סופ-" דרשות מרבינו משה סופר זצוק״יל Die Kcncssio Gcdaulo ist nicht bloß die Versamm־ lung der Abgesandten der Aguda־Gruppen. Sie bedeutet schon heute, obwohl die gegenwärtige erst die zweite ihres Zeichens ist, für die gesamte Orthodoxie bedeutend mehr, als bloß den Kongreß einer .Organisation.- Sie wird allmählich die große Erscheinung, die mächtige R e p r ü־ s c 11 t a t i o n aller lebendigen u n d w i r k s a m c n Kräfte der O r t h ö d o x i e auch auf literarischem Gebiete. Die Buchhändler, die ihre Tische in den Wandel־ gängen des Kongreßhauses aufgestellt haben, waren bereit, uns mit einigen Neucrseheinungen aufzuwarten. Wir wollen hier zunächst das grandiose Werk, das in zwei mächtigen Quartbänden die homiletischen Schriften des Chassam Sofer enthält, hervorheben. Der Herausgeber, Herr Josef Naftali Stern in Siret, Bukowina (Rumänien), hat mit der Edition dieses Werkes eine Leistung vollbracht, die seiner profunden Gelehrsamkeit, seiner wissenschaftlichen Genauigkeit und nicht zuletzt seinem Familiensinn (Herausgeber hat eine Urenkelin des Chassam Sofer zur Frau) die größte Ehre macht. Durch das nun veröffentlichte Werk bekommen wir einen neuen Einblick in das Geistesleben des Chassam Sofer. Der seine Zeitgenossen überragende Lehrer und Meister der Halaeha, der große Führer seiner Gemeinde, der unentwegte Kämpfer gegen Reform und Abfall er־ scheint uns auf den lieblichen Gefilden der Hagada als weiser Ermahncr, als tiefschürfender Denker, als An־ bänger der Kabbala. Staunenswert ist die Fülle und Reich־ hältigkeit der literarischen Produktion des Chassam Sofer. Homilicn und agadische Werke des Chassam oofer sind wohl schon früher im Druck erschienen, aber erst durch diese neue Publikation, die eine umfassende und systema־ tische Ausgabe repräsentiert, bekommt man die Möglich־ keit, die Größe des Chassam Sofer auf diesem Gebiete zu bewundern. Der erste Band des Werkes beinhaltet die Derosehoth des Chassam Sofer von Tisehri bis Nissan, der zweite von Nissan bis Tisehri. Eine überwältigende Etile der Gedanken entströmt den Fest־ und Bußpredig־ ten, der Hcspcdim und Miessor Derosehoth, die uns hier entgegentreten. Die Sorgfalt des Herausgebers, der das Werk mit vielen nützlichen Bemerkungen versehen hat, ermöglicht eine verhältnismäßig leichte Einarbeitung in eine neue Welt — in die Gedankenwelt des Chassam Sofer —, die uns heute leider vielfach verloren gegangen ist. Möge die fleißige Lektüre des Werkes, die VerticFung in seine Gedankenwelt dazu beitragen, die geistige Atmosphäre des Chassam Sofer neu zu bilden. Das Werk ist in der Buchhandlung Abraham Schächter, Oradea (Romania) und S. Silber et Comp., Buchhandlung, Ccrnauti (Romania) erhältlich. Die Stellung des Rabbiners. Wir entnehmen folgenden Aufsatz dem soeben im Verlag I. Kaufmann, Frankfurt a. M. erschienenen Werke: Programm oder Testament? Von Isaac Breuer. Wir behalten uns eine eingehende Besprechung dieses interessanten Werkes vor. D. Red. Ein zuverlässiger Gradmesser für die Energie des jüdisch־religiösen Lebens ist die Stellung, das Ansehen des Rabbiners. Dieser Punkt braucht hier, heikel wie er nun ein־ mal ist, nur gestreift zu werden. Wir wissen ja alle, was es damit für ein Bewenden hatte. Unsere Rabbiner waren in ihrem Verhältnis zu den Gemeindegliedern mehr und mehr den protestantischen Geistlichen nahegerückt; in den gehobenen Momenten des Lebens versah man sich von“ ihnen, daß sich das Wort zur rechten Zeit wohl einstelle. Zentralsonnen, die unser geistiges und seelisches Leben beherrschen sollten, waren sie uns nicht. Irgendein Vorwurf kann ihnen hieraus kaum er־ wachsen. Die Zeit war ihnen nicht günstig. Wir ließen sie zumeist ihre Ausbildung an einer Stelle empfangen, in der schon seit Lessings Tagen scharfe Verstandesluft weht. Sie wurden dort im besten Falle zu ehrlichen Wissenschaftlern. Für flammende Engel war das Klima zu kalt. Mit deutsch־jüdischer Ehrlichkeit haben sie sich dann vielfach — mit zuweilen doch wohl von uns ein wenig unterschätztem Erfolg — bemüht, Talmudisten älteren Schlages zu werden. Aber wir waren ja in diesem Betracht gar nicht anspruchslos. Und so hatten wir schließlich die Rabbiner, die wir verdienten. Wir hatten fromme Rabbiner. Wir hatten ehrliche, gebildete, wir hatten wohl1 auch kundige Rabbiner. Aber hatte nicht — die Hand aufs Herz — Ger־ hart Hauptmann uns mehr zu sagen? — — Zuweilen sind uns unsere Rabbiner auch hierin ge־ folgt und suchten uns bei Gerhart Hauptmann zu fassen. Aber der Umweg war wohl zu groß. Uns wirkliche Führer zu sein, haben viele nicht ein־ mal den Anspruch erhoben. Aber hätten sie sich auch vorne hingestellt: wären wir ihnen denn gefolgt? Vollständige Grammatik der ult- und neuhebräisehen Sprache von Israel Bursztyn. Wien, 1929. Die Büi's/.tyiisehe Grammatik zeichnet siel! von allen anderen dadurch ans, daß sie als erste auf selbständiger Grundläge steht und den tausendjährigen Ballast, den die judisclie und christliche Grammatik Aumeinander abgeschrieben haben, über Bord wirft. Es ist zum Beispiel keine Spur zu finden von den fünf kurzen und fünf laugen Vokalen׳ (impl. haben es sämtliche Grammatiken). Sie baut die Ablautgesetze konsequent auf, sie erklärt die heutige, sogenannte VOrtondehnung׳ und bringt eine Anzahl Hypothesen und Gesetze, die in der bisherigen hebräischen Grammatik noch ganz unbekannt sind. Besonders interessant ist, daß der Verfasser die traditionelle Aussprache vieler Wörter berücksichtigt und naclisveist, daß dieselbe im Gegensatz zu der herrschenden Ansicht der meisten Gelehrten historisch berechtigt ist. Er zeigt auch, daß die hebräische Sprache im Gegensatz zu der herrschenden Meinung denselben oder noch grüßereu Reichtum au Konjugationen (Binjnnim) besitzt als die arabische. Für den Schüler ist wichtig, daß sämtliche Substantive untersucht werden auf Geschlecht, Biegung und Verbindung mit Suffixen (Kinnujim)'mit PJuralendung (im oder 6(11), so daß das Buch für jeden Lernenden, besonders aber für den Selbstunterricht und als Nachschlagewerk fast unersetzlich ist. Rühmenswert ist auch, daß der Verfasser die Sprache des Talmuds, Midrasch im und der späteren Literatur genau berücksichtigt, so daß das Werk wirklich mit vollem Recht den Titel einer vollständigen Grammatik der alt- und neuhebräisehen Sprache führt. Dr, L. D e 11 t s e 11 1 ü n d e r.