Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 15 (1929)
- Issue
- 38 (13.9.1929)
- Date
- 1929-09-13
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 33 JÜDISCHE PRESSE Seite 5 ' Die Weltjugendtagung! אמר רב עתידים בחורי ישראל שיתנו ריח טוב כלבגור שנא׳ ילכו יונקותיו ויהי כזית הודו וריח לו כלבנון.!Fin schönes und erhebendes Prälüdiimi war der Kenessio Gedaulo Mi der Weitjugendtagung bcschieden. Ans aller Welt Famen diese jungen Menschen, die sich der verschiedensten Sprachen ׳bedienen, 11m einem Gefühl Ausdruck zu geben. Viele Herzen und c i 11 Schlag, der dem Ideal "der Agudas Jisroel gilt. Die alten, bewährten Führer werden aus dem Anblick dieser blühenden und begeisterten Schar neue Kraft schöpfen und mit stolzer Zuversieht und freudiger Hoffnung an die schweren Aufgaben herantreten, die ihrer harren. Denn eine solche Jugend hinter sich zu wissen, ist der gewaltigste Rückhalt einer Partei und ihrer Idee. Wo wurde je an eine Bewegung das Begehren gestellt, das Herr S. Stern, der den Tag im Namen der österreichischen orthodoxen Jugend begrüßte, rocht eindeutig in dem Satze;formulierte: ,,Wir verlangen, daß mau von uns!verlangt!" Und es gab keinen unter den 120 Delegierten, die 14 Länder entsandt hatten, der nicht restlos zugestiimimt hätte, (Die Saat der Agudas Jisroel ist eben herrlich aufgegangen. מצי[ בוצין מקטפי׳ יריע Dies war auch der Tenor der Begrüßungsansprachen der ehrw. Herren Obberrabbiner Fairst, Wien (für den Rabbinischen Rat), Lcvin, Rzeszow (für den Zentralrat) und Horow!i'tz, Warschau (für G. A.). Herr ׳Bondi, der für den vorbereitenden Ausschuß das Wort ergreift, sicht die Lositng der Tagung im Gedanken von .לא בחיל ולא בכח כי אם ברוחי אמרה׳ Nachdem Herr Landsberg (Lodz) die Teilnahme und Wünsche der Poale A. J. übermittelt hat. richtet Herr Dr. P. Kohn, mit stürmischem Beifall׳ einlpifangen. einen eindrucksvollen Appell ati die Versammlung, indem er ihr zuruft: ״Lassen Sie sich nicht erdrücken von den Gefühlen der Minorität, erfüllen Sie die in Sie gesetzte Hoffnung. Glaubt an .Euch und an die anderen, die neben und mit Euch ringen! Denket auch nicht, woher Ihr kommt, sondern wohin Ihr geht."!Hierauf niimant das Tagesprüsidluni auif der Tribüne Platz. Es besteht aus den Herren Goodman (England), Gordon (!Amerika), Kaipito (Polen), Stroh!(Oesterreich) und den Schriftführern Donnenbaum (Tschechoslowakei), Friedmanu (Beilgieu), Goldschmid (Holland). Den Vorsitz führt der energische und sachliche M. Lowenstein (Schweiz). Es wind nun stehend eine Resolution angenonunen, die die tiefe Trauer der Versammelten angesichts der furchtbaren. Ausschreitungen im Heiligen Lande zum Ausdruck bringt. Insbesondere wird der O.pfer der Jeschiwo in Ghebrou gedacht, die die Blutzeugen unserer Gesinnung geworden sind. Nach kurzer Geschäftsordnungsdebattc wird die Vormittagssitzuug geschlossen. Um halb, vier Uhr wird die zweite Sitzung durch die Ansprache eines Ghcbroner Jeschiwahtjütigers, Herrn Marianis, eingelcitet. Mit tränenerstickter Stimme überbringt er die Bcrocho seiner Kameraden, die heute schon in der Jeschiwoh־ schcl maalo sitzen, und fordert die Delegierten auf, im Sinne jener Kcdauschiim zu wirken. Von polnischer Seite wird darauf gedrungen, den Charakter und die Kompetenz der Tagung zur Diskussion zu stellen; der Antrag wird mit zeitlicher Verschiebung akzeptiert. Nun ergreift, Herr Obcrräb.blncr D1־. Munk (Ansbach) das Wort zu , einem groß angelegten Ghinuch- Referat. Er gliedert dabei seine Ausführungen in drei ,reife, nach den Bezirken der Seele: in Denken1, Fühlen und Wollen. Er kommt zur Feststellung, daß das Thauro im Derech-Erez-Prinzip im Westen zu einem Derech-Erez im Thauro-System verkümmerte, und sieht Abhilfe in einer weitgehenden Intensivierung des Limud. Den geistreichen Ausführungen des Redners folgt ein Korreferat des Herrn Schwarzniaun (Warschau), das den Ghinuch im Osten bchandelt. Herr Stroh (Wien) läßt die extremste Auffassung des Chinuoh-Pröblems hören, was nicht ungeteilte Autnähme findet. Die Ghinuoh-Dcbatte wird unterbrochen und der Verfassungsfrage Raum gegeben. In bezug au; die Kampetenz der Tagung stehen einander ein deutscher nudeln polnischer Antrag gegenüber. Letzterer, der schließlich Ortsnamen. Von L. Moses. A11 einer im äußersten Nordosleu Wiens beginnenden. im allgemeinen aber sehr wenig bekannten Balm•‘ linie liegt Gawcinstal. Nicht einmal der Badeort Pyrawart'h, der an derselben Strecke liegt, mul Bockfließ, der W ohnort eines sehr gesuchten Wunderdoktors, tragen wesentlich zur .Belebung des Verkehrs auf dieser allseils von. der großen Heerstraße liegenden Linie bei — die Anrainer der Landesbahn aller dürften über diesen Mangel gar nicht böse sein, da sie unter der Ranchentwicklung der wenigen verkehrenden Züge ohnehin schon genug za leiden haben. Gawcinstal ist ein großer Marktflecken, der seinen so altdeutsch klingenden Nameu aber noch nicht allzu lange führt. .Hinter ihm verbirgt sich das alte Gaunersdorf, dessen Einwohner den Namen ihres I leimalsortes als anrüchig empfanden und vor etlichen Jahren auch seine Aeudcrung durchsetzten. Aber so gründlich diese Namensänderung auch ist, auf den Oriontierungstafeln׳ der benachbarten Orte istnoch iininer die alte Bezeichnung vorherrschend. Auch für die Ortsnamen gilt die Kegel von der Ahirbcdentnng, die im Namen liegt, aber genau genommen hätten die guten Gaunersdorfer gar keinen Grund zu dieser Acnderunix gehabt, da die aus dem (5. Jahrhundert überlieferte •S1l1rcil1wei.se des Namens Govnesdorf und Gouninesdorf tugeinlich ״Dorf des Gaufreundes“ bedeutet. ■Im 16. und 1ל. Jahrhundert haben aber nach verbürgten Nachrichten di(* Gaunersdorfer eher der neueren Schreibweise Ehre angetan und ebenso wie die Einwohner des weiter nördlieh gelegenen Ortes Schrick das zwischen diesen beiden Orten gelegene Stück der alten Straße von Wien nach Brünn zum Schrecken der Reisenden gemacht. A u> Prozeßakten geht hervor, daß u. a. im Jahre 1573 "1 Cunnersdorf ״Adam jiidl, jud zu Hüttersdorf“ beraubt wurde, und es ist vielleicht auch verdächtig, daß gerade ein Postmeister von Gaunersdorf im IS. Jahrhundert ein Kloster und eine Kirche bauen lassen wollte, sich dann aber mit einem Beitrag zum Ausbau der Kirche begütigte, und daß auch ein Postbote daselbst (‘ine schwere Glocke gießen ließ. Ebenso wie später der berüchtigte Rüuberhauptmann Grasl einen Teil des Wald- ' iortcls zur Yerbrechergegend stempelte, war eben einst auch die Gegend um das heutige Gaweinstal gefürchtet. Auch der Name des an derselben Bahnlinie liegenden G r o ß - S c h w e i n 11 a r t, das durch seinen Weinbau auch in Wien hinlänglich bekannt ist, gibt Anlaß ACHTUNG, KENESSIO GEDAULO! Antikes Sefer Thora, erstklassige Schrift, auf עור שליל, ganz in Silber gefaßt, mit Punzierung ״Altwien״ vom Jahre 1817, mit acht alten dazugehörigen Mäntelchen, samt antiken silbernen כלי קודש und כתר sowie antiken silbernen Tassen, darstellend עקדת יצחק etc. nur an orthodoxe Bewerber zu verkaufen. Preis 1400 Dollar. 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M.), Eis (Zürich), Eisenberg (Lodz), Sterübuch (St. Gallen), Stern (Wien), Halpern (Lemberg) und M. Weiß (Preßburg). (Von sacht- I ich cm Eindruck sind die Worta des Ra'bb. Horowitz (Wolhin), der eine tatkräftige Aktivierung der agudistisehen Arbeit fordert. Um 11 Uhr wird die Sitzung auf Mittwoch, 9 Uhr, vertagt. 1Den!Begrüßungen der Herren M. Blau (Jerusalem), 'Rabbiner Auerbach (Halberstadt) und Rabb. Dr. Winkler (Kopenhagen) folgt das Referat ■des Herrn J. Saenger (Frankfurt) über die Augestelltenfrage. Redner verlangt ‘eine Aktion der Agudas Jisroel, durch die die Unternehmer gezwungen würden, schaibboshaltendes Personal eiuzusteilen. Ein Zusammengehen von Arbeitgeber und Arbeitnehmer verwirft er. weil die Gegenwart des Brotherrn die Schlagkraft des Angestellten lähme. ,Nachdem Herr Goldschmid gegen diese Ausführungen, in ihnen das Gespenst •des Klassenkanipfes!sehend, repliziert,!gibt der Vorsitzende die sechs Vertreter der Wcltjugend bei der Kencssio Gedaulo bekannt. Es sind dies die Herren Ascher, Krongrad, Landau, Stroh, Vredenburg und Weiß. Es wird min die Diskussion über das Angcsteilltenproblcm eröffner, welche bei Blattscbluß noch nicht beendet ist. Wir werden darüber wie über den weiteren Verlauf der Tagung tberieihteiT. Bericht über den Kriegswaisenfonds der Agudas Jisroel erstattet der!1. Kenessio Gedaulo, Elul 5689. Seit dem Jahre 1923׳, dem Jahre der ersten Kenessio Gedaulo, hat der Kriegswaisenfonds der Agudas Jisroel seine Arbeit im Dienste •der Waiisen!fürs01lge nach Maßgabe der ihm zur Verfügung stehenden Mittel fortgesetzt. Die Mittel freilich waren entwertet und die Jahre der In- Ration und diie folgenden Jahre hatten die Kurve des Wohltu ns, auf welchem •die Tätigkeit •des Kriegswaisenfonds aufgebaut ist. in einem erheblichen Maße!gesenkt. •Während die Papiermarik!mit vollen Händen gegeben und auch noch im Jahre 1924 namhafte Beträge in neuer Währung ,vereinnahmt wurden, beginnt sich im Jahre 1925 der Wirtschaftliehe Niedergang auch bei unserer!Organisation stark bemerkbar zu machen. Trotz einer eifrigen Propaganda, die in der Berichtsperiode entfaltet wurde, muß mit 'Bedauern ifestgestellt werden, daß die Spenden, die •der Kriegswaiscufonds erhält, von Jahr!zu Jahr eine Abnahme erfahren haben, und daß :Beiträge von 20 Mark an schon izu den nennenswerten• 1Zuweisungen gezählt werden müssen. Es ist notwendig, diese iBctrachitiiiiigen den! ׳Bericht voran zu- ,sohicken und ׳unter diesen Gesichtspunkten׳ ׳die Tätigkeit des K. W. F, zu •betrachten. Der K. W. F. ,mußte cs sich unter diesen Umständen genügen lassen, seinen Waisenhäusern nur einen Teil ihrer ExLstenzmittel!zukommen,zulasseu und mancherlei ׳Ansprüche, die an ihn herantraten, nur zum Teil zu befriedigen. Freilich, auch ohne die verminderte Hilf Stätigkeit des K. W. F. wäre es heute selbstverständlich, daß die polnischen Gemeinden, in deren Mitte die Waisenhäuser vor dreizehn Jahren errichtet wurden, zu der Erhaltung dieser!bedeutsamen ,Institutionen beitragen׳, da es ja ihre Kinder sind, die hier dem Leben und dem Judcnaum erhalten werden. Besondersschmerzlich ist cs, daß über ganz Polen •schwerste Sorgen lasten und die Gemeinden ihren Verpflichtungen mir teilweise uachkommicn können. Neben Ihnen hat in den letzten Jahren ׳der Joint große Mittel für die polnischen Waisenhäuser verwandt: die!Kapitalien des Joint sind zur- ,zeit leider erschöpft, und!Polen erwartet :sehnsuchtsvoll׳ ein Wiederaufleben der amerikanischen Hilfstätigkeit. Die folgende Aufstellung ,zeigt den!bedauerlichen Rückgang der ׳Einnahmen des K. W. F. 1924 24.194 Mark. 1925 19.231 Mark, 1926 ,14.373 Mark. 1927 12.126 Mark, 192S 11.281 Mark: 1929 bis 30. Mai 4410 Mark. Hierzu kamen freilich am 1׳. April dieses Jahres 10.385 Mark als erste Ausschüttung der Wohlfahrtsrente. Die eingegangenen Gelder wurden den׳ Waisenanstaltcn ■in Bialystok. Kali sch und Warschau zugeführt.!Kleinere Beträge 'erhielten ׳zu Beginn der Berichtsperiode die Waisen in ׳Sowjetrußland; desgleichen ׳wurde das Waisenhaus der Agudas Jisroel in!Baden ,bei Wien ,zeitweise 'bedacht w׳ie auch einzelne Waisenkinder, •welche in deutsclien Waisenhäusern oder In Privathäusern amte!■gebracht sind. Als ein lichter Punkt■ dieses Berichts ׳darf das Leben in den Waisenhäusern, . ■der Gesundheitszustand unserer Zöglinge, ihre körperliche ■und geistige Entwicklung!und vor ■allem ihre Verbundenheit mit Tauroh und Mlzwans bezeichnet werden.. Es würde ׳den Rahmen dieses 1Berichte« weit überschreiten, einzelne Bilder aus den Waisenhäusern •zu entwerfen —■ es •darf ausgesprochen werden, daß unglücklichen und ■elternlosen Kindern eine Fülle von Liebe erwiesen wurde, ■und daß seit Beginn unserer Tätigkeit mehrere hundert Kinder einer neuen ׳Heimat und einer freudvollen Jugendzeit teilhaftig geworden sind. ׳Der augenblickliche Stand unserer Waisenhäuser ist der folgende: (Bialystok: 58 Kinder: hiervon 41 Mädchen und 17 Knaben, ׳je zur Hälfte Ganz- •und Halbwaisen. Der Aufenthalt der Kinder im Waisenhaus 1bewegt sich ׳zwischen 1 und 11 Jahren, das Alter •der Kinder zwischen 8 und 17 Jahren. Die Kinder vom 14. Jahre an befinden islich in der •beruflichen Ausbildung, die Mädchen hauptsächlich als Schneiderinnen, die Knaben ■als Schneider. Tischler, ׳Kiirsohne.r, Maler, Mechaniker usw. Dem Waisenhaus ist!eine Abteilung für •Säuglinge ungeschlossen, in welcher 12 Knaben und 8 Mädchen verpflegt werden. Warschau:!28 Mädchen und zwar 8!Ganz- und 20 Halbwaisen. •Das Alter der Kinder bewegt •sich ׳zwischen י dem 8. ׳und 19. Jahre, ihr Aufenthalt ,int Hause zwischen 1 und 12 Jahren. Die Hälfte der Kinder, welche, ׳sobald sie erwachsen, beruflich ausgebildet werden, verläßt in einigen Monaten ׳das Waisenhaus. Unter ihnen!befinden sich hervorragende Stickerinnen,!und •sehr geschickte Schneiderinnen und Modistinnen. 'Auch ׳nach ihrem •Weg-, gang vom Waisenhaus liegt dem K. W. F. die Verpfiichzu Untersuchungen. Ursprünglich besaß er nicht seine heutige etwas groteske Form, sondern lautete Su in wart und bezcichnete einen Ort, der an! Rande eines durch seinen Reichtum an Schwarzwild berühmten Waldes lag. Später wurde dieser Wald durch den Weinbau eingeengt und der Ort nannte sich Schuenburg und Schweinburg, bis er seinen gegenwärtigen Namen erhielt. Als Schweijiburg beherbergte unser Groß- Schweinbart im 17. Jahrhundert auch eine sechzehn Familien zählende judengcmciiide, die damals etwa ein Zehntel der Einwohnerschaft ausmachte. Nach der Juden- Vertreibung des Jahres 1670 ])lieb aber von dieser Episode nur der Name einer Nikolsburger jüdischen Familie übrig, die noch heute den Namen Schweinburg führ(, und ein Acker am Oitsrande, der von den Bauern noch jetzt als ,.Judenfriedhof“ bezeichnet wird. Bei Grabungen auf diesem Acker hat man Reste einer Umfassungsmauer dieses Friedhofes gefunden und bei dem bekannten historischen Sinn der österreichischen Juden ist zu erwarten, daß die Iiiemit gegebene Anregung ■hinreichen wird, um weitere Grabungen zu ermöglichen, die den Friedhof mit seinen Grabsteinen bloßlegen sollen. Tm Rurgenland führt der auch durch seinen Säuerling bekannte Ort D e 111 s c 11 k r e u z auch bei der christlichen Bevölkerung den ihm von den Juden seit alten Zeiten bcigclegtcu Namen Z e 1 e in. Ich kenne ferner aus einer sehr interessanten Arbeit des Wiener Rabbiners Dr. Taglieht eine Reihe, von Orten im ehemaligen Ungarn mit jüdischen Namen und auch für Galizien bereitet der Archivar der Wiener Kultusgemeinde Saul Chajes eine Zusammenstellung aller vom jüdischen Volksmunde geprägten eigenartigen Ortsbezeiehnungen vor. Auch in Niederösterreich gibt es, selbst wenn wir von den mit ״Juden“ zusammengesetzten Ortsnamen, wie Judenau, Judenleiten usw״ die■ einet׳ eigenen Untersuchung Vorbehalten seien, abselien, eine Reihe solcher Orte. Trili us winkel hei Baden soll — ,natürlich unverbürgt — von den im 17. Jahrhundert von dort ausgewanderten Juden ein ״trübes Winkel“ genannt worden sein,’ und auch das durch seinen Wein berühmte Städtchen Zistersdorf int nordöstlichen Niederösterrcieh, das entweder wegen seiner Zisternen oder weil die Pfarre ursprünglich den Zisterziensern von Zwettl übergeben Avurue, im Mittelalter den Nameu Zystesilorf oder Zystelstorff führte, hieß in den jüdischen Quellen jener Zeit Zizisdorf, da die Juden bei diesem Namen wohl an die ähnlich klingende Bezeichnung der rituellen Schaufäden dachten. Im 16. Jahrhundert war Zistersdorf einer der weriigeu Orte, in denen das Aufeutlialtsrecht vou Juden durch die ״Judenschützung“ a01־u 28. Mai 1529 (deren vierhundertjähriges Jubiläum Avir heuer feiern könnten), gesichert Avav, und die Namen mehrerer Zistersdorfer Juden aus dem 15. und 16. Jahrliundert sind in Urkunden erhalten. ]Nebenbei bemerkt, kann Zistersdorf auf eine bewegte Vergangenheit zurückblicken, da Tschechen, ScliAvedeu, Türken und ungarische Rebellen den heute so ruhigen Ort zu verschiedenen Zeiten gründlich verwüsteten. Wenn aber der Name von Zistersdorf durch seine ehemaligen jüdischen Be- Avohner bcAvußt oder unbewußt umgedeutet und umgeformt Avnrde. erweckt der Name des in derselben Gegend liegenden Bauerndorfes T a 11 e s b r u n 11, der ganz bestimmt ohne Hinzutun von Juden entstanden ist, die Erinnerung au den Talis, den jüdischen Gebetsnmutel. Zu den Zizis gehört nun einmal der Talis, an dein sie befestigt Averden sollen; in Wirklichkeit ist aber der Name Tallesbrunn aus Telcsbrunn, Tolinsbrunu entstanden und hat mit Juden und jüdischen Gebräuchen ehensOAvenig zu tun wie das bei Baden gelegene Feesdorf, dessen mittelalterlicher Name Levisdorf auf keltisch Lewstorf zurückzuführen ist. Interessant ist in diesem Zusammenhänge auch das kleine Ocrtchen S a b a i 11 e 111• c i t bei Göpfritz an der Wild, dessen Name a־ i e 11 e i c h t auf Sabbatianer (Au- ]länger des Sablmtai Zewi) aus dem nahen Mähren oder auf eine Art Sabbatquartiev.umherziehender Juden zuriickzufiihren ist. Natürlich wage ich diese Vermutung nur mit aller Vorsicht auszusprechen; A\־ic ein — etwas derber — Witz klingt es aber, Avenn de!■ Ort Stockstal 1, Bezirk Kirchberg am Wagram, im Codex Truditioimm Claustroiicobiirgeusis — Dochesdal genannt wird. Einen Ort aber kennen Avir in Niederösterreich, dessen Name tatsächlich heAvußt hebräisiert zu sein scheint, und das ist das im Bezirke Hollabrunn gelegene Immendoi'f, das schon im 12. Jahrhundert als Inizindorf genannt wird und seinen heutigen Namen Avahrselieinlich seiner Bienenzucht verdankt. In den Jahren 1666 und 1667 Avohnten dort einem im Wiener Hofkammcrarchiv befindlichen Verzeichnisse zufolge drei steuerpflichtige jüdische Familien, und in diesen Verzeichnissen Avird der Ortsname in hebräischer Umschrift durch ״Imidorl” Aviedergegebcn, Avas s0A־iel Avie ״das Dorf meiner Mutter“ bedeuten könnte. Wahrscheinlich Aval* hei dieser Umformung auch ein Avenig ein Wunsch mitbestiinmender Vater des Gedankens, der Wunsch nämlich, daß jeder Ort. an dem wir uns befinden, au . seinen Bewohnern in erweitertem Sinne Mutterstelle vertreten und sie schlitzen und hegen möge wie eine Mutter.