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Jüdische Presse · 1929-09-13 · 38 (13.9.1929) · page 4

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Journal
Jüdische Presse
Volume
15 (1929)
Issue
38 (13.9.1929)
Date
1929-09-13
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 JÜDISCHE PRESSE Nr. 38 stehen, den Mut für eine Förderung; des Keren Ilathora aufbringen! Als der Keren Ilathora geschaffen wurde, stand er unter einer glücklichen historischen Perspektive: im Jahre der ersten ..Kencssio Gedaulo“, 1923. waren gerade 1?0 Jahre verflossen, seit im östlichen fudentum eine cre r schärfsten Spaltungen geschehen war. Im Jahre 1772 hatte Rabbi Elijahu, der Gaon von Wilna, sein erstes scharfes Sendschreiben gegen die neue Richtung verfaßt und im gleichen Jahre teilten die damaligen Großmächte zwischen sich das polnische Reich — die äußere Treuliung wurde also von einer folgenschweren inneren begleitet. Und die letzte Entscheidung des Gaon im Jahre 1797 brachte die Spaltung zum schmerzlichen Ab- Schluß — kurz nachdem die europäischen Mächte durch die dritte •mul letzte Teilung das politische Schicksal Polens besiegelt hatten. Erst (las Manifest, das die Gründüng des Keren Hathora cinlcitcte, trug dann wieder, zum ersten Male nach hundertfünfzigjähriger Trennung, die gemeinsame Unterschrift der Häupter der chassidisehen und misnagdischen Richtung. Und diese Einigung der glaubenslrcuen Judcnhcit des Ostens vollzog sich wiederum nur wenige Jahre nach der Wiederherstellung der Selbständigkeit des polnischen Reiches! Möge das ein glückverheißendes Vorzeichen einer weiteren, vollständigen Einigung der gesetzest reuen Judenheit sein, der Einigung für die Ziele des Keren Ilathora! Denn Arbeit für das jüdische Kind ist Rettungswerk am Judentum. ,.Jerusalem wurde zerstört, weil man dort für die Schulkinder nicht gesorgt und die Weisen unseres Volkes mißachtet hat.“ Welche furchtbare Eindringlichkeit gewinnen diese Worte heute unter dem Eindruck der blutigen Geschehnisse im Heiligen Lande. Aber keine Entmutigung sollen sic uns sein, sondern ein Ansporn, noch hingebungsvoller an der Förderung wahrhaft jiidischer Erziehung niilzuarbciten, damit die Befreiung durch G-tt sich erfülle, ohne die nach den Worten des Propheten die äußere Befreiung des Volkes und seine Heimkehr nach Erez Israel unmöglich ist: ״Die der Ewige befreit hat, werden zurückkommen und nach Zion kommen mit Jubel und ewige Freude wird auf ihrem Haupte sein, fliehen werden Kummer und Leid.“ "ופדר ה׳ ישובון ובאו ציון ברנה, שמחת עולם על ראשם ונסי יגון ואנחה.“ Nach den mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Ausführungen des Referenten sprach Oberrabbiner Wcill Colmar, Sische Friedmann, Warschau über die Leistungen des Keren Hathora in Frankreich, bzw. Polen. Rabbiner Dr. J u n g, New York, widmete zunächst warme Worte des Gedenkens dem verstorbenen Führer des amerikani־ sehen Judentums L. Marshall, dann sprach er überaus temperamentvoll und optimistisch über die Zukunft des thoratreucn Judentums in Amerika. Er gab der Hoffnung Ausdruck, da ßman in einigen Jahren aus Amerika nicht nur Dollar erwartet, sondern auch geistige Führer. Es sprachen dann noch Oberrabbiner Tal, Utrecht, der Ben־ diner Raw Lewin und der Dombrower Raw Weiden־ f e 1 d. Die vierte Sitzung. In der Nachmittagssitzung, die um fünf Uhr vom Präsidenten, Oberrabbiner Zicrelsohn eröffnet wurde, spricht zunächst Herr S l a g t e r, Rotterdam. Er sagt, den G. A. nicht kritisieren zu wollen, ihm im Gegenteil gratu־ lieren zu wollen, weil es trotz des Mangels an genügender Mithilfe, außer der unserer begeisterten Jugend, und trotz des Mangels an Finanzen, ihm gelungen ist, diese zweite Kenessio zusammenzurufen. Die holländische Aguda hofft, daß das bisher Geleistete immer mehr weiter ausgebaut werden könne und hofft, die diesbezüglichen Anträge noch vorzubringen. Es gibt in Holland aber auch eine Strömung in der Aguda, die für Vertiefung des Aguda־Zielcs ist. Nicht nur auf die ״jeweiligen“ Aufgaben, sondern auch auf die Ewigkeitsaufgaben des Judentums soll ihr Augen־ merk gerichtet sein. Der G־ttesglaubc sollte vertieft und der ganzen Menschheit gegenüber mit Enthusiasmus v e r k ii n d e t w erde n. Eine ebenso großartige wie heilige und zarte Aufgabe ist es, die jüdische und allge־ mein menschliche Geschichte vom Standpunkt des Vor־ s e h u n g s g l a u b e n s aufzufassen und wiederzugeben. Den IJ n i v e r s a 1 i s m u s im Judentum, wie unsere Pro־ pheten sic gelehrt haben und wir sie in unseren Gebeten aussprechen, soll der Menschheit vorgehalten werden. An Mäntel und Kleider Blusen, Schlafrocke, gestrickte Westen Fürs Kind: Kleidchen und Manterl, Pyjamas und Schürzerl Knaben«Anzüge prima Qualitäten Billigste Preise Wien, 11״ Taborstrafje 20 Jeder Teilnehmer des Kongresses erhält 70°/0 Rabatt vom angeschriebenen Preise!;; Einzig orthodox כשר f Milchspeisehalle I E unter Aufsicht des ehrw. Rabbinates der טרח ישראל I j► (Schiffschul) y | Frühstück — Jause —־ Nachtmahl i JOHANNA DEUTSCH | £ Wien, II., Hermlnengasse (Ecke Franz Hochedlingergasse) großen Denkern und tief empfindenden Idealisten fehlt es uns glücklich nicht und weniger noch an historischen Zeugnissen und literarischen Fundgruben, wir brauchen nur geistige Arbeitsgemeinschaften, die sich zu diesen hohen Aufgaben bekennen. Wenn das Judentum auf er־ habene Weise verkündet wird, werden wir auch den leider weit von uns stehenden Brüdern und Schwestern imponic־ ren und das Bestreben, das in einem Antrag der Vcrfas־ sungskommission niedcrgclcgt wird□מפרבאתןהרחול,י zu sein, fördern können. Von der holländischen Aguda kam auch die Anregung zur Gründung eines קרי השבת und es sei fcstgestellt, daß die Initiative, woraus der ״Weltvcrband für den Sabbat“ entstanden ist, von der Aguda ausge־ gangen ist. Namens der holländischen Aguda wird bean־ tragt, an die Spitze der Resolutionen, .die vor dem Kon־ grcßschluß angenommen werden, eine Proklamation an die ganze Menschheit zu stellen, worin erklärt wird, daß das jüdische Volk, sich auf dieser Kencssio aussprechend, sich voll und ganz bewußt bleibt, ein C־ttes־, ein Touro־ volk zu sein, ein Königreich von Priestern und ein heiliges Volk, mit dem Bestreben, seine Mission in der Welt zu erfüllen. Möge die Agudas JisrocI eine immer stärkere geistige Bewegung werden! Ferner sprachen Rabbi Kahanc, Brooklyn, Goodma n, London, der Lomascr Raw Bachs, Friedensohn, Lodz, F r ä n k e 1, Szc־ zow, Hebe r, Kalisch, zu dem Geschäftsbericht. Sowohl Herr Fr Unkel wie Herr Heber üben scharfe Kritik an der Leitung und bedauern die mangelhaften Leistungen, die Agudas JisrocI in den letzten sechs Jahren auf dem Gebiet der Propaganda, Organisation und Preß־ wesen aufzuweisen hat. Herr FI e h e r beantragt einen siebe ngliedrigen Geschäftsausschuß zu bilden unter der Voraussetzung, daß die Mitglieder des G. A. sich vollkommen in den Dienst der Aguda־Arbeit stellen. Auf all diese Vorbringungen antwortet im Namen des G. A. Herr Jakob Rosenheim. Er entschuldigt sich zunächst für die Tatsache, daß bei der Abführung der Generaldebatte so wenig Mitglieder des G. A. im Saale anwesend waren. Es gehört zu dem Geschäftsbetrieb einer parlamentarischen Körperschaft, den größten Teil der Arbeit in Kommissionen zu erledigen und da waren die Mitglieder des G. A. unabkömmlich. Herr Rosenheim glaubt, daß die mangelnden Leistungen ausschließlich auf die drückende Finanznot zurückzuführen seien, in welcher Agudas JisrocI in den letzten Jahren steckt. Bei der Gründung der Aguda hoffte man, zwei große T r e f f c r in der Lotterie der künftigen Entwicklung zu besitzen. Den amerikanischen Westen mit seinen reichen Juden und den Osten mit der jüdi־ sehen M a s s e n s i c d 1 u n g. Alle Versuche für Agudas JisrocI Geld aus Amerika zu holen, sind leider ge־ scheitert, aber auch die jüdischen Massen im Osten konnten die finanzielle Grundlage der Agudas JisrocI bis־ her nicht schaffen. Redner glaubt, daß, wenn die großen religiösen Führer im Osten als religiöse Pflicht erklären würden, daß jeder Jude, vor allen seinen übrigen religiösen und sozialen Leistungen ein Zloty zunächst an die Zentralkasse der Agudas Jis* roel abfiihren würde, so könnten die Finanzen der Aguda saniert werden. Denn nach der Idee und nach der Zahl der Anhängerschaft ist Agudas JisrocI reich, in bezug auf ihre materiellen Mittel aber a r m. In dieser Ar m u t hat der G. A. das M ö g־ lichste geleistet. Die Generaldebatte. Nach dem grandiosen Auftakt der Eröffnungsfeier am Dienstag abend begann Mittwoch in der dritten Sitzung etwas ermüdet und lendenlahm die General־ | d e b a 11 e. Nicht ohne vorher noch einige kostbare Stunden Begrüßungen und Verlesen von ßegrüßungs־ schreiben und Telegrammen zu widmen. Die M׳ittwoch־Vormittags־Sitzung begann unter Vorsitz des Herrn Dr. Pinchas Kohn um 10 Uhr. Es wurde zunächst Die Wahl des Präsidiums vorgenommen. Auf Vorschlag vom Präsidenten des Zcntralrates wurden die Großrabbiner von Czortkow, Ger, Sokolowund Sochaczow wie Rabbi CI1. Ö. Groscnski, Wilno, und Aron Wolkin, Pinsk, als Ehrenpräsidenten und Oberrabbiner J. R. Zievels oh n, der schon Präsident dev 1. K. G. war, auch jetzt zum Präsidenten gewählt. Als Präsidenten־ Stellvertreter die Herren Oberrabbincr Aron Lcwin, Bzezow, Maier S c 11 a p i r a, Petrikow, Dr. Spitzer, Hamburg, I־I o r o w i t z, Jerusalem, K a t z, Neutra, ferner die Herren Wolf Pappen h e i m, Wien, Leo V r c s c h־ ncr, Frankfurt, Stempel, Krakau, Wittels, Lemberg, Mcndclso h n, Lodz, S p i r a, Antwerpen, G u g g e n* h c i m, Schweiz, Freu n d, Großwardein, Wcill, Colmar, Kahanc, New York. Oberrabbiner Zicrelsohn über־ nahm mit einer längeren Rede das Präsidium, worauf Oberrabbiner Fürst im Namen der Wiener Rabbiner die Kenessio begrüßte. Es sprachen dann noch der Pinskcr Raw Wolkin, Kommerzialrat Siegmund B o n d i sowie der Sokolower Robbe. Nun überreichte namens des Ge־ schäftsfühvcndcn Ausschusses Rabbiner Dr. Pinchas Kohn für die abgelaufcncn sechs Geschäftsjahre den Bericht. Er kennzeichnet die Lage der Agudas Jisroel als nicht günstig wegen der starken sich unmittelbar nach der ersten Kenessio Gedaulo geltend machenden Dezentrale sierungsbestrebungen. Der Redner feierte die Jugend als den Träger der weiteren Arbeit und dankte den Poalc Agudas Jisroel für ihren Versuch, die sozialen Probleme im Sinne der Thora Hakdoscha zu lösen. Es sei der Agudas Jisroel in den sechs Jahren ihrer Arbeit gelungen, die Meinung über ihr Wesen und Wollen zu vertiefen. Es gäbe niemanden, dev in seiner Emuno weiter rechts stünde als Agudas Jisroel. Wir erklären aber heute schon feierlich, daß keines der jetzigen Mitglieder des Geschäfts־ führenden Ausschusses sich je in einen Kampf nach rechts einlassen wird. Glaubt ein ganzes Land von uns abschwen־ ken zu müssen, weil wir ihm nicht rechts genug zu sein scheinen, so ehren wir dies und warten. Um 1 Uhr mittags wurde die Sitzung auf 5 Uhr nachmittags vertagt. Ein Aufschrei dies russischen Judentums. Herr Abraham G. H ornstei n, Wien, Mitglied des Geschäftsführenden Ausschusses der Agudas JisrocI, richtete nachstehendes Be־ grüßungsschreihcn an die Kencssio Gedaulo: Hohe Kenessio Gedauloh! Inmitten meiner vorbereitenden Arbeit für die “כנסי גלילה! insbesondere für die organisatorische /usannnenfas־ sung des russischen Judentums für unsere heiligen Ziele, bin ich von einem schweren Schicksalsschlag heimgesucht worden, indem ich plötzlich meine Sehkraft eingebüßt habe. Nach einer erfolglosen und vor einer zweiten noch bevorstehenden Augenoperation, scheint es, des Allmach* tigen Wille zu sein, in dieser erhebenden Stunde der כנסיה גדולה mich von meinen langjährigen Freunden und Mitarbeitern fernzuhalten, insbesondere mir zu versagen, mich vor der repräsentativsten und autorativsten Instanz des Judentums, der ehrwürdigen מיעצת גדולי התורה in Ehr־ furcht verbeugen zu dürfen und den Aufschrei des be־ drängten russischen Judentums, des רוב מנין ורוב בניי des jüdischen Volkes persönlich zu übermitteln. Hohe Kenessio Gedaulo! Eine große Anzahl jüdi־ scher Gemeinden, viele Vereine und viele Rabbiner, die zusammen das Gros des ukrainischen Judentums aus־ machen, haben mich beauftragt und ermächtigt, der כנסיה גרולה ihre brüderlichen Grüße und Glückwünsche zu übermitteln. In vielen Kundgebungen wird der korporative Beitritt zu unserer Organisation spontan erklärt. Schwer bedrängt und tief erschüttert steht das russische Juden־ tum im Kampfe um die primitivsten Menschenrechte, um die menschliche Gewissensfreiheit, um die Möglichkeit der R c l i g i o n s ii b u n g und des T h o r a s t u d i u m s. Es ist ein Aufschrei aus der tiefsten Tiefe der jüdischen Volksseele, die um ihre bedrohte Existenz schwer ringt! Diese religiös und materiell - schwer bedrängte Judcnhcit entbietet Ihnen, meine lieben Freunde, ihre weh־ mütigen Grüße und appelliert durch Sic an die gesamte, gesittete Welt, ihr moralische und materielle Stütze zu gewähren. Das russische Judentum erwartet insbesondere von der hohen כנסיה גדולה eine spontane Kundgebung des Mitgefühls und eine großzügige Aktion zur Verbesse־ 1-ung seiner Lage. Schweren Herzens ob meines notgedrungenen Fern# bleibens von Ihren Verhandlungen, diktiere ich auf Grund der von mir gesammelten authentischen Materialien ein eingehendes Referat über die Lage unserer bedrohten Brüder in Rußland, das ich dem vcrehrlichen Präsidium rechtzeitig zukommen lassen werde. Inzwischen begrüße ich alle Freunde und Mitarbeiter mit den Worten: שלום שלום לרחוס ולסרוב ו und wünsche den Beratungen einen gedeihlichen Erfolg: t יהי רצון שתשרה שכינה במעשי יריבם Den ehrwürdigen Herren Rabbinern empfehle ich mich in tiefer Ehrfurcht. Mögen Sie G־ttcs Segen für meine baldige Wiederherstellung hcrabflehcn, damit ich mit un־ verminderter Kraft nach wie vor unserem heiligen Ideal dienen kann. Mit kollegialem Aguda־Gvuß und vorzüglicher Hochachtung: Abram G. Hornstein m, p. Ev. Schilling Schilling 500.000 ברכוש גדול 800.000 3 IW Jeder Teilnehmer der Kenessio Gedaulo kann den vt*W: der 5. Klasse der Oesterr. Klassenlotterie mit Schilling im günstigsten Falle machen! £ £ 3 JE dl bis zum 4. Oktober 1929 Lose zu beziehen bei der Geschäftsstelle der österr. Klassenlotterjp tP N N dl י* 3 dl 3■ tum Wien II, Krummhaumgasse 16 Telephon R-40-6-50 Spielpläne werden bei der Geschäftsstelle gratis abgegeben Auch Bestellungen für die nächste Lotterie werden entgegengenommen £ 3 (Q 1■« Schilling mooo שבת geschlossen! Schilling 300.000

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