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Jüdische Presse · 1929-09-13 · 38 (13.9.1929) · page 3

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Journal
Jüdische Presse
Volume
15 (1929)
Issue
38 (13.9.1929)
Date
1929-09-13
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 38 JÜDISCHE PRESSE Seite 3 wichtigsten war. Dieses wichtigste Objekt unserer Hilfsarbeit'waren offenbar die Jeschiwoth, denn die abnormen jüdischen Lebensverhältnisse im Galuth b.ewirkten. daß gerade diese wichtigsten Stützen der jüdischen Geistesbildung■ am schwersten unter der U11gnnst der /eit zu leiden hatten, so daR in unzähligen Fällen der!losch Jesehiwah selbst, das Haupt der Lehranstatt, der Rektor einer Hochschule also, für seine Ansialt Gelder sammeln mußte und monatelang, ja oft ein ganzes Jahr der Jesehiwah und seiner Lehrtätigkeit entzogen war. Ls war also begründet. daR der Keren Hathora sein Hauptgewicht auf die Förderung der Jeschiwoth le°te. Trotzdem könnte eingewendet werden. daR die StTitzun״• and Krhaltung so vieler Jeschiwoth überflüssig sei und der Not besser Einhalt getan werden könne, wenn nur die wichtigsten Jeschiwoth.' diese aber desto nachdriicklicher gefördert werden würden: Diesem Linwand o-ogenüber ist es notwendig, das Wesen der Jeschiwoth näher zu betrachten. ln Litauen herrschte an den Hochschulen vor mehr als hundert Jahren das Streben vor, (buch äuRerste Anstrengung des Geistes im Dienste der Thora Höchstleistungen rein intellektueller Natur zu vollbringen: trotz der ungeheuren Nachwirkung des Wilnaer Gnon muRte aber gegen die einseitige I lervorkehrung des 1ע את התור ה (••Likenne die Thora“) sehlieRlieh eine Gegen- ״Strömung entstehen, die auch in Litauen das Gefühlsmoment stärker betonte. Ls war Rabbi Israel Salanter, der durch die Forderung seelischer Selbsterziehung■ dem empfundenen Mangel nbzuhelfen versuchte und damit die ..('hochinas llamussar“ begründete, die denn misnagdischen Prinzip ein anderes eutgegeustellte:רע אח עצמך (..Lrkenne dich selbst“). Derart stellt der Mussar die Brücke dar zwischen dem verstandbetonten Misnagdismus Litauens und dem gefühlsbetonten Chassidismus Polens mit seiner Lebeusregel: 'יידע את ך,׳ (,..Lrkenne G-tt“). Lbenso jedoch, wie im Mussar das chassidische Polen auf das inisnagdische Litauen, hat umgekehrt auch Litauen wieder auf Polen zurückgewirkt, indem nach misnagdischein Vorbild auch in der cliassidischen Welt eine .Fülle von Jeschiwoth entstand, deren Schüler bei chassidischer Lebensführung klarer als ihre Väter die Notwendigkeit intensivsten Tci1111 liefst 11(1 i 11 ms zu schätzen wissen. Die erbitterten Geisteskümpfe vor hundert Jahren haben sich also gelegt. Die Kämpfenden haben sich beruhigt und einander gegenseitig beeinfbiRt und gefördert. Ls wäre zwecklos, die Vorzüge der einen Richtung gegen die andere, auszuspielen. Dem Chassidismus ist es gehingen, die breiten Massen der polnischen Judenheit zu ergreifen und Allgemeingut ,hiiiulerttniisenclcr ,jüdischer Seelen zu werden, ״her die Bedeutung des Mussar macht es aus, daR er. auf Verstandesarbeit basierend und zur Selbsterkenntnis hinleitcnd, der gläubigen Masse und der Idea!gestalt des Zaddik den ganz auf sich selbst geslellten und sich selbst erziehenden jüdischen Einzelmensehen entgegenstellt. Ihren ganz eigenen Weg ging die Judenheit von Ungarn mul der Slowakei, wo bei eifrigstem Tnlmudstudiimi eine besondere ungarische dogmatische Richtung־ entstand, deren Hauptmerkmal unbeirrbare Konsequenz ist, die leicht als .Härte erscheint. Aber die Tatsache allein( daR es der Geist des Chassani Sofer ist, der das Wesen der ungarischen Judenheit bis heute bestimmt, sollte vor einer Verkennung der hier tätigen jüdischen Seelenkräfte warnen. Offenbar sind ja alle diese verschiedenen Riehtungen nur geringfügige, wenn auch im Wesen der betreffenden Volksteile begründete Nuancen. Die histerische Lrfahrung läRt denn auch ihre Gemeinsamkeit in ihrer gegenseitigen Annäherung erkennen, welcher Lntwickluug gegenüber es selbstverständlich war, daR der Keren .llathora in seiner Hilfeleistung׳ für die Jeschiwoth zwischen den Richtungen, die sie vertraten, keinen Unterschied machte, es vielmehr als seine heiligste Aufgabe ansah, möglichst vielen Anstalten beizustehen, damit jede .Richtung sich frei entwickeln und ruhig arbeiten könne. So klar uns aber die unvergleichliche Bedeutung der Jeschiwoth als des Rückgrates alles jüdischen Geisteslebens vor Augen stand, muRten wir doch schmerzlieh unser Unvermögen erkennen, wirklich ausreichend zu helfen. Den Abstand zwischen unserem Willen und unseren Leistungen zeigt deutlich die folgende Auf- Stellung: Für die 14.000 Baehurim der in Betracht kommenden Länder ergibt sich bei. einem Monatsbedarf von durchschnittlich je zehn Dollar ein jahresbudget von 13 Millionen Dollar. V on diesem Betrag hätte der Keren llathora zwecks notdürftiger Sicherstellung der Jeschiwoth ein Drittel aufbringen sollen, also eine halbe Million. 111 Wirklichkeit brachte er nur 50.000 Dollar auf, also den zehnten 'Feil des Notwendigen! 4. Die Errichtung cler ״Jeschiwas Chachme Lublin“. _Am Lag Beniner 5684 (1924) wurde in Gegenwart von 50.000 Menschen, des Präsidiums des Rabbinischen Rates und zahlreicher Behörden der Grundstein für die ״Jeschiwas Chachme Lublin“ gelegt, deren Errichtung üuiimniiiiiiiiiiiiiiuiiumiiiiiiuiiiuiuiiiiiiiiiimimimiiHi: Modenpalais nur 91 | Das größte Spezialhaus | 5 in Mänteln, Kleidern, Nachmittags- und Abend- 5 toiletten vom einfachsten bis zum feinsten Genre 5 | Eigene Abteilung für Kinder und Backfische .דו1ו1[ןןןןןןןוווווו1וווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווו1וווו11ווווו1ז auf Initiative des Piotrkower Raw Rabbi Meir Scliapira von der ersten Kenessio Gedaulo beschlossen worden war. Die grollen Schwierigkeiten der Verwirklichung dieses Planes siüd von Oberrabbiner Söhapira in einer wohl beispiellos dastehenden Werbetätigkeit besiegt worden, i!1 deren Verlauf er zuerst Westeuropa, dann über ein Jahr lang Amerika und schließlich Polen bereiste, während dieser Zeit 800 Referate hielt, 600 Filialen gründete. 55.000 Sammelbüchsen zur Aufstellung bringen ließ und solcherart wirklich den gewaltigen Betrag von 100.000 Dollar aufbrnchte. Die nunmehr fertige, demnächst zur Eröffnung gelangende neue Jesehiwah ist ein!nächtiges sechsstückiges Gebäude, nach den modernsten hygienischen und technischen Grundsätzen errichtet. Es ,birgt neben den Lehrsälen die lntcniatsrüunie für 500 Hörer mit den dazugehörigen Küchen, Speisesälen, Bädern und einer schon heute 10.000 Bände zählenden Bibliothek. Eine besondere Sehenswürdigkeit wird nach seiner Fertig- Stellung das sechs Meter lange, in einem eigens dafür errichteten Saal mitergebrachtc Modell des Beth JJamikdascli bilden, welches das Heiligtum getreu nach den UeberlitTon!ngeu unter Verwendung von Gold, Silber und Marmor wiedergibt. Die grollen Erwartungen, welche die gesamte Judenheit an die neue Jesehiwah knüpft, werden sicherlieh bald in segenbringender Wirksamkeit ersichtlich werden. 5. Die Förderung des Knabenschulwesens. Auf der ersten Kenessio Gedaulo war jede Landes- Verwaltung als in Hinsicht auf das Erziehungsproblem autonom erklärt worden, da die grollen Schwierigkeiten einer allgemein befriedigenden Lösung vielleicht eine zu schwere Belastungsprobe für die junge Organisation dargestellt hätten. Daher mullte die Kereii-I Inthora- Zentrale, wenn sie trotzdem die Errichtung einer eigenen Abteilung für Erziehung und Unterricht beschloR (Merkas 1 laehimich), ihr Programm äußerst vorsichtig aufstellen und stets das Prinzip der Selbständigkeit der Länder wahren. Denmeh waren auch die im Osten seitens des Keren llathora tätigen westlich gebildeten Erzieher nur Exponenten der modernen pädagogischen Technik: Einzig unter diesem Gesichtspunkte geschah die Grün- (111.11g des Merkas I laehimich und begann er seine Arbeit, die folgende Gebiete umfassen sollte: Sammlung und Bearbeitung des gesetzgeberischen Materials der in Be- Irucht kommenden Völker, um die Bestrebungen zu autonomer Gestaltung des orthodoxen Schulwesens zu unterstützen: Maßnahmen zur Herausgabe orthodoxer Jugendliteratur. Schaffung der notwendigen Schulbücher; auf besonderen Wunsch Inspektion von Schulen, Hilfe- Icistung bei Einrichtung und Ausbau von Anstalten, Kursen und dergleichen. Dieser eigentlichen pädagogisch-methodischen!n 11 fite aber eine scluiljiolitische Tätigkeit vorangehen, in Polen war diese von vollem Erfolge gekrönt: Das polnische Unterrichtsministerium anerkennt die orthodoxe Schule als einen besonderen, lebensfähigen und lebenswerteil Typ, verleiht diesen Schulen das volle Beeilt auf normale Erfüllung der Schulpflicht und gestellt ihr auch Ansprüche finanzieller Natur zu, wie eine Verfügung beweist, die, erst kürzlich erlassen; den Abschluß unserer diesbezüglichen■ Bemühungen bezciciinet. Neben dieser scbulpolitischeu Tätigkeit nach außen hin, der Regierung gegenüber, ist aber auch eine solche nach .innen wichtig, jenen jüdischen Kreisen gegenüber, die nicht davor zuriickscheiien, die eigentlich jüdische Schule öffentlich herabzusetzen und zu diffamieren, so daß der Keren Llathora, die einzige Organisation, welche sich bisher rechtlich und finanziell des religiösen Schulwesens angenommen hat, von der jüdischen Oeffentlichkeit nicht immer als legitimer Vertreter• eines organisierten orthodoxen Schulwesens anerkannt wirft. Es ist bekannt genug, wie sehr bei ausländischen Subventionen die Keren-I lathora-Sch 11 len gegenüber den Zyscholind Tarbut-Schulen benachteiligt werden, obgleich die .Leiter dieser Selmlorgauisationen gleichzeitig Führer der betreffenden politischen Organisationen sind. ln Litauen suchte der Keren llathora das Schulwerk insbesondere durch zwei große Selmlkongresse zu fördern (Kowno 1927 und 1928), auf welchen unter anderem beschlossen wurde, den Gewerbeschulen intensivste Aufmerksamkeit zuzuwcndeii.• Dies erwies sich liier wie in Polen besonders nötig, denn wählend unter russischer Herrschaft die litauische Bevölkerung fast zur Gänze aus Bauern und Landarbeitern bestand und der Handel sich fast ausschließlich in jüdischen Händen befand, beginnen die Juden heute aus dem Handel verdrängt zu werden und müssen für ihre Söhne neue Erwerbsmögliehkeiteii im Handwerk suchen. Diese wohltätige und aussichtsreiche Entwicklung wurde aber bisher durch den Mangel an geeigneten Fachschulen heeinträchtig!, da die bestehenden .,OrU-Schulen, weil die sonstige von ihnen vermittelte Krziehiiiig nicht die traditiouell jüdische war, für orthodoxe Eltern nicht in Betracht kamen. Anders, als im Osten ist der Merkas I laehimich in Deutschland lediglich eine wissenschaftlich pädagogischc Arbeitsstelle geblieben. Wohl wollte mau anlängs durch Zusammenschluß aller gesetzestreuen Volksschulen, Realschulen, Lehrerbildungsanstalten und Religionsseh 11 len eine umfassende orthodoxe . Schulorgauisatiou für Deutschland schaffen, die befähigt und befugt gewesen wäre, alle mit der Erziehungsarbeit verbundenen Interessen zu wall reu und zu fördern. In der Tal waren auf der großen Erzieliiingskonferenz in Hamburg 1924, die auch eine in diesem Sinne gehaltene Resolution annahm, alle größeren Schulen vereinigt; doch ist eine neuerliche ebenso umfassende Konferenz aus hier nicht zu erörternden, mehr politischen Gründen bisher nicht wieder /. 11 standege kommen. Vor einer ganz anderen Aufgabe stand der Keren llathora im Falle der vielen Kinder ost,jüdischer, nach Deutschland eingewanderter Eltern. Für diese Kinder mußten eigene Schulen gegründet werden, die den Schülern unter Beibehaltung der jüdischen Erziehung des Ostens gleichzeitig die zur Lebensführung im Westen doppelt nötigen europaisclieii Wissensclemeiite vermitteln sollten. Solche Talmud Thoroth des deutschen Keren llathora w urden eingerichtet in Braimsch weig, Dortmund, Duisburg, Hagen, Hannover, Remscheid und anderen Städten. Sicherlich werden sich viele Schüler dieser Anstalten von dem früheren ostjüdischen Typ wesentlich unterscheiden; an Stelle ,des selbstverständlichen Glaubens wird bewußte Ueberzeugung und Wille zum Judentum treten. Der Weg zu diesem an sich wertvollen Typ ist wohl-nicht ungefährlich, aber an vermeidlich. Denn die Elemente der Allgemeinkultur sind bereits viel zu stark in den Volkskörper eingedrungen, als daß ihre Speaialist für PHP in jeder Fasson und Preislage A. SACHSEL GQ HB vHuterzeugei'SSgBSgjS Wien, II., Taborstraße 39 (Hotel Bayrischer Hof)JB Versand״ nach kallen Staaten. unbedingte Ablehnung noch möglich wäre. Und Zweifellos ist die bewußte Einordnung der europäischen Kultur in die jüdische Erziehung weniger gefährlich, als ihr regelloses mul tmiibcrw achbares Eindringen. 6. Beth Jakob. Bei der traurigen geistigen Lage der orthodoxen weiblichen Jugend verdankt das jüdische Miidcheiisehulwesen im Osten erst dem Keren llathora sowohl pädagogiseh wie wirtschaftlich seinen heute in der ganzen Welt anerkannten Aufschwung. Seiion 1913 hatte eine von den Häuptern der östliehen Judenheit besuchte Konferenz in Czernowitz sich prinzipiell für die Töehtororziehiing erklärt. Außerdem sei gegenüber dem auch heute noch gebrauchten Einwand, der Talmud verbiete die Erniieiibildiing in den jüdischen Disziplinen, hier auf eine bezügliche Ent- Scheidung hingewiesen, die Rabbi Israel Meier llacohen (״Cliofez Chajiin“) schon vor Jahrzehnten in ' einem seiner berühmtesten Werke getroffen _ hat, welche Entscheidung der Beth-Jakob-Arbeit des Keren llathora die gültigste. Sanktion gibt. Ueber Ziele und Tätigkeit des Beth Jakob wurde vor einem Jahre ausführlich berichtet in der Schrift: ״Beth Jakob — sein Wesen und Werden“, so daß liier eine knappe Zusammenfassung genügen mag. welche besser als viele Worte zeigen kann, welche gewaltigen Kräfte hier geweckt wurden und welcher Enthusiasmus aus diesen Kräften floß. Die erste Beth-Jakob-Scluile wurde 1917 in Krakau von Frau Sara Sclieuferer mit dreißig Kindern gegründet. Infolge reichen Zuspruches aus allen Schichten der orthodoxen Bevölkerung beschloß 1919 die Ortsgruppe Krakau cler Aguclas Jisroel, die Schule unter, ihr Patronat zu nehmen. Sie ernannte einen VVaad I laehimich und stellte Lehr räume zur Verfügung. Das Vorbild Krakaus wirkte richtunggebend. Nachdem der Rabbi uische Rat cler Aguclas Jisroel sich prinzipiell für die Belh-Jakob-ddee ausgesprochen hatte, wurden begabte Schülerinnen der Krakauer Lehranstalt zum I lilfsuuterricht herangebildet und als Lehrerinnen in die Proviuzstiidte entsandt. Die rasche Entyvicklmig des Beth-Jakob-Schulwerkes verauschaulicht die Tatsache, daß gegenüber 8 Beth-jakob- Schulen mit 1130 Schülerinnen im Jahre 1925 das Erzieliungswerk Beth Jakob heute insgesamt über 150 Austalten mit über 18.000 Schülerinnen umfaßt! Die pädagogischen Richtlinien der Beth-jakob- Arbeit wurden auf verschiedenen Konferenzen (Krakau 1924, Warschau 1925. Riga 1927, Warschau 1927 usw\) folgendermaßen festgelegt: Ausbau der Krakauer Anstalt zu einem allen Anforderungen entsprechenden Lehrerinneuseminur. Alljährliche Veranstaltung von zweimonatlichen Fortbildungskursen fiir die bereits amtierenden Lehrerin neu. Schaffung von Lehrmul Lcrnbüchern fiir die Beth-jakob-Schulen.׳ Gründung eines Somiuarheimes in Krakau als Zentralstelle der gesamten Beth-Jakob-Arbeit. Gründung, ständiger. Lehrkurse für die Absolventinnen des achtkiussigen Mädchengymnasiums ״Clinwazelos“ in Warschau. Errichtung von 'Gewerbeschulen fiir schulentlassene Mädchen in Leinborg, Warschau und Krakau. Gründung von Schul- und Lehrkiirsen in Wien für Oesterreich und die Slowakei. Nach diesem Programm wurde gearbeitet. Eine der wichtigsten Aufgaben war die Errichtung des ßeth-jakob-Ueimes in Krakau. Die bisherigen lnvestienmgeii für das im Rohbau fertige Heim betragen 27.000 Dollar; zur Fertigstellung des aus Mangel an Geldmittclu ins Stocken geratenen Baues wären seihst hei bescheidensten Anforderungen noch etwa 50.000 Dollar nötig, deren Aufbringung außerordentlich dringend erscheint. Bisher haben bereits 13.000 Mädchen den Sogen der Beth-Jakob-Erzicluiiig genossen und wirken nun in Leben und Lehre für die Ideale des Judentums. Doch solche erhebende Tatsachen dürfen nicht zur Beruhigung bei dem bisher Erreichten verleiten. Es liegen Gesuche aus weiteren 600 Orten um Gründung von Beth-Jnkob-Schulen vor — die Eltern von noch 30.000 Mädchen fordern geistigen Schutz für ihre Kinder. Und anderseits beweist nichts entsetzlicher die noch bestehende seelische Not der jüdischen Frnueinvclt des Ostens, als die Zahl von 591 jüdischen Frauen, die in dem einen Jahre 1928 ia W arschau allein durch Selbstmord geendet haben . . . Sicherlich kann und darf es für Beth Jakob keine Atempause, keine Arbeitspause gehen! 7. Schlußwort. Wenn wir hier eine kurze Zusammenfassung aller bisherigen .Arbeiten für Keren llathora und Beth Jakob gaben, geschah dies sicherlich nicht, um selbstzufrieden noch einmal alle Leistungen und Erfolge zu unterstreichen: Sind wir uns doch der Spannung zwischen Erstrebtem und Erreichtem nur allzu gut bewußt! Zur Beseitigung der noch bestehenden Mißstände aber, zur Weiterfühiuug der bisherigen Arbeit, zur Durchführung weiterer Aktionen ist vor allem eines notwendig: Einheit aller Kräfte, Zusammenfassung aller Gesetzestreuen im Dienste der jüdischen Erziehung. Heute hat die politische Differenzierung der gesetz.estreuen Judenheit dazu geführt, daß mau die Einheit nur fordert, wenn es gilt, die Werke jener zu fördern, die die Thora nicht als Zentralpunkt anerkennen oder sie gar als veraltet bekämpfen. Wieviele gesetzestreue Rabbiner bemühen sich, den Beweis zu erbringen, daß der Keren llajessod, der doch all jene religionslosen und religionsfeindiichen Institute fördert und erhält, der Unterstützung durch religiöse Kreise würdig sei! Aber nur wenige sind es, die, trotzdem sie der Aguda fern-

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