Mannheim
Compact Memory

Jüdische Presse · 1929-09-13 · 38 (13.9.1929) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Presse
Volume
15 (1929)
Issue
38 (13.9.1929)
Date
1929-09-13
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2629891-2630294-2630330--3417-2635414
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

7 entity mentions

JÜDISCHE PRESSE Nr. 38 Seite 2 ־ ־* * כשד SEIFE Marke: ALEFBETH mit הכשר des orth. Rabbinatsassessors, KoSice, erzeugt ״POLIO“ FRIEDMANN & Co. SEIFEN-UND KERZENFABRIK, KO§ICE driicknng. deutsche Besetzung, polnische Pogrome, Jitau-!sehe Eroberung, bolschewistischen Umsturz erlebt: Kowno muhte am Vorabend des Offenbarungsfestes 1915 innerhalb 48 Stunden von 24.000 Juden geräumt werden. In den jüdischen Siedlungen Galiziens wüteten Invasion. Verfolgung und Hunger noch viele Jahre nach dem EriedensschluH. Die furchtbaren Folgen dieser Entwurzlung, während des Krieges selbst nicht ganz zu ermessen, stehen nun nach, zehn Friedensjahren klar vor unseren Augen und es zeigt sich, dal! etwa 40.000 bis 50.000 jiidisehe Kinder fünf, sechs und sieben Jahre hindurch, von ihren Eltern getrennt, ruhelos von Ort zu Ort gewandert sind: ohne religiösen Halt, ohne allgemein menschliche Erziehung muhten sie die wertvollsten Reifejahre verleben. Diese Entfremdung vom jüdischen Geist hat dazu geführt, dah.. während vor dem Kriege etwa eine Million jüdischer Kinder im Geiste des Gottesgesetzes erzogen wurden, die religiösen Lehranstalten des Ostens heute kaum mehr als 500.000 Schüler zählen. Demgegenüber ist es bemerkenswert, welch ungeheuren Umfang die religionsfeindliehe Erziehung in den staatlichen Schulen Rußlands angenommen hat. Allein in der Ukraine gibt es 45b Schulen mit 75.000 Kindern, in Zentralnißland % Schulen mit 15.000 Kindern, in Weihruhlnnd 147 jüdische Erziehungsanstalten mit 25.000 Kindem, ferner 818 Fortbildungskurse für Erwachsene, acht jüdische pädagogische Lehranstalten und jüdische Abteilungen bei den Pädagogien in Odessa, Moskau und Minsk. Aber auch diesseits der russischen Grenze ist die Lage des ,jüdischen Erziehungswesens nicht die best(־. Seit den l agen des Wilnaer Gnon hat die gesamte Judenheit mit höchstem Stolze gerade nach Litauen geblickt, als nach der I lauptstätte jüdischer Gelehrsamkeit. Und auch heule noch sind die litauischem Jeschiwoth treue Bewahrer dieses grollen Erbos, leuchtende Mittelpunkte des jüdischen Geisteslebens. Aber trotzdem vollzieht sich gegenwärtig auch in Litauen eine in der jüdischen Geschichte beispiellose Wende. Hier hat die national-jüdische Strömung in kultureller Beziehung das Feld erobert. Litauen ist von einem Netze sogenannter hebräischer Gymnasien und Volksschulen, den ..Tarlm!“-Schulen, durchzogen, deren Ziele sich, was die Religion betrifft, kaum von den Unterrichtsanstalten Sowjetrulllands unterscheiden. Man lernt zwar Ten ach und jüdische Geschichte, vollzieht sogar den Profanunterricht in hebräischer Sprache: doch der wahre jüdische Geist wird innerhalb dieser änderen jüdischen Form ärger als je bekämpft. Wohl haben die 1919 gegründeten orthodoxen Jawne- Schulen diesen unheilvollen Einflüssen entgegengearbeitet, immer noch besucht aber der grollte Teil der jüdischen Schuljugend Litauens religionsfeindliehe Schulen. Weitaus günstiger ist die Lage des jüdischen Volksschulwesens in Polen. Wohl nicht ganz so günstig, wie das Zahlen Verhältnis von 25.195 Schülern in den 218 sozialistischen Zyscho-Schu len. 50.00() Schülern in 258 Tarbut-Schulen, dagegen 75.511 Schülern in 580 ortliochixen Horeb-Schulen vermuten lielle: denn außerdem besuchen etwa 500.000 jüdische Kinder Polens die staatliche,!! Schulen, deren Lehrpersonal größtenteils aus sozialistischeu und zionistischen Elementen besteht, die nicht nur das religiöse Leben ihre*!• Schüler nicht fördern, sondern sogar jede Regung desselben aufs feindseligste verfolgen und verhöhnen, ist es doch auch 'Tatsache, daß gerade jüdische Mitglieder der Volksvertretung Litauens, Lettlands und besonders Polens sich nicht gescheut haben, von der Parlamentstribüne aus, wie auch in den Gemeindever- Avaltungen gegen das wirklich jüdische Schulwesen, nämlieh den Glieder, aufzutreten und die nichtjüdische Oeffentlichkeit gegen eine ehrwürdige jüdische Instituticm aufzuhetzen! Wenn trotzdem die Lage der gesetzestreuen Kindererziehung in Polen ausgesprochen günstig genannt werden kann, so ist das das Verdienst der zahlreichen Privatchedarim, welche von den meisten die Staatsschulen frequentierenden Schülern in den Abendstunden besucht werden. Bisher war nur von der Knabenerziehung die Rede: von dem Stande der Müdcheuerzieluing im Osten darf um so kürzer gesprochen werden, da es um diese bei Arbeitsbeginn des Keren Hathora aufs traurigste bestellt war. Erst die dem Keren Hathora «!!geschlossene Beth Jakob-rBewegung hat hierin tiefgreifenden Wandel geschaffen. Wohl in jeder Beziehung am günstigsten hat der Keren Hathora die Lage in Ungarn und der Slowakei vorgefundeu; die festgefügte Orthodoxie dieser Länder, hatte eine so ausgezeichnete Organisation des Erziehungswesens geschaffen, daß der Keren Hathorn seine Tätigkeit hier auf teilweise nur materielle Stützung bcschrünken konnte. Der Westen hatte in Erkenntnis des zur Verhütung weiterer Assimilation Notwendigen, nämlich der Vereinigung von Thora und De rech Erez, schon längst dem gesetzestreuen jüdischen Unterrichtswesen eine feste Basis gegeben, so daß auch hier für den Keren Hathora im allgemeinen keine Notwendigkeit zu Neugriindungen vorlag und er sich darauf beschränken konnte, durch Zusammenschluß aller positiv-religiösen Anstalten Stärkung des Religiösen und Durchdringung des Profanen mit jüdischem Geist zu erreichen. Ganz andere Aufgaben bot dem Keren Llathora allerdings das Problem der Erziehung der im Westen eingewanderten ostjüdischen -Kinder, für welche das deutsche Prinzip eine Verarmung bedeutet hätte, für welche also eine mögliche Beibehaltting ostjüdischer Erziehungsmethoden geraten war. In Amerika, wo der Keren Hathora erst am Beginne seiner Tätigkeit steht, ist die erzieherische Lage pilllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllH | הוטפאבריק ליטאל ן I HUTFABRIK LITALI §f - WIEN -— I § II., PRATERSTRASSE Nr. 18 | | VII., MARIAHILFERSTRASSE 88 a | §§ SPEZIALHAUS FÜR FEINSTE jg i HERRENHÜTE I | KONGRESSTEILNEHMER ERHALTEN RABATT j der jüdischen Jugend recht bedenklich. Hier hat die ungehet!re jüdische Wanderbewegung der letzten Jahrzehnte', die ja durch die von ihr in Bewegung gesetzten Menschenmassen die große Völkerwanderung, von der aus ein neues Zeitalter gerechnet wurde, um ein Vielfaches übertrifft. einen Mittelpunkt des Judentums entstehen lassen, wie ihn zahlenmäßig die jüdische Geschichte noch nie gekannt hat. Leider bildet aber dieses Massenzentrum durchaus nicht auch ein Geisteszentrum; beispielsweise erhält von den 550.000 jüdischen Schulkinderii New Yorks nicht einmal die Hälfte irgend einen jüdischen Unterricht! Hier ist für ein wahrhaft jüdisches Erziehungswerk noch alles zu tun. Das Heilige Land schließlich, seit Jahrtausenden Schauplatz immer erneuerter blutigster Kämpfe, ist auch im letzten Kriege einer der Walplätze für die Kämpfe der Weltmächte gewesen, wobei viele tausende, die in den stillen Lehrhäusern von Erez Israel gelernt und gelehrt hatten, vertrieben wurden, und auch heute stehen wir wieder unter dem furchtbaren Eindruck der Nachrichten aus dem Heiligen Lande, wo die blutigen Ereiguisse gerade die Thorulehrstätten am ärgsten betroffen haben. So ist auch die größte und blühendste Jeschiwah des Heiligen Landes, Hebron, bestialisch vernichtet worden. Aher unermüdlich trotz aller Schicksulsschläge arbeitet, unter teilweise!• materieller Stützung durch die Keren-I latlioru-Zentrule, die in Frankfurt am Main domizilieretule Palästina-Zentrale der Agudus Jisroel an dem gesetzestreuen Erziehungs werk. Die Größe der Gefahr, die das Judentum durch den Rückgang der religiösen Erziehung läuft, zeigt besondern gen t lieh die ,Tatsache, daß sich überall, ins- Gegründet 1882 Gegründet 1882 tllillllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllilililllllllill^ * Versicherungsbestand Ende Mai 1929: 2000 Millionen Schilling Garantiemittel Ende 1928: 238 Millionen Schilling Prämien- und Zinseneinnahmen im Jahre 1928: m Millionen Schilling * Tätigkeitsfeld der Gesellschaft: Oesterreich, Deutsches Reich, Tschechoslowakische Republik, Belgien, Holland, Frankreich, Spanien, Italien, Ungarn, Polen, Jugoslawien, Bulgarien, Griechenland, Rumänien, Palästina, Syrien, Türkei, Aegypten Kinder- Versorgungs- Versicherung Erziehungsrente für das Kind, Sterbegeld nach dem Tode der Eltern und prämienfreie Versicherung des Kindes vom 24. Lebensjahr an לןן1ווווווווווווווווווווווווו!וווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווו11ה Bollinger Eisk asten sind seit 18 7 0 die besten! XV, STAGLGASSE 10 (BEI MARIAHILFERSTRASSE 148) VII., BURGGASSE 17 Tel. R-30-5-38, R-35-8-47 u. B-32-380 besondere aber unter der östlichen Jugend, mit dem religiösen immer mehr auch ein politischer Radikalismus ausbreitet. Wie gewissenlos diese religiös und politisch entwurzelte Jugend das ganze Jüdische Volk in Verruf zu hringen droht, zeigt die Tagesgescliichte mit furchtbarer Eindringlichkeit. Ist doch bei allen koimministisehen Demonstrationen der Prozentsatz der jüdischen Teilnehmer ein ganz erschreckend hoher. Und nicht nur in Rußland, wo die ״Jewsekzia“ dergleichen Kundgebungen veranstaltet, sondern auch im übrigen Osten demonstrieren alljährlich Rotten verführte!■ Kinder am Jan 111 Unkippurim vor den Bethäusern und selbst in Wien entblöclete sich die jüdisch-kommunistische Partei nicht, an diesem Tage öffentliche Mahlzeiten zu veranstaltea. Ebenso beweist ein Blick in viele jüdische Blätter, wie offen alle Feste und alle alten jüdischen .Heiligtümer verspottet werden. Kein Dokument bat diese Verheerung so eindringlieh und schonungslos enthüllt wie das Manifest der Führer des religiösen Judentums, welches zur Geblütsurkunde des Rettungswerkes geworden ist, des Keren 11 a t h o r a. 2. Die Schaffung der Organisation. Dic'se erschütternden Tatsachen standen uns vor Augen, als wir, die Zentrale des Keren Llathora, die Arbeit begannen, um eine־ Besserung herbeizuführeü. Den Weg zur Rettung haben unsere Thorahüupter uns in dem gleichen Aufruf gewiesen, in welchem sie die Schrecklichkeit der Lage schilderten. Ihrem Kufe hat sich in der lat kaum ein Land entzogen. Line provisorische Exekutive mit dem Sitz in Wien wurde ins Leben gerufen und in den meisten Ländern wurden Laudesv■erwultungen des Keren llathora geschallen, die ihrerseits wieder in den einzelnen Bezirken und Städten Unterabteilungen. ,.Kommissariate“, begründeten: gegenn'ürtig sind 50 Landesverwaltungen mul 250 Kommissaiiate für die Ziele des Keren llathora tätig. Mit besoliderer Genugtuung darf verzeichnet werden, daß überall eine Anzahl von Persönlichkeiten zu ehrenamtliclier Tätigkeit gewonnen werden konnte. Die 'Tätigkeit der Keren-I Inthora-Zent rule gliederte sieh nach fünf Haiiptrichtungen: 1. Begründung und Ausbau der Organisation. 2. Subventionierung von Jeschiwoth. 5. Gründung einer Zentraljeschiwnh in Lublin. 4. Förderung des Kiuibenscluilwescns. 5. Begründung und Ausbau der Mädchenschul- Organisation ״Beth Jakob“. Die wichtigsten Etappen zur Verwirklichung dieser Ziele gehen folgende Daten: Dezember 1923: Konstituierende Sitzung der Keren-Hathora-Zentrale in Wien. Lag Bcomei; J924: Grundsteinlegung der ״jeschiwas Chachme Lublin in Anwesenheit von 50.000 Menschen. 15. Scptembe 11924 ־: Uebernahme der pädagogischen Leitung und des organisatorischeu Ausbaues der Beth-Jakob-Bewegung. 24. bis 26. Dezember 1924: Delegiertentag der Laudesver- Sammlung des Keren Llathora Deutschlands m Hamburg. Beschluß der Entschuldungsaktiou für die Jeschiwoth durch Aufbringung von 120.000 Goldmark. 29. Dezember 1924: Erziehungskonferenz in Hamburg unter Teilnahme von Vertretern jüdischer Realschulen, Volksschulen und Leluersemiiuirien. Gründung eines ״Merkus Jlachimich“ des Keren Llathora. Jänner und Fc־ b r u a r 1925: Durchführung der Entschuldungsaktiou lür die Jeschiwoth. 17. Tcbruur 1925: Warschauer Beth- Jakob-Konferenz über die Grundlagen der Arbeit. 17. Mai 1925: Konferenz in Straßburg. 26. Juli bis 4 September 1925: Erster Sommerkurs für Beth-Jakob- Lehrerinnen in Robow. 8. 11 n d 9. M ä 1• z 1926: Gründlings- Versammlung der Benaus Agudas Jisroel in Lodz. 25. u n d 26. Dezember 1926: Internationale Keren-Hathora- Konferenz in Amsterdam. 15. und 16. Februar 1927: Große Konferenz der litauischen Jawne-Schulorgumsationen in Kowno. 18. F e b r u a r 1927: Empfang einer Delegation der Jawne-Konferenz bei Staatspräsident Smetona von Litauen. 26. Februar 1927: Konferenzen mit dem lettischen Ministerpräsidenten Skwieniek und Kultusminister Rainis. 22. und 23. Mai 1927: Plenarsitzung der Beth-Jakob-Zentrale von Polen in Krakau. Beschluß des Erwerbes cles Bauplatzes Stanislaw!! 6 für das zu errichtende Zentralinstitut sowie der Entsendung \ou Rabbiner Tobias Horowitz nach Amerika. 22. J u ni 192:: Teilnahme der Beth-Jakob-Zentrale an der internationalen Mädchenschutzkonferenz in London. 13. September 1927: Grundsteinlegung zum Beth-Jakob- Lehveriiuienseminar in Krakau. J ä n n e r b i s Juli 1928: propagaudatournee von Rabbiner Tobias Horowitz in Amerika. Februar 1928: Tagung der Keren-Hatkora- Landesverwaltungen Frankreichs und der Schweiz in Zürich. 26. August 1928: Sitzung der Beth-Jakob-A erwaitung für Polen in Rabka. N o vember 1928: Herausgäbe cles Chumesch und HapKtara mit holländischer Uebersetzung von Oberrabbiner J. Vredenburg durch das holländische Keren-LIathora-Komitee. 24. bis 27. Dezember 1928: Pädagogische Konferenz in Kowno, einberufen von der Schulorganisation jawne, vertreten 70 Anstalten und ein Delegierter der lettläiulischen Lehrerschaft. F e b r 11 a r u n d M ä r z 1929: Großzügige Mazzothaktion, insbesondere für Rußland. 1. Mai bis Ende September 1929: Internationaler Sommerkurs in Rabka mit 240 Teilnehmerinnen aus Polen und 20 aus Palästina, Ungarn, Oesterreich und der Slowakei. 19. Juni 1929: Grundsteinlegung zum Jescliiwah-Lleim Hunsdorf (C. S. 11.). 3. Die Jlilfstütigkeit für die Jeschiwoth. Als die Keren-Llathora-Zentrale ihre Arbeit begann, war es klar, daß getrachtet werden müsse, zwischen unzähligen notleidenden Stellen jene zu stützen, deren Erhaltung für die Erhaltung cles Thorastudiums am Esset nur FJ.KA.Rrnt aus der unter Aufsicht <jer Adas Jisroel stehenden DAMPFBÄCKEREI LEDERER &KOHN Betrieb: Wien II, Hollandstraße 7 Telephon R-47-4-95 Verkaufslokal: 11, Große Schiffgasse 16 Telephon A-41-7-45

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.