Mannheim
Compact Memory

Jüdische Presse · 1929-09-13 · 38 (13.9.1929) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Presse
Volume
15 (1929)
Issue
38 (13.9.1929)
Date
1929-09-13
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2629891-2630294-2630330--3416-2635413
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

5 entity mentions

! Novliov* vtfplatne povoleoi rladlt pest * teleiralot V Bratlslave 21t. 41872-IÜ-2I. 3. KongreSnnmmer Preis 1 S Zeitungen vom Vorleser versende!. Journal expödle pac!,edlteir, V,fcfc ORGAN FÜR DIE INTERESSEN DES ORTHODOXEN JUDENTUNIS ■adikiioa a. Administration t Wien, II., Leopolds- ״״e 16, 1. Stiege, 1. Stock. - Tel. R 45-4.94. Tschechoslowakei! Bratislava, Postfach 140. Erscheint Jeden Freitag. — Redaktionsschluss: Mittwoch Mittag. Abonnementspreisei Ganzjährig! Für Oesterreich S 14 Tschechoslowakei tschecb. K. 70, Einzelnummer öst. Gr. 40, das übrige Ansland 2 Dollar. Zahlungen auf Konto ״Jüdische Presse*, Wien für Oesterreich: Postsparkassenkonto Nr. D-93614; Deutschland: Postscheckkonlo Berlin Nr. 122619; Jugoslawien: Postspk.-Amt Zagreb Nr. 40217; Polen : Postspk.-Amt Warschau Nr. 190409; Ungarn: Postspk.-Amt Budapest Nr.50170; Schweiz: Postsclieckk. Zürich VIII. 4117; für die Tschechoslowakei: *Jüdische Presse“, Bratislava, Postspk.-Amt Prag Konto Nr. 53386 Mp. 38 Wien-Bratislava, 13. September 1929 .ב*ה וינה־פרעסבורג ח׳ אלול תרפ״ט 15. Jahrg. rrem rpoaa WELTKONGRtSS DAGUDAS-JlSROEt '•UUBUa-17. SEPTEmBl» Der große Tag des Keren Hathora Glänzendes Referat seines Direktors, Ministerialrat Dr. Leo Deutschländer. — Louis Marshall gestorben. Die Donnerstag־Vcrhandlu11gc11 waren d e m ד g roßen Werk des Keren H a t h o r a gewidmet. { Nach Eröffnung der fünften Sitzung, Donnerstag, vormit־ ) tags, widmete zunächst Dr. P. Kohn einen Nachruf dem j verstorbenen Führer der. amerikanischen Judenheit. L. M a r s h a 11, der wohl der Aguda nicht angehörte und nach seinen! geistigen Wuchs in einem anderen Milieu lebte, doch den Forderungen des religiösen Juden־ tums williges Ohr schenkte, und sein mächtiges Wort stets zugunsten der Jcschiwoth und religiöser Institutionen geltend machte. Dann trat man in die Tagesordnung ein. Der Großrabbincr aus Sadagora, Markus Fried mann leitete die Verhandlungen über den Kere11־I־Iathora mit einer kurzen Rede ein. Hierauf folgte das großangclegte Referat des Direktors des K. FI., des Ministerialrat a. D. Herrn Dr. Leo Deutsch länder. Aus dem Referat Dr. Leo Deutschländer: J. Der Stand des Er/.icliungswcsens der gesetzestreueu Judenheit der Gegenwart. Bei Bet!־ach tu 11g׳ der . Gelstesströnuingen der Gegen wart wird sich sehr bald der Eindruck ergeben, daß wir.Zeugen einer grundlegenden Aenderung der geistigen Einstellung zu allen Problemen sind —■ daß wir nichts- Geringeres miterlehen, als den A־ülligen Zusammenbruch des in zwei Jahrhunderten ' geduldiger Forscherarbeit aufgebauteu wissenschaftlichen. Weltbildes cler ciiropä- Ischen Kultur. Das neue Weltbild aber, an dessen Aufbau heute gearbeitet wird, sicht, die ■Wissenschaft, von den materiellen Dingen und die Erkenntnis der ideellen Dinge reinlich aneinander haltend, in dieser letzteren reinen Erkenntnis die Grundlage auch der materiellen Erkenntnis — mit anderen Worten: Das sich gegenwärtig horauskristallisiercnde neue Weltbild wird ein gläubiges sein. Diesem Entwickluiigsvorgaug der Ilauptliinder europäischer Kultur ganz entgegengesetzt, scheint freilieh eine Gegenströmung aus dem Osten die Schaffung des religiösen Weltbildes auf halten oder gar vereiteln zu wollen. Mit seltsamer Verspätung beginnt der geistig noch so ungefüge Osten jetzt zu erwachen — zu erwachen aber zu dem im Westen schon fast vergessenen oberflächlichen Materialismus von vor vierzig Jahren. So wälzt sich, von dem russischen Yerderbeuzentrum aus- Ein bedeutsames Werk zur Geschichte der Rulturpilaiizen! Immanuel Löw Die Flora der Juden Band I bis III. Die Pflatizemamhien in alphabetischer Orclnung ׳behandelt: Geschichte der KiilturpiHanzen bei den Juden von der biblischen Zeit bis zu •der im Flusse befindliehen neuen Kolonisation Palästinas. Band IV unter der Presse: Systematische Zusammenfassung der Pflanzenkenutiiis unter den Juden im ׳biblischen Altertum, in der Zeit der ‘Misehna, der beiden Talmu'de, des nachtalmudischen Mittelalters und der Neuzeit. Reichhaltige Indizes erleichtern die ,!Beuütz'ung des überraschend reichhaltigen Werkes, an dem der Verfasser volle fünfzig Jahre gearbeitet hat. Läws Flora ist von der gesamten Kritik einhellig als unübertroffene philologische und historische Leistung begrüßt worden.;Es wurde von bertifener Seite dem Hierozoicon Bocharts an die Seite gestellt. Es ist eine Fundgrube lexikalischer Entdeckungen und kulturgeschichtlicher Ergebnisse. Band 11-2 ,1־, II und 111: Jeder Baud broschiert M. IS, gebunden M. 21. Vertricbsstelle: BUCH- UND KUNSTHANDLUNG, WIEN, 6. BEZIRK, Getrefdemarkt 15. I. Stock links. Telephon B-2684־5־. gellend, eine hohe Woge materialistischen Rückschrittes über ganz Osteuropa hin und versucht sogar, allerdings bis auf die Gewinnung Einzelner vergeblich, Mitteleuropa selbst zu überfluten. Dieser merkwürdigen geographischen Zweiteilung des europäischen Geistes in religiösen Fortschritt im Westen und materialistischen Rückschritt im Osten hat sich auch das jüdische Geistesleben nicht entziehen können. Auch innerhall! des Judentums sehen wir in Westeuropa^ religiöse Besinnung, religiöse Erneuerung, rcligiöse Erstarkung, im Osten aber Abfall, Zersetzung des religiösen Lebens, Abirfuug sogar bis zu dem tollen Rcligionshaß der rassisch-jüdischen ״Jewsekzia“. Doch ist gerade das östliche Judentum auf diesen geistigen Irrweg nicht nur durch das böse Beispiel der umgebenden Völker gelenkt worden, .sondern vor allem auch durch sein äußeres Schicksal. Keine Gemeinschaft hat ja die Schrecken des Krieges in solchem Umfang erlebt, wie die jüdische. Gerade der Westrand des zaristischen Rußland, vor dem Weltbrand Heimat der überwiegenden Mehrheit des jiidischeu Volkes, war Schauplatz blutigster Kümpfe und die Namen vieler Sch laclitstüttcu mahnen zugleich an Ruhmesblätter!jüdischer Geistcsgeschichtc. Wilna beispielsweise, das Jerusalem Litauens, mit 60.001) bis 70.000 Einwohnern, hat nacheinander russische Be¬ Paragraph 4-Debatte im Plenum. Peinliche Szenen. Donnerstag nachmittags begann endlich die lang־ erwartete Debatte über den § 4 des Organisationstatuts. Nach einigen einleitenden Worten des Herrn R o s״p n? heim, der die Erklärung äbgab, daß der Räbbinische Rat es wünsche, vor Fassung und Bekanntgabe seiner Ent# Scheidung in dieser Frage, die Meinung der Delegierten zu hören, begann unter allen Anzeichen einer großen Sitzung die Debatte.־ Die Anwesenheit der prominenten Mitglieder des Rabbinischen Rates, wie des Ge1־er Robben, Rabbiner Ch. O. Grodzenski, Meier Schapira, hat diesen Eindruck noch erhöht. Am Präsidententisch saßen Ober# rabbiner Zirelsohn und Oberrabbiner Lewin. Als erster kam Oberrabbiner Dr. Carlcbach (Altona) zu Wort. In großangelegter Rede trat er im Namen der deutschen Landsmannschaft für die Abschaffung des § 4 ein, den er für schädlich hält, weil er überflüssig-sei. Die Verhältnisse in den einzelnen Ländern sind ver# schieden, sie vertragen einen solchen nicht für alle Länder passenden Paragraphen nicht. Die Aguda möge eine Groß# macht cler Liebe werden und in einer positiv gefaßten Be# Stimmung sagen, wer zu ihr gehört, nicht aber in einer negativen und daher abstoßenden, sagen, wer nicht zu ihr gehört. Die Gegner des § 4, erklärte D|fr. ׳Carlcbach, werden sich wohl der Entscheidung des R. R. unter allen Umständen fiirgen, sie werden aber auch künftighin mit allen legalen Mitteln gegen die Belassung dieses Paragraphen kämpfen. Oberrabbiner Zirelsohn vertrat ebenfalls den Standpunkt, daß Agudas Isroel ihre Tore so weit wie möglich öffnen solle. Rabbiner Dr. Isaak Auerbach (Plalbcrstadt) spricht ebenfalls in! Namen der deutschen Landsmanschaft; er identifiziert sich wohl mit den Aus־ führungen des Herrn Oberrabiners Dr. Carliebac h, doch tritt er in eindrucksvollen und eindringlichen Worten für den Frieden ein. Öbcvvabbiner Lau (Presov) spricht über allgemeine Aguda־Problemc; da er nicht zum § 4 Der Gruß von Chofez Chajim. Der Chofez Chajim hat die feste Absicht gehabt, trotz seines hohen Alters auch zur zweiten Kenessio zu kommen. Sein Wollen war aber stärker als sein Können. Seine Familie konnte sich nicht entschließen, ihn die weite Reise antreten zu lassen. Sein Schwiegersohn traf Donnerstag in Wien ein mit einem an die zweite Kenessio gerichteten Brief des Chofez Chajim. Oberrabbiner Zirels sohn ließ den Brief verlesen. Die ganze Versammlung horte das Sendschreiben stehend an. spricht und außerdem die Redezeit überschreitet, unter# bricht ihn der Vorsitzende Obcmibbinev Lewin. Redner fügt siel! nicht den Anweisungen des Präsidenten und spricht weiter. In! Saal entsteht starke Unruhe und erst den! Eingreifen R. I. M. Lcwins gelingt es, die Ruhe herzustellen. Rabbiner Dr. P. K o h n, der als nächster Redner zu Worte kommt, bespricht die geschichtlichen Voraussetzungen des Kampfes um den § 4. Oberrabbiner F u c I! s (Oradea), Dr. S. E 1! r m a 1! n (Frankfurt a. M.), Wolf P a p p c 1! 11 c i m (Wien) treten sehr energisch und mit großer rednerischer Wirkung für den § 4 ein; ebenso spricht R. I. M. L c w i n (Warschau) für die Be# lassung dieses Paragraphen. Die .Herren Holländer und Eiscnmann sprechen sich gegen den § 4 aus. Die Debatte kam in der Donnerstagnachmittagssitzung, die sich bis in die späten Nachtstunden hineinzog, nicht zu Ende. jJ||lllllilllllillilllilllllllllHlllllililll!ill!illllUlilil!IIIIIIIIIIUIIl(1m1llllllllll||||||llllll|||u IN UND 2 Crepe-Satin in hochfeinen Schattierungen ,! Georgette-Satin fürs elegante Kleid §| Moiree, glatt und imprime, in allen Farben Velour-Transparent, alle vorhandenen Farben [§ 1 Velour-Transparent imprime, exklusive Dessins |§ Velour-Imprime mit Metallfäden, die letzte Pariser =j Schaffung §5 Mantelu. Kleidersamte in den neuesten Farben, s feinste Qualitäten | In unserer cW0llst0ffabteilung jg Erstkl. Orig. Engl. Mantelstoffe wie Tweeds, i Double, feinste Neuheiten in Kleiderstoffen ff Beste Qualitäten in größter Auswahl zu billigsten Preisen! Wien VII, Neubaugässe1O-T.B4-10־34־,B-34-251־ s MllllllllllllllllllII SAMSTAG GESCHLOSSEN IIIIIIIIIIIIIIIII11IF Wien VII, Neubaugässe1O-T.B4-10־34־,B-34-251־ Wollen Sie, gnädige, Frau, es nicht unterlassen, während Ihres Aufenthaltes in Wien die weitberühmte Kunstwerkstätte für DAMENPERÜCKEN liilill, 1111, iimiBj 6 gegenüber Hotel Bristol (Tel. U-41-3-62) zu besuchen Othinar Schiffs Perücken und Scheiteln verdanken ihre internationale Beliebtheit der modernsten und individuetlen Ausführung, dem tadellosen, mustergültigen Sitz, sowie der vorzüglichen Qualität in Material und Arbeit be! mäßigen Preisen. -- Preiskataloge gratis! Ihr Besuch bei Othmcr Schiff wird für Sie zweifellos von Vorteil sein!

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.