Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 15 (1929)
- Issue
- 34 (23.8.1929)
- Date
- 1929-08-23
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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IHIRIIRHHVHM!■ Seite 2 JÜDISCHE PRESSE Nr. 34 Bollinger׳ Giskasten _ sind seit 1870 die besten! XV., STAGLGASSE 10 (BEI MARIAHILFERSTRASSE 148) VII., BURGGASSE 17 Tel. R-30-5-38, R-35-8-47 u. B-32-380 sitzen auch andere Rassen, tüchtig und gebildet sind auch andere Menscttenklasseu, ihre Gemeinscbaftsformen entwickeln ■auch andere Sippen, aber eine Thora ih a b!e n n u r ■w>i r a 11 e i n. am ■S 1 n a i s t a 11 d e n n 11 r un s e r e A h 11 e n. Und wenn die Agudas Jisroci auf ׳dieses Alleinige und Einzigartige. Zentralmäßige des Judentums hinweist: wenn sie Bemühungen anstcüi, die Judeniheit der Zeit zur Besinnung auf ihre ׳ursprünglichste Daseinsbestlm- Utting zu bringen, insbesondere den Eifer der Jereint. ihr Sinnen und Trachten ׳ להרמת קין התורהzur •Hebung des ׳Cieltungswertes des Thoraideals hinzu lenken, ist da niciit die Möglichkeit und :die Pflicht eines Sichfindcns aller auf das klarste gezeichnet? Müßten da nicht alle, in denen die Liebe zu unserem höchsten Kleinod, zur Thora und ihrer Verwirklichung in der Weltnoch irgendwie tob endig ist, sich aufra׳f׳fen ׳und zustreiben ■der Aguda, Zuströmen ihrem Weckruf und fördern ,ihre Arbeit? Oie Antwort ׳kann nicht anders lauten als!ja. ganz gewiß und selbstverständlieh! Und dennoch — ■man ׳muß, wenn auch mit großem Schmerz, dieses iAuffä'lligc ■hervorheben■ — sie raffen sich nicht auf; sie ׳streben es nicht an, sie strömen• nicht zu, wenigstens nicht •in dem erwünschten Maße ׳und der wirklieh hingebungsvollen Art. wie ׳man es erwarten sollte. Das Numerische und ,Quatititatiive der Aguda ׳ist •nicht dergestalt gewachsen, daß ■man von einer erfolgten Erweiterung und!Erbreiterung ihres C.eltungsstandes innerhalb der in Betracht kommenden ׳jüdischen ׳Kreise sprechen könnte. Sechs Jahre konnten seit der ,ersten Kenessio C!edauloh verstreichen, ohne daß!sich das gesetzestreue Jitdenturn aus allen Lagern i 111 Zeichen der ■Aguda gefunden:. It11 Gegenteil, es stellt sich in so ׳mancher ׳Hinsicht ,ferner und fremder denn je gegenüber. Wie kommt das? Wer •Agudas Jisroel Hebt ׳und versteht, wird ׳diese Tatsache nicht ■mit denn ■Schleier des!Schön tu 11s verdecken. Man kann sie bedauern ׳und beklagen oder wie manche vielleicht, denen es nicht um die .Expansion der Idee .zu tun Ist, ■nicht weiter als ■schlimm empfinden, aber man •kann sie keineswegs verschweigen ■und übersehen. Wo bleibt, wenigstens in der behandelten Hinsicht, •die uns aber als eine der wichtigsten Hinsichten erscheint, der Erfolg ,der ersten Kenessio ■Gedauloh? Warum ׳finden die sich •nicht, die sich doch geradezu suchen!sollten? Man wird erstens ׳sagen, ,man habe in allen •Kreisen viel zu vvenig für •die ׳Propagierung der agudistischen Idee getan. Ja, aber warum hat mau zu wenig dafür getan? Wenn man ׳von etwas durchdrungen■ und begeistert ist und ■man •es als ׳wahr und richtig ׳empfindet — und wir sagten ja, daß jeder ׳gesetzestreue Jude nicht anders kann, als ׳das agtidistische. Ideal als wahr, und richtig zu einpfinden —wird man doch nicht ׳verfehlen, dafür •sich auch mit allen Kräften einzusetzen. Warum ■ist matt nicht vou allen Seiten ׳dafür eingetreten? Man wird aber auch sagen, die Zeit sei noch zu kurz. Was sind sechs Jahre im Leben einer Bewegung? Andere große Bewegungen bestehen schon Jahrzehnte und׳ länger und haben noch nicht alle geeint, denen ihr •Rauf gilt. •Der Zionismus zum ׳Beispiel hat schon 16 Kongresse •abgehalten und steht noch immer nicht .a׳m Ziel seiner Bestrebungen. Allerdings, aber der Zionismus macht eben nicht die von allen anerkannte, ewig unwandelbare Wesenheit ׳des jüd'isehen Volkes aus, wenigstens nicht in den Augen derer, die er ruft und! ׳die •nicht kommen. Hingegen wissen jene, ,die ,die Aguda ruft und ,die nicht kommen, die Gesetzestreuen aus ■den noch .׳fernstehenden!Lagern, •sehr wohl oder müßten es wissen, daß es sich 11111 das Wesentlichste vom Wesentlichen handelt, und dennoch, warum bleiben sie •ferne, warum kommen sie nicht? •An ■der Sache selbst ,kann ,es, wie schon •gesagt, nicht liegen, und ■es liegt auch wirklich nicht daran. ׳So muß es doch wohl an einem anderen liegen. Woran? :Etwa an einem Fehler der Organisation? Wer wird sich allen Ern- •stete an der Organisation stoßen, wo de,r ׳Inhalt anerkennenswert und gut ist! ,Eine Organisation ist immer ׳nur ,schwaches Meiischeuwerk und stellt stets .nur d׳ie äußere, wandluiigsfähige Hülle dar. Liegt es ,sonst a!1 einem Faktor •integrierender Art, au welchem? ׳Das soll und ׳muß klargestcllt werden. Den Kopf in den Saud stecken, kann, wenn irgendwo, da sicherlich nichts helfen. Ein Fehler liegt vor, aber die Frage ist — und das ■ist das Entscheidende — wo? Liegt der Felder bei der Aguda und ihrer Verfassung oder bei den anderen Organisationen und ■ihren Einstellungen? ׳Hat die Gruppe hier oder haben die Gruppen dort schuld? ■Ich sage — und damit ,möchte ,ich auf das Ziel ׳meiner kritischen Beleuchtung kommen — keine hat daran schuld und doch sind alle schuldig. Keine Gruppe ist schuld, weil •der gute Wille in allen Lagern da ist, well in Wahrheit 'bei allen Gesetzestreuen ein Widerwille gegen die ewige Zerkliiftung und eine heiße, brennende Sehnsucht — besonders der Jugend — nach dein Zusammenschluß ■bestellt. Alle Einsichtigen — und es sind ihrer viele — wünschen nichts sehnlicher, als das- .gesetzestreue Judentum ■zu einer niaohtgebictendeu Weltorganisation verbunden zu scheu, zu einer alle mütterlich umfassenden Ueberorganisation, wie sie übrigens die gegnerischen jüdischen Weltatisohauungseinheiten längst besitzen. Und doch, sage ich, ,sind alle schuldig, weil sie hier wie dort sich nicht zu dem, was sie wollen, den Weg bahnett, sich nämlich nicht befreien von dem Faktor, der sie daran hindert, ,der letzten ■Endes die wirkliche Schuld trägt, bei dem Grund und Wurzel des Uebels liegt, der als der eigentliche Störer der Verständigung angesehen werden muß, w e i 1 sie sic h n vc •h t v 0 n diese m eine tt e m a n z i p i e r e 11. v on de nt P 0 1 •i t i k e r. Der Politiker ist der Minderer in allen unseren Belangen, und man müßte ihn eigentlich miteiiischließen im Gedenken, wenn man täglich betet: והסר שטן מלפנינו ומאחרינו ..Nimm von uns den Minderer, von vor uns und von hinter uns!“ Denn überall und: hinter jedem steht er• hält weit über dem, was ihm!zusteht, das Heft ■in Händen, reißt das Diktat des Moments an sich •und beherrscht das Gebot der •Stunde. Hier haben wir die Antwort auf die Frage, warum• sie nicht kommen. Sie können nicht kommen, sie erheben־ sich nicht, zur Spontanität und Freiheit zu kommen, weil der Politiker sie blendet und narrt und ihnen die Wege verrammelt. Allen Gruppen steckt der ׳Politiker in einem viel zu ׳starken Maße in den Gliedern, als daß sie ernstlich auf einen Sammelruf hören mögen, auch wenn er der überzeugendste von der Weit ist. Alle sind von den politischen Sonderinteressen nur allzu stark befangen, als daß sie, über alle berechtigten und tmberechtigten■ Eigenauffassungen hinweg, an eine Verbrüderung, wenn auch nur in den wichtigsten Geniieinsamkeitspunkten. denken könnten. Aber was sie alle tun könnten und •müßten, das ist. sich des Störers Politiker zu entledigen, und daß sie das nicht tun, das ist eben allesamt ihre Schuld und ihr ׳Fehler. Ich sage allesamt, denn es •ist nicht wahr, d a ß n u r ,die Aguda oder!sie am meisten bi diesem Fahr wass ׳e •r s c 11 w i ׳m ■m t, daß sie s t ä r k er vo m iP־o!1 i t i k e r infiziert ist als alle anderen g e s e t z e streuen Gruppen. Es ist deshalb auch 11'icht wahr und ein Trugschluß schwerster Art, die Schuld •am F e r n b 1 e i b en so vieler de m sogenannte n 0״ m i 11 ö s e 11“ P a r a g r a .p h 4 z u 1z 11 s c h r ׳e i b e n. So sehr er tatsächlich als Stein des Anstoßes •in die Augen fällt und schon deshalb entfernt werden müßte, so ist er doch nur •mehr die Folge als die Wurzel des Uebels. Dieses liegt viel tief cr, oben in dem ,genannten, ׳fast chronisch gewordenen-Umstand der Politik ׳und des ׳diplomatischen Spieletts mit der Macht, denn schließlich und endlich bis zu einem gewissen Grad auch ׳die Aguda untertan geworden ist. ׳Be!i der gegenwärtig herrschenden •parteipolitischen Psychose, besonders Im!Führer turn aller Lager, ist es mehr als ׳fraglich, ob ׳selbst bei Wegfall des vielumstritterien Paragraphen־ sich alle, die es tun müßten, die Hand ,zum Bund reichen würden׳. Sie, ■die nicht kommen wollen, wiirden ganz bestimmt neue Gründe finden, neue ״Wenn“ und ״Aber“ entdecken und andere Scheidemauern schaffen. Die Politik ist erfinderisch, und ■das Hebel ist hier wie dort nicht von 1heute. Man •verbarrikadiert sich gegenseitig ׳schon ׳seit Jahren künstlich ׳durch ׳allerlei politische lAlleinseligmacherei.!Bei׳ aller Achtung vor den weit- •anschaulichen Sonderstandpunkten, ibesoüders ׳soweit sie ׳im Religiösen,, im gemeindlichen Leben oder auch in der nationalen׳ iHiugezogenheit •liegen, ׳denn einer s e i c h 1 e n ׳G •leie 1h m a c h: erei soll ׳hier •k eine sweg׳s das Wort geredet ■wer׳den, muß doch gesagt werden, daß überall auch!viel!Rechthaberei und Justa nien t׳pr iid e rie, Prestigeaufba u sehn 11g und Konseq׳uenz- Starrheit mitspielen. Diese ׳verstehen cs, alles in •das Manteicben eines zu wahrenden •Standpunktes zu hüllen. Hüben wie drüben wird Irn!politischen!Eifer nur zu sehr das Verantwortlichkeitsgefiihl füreinander eingeschüchtert und mit Opportunitätsgriinden׳ beschwichtigt. W׳ie •kann da ein ׳Sicilwindeii der •irn Grunde geno׳rnmen Gleichgesinnten ׳vor sich gehen? Und geht dieses nicht vor sich, wie kann das gesetzestreue Judentum bestehen? Sieht man denn nicht und hört ■man nicht? Alle negierenden Elemente und Momente des modernen Lebens innerhalb und außerhalb ,des Judentums haben sieh ,geradezu verbunden und verschworen gegen uns und gehen ■mit ungeheurer Wucht und ׳Kraft gegen •das geringe Häuflein der Gesetzest reuen vor. מי יקום יעקב כי קטן הוא ..wie kann Jakob bestehen, da er so gering? Woher soll denn, n3m rron Kommt zur zweiten Kenessio ווווווווווווווווווווווווווווווווווו;!UaTKONGRKS D.AGUDASJISBOEI GfidflUlO Wiener Sofiensäle llllllllllllllllllllllllllllllllil Der Gastkartenverkau! für Wien und die österreichische Provinz hat begonnen. Der Preis für die Gastkarte, die zunt Eintritt zu allen öffentlichen Tagungen des achttägigen Kongresses berechtigt, beträgt S 15.—. Nach dem 31. August gelöste Karten kosten S 20.—. Zur Eröffnungssitzung ÄJäjÄ, .J eine große Anzahl Karten von ausländischen Oästen vorbestellt wurde. Wien, II., Malzgässe Nr. 12 a Eingang Leopoldsgasse 16 כשר SEIFE Marke: ALEFBETH mit הכשר'des orth. Rabbinatsassessors, KoSice, erzeugt ״POLIO“ FRIEDMANN & Co. SEIFEN-UND KERZENFABRIK, KO$ICE nächst הקב״ה, die Hilfe und Aufrichtung kommen, wenn nicht durch die Selbsthilfe, die doch auch, soweit das der Mensch vermag, ein religiöses Postulat ist. durch die Selbstbesinmtng zum festen, lückenlosen Zusammenschluß aller Thoratreuen, zumindest auf den dringlichsten Gemeinsamkeitsgebieten? Darum darf :matt mit ,Fug und Recht behaupten, daß der erste und wichtigste P r o g ra tu m p ti n k t auf. der K e n e s s ז o G e d a u l 0 h d i e •B e r a t s c h I a g u n g s e i n in ii ß t e, wie schafft in an vor allen Dingen einen wahren, durehscblägigeu׳ Kib1i׳z-hajereim? Aber die!Kenessio ׳Gedauloh allein, das heißt nur die Aguda aus sich selbst heraus, kann das nicht machen. Zur Liebe gehören immer zwei. Die Verpflichtung, darüber allen ׳Emstes zu sinnen, haben ebenso, wenn nicht noch •mehr, •die aaißeragudistischen ■gesetzestreuen Verbände und Gruppen. Die müssen ebenso aus sieb herausgehen, ihr Programm, ihre Haltung und Stellung einer Revision und Selbstprüfung unterziehen und statt sich •ins Schmoll- oder gar Trotzwinkelchen zuriiekzuziehen und alles Unrecht auf die Köpfe der bösen ■Agudisten ׳zu häufen, ׳müßten sie kommen u tt d m 111 u n tt n•d h ö •r e n u it!d sehe 11 und s i c 11 in i t aller K •r a f t u 11 d ■L i e b e b e t e i 1 i g e n. Die Initiative dabei müßte natürlich die •Aguda ergreifen. Da sie den anerkannten Kernpunkt des gesetzestreuen Gemeinsamkelts־ gedanketis am sichtlichsten auf •den Schild erhoben hat, so fällt ihr auch •die große und erhabene Aufgabe zu, den •ersten Schritt zu tun. (!Fortsetzung ■folgt.) Das äußere Bild der Kenessio Gedaulo. Von Urlel Birnbaum. Wehl mancher Teilnehmer an ,der ersten Kenessio Gedaulo wird zwischen׳ allen ,seinen stolzen Erinnerungen •a׳n ׳dieses •große Erlebnis doch auch ein mißmutiges Ge- •fühl der Enttäuschung nicht ׳ganz verwinden!können. Das war ■die :Enttäuschung, die ,ihm damals gleich .beim ersten erwartungsvollen Eintreten in!die Kongreßhalle überkam ׳und erst bei Teilnahme an den Verhandlungen des Koffgresses ׳vergessen werden konnte: Enttäuschung über •das ׳äußere Bild ׳der /Kenessio Gedaulo. Da hierübe,r noch nie gesprochen wurde, ist es gerade jetzt höchst zeitgemäß,!nicht ,mehr schonend zu schweigen, sondern offen herauszusagen, daß das äußere Bild der ersten ׳Kenessio von schlechthin trostloser Häßiichkeit und Würdelosigkeit gewesen Ist. Hiezu trug schon de.r Saal bei — ein nur ■für abendliches •Lampenlicht und als Massenarena gedachter Zirkuss,aal mit Sandboden; wegen seiner schlechten Akustik mußten die oberen Ränge, die jedes ׳gesprochene Wort verschluckten, verhängt werden und das geschah auch — aber m׳it riesigen, groben, nicht •einmal׳ straff •angespannten, •sondern!unordentlich hängenden Wage npla eben׳. Schranken und Abteilungs tafeln aus rohem Holz standen zwischen häßlichen!Bänken, ■und die großen Inschriftentaifeln. •der einzige Schmuck, au den man gedacht hatte, waren so unpassend angebracht, daß sie das uneinheitliche Durcheinander des Saalblildes nur ׳noch weiter verwirrten. ׳Dies Urteiii klingt hart, ,kann aber ehrlicherweise nicht gemildert •werden: ׳denn es ■darf nicht ׳beschönigt •werden, daß •jene ׳Kenessio Gedaulo, die erste nach zweitausend .fahren ׳au ein so edles ׳und ehrwürdiges Vonbild ankmipfende ״,große Versammlung“, ׳dem äußeren Eindruck nach nicht wie ein ■erhabenes jüdisches Weltparlameut wirkte, sondern •wie •ein grotesker ׳jüdischer Weltiahrmarkt! /Zweifellos wird solchen Bemerkungen entgegengehalten werden,!daß äußere Schönheit ganz nebensächlich sei. wo Dinge von solcher inneren Größe verhandelt wiirden; daß es unijüdisch sei, dem äußeren Rahmen geistigen Geschehens viel Wert beiztiiinessen: daß der erhebende Verlauf der ersten Kenessio ,genügend bewiesen halbe, daß es •auf die Schönheit oder ,Häßlichkeit seines Bildes nicht augekommen sei. Darauf muß erwidert werden, daß die heute von!mancher orthodox-jüdischer, Seite •gerne propagierte!Meinung, Streben nach Schönheit sei verwerflich, offenkundig unjirdisch :ist — was zu bekräftigen der Hinweis auf zahllose Aussprüche der Bibel genügen mag, insbesondere auf die herrliche Schilderung des Wirkens ,und des Werkes jenes ״mit dem •Geiste G־ttes erfüllten“ Beizalel. Es ,ist also ,vom jüdischen Standpunkt ans höchst angemessen, eine so ganz d׳er ׳Ehre der Thora gewidmete Tagung auch äußerlich schön ■zu gestalten. Und noch ein zweiter, seht־ gewichtiger Grund spricht dafür: Rücksichtnähme auf das Urteil der Umwelt. Wohl stehen heute weite ׳jüdische Kreise (,innerhalb wie außerhalb ,der Orthodoxie) auf dem Standpunkt, daß die ׳Meinung der nichtjiidischen Umwelt von •jüdischen Diugen gleichgültig sei und das Vorgehen der Juden nie beeiiii'flusseii dürfe — ja daß •es eigentlich würdelos sei. sich in irgend etwas nach den Wünschen der Umwelt zu richten. So selbstverständlich dieser Standpunkt dann ist, wenn jene Umwelt •in jüdisch-religiöse •Lebensfragen eingreifen will (wie •etwa •1bei der Hetze •gegen das Schächten), so muß gegenüber verallgemeinernden Behauptungen solcher Art betont werden, daß dieselben unijüdisch sind, ,weil sie eigentlich au Stelle einer Rücksichtnahme auf die nichtjüdische Umwelt •ein Bekenntnis zur ,Rücksichtslosigkeit dieser gegenüber setzen. Vor allem aber ist eine solche Einstellung auch politisch uniklug. da doch ׳die )Kenessio Gedaulo nicht zu in kleinsten Teile auch auf die nichtjüdische Welt ,wirken soll, wenn der Fremde, der für den geistigen Inhalt der Kenessio interessiert werden ■soll, schon vorher von deren äußerem Bilde abgestoßen wird: Vernachlässigung des äußeren Bildes der Kenessio bedeutet also, daß mau diesen •c’ie Ehre der Thora gewidmeten Kongreß — letzten Endes also die Thora selbst — zum Gespött macht. Das danf nicht sein! Um der Würde der Thora und Israels nach außen, wie um der Stärkung des äußeren jüdischen, in den Dienst der Thora gestellten Schönheits- Sinnes willen darf das nicht sein! Die jetzt in Vorbereitung befindliche Zweite Kenessio Gedaulo muß. geistig das Werk der Ersten fortsetzeud, äußerlich ein anderes, ein würdigeres, •ein schöneres •Bild bieten!