Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 15 (1929)
- Issue
- 32 (9.8.1929)
- Date
- 1929-08-09
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 JÜDISCHE PRESSE Nr. 32 Bollinger'Eiskasten sind teil 1a70 die betten! XV., STAGLGASSE iO (BE! MARIAHILFERSTftASSE 148) VII., BURGGASSE t7 Tel. R-30-5-38, R-35-8-47 0. B-32-380 unsere Orthodoxie niaht bloß im Interesse!der frartssj4Van ischen OrtlhodoxcnT‘ sondern aucli 'für die Zukunft und Entwidklumg :säriitfidhef ortKü'cfox orientierten; Juden des . ■ ׳ ׳•' ,.t־u,nid.sdhaft׳ Landes sorgt a!f tl j-׳h־n sc־c i׳e m ״ iN'iru!hat G- 011 unsere von J a th •r e n׳ l 0 s e, s e '(t ei her Reihe׳c 111 e, s e 1 b s t 11 n d!2 i elibewußt g e f *ü ,h r t e!Ar 1b e i t׳ g t׳ uneftt 'vv e mii t ganzem Erfolge gekrönt. Er hat Rumänien in der ,Person Aurel v. Vlaid einen iKul'tusminrster 1g eg eiben, der in seinem ausgesprochenen Europa er tum, in seiner tiefen Eingewurizekheit ■in wahrer K!u 1 üur und Zivilisation, in seiner kristallisiert reinen AuriaSsuiig ,von Recht, Gleichheit ■und!Gewissensfreiheit das Wehgesohrel des lange genug!mißhandelten Primzipes der G'leic'lilberechWgung und ,konfessionellen Selbstbestimmung erhörte!und mit einer noblen Geste, mit •einem Federstrich das!Gewissen aus den!verrosteten Fesseln der Versklavung!befreite. .Kultusmiui- ׳.ster Aurel Vlad schaltete den Schraiiibstock-fParagraphen des ^Kultiisgesetzes. der die heterogensten Gl'au'bensele-!mente in eine einheitliche ■Gemeinde •ziv ®wingen bcahsichtigte, ganz einfach •aus und ersetzte ihn mit «Jer Aussprechivug des dem wahren Tatbestände entsprechenden Satzes, daß in Großrumänlen drei Riten innerhalb der israelitischen Konfession bestehen: Orthodoxe. Neolöge und Spaniolen, deren Bekenner überall im ganzen Lande sich zu vollberechtigten, unabhängigen und staatlich anerkannten Kultusgemeinden konstituieren dürfen. (Kaum war diese geplante Gesetzesündenung in! die Odilen tlich'keüt gedrungen, als auch ■schon!ein ausgezeichnet d z 11 g gegen!den neuen iPara-׳ 1 o r g a 11!i s 1i e r t e r;F e ■grap'hen entwarf!und ein 'konzentrischer, schonungslos geführter Angriff gegen die Person des!Ministers ein setzte, jüdische!Abgeordnete und Senatoren, welche׳ Sämtliche zur iRellgion haben mögen, alle jiitli-׳!Einstellung sie auch scheu. Vereinigungen, ,zionistische inid assimilatorische, vereinigten siclh!im ohrenbetäubenden (Kampfruf gegen!die zur Ungeheiieirlichikeit!verschriene Gesetzesänderung des über!Nacht 1zu!m größten!Despoten der!Weltgeschichte geächteten Kultusministers. In den 'kleinsten!Dorfgemeinden Meetings“ ,veranstaltet, die die in!Muschin-׳,.!wurden zugcsteliten Protesttelegramme an Regent-׳ schrift ihnen sc'haft, Ministerpräsidenten, Kultusminister und!Kammeran ׳Resolution“ erhoiben und gehorsam,st!״ ,Präsidenten iznr jüdische,!ungarische■׳ die!Adressaten ubsahdten.!Die ganze und ■deutsche!Presse in hebräischer, ungarischer, rumäniwunde mdbilisiert, täglich׳ und deutscher 'Sprache׳ scher schreiende, im׳ urteilslose!Bevölkerung׳ schüttete sic in die rdston gehaltene Artikel, die alle Sn tendenziöser׳eya׳11I׳1Bo r-׳den!Minister, ,sein Werk und seine (Absichten!ve׳ Weise ungSiimpften• ,und ,in der öffentlichen Meinung heraibsetzten.' Da unsere Orthodoxie 'kein Organ besitzt, •das im!Konzert Presse ihren Standpunkt ,vertreten ,könnte׳ der allmächtigen aus!dem׳ und sollte, so wurde sogar (der ■einfache!Mann t;z s e i ,n e r 1Z u g e h ö r 1 g ‘k e 11 u n!d A tu׳ 0'Vo l!ke, t r t izu* r 0 r th od 0 x!i e, 1 nr e g cf ü:h r t,׳i׳l i c:h'k e׳!1h ä n!:g so .'oft und. so unisono gellte der 'Verzweiflungsruf des Verrat,;öeberfall, Vergewaltigung. Tyran-״ :iPressechores sie schon auf׳ 11 den Ohren der armen Juden, daß׳nei“ i Lagern!in den ,Nächten!keine Ruhe mehr finden׳ ihren -׳rucik legte sich ■das teuflische Amen׳lpd׳A•׳!könnten; wie ■ein dement Aurel Vläds auf ihre 'keuchende!Brust und machte versuchte ich׳ ihnen das!Leben unerträglich. Vergebens n verschiedene׳a׳ durch!Einsendung auPkilärender!Artikel jüdische und iniChtijüd'isdie TagesMitter *die 'Wiaibriheit fest-׳ Lärm •aibz'n tönen, damit!wenig-׳ zustellen und den blinden von■ ׳die 1wirklichen Tatsachen׳ ,stens 'jeder, der sehen will können, solle;! ׳den falschen Greuel,geschichtein unterscheiden׳ die Tore, die ins Freie führen, bleiben ,mir .verschlossen, wie auf ein iKommandovvort• ,v e!r w e ige r t e n di e• ■a npatten׳ n Tageszeitungen ihre S׳g e gütig eu e dem׳ den Worten *der •W a ih r h e li t. Und während erbittert geführten!Kampfe gegen den neuen׳ ,wochenlaugen anläßlich der ,׳(Paragraphen fand ich nur ein einziges!Mal en siclh e!r,sreckenden׳t׳n!zehn Komita׳vo׳ Gebiet׳ das׳ auf Maöhasike - Ha das, - Generalversammlung, Orthodoxie, der 1zugleich׳ Gelegenheit, den Standpnnlkt der des Rechtes ist, ׳Standpunkt!der Wahrheit, der!Logik und der ■erstaunt aufhorchenden Menge klarzulegen und׳ vor sie von der meisterhaften Umgarnung und Mystifikation •zu befreien.!Man sah es dem ■erstaunten Publikum so recht am Gesicht au, daß es sich so fühlte, w׳ie wenn mau von einem bösen Traum erwacht. Und in einer solchen -Atmosphäre, umhagelt von allerlei Geschossen, angegriffen!mit allerlei. Waffen, stand ,K'Ul'tusministeF'rf'Aurel :VUa*d auf seinem, Pööten, ru!h.i׳g, $i0h׳er, ׳ent;schlÖ!s.sen. ׳Er hat die Geschichte genau und eingehend studiert, er ׳ hat sie!in afereit ׳geheimen Tiefen erfaßt '׳und ׳er war. theoretisch ■gegen alle so* - dis׳an t ׳W'issenscliaftf-ich - ikirohengeschichtfioheni, dögmalischen, religionspilo$ophisdhen trnfd ,nationalpoli,tischen Redefloskeln, die er zwei Wochen hindurdh ׳im ׳Unter- und Oberhaus an; den ׳Kopf geschleudert bekam,!gründlich gewappnet.!Es War ein ,Hochgenuß, aus dem .:Munde des rumänischen ׳Kultusministers alle Argumente •ln' Reih und Glied aufmarsöhieren zu sehen,;mit denen unsere Altwordern für ׳die ׳Selbständigkeit ׳der Orthodoxie in Ungarn u׳nd ,Deutschland!Lanzen gebrochen hatten. Ein seelisches Vergnügen 'bot die großangelegte Rede Aurel Vlads, in der er über die hohlen ׳Phrasen der jüdischen Pariamentarier zu ,Gerichte saß und ihre ׳Söheingriinde und' •Sopbis- .men mit der ׳Schärfe des Schwertes der Wahrheit ׳vernieihtele. W!ic 'kläglich und ׳durch ׳die Wirkung der!Komik geradezu dächerlich, ■wurde die erbärmliche!L'iige der •jtidisehen ,Parlamentarier, die aus idem Münde eines dhristlichen Ministers über ׳die 1j׳ud׳i sehen iReiigionslragen und ׳des Gemeinderechtes. über ,Gewissensfreiheit und Autonomie Belehrung erhalten mußten. Es war ,zu schön, als daß nicht einige Gedanken aus •der interessanten Rede des Ministers!hier wenigstens auszugsweise vor der jüdisehen großen Oeiffentüch'keit festgehaltcn ׳werden sollten. Er sagte unter anderem; Die jüdischen ,Parlan1entsvert׳reter werfen ,ihm vor, daß er die Aenderung ohne Befragung und Anliöruitg der kompetenten jüdischen!Kreise eingebrac'ht habe. Das sei aber ein Irrtum oder eine Irreführung, ׳denn er habe ׳auf• Grund ׳des von ׳den Enqueten (überkommenen Materials sich sein Urteil gebildet und!daher erst nach ׳Anhörung ׳und Ucberptüf'ung der verschiedenen Meinungen entschieden. Oie 'Behauptung, daß auf dem ganzen Erdenrund außer •Ungarn keiye ׳Zweiteilung der Gemeinden bestehe, sei auch ׳keine hundertiprozentige Wahrheit, denn auch in ׳Deutschland 'besteht schon seit dem •Jahre 1876 ein AustriM'sgcsetz, das mit! ׳der Chimäre ׳der lEiinheitsgemeinde aufgeräumt halbe, Oie 'Richtigkeit eines Gesetzes ׳bestehe aber durchaus nicht ׳in ׳der großen Anzahl der Analogone. er :hätte 'diesen Paragraphen kraft der!1hm!innewohnenden Wahrheit auch ׳daun geschaffen, wenn ׳er nicht ׳aus ׳dem ungarischen und deutschen Mitster ׳die Richtigkeit seiner Auffassung .und die •segensreiche Auswirkung ■eines ,solchen ׳Gesetzes in der 'Praxis erfahren hätte. Essel einfach ׳unerfindlich, warum 1׳d' i e S i e ,b ׳e n b ,ii r g e r J u d e ,11 e i 11 'Vorrecht g eni׳eße־n sollten ,vor d׳e׳n Juden aller atideren P r o ׳v i u z c •n. W e• tv •n d li e J u den Tr ■a .n ssylvaniens s e, l׳b s ׳t ä n ׳d li g e 0 r t h. G e m e i 11 d e u bilden d ii r ׳f e u, d am!it s i e n a c!h;1' h rer alten T r a d i i 1i■ 0 n• u: ■n d1 n •a c ih d e!m D i k tute 1־!h r e s G evvf s s e n s;i h r ׳e Re 1 i ׳g1׳i 0 n a u s ii 'b e n •k ö n n c n, ׳war u m, s 0111 e den!i m s on s t i g c, n ׳R u m ä n ,i e 11 I e’b e 11׳ d e .n .J u ׳d e n 'ימי i c h t das g 1 e i cIh e 1R ■e c h t iz u s t e 'h e ■n? W o g 1 lb t -es n o c 'h ׳einen ׳R e c h t s- .׳s t a ■a 1t, d e r ii n ׳g!leie h e-r' Sache ,mit zw e 1 e. r 1 e i. :Maßstab mißt? (Unser -Bestreben ■ist: doch die׳ voll-!kommene!Uniliizier.ung der angeschlössenen Geibiete mit ׳dem lM11t׳t׳erl׳an׳׳de, warum sollten wir nun in Siebenbürgen Tegionalistische Ansätze guriicklassen?' 1D;i e Einheit- II c h k ■e '1׳ t d ■e s. '׳S t a a t e s e r •f 0 r d ׳e •r t. ■e i *n ih ■e i 11 ic h ׳e G e s e t ■z g *e!b u >n g u n d d. a!d ie e r w orbenc n Rechte der t r a n:s s y l׳v an i s che 11 Juden ׳heit •n i c Ih ׳t g: e ׳s׳ c׳ h!m ä 1׳ e r t •vv •e <r ׳cl e •n id ii rfen, so m ii s s e in s i ׳e ׳c b •e n 1׳ o ■g 1 s c :11 e r. w e!i s e׳ a 1 ■11׳f «die g a n •z e •J u d ׳e n h ׳eit a u s g ׳e ׳d e .:h n •t ׳w e r d e. Was 1m1n׳׳d;i׳e ׳in allen Reden ■der .jüdischen׳ Abgeordneten ׳und Senatoren stereotyp Wiederkehr ende!Behauptung betreffe, daß es 'innenhalb des Judentums keine dog mar ■ Al ■ unve I HC H zugekommenen zahlreichen Beileidsbezeigungen. einzeln B beantworten, bitten wir alle Teilnehmenden, unseren tiefgefühlten B Dank auf diesem Wege entgegennehmen zu wollen. H B a d e 11, im August 1929. הרפ״ט TIDrD H Die trauernden Hinterbliebenen. Danksagung. כיה Außerstande, die uns aus Anlaß des Hinscheidens unseres unvergeßlichen Gatten und Vaters, des Herrn OberralAiner Wilhelm Reich ל r כשר SEIFE Marke: ALEFBETH mit הכשר des orth. RabbinatsassessofSr Koäice, erzeugt ״POLIO“ FRIEDMANN & Co. SEIFEN- UND KERZENFABRIK, KO SIC E t •i s c h e fl?. ÖtdNferöii'zeti gebe, sei er im Verläufe s׳einer dieser ׳Frage geopferten, Vorstudien׳ zu einer gegenteiligen lUeberzeugüng ׳gelangt. Er •wage es 1Zü behaupten und ׳könne es :beweisen, daß ׳zwischen der grüeChisch-orientalischen •und ,der ׳katholischen 'Kirche noch;lange 'keine solch tiefeinschtieidenden!Unterschiede bestehen als zwisehen neologen und orth, Juden. Unverbrüchliche Aner-!kennung der G-ttllich׳keit von iBübel־ u׳nd Tradition auf orth. 'Seite und die Leugnung derselben auf neck Seite. ׳Was dem einen Teile 'Heiligtum, ist dem anderen Torheit, was dem einen Fortschritt, ist dem anderen Ver-!brechen. Gibt es einen kl'a׳ffenderen Gegensatz auf Erden?!Rabbiner, (Kanzel, Liturgie u׳n׳d Schule des einen Teiles bedeuten für den anderen den schrecklichsten Gewissenszwang.!Die beredtesten Beweise der ernsten Ue'berzeuguug seitens der orth. Juden •für die Unerläßlichkeit derSeparation sind die u n g e h c 11 r c n Opfer, die der orth. Jude ׳für seine Gesinnung ׳tagtäglich bringt. ׳Auf dem •Al-tare dieser •reiigiöseu Ueiberzeugung opfert ,er wöChemtlieh den siebenten Teil seines Erwerbes, seine 'Bequeml'ic'ivkeit, seine Gesundheit, indem er auf wochenlangeu Touren m;ifl■trockener, einförmiger, sozusagen Gefangenemkost sich begnügt, während die der Neölogie angeborenden Juden keinen Sabbat und keine Speisege ■setze berücksichtigen und anerkennen׳. ,Auf ׳die ■Einwendung der jüdischen Deputierten, daß nur ׳d i e <M i!10 r i t ä t der J u.d e n Großrumänians erthedoxer Auffassung seien,!habe er nur zu erwidern, daß er als guter Christ es vor seinem Gewissen nicht verantworten könne; in Glaubenssachen eine noch so kleine Minderheit maiorisieren zu lassen. MaijoritätsbesChliisse und Mchrheitswillen haben ,mir dort Sinn und Berechtigung, wo der •Wahikörper auf einem ׳Baden steht, gemeinsame religiöse ׳Ueber׳zeugu.ng hat. Kami!denn etwa ein religiöser A b ׳a 11׳ a u f h ö r e n •A b f a;t 1 ׳z 11׳ s ׳ein, w e i l eine Major i >t ä ׳t i h n übt? Darf ׳denn eine an ,Bibel und Tradition in uivverfälsohter Weise sich klammernde Minderheit der Willkür und der!Laune einer Majorität preisgegeben werden, die •sich über •F111!dame 11 t!a:lgesetze ,der Religion hinwegsetzt, weil sie eine anti- oder areligiöse Weltanschauung hat? Er habe die Erfahrung, •daß ׳die ׳staatlich aufge-, z wütigem en ׳einheitlichen Organisationen ein׳ ,Da na engesc'henk ■seien■, ׳denn innerhalb dieser ‘herrscht ,ständig Zwiespalt ׳und!Hader in den!Gemeinden, Familien und lHäusern׳ und es lasse sich voratisseihen, ׳daß in allen Ländern, in denen es noch nicht die Möglichkeit der Trennung gibt, früher oder später diese Möglichkeit geben werde müssen und wrf würden alsdann die Genugtuung!haben, daß!wir .früher als ■andere das '11 b e r a 1 e Prinzip der Gc w.isscnsfreih •e i t ■in unserem Kultus- ' g e s e ׳t z e Ik 0 d i f i z i e r t;11 a:be!1. Und wann ׳die ׳jüdischen Parlamentarier ihm den Vorwarf machen, d׳aß er ׳durch die!Einbringung ׳dieses Austrittsparagrap'hen die jüdische ■Konfession beleidigt hätte, weil ,er ihn gegen den Willen ׳der .Interessenten eingebracht habe, :so antworte er (ihnen, daß sie die Be- ׳leidiger ihrer!Konfession ׳seien, denn si׳e erniedrigen sie iia durch ■die Annahme, daß sämtliche, Re'ligionsgenossenschäften ohne Staatszwang auf eigenen Füßen, auf ׳Grund •ihrer ׳!religiösen!Ueiberzeugung bestehen!könnten, (nur die Juden, das Volk, ■der iBibel, ׳das am »erwählte Volk, . können des staatlichen Zwanges nicht eutraten; die Jaden• allein könnten die Freiheit der lUeberzeugung nicht ertragen, ihre Religion bräche zusammen, wenn •sie. nicht mit dem eisernen Reifen der Staatsgewalt künstlich zusammengeschweißt würde?!!Er •als1 ׳Kultusminister und )Verehrer ,des .!jüdischen .Glaubens müsse diesen und seine .!Bekenner von seinem verantwortungsvolien ׳Sit'ze gegen die 'bloßsteliende iSupponierung seiens der jüdischen׳ Abgeordneten in Schutz nehmen, .und er sei dessen gewiß, daß die Zukunft ihm rechtgeben werde und daß sein Name im Zusammenhänge mit diesem Trennungsgesetz, das überhaupt keine Treunun״ anordne, sondern eine solche nur ermögliche, gesegnet werden würde. Jüdische Märtyrer in Niederösterreich. Von L. Moses. Eine Gesamtgeschichte des jüdischen Martyriums ist noch nicht geschrieben, aber es kann als Axiom gelten, daß es kaum ein Zeitalter in der langen jüdischen Leidensgeschichte oder ein Land gibt, das nicht Schau# platz mehr oder weniger zahlreicher bekannter oder im Meere historischen Vergessens untergegangener Tragödien war, die immer wieder die Reihen der Blutzeugen für den jüdischen Glauben füllten. Es ist also gar nicht not# wendig, wie es von manchen Seiten versucht wird, Mär# tyrer erst zu fabrizieren, wo solche nicht vorhanden sind, und wir kannten die erste umfassendere Darstellung dieses Martyriums, Josef Kohens ״Emek habacha“ heute zu einem durch unzählige Zuflüsse stark angewachsenen Tränenstrom gestalten. Auch Niederösterreich hat, wenn wir von Wien ab# sehen und auch die in den Memorbüchern von Nürnberg usw. nur kurz erwähnten Märtyrergemeinden, die ganz oder teilweise den ״Hostienschändungen" des 14. Jahrhunderts zujn Opfer fielen, wie Pulkau, Retz, Kor# neuburg und so fort, hier übergehen, seine Märtyrer, ein# zelne Männer, deren Märtyrer# oder sonstiger gewaltsamer Tod sie zu stempelt. Viele Angehörige der in der ״Wiener Geserah“ aufgezählten Gemeinden gehören zu den Märtyrern dieser ״Geserah“, da sie mit den Wiener Juden gemeinsam in den Tod gingen. Für unsere vorliegende Untersuchung kommen hauptsächlich jene einzelnen Märtyrer in Betracht, die uns vom 17. Jahr# hundert an bekannt werden, und hier vor allem der zeit# lieh kaum mehr genau zu bestimmende Isak von Nieder# spreigen, der im Memorbuch der Klaussynagoge Zacharia Levis aus Wien in Mißütz (fahren) genannt ist. Da Zacharias Levi, ehe sein Memorbuch mit seiner Familie nach Mißlitz ging, in Wien als Grüntier eines Lehrhauses in Wien bekannt ist, kann der Märtyrer Isak, von dem es in diesem Memorbuch heißt בעבור שעמד באמינחו ונהרג על קדושת השם nur dem 17. oder frühestens dem 16. Jahr# hundert zugewiesen werden! Größere Schwierigkeiten bietet jedoch seine lokale Identifizierung, da ein Ort Niederspreigen in Niederösterreich nicht vorkommt. Der Gedanke an Jedenspeigen oder einen anderen Ort ahn# lieber Namensbildung mußte mangels aller sonstigen An# haltspunkte fallengelassen werden und es blieb nur die Vermutung übrig, daß es sich um einen der vielen ver# schwundenen Orte unseres Landes handelt. Tatsächlich gab es ja auch einmal ein Poigen bei Fischamend, das aber 1529 von den Türken zerstört wurde. Nun lebten aber im Jahre 1652 in Niederpoiegen, das in einer aus dem Jahre 1666 stammenden hebräischen Transkription נירר שפויגן Niederspoigen geschrieben wird, nach den An# lagebüchern des Vizedomamtes über die Toleranzgelder zwei jüdische Familien und in diesen Dokumenten ist der Ort dem Viertel unter dem Manhartsberg zugezählt. In diesem Viertel gibt und gab es aber, soweit bisher be# kannt, keinen Ört ähnlichen Namens und da auch das im Bezirk Horn gelegene Poigen dem Waldviertel ange# hört, ist eine einwandfreie Fixierung dieses Nieder# poiegen, das ich mit dem Herkunftsorte unseres Mär# tyrers w'egen der gleichen hebräischen Schreibweise für identisch halte, vorläufig nicht gelungen. In dem bereits erwähnten, im Hofkammerarchiv er# liegenden Anlägebuch des Vizedomamtes vom Jahre 1662 werden für Weitersfeld bei Horn, damals Weittrafeldt, zwanzig jüdische Familien ausgewiesen. In einer Eingabe der ״gesamten Fleischhacker Niederösterreichs an die Hofkammer contra N. die Judenschaft, so sich das Fleischschachten anmaßen will“ vom Jahre 1660 heißt es: ״Wo Juden Fleischhacker sind, werden die übrigen ruiniert, zu Weidersfeld gingen wegen der Juden 13 Meister zugrunde ... .“ und so können wir uns mit einiger Phantasie leicht ein Bild von der wirtschaftlichen Bedeutung der für einen heute ziemUch bedeutungslosen Ort wie Weitersfeld ganz respektablen Judengemeinde machen. Fast bekommt man dabe» den Eindruck, als hätte sich da in Niederösterreich eine gewisse Berufsschichtung der Juden herausbil'äen wollen, die hundert Jahre später eher gefördert worden wäre. Ein Mann aus dieser Ge# meinde, Hirsch aus Weittrafeldt, erscheint in den Jahren 1652, 1662 und 1666 unter den Deputierten der nieder# österreichischen Landjuden zur Bemessung und Repar# tierung der Judensteuern und in derselben Gemeinde, die im Jahre 1668 beispielsweise mit148 ־ fl. 38 kr, besteuert war, wird in allen diesen Jahren ein anderer Mann namentlich angeführt und abgesondert (1668 mit 122 fl. 10 kr.) besteuert. Dieser Mann, der allein fast soviel an Steuern entrichtete wie die ganze übrige Gemeinde zu# sammen, war Moyses Kirchberg, Judt zu Weittrafeldt (in den hebräischen Teilen der Dokumente 0שה קירכבערג und dürfte aus Kirchberg am Wagram, wo wir. aus jener Zeit sonst nichts von jüdischen ׳Einwohnern wissen, w־äh# rend sich heute . dort ein Minjanverein mit Schochet, Lehrer, Friedhof usw. befindet, nach Weitersfetd gezogen und dort der reichste Jude gewesen sein. Aber schon im Jahre 1669 erscheint an seiner Stelle im Verzeichnis der Toleranzgelder ״des Moyses Kirchberg, Juden in Weittra# feld Wittib“ mit 53 fl. 40 kr., also von einem wesentlich niedriger gewordenen Vermögen, oder Einkommen be# steuert, und im hebräischen Teil desselben Verzeichnisses figuriert neben der inzwischen sogar auf 32 Familien an# gewachsenen übrigen jüdischen Einwohnerschaft שלשים ושנים בעלי בתים noch אלמנת ם שה ר! י ר כ ב ע ר ג הי״ד mit einer Formel also, die auf seinen gewaltsamen Tod schließen läßt. Welches Drama oder vielleicht besser gesagt, Verbrechen — sich hinter diesen dürren Angaben verbirgt, dürfte ,kaum mehr eruierbar sein; sicher ist nur, daß Moses Kirchberg das doppelte Vergehen, Jude und — verhältnismäßig — vermögend gewesen zu sein, zur Aufnahme m die Reihe jüdischer Märtyrer aus Nieder Österreich verholfen hat. Außer den aus Salfelds ״Martyrologium des Nü?n« berger Memorbuches“ bekannten Märtyrern aus Wiener# Neustadt, Rabbi Meir und seinen Genossen (13. Jahr#