Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 15 (1929)
- Issue
- 32 (9.8.1929)
- Date
- 1929-08-09
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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■Nr. 32 JÜDISCHE PRESSE Seite 3 . '1^/aöh glaube, daß Minister;׳Aurel Vlad ׳rechiibe* Seine wahren LibefalismiiS atmende!Rede, se׳;-n m»a׳1!׳n1ba-ftes-Auftreten, mit ■dem• er der Gewissenfreibeit ׳zum: sctijönen Siege -venhoifen bat —£ mit einer!Majorität!von212 ׳ .gegen 32 wurde das ׳KultuSgesetiz angenommen1 — werden ihm einen1!Platz lim (Pantheon der ׳Männer sichern, die im -Kampfe!für ׳Wah fbdi f und -Recbt ges t r i't't e m g e-1 i 11 e n u-n׳d «e sie« t h a-b en. ,Unabsehbar ׳sind die wol-h-llt ä!ti׳ge n!Folgen der Vladisdhen Bestimmung,!ln erster Reiihe!für die ■großen jüdisdhen׳ .Zentren in .der Bukowina, der Moldau und ׳Bessarabiens, aber ,auch• für die aus-•Transsylvanien nach derri -Altreic'he!im letzten iDazcnnhim mhsseri'haft übersied eiten Juden, 'die ׳dort 'in ׳gar 'keiner •Gemeinde Ihre ■seelische Befriedigung ׳finden!konnten. Ja, sogar für ׳die siebembitrgisehe Orthodoxie bedeutet diese freiheitliche Bestimmung einen ׳großen, •nidht nur moralischen, sondern _ einen mit Händen ׳greifbaren, realen Gewinn. Erstens, weil sich hier selbst noch so manche ortih. Gemeinden ׳werden bilden können, und 'hauptsächlich darum■, weil die orthodoxen1 Interessen in Zukunft seitens der jeweiligen ■Regierung auf größere 'Förderung werden rechnen!können, wenn die Orthodoxie nicht mehr als ■anstoßerregendes, nur cont-re coeur ׳geduldetes Ueberbleibsel •aus ׳dem einstigen■!Ungarn und darum ׳nur!in ■dem magyarisch durchsetzten Transsylvanien als exotische •Pflanze vegetierende Organisation bestellen, sondern als lebensstarke, ihre ,Wurzeln .׳aat!f das ganze!Land :erstreckende, immer neue!Kreise auf sich ziehende konfessionelle!Körperschaft sichrepräsentieren wird-, -Allerdings liegt -di e -A u s b e u. t u n g dieser glücklichen ׳Vorbedingungen jetzt in der Hand der Leitung unserer hierländischen Orthodoxie, denn •von ihrer ׳langjährigen und vielseitigen Erfahrung ׳werden sich sämtliche ׳auf orthodoxer Basis sich ikanstituieren ׳wollenden iGe-melnsc-haften Rat holen• und von ׳der Um- und ׳Einsicht, von der Zielibew.ußthe.it -und Tufkraüt unserer :Führer ,wird d׳as Gelingen der!Nutzbarmachung des Austri'fctsgesetzes!in Rumänien abhängig sein. 1Di׳e nötigen Vorarbeiten ׳hiezu müssen alsbald beginnen, obschon der Freiheitsparagraph vorläufig noch nicht ins Leben tritt, denn um die auf g e r׳e glt e׳n Gemüter der (j'iidiseihen 1P a!r kamen t ar i. elr -dj 0 c >h -einigermaßen ׳zu -b er ulhü'g en, sc bloß sich Minister!Au rel V1 a׳d i n 1'e t z t e r. S tu nd e׳, k n a-p p ,vor der Ve r- 1ab s c;h-i edu ng des Gesetzes ׳dem seitens e i n eis -j üdisetoe-ir Dopu t i e r t-e n e in gebrachte-n Anträge an,‘daß der Vollziehung des Gesetzes die Einberufung eines jüdischen Landesköngresses vorangehen müsse, von dessenoEntscheidung die Vollstreckung des Vladscheh Paragraphen abhängig gemacht - werden solle. Und wenn ׳die Gegner des!Paragraphen 54 sich an dieses Junktim >w:ie ■de'r Ertrinkende!an■ den Strohhalm -klammern, so sehen wir inrdiesem'Beschlüsse -nur einen׳ ׳A-uf- $Chu׳;b, aber!keine V e r e i t e lung 0-d e r Auf ■hebung ׳des Austrittsg-esefzes, ■denn gerade!jener Kongreß w.iir-d es ja demonstrativ ku-ndtiun׳, -daß ׳die Orthodoxie mit der ׳Neoiog.ie!in. ‘1keine -einheitliche Organisation im Geimeindeleben!zu bringen׳ ist, denn׳ nach -dem .׳Beschlüsse der vor ■einigen ׳Wochen izu ,Dej getagten Orith. Landesrepräsentanz Siebenbürgens ■wird gegen die ׳Einberufung -dieses Kongresses seitens unserer Orthodoxie energisch' protestiert ׳und im Falle der Einberufung nicht beschickt ■werden. (Hierdurch ׳wird -es -der ׳ganzen Wel't klargemadht ׳werden, daß ׳die!Orthodoxie ׳in Glaubenssachen und .in -den mit allen!religiösen )Angeleg-einhe-iten; ■zusammenhängenden Or־. ganisations׳frage.n ׳von!der Neologie unter ׳welchem -Namen immer durch unüberbrückbare: 'Gegensätze geschieden ■ist und 'durch gar!keine, ׳pplitische'n;Machinationen oder Gewaltsakte :zu einer ׳Einheit, zusammengeschweißt■ werden kann. Uns, ist!der satts'am bekannte!Kongreß in Budapest im Jahre 1869-70 noch ׳zn lebhalft -in Er'innerung, als daß wir -uns neuerdings der Gefahr, eines, ,solchen Experimentes auss׳e:t׳zen sollten. Und wir können es den ׳Herren, denen es nach einem Jude-ulkangreß so sehr gelüstet, ernstlich raten, von dieser ׳Absicht albzustehen, ׳denn.׳sie werden "nur Ftasiko ׳machen. E׳s ,wird ihnen so ׳ergehen, wie anläßlich der Kultusgesetizdebätte, ׳als׳ sie auf ihre verwunderte Frage, ׳wie -denn■-4er Minister daziikom-me; eine selb- :ständige!Meinung über Riten und• Sekten im Judentum zur Geltung m bringen, -da doch ׳der!jüdische Senator von Amts ׳wegen, Ghefr-albbiner Dr. Nemlerover. 'feierlichst -als berufe-ner Fachmann ׳die ׳Erklärfmrg abgegeben!hatte, daß es nur ein einheitliches, ׳bloß durch unbeträchtliche!Nuancen sich ׳gliederndes Judentum־ gebe.'׳die •beschämende -Antwort erhielten, daß Or. tNermerover der ״selbst ׳kein orthodoxer Jude, ׳weder!in Theorie noch■ in ' Praxis, ist, unmöglich gesetzliche und rechtliche Vertreter :des orthodoxen Teiles des rumänischen Judentumes sein könne, wie ׳denn auch die Gesamtort'hodoxle tatsächlich die.schärfste Verwahrung gegen seine!Ernennung!zum -ex officio-Senator des rumatfisehen Judentumes eingelegt th׳at. Seine Meinung und Stimme!hat ׳eiben ׳auf der Waagschale des traditionellen. Judentumes gär ׳keim., Gewicht.!Diese ׳Blamage ,׳werden auch ■die Kongreßtjtter ohne Furcht und ,Ta!del. einheimsen, .■wenn■-,.sic. nicht beizeiten ■die Und-ürcMühflbaUkeit ihres in anderen Ländern schon längst als überholten Standpunkt ■anerkannten .Planes eines 'Kongresses 'der Gesamtjudenheit des Landes -einselhen und׳ statt unter dem pompösen׳, aber unwähren ׳Namen: ״Judenlkongreß“ unter der!bescheideneren, aber dafür wahreren!Benennung: ׳״Kongreß der!Neologen“ tagen werden. Wie immer auch die (Brüder linker ׳Hand hierüber entscheiden ׳werden,, ein gemeinsamer ׳Kongreß, der ifür id-ie iLandesijudenheit verpflichtende 'Beschlüsse ,zii erbringen 'berechtigt wäre, wird nicht stattfinden und der Austrittsparagraph 54 kann durch einen sogenannten ׳Kongr’eß nicht -mehr ׳geändert oder in der Durchführung aufgehalten werden. »,La värite est en marc'he“. 10 Nachrichten © Der Lubawitsfcher Rebbe in Wien. Wien. (A. J. P. B.) Auf clem Wege nadi Erez Jisroel trafen der Lubawitsclier Rebbe und sein Schwiegersohn Gourary Mittwoch, den 31. Juli, in Wien ein. Sie werden nach mehrwöchigem Aufenthalt in Palästina sich nach Amerika begeben. Der Lubawitscher Rebbe hatte hier eine Konferenz mit dem Vorsitzenden des G. A., Dr. P. Kohn, betreffend die Kenessio Gedaulo und allgemeine Agudaprobleme. Die Zerie Agudas Jisroel. Wien entsandte eine Delegation, die von Rabbi Schnee!־- sohn freundlich empfangen und beraten wurde. Noch am selben Abend setzte Rabbi Schneersohn seine Reise fort. Am Bahnhof hatten sich Mitglieder des G. A., der Wiener Ortsrmd Jugendgruppe und zahlreiche Freunde eingefanden. Erster ordentlicher Delegiertentag und Jugendtreffen des Landesverbandes österreichischer Jugendvereine in der Agudas Jisroel. Sonntag, 'den '12. A׳w. 18)׳.!August) findet in Wiener-Neustadt ■im -Festsaale •des (Restaurants Sul-zer, Kolonicsgasse, vormittags -um 10 Uhr, der erste ord en t- 1׳ i c:h e ■D el e-g!ie r t •e׳n׳t׳ag des Landesveribandes österreichischer Jugendvereine in der Agudas Jisroel und nachmittags um 3 Uhr ein J u g e n d׳ t r e f f e ,n■ statt. Die Tages- Ordnung -des Jugendtreffens ■is.t: 1. Eröffnung und 'Begriißung, 2. Orthodoxe Er-zieihunsgarbeit (Referent: Herr Dr. Leo;Deutschländer). 3.!Die Organisierung ■der Jugend n3m_£T0£ Kommt zur zweiten _ SCenetfio I UlElTKONGREä nmiimimimmmmimmi Idagudas-jisroei Gedaulo 6UJ1&L4Ü.-1E. SIPTEfllBQI 1®WiQMÜ.-tE, SPTEffiH» Wiener Sofiensäle III111IIIIIIIIIIIII1II1IIIIIIIIIII Der Gastkartenverkaul für Wien und die österreichische Provinz hat begonnen. Der Preis für die Gastkarte, die zum Eintritt zu allen öffentlichen Tagungen des achttägigen Kongresses berechtigt, beträgt S 15.—. Nachdem 31• August gelöste Karten kosten..5.-20.—.......... Zur Eröffnungssitzung S'SirKa.'.e^KS.if-te!‘.;, 11J.' eine große Anzahl Karten von ausländischen Gästen vorbestellt wurde. Kartenverkauf im Kenessio Gedaulo-Büro Wien, II., MalzgasseNr. 12 a Eingang Leopoldsgasse 16 ' in def. Rrovitiz jRefeteht: Herl ׳Möses Rosenb©fgef»'^t‘!^ Neustadt), 4. Kenessio .Gedaulo und Weltjugendtag (Re-, fereitt: Herr Sch. Schöufeld), 5. Orthodoxe Weltanschau- -ung (Referent: 'Herr Bezalel Stern). : Tschechoslowakei. Der hundertste Jahrzeitstag des *Rabbi Mordchaj Benet זצ״ל• < . Am 13. Aw* d. J. iä'hrt sich zum hundcrtstenmal der Tag, an dem einer der größten und ׳berühmtesten rabbiniscihen Autoritäten, die von unserem Lande aus :lim ganzen Judentum leuchteten, der Landesrabbiner R a ,b 1b i ׳Mordchaj Benet זצ״ל in Ni'kolsburg das Zeitliche segnete. Unsere Zeit gebietet es mehr als jede vorangegangene, die Ehrfurcht vor den wahren Großen unseres Volkes zu erneueren und zu pflegen, das Wirken und die Lehren der Führer aus der Vergangen^■ heit der lebenden Generation in dankbare Erfinnerung zu bringen und zur Nachalhmung zu empfehlen. Aus dieser Erkenntnis heraus regte die Agud as J׳is r 0 e 1-L a n׳d e so׳r ga ni׳s a t i 0:n in der Slowakei an. den hundertsten Jahrzeitstag Rabbi Mor-dchaj Benets זצ״ל an der Stätte seines segensreichen und unvergänglichen Wirkens, •in Nikolsbürg, würdig zu begehen. Auf ihre Anregung erklärte sich die isr. Kultusgemeinde in Nikolsburg bereit, eine entsprechende religiöse ׳Feier am Grabe des גאון צדיק vorzübereiten und sein Andenken dankbar zu ehren. Die Feier beginnt schon ärn Sonntag den 12. Aw. Die Agudas Jisroel-Gruppen ׳in der Slowakei und Oesterreich veranstalten aus diesem Anlässe eine Gesellschaftsreise nach Nikolsburg, an -der ohne Zweifel zahlreiche Verehrer der Thora und ihrer Träger •teilnelimen werden. Wer sidh beteiligen wtil'l, möge sich sofort an die Agii'dagruppen oder direkt an das Aguda- Bureau in Bratislava, Turnergasse 14-16 — Postfach 140— wenden, wo sie wegen Fahrtgelegen־ heit, Fahrpreisermäßigung u. dgl. ׳Information erhalten. Besitzer von Handschriften und sonstigen Erinnerungen an Rabbi Mordchaj Benet זצ״ל werden gebeten, sich sogleich ׳mit ,genauen Angaben an die Redaktion!der ״Jüdischen ׳Presse“ in Bratislava, Postfach 140, zu wenden. Amtliche Verlautbarungen dier Israelitischen Kultusgemeinde. Zahl 5202 ex 1929. . Stipendien füu Krankenschwestern-Elevinnen. Der Vorstand der Israelitischen Kuiltusgemeinde Wien hat beschlossen, an jüdische Frequentantinnen der Krankenpfleigeschule der Oesterreichischen Gesellschaft vom Roten Kreuze zwei. Stipendien, im Betrage von je S 1200 während des ersten Lehrjahres und von je S" 600 während ■des zweiten und dritten Lehrjahres und drei Stipendien im Betrage von je S 600 während des ersten Lehrjahres und von je S 300 , während des zweiten und dritten Lehrjahres zur .Veflei׳h׳u!ng z׳u' bringen. Die Frequenta-ntinnen erhalten während ■der ganzen Ausbildungszeit freie Station ■i׳n der Krankenpflegeschule. Der Bezug des Stipendiums durch die ganze Ausbildungszeit wird van den durch die vorschriftsmäßigen Prüfungen nachzuweisenden guten Lernerfolgen albhängjg gemacht. Die, mit einem Stipendium Bedachten -haben sich zu verpflichten, als Pflegesc-hwestern im Spitale oder in hundert), kennen wir heute noch dank einem neueren Grabsteinfund einen Märtyrer R. Siincha, Sohn des R. Eljakim, der am 25. Kislev 107 10. Dezember 1346 starb, weil er ״nicht mit den Händen freveln“, das heißt seinen Glauben abschwören wollte.1 *) Wahrscheinlich liegt diesem Faktum eine sonst unbekannte Judenverfolgung in Wr.־־Neustadt im Gefolge des ״schwarzen Todes“ zu* gründe und auch in Fels am Wagram sollen einer münd* liehen*Ueberlieferung zufolge, was am ehesten noch für das 14, oder 15. Jahrhundert glaubwürdig wäre, Juden in einem mit Nägeln bespickten Faß einen Berghang hinab־ gestoßen worden sein. Nach dieser Abschweifung kehren wir wieder zum siebzehnten Jahrhundert zurück und verweisen auf den im ״Jüdischen Archiv“, Jahrgang 1, Heft 4/5, bespro* ebenen Grabstein des Märtyrers R. David Lob, Sohn des R. Abraham aus Rannersdorf bei Wien, der am 11. Ok* tober 1660 begraben wurde. Wer dieser R. David Löb war und welchem Anlaß sein Tod zuzuschreiben ist, konnte bisher nicht festgestellt werden. Derselben Zeit gehört aber auch ein weiterer Märtyrer aus einer der niederöster* reichischen Landgemeinden an,* Rabbi Jehuda, dessen Sohn als אלחני בן הקדוש ח יה1רא הי ד das heißt ״Elchanan, der Sohn des Märtyrers Rabbi Jehuda, dessen BHit Gott rächen' möge,“ im Jahre 1662 als einer der Be* vollmächtigten der niederösterreichischen Landjuden* schaft den Steuerrepartierungsakt für die Landgemeinden zeichnet, den auch R. Ar je Löb, der Sohn des oben er* wähnten R. Zacharia Levi, als Vorsitzender mit den Wor* ten bekräftigt: גם אני הייתי בוועד השמאים הנ״ל ונעשה 'בל הסכום הנ״ל בפני ובהסכמתי כדת וכהלכה וכנהוג במדינת איסטרייך נעשה יו׳ הגיל. נאום הק׳ ארי' ייב באא״ט החסיד מהדיר זכריה סגיל זציל הה׳ פה קיק וינה לע״ע. *) P0Uak*M0ses, Die; Juden in Wr.*Neustadt, S. 111. ״Auch ich war in der Versammlung der obigen Bevoll* mächtigten anwesend und wurde die ganze obige Ver* rechnung vor mir und mit meiner Zustimmung nach Ge* setz und Ueberlieferung und nach den Gepflogenheiten im Lande Oesterreich durchgeführt. So geschehen am oben gesetzten Tage. Dies sage ich, der geringe Orja Löb, der Sohn meines Herrn Vaters und Erziehers, des from* men R. Secharia Leyi, gesegneten Andenkens, der ich jetzt hier in der heiligen Gemeinde Wien wohne.“ Diesem im Hofkammerarchiv befindlichen Akte ist nebst anderen Siegeln auch das des R. Elchanan beige* drückt, das die Fragmente ,..TT ...חנן also ״[Eljchanan [Sohn des Märtyrers R. Jehuda] Gott möge sein Blut rächen“, aufweist und diese bei Märtyrern immer wieder* kehrende Formel ist entscheidend für die Identifizierung des Siegels. Genauere Daten sind vorläufig auch über diesen Märtyrer nicht bekannt und es kann nur vermutet werden, daß sein Sohn Elchanan mit Chananel, Sohn des Juda Löb1) identisch ist, wobei Chananel mit Elchanan gleichzusetzen wäre. Unter den vielen österreichischen Orten, deren Judengemeinden nach den diversen Memorbüchern infolge der Verfolgungen des Jahres 1337 den Märtyrertod er* litten, befindet sich auch Drosendorf im Bezirk Geras.3) Die ״Zwettler Annalen“, die viele ähnliche Begebenheiten aus derselben Zeit erzählen, erwähnen dieses Faktum nicht und auch sonst scheinen christliche Quellen von Juden in Drosendorf nichts zu wissen, aber in Rahmers ״Jüdisches Familienblatt“ erzählt in Nr. 41 vom Jahre 1892 Leopold Mandl' die Geschichte eines jüdischen Mär* tyrers, des Baders Isak Moses, der an einer 8 Meter hohen Säule auf dem Marktplatz von Drosendorf an einem 21. Dezember erfror. Mandl nennt seine Erzählung ein Geschichtsbild aus dem Mittelalter, kann aber nicht 1l Wachstein, Inschriften des Wiener JudenfrietL hofes, I., S. 293. 3) Salfeld, a. a. O.» S. 68« und 241. angeben, welchem Jahre jener 21. Dezember angehört. Wahrscheinlich handelt es sich um eine ein wenig ins Sagenhafte verschwommene Begebenheit, die, da es sich um eine Einzelperson handelt, mit der Verfolgung des Jahres 1337 nichts zu tun hat und auch nicht ins eigent* liehe Mittelalter gehören dürfte, da im Volke historische Begriffe, wie Mittelalter u'sw., nicht immer streng aus* einandergehalten werden. Zum Schluß sind in diesem Zusammenhang noch einige in neuerer Zeit auf niederösterreichischem Boden erschlagene Juden j5u erwähnen, die jedoch in ihren unga* rischen Heimatgemeinden bestattet wurden. Es sind dies der im Jahre 1811 in Preßburg begrabene Josef Schacherl, dessen Grabstein berichtet: נהרג בירי ערל במדינת עסטרייף daß er durch einen Nichtjuden in Oesterreich er* schlagen worden, und zwei ebenfalls anfangs des 19. Jahr* hunderts in Kittsee begrabene Männer, Vater und Sohn. Der Sohn war auf einer Geschäftsreise in Hainburg in ein Haus gelockt, dort erschlagen und beraubt worden und als der Vater, durch sein Ausbleiben beunruhigt, ihm nachging, ereilte auch ihn das gleiche Schicksal. ״Während der Marken“ ביז המצרים zwischen dem 17. Tammus und dem 9. Ab wird überall, wo Juden wohnen, der Unglückstage gedacht, die den Fall1 des ersten und des zweiten Heiligtums zu Jerusalem herbeiführten. Um Mitternacht sowohl als auch in der Gluthitze des hochsommerlichen Mittags sitzen allüberall fromme Juden, denen dieses Unheil' so gegenwärtig ist, als wäre es erst heute geschehen, auf dem Fußboden und beklagen mit den Stammüttern Rachel und Lea längst entschwun* dene Ereignisse. An den Sabbaten dieser drei Woche» wird aber auch aller Gemeinden der Diaspora und aller jener einzelnen Märtyrer gedacht, die zur Verherrlichung des göttlichen Namens ihr Leben ließen, yn<j diesen Kedoschim mögen nun auch die aus unserem engeren Heimfcllaade Niederösterreich stammenden Märtyrer zu* gezählt werden, deren Andenken hier, soweit unsere histo* rische Kenntnis von ihnen reicht, erneuert'wurde.