Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 15 (1929)
- Issue
- 32 (9.8.1929)
- Date
- 1929-08-09
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Novtaov# vtfplattte pövoleite ritdif pöSf ä iölCirälöv v Bratteltve CIs. 4I572-II1-2•. Zeitungen vom Verleger versendet. Jonrnal expMle par TedlUir JÜDISCHE PRESSE ORGAN FÜR DIE INTERESSEN DES ORTHODOXEN JUDENTUMS Rsdsktlon n. Administration! Wien,!!.,Leopoldslaue 86, 1. Stiege, 1. Stock. — Tel. R 4594־4־. Tschechoslowakei! Bratislava, Postlach 140, Sncfaelnt jeden Freitag. — Redaktionsschluss: Mittwoch Mittag. Abonnementspreise 1 Ganzjährig 1 Für Oesterreich S 14 Tschechoslowakei tschecb. K. 70, Einzelnummer öst. Or. 40, das übrige Ausland 2 Dollar. Zahlungen auf Konto .Jüdische Presse*, Wien für Oesterreich: Postsparkassenkonto Nr. D-93614; Deutschland! Post« Scheckkonto Berlin Nr. 122619; Jugoslawien: Postspk.־Amt Zagreb Nr. 40217; Polen: Postspk.-Amt Warschau Nr. 190409; Ungarn: Postspk.-Amt Budapest Nr.50170; Schweiz: Post« scheckk. Zürich VIII. 4117; iür die Tschechoslowakei: .Jüdische Presse", Bratislava, Postspk.-AmtPrag Konto Nr. 53386 1r, 32 | Wien-Bratislava, 9. August 1929 .ביה וינה־פרעסבורג ג, אב תיפ״ט 15. Jahrg■ Agudas Jisroel und die Jewish Agency. Es unterliegt keinem Zweifel, der 11. August ist ein geschichtlicher Tag für die Judenheit. So ziemlich alles, was die Judenheit der Jetztzeit an Geldmacht und sozial wirkenden Faktoren aufzuweisen hat, ist in Zürich vertreten, teils aktiv mitwirkend, teils Zuschauer bei der ersten Tagung der Jewish Agency: Es ist eine Inszenierung, wie man sie sich glänzender nicht denken kann. Man betrachte nur die Herren, die berufen sind, in der Eröffnungssitzung zu sprechen; ein Lord und ein Sir, der Führer des Joint und die führende Persönlichkeit eines Weltbankhauses. Und endlich der Führer der zionistischen Organisation. Wen dürfte es da wundern, daß bei einer jüdischen Angelegenheit, die in der Woche des 9. Ab sich der Welt präsentiert, eine Größe des religiösen Wissens und des religiösen Wollens nicht auf die Bühne geschieht wird, nicht einmal als Staffage? Wir wundern uns darüber insbesondere deshalb nicht, weil diese Eröffnungskulisse logisch und tatsächlich ganz der Entwicklung der Jewish Agency entspricht. Nur ein ganz kleiner Fehler ist dabei unterlaufen. ־Man hat ja doch versucht, der Religion eine Verbeugung zu machen, indem man es verstand, einige prominente orthodoxe Persönlichkeiten in ein Council der Jewish Agency zu locken. Noch ein zweiter Schönheitsfehler ist vorhanden, das ist die-Art-und Weise, wie dieser-ganze Council zusammengesetzt wurde. Das erinnert so intensiv an die selig entschlafenen Delegationen des Juifs. So waren beispielsweise in Polen 72 Herren von dreieinhalb Millionen Juden versammelt, um die ״Vertretung“ der Juden Polens für den Council zu bestimmen. Allein aus all dem ist der Jewish Agency kein Vorwurf zu machen. Wenn das jüdische Volk sich vor dem Dollar beugt und es sich bieten läßt, daß 100 Statisten der zionistischen Organisation sich als Vertreter der Juden gerieren dürfen, so steht das Recht auf Seite der Jewish Agency. Wenn sich einzelne orthodoxe Herren finden,'die wahrschein־ lieh im besten Glauben in diesen Council eintraten, unbekümmert um die Meinung des weitaus größeren Teiles der Orthodoxen, und wenn diese Herren dabei gar keine Rücksicht nehmen auf das heiße Ringen der organisierten Orthodoxen, die Jewish AgenCy derart umzugestalten, daß denn doch auch für Thoratreue ein Plätzchen in derselben gewesen wäre, so tragen diese Herren die Verantwortung vor der Geschichte, das Recht aber ist auf Seite der Jewish Agency. Ob diese Herren eine besondere Freude an ihrer Rolle haben werden, möchte jeder billig Denkende auch unter den Gegnern ernstlich bezweifeln. Für ein solches Linsengericht darf die Ehre der Thora nicht verkauft werden und ist vielleicht seit Josephus Flavius‘ Zeiten ־ nicht verkauft worden. Was aber kann die ernste Orthodoxie in dieser Stunde tun? Sie muß es auf sich nehmen, daß für ihre Stellungnahme blutwenig Verständnis vorhanden ist. Wenn die Jewish Agency in den Fehler der ersten Zeit verfiel und mit der oder jener billigen Ausrede die Aguda ignorierte, so wollen wir diese Tatsachen nur episodenhaft würdigen. Wenn eine jüdische Bewegung ihre Taktik nur in ein Werben um Geld und soziale Stellung münden läßt, so entspricht das der Taktik, die in früheren Zeiten die Gewaltigen der kleinsten Dorfgemeinden beliebten. Wir stehen nicht an, zu erklären, über solche Geldmittel hat die Orthodoxie nicht zu verfügen. Sie zählt in ihren Reihen wenig Lords und wenig Sirs. Aber da gibt es eine Bewegung, die möchte auf den Platz, auf dem bei anderen die Lords und Sirs paradieren, die Größen der Thora stellen. Diese Bewegung heißt Agudas Jisroel. Und das ist ein wesentlicher Unterschied zwischen Jewish Agency und Agudas Jisroel. Es bleibt also der Orthodoxie gar nichts anderes übrig, als damit Ernst zu machen und der Jewish Agency eine Thora Agency gegenüberzustellen. Vielleicht werden heute und auch noch morgen England, Völkerbund und andere politische Faktoren diese Thora Agency als eine cjuantite negligeable betrachten, aber übermorgen sicher nicht mehr. Dieses Uebermdrgen wird dann eingetreten sein, wenn die Welt wieder gelernt haben wird, die Macht eines Gedankens höher einzuschätzen als die Brutalität des Geldes. Was-wir aber von jedem Juden erwarten dürfen, das ist, daß er dieser Thora Agency mit Respekt gegenüber steht. Sollte deshalb die Kenessio Gedaulo bei dem besten Willen nicht dazukommen können, die Stellungnahme der Orthodoxie zur Jewish Agency in eine positive umzugestalten,' dann hat die Kenessio Gedaulo sich als die Eröffnungssitzung der Thora Agency zu begreifen. Und nun noch ein ernstes Wort. Die Aguda wäre dies schon heute, wenn sich nicht in den Reihen der Orthodoxen auf der einen Seite solche Männer befänden, die disziplinlos im Vertrauen auf ihre eigene Kraft dem religiösen . Tun der J. A. gegenüber schweigend im Council verharren, auf der anderen Seite aber leider auch solche Männer, die aus dem oder jenem Grunde sich der Welt als die rechteste und deshalb agudafeindliche Orthodoxie zu präsentieren wagen. Diesen fällt viel mehr die Verantwortung für die geschiehtliehe Konstellation des Augenblicks zu, als ersteren. Jedenfalls aber wird die Aguda darauf zu achten haben, daß nicht die Jewish Agency •nun auch außerhalb Palästinas die Verhältnisse der Juden ■zu meistern sucht. Losgelöst von jeder politischen Konstellation wird die Thora Agency jenes Uebermorgen, von dem wir oben sprachen, der Welt vorbereiten helfen, damit die Judenheit im gegebenen vVugenblick bereit ist, die Jewish Agency durch die Thora Agency abzulösen. * Die offiziellen Vertreter der ungarischen Judenschaft nehmen an der Züricher Konferenz der ״Jewish Agency44 nicht teil. Die. Budapester ortli. isr. Landeskanzlei wie die beiden jüdischen Parlamentsmitglieder Paul Sändor und Dr. Desi veröffentlichen in den Zeitungen Erklärungen, aus denen zu entnehmen ist, daß keine einzige jüdische Gemeinde und Gemeindeorganisation irgend welche Vertreter in die ״Jewish Agency“ gewählt oder zur Züricher Konferenz delegiert hat. Von Rabbiner Josef Adler, Schäßburg. 11m Vordergrund des ׳jüdischen Interesses in Großrumänien;stellt derzeit unstreitig die ,Abänderung des 54. •Paragraphen des neuen׳!Kuttusgesetzes, das noch die überaie Regierung ausgearbeitet und ׳von den •beiden!Kammenn annehmen und sanktionieren gelassen hatte, ׳aiber •nicht :mehr Zeit und׳ Gelegenheit hatte, das alle Toren1 durchgegangene Gesetz auch lins Leben treten zu lassen. Ich ׳veröffentlichte seinerzeit nach Annahme dieses •Kultusgesetzes in diesen 1Blättern eine eingehende Besprechung desselben und wies -auf die verschiedenen Sclhwäcihen des ׳Gesetzes hin, unter denen sämtliche iMlinderheitslkonfessionen;zu leiden haben ,würden. Geteiltes Leid •ist jedoch nurhaiibesLeid. Das Gesetz enthielt aber auch speziell jlüdi- ■sehe'Ungerechtigkeiten.'!Unter •anderem ׳verfügte es ikategotisch, daß an dem Orte einer.!politischen Gemeinde nur eine einzige einheitliche jüdische iKüliusgemeinde ׳bestehen dürfe. ,Ueber diesen Passus• wurde vor ,seiner Ein-!Verleihung ,in• das Gesetz viel! debattiert, einige Enqueten wurden izur Klärung dieses ׳Punktes im )Kultusministerium abgehalten, in denen unsere Orthodoxie natürlich Ihren Standpunkt in •nicht müßzuverstehender unld• energischer Weise!klargetegt hatte; Allein alte Anstrengungen waren vergebens, die Statuierung der gesetzlich geschützten Einheitsgemeinde kam doch ins (Külitusgesetz, weil! es •die• U. E. R.!und ihre bei der •liberalen Regierung, wegen ihres Chauvinismus gutangeschriebenen Führer Dr. Fildermann, ׳Eli IBercovici, Dr.!Nemierower und׳ Konsorten so wollten. So ,viel gelang den Bemühungen unserer Vorkämpfer doch zu •erlangen, daß al'terwoilbene Rechte ge-!schont wurden und den in Transsylvanien bereits!bestehen¬ שו ט ז כשר (תחת השגחת הרב ד ישעי פודסט שיסשוהל) Erzeugt unter Aufsicht Sr. Ehrwürden Herrn Oberrabbiner Jesaia Für st (Adas Jisroel) Ueber all erhältlich! den orthodoxen! und• den im Altreich!bestehenden spaniolisehen■!Gemeinden wurde die ungestörte Weiterexistenz zugesichert. Vom egoistischen ׳Gesichtspunkt aus betrachtet, hätte sich die siebeubürgische■ Orthodoxie mit diesem Privilegium ablfinden können, aber ׳eine mora'lisahe Körpersc'haft׳, wie, sie ׳die jüdisch-orthodoxe Organisation ׳darstellt,!konnte es unmöglich dabei bewenden!lassen, sie mußte notgedrungen für ׳das Prinzip der ׳Gleichberechtigung, und׳ der Gewissensfreiheit •unentwegt nach!wie vor eintreten und'fdäs'iScihJachtscihwert •durfte• so ׳lange nicht 1in!die ׳Scheide gesteckt werden, bis ׳aas gleiche׳ Recht!für alle in ׳sämtlichen• ׳Provinzen lGroßrumänle׳ 11׳wohnenden Juden nicht• ins Gesetz aufgenammen ׳wurde. Das ist nun jetzt geschehen. Schon׳ . als die gegenwärtige nuti0na1-zaranisti.sche Regierung ihr schwieriges. . Amt.. nugeitretem ,hatte, da . sprach eine Abordnung unserer Orthodoxie• beim neuen Kultusminister vor,' den׳ sie!bat, sowohl mündlich ׳als auch im Wege von!Memorandums dieses Ueiberbleibsel des antiliberalen Gelistes der liberalen Regierung, wonach die Juden׳ ־aller Gaue Rumäniens gegen׳ alles Recht gezwangen werden, ihr!Gewissen׳ ׳und■ ihre!religiöse׳!Ueberzeufeung in Einheitsgemeiuden knebeln! lassen zu! müssen, •je eher aus der Weit!schaffen!zu wollen,!umso eher, da das fragliche Gesetz wohl schon von der (Legislative akzeptiert, aber noeb •nicht ä׳n das!praktische Leiben eingeführt worden ist. ׳Hierüber als auch über ׳die wohlwollende!Antwort des Ministers ׳berichtete ich vor ungefähr einem!halben Jahre, zur Entkräftigung des im ״!Israelit“ erschienenen . Angriffs gegen unsere orth.!Leitung seitens des Herrn Oberrabbiner Schlesinger aus Z. Moravce, der in Unkenntnis der Tatsachen auf einseitige •Information hin, deren Verläßtichkeit er aus der •weiten Fenne gar nicht kontrollieren konnte, ihr den Vorwurf machte, daß sie׳ ihr Augenmerk in selbstischer Weise •nur auf •die Interessen1 ׳der ,siebenbürgischen Orthodoxie lenke, aber •kein Wort üibrig nabe für das Wohl und Wehe der orthodox eingestellten Juden •der übrigen iLandesteile un!d •Herrn Oberra'bbiner Schor!in Bukarest in seinem Löwenkamipie allein ohne jeden Beistand lasse. ׳Herr Oberrabbiner Schor weiß es ja am )besten, daß unsere Orthoxie!ihm stets •zur Seite stand, daß sie, um seine Position zu׳ stärken, schon mehrfache!Massendemonstration i׳n der Hauptstadt venanstaltete, die sogar auf Filmen in allen großen jüdischen ׳Zentren vor den Augen aller, die sehen’wollten, aibgerollt ■wurden. Audh in dte obenerwähnte Deputation wählte unsere Leitupig .Oberrabbiner Schor, um ׳auch damit Ikundzutun, daß'.' 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