Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 15 (1929)
- Issue
- 31 (2.8.1929)
- Date
- 1929-08-02
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 JÜDISCHE PRESSE Nr. 31 Bollinper ״ Ei skasten sind seit 1870 die besten! XV., STAGLGASSE 10 (BEI MARlAHiLFERSTRASSE 148) Vif., BURGGASSE 17 Tel. R-30-5-38, R-35-8-47 u. B-32-380 (mir liest der Text in Nummer 9 der .Blätter“ vom 10. Mai 1. J. vor), zwar mit vielen Worten eine ״Organ•!- satorisclie Einheit“ befürwortet, aber doch in all seiner Beredsamkeit über den Begriff des!jüdischen Zibben kein Wort verliert, zweitens, daß diese!Arbeitsgemeinschaft ein rein privates Unternehmen ist und mit den laut Zentralrats־ Beschluß vom Dezember 1927 anerkannten ״Arbeitsgemeinschäften von Agudas Jisroels .Jugendorganisationen“ nichts zu tun hat). Eine solche Basiserweiterung zuungimstcn der Oualität des ideellen Bodens, könnte man vielleicht von bereits nur auf das praktische Leben eingestellten ״alten Herren“ erwarten. Eine vernünftige K. G. erhofft das von einer prinzipiell denkenden nud die Resultate ihres Denkens durchführen wollenden .Jugend keineswegs! Kurz skizzierend möchte ich nun angeben, was m. E. die K. G. von der .Jugend erwartet: 1. Bedingungsloses Festhalten an Emunas Chachoriim, das heißt Unterwerfung an die Aussprüche der ׳großen rabbinischen Eiihrer. und1 nicht, daß man für die eigenen Gcdankenerzeugnisse sich die Unterschriften der Rabbonim sammelt. 2.!Daß sie auf dem Wege sei, und sich für die Zu-!kunft mit aller Energie weiter dazu bereitstelle, sich religiös׳, ideell und sittlich zu ertüchtigen, damit aus ,ihr eine Generation heranwachse, von der man unter allen Umständen ein Eintreten für die Autorität der Thau.ro und aas Ablchncn jeder Bewegung, die das. Primat der Thauro nicht anerkennt und daher auf geistigem Gebiete (im besten Falle!) zur Orthopraxie auswachseo muß. erwarten kann. 3. ׳Daß sie sich zur geistigen und organisatorischen gemeinsamen Arbeit im Dienste der!hehren Aguda-Ideale zur Verfügung stelle. Isaak Vrdenburg. Trnava. Der Kampf um das jüdische Gemeindegesetz in Rumänien. Vollständiger Sieg der Orthodoxie. Nachdem der rumänische Se11׳a׳t das Gemeinde- .gesetz mit den von der Orthodoxie g e w ü 11 s c h■ •t e n Aeuderuingen akzeptiert hat, ist die Vorlage jetzt in die »zweite rumänische Kammer gelangt. Der ׳Minister!fordert!für die Beratung die Dringlichkeit. Die jüdischen Deputierten hielten heftige 'Roden gegen die!Annahme des Entwurfes und suchen auch außerhalb des Parlamentes auf den ׳Minister •einzuwirken, damit er das Gesetz zurück- •zieht. Auch •Lm ganzen ׳Land veranstalten die Zionisten weiterhin!Prot׳es׳bversam1m'luugen unter dem Schlagwort, man!müsse ׳der jüdischen IKu'ltusgetneiuschaft das Recht geben, ihre Angelegenheiten selbst ■zu ordnen, d. h. mit anderen!Worten, die orthodoxe!Minderheit gewaltsam ׳zu unterdrücken. Aber was in Palästina ׳nicht gelang, glückte auch in Rumänien nicht. Den orthodoxen Juden, bleibt nach dem neuen Gesetz, das nunmehr auch *in der!Kammer ■mit eitler Me׳h'r>hei׳t von 217 gegen 32 durchdrang, das!Recht, in Gemeinden nach eigener Ueberizeugung und Weltanschauung zu leben. Die Orthodoxie wird über diesem Erfolg leicht die wüsten Beschimpfungen vergessen und verschmerzen׳, mit welchen die Zionisten und ihre Presse die Aguda, Oberabbitier iSchorr in Bu!karest und alles, was orthodox ist, überhäufen. Die rumämische Regierung ist,!trotz aller ׳Versuche der Zionisten und ihrer Verbündeten, standhaft geblieben und hat ,d'erh Recht auf Ge w i s s e 11 s f r e i h c i t zum Siege verholtem. W.ir erhalten von unserem Korrespondenten noch folgende Mitteilungen: Gegen das Vonhaben der Zionisten hat die orth.-isr. Landeskanzlei mit Berufung darauf, entschieden Stellung genommen, daß dies׳ einen. Religions- und Gewissenszwang bedeuten würde. ׳Ministerpräsident Maniu sowohl als. :Kultusminister VI ad, welche eine Abordnung der!Kanzlei bei ihrem Amtsantritte behufs Begrüßung aufsuchte, betonten ׳mit Nachdruck ׳schon damals, daß sie eine Zwangsunifikation der Gemeinden •nie ztigeben werden. .Demgemäß geschah es auch, daß Minister Vlad. einen Gesetzentwurf ausarbeitete, welcher die Interessen der Orthodoxie vollkommen wahrte. Die N e 0logen in Transsylvanien ginge n parallel mit •d e il Orthodoxe n und ׳verweigerten jede Unternehmung, die eine ׳Schmälerung der orthodoxen Interessen bezweckt hätten. Demgegenüber!haben die zionistischen Parlamentsmitglieder einen heftigen Sturm gegen das Kultusgesetz inszeniert, um eine ׳vollkommene Unifikation zu erzwingen. Die Orthodoxen ■und Sefardim blieben aber nicht!untätig und informierten aufs genaueste die kompetenten Kreise. :Kultusminister ׳Vlad wies denn auch ■die zionistisohen Angriffe in schroffster Weise ab. Minister Vlad fand die entscheidende Unterstützung des Ministerpräsideuten Maniu. ׳der seinem Versprechen gemäß das Pritizip der Religions- und Gewissensfreiheit den Zionisten zuliebe nicht preisgeben wollte. Somit war auch das Schicksal des ׳Gesetzentwurfes endgültig entschieden. Die!Kärntner •nahm das ■Kultusgesetz unverändert au. Am Tage der Genehmigung des Gesetzentwurfes suchte eine größere Delegation Ministerpräsidenten Maniu und Kultus- ■minister Vlad auf, ׳und dankte aufrichtigen Herzens für das Wohlwollen, welches sie den strengreligiösen Juden gegenüber bewiesen 'haben. Beide Minister haben die Delegation überaus freundlich aufgenommen und :ihr versichert, daß ׳bei der Ausführung des Gesetzes genau darauf geachtet werden wird, daß niemand in seiner Ueberzeugung gehemmt werde. Führer der Delegation war der Oberrabbiner zu Nassad. Sprecher der Delegation Abraham U 11 in a n 11 (Oradea), der mit lebhaftem Beifall der Minister betonte, daß die orthodoxe Judenschaft Rumäniens, besonders aber die gesetzestreue Judenschaft Al t rumäuieiis, der Bukowina und Bessarabieus, durch die unveränderte Annahme des Gesetzes ׳von einer drückenden Gewissenspern befreit wurde und die orthodoxe Judenschaft Rumäniens, wie jene der ganzen Welt, wird Rumänien und seinen weisen Statsmännern Dank zollen für die große Tat. welche durch das neue Gesetz ..geschaffen wurde. Unser allverehrter Oberrabbiner WILH. REICH wurde uns nach fast 50jähr. Amtstätigkeit nach kurzem Leiden durch den Tod entrissen. Der Vorstand der israelitischen Kultus• gemeinde Baden b. Wien. Oberrabbiner Wilhelm Reich, Baden זצ״ל Die ״Jüdische Presse“ hat »bereits vorige Woche über ׳das plötzliche Hinscheiden des Badener Oberrabbiners Wilhelm Reich זצ״ל Nachricht gegeben. Die Kunde vom jähen Ableben des weit über ■die Grenzen Badens beikannten Oberrabbiners hat überall׳ die aufrichtigste Trauer hervörfcerufen. Der Umstand, daß der Tod an den trotz seiner 76 Jahre noch geistig ■wie;körperlich frischen Oberrabbiner während einer!Funktion am •Friedhof heranschlich, -war geeignet, überall besondere Teilnahme zu erwecken, die sich bei dem Leichenbegängnis a׳rn Freitag nachmittags in grandioser Weise offenbarte. Ueber die Persönlichkeit des Verblichenen ׳wie über die Trauerfeier erhalten wir aus!Baden bei Wien noch!fol ge nd c S c 11 i Id e ru n.g: Am siebzehnten Tamus verschied plötzlich der Oberrabbiner ■der Badener Israelitischen!Kuitusgemeinde Wilhelm!Reich. Mit ■ihm verliert der Rabbinerstand Oesterreichs seinen markantesten!Repräsentanten. Er war noch einer der wenigen ׳geistlichen!Führer des Judentums, welche die Tradition in •der neuen!Konstellation zur Gelitimg zu bringen •wußten. Seiner Abstammung nach war er der Sprößling der rühmliehst bekannten Talmudgröße Reb Koppele Gharef seit! Vater ■war der ßanowitzer ׳Rabbiner )Reb Jechezkie׳!,’ der vier Söhne hatte, die sich dem .Rabbinerstande widmeten. •Der älteste dieser Söhne ist ׳der :weitbekannte und verehrte Oberrabbiner!Koppel;Reich שייט״א in Budapest. Nebst großem Talmudwissen sind die Rabbiner aus der Familie R e i c 11׳ ganz außerordentlich befähigte Kanzelredner.!Diese besonderen Qualifikationen begünstigten׳ die Laufbahn des Heimgegangenen, •so daß er schon als ganz junger!Mann zum Rabbiner der angesehenen :Kuitusgemeinde• Baden berufen wurde. Diese Stelle auszufüllen erforderte auch eine ganz diplomatische ׳Fähigkeit: einerseits die!Nähe Wiens, bi welcher Stadt :zu dieser •Zeit die wildeste!Assimilation ihre ׳Orgien!feierte, andererseits der Umstand, daß in dem Weltikurorte ׳Baden ■ein•!Publik'itim •aus allen /We'ltrichtungen mit ׳den!verschiedensten! religiösen Schattierungen Aufenthalt nahm, haben an den Badener Rabbiner ganz besondere Anforderungen gestellt. Nur eine solche hervorragende Persönlichkeit wie der!Heimgegangene, welche in sich angestammte Staude sehr e, unverbrüchliche traditio- ״e׳lle Glaubensauffassung!mit dem scharfen Bück für die unabweislichen •Anforderangen .der ׳Zeit ׳und einer •bestrickenden, alle versöhnenden, persönlichen Liebens- Würdigkeit vereinigte, konnte ׳mit!Erfolg alle :Klippen umsegeln!und ׳in .gerader!Linie!zur ׳Hebung des jüdischen Geistes in dieser Gemeinde wirken. Die Konservativen!verehrten i׳h!n anerkennnngsvoll als ■Schutewehr der Ueber- ■lieferung, die anderen, schätzten seinen lauteren Charakter und seine vornehme, materielle Selbstlosigkeit so hoch, daß sie, schon aus ׳Sympathie ׳für seine!Persönlichkeit seinen Intentionen (folgten. •Dies ׳ermöglichte es ihm, während seiner neunundvierzigjährigen Tätigkeit eine immer gerade von Prinzipientreue vorgezeichnete ׳Linie unentwegt ein,zu- ׳halten ■und ■seine Gemeinde ,auf dieser!Basis einer blü- •henden!Entwicklung entgegenizuführen. Selbst die Verschiebiiingeni auf sozialem •und religiösem Gebiete wäh- ׳rend der Kriegs- ׳und Nachkriegszeit, welche ■sich in tiefgehenden und sehr oft zersetzenden!jüdischen Bewegungen äußerten׳, wußte er in seiner ׳bewunderungswürdigen Weisheit in ■solche Bahnen!zu lenken, daß dieselben sich wohltuend auf die religiöse Entwicklung auswinkten׳ und Baden zu dem ■intensivsten Betätigungsgebiet der Aguda wurde.!Das!Waisenhaus der lAguda ist das schönste, ׳b'lei- •׳bende Wahrzeichen seiner harmonischen Tätigkeit. Der Enkel!Reb Koppel Charefs.!der Schüler des׳ großen Ksav Sofer, beschloß seine irdische Laufbahn ■geliebt und geehrt von ■allen Kreisen! im 1■Lager der Aguda, deren Jugend er -noch Sonntag vor seinem!Heimgang in großangelegter, von innerer Glut getragener Rede begrüßte. il׳n der (Beteiligung an seinem Begräbnis spiegelte sich der Erfolg seines segensreichen Wirkens. Vertreter ׳der!Behörden, ׳des!Landes!und der ׳Stadt, Geistliche aller Konfessionen,!Rabbiner und Vorstände der orthodoxen und!modernen .Nachbargemeinden!folgten tief ergriffen seinem Sange. Trauerreden hielten lm ׳Namen der Gemeinde Präses Alexander Br am11׳, der sich auch als treuer!Freund von seinem Rabbiner verabschiedete, Rabbinatsassessor Frieidmann, Oberrabbiner!R eich aus Weribo, der sich ׳auf rührende ׳Weise auch ׳im!Namen seines greisen Vaters, des Oberräbbiners Koppel!Reich aus Budapest von dem Heimgegangenen verabschiedete. Rabbiner 1D u s! cHi i n s ic y (Rakospalota)! Rekitor!S c h w,a r 4׳ (WienÄ, W e i s!(!Wiener-Neustadt), S c h w e!i g e ׳r 1)׳Mödling). |lllllllllllllllllllllllllillllllllllllllllllil|ll|lllj||||||||||||||||||||||||!lllll!illlllll!lllillll|||||||||||IUIIIIIII||||||| 1 LeHensverslciierunss-Gesellschaft I I ״PHÖNIX“ I I lllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllll | g Gegründet 1882 Gegründet 1882 j Ü Versicherungsbestand Ende j§ f§ Mai 1929 . 2000 Millionen Schilling 1 gj Garantiemittel Ende 1928 . 238 Millionen Schilling g M Prämienu. Zinseneinnahmen Ü f§ im Jahre 1928 .. 97l/3 Millionen Schilling g כשר SEIFE Marke: ALEFBETH mit הכשר des orth. Rabbinatsassessors, Koäice, erzeugt ״POLIO“ FRIEDMANN & Co. Seifen-und kerzenfabrik, koSice Die Trauerredner schilderten in eindrucksvoller Weise die Tragik des ׳Falles, welcher durch die schwere Krankheit der 1Rabbinersgattin gesteigert wird, und hoben rühmend die hingebungsvolle Zärtlichkeit hervor, mit weleher sich die Kinder ■des »Heimgegangenen bestrebten, seinen Intentionen!zu entsprechen. Der »Professor der Aegyptologie Nathanael Reich in Philadelphia. Dr. Max und Dr. Berthold!Reich (Wien), »Frau Emma Rosenzweig ׳:(!Budapest), ■Frau Sidonie Sternfeld (!Lübeck), Dr. Sigmund Reich •(׳Haifa) und Ernst Reich (Paris) betrauern das 'Hinscheiden ihres Vaters, die hoch- ■angesehene Familie Ellern in »Deutschland ihren Schwager. Der Komavnoer Großrabhmer זצ׳ל Der Komannoer Großrabbiner Jakob Moses. Safrin s. A.. der ■nach Tatzmannsdorf •zum Kurgebrauch gekommen war, ist dort ,plötzlich verschieden. Sofort nach Bekanntwerden der Todesnachricht in Wien fuhr eine Gruppe von ■Anhängern nach Tatzmannsdorf, wo beschlossen wurde,!die Leiche nach Komarno (Galizien) zu überführen.!Der Ue!b erfüll rung stellten sich jedoch große Schwierigkeiten entgegen.!Oberrabbiner iSchapira (Biotrikow), der ■zufällig!in ,Wien weilte, und ׳Rabbiner Dr. P. Kohn intervenierten erfolgreich bei •dem polnischen Konsulat i׳n Wien, so ■daß es möglich war, den Abtransport noch am Donnerstag ׳zu bewerkstelligen. Die Beerdigung konnte »Freitag i׳n Komarno unter ungeheurer Beteiligung stattfinden. Am!Bahnhof ׳in Wien hielt vor einer großen Zuhörerschaft Oberrabbiner Jeruchem in!bewegten Worten einen ,Nachruf. — Der!Heimgegangene erreichte ein Alter von 68 Jahren. Er genoß ■den Ruf eines 'Wundertäters, »zu dem Tausende von 'Hilfesuchenden von allen ׳Enden der Welt wallfahrteten. Er entstammt einer berühmten Rabbinergenera't'ion, sein Großvater war der bekannte Wunderrabbi ,;Reb ißisikl Komarner“. Der Verblichene hinterläUt einen einzigen Sohn. ■Seine Schwiegersöhne sind die bekannten Großrabbiner von Radzimin. Munkacs, Plancz und Oswiiecim. Die Todesnachricht rief in Wien in •den weitesten Kreisen große Anteilnahme hervor. Bad Vöslau. Eine •Deputation von Kurgästen unter Führung ׳des ׳Herrn IM-enny IRotlhsc'hild, Wien, •sprach bei ■Herrn Bürgermeister Frimmel. Vöslau vor, um die Frage der Bercitsteilhng eines Bades ׳zum ausschließlichen Be- •suche •von Männern zu behandeln. Nach einer kurzen Erklärung, daß der Besuch •von Familienbädern dem jüdischen Reiiigionsgesetize widerspreche, ׳gab ׳der »Bürgermeister für diesen Zweck das Vollbad ׳)׳Eingang links vom Strandbad) zum »Besuche am!Montag, Mittwoch und Freitag von 5 bis 6 'Uhr für Herren ׳zur Verfügung. Der Bürgermeister stellte in »Aussicht,!bei entsprechender Frequenz diese Bademö'glichkei't ■täiglich eiuzufiihren •und eventuell!die!Badezeit zu verlängern. Für das en'tgegengebrachte Verständnis ׳rnnd das bekundete Wohlwollen ׳gebührt!Herrn Bürgermeister Frimmel besonderer!Dank. Tschechoslowakei. Delegiertentag der slowakischen Aguda-Jugend. Die kennzeichnende Schlaffheit und Verträumtheit des langsam erwachenden Morgens lag noch einem feinmaschigen Schleier gleich über ׳Häusern, Wäldern und Gärten, als am letzten Sountag, den 20. Tamus, eine Schar junger jüdischer Menschen, in kleinere Gruppen verteilt, lebhaft gestikulierend, in den Straßen und Parks des Kurortes Trenc iauske Te p lice umherstreifte. Das waren junge Juden, die allerdings eine schwere vergessen oder sich von körperlichen Leiden und Qualen befreien wollen; das sah man ihnen an. Auch keine Sonntagsausfliig’ler, die sich unter der Sorgenlast des Alltags einige Stunden belebender Naturnähe gönnen. Das waren junge Juden, die allerdinngs eine schwere Sorge in Trencin Teplitz versammelt hat, aber nicht die Sorge um eigenes, im landläufigen Sinne persönliches Wohlergehen, sondern die Erkenntnis von der großen Not des Judentums, mit dem ihr eigenens Wohl und YVelie unlösbar verknüpft ist. Wer in ihrer Mitte einherschritt und ihren Gesprächen, Debatten, ja selbst ihren jugendlichen Späßen und Witzeleien lauschte, konnte es bald still vergnügt und ergriffen wahrnehmen: Hier, iu der Seele und im Herzen dieser Jugend lebt wurzelfestes Judentum, lebt, ringt unse r ganzes Judentum, es lebt, w i 11 leben und will ringen, nie de!׳ringen all die mächtigen Gewalten, die der Entfaltung vollen jüdischen Daseins l\inderlich sind, und will thorabegeistert aus sonniger Jugend heraus ihrer ersehntem Zukunft tatendurstig entgegenschreiten . . . Man horche einmal auf die abgerissenen Wörter, Schlagwörter, die bald nach dem freudig kameradschaftlichen Seholaum Alechem in den Gesprächen dieser Menschenkinder immer wiederkehren und durcheinanderschwirren: ,.Jeschiwa-Aktion“.,Schoinre Schabos“ . . .. . “4 §״ ״Jewisli Agency“.,Rabbinischer Rat“ . . ., ״Cltofez Cltajim“ . . ״Erez Jistoel“ . . ״Kolel“ . . ., ״Maehsike Had’as“ . . . und so weiter, Namen, Worte und Dinge, die den ganzen Ernst u n s e r,e!•jüdischen G eg e nwart umschließen. Und wenn dann dem soeben anlangenden elelvtrischen Wagen eine neue Cruppe jutiger Juden entsteigt, so wird sie von den harrenden 1'reunden mit einem Liede empfangen, dessen Töne zwar immer noch unsicher und neu klingen, dessen Worte aber in eine sinnreiche Weite und Höhe ragen und wundersam alt und stark sind, wie die Eichen, deren Kronen uns beschatten . . . Hikowzu . . . Hatauroh . . . ׳Hutau roh . . . ]־Iikowzu . .! Da wissen wir’s: so versammeln sich nur junge Agudisten zu ihrem Delegierteutag! Hatauroh, Hatauroh . . . Hikowzu . . •I g Tätigkeitsfeld der Gesellschaft 8 ן g Oesterreich, Deutsches Reich, Tschechoslowakische ff s Repubük, Belgien, Holland, Frankreich, Spanien, s fg Italien,Ungarn,Polen,Jugoslawien,Bulgarien,Griechen-!ן land, Rumänien, Palästina, Syrien, Türkei, Aegypten j§ I Kinder-Uersortunts-Verslclierunt 1 ן iiiiiiiiimiiiiiiiiiiiimiiiiiiimiiimmiiimiimmi g f§ Erziehungsrente für das Kind, Sterbegeld nach dem m Tode der Eltern, und prämienfreie Versicherung des g Kindes vom 24. Lebensjahre an! ^lllllll!lllll!l!lllllllllllllllllllllllllllllllllllllUIIIIII!llllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllUIIIIIIIIII!lllllllllll!llllllllllllllf * ln den Restaurants Israeler und Fischhof werden die Ankömmlinge wie alte Bekannte begrüßt. Es ist nicht das erste Mal, daß diese orthodoxe Jugend hier um das Gedeihen der Orthodoxie beflissen ist und an der Arbeit für Thora und Judentum mitwirkt. Heute aber sind diese jungen Leute die Hauptakteure,, es ist i Ij 1• ß Tagung, sie gilt ihnen, ist Instrument ihres krattyollen Willens, ihrer jugendlichen Seele. Mit verhaltener Neugier werden sie von den ihre morschen Knochen bedächtig pflegenden älteren Kurgästen, die sich hier aus allen Weltteilen zusammenfindeu, betrachtet ״Line 1perkwürdige Jugend!“ denkt kopfschüttelnd mancher tüchtig kauende Halbgreis, der zu Hause vielleicht auch ein