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Jüdische Presse · 1929-07-26 · 30 (26.7.1929) · page 2

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Journal
Jüdische Presse
Volume
15 (1929)
Issue
30 (26.7.1929)
Date
1929-07-26
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 JÜDISCHE PRESSE Nr. 50 Bollinger^Etskasten sind seif 1870 die besten! XV., STAGLGASSE 10 (BEI MARIAHILFERSTRASSE 148) VU.f BURGGASSE 17 Tel. R-30-5-38, R-35-8-47 u. B-32-380 auf i׳i1rc selbständige!Liste 190.000 Stimmen vereinigte, aber wesen des ■uiigc rechten (itn übrigen unserem Österreich־{- .scheu ähnlichen) Wahlrechtes auf diese Weise kein׳ Mandat erobern konnte. (In Warschau z. 1B. erhielt d!ic selbständige ■agiküstische Liste 2-4.000 Stiimmen. die \Vahlza׳hj betrug aber 25.000.) Dagegen igciarug es der •Aguda, auf der Regieriingsl'iste einen Vertreter, den •Abg. Kirsel'Jbraun.!zu erhalten, denn׳ sie!ist damals zusammen mit!den Re-;gierung ׳vorgegangen. während die Jüdischnaticnalen es für angemessen hielten, mit den anderen Minoritäten gemeinsatne Sache zu machen. Diese Haltung der polnischen Agudah!hat ׳bereits gate F!riiciiic getragen, 'der offizielle Antisemitismus, . dessen Bestellen! der •Ministerpräsident Bartel seinerzeit im Sejm selbst zugeben muhte, wurde!gebrochen. Aach die letzten Lembcrger Unruhen wurden von der Regierung sofort im Keime erstickt. Dagegen!machen’ die .Hidisehnationalen gemeinsam :mit den anderen!Minoritäten eine Min derb ׳eiten Politik, die programmatisch!nie die Zustimmung der Agudaln finden kann. Auf kultureliem Gebiete leistet die Agudah■ ■in erzieherischer Hinsicht ungemein viel, hier sind ׳besonders die •Beis-Jakob- Schulen zu erwähnen, deren ■Hinnichtting dem tatkräftigen!Direktor des •Keren Uatihora. Dr. Deutsehländer, zu verdanken ist. Die Agiidah schreitet jetzt au die Errichtung einen Jeschhva ■in!Lublin ׳und eines Seminars in Krakau,!ihre ׳Warschauer Tageszeitung .,Der lud“ •hat starke Voribreitiu-tiig: es ist also die kulturelle Tä'tigikeit׳ der von!Herrn 1. 1M. Lewin geleiteten Organisation!durchaais ,yji ifniedensteilend.!Dies is׳t um so beachtenswerter, •als die ökonomische Lage der polnischen luden eine katastro- ■phale ist. .Trotzdem sic bloß 14!Prozent der •Bevölkerung!betragen, steuern sie infolge eines ungerechten Steuer- Systems, das ■vor allen! die städtische Bevölkerung bellaist'et. 30 Ibis 40 Prozent •zu den sehr •hoben ׳Staatsbudget!bei. (Die Agudah will wegen dieser •unerträglichen Wirt- ,scbaiftsl'age •der •polnischen luden auch •in ökonomischer!Hinsicht tätig sein: so wird jetzt an die Schaiffung von ׳Kreditins'titaten mit 0:effe:nt’Mc!hkeitisreoht gcsehrlttien. Be-!sonders viel erwartet sich Herr 1. M. Lewin von der be- .vorstehenden Kenessio Gedia-ulo, ■diie eine geistige Errnun- .teruiig •der •nefigiösea luden f!n aller Welt bringen ■soll. :In diesem wirtschaftlich und1 politisch vielleicht schwersfcen Moment •der jüdischen Geschichte soll ein ernstes!Wort die Anschauung, daß das .ludeivtum auf seiner beiligen Thora basiert, bekräftigen. ׳Dies wird' :zugleich ein Aufleiben der ,Organisation und eine Erstarkung •der ver- schiedena-rtigen Tätigkeit der Weltorganisation beinhalten.!Neben der Behandlung äußerst ,wichtiger!Fragen, wie (Scheohiita,!Protest geigen׳ die iRieligionsverfolgungen iti Rußland, wird vor allem die •Stellungnahme zur Jewish Agency .die aus •aller Welt ■versammelten Delegierten!stark beschäftigen. Die ontholdoxen luden sind von einer;heißen •Liebe!zum׳!Heiligen!Lande durchdrungen, können aber an d'er Agency in ihrer heutigen -Form' schon deshalb ,nicht teilnebmeu, weil Verhandlungen über eine 1Beteilügang!der •machtvollen Weltorganisation der Agudah seitens der■ a'ffizielletr!Zionisten :irr den letzten ׳fünf Jahren, da dieses!Problem akut war, nie auigenomtnen wurden. Seinerzeit schwebten ,wohl diiesbeziigliche Verhandlungen, d'oeh scheiterten sie an der. berechtigen Forderung der Agudah, daß •die ikultnrelilcn ׳Fragen au «!geschaltet ,werden sollen. d!a dies 'der einzige!Puukt ist, der ׳die beiderseitigen •Ansobauungeri trennt. Jede ׳Organisation ■sollte deshalb, nach dem Vorschläge der Orthodoxen, ihre kulturellen lastita- \>tian׳en selbständig \veiter׳führe;n. weit er s ■verlangte •die Agudah, ■daß ׳sie In ■religiösen Fragen ■nicht iiberstinirtit werden dürfe. •Nun Ist auf 111!demokratischer Grundlage!eine Agency!zustande gekommen, •die für •die!Zionisten :eine Verwirklichung ihres Leitsatzes ״Der luden Staat ist auf •dem Weg“ bedeuten! soll', die Agudah aber!kann die' Ageacy in :111,rer ■jetzigen Form nicht ■anerkennen. In ahn- Jichem Sinne dürfte nach der Ansicht des!Herrn 1. •M. Lew.in d!ie Entscheidung der ,Kenessio Gedaulo fallen. Nachrichten1 ־m\ Die Generalversammlung des Kriegswaisenfonds, die für den 30. Juli bestimmt war, wurde verschoben. Das allgemeine Jugendtreffen in Baden. Die Agudas-jisroel-Orts- und Jugendgnippe Baden als Ortsgruppe des Landesverbandes der Jugendveieinigungen Oesterreichs in der Agudas Jisroel hatte für den 21. Juli 1929 ein allgemeines Jugendtreffen nach Baden einberufen. Die verschiedenen Jugendgruppen waren recht zahlreich vertreten. Der geräumige Sitzungssaal der Kultusgemeinde war von den Delegierten bis auf c!3n letzten Platz besetzt. Der Vorsitzende Herr M. Roth- Schild, Baden, negiiißte die Versammlung, welche die erste Veranstaltung nach Gründung des Landesverbandes sei. Sodann ergriff Herr Oberrabbiner W. Reich, Baden, das Wort, der in heißen Worten auf die Bedenlang der Jugend und ihres Weges für die Zukunft im Sinne der von der Agiidas Jisroel hochgehaltenen Thoraziele hinwies. Ls sprachen ferner die Herren Rabbiner Zimmer mann, Neunkirchen, O. Stroh, Wien, S. Hager, Vizepräsident der Jugeudgruppe Wien XX, Redakteur Sch. Sc 11ön Leid, Moritz Spitzer, Wien, Kultusrat Sch. Rapaport, Baden, Jugeiulgruppen- Präsident S. Stern, Wien. Besonderes Interesse erregten die Ansprachen der Knaben der B-Gruppe Baden: Jjenö Ehrenstein, Mendel Kprz und Manes Wickler. Eine lustige Vorstellung durch die Badener B-Gruppe gab der Versammlung ihren Abschluß. Möge es den Yeranstaltern zur Freude gereichen, daß das Jugendtreffen, für dessen Gelingen sich neben dem Vorsitzenden der Jugendreferent Herr M. Kaufmann, Baden, so sehr verdient gemacht hat, in so schön harmonischer Weise zur Zufriedenheit sämtlicher Beteiligten ausgefallen ist. Die Vorbereitungen zur 2. Kenessio Gedaulo in Galizien. Lemberg־. (AJPB.) Die bevorstehende 2. Kenessio Gedaulo, die im Ellut in Wien tagt, ruft lebhafteste Anteiljiahme bei den orthodoxen Massen hervor. Die ostgalizische Agudazentrale hat eine großzügige, Aktion für die Propagierung der Kenessio Gedaulo im ganzen Lande unternommen. Es fanden unter ungeheurer Beteiligung Massenmeetings in Lemberg, Kolonien und anderen Städten statt. Es besteht der Plan nach Lemberg eine Konferenz der Zeirim im Zusammenhang mit der Propaganda für die Kenessio Gedaulo einzuberufen. Die Vorarbeiten für die Kenessio Gedaulo in Belgien. (AJPB.) Sonntag, den 6. Tamus fanden hier die Delegiertenwahlen zur zweiten Ken. Ged. statt. Unter Beteiligung einer großen Anzahl von Stimmberechtigten wurden gewählt: Zu Delegierten die Herren B. Alster, VV. .Blasbalg. M. Lamm (Agudas Jisroel), Abraham Schreiber. Hirsch Rottenberg (Zeire Agudas Jisroel). Seitens des rabhinischen Rates und der Landesorganisation wurden delegiert: Oberrabbiner Rottenberg, Koppel Spiia. Jerucliem Birnbaum (Agudas Jisroel) und Josef Fried mann (Zeire Agudas Jisroel). Wie wir erfahren, wird auch Herr Oberrabbiner Dr. Hitler, der jetzt in Belgien domiziliert, zur Ken. Ged. nach Wien kommen. Bis jetzt haben sich aus Belgien außer den Delegierten 20 Teilnehmor zur Ken. Ged. gemeldet. Das Polnische Bihlungsministeriiim iintersüitzt orthodoxe Scdiulen. (AJPB.) Durch Vermittlung der Wojewodschaft Lodz erhielt der hiesige Magistrat vom Innenministerium einen Erlaß folgenden Inhalts: .,Hinsichtlich der religiösen Privatscluilen, deren Lehrplan auch die profanen Leh!,gegenstände umfaßt, stellt das Innenministerium auf dem Standpunkt, daß diese Schulen der Lehrpflicht Geaiige tun. Somit sind solche Schulen, insbesondere die von (ler Agudas Jisroel in Polen geschaffenen Schulen, hinsichtlich der Subventionierung den anderen,. nichtreligiösen Pri vatscluden gteichzu halten. Der Slonimer Rabbi auf der Heimreise von Erez Jisroel in Wien. (AJPB.) Der Slonimer Rabbi, welcher längere Zeit in Palästina sich aufgelialten hatte, ist diese Woche nach Hanse ziuiickgekeliit. Er hat über Seliabbos in Wien Station gemacht. Der Robbe besuchte die Agudazentrale, konferierte hier mit den Kührern über wichtige Augelegenheijen im Zusammenhang mit der bevorstehenden Ken. Ged. Konvenfion der Zeire Agudas jisroel in Amerika. (AJPB.) Am 21. Juli beginnt in New-York die Konrerenz der Zeire Augudas Jisroel. Gegenstand der Kon- . ferenz sind die Stellungnahme zur zweiten Ken. Ged. und Delegiertenwahlen zum Weltjugendtag der Zeire Agudas jisroel, welcher während der Ken. Ged. in Wien abgehalten wird. Mau verspricht sich von dieser Konferenz eine Erstarkung des Aguda-Gedaukens in Amerika. Der ungarische WohJfahrtsminister und der Budanester!Oberrabbiner. Die jüngste Nummer der vortreffliehen Budapester orthodoxen Wochenschrift ״Zsido- Ujsag“ berichtet über einen interessanten Briefwechsel, der vor einigen Wochen zwischen dem greisen Oberrabbiner der Budapester orthodoxen Kultusgemeinde, Magnatenhau;vm׳itglied Koppel Reich und Minister Dr. Vass. der ebenfalls Mitglied des Magnatenhauses und nebstbei kathofischer Priester!ist, stattfand. Schon ■die ■Veranlassung zum Briefwechsel ist überaus interessant. Ein Flüchtling, der gutdinstliche ■Dorfnotar Caspar ■Neszmery ist 'hingenleidend ■und wendet sich ■um Hilfe an den Oberrabbiner. Oberrabbiner Koppel Reich ■läßt das ׳Bittgesuch nicht im- ■beachtet. Er leitet es an den Wohlfahrtsminister. Der antwortet ihm mit folgendem, an die alte ■ungarische liberal'e Aera erinnernden ■Briefe: Lieber Freund!! Den von Caspar ׳Neszmery an Dich gerichteten 'Brief •zuriic'kerstattend, teile D/ir mit, ■daß ich — Deinem Wunsch gemäß — ■den geflüchteten •diplomierten ■Notar Neszmery in dem Gyulaer ,. Josef-Sanatorium■“ untergebracht habe. Bitte Dich, die Aeußerung meiner aufrichtigen Wert- Schätzung empfangen zu wollen. Vass!11. p. Das Ergebnis der Kultuswahlen in Czernowitz. (J. T. A.) In Czernowitz, der. Hauptstadt der Bukowina, die eine der größten jüdischen Gemeinden Osteuropas beherbergt, sind am vergangenen Sonntag zum ersten Male seit dem Kriege allgemeine Wahlen i!1 den Vorstand der jüdischen Gemeinde durchgeführt worden. Es .waren 50 Mandate zu vergeben, um die sich zehn Parteien bewarben. Es entfielen auf die Liste der von Senator Dr. Mayer Ebner geführten Einheitspartei 155“ Stirnmen, auf die des einstigen Kultuspräsidenteu Doktor Stralieber 1202, apf die des sozialistischen ״Bund“ 986. auf die Liste Greif 607, auf die der Orthodoxen 490, auf die des Kultusgerenten Lazarowicz 645 Stimmen. Der Wahlkommissar hat die Listen Dr. Strauchers, der Orthodoxen und drei andere Listen wegen Formfehler umuilliert. Die 50 Mandate wurden wie folgt verteilt: Einheitspartei 20. Bund 15, Lazarowicz 9, Greif 7 Mandate, Metscli I Mandat. Es verlautet, daß die Partei Dr. St rauchers, die auf mindestens 10 Mandate Anspruch erhebt, den Spruch des Wahlkommissars aufechten wird. Die Mandatskommission verschiebt die Behändlung der Agudah-Petition. (J. T. A.) Die Mandatskommission des Völkerbundes hat soeben ihre 15. Session beendet. Wie der j. T. A.-Vertreter erfährt, hat die Mandatskommission die Petition des Jerusalemer Waad 11a ir Haaschkenasi und der Agudas Jisroel betreffend Knesseth Israel (Organisation der jüdischen Gemeinden Palästinas) auch diesmal nicht in Behandlung gezogen. Bekanntlich haben die Petenten seinerzeit um Verschiebung der Behandlung bis zur Beistellung ergänzenden Materials ersucht. Du aber das Material bis heute nicht zugestellt worden ist, hat es die Kommission für richtig־ befunden, die Behandlung dieser Petition bis zu einem Zeitpunkt zu verschieben, an dem der Wunsch der Petenten genauer Umrissen sein wird. Die Konferenz tler englischeu Rabbiner und die Kaleiulerreform. (J. T. A.) Im Verlauf der Tagung der englischen Rabbiner und Prediger stellte Chief Rabbi Dr. Hertz der Versammlung Herrn Solomon Bloom, Mitglied des Kongresses der Vereinigten Staaten, vor, der in Amerika mit au der Spitze des Kampfes gegen die Kalendeneformbestrebungen steht. Solomon Bloom hielt eine Ansprache, in der er an seine am lt. Juni d, J. im Repräsentantenhaus der Vereinigten Staaten gehaltene Rede gegen die Kaleiulerreform ankniipft. Er zeigte eine Kalendertabelle, die deu ״wandernden Sabbat“ illustriert. Der!jüdische wie der christliche religiöse Ruhetag würden in jeder Woche auf andere Tage fallen. Die Reform würde niemand Nützen, aber vielen Schaden bringen. Er warnte die Versammlung davor, sich einzubilden, daß die Reform vielleicht doch nicht kommen werde. In Amerika besteht eine geeinte jüdische Front gegen die geplante Kalenderreform. Wir müssen alle Völker der Erde über den Ernst tler Lage aufklären, bevor der Völkerbund die Sache in die Ilancl nimmt. Die Kalenderreformbewegung verfügt über Geld und Einfluß. Man müsse fest gegen diese Pläne zusammenstehen. Ständiges Komitee zur Wahrung der jüdischen Interessen bei der Kalenderrefom. In Paris fanden vor einiger Zeit eingehende Besprechungen in einem jüdisehen Kreise über den Stand der Dinge in bezug auf die Kalenderreform statt. Diese Besprechuuggeu führten כשר SEIFE Marke: ALEFBETH mit הכשר des orth. Rabbinatsassessors, Koäice, erzeugt ״POLIO“ FRIEDMANN & Co. SEIFEN-UND KERZENFABRIK, K0S1CE dazu, daß die fünf flcrren. die im Jnlire 1925 vor den! Völkerbund in Genf als Vertreter des jüdischen Standpunktes in Sachen einer Kalenderreform gehört wurden, sich zu einem ״Ständigen Komitee zur Wahrung der jüdischen religiösen Interessen“ in bezug aiif die Kalenderrcform zusammengesclilossen haben. Diese Fünf Herren Oberrabbiner Fürst (Wien), Chief Rabbi Herz (London). Gratul Rabbin de France Levi (Paris). Dr. 1'. Lewenstein (Zürich) und Lueien Wolf (London). De;־ Sitz des Sekretariats befindet siel! in Zürich. Illlllllllllillllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllfllllll Wien VI. Sohn d. Oberrabb. Rolli, Homorov (Rumänien) Wien-Ahttersbtug Verlo bte Tschechoslowakei. Gegen das Denunziantentum. Weitere Kundgebungen. . Zwecks Stellungnahme zu den Auslassungen in der ,.Jüdischen Volkszeitung“ vom 5. d. M. wurde in der am 18. Juli 1. J. stattgehabten außerordentlichen llepräsentaiiteiisitziuig der Bratislavaer orthodoxen israelitischen Kultusgemeinde folgende Resolution gefaßt: R e s o 1 n t i o a. Die hier erscheinende ״Jüdische Volkszeitung‘ hat sich in ihrer Nummer vom 3. Juli 1929 in einem mit ״Trinuou und Kolel“ betitelten Artikel unseren Herrn Oberrabbiner zum Gegenstände ihrer Angriffe gemacht. Im Ausflüsse der Tätigkeit des Herrn Oberrabbiners als Noßi unseres Kolels in Jerusalem, im At1sfl11s.se seiner selbstlosen und unermUdlielien Arbeit, welche er im Interesse d,er Annen in Palästina entfaltet, wurde er mit einer 11 ng'a!־ländische 11 Person, die ebenfalls Führer des Kolels ist, in Zusammenhang gebracht, um bei den uneingeweihten, das Wesen des Kolels nicht kennenden Stellen, den Anschein zu erwecken, als ob unser ehrwürdiger Herr Oberrabbiner von denselben staatspolitischen Gefühlen beseelt wäre, als es in diesem Artikel vom Kolelfiilirer fiir Ungarn geschildert wjrd. Wenn wir darauf hiuweisen, daß es das heiligste Gebotenes jeden Juden ist, treuer Staatsbürger jenes Landes zu sein, in welchem er sein Domizil hat und die Befolgung dieses Gebotes unzählige Male sowohl in unserem Rcligionskodex als auch in deu überlieferten Traditionen jedem Juden zur Pflicht gemacht wurde; wenn wir darauf hiuweisen, daß auch ohne diese religiöse Vorschriften :jeder Jude unserer Republik aus seinen innersten Gefühlen heraus ein treuer Anhänget־ dieses Staates sein muß, weil ihm in der Verfasst!ng dieses Staates seine Gleichberechtigung zugesichert ist — er sich in dieser Republik als Jude ausleben kann und als freier Bürger den weitest gehenden Schutz des Staates genießt —, des Staates, an dessen Spitze die legendäre Gestalt eines T. G. Masaryk stellt, zu dem alle Juden der Welt mit Ehrfurcht hinaufblicken und dessen hehrer Name in deu Annalen der jüdischen Geschichte mit goldenen Lettern für ewige Zetten eingetragen ist; wenn nun der primitivste Jude dieses Staates von diesem Gedanken durchseelt, politisch auf das Loyalste eingestellt sein muß, ist es da notwendig, unser religiöses und geistiges Oberhaupt gegen unsinnige Anschuldigungen zu verteidiget! und in Schutz zu nehmen? Nein, unser ehrwürdiger Führer bedarf eines solchen Schutzes nicht! — Seine ElirwUrden, dessen Zeit vollauf mit geistiger Arbeit ausgefüllt ist, der gfeder Politik meilenweit aus dem Wege geht, der das von der judenheit ihm angebotene Abgeordnetenmatidat auf das entschiedenste ablehnte, um von der Politik fernzubleiben und sich restlos seiiieu religiösmoralischen Aufgaben widmen zu können, dieser Geistesheroe steht hocherhabeu über jedwede böswillige Verdächtigung da. Der einfältige Artikel der ״Jüdischeu Volks-• zeitung“ hat allerdings seine Gefühle aufs tiefste verletzt ~ die ihm zugefügteen Beleidigungen treffen auch uns in das Innerste. 111 Konsequenz dieser Beleidigungen wmllen wir mit einer jüdischen Zeitung, welche in solch unverant-, wörtlicher Weise den Führer des Judentums beschmutzt, nichts mehr zu tun haben — sie wird von uns nicht mehr gelesen, und wir fassen den einstimmigen Be- Schluß, daß der Verfasser dieses beleidigenden Artikels aus dem Verbände unserer inkorporierten Gemeindemitglieder ausgeschlossen wird. Diese Resolution soll in sämtlichen Betlniusern affichiert, allen jüdischen Gemeinden der Slowakei und je ein Exemplar der orthodox-israeltischen Landeszentralkanzlei, der politischen und polizeiliehen Behörde zugemittelt werden. B r a t i s l a v a, den 18. Juli 1929. /Der Vorstand und die Repräsentanz der orthodoxisraelitischen Kultusgemeinde. Delegiertentag der Agada-Jugend. Nach den bisher angelangten Meldungen verspricht der für Sonntag, deu 20. Tamus (28. Juli) nach T r enciansk e T e p 1 i c e (Astoria-Saal) eiuberufene Delegiertentag der slowakischen Ag.udas Jisroel-Jugendorganisation außerordentlich gut beschickt zu sein. Alle Jugendgruppen haben die auf sie entfallende Anzahl von Delegierten angemeldet und außerdem die Teilnahme zahlreicher Gäste aus den. Kreisen der Mitglieder avisiert. Der Wiener G. A. der Cesamtaguda wird durch seinen Vorsitzenden Herrn Dr. Pinchas Kohn, der slowakische Rabbinische Rat durch Se. Ehrw. Herrn Oberrabbiner Ungar aus Trnava und die .Laudesorganisation durch Herrn Jac. Joel Braun vertreten.

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