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Jüdische Presse · 1929-06-28 · 26 (28.6.1929) · page 2

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Journal
Jüdische Presse
Volume
15 (1929)
Issue
26 (28.6.1929)
Date
1929-06-28
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Sette 2 JÜDISCHE PRESSE Bollinger-Eiskasten m Stindjseit 1870 die beiten!_ XV., STAGLGASSE 10 (BEI MARIAHILFERSTRASSE 148) VII., BUBGGASSE 17 Tel. R-30-5-38, B-35-8-47 u. B-32-380 und viele andere.) Seither haben sich die Verhältnisse — namentlich bei den Herausgebern und Druckern in Polen — tausendfach verschlimmert, sowohl darin, daß man zur Drucklegung von ס8רים vielfach das er״ reichbar schlechteste Papier verwendet, als auch in der Unklarheit des Druckes selber. Insbesondere wird auf die Typen überhaupt kein Gewicht gelegt, seitdem man Matrizen eingeführt hät, ganz gleich, ob sie noch brauchbar sind oder nicht. Der Satz wird möglichst eng gemacht, selbst wenn einzelne Buchstaben (wie z. B. der Kopf des Lamed) dabei zuschanden werden. Von den ungeheuerlichen Druck- und Satzfehlern will ich gal• nicht reden. Ich übertreibe sicher nicht, wenn (ch behaupte, daß ein großer Teil der ספרים zum Lernen einfach unbenutzbar ist. Mit dem Inhalt der älteren □פירושי wird nach Willkür verfahren und in ihnen beim Neudruck Kürzungen und Erweiterungen, .als ob sic freies Gut wären, vorgenoinmen, ohne daß irgend jemand seine Stimme dagegen erhebt. Schauen wir uns einmal in den Bibliotheken der Nichtjuden um! Gewöhnliche Romane, die nur für den Augenblick geschaffen sind, erscheinen auf gutem Papier mit vorzüglichen Buchstaben. Und unsere heiligen Bücher, die wir hundertmal zur Hand •nehmen müssen und die uns jedesmal eine neue Welt von Geist und Belehrung erschließen, sollen diesen minderwertigen Büchern gegenüber so sehr im Nachteil sein? Ist das nicht eine unerhört grobe Mißachtung heiligen Gutes? Die Kencssijoh Gedauloh sollte da im Interesse des ואנוהו mit' den Herausgebern und Druckereien jüdischer ס5רים ein strenges und ernstes Wort reden und ihnen nötigenfalls auch ein Verbot *■ihrer Ausgaben wegen לא תשכון עולה בתון־ביחך 'androhen. Die Kencssijoh Gedauloh bedarf sicherlich nicht .erst meiner bescheidenen Anregungen. Ich möchte bloß an diese Dinge erinnern, wie ein Ausrufer im Tempel an יעלה ויבא mahnt. Vielleicht finden sich würdigere Wortführer für diese gute Sache. Geza Rottenberg, Kosice. Plenarsitzung des Geschäftsausschusses der Aguda. In Wien werden mit dem Beginn der nächsten ,Woche wichtige agudistische Beratungen stattfinden. Sowohl das Plenum des Geschäftsausschusses, wie .die Exekutive ■׳ des Rabbinischen Rates werden Sitzungen abhlten, um endgültige Dispositionen für die zweite Kenessio zu treffen. Der Beginn der offi- .ziehen Beratungen ist am Dienstag, den £4. ׳Siwan. Mittwoch abends findet eine öffentliche Massenver- Sammlung statt. Die Kenessio Gedaulo-Vorbereitüng in U. S. A. New York. (A. J. P. B.) Der größte orthodoxe Rabbinerverband Amerikas, ״Degel Horabonim“, hat in einer eigens hiezu einberufenen Plenarsitzung den ein- .stimmigen Beschluß gefaßt, eine große Rabbinerdelegation zur K. G. zu entsenden. Diese Tatsache zeigt die hohe Bedeutung, die man in den orthodoxen Kreisen Amerikas der K. G. beimißt. Es ist zu erwarten, daß die K. G. ein noch intensiveres Agudaleben in Amerika ein- ׳leiten wird. Die Rabbinerdelegation wird laut Beschluß .der ״Degel“, auf der K. G. eine Sitzung mit dem rnbbinisehen Rate abhalten, um über eine Rabbiner-Welt- ' tagung Beschluß zu fassen. . Eine Weltjugendtagung der Agudas Jisroel. Wien. (A. J. P. B.) Im Rahmen der K. G. soll über Anregung der Arbeitsgemeinschaft der Aguda-Jugend- Organisation eine Weltjugendtagung in Wien stattfinden. "Diesbezügliche Anregungen und Zuschriften sind an das K. G.-Bureau, Weltjugendkongreß, Wien, II., Malz- , gasse 12 a, zu richten. Die Kenessio Gedaulo-Propaganda in Deutschland. Wien.!(A. J. P. B.) Ueber Wunsch der Landeszentrale der Agudas Jisroel in Hamburg, hat sich das K. G.- Bureau mit sämtlichen Ortsgruppen der Agudas Jisroel , in Deutschland, in Angelegenheit der K. G.-Propaganda, in Verbindung gesetzt. Da das Wiener K. G.-Bureau auch ' andere Stellen in Deutschland mit der K. G.-Propaganda betraut hat, sind derzeit in Deutschland 50 Propagandastellen tätig. Aller Voraussicht nach, wird der Erfolg dieser glänzend durchgeführten Organisation nicht ausbleiben. _ ״ Die K. G.-Propaganda in Lettland. Riga. (A. J. P. B.) Die Landeszentrale der Agudas Jisroel in Riga, hat die Gästewerbung für die K. G. mit aller Energie in Angriff genommen. Alle Ortsgruppen und führenden Persönlichkeiten der Agudas Jisroel in Lettland wurden gebeten, mit der Landeszentrale, zwecks Werbearbeit für die K. G. Fühlung zu nehmen. Ein spezielles K. G.- Komitee wird gegründet werden. Die Wilnaer Aguda klagt den Bildungsministei־. Wilna. (A. J. P. B.) Die Wilnaer Aguda-Fraktion hat beim Obersten Gerichtshof gegen den Bildungsminister wegen der gesetzwidrigen Nominierung des Senators Rubinstein zum Wilnaer Oberrabbiner Klage erhoben. Man sieht der Gerichtsentscheidung mit Spannung entgegen. Stadtratwabl in Lublin. L u b 1 i n. (A, J. P. B.) Bei den Stadtratswahlen wurden gewählt: 4 Agudisten, 3 Zionisten und Misrachisten, 1 Poale Zion und 1 Volkist. Aguda-Persönlichkeiten in Wien. Wien (A. J. P. B.) Der Rausch Beth Din des Waad Hoir Asehkenasy, Jerusalem, ist zusammen mit dem Mitglied der palüstinensischen Exekutive, Katzenellenbogen, in Wien eingetroffen, um an der Sitzung der Exekutive des rabbinisehen Rates teilzunehmeu. v Die Aguda-Bank in Polen. W a r sc hau. (A. J. P. B.) Der Verband der kooperativen orthodoxen Bank in Polen, an den 140 Banken angeschlossen sind, ist vom Finanzministerium legalisiert worden. Dieser Beschluß wurde mit 22 gegen 8 Stimmen angenommen. Die 8 Stirnmen waren auf Einfluß der zionistischen Finanzratsmitglieder, die gegen die Agudas Jisroel polemisierten, ziirückzuführen. Ein Hirsch-Waisenhaus in Lodz. Lodz. (A. J. P. B.) Die Benoth Agudas Jisroel, Lodz, hat in ihrer letzten Sitzung beschlossen, ein Waisenhaus auf den Namen Samson Hirsch zu bauen vorgerufen hat. was große Begeisterung her- Eine große Keren Hathora-Aktion ln Riga. Ri«׳a (AJPB.). ln Riga hat eine »roße Keren Hathora-Aktion unter Führung׳ ■des!Herrn Abgeordneten Dubin und Walls ebne eingesetzt. Die Küren Hathora-Zentrale Wien hat die Aktion durch ׳Herausgabe von Propaganda- Prospekten g&föirdert. 101 Nachrichten ־־]jgfl Schulschluß in Wien! (Von einem Vater.) Zwei Kinder habe ich in der Schule, einen Buben und ein Mäderl. Meine Kinder besuchen zwei verschiedene Schulen. Der Bub geht in die Talmud-Thora-Volkss׳:hule. Das Mäderl besucht eine Schule der Gemeinde Wien. Diese Halbheit hat mir viel Aerger und Kränkung verursacht. Es ist. bei den heutigen wirtschaftlichen Verhältnissen nicht leicht, die Kinder in die jüdische Schule zu schicken, da hier die :Eltern direkt zur •Erhaltung der Schule beitragen müssen. Unsere Kulhisgemeinde ist noch nicht so weit, daß sie, ähnlich der Gemeinde Wien, .die Schule nuentgeltlich machen würde. Da habe!ich einen stillen Ausgleich auf 500/o gemacht. Den Buben, dachte ich mir. schicke ich in die jüdische Sohülü, das Mäderl in die nichtjüdische. Die jüdische ■Erziehung des Buben׳ schien mir wichtiger als jene meiner Tochter. Ich ■habe mich bitter getäuscht. Ich habe selbst den Keim des Zwiespaltes und des Zankes in die ׳Seelen meiner!Kinder ׳geworfen. Die Kinder, wie schon die Art der Kinder ist, hänselten sich. Das Mäderl verspottete den Jungen, daß er in eine jüdische Schule geht, ■der Bub warf mit überlegenem Hochmut der Schwester vor, daß sie eine nichtjüdische Schule und diese auch am Sabbat besuche. .Auch andere Differenzen kamen zutage. Das Mäderl feierte an allen־ christlichen Ferialtagen, der!Bub hat am Purim, am Lag-boomer. von den Feiertagen gar nicht zu reden, seine schulfreien Tage!gehabt. Auch andere Unzukömmlichkeiten blieben nicht aus. Mein Bub ist ein ziemlich lebhafter Junge; zuerst habe ich gehofft, daß er in der Schule stramme Disziplin lernt, ׳mein Junge .blieb aber so lebhaft wie er früher war. Ich habe da kräftig mitgeschimpft mit jenen, die von der Disziplinlosigkeit in der jüdischen Schule sprechen. Ich habe es aber nicht!beim Schimpfen bewenden lassen. Ich ging der Sache nach, ich!besuchte die Schule öfter, ich spracli mit dem Lehrer meines Sohnes: da fand ■ich. ׳daß •von Disziplinlosigkeit gar keine Rede sein kann, mein Junge fühlt sich in der Schule wie zu Hause in der Kinderstube und .nicht wie in einer Dressuranstalt: die neue Schule ist eben, klärte mich der Lehrer auf. keine Zwingbürg, keine Kaserne, der Lehrer darf nicht als Obrigkeit ׳dem Kinde gegenübertreten, sondern als Freund, als erfahrener, älterer Genosse, ■der dem Kinde, ich möchte fast sagen, •im Spiele, kindestümlich. der Auffassung und!dem Gehaben des Kindes ■gemäß, die notwendigen Kenntwisse beibringt. Ich habe mich überzeugen können, daß mein Kind wie die übrigen Kinder in ■der Schule sich wohl zwanglos, aber nie disziplinlos, hatürlich. aber nie ausgelassen benimmt. Hingegen habe ■ich!bei meiner Tochter, wohl in den ersten Zeiten die stramme Disziplin gelobt, aber dann wahrgenommen, daß sie ein gewisses Angstgefühl hat. wenn Sfe in die Schule gehen׳ muß. Mati ■hat es ihr merken lääsen, ■daß sie eine ׳Fremde unter Bodenständigen sei. Frenidartig und unnatürlich, ■wie sich ־ Juden, .wenn sie einmal!gekränkt sind, benehmen, war es meinem kleinen Töchterchen zumute. Seitdem ich dies bemerkte, quälte ich mich .mit Vorwürfen. Da dachte ■ich mir. ich bin ein schlechter Vater, daß!ich meine Tochter schlechter und unjüdischer behandle als meinen Sohn. Und so oft ich ein paar ■Groschen für Näschereien und Spiel- Sachen für mein Töchterchen!ausgab. ׳beschlichen: mich trübe Gednaken; mit soviel Groschen hätte ich schon ■den Elternbeitrag für die jüdische Schule leisten können!, ■daß־ auch mein Mäderl, von jüdischen Lehrerinnen betreut, miu jüdischen Schulgenössinnen vereint, in einem Geist und einer Gemütsverfassung emporwächst, die es ihr ermöglichen, daß ihre jüdische •Seele. ungehemmt und nugekränkt sich weitet und ■die Entfaltung einer jüdischen Persönlichkeit vorbereitet. Und dann ■der Sabbat und die Möglichkeit der Erwerbung guter jüdischer Kenntnisse. Mit Sehnsucht erwartete ich den Schulschluß. Ich habe ■mich von meiner Halbheit gründlich .geheilt. Meine Kinder sollen fortab nicht •in Zank und Zwiespalt ■leben. Beide, auch meine Tochter, sollen fortab die jüdische Schule :besuchen. ' A Ferialkurse an der Jesod Hathora. Während der Sömmerferien (Juli ■u!nd August) werden׳ für ■e׳jne Schüler׳, die ■ihre Ferien׳ in Wien! v׳er־ bringen, Kurse für Ghumisc'h,!Raschi, Gemoroh und Meforschim abgehalten׳. . Eltern, ׳die׳ wünschen, ׳daß ihre Kinder an diesen Kursen teilnehmen, mögen dies ehestens der Schul- Je Rung der Jesod!Hatihora, 1II.. iNestroy gasse 11״ zwischen 9 und 12 Uhr vormittags und 2 und 6 Uhr!nachmittags bekannteeben.!Beginn der Ferialkurse ׳Montag, den 25. Siwan (1. Juli 1929). Die Leitung. Mißhandlung jüdischer Studenten an der Wiener Universität. Wiederum war die Universität Wien der Schauplatz wüster antisemitischer Ausschreitungen gegen jüdische Studenten. Unter den Rufen ״Juden raus!“, ״Hoch das Germanentum!“, ״Juda verrecke!“ zogen antisemitische Studentengruppen durch die Korridore der Universität. Wo jüdische Studenten angetroffen wurden, wurden sic geschlagen, an die Ausgänge gezerrt und gewaltsam auf die Straße befördert. Am Nachmittag des gleichen Tages versuchten nationalistische Studenten gemeinsam mit anderen nationalsozialistischen Rowdies verschiedene Kaffeehäuser zu stürmen, in denen jüdisehe Studenten verkehren. Zu einem starken Zusammenstoß kam es im Cafe Josephinum im neunten Bezirk. Die Wiener Presse fordert mit Rücksicht auf die eben stattfindende Fremdenwoche durchgreifende Maßnahmen zur Aufrechterhaltung der Ordnung. Das Rektorat gab die Yersicherung'ab, es werde d.a f ii r g e- “sorgt werden, daß in Zukunft Ruhestörungen nicht Vorkommen. Gegen die Schuldigen an förSSSSSSÄSSÄSSS Ferienaufenthalt! bei orthodoxer Lehrerfamilie werden noch zwei Kinder aufgenommen. — Gesunde Gegend (Nähe Badens). kräftige Kost! anregende Besohfiftlgung. — Auskunft unter ״Ausgiebige Erholung bei dar Wiener Administration das Blattes. Nr. 26 כשי SEIFE Marke: ALEFBETH mit הכשר des orth. Rabbiitatsassessors, KoSice, erzeugt ״POLIO“ FRIEDMANN & Co. SEIFEN- UND KERZENFABRIK, K0S1CE den jüngsten Vorfällen wird ein Disziplinarverfahren eingeleitet werden. Uebrigeus, so wurde versichert, haben sich bloß kleinere Gruppen zu״ je einem Dutzend Studenten an den antisemitischen Ausschreitungen bcteiligt. Agudah und Jewish Agency. (J. T. A.) Der Wiener Geschäftsführende Ausschuß der Weltorganisation Agudas Jisroel, ersuchte alle agudistischen Vereinigungen und Persönlichkeiten sowie der Aguda nahestehenden Korporationen, die Einladungen zu Konferenzen bezüglich der Jewish Agency erhalten, sich in Anbetracht der hohen Bedeutung dieser Frage vor Beantwortung der Einladungen mit dem G. A. in Wien in Verbindung zu setzen. Die Frankfurter Rabbinervvahl, (J. T. A.) Nachdem Oberrabbiner Josef J. Horovitz, der seit Jahren die Talmud-Hochschule in Huncov (Tschechoslowakei)!׳eitet, bereits vergangene Woche zum Nachfolger des verstorbenen Rabbiners Dr. S. Breuer im Rabb'inat der ״Israelitischen Religionsgesellschiaft“ berufen worden war, fand am Sonntag, den 23. Juni, eine Gemeindeversammlung statt, bei der durch Stimmzettelabgabe die formelle Rabbinerwahl vorgenomrtien wurde. Bei Beteiligung von 636 Wählern erlangte er als einziger Anwärter 457 Stimmen. (167 waren gegen ihn abgegeben worden.) Nach zweijährigem ״Interregnum“ ist das Rabbinat der ,,Israelitischen Religionsgesellschaft“ wieder besetzt. Der neue Rabbiner Josef J. Horovitz ist 38 Jahre alt. Der Amtsantritt des neuen Rabbiners soll noch im Sommer 1929 erfolgen. Eröffnung des Sommersemesters in der Thora-Lehranstalt Jeschiwa. (J. T. A.) Das Sommersemester in der Jeschiwah Frankfurt a. M. wurde am 14. Mai mit der Prüfung der neueingetretenen Hörer und am 16. Mai mit einem Eröffnungsvortrag durch den Rektor, Herrn Rabb. Dr. Jos. Breuer, eröffnet. Es traten 35 neue Hörer ein, so daß die Jeschiwah von 85 Hörern besucht wird; hiervon entfallen 76 Hörer auf Deutschland und Westeuropa. 19 der Hörer besitzen die Reife für Obersekunda, 16 haben das Maturitätsexamen abgelegt. Fünf Studenten der Universität besuchen die Jeschiwah als außerordentliche Hörer. Zurzeit beschäftigt sich das Jeschiwah-Kuratorium mit der unaufschiebbaren dringenden Frage des Umbaues des für die gesteigerten Anforderungen nicht mehr genügenden Jeschiwah-Gebäudes. Uriel Birnbaum in Nürnberg. Der Nürnberger Abend Uriel Birnbaums, der Montag, den 3. Juni im Saale des ״Deutschen Hof“ stattfand, wurde von den Agudas-Jisroel-Orts- und -Jugendgruppen Nürnberg und Fürth sowie dem Frauenverein ״Esras Nosheim“ Nürnberg veranstaltet. Namens der beteiligten Vereine begrüßte Dr. Heinrich Klein und wies auf die Bedeutung des Namens Birnbaum und auf die besondere Stellung der Kunst Uriel Birnbaums hin, die aufgeschlossene Zugewandtheit von uns beanspruchen könne. Der Dichter las aus seinen Werken und erzielte einen ungewöhnlich starken Erfolg. Seine Vortragsweise ist schlicht, eindringlich und tiefst überzeugend. So standen die Zuhörer, unter -denen die ׳ Tagespresse vertreten war, von Anfang an im Bann der Lyrik, die cler Dichter brachte. Eine Anzahl der Sonette aus ״G-ttes Krieg“!(Löwit, Berlin-Wien, 1921); waren der Auftakt. Der Krieg ist für Birnbaum schrecklich. Doch der Krieg bleibt ihm G-ttes Werk, zermalmendes Schicksal, das immer wieder die Seele G-tt nähert. Die Sprache, in der sich des Dichters Erleben kündet, ist von derartiger Gewalt des Aufbaus und des Ausdrucks, daß — suo jure — die Kritik der Tagespresse von der Sprache eines ״Psalmisten“, ״alttestamentarischer“ und ״biblischer“ Stärke spricht. Die Innigkeit des Empfindens geht — hier das wirklich Wundersame — bei aller Ueberlebensgröße des Vorwurfs nicht verloren, sie teilt sich dem Zuhörer restlos mit. Der Dichter las sodann sehr zarte und sprachlieh edle Liebesgedichte aus einer unveröffentlichten Reihe ״Leben in Liebe“. Die religiöse Bindung allen Lebens durchwebt auch hier jedes -Gefühl und führt in ihrer bei Birnbaum gegebenen Ursprünglichkeit zu der höchsten Steigerung des Erlebens. — In weiterer Folge brachte Birnbaum ״Biblische Gedichte in Sonetten“ und Gebete in ״Sonettform“ — ebenfalls noch unveröffentlicht. — Den Abschluß bildeten ״Gedichte in neuer Form“, auch überwiegend religiösen Themas, die wie die vorgenannten noch der Veröffentlichung harren. — Der Beifall war derart herzlich, daß sich der Dichter zu einer Zugabe entschließen mußte. Im Anschluß an die öffentliche Veranstaltung fand noch ein geselliges Beisammensein in engerem Kreis statt, das zu interessanten Erörterungen über die Anschauungen des Dichters führte. Der aufrichtige Wunsch, den Dichter bald wieder in Nürnberg zu sehen, wird vielleicht schon im Winter verwirklicht werden. Dr. H. K.. GastMdroscho“ in Oedenburg. Vergangenen Scha-| bos weilte hier auf seiner Durchreise Se. Ehrw. Hern Rabb. Zimmermann (Neunkirchen) und wurde von der Leitung des hiesigen ״Tiferet-Bachurim״-Vereines ersucht, eine Droscho zu halten. Se. Ehrw. kam diesem Wunsche nach und hielt eine meisterhafte Droscho, in welcher er namentlich die Jugend zu intensivem ״Limud- Hatore“ aneiferte. Die Zuhörer lauschten mit gespannter Aufmerksamkeit seinen Ausführungen, die einen nachhaltigen Eindruck hinterließen. Der Bau der Monumentalsynagoge in der Prinzregentenstrafie beendet. (J. T■: A.) Der Rohbau der neuen Synagoge in der Prinzregentenstraße in Wilmersdorf ist jetzt fertiggestellt und die Innen- und Außenarbeiten werden mit Hochdruck betrieben, damit der Bau noch in diesem Jahre seiner Bestimmung übergeben werden kann. Der Innenraum, bei dessen Anordnung tragende Pfeiler möglichst vermieden worden sind, bietet Platz für 2300 Personen, so daß auch in ihren Größen- Verhältnissen die neue Synagoge zu den größten Europas zählt. Die Frontlänge des Gebäudes mißt 60 Meter, die Gesamtfläche des Grundstückes 3300 Quadratmeter. Der Kuppelbau, der einen lichten Durchmesser von 37 Meter aufweist, übertrifft in seinen Ausmaßen samtliehe Berliner Kuppelbauten und ist auch etwas größer als die ,Berliner Domkuppel. Der Entwurf stammt von dem Baumeister der jüdischen Gemeinde Regierungsbaumeister Beer; die Bauleitung wird vom Bauamt der Gemeinde durchgeführt. Die Baukosten sind aüf 1,2 Millionen Mark veranschlagt. Wahrscheinlich wird diese Summe aber etwas überschritten werden, weil die Bauarbeiten durch die Frostperiode stark behindert und verzögert worden sind.

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