Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 15 (1929)
- Issue
- 24 (13.6.1929)
- Date
- 1929-06-13
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 24 JÜDISCHE PRESSE Seite 5 ’ Orthodoxe Probleme• Von «Anonymus. I.- Die Seele deines Kindes. Sehr geehrter ׳Herr!Redakteur! Meinen ■heutigen Artikel ha'be ■ich nicht spontan geschrieben, sondern ich habe gewisse Vorstudien vor Abfassung dieser meiner Zeilen gemacht, die ■mich in das Herz der Leopoldstadt, alsoat/gewrsserm.aßen zum Zentralsitz der ׳Wiener Orthodoxie, geführt 'haben.!Da ging ich eines Samstag nachmittags — wo ׳kann!man die Orthodoxie am׳ Samstag nachmittag treffen? — in den Prater. Ich geriet hier auf!Nebenwege und au'f einmal 'befand ich .mich auf einem Sportplatz, wo mehrere ■tausend Mädchen und!Knaben ihre Turnübungen machten. Z׳u;m großen Teil waren es Schulkinder und es erregte ,wenig Anstoß, ׳daß sie in kurzen Turnhosen und ׳Ruderleibchen ihre Hebungen volliührten.;Beim ■Abmarsch begegnete •ich den stolzen Turnern und da habe ich mit einem sonderbaren iGefühi, in welches sich Abscheu, •Auflehnung, Wider willen und ׳Verachtung mischten, bemerkt, daß nicht nur Schulkinder an ■dem Turnfest teil nahmen, sondern auch viele erwachsenc Männer und ׳Frauen, die alle in der oben geschilderten übersportlic'hen •Kleidung ,den!Aufmarsch mitmachten. Jc'h 'habe zum ersten ■Male in meinem •Leiben erwaahsene Frauen in ihrer ׳holden Weiblichkeit halbnackt marschieren gesehen ׳und habe ■mich 'kaum fassen können. Ich ließ mich aber belehren, daß diese neue Tracht zu dem ■modernen Sportgeist gehöre, der in den ׳Wiener Schulen der 'heranwächsenden Jugend als erslre'beriswertestes Ideal der körperlichen Ertüchtigung in ׳allen Farben, hauptsächlich aber in rot, geschildert wird. Schwere Sorgen müssen da jüdische Eltern haben, die ihre Kinder :für •andere!Ideale erziehen möchten.!Das Auftreten der Turner, wie ,überhaupt die sportliche Betätigung machen sicherlich einen' tiefen Eindruck ■auf das Jugendliehe 'Gemüt, und es ist unzweifelhaft, daß ׳jüdische!Kinder dem heidnischen ׳Ideal der ׳Gymnastik und :Körperkultur verfallen, wenn sie die schönsten■ Jahre ihrer Jugend in Schulen ׳verbringen, ,wo 'jetzt die Jugend, von jedem religiösen!!׳deal befreit, nach heidnischem!Muster der ׳Anbetung des!Körpers erzogen wird.!Kaum 'hatte ich in solchen trübeiT!Gedanken befangen den Weg zurück zur Stadt eingesc'hlagen, als ■ich in ■der iLeopoldstadt. ׳die regen ׳Vo׳r־ bereitungen sah, die für •die sonntägige!Fronleichnams- Prozession gemacht wurden. An diesen Vorbereitungen■ und erst recht an dem sonntägigen ׳Umgang 'konnte man die Anstrengungen der!katholischen 'Welt beobachten, wie sie um die Seele ׳der 'Gläubigen schon, irn Kindcsalfer ringt. Ic'h habe da wiederum IKindersc'baren in schönen ׳weißen׳!Klieildern gesehen!, ׳die michlt ,verfehlten, ׳auf den Beobachter einen tiefen׳ Eindruck ׳zu machen, und da mußte ich ■mir wiederum ׳denken, morgen ׳werden diese begeisterten Schulkinder in ■der •Klasse ihren!jüdischen!Karneraden und!Kameradinnen ■von den ׳Mysterien und ,Schönheiten einer Prozession erzählen. •Da erbarmte mir •das zarte jüdische ■Schulkind, das vou seinen Eltern unüberlegt und unverantwortlich hineingestoßen wird in ■den!Kampf der Weltauschauungen. ■der •die zwischen! modernnem ,Heldentum und gläubigem Christ enitium! in׳ den׳!öffentlichen׳ Schulen ausgefochten wird. )Das ׳jüdische 'Schulkind, von!beiden Parteien in!Mitleidenschaft gezogen, muß so an seiner jüdischen!Seele Schaden erleiden, einen ■Schaden, den kein Religionslehrer ■und keine Synagoge Ije wettmac'hen kann. D a s jüdische Kind ,k ׳a ,11 n 'f ti r d a s J u den! u m!111 r i 11 e 1 n e r j ü d 1 s c ih e n 'Schule erzogen werden. ׳Und da habe ich mich gewundert, als ich, auf meiner Wanderung bei der T a i m u d - T h o ra-Vol k su!1 d 1H a u p t s c h u 1 e, ■LI., 1M alzgasse 16, angelangt, die Auskunft erhielt, 'daß •nur 300!Kinder, JCna'ben ■und Mädchen, diese einzige ,jüdische Volks- ,und ׳Hauptschule besuchen. Wo sind ■denn ׳die vielen tausend orthodoxen Juden, die in ׳der Leopoldstadt massiert leben? Wo ist die stolze ■S c'h i f f s c'hu'1, ׳die tausende orthodoxe Juden zu ihren :Mitgliedern zählt? Wo sind Ihre!Führer und Raibbiner, die es zulassen, die ■es ■dulden, daß ׳der ,Nachwuchs, die Kinder!ihrer ■Mitglieder, schon im zartesten Alter in ׳die Gefahrenzone der heidnischen Körperkulturpropaganda und ■der katholischen ■Mission 'hineingedrängt werden? Oder sind ,vielleicht auch ,diese vielgerühmten orthodoxen Juden •Anhänger einer modernen Ehe, die kinderlos 'ist? Nicht mehr ׳als 300!Kinder stellt diese stolze und tiefgläubige ,Orthodoxie in Wien der jüdischen Schule, welche' diese Kinder zu religiösen Juden, ׳zu selbstbewußten Trägern ׳der!großen 'jüdischen Tradition erziehen ׳könnte. Rätsel über!Rätsel, ein orthodoxes!Problem, dessen Lösung mir trotz eifrigen iSuc'hens nicht ,gelungen ist. im. Das tägliche Brot.!Schlecht ist' es!bestellt ■um ׳das*, geistige Brot der Wiener ,jüdischen 'Schuljugend, resümierte ic'h.!Gut, daß wenigstens■ ifiür das leHblliche!Brot!besser gesorgt ist•!In der :Leopofdstaidt, wo ■die verschiedensten Lebensmittelgeschä'fte. unter ■den ,verschiedensten!Reklametafeln die ׳allenverschiedenste ,Aufsicht ׳der noch verschiedeneren Rabbinate ankündigen, glaubt ■man, auf dem ersten ׳Blick zumindest, daß hier für ■das 'Judentum, soweit es als ׳Religion des!Magens in Betracht 'kommt, reichlich gesorgt ist. Es mag schon sein, daß Fleisch. ,Milch. Butter und •Käse, Schokoladen und Zuckerbäckereren1 in jeder .Qualität ri- ■׳tuelfer!Aufsicht1 und im leider Quantität!zm haben׳ sind. Mich■ interessierte aber ■das Primitivste, das Allgemeine, d a s tägliche Brot, das tägliche!Brot, das irn Judentum solch bevorzugte Ausnähmsstellung genießt. Einst im jiidisehen Laude knüpften sich die sozialen ■Abgaben für die Be- ■sitzlosen und Entrechteten des Glückes und für die Priester »und Leviten an die Landwirtschaft und den Getreidebau. Die 5tt6iejüöt$c1j2$ctyule 190£Jks 4t.2ßauphcäu&furjfätaße/b *und ffiädc&ai mdOfeni&MedsreeAt _H. Wlakgasse, 16 Zehnt- und ׳Priester'hebe :(iMaasser und Trumor) betrafen das ׳Getreide in den!Kornkammern, und als das Mahl'produ'kl I1״ Haushalt zu ׳Brot verarbeitet werden sollte, da hatte die jüdische ׳Hausfrau noch eine Abgabe •vom Erstling ihres Teiges an den Priester zu geben ׳(die ■Cbaloh), eine Vor- Schrift, die. ׳bis zum heutigen Tage :geübt, das 'Brot zum Gegenstand der religiösen Weihe macht. Vor dem Brotgenuß wäscht der Jude seine (Hände ,und!bevor er den ersten Bissen zum!Munde führt, dankt •er mit eiinem speziellen ,Segensspruch dem, der ׳uns das alltägliche Brot bereitet.!Bei dieser religiösen ,Bedeutung des täglichen Brotes,!bei der noch!heute überall1 geltenden Vorschrift der Chalo'h, ist es nur selbstverständlich, daß der religiöse Jude sehr genau auf die ,,Herkunft des Brotes achtet. Ich möchte noch nebst dieser religiösen Seite des!Brotes,auch seine volkswirtschaftliche Bedeutung hervorheben. Würden die Juden, zunächst aber die religiösen Juden, ׳nur jüdisches noch •dazu nur ׳in rituell! einwandfreien Betrieben ׳hergestelltes jüdisches Brot!genießen, so könnten viele!hunderte Juden lim iBäc'kergewerbe bei IHei'lig'haltung des Sabbattages ihr!Brot finden. 'Und da mußte ioh viele ,Backstuben und!Bäckereien! in dem judenlreichsten zweiten Wiener Gemeindebezirk, dem!Hauptsitz der Orthodoxie, ׳und in der Brigittenau, wo nicht ׳weniger und nicht minder orthodoxe Juden :leben, passieren, ohne daß icih nur eine einzige jüdische Bäckerei• ׳unter ׳Aufsicht eines Ra'blbinates hätte finden ,können. ׳Sehon ׳wallte ieh meine ergebnislose 'Wänderung auifgeben, ׳als rnlir Kolporteure ein Flugblatt in die Hand drückten, in ׳welchem die ׳Eröffnung einer!koscheren Damp'Sbädkerei unter ׳Aufsicht des ehrwürdigen iRalbibinätes der Adas Jisroel angekündigt wird.!Dieses Flugblatt führte mich ,in ■die!Große 1Schiffgasse und ,da- ,habe ich ׳nun noch eine seit Jahren 'bestehende ,koschere ׳Bäckerei•, ebenfalls unter der Aufsicht des Ra'bbinates■ der Adas •Jisroel, entdeckt. Also ■zwei׳, vielleicht wird sich •noch •eine dritte in irgend einem versteckten ׳Gäßchen der Leopoldstadt finden. Aber verwundert griff ich an meinen!Kopf. ׳Ist das möglich, zwei ■verhältnismäßig klelftie Betriebe müssen einen schweren!Existenzkampf!'führen, ln einem ׳Ort, w0׳ tausende' und tausende orthodoxer jüdischer Familien ׳ massiert au'f einem ver'hältnis'mäßig kleinen!Gebiet ■zusammenieiben. tausende ׳und tausende religiöse Familien, die für ׳das tägliche 1B r 0 t, für jüdisches IBrot, nach religiöser Vorschrift einwandfrei hergestellt, sorgen müßten? Hier stimmt etwas ■nicht! Rätsel über Rätsel, ein :zweites orthodoxes!Problem, dessen ,Lösung mir trotz eifrigem!Suchen nicht gelang. _ ll-Millionen-Etat der Berliner jüdischen Gemeinde. Sitzung der Repräsenitantenviersammlung.!Der Etat 'de׳r 'Eierlliner jüdischen׳ ׳Gemeinde •schließt in Einnahmen ׳und Ausgaben■ ■alb!mit ■RIM. 111,026.000 ׳g,eigenüber )knapp RIM. 10,000.000 im ׳Etatjahr! 1928.!Der ,Steuereinig,ang über traf im ׳letzten Etatjahr den! Voranschlag;von RIM. 6500.000',׳ um eine halbe׳ ׳Milio.n1 'Reichsmark. 'Aln. ׳pos:itiven׳ Leistungein!der!G׳e׳mein)dev sind׳ izu buchen׳: Bau der beiden. ne׳ue׳n Synagogen׳!und ׳dies .Altersheims. Uelber,nähme des Friedens-!und des 'GriUinewaldteimipels ׳sowie! ■von! Tarnpeiln 'der Vorortgeimeindem, ■Berufung׳ ׳bedeutender!Rabbiner •und!Kantoren, Ausgestaltung des iGemeindeblattes. Schulihausirreüb.au, Ausgestaltung ■der ׳jüdischen ׳Volksschule, der Bibliotheken und!besonders!der ׳jetzt i׳m!me׳r mehr bekannt werdenden ׳Kunstsaimindiung, Gründung des statistischen Büros!, Reorganisation des Kias'cbrutlh-Wesens. Errichtung dc^Beth-'Din׳, U׳mumid׳ Aus!g׳esta׳ltu!n׳g!des Wohilfahrts- und Jugendamtes!, Gründung eines ,Ledigenheims. Uelb er nähme der Arbeiten und ,Aufgaben ׳zahlreicher Prlvatorgainisationen und!günstige Gra1n1d;stüc)klkäulfe. ׳Die Röntgeneinrichtunisr i!m Krankenhaus entspricht jetizt!dem׳ neuesten ■Stände der Röntgenologie. Oie Besoildungsiverhältnisse der Gemeindeangesteillten sind!jetzt i!n ,zufriedenst eile nid e׳r, großzügiger ׳Weise gereigielt. 'Motto ider iGemelndearbeiti ist, führte ׳der Vorsitzende Kareski aius, Sparsamkeit in der Verwaltung, Vermeidung uinprodhlktiver Aiisgaiben1, aber E i n s e tizu 11 g aller Kräfte ׳für die Aufbauarb'eit um Judentum! 1Z׳u ׳lösen bleibt ■das s c h׳ w e׳r e P r 01b .1 e,m d׳ e r r e׳l!׳g i ö -s׳ e!n Indiiffer e n!,z v 0:m e tüwa '50 P׳r 0׳z e nt der!Berliner Juden-, die Behebung der jüdischen Bildungsmängel der Jugend, die Errichtung eines Tubertkulosenheims. Sdhiullbauten, - Syuagoigenrenovieruinigen׳, IBau eines 1Gemei.n(de•- hamses und eines ׳zweiten iHosipitials. Der Kreis ׳der: Mitarlb/eiter hm ■Ehrendienst1 ■de/r 1Gemeinde!muß wachsen.!Das Ziel ׳aller Arbeit bleibt: D!ie Lösung der jüdischen Aufgaben unserer!Generation■! : Die Schuldebatte.!Besonders ׳Interessant war ׳die!Schuldelbatte. Klee (Zionist) sagt:: 11 n! der Schulpolitik müssen wi׳r uns ,die ״Ada׳ss Jis׳roe׳ll '(■die orthodoxe Gemeinde) •z u m V 0 r lb i 1׳ d m a c b׳e ׳n. Ein jüdisches Schulnetz ׳ist ׳zu ,schaffen. ׳Dr. Kollcrscher (,Gemeindevorsteher) -begründet• die Sclbulpiolitiik des Vorstandes.!Nach1 ׳derr drohenden Aufilösiurilg •der׳ bei'dein Ge-meimde-iMittelschnlen infolge de!r veränderten a 1,1geimeinen: Schulsitanation bedeuteten׳ ׳die Volkssebiilgriiiiidniigea eine ׳Lelbensnotl Wendigkeit für •Scihiiil- System und Aufbau der Gemeinde. ■Rabb. Dr. Weiße .(Religiöse >M׳it'te.!!Partei) ,wünscht eine!positive Schulpolitik. Jede Synagoge muß eine )besondere, an»!Salblbat-!und Fest- ■tagen offen .zu haltende Bibliothek!und!Lesehalle haben. Moritz A. Loöb ׳(;konserivativ) tritt der Auffassung entgegen, als •vermittle eine!jüdische Schule weniger!allgemeines Kulturgut als andere Schulen. Schwere antijüdische Ausschreitungen in Lemberg. In!Lemberg, der Hauptstadt Ostgaliziens, die nach dem •Kriege der Schauplatz eines ■der furchtbarsten Judenprogrome der Weltgeschichte gewesen ■ist, kam es am 3. Juni zu schweren ׳antijüdischen Ausschreitungen, ■die ihren Ausgangspunkt darin hatten, daß antisemitische Provokateure Gerüchte verbreiteten, die Juden hätten •die kathoUsehe Religion geschmäht, indem sie aus den Fenstern ihrer Wohnungen Steine auf ■eine■ katholische Prozession geworfen ,haben. Es hieß auch, daß die Schüler des jüdischen Gymnasiums in der Z y g mu 111 0 w s k a - G a s s c die Prozession mit einem Hagel von Ziegelsteinen überschütteten. Die nationalistisch-antisemitischen Zeitungen gaben diese Gerüchte als Tatsachen wieder und forderten die Bevölkerung auf, Genugtuung zu verlangen. Daraufhin demonstrierten große Gruppen nationalistischer polnischer Studenten in den Straßen, mißhandelten jüdische Passanten, 1 1 Neu eröffne«! 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Der katholische Geistliche Rakioki. der die Fronleiohnamsprozession geführt .׳hat, von ,der der Anstoß zu den mehrtägigen antisemitischen Ausschreitungen ausgegangen ist,!hat bei seiner Vernehmung •durch die Untersuchungsbebörden erklärt, er habe während ׳des Vorbei- Ziehens ■der Prcizessiou ׳an׳ ■dem jüdischen!Gymnasium nichts davon gemerkt, daß •ein jüdischer Schüler oder eine Schülerin die Prozession verhöhnt ׳hätten oder ■daß von irgendwo Steine ׳gegen, die Teilnehmer!geschleudert worden wären. Es entstand •an jener Stelle eine gewisse׳ ,Unordnung und Stockung im Zuge, die ihre!Ursache darin hatte, daß ,eine Teilnehmerin infolge des Gedränges in Ohnmacht fiel. Dieser Vorfall!hatte eine •nervöse Stimmung ausgelöst, die wohl zur Entstehung von falschen Auslegungen-und allerlei Gerüchten den Anstoß gegeben haben mag. Trotz der Klarstellung des Sachverhaltes, trotz der Maßnahmen der Behörde, geht die Hetze weiter. •Die nationalistischen Zeitungen in Lemberg und Warschau' fahren •in der Verbreitaing aufhetzender ,Legenden über ״jüdische Provokationen“ fort. Die!Behörden werden aufgefordert, die.ver-• :hafteten Studenten sofort in •Freiheit •zu setzen und!die für die Verhaftung verantwortlichen Beamten abzusetzen. In Warschau versuchten ■die nationalistischen Studen- ■ten, ■die sich ■mit ihren!Lemberger Kollegen ■solidarisch erklärten, Straßendemonstrationen zu veranstalten, mit der Absicht, diese!in antijüdische Demonstrationen ausarten zu lassen. ,Die gesamte Warschauer ,Polizei wurde aufge- - ■boten, um die ׳Demonstrationen zu verhindern. Nachrichten An unsere Freunde! Der diesmaligen Ausgabe ■unseres (Blattes ■liegen Werbeprospekte .für die 2. Kenessio Gedaulo. bei. ,Unsere Freunde werden gebeten, die Prospekte an ausländische Verwandte oder Bekannte zu schicken mit der!herzlichen Einladung, ■die •Zeit vom 10. ׳bis 17. Septem- ■ber 1929 in Wien zu verbringen. Jeder teile seinen!Urlaub so ein, daß er die letzte Urlaubswoche, die Zeit vom 5. bis 12. EUiI der Kenessio Kedaulo widmen kann. Die 2. •Kenessio Gedaulo wird eine große Manifesta- ,tion des orthodoxen Judentums werden, wenn-jeder orthodoxe Jude seine Pflicht erfüllt. Gedächtnisfeier für Rabb. Dr. S. Funk. Mittwoch, den 19. dieses (11. Siwan), um 7 Uhr abends, findet im Tempel, II.. Pazmauiteugasse 6, eine Gedächtnisfeier anläßlich des ersten Jghrzeitstages Seiner lEhrwiirden Herrn Rabbiner Dr. Salomon Funk s. A. statt. Del* Weltverband jüdischer Frauen und die Aguda. iln den Referaten über Agunoth-Fragen wurde angeregt, der im Herbst •in Wien zusammentretenden Weltkonferenz der Agudas Jisroel (Kenessio Gedaulo) eine Resolution zu unterbreiten, irr ■der die Führer des orthodoxen Judemtu.ms und ■die rabb'itiisclien Autoritäten er- ,sucht werden, sich der Lösung dieser so viele tausende Frauen in ihrem Innersten berührenden, Fragen zuzuwenden. Religionskrieg in Minsk. (J. T. A.) Die Zeitungen berichten über einen ״Religionskrieg־“, der in Minsk ausgebrochen ist und an dem sich mehr als 350 Juden beteiligten. Ein jüdischer Witwer namens Simclia Gruschke heiratete eine Christliehe Frau und wollte mit ihr und seinen zwei Kindern aus erster Ehe nach ßiro-Bidschan fahren. ■Die Kinder weigerten sicli aber, mit ihrer christlichen Stiefmutter die Reise anzutreten. Als der Vater und die Stiefmutter die Kinder zwingen wollten, mit ihnen zu reisen, versammelten sich etwa 350 Juden vor dem Hause und nahmen für die Kinder Partei, ln der Wohnung von Gruschke wurden die Scheiben eingcsehlagen, Grüschkes Frau soll von der Menge mißhandelt worden sein. Schließlich vertrieb Polizei die Menge und verhaftete mehrere der Demonstranten. Die Minsker jiddischkommunistische Zeitung ״Oktiabr“ spricht von einem organisierten Aufstand der ״Klekodesch“ (religiöse Funktionäre). Der Krieg gegen den Sakbath. (J. T. A.) Die einst von Jca in Dubrownc, Kreis Orsehe, für Juden begründete Fabrik, an der gegenwärtig׳ auch 55 Prozent christliche Arbeiter beschäftigt sind, hat den Dienstag statt des Sabbat als Ruhetag der Woche eingeführt. Den gleichen Beschluß faßte die Produktionsgenossenschaft der Schneider in Dubrownc, die 40 jüdische Arbeiter zählt. Diese Beschlüsse sind eine Folge der erneuerten antireligiösen Kampagne. Kaukasische jüdische Arbeiter der Fabrik ״Trikotaschnik“ in Macluitsch-Kala, der Hauptstadt von Daghestan, haben beschlossen, den Freitag statt des. Sonnabend als Woche-Ruhetag־ zu feiern. 19