Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 15 (1929)
- Issue
- 23 (7.6.1929)
- Date
- 1929-06-07
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2629891-2630294-2630316--3333-2635316- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
JÜDISCHE PRESSE Seite 2 b ‘'ff IK Portorose bei Triest Pension Rubinstein Einzig rituelles Haus am Plätze. Neben Kuranstalt und Strand. Bekannt erstklassige Verpflegung und freundliche Bedienung. Mäßige Preise. Prospekte auf Verlangen. Uin den § 4. Ein Epilog zum Leipziger Delegiertentag der deutschen Landesorganisation der Agudas Jisroel von Dr. S a 1 o in o n Elirman n (Frankfurt a. M.).;Wie bereits der agudistischen Oeffentlichkeit mitgeteilt, hat der Leipziger Delegiertentag der deutschen Landesorganisation der Agudas Jisroel bezüglich des § 4 folgende Resolution beschlossen: > ״Der Leipziger Delegiertentag der Deutschen Landesorganisation der A. J. ist der Ueberzeugung, daß eine Revision der Satzungen der Weltorganisation zu den wesentlichen Aufgaben der kommenden O. K. G. gehört. Die Bestimmungen des § 4 über die Wählbarkeit in die zentralen Verwaltungsorgane der A. J. entsprechen, in der Auslegung, die sie gefunden haben, weder dem Wesen,, noch dem Zwecke einer Golus-Organisation im Dienste der Gesamtheit des thoratreuen jüdischen Volkes. Die Beseitigung dieser Bestimmungen durch die K. G. erscheint dem Delegiertentag als Notwendigkeit für die Erhaltung und Erweiterung der gesamten Aguda, insbesondere aber der deutschen Landesorganisation. Der Delegiertentag empfiehlt die Abänderung von ß 4, Abg. 3 und 4 in dem Sinne, daß die Wählbarkeit aller Agudisten gesichert wird, die den Anforderungen des § 4, Abs. 2, entsprechen und von denen die gewissenhafte Wahrung der Selbständigkeit der Agudas Jisroel zu erwarten ist.“ Es war mir leider nicht möglich, bei der Abstirrimutig über diesen Antrag mitanwesend zu sein und möchte mir deshalb gestatten, in Form einer am Delegiertentag nicht gehaltenen Rede das zum Ausdrucke zu bringen, was — wenn es nicht gesagt würde — einen falschen Eindruck erwecken könnte, als ob nunmehr in der Tat eine einmütige Willenskundgebung der deutschen Aguda hier vorlicgen würde. Meine diesbezüglichen Ausführungen hätte ich etwa in folgender Form vorgebracht: Verehrte Delegierte! Das hohe Niveau der Diskussion beweist, welchen Ernst und welcjhc Bedeutung Sie dem Fragenkomplex beimessen, welcher mit dem ,§ 4 verknüpft ist. Leider entspricht die Besetzung dieses Delegiertentages keineswegs der Bedeutung, welche Ihrer Ent- Scheidung — möge sie ausfallen wie immer — innewohnt. Es ist Ihnen bekannt, daß der § 9 der Statuten unserer Landesorganisation verlangt, daß der Rabbinische Landesrat nicht nur über ״alle mit den Bestimmungen der Thora unmittelbar oder mittelbar zusammenhängenden Fragen der Landesorganisation zu entscheiden hat, sondern daß er auch über alle ihre Geschäfte fortlaufend in Kenntnis zu halten ist, so daß er Gelegenheit hat, auftauK eilende Fragen aus eigener Initiative zur Entscheidung zu bringen“. Leider ist aber kein Mitglied des Rabb i n i s c h e n Rates hier anwesend. Der, Vorsitzende 1111serer Landesorganisation, selber Mitglied des Rabbinischen Rates, hat uns sein Bedauern ausdriieken lassen, daß er gezwungen war, wegen Amtspflichten der heutigen Sitzung fernzubleiben. Von den 83 Rabbinern der deutschen A.J. sind zurzeit nur vier a 11 w e s e n d. Dieser Umstand allein dürfte meines Erachtens zwingende Veranlassung dazu geben, alle Beschlüsse, die Sie fassen, lediglich dahin zu formulieren, daß der Delegiertentag den Rabbiuischen Rat ersucht, Stellung zu diesen Beschlüssen zu nehmeu und,/־f;a l ts er sie billigt, sie dem G. A. weiterziigeben. f Eine endgültige Stellungnahme in dieser Frage, ohne den Rabbinischen Landesrat gehöft zu haben, scheint mir mit den Statuten der Landesorganisation unvereinbar. Ein zweites, rein formales Moment liegt in dem Umstand daß Vön den 116 Ortsgruppen* welche die A.J. in Deutschland umschließt, hier lediglich 9 Ortsgruppen durch Delegierte vertreten sind. Die stimmberechtigten Mitglieder der Delegiertenversammlung sind laut § 7 unserer Statuten: a) die von den Ortsgruppen gewählten Delegierten; die anwesenden Delegierten betragen 14; b) die Mitglieder des Vorstandes der Landesorganisation, von denen vier anwesend sind; c) die in Deutschland wohnhaften Mitglieder des G. A., von denen zwei anwesend sind, die bereits erklärt haben, daß sie sich der Abstimmung enthalten. Ich frage Sie nun, meine sehr verehrten Herren, ob Sie bei dieser nüchternen Betrachtung eines Delegiertentages —• beschickt von neun Ortsgruppen mit vierzehn Vertretern in Abwesenheit des Rabbinischen Rates und fast sämtlicher der Landesorganisation angehörigen Rabbiner — es für praktisch halten, Entscheidungen von der Bedeutung, wie Sie sie hier haben, zu fällen, oder ob Sie nicht vielmehr befürchten, durch eine Annahme in Hurra- Stimmung Ihre Beschlüsse selbst der Würde und Resona,nz zu berauben, welche von den Beschlüssen einer deutschen Landesorganisation erwartet werden können, die vor der Kenessio Geclaulp tagt. Hielten Sie es nicht für viel richtiger, wenn Sie ihre Kundgebung nicht als B (?י Schlüsse, sondern zur P r it f u 11 g den einzelnen Ortsgruppen empfehlen würden, damit diese dann bei richtiger Besetzung dazu Stellung nehmen? Ich weiß sehr wohl-, daß mau mir erwidern kann; ja, wir haben auf Grund der Statuten das Recht, alle Beschlüsse zu fassen. Ich׳ meine aber, es kommt hier nicht auf die statutarischen Be- Stimmungen an, sondern darauf, das Leben in den Ortsgruppen zu wecken und die wirkliche Meinung der ge-; samten deutschen Aguda zu fördern. Ich weiß nicht, iu<- wieweit die Wahlen für diesen Delegiertentag in den ein׳- zelnen Ortsgruppen unter den Gesichtspunkten vorgenommen wurden, die heute clen Delegiertentag beschäftigen. Ich kann nur von meiner Ortsgruppe berichten, die ziip fällig die größte Deutschlands ist, die Frankfurter; in ihr wurden 7 Delegierte für den heutigen Tag gewählt. Die Wahl wurde vorgenomtnen von 12 Wählern. Wenn eine nämliche Wahlbeteiligung in den anderen Ortsgruppen' stattgefunden hat, dann bitte ich Sie, doch nicht den Zufall ihrer Wahl dazu aufczunitutzen, ,um schwer^ wiegende Beschlüsse von größter Tragweite heute zu fassen. Soviel zur formalen Seite. 'Was aber die sachliche Seite anlangt, so bedaure ich, der Resolution nicht zustimmen zu können, denn sie birgt in sich alle Keime des Widerspruchs. Würde nur der Absatz 3 von Ihnen angenommen werden, so wäre zwar auch keine größere Klarheit geschaffen, als sie heute der § 4 gibt. Aber immerhin, wäre damit .nichts präjucliziert und der status quo nicht .aufgehoben. Es bestünde für beide Richtungen — wie Herr Rosenheim, als er n; ur diesen 3. Absatz ,empfahl, ausführte — die Möglichkeit, ihre Ansichten in den Absatz 3 hinein zu Einziges streng orth. -^-RESTAURANT IN HLOHOVEC Bei Fried, im Hofe neben dem Tempel. — Ab 1. Juni HEONRBCH GRÜN Schwiegersohn des Herrn Rabb. Lebovics in Bratislava Im Winkel. Zwischen dem Schwechabbach und ׳der Triesting, da wo die ׳Aspangbahn allmählich aus dem Wiener;Becken dem!Steiiifekl zustrebt, liegt eih mir •durch wenige industrielile Anlagen! umterlbrooheneis!Gebiet grüner Parks und saftiger' Wiesen. Das Steinfeld, dieser ungeheure Gerölla!blag׳orung׳s:platz ׳der i!m 'Hintergründe schon •deutlich sichtbaren ■Alpenräesen macht sich in der Bodenbeschaffenheit noch nicht geltend und noch winken im . Westen Anninger und Eisernes■ Tor mit 'den zu •ihren Füßen hi »•gelagerten Kurorten Baden und Vösl'au!herüber. Und •in diesem trotzder ׳Nähe Wiens! ziemlich .unbekannten Winkel Nieder- Österreichs sind es •fünf Orte, die, wenn auch ׳vorerst mir aus einem!rein äußerlichen Grunde meine Aufmerksamkeit erregen.!Ihre •Namen beginnen eigentümlicherwi.se durchwegs mit dem!Buchstaben T u!tvd cs lag nahe, hier nicht bloßen Zufall, sondern ein geologisches oder ׳philologisches, wo nicht gar ein ethnologisch-psychologisches Gesetz zu vermuten, dem ׳es zu z tisch reihe 11■ wäre, •daß gerade in diesem südlichen Winkel des Wiener Beckens Ortsnamen wie Tuttendorf und Teesdori. Traiskircheu, Tribuswinkel!und Trumau ׳entstanden. Bei■ eingehender Beschäftigung mit den Geschicken dieser Orte findet mau. daß sie. so sehr sie heute von der großen Heerstraße ׳abseits liegen, doch .unendlich viel .interessantes Geschichtsdetail aufweisen. Teesdof. wo .im Zuge der ׳Industrialisierung der W.ie.mer Umgebung e׳i!11 Freiherr v. .Ponthon i'm Jahre 1802 eine Baumwollspinnerei errichtete, ist eine uralte Siedlung. Der Name dieses Ortes wird vom keltischen ״tees“, das eine Hirteusiedlung bezeichnet, abgeleitet und gleich vielen anderen Orten •der Gegend, die aus wirtschaftlichen oder klimatischen .Gründen oder auch infolge!von Kriegsereiguisscn von ihren - Einwohnern verlassen worden waren, war auch Teesdorf später, im 16. Jahrhundert. von!Kroaten!bewohnt. :Sogar .die Pfarrer waren!mitunter!Kroaten und •nur!langsam wurden diese Orte wieder rein deutsch. i'Das Teesdorf .am nächsten׳ liegende Tuttendorf, das!schon zu •Beginn •des 12. Jahrluinderts als Tatindorf ■bekannt war, befand sich viele Jahrhunderte hindurch im Besitze des Stiftes Klosterneuburg und besitzt ebenfalls eine vor genau hundert Jahren errichtete Spinnfabrik. Dagegen war •das etwas weiter nördlich gelegene Trumau. das ursprünglich keltisch Drumarn und später Drumcnau geheißen hatte, schon im Jahre 1138 Eigentum des Stiftes Heifigetikrcuz und auch heute noch befindet sich dort ein Meierhof der Zisterzienser. Im 15. Jahrhundert wurde Trum au von ungarischen׳!Banden׳ geplündert und er׳st im 16. Jahrhundert durch Kroaten neu besiedelt. Was aber Trumau für uns besonders bemerkeswerfc macht׳, ist der Umstand, daß es vielleicht der einzige Ort in Nieder- Österreich ist, in dem Juden nach ihrer Vertreibung aus dem ganzen Lande, die im Jahre 1670 erfolgte,' Unterkunft fanden. Wlir wissen nicht, wann dieser Aufenthalt von Juden in Truinau begann und wieviele Familien es waren, die da unter dem Schutze der geistlichen Herren •des Ortes ■lebten. Sicher ist nur, daß diese Juden von Traum au •aus in der!Gegend .ihre alten Handelsbeziehungen weiter äusniitzten und auch i׳m nahen Baden den eingesessenen Kamille Uten Konlkurreniz!machten. Und so!kam •es, daß ׳auf ׳'Besch׳werden dieser (Badener 'Hand01s׳l׳eu׳te hin am 10. Dezember 1709׳ dem Stifte!Heiligenkreuz von Kaiser .,Josef 1. befohlen wurde, die Juden aus Trumau abzuschaffen. ׳Der vierte unter den Orten, ׳mit ׳denen wiir uns heute beschäftigen, ist •das westlich von Truinau gelegene Traisik'ircheni, das, an einem '!wichtigen! Punkte •der׳ alten Römer-Straße gelegen, im 15. Jahrhundert Baden an ׳Bedeutung weit überragte und schon längst!Marktrecht besaß, als ׳Baden noch ein unbedeutendes ׳Dorf war. ■Da ist es denn auch kein Wunder, ■daß, während in Baden im. Mittelalter von Juden keine Spur zu finden ist, ׳in Traiskircheti im 14. und 15. Jahrhundert eine bedeutende Judengemeinde bestand, die ihre eigenen Judenriclater hatte, und daß ein Jude ׳n׳am׳enls;Rachem ivon Traiskircheu! '(•damals Dreskirchen) im Jahre 1414 als Einnehmer der österreichischen Judensteuern genannt wird. Eine Mühle außerivailb des Or׳te־s!heißt •noch ׳heute ..Jndenmiihle“. da sich -in!ihrer Nähe der ״Judensteg“ und der ״Judenweg“ •befinden, die die Juden, vielleicht aus Truinau kommend, einst auf ihrer Wanderung nach Baden passiert haben mochten. ln engster Nachbarschaft Traiskirchens aber liegt ■schließlich. u.ur!mehr eine halbe •Stunde von Baden! entfernt Tribuswiukel. Nach der Anschauung einiger For-, scher ist der Name dieses Ortes, der früher Tribanswinchel und Tribeswinkel lautete, auf •das slavisohe trib d. 11. Dorf zurückzuführen. Jedenfalls ׳ist der Ort uralt‘ und da er im Volksmuude ׳auch heute noch oft nur kurz; ״Winkel“ genannt w.jrd, ist es nicht ausgeschlossen, daß er •das in der ״Wiener Geserah“ genannte Winkl ist; Sicher• ist, daß .Im 17. Jahrhundert vierzehn jüdische׳ Fa-, milien, für jene Zeit also ׳eine ganz ansehnliche Judengemeinde, in Tribuswinkel ansässig waren, die im Seligerhof und ■in ׳der W׳assergas׳se. die. •noch heute im Volksnaiuid ״Judengasse“ heißt, wohnten. Am ״Sengcrhof“, an dem noch jetzt der Eingang zur Synagoge erhalten ist, ließ gelegentlich ׳einer Renovierung im Jahre 1926 der feinsinnige Kenner-der Or&sgeschichte.!Lehrer Hermann, einen David-Schild! zur Erinnerung anbringen amid diesem Herrn •verdanken wir auch den ersten Gräbst ei■11 f und aus dem in einer Au 'bei Tribuswiukel •befindlichen Judenfriedhof. Der Stein befindet sich — vielleicht schon seit dem Jahre 1670 — in •einem Tribuswinkler Bauernhause und sollte eigentlich im nächstgelegeueu jüdischen Friedhofe, also;in Baden zur Auf Stellung׳ gebracht werden. Vor- 1läufig wird er allerdings von!seiner gegenwärtigen' Besitzeriri. die sich dabei natürlich über die ursprünglche Art •der Erwerbung dieses. ״Besitzes“ keine Gedanken macht; als eine Art glückbringender Talisman angesehen und so müssen wir uns damit begnügen, seine sehr schlecht erhaltene Inschrift hier festzuhalten. ם&ר SEIFE Mafkcb ALEFBETH mit des orth, Rabbinatsassessör^ Koäice, erzeugt ״POLIO“ FRIEDMANN & Co. SEIFEN- UND KKRZENFABftlK, K0S1CE interpretieren. Im Zusamme!1 ha 11 g m i t de rn v o rangehende*! Absatz aber stellt der 3. A bsatz eine Phrase dar. Der Absatz .2 erklärt, daß der Delegiertentag die bisherige Auslegung des § 4 beseiltigen wolle, und zwar im Interesse der gesamten Agudo wie iin besonderen Interesse der deutschen Landesorganisatiön. Bisher hat der § 4 zwei Auslegungen gefunden. Die eine: daß mau Misrachisteu nicht in die Zentralorgaue der A. J. wählen kann, die andere: daß man An^ genorige der Gemeindeorthodoxie, welche nicht der orthodoxen Gemeinde einer Stadt angeboren, und Misrachisten nicht in die zentralen Organe der A. J. wählen kann. Eine andere Auslegung kenne ich nicht. Es sind somit diese beiden Auslegungen von dem Delegiertentag abgglehnt worden. Es sollen somit auch Misrachisten und gesetzestreue Juden, welche nicht der selbständigen orthodoxen Gemeinde ihres Ortes angehören — nach Ansicht der deutschen Landesorganisation — in die zentralen OtJgane der Agudo gewählt werden können. ,,Wenn nun noch ein Absatz 3 davon spricht, daß man aber die gewissenhafte Wahrung der Selbständigkeit der A. J. von den zu Wählenden erwarten müsse, so kann das in keiner Weise etwas von dem zurücknehmen, was Absatz 2 besagt, sondern lediglich ausdrückeu, daß auch ein Misracliist oder ein Gemeindeorthodoxer dann in die Zentralstellen der Agudo gewählt werden könne, ,wenn er die Agudo selber nicht aus einer selbständigen Organisation! zu einer Fraktion einer neutralen jüdischen Gruppe.gestalt ten will. Im Zusammenhang mit Absatz 2 ist daher Absatz 3 für mich bedeutungslos. Ich bin überzeugt, daß jeder Unbefangene die Resolution in ihrer Gesamtheit als eine Aenderung des Kurses der Agudo betrachten wird und zwar in dein Sinne, daß nunmehr sowohl der Misrachist als auch der Gemeindeorthodoxe in die oberste Stelle der Agudo gelangen kann, wenn er nur die Selbständigkeit der Agudo selber nicht! preisgeben will.*) ln meiner Eigenschaft als Frankfurter Delegierte erblicke ich aber in dieser Konscuqenz eine gar nicht schwer genug zu veranschlagende Gefahr für die Ideologie der selbständigen orthodoxen Gemeinden. In dem Augenblick, in dem jemand Führer der Weltorthodoxie sein kann, ohne der orthodoxen Gemeinde seines Ortes anzugehören, muß diese selbständige orthodoxe Gemeinde, das ganze ihrer Selbständigkeit, als sinnlose graue Theorie erscheinen, Prinzip ihrer Selbständigkeit als sinnlose graue Theorie erscheinen die durch die orthodoxe Weltorganisation Lügen gestraft wird. Die Agudas Jisroel sollte eine Welt-Kehillo sein und jeder, der das Prinzip der Agudo anerkannt, sollte zugeben, daß das Ideal in der untersten Zelle des Klall Jisroel, der Gemeinde, die Souveränität der Thora ist. Er müßte seine Anerkennung für dieses Prinzip dadurch zum Ausdruck bringen, daß er dieser selbständigen Gemeinde — insoweit sie vorhanden ist—angehört. Wenn er dieses nicht tut und trotzdem Fiirer der A.J. wird, dann ist eben das ganze Prinzip der A. J., welches ״die durch die Thora konstituierte Einheit des jüdischen Volkes“ darstellen will, gefährdet. Also sowohl das Lebensinteresse der selbständigen orthodoxen Gemeinde wie dasjenige der Agudo, veranlassen mich, die Resolution abzulehnen. Abgesehen von den formalen Gründen, weshalb ich über,- haupt jede Beschlußfassung heute bei dieser Zusammen׳- *) Diese Auffassung wird durch die inzwischen erfolgten Veröffentlichungen der Jüdischen Telegraphen,-Agentur und des ״Jüdischen Wochenblattes“ vollauf bestätigt. פח ניטמן [איש ח1ם וישר כה״ר יצהס המכונה אייזק לפרט .. . יצחק לפיק. Da gerade das Clironostich (׳der ׳פרט sehr ,stark verwittert ist, läßt sich das Todesjahr des Jizchak Eisak nicht fcstste'Men. es ist aber ganz .sicher und wird •auch durch׳ ßuehstabenform und Stil •der Inschrift nicht widerlegt, daß •der 'Grabstein aus ׳dem 17. Jahrhundert ׳stammt. Im Jahre 1670 rnußen auch aus. Tribuswiukel — in manchen Urkunden auch ״Tr iibeswiinkhl“ geschrieben — alle Juden auswandern und es kann mit ziemlicher Sicherheit behauptet werden, daß sie sich nach dein nahegelegenen Ungarn wandten, da in den Gemeinden des heutigen Bürge 111 arides noch jetzt die Erinnerung an diese einstige Judenseimeiude •lebt •und' •die Vollksethrnologie dort den ׳Namen! des •Ortes in •.Anlehnung an die oben׳ gezeigten älteren Formen davon r!hieltet, daß die Juden ■ihn ein ״trübes Winkel“ genannt hätten. Man ging da sogar so weit, in dem זולת für den Sabbat vor dem Wochenfeste den Ausdruck לן 1 ל שעון מעיר auf Wien und ר ד ע ד ו לקרן אפלה aut Tribuswihkcl zu beziehen. Es ist aber, wie Instorisch feststeht, sicher, daß קרן אפלה in diesem Falle nicht die hebräische Uehersetzung unseres Ortsnamens Tribuswiukel, sondern der polemisch^ zugespitzte Gegensatz zu Clainnotit ist. wo sich die Kreuzfahrer vor dem ersten Kreuzzuge versammelten, lind daß dieses ׳Gebetstück, wie auch auf der aim ,Schlüsse angegebenem Datierung חמשי□ וששה rWhervorgeht, das. Jahr des ersten Kreuzzuges 4S56 (1096) und die Leiden der rheinischen Gemeinden im Auge hat. 111 kleinen Grenzen mag freilich Tribuswinkel׳ gleich allen anderen Orten ׳dieses Winkels ׳von 'Niederöstcrreioh ׳und noch!so vielen anderen nah und fern ein סרן אפלה gewesen sein. Die ■von mir vermuteten Gründe für •die Gleichheit des Anfangsbuchstabens dieser fünf Ortsnamen fand ׳ich im Laufe der Untersuchung zwar*' nicht •bestätigt, wohl aber habe ich viele andere •Dinge in diesem Erdenwinkel gefunden, die zu suchen ich gar nicht ausgezogen war. In Trumau sah ich das Schild eines Schneidermeisters namens Harbaiza!und. ׳an!!dieses Wort, •das an den׳ Ausdruck חרצבות ■in Psalm 73 lebhaft erinnert, mußte ich fortwährend denken, als ich einsam auf ׳der nach Traiskirchen führenden Straße dahinschritt. Vollständige Stille lag über den in der Mittagssonne leise bebenden Feldern und Wiesen •und da schien mir der ׳Boden von den . Qualen und Seufzern der Jud!engenerationen zuflüstern zu wollen, die hier ׳vor mir Jahrhunderte hindurch bis auf' meinten nun auch schon seit zwei Jahrzehnten im Garten Eden ruhenden Vater herabgewandert waren, und •dabei über die Berge dieses Horizonts hinaufblickten zu jenen Höhen, von denen sie immer ihr Heil erhofften. ' ־ L. M oh e si