Mannheim
Compact Memory

Jüdische Presse · 1929-05-31 · 22 (31.5.1929) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Presse
Volume
15 (1929)
Issue
22 (31.5.1929)
Date
1929-05-31
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2629891-2630294-2630315--3329-2635311
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Nr. 22 JÜDISCHE PRESSE Seite 3 vie da? ganze jüdische Gesamtheitsleben sich im Geiste jer Thora umgestalten müßte, wenn die gesamte orthojoxe Judenheit sich in Vertrauen auf die Führung durch1 jie Thoraautoritäten um die Standarte der Aguda unge- ׳imnt vereinigen würde. Herr B r a u n verdolmetscht den iui, der aus Anlaß der zweiten Kenessijoh Gedauloh an!er Gesamtheit der Jire Hascbem ergeht. Keiner Zeit vor ms habe es so sehr an innerer Sammlung der thoratreuen, (räfte gemangelt als der heutigen, und niemals war eine Aussprache und gegenseitige Beratung der Thöratreuen׳ ״ dem Maße nötig, wie heute. Die Kenessijoh Gedauloh st die einzige Stelle, wo Treue zu den alten Idealen! Subjekt und Objekt der Beratung und der Beschlußfassung :st. Inmitten der Begriffsverwirrung und der Begriffsverdunkclung unserer Zeit ist der absoluten jüdischen Wahrheit der Weg zu den Herzen abgeschnitten und sic{ können nicht die Parole zur grenzenlosen Opferbereitschaft,' zum Mcssiras Ncfesch, werden. Heute müsse an das Jiras Haschern der einzelnen Glieder der Gemeinschaft appelliert werden. Das vertrauende Beharrungsvermögen könne es nur sein, das abermals völlige Hingabe an die ererbten Ideale zu erwirken vermöchte. Die urjtidische i n t e 11 ig 0 n t e K'asse, die L o m d e Thor a, die schlichte unver- Jorbenc jüdische Masse, die begeistcrungsfähige ) n g e n d, aber auch die jüdischen Mütter und T ö c ht e r, allesamt müssen sie ihren Platz finden in der Aguda« arbeit, wenn nur als oberster Grundsatz erkannt wird, daß die Thora, und die Thora allein, den Rahme n, die Grenz, en und Formen dieser Mitarbeit bestimm*• Der Kenessijoh Gedauloh sei berufen, dieser großen, sammelnden und rahmengebenden Aufgabe gerecht zu werden, wenn alle Teile der orthodoxen Judenheit durch ihre Anteilnahme ihr dazu die praktische Möglichkeit geben!־ In einer gedankenreichen Schlußrede faßte der Präses1 der Aguda-Ortsgruppe, Herr Julius Herzog, den wesentliehen Inhalt der beiden Reden zusammen und dankte im Namen der Versammlung für die Aufforderung zur Pflichtcrfiillung, die dem heutigen Abend in erhebender Weise Nachdruck verliehen habe. Nach einem kurzen Besuch beim Oberrabbiner blieb ein engerer Kreis von Gesinnungsfreunden im gastfreundlichen Hause des Herrn Herzog hoch bis Mitternacht in ungezwungenem Gedankenaustausch beisammen, wo starke Vorsätze •zur Erweiterung der Agudatätigkeit in Nove Zamky gefaßt wurden. Die Schächtgegnerschaft des Interj nationalen Tierscimtzkongresses. 1 Ein Gespräch mit Rabbiner Dr. Esra Munk. I (J. T. A.) Bekanntlich hat der Internationale Tiera׳ sehufzkongreß. ׳der vor kurzem in Wien getagt hat. eine | Entschließung. angenommen, die ein Verbot des Schlachtens. •und des Schüchtens ohne vorangegangene 1Betäubung fordert. ■Der :Kongreß setzte sich dabei׳ über Wissenschaftiic’n fundierte Gutachten, die sich zugunsten des Schachtens atissprachen, kritiklos hinweg und׳ ließ sich auch sonst von Stimmungen treiben, die sich nicht allein gegen das jüdische Schächten, sondern gegen Judentum überhaupt kehrten. Auf Ersuchen des J. T. A.-Vertreters sprach sich Herr Dr. Esra Munk, der im Schächtschutz führend tätig ist, über den Verlauf des Kongresses und die!Bedeutung des. Kongreßbcschlusses sowie iiber die Wirkung des Kleiuscheu Films (mit Aufnahmen von Schlichtungen an sofort nach •dem 1Hallsschnitt entfesselten Tieren) ׳in der folgenden Weise aus: Ihre ׳Fragen beantworte ich auf Grund der übereinstimmenden (Berichte mehrerer Teilnehmer am Kongreß. Es war vorauszusehen, daß die ׳׳ungemein heftige Propaganda gegen das Schächten seitens der Tierschutzvereine auf dieser Tagung zu einer gegnerischen Entschließung führen würde, •Bei -den Kongreßverhandhingen hat sich herausgestellt, daß in ruhiger Besprechung eine sachlichere Beurteilung sogar in diesem Gremium möglich war. Denn in dem Ausschuß, der die Resolutionen vorbereiten sollte, wurde unter dein Vorsitz des französischen Delegierten, Maitre Lespine, auf dessen ■Anregung eine Entschließung gefaßt, nach welcher nur die Einführung!humanster Schlac'htimethoden (ohne eine Spitze gegen ׳das Schächten) gefordert werden sollte. Diese Formulierung war speziell mit Rücksicht auf das Schächten vor.geschfageir worden, da es •der französischen Auffassung nicht entspricht, altbewährte religiöse Traditionen׳ ohne weiteres als quantite ndgligable zu betrachten. Jedoch wurde in der Schluß- Sitzung, bei der sämtliche Anträge in rasender •Eile •durchgepeitscht wurden, ohne weiteres die schärfere, schächtgegnerische Berliner Fassung angenommen. Die Atmosphäre war von vornherein derartig geladen, daß man auch nur eine leise Andeutung zur Verteidigung •des Sch achtens nicht an hören wollten. Trotzdem hatten einige Veterinäre, also Fachleute ׳der!Praxis, den Mud sich wiederholt das Wort zu erkämpfen und in kurzen Sätzen das anzubringen, wa׳s die Wissenschaft׳ als wahr erkannt hat. Die, Versammelten zeigten aber nicht das Bestreben, die Ausführungen zur Kenntnis zu nehmen, und •das Präsidium war nicht objektiv genug, den Verteidigevn des Schlichtens dieselbe Redefreiheit einzuräumen wie den Schächtgcgueru. Schon bei der ersten Vorführung des Films vor dem Kr!ege ist ’festgestellt worden, daß die Schlachtungen überhaupt nicht von einem Juden vorgenominell worden waren, sondern von einem Metzger, der noch nie an einem ,lebenden Tiere geschachtet hatte und auch nicht fachmännisch ausgebi'ldet war. Zudem wurde ■ein Teil •der 11ere Im Stehen geschachtet, wodurch die Entblutung des Gehirns und •damit der Eintritt der Bewußtlosigkeit verzöge’rt wird. So wurde seinerzeit schon theoretisch •dieser Film als unmaßgeblich für die Resultate eines normalen Schächtschnittes erklärt. Inzwischen hat der Schlachthof- Direktor von Stettin. Dr׳. Basel, wiederholt ׳die Versuche des Herrn Dr. Klein nachgeprüft, aber unter Innehaltung der rituellen Vorschriften und unter Mithilfe eines geübten Schächters. Das Resultat war entgegengesetzt dem Film des Herrn Dr. Klein, obwohl auch Dr. Basel sofort nach dem Halsschnitt die Tiere hat entfesseln lassen. Kein T׳i׳er hat sich erhoben. So ist also auch experimentell der Film des Herrn Dr. Klein widerlegt worden. Gründung eines Verbandes sabbathaltender Kaufleute in Wien. Die im Zuge befindliche Neuregelung d e 1ן Sperrstunde für Lebensmittelhändler in Wien brachte wiederum eine schwere Beeinträchtigung der sabbathalten־ den Kaufleute dieser Branche mit sich. Die Sperrstunde für Samstag abend wurde mit S Uhr festgesetzt und diese Regelung hat praktisch zur Folge, daß die sabbat-, haltenden Kaufleute ihre Laden von Freitag Abend bis Montag früh gesperrt halten müssen. Dies ist eine schwere Gefährdung nicht nur der Interessen der Kaufleute, sondern auch der Konsumenten. Alle Vorstellungen und Vorsprachen bei den betreffenden Staudesorganisationen und Amtsstellen haben bisher kein greifbares Resultat gebracht. Um noch einen letzten Versuch zur Abwehr dieser schweren Bedrohung der sabbaU haltenden Kaufleute und Konsumenten zu machen, hat der Schomre Schabbos-Verein für Dienstag, den 28. tl. M., eine Massenversammlung im Festsaal der Agudas Jisroel- Jugendgruppe'abgehalten. Die Massenversammlung Zeigte, welche schwerwiegenden Interessen die sabbathaltenden Kaufleute und Konsumenten an dieser tief in ihr Leben einschneidenden Maßnahme nehmen. Zur unter dem Vorsitz des Herrn Moritz Felsen bürg stattgellabten1 Protestversammlung sind nicht nur die unmittelbar Betroffenen massenhaft erschienen, sondern auch alle orthodoxen Kultusvorstcher sind gekommen,׳ um die Versammlung ihrer Sympathie und ihrer werktätigen׳ Hilfe zu versichern. Nach einem eingehenden Referat! des Herrn Rabbiners Dr. Joel Pollak, der der Versammhing nahelegte, sich nicht nur mit moralischen Protesten zu begnügen, sondern durch Schaffung einer festen Organisation sich die realen Machtmittel zu verschaffen, die allein heute, im Zeitalter der Organisationen, eine günstigere Position für die sabbathaltenden Kaufleute erringen können, sprach noch der Kultusvor-! steiler Moritz Leitner und Herr Siegmund Stern, auf dessen Vorschlag folgende Resolution einstimmig angenommen wurde. Resolution: Die am 28. Mai 1929 im Festsaale der Agudas1- Jisroel-Jugendgruppe tagende Massenversammlung sabbathaltender Konsumenten und Kaufleute erhebt leidenschaftlichen Widerspruch gegen die Benachteiligung aller glaubensteuen jüdischem Kreise durch die 8-Uhr- Ladensperre an Samstagabenden. Sie findet es mit dem demokratischen Geist unserer Zeit und Gemeindeverwaltung und Verfassung unvereinbar, die jüdischen Haudels- und Gewerbetreibenden der Lebensmittelbranchen, die durchwegs dem Kleingewerbestande angehören, in ihrem unsäglich schweren Existenzkampf noch dadurch zu behindern, daß es ihnen unmöglich gemacht wird, nach Beendigung der religiösen Sabbatruhe ihren Erwerb, wenn auch nur für ganz kurze Zeit, auszuüben׳. Sie findet es in noch viel größerem Maße unmöglich, 50.000 streng religiös eingestellte־ jüdische Seelen wegen ihrer religiösen Gesinnung von Freitag nachmittag bis Montag früh vom Bezüge frischer Lebensmittel auszuschließen. Sie hofft und ־wünscht, daß cs ihren Unterhändiern gelingen wird, den Bürgermeister als Landeshauptmann im Interesse des loyalen Einvernehmens zwischen den Landes-, Bezirks- und Gemeindebehörden einerseits und der jüdischen Bevölkerung Wiens anderseits von der Härte dieser Verordnung zu überzeugen, um es so zu vermeidien, ■die jüdische Bevölkerung in dauernden Widerspruch mit der Gemeindeverwaltung zu bringen und die Flucht in die Oeffentli'chkeif zu nehmen. Nach der begeisterten Annahme dieser Resolution hat sich ein Komitee zur Gründung eines Verbandes der sabbat haltende 11 K a u f 1 e u t e in Wien gebildet. An der Spitze des Komitees stellt Herr Leopold Lederer. Nachrichten [0 Adolf Frankl עזליט״א zum Gruß. Die Weltorthodoxie feiert mit dem jüdischen ׳Ungarn das 70. Wiegenfest des Präsidenten der ungarischen orthodoxen Landeskanzlei. Ausgezeichnet durch hervorragende Talmud- Kenntnis, tiefste G-ttesfurcht, ein goldenes Herz, anziehende Liebenswürdigkeit, feine Bildung, wird er von allen, die ihn kennen, hochgeschätzt. Sein unbeugsames Festhalten an der Riehtlinie, die uns unsere Vorjahren gezeichnet, vereint mit seinem lauteren Charakter, haben ihm ermöglicht, in der höchsten Würde, die die ungarische Orthodoxie zu verleihen hat, viele Gegensätze auszugleichen. Seine Tätigkeit wird mit goldenen Lettern in den Annalen der Orthodoxie verzeichnet werden. Möge ihm השי״ת noch viele Jahte segensreicher Arbeit in Gesundheit und Glück verleihen, WOLF PAPPENHEIM. 70. Geburtstag des Präsidenten der ungarländischen Orthodoxie — Adolph Frankl. Am Montag, den 17. Ijar (27. Mai) beging der langjährige populäre Präsident der orthodoxen Landeskomitees Ungarns, Herr Adolph Frankl, seinen 70. Geburtstag. Der Führer der ungarländischen Orthodoxie war aus diesem Anlaß Gegenstand großer Ehrungen seitens der orthodoxen jüdischen Kreise Ungarns und des Auslandes. Von: zahlreichen jüdischen Korporationen langten herzliche Glückwünsche ein. Auch die Ministerien und verschiedene nichtjüdische Würdenträger waren unter den Gratulanten. Das Budapester orthodoxe Organ. ״Zsido Ujsag“ gab eine Festnummer mit dem Porträt des Präsidenten Frankl heraus. Der Festartikel stammt aus der Feder des Mitgliedes mm,nmnnffnrnmrnm״n1»n,1,nr irm 1«ז1זוו1ו«וווו1יו«זזזז*דדחזזד^*זדזזז ■1 ׳ווח״יו 11111111111)11׳ Die schönsten Bubikopf-Perücken kaufen Sie Damenfrisiersalon ״Favorit“ Bratislava uch§ Myto 16 | Fertige Perücken jeder Art in großer Auswahl ן stets am Lager. des Budapester Munizipalausschusses Desider Korein. Er schreibt unter anderem: Die Leistung des illustren Präsidenten ist vom Gesichtspunkte der Gesamtjudenheit zu würdigen. Er hat mittels seiner universellen Gelehrsamkeit. Klugheit und seines konzilianten Wesens dazu beigetragen, daß die Orthodoxie heute allenthalben geachtet wird und daß die Neologie gegenüber der Rechtslage der Orthodoxie vollste Loyalität bekundet. Plenarsitzung des GeschäHsHihrenden Ausschusses der Agudas ,Jisroel. Am 24. Siwan 2)׳. Juli) findet 111׳ Wien im Zusammenhau«!mit der ,Sitzung!der׳ Exekutive!des rabbinischen Rates und der politischen ׳Exekutive der Aguda ci׳n׳e Plenar- Sitzung des Gescliäftsfiihrendicn ׳Ausschlusses statt. An der Sitzung, deren Tagesordnung die Vorbereitung der K en essi 0 i!st. ׳wird a׳ucf1 das!Präsidium d׳es Zentral rat cs der Aguda te׳i!!nehmen. Drei interessante Sachen sind in dem unserer heutigen Ausgabe beiliegenden Prospekt angeführt. Lesen Sie den Prospekt durch und Sie werden erkennen, wie man reich werden kann durch ein Klassenlos vom Knapp (Prag, II. Li'itzowovä 8), denn der Haupttreffer betragt tsch. K 2.000.000, den auch Sie erzielen können. Reise des Czortkower und Sadagoraer Rabbis nach Polen. Wie uns m׳ittscteilt wird, begibt sich iGroßrabbiner Israel Friedman n aus ׳Gzonfc’kow Sonntag •nächste Woche auf einige׳!Wochen!nach ׳Polen. Oer ■Sadagoraer Re'bibe. Großrabbimer (Markus 1F r i edm a ti n, der ׳seinen׳ ständigen Wohnsitz ebenifaills in Wi1e׳n •hat. fährt im Laufe der nächsten׳ Woche nach 0׳!stga!lizie׳n und der (Bukowina.' Abschluß des Gemeindestreites in Pieslany. Wie den Lesern bekannt ist, haben eine Anzahl von früheren Mitgliedern der orthodoxen Einheitsge-, meinde von Piestany unter Führung der Zionisten ihren Austritt aus der Gemeinde erklärt und sogleich auch! eine von der Orthodoxie völlig getrennte Neologengemeinde gegründet. Vor ihrem Austritt aus der orthodoxen Ge-t meinde haben mehrere der Austretenden gegen die Genehmigung der!neuen Statuten, die den orthodoxen Charalcter der Gemeinde und ihrer Leitung, den gegenwärtigen Er-, fordernissen entsprechend, 1m Geiste ihrer Gründer wirksam sichern, beim Obersten Verwaltungsgerichtshof Klage geführt. Der Oberste Verwaltungsgerichtshof hat vor einigen Tagen in dieser durch die inzwischen gegründete Neologengemeinde eigentlich gcgenstandlos und jedenfalls belangslos gewordenen Angelegenheit letztinstanzlich die Entscheidung getroffen. Die Klage gegen die Genehmigung der Statuten durch das Ministerium wurde als u n z ul lässig zurückgewiesen. Durch diese reinliche. Scheidung zwischen der Piestanyer orthodoxen Gemeinde und der zionistischen Neologengemeinde sind die Reibungsflächen aus cler Piestanyer Judenschaft endgültig ausgeschaltet und der Herbeiführung einer ruhigen, f r i e dliehen Entwicklung die Wege geebnet worden. Die Krakauer Gemeindewahlen. Am 26. d. M. fanden die Gemeindewahlen in Krakau statt. Es tobte ein ungemein heftiger Kampf um die Erhaltung des religiösen Charakters dieser altehrwürdigen Gemeinde. Die Agudisten und Chassidim kämpften vereint gegen die grimmigen Feinde der Religion. Die modernsten Errungenschaften der Jetztzeit wurden von den Agudisten und Chassidim zur Agitation benützt. Ein Ae.roplan kreiste während des Wahltages einigemale über der Stadt und mahnte durch Flugzettel an den Ernst der Situation. Die Wahlagitation bot oft recht heitere Momente. Die Zionisten, deren Listenführer Dr. Chaim Hilfstein ist, wurden durch die Nummer 3 gekennzeichnet. Sie rufen eine Wählerversammlung ein und als Hauptredner tritt Seimdeputierter Dr. Osias Thon, auf die Tribüne, der in bombastischen Worten die hervorragenden Eigenschaften des Spitzenkandidaten dem Auditorium veranschaulicht. Am Ende seiner Rede angelangt, ruft er pathetisch und' salbungsvoll aus: ״Es ist heilige Pflicht eines jeden Juden, unserem Kandidaten zum Siege zu verhelfen, denn so heißt es: ,Uwacharto bachaim‘, wählen darfst du nur Chaim!“ Darauf erscholl der Zwischenruf eines Gerer Chassid: ״Das stimmt wohl, daß die heilige Tauro uns dieses Gebot diktiert, Sie» haben aber, Herr Rabbiner, an eine Talmudstelle vergessen, die 11ns vorschreibt: Schlauscho chajow eneu chaim“, das Leben der Zahl 3 bedeutet nicht das richtige Leben.“ Langanhaltenden Beifall und rauschende Ovationen erntete der geistreiche Zwischenrufer für sein glänzendes Wortr spiel. Das Endresultat war folgendes: Agudisten, Chassidiim und Antizionisten 15 Mandate; Zionjistein, Mizrachisten und׳ ihnen Nahestehende 10 Mandate. . Eijne stabile Mehrheit in religiösen Fragen ist somit gesichert. Die Zeire Agudas Israel, Jerusalem, haben anläßlich des 80. ׳Ge'burtslf-e'Ste'S :von Olberralbtwner Josef Chaim׳ So׳nnenfie'ld u!nter ■de!m׳ iNamen ״Oizar Hac׳ha i׳i!m“ eine D a r 1 •eji e n ■s ׳k ■a ■s «s e gegründet. ׳mit der edlen Bestimmung, ׳lnlf»bedürftigen׳ Thoragelehrten׳ .׳armen׳ (Handwerkern! unid (kleinen• Geschäftsleuten unverizinsiliche Darlehen z׳u!gewähren. Die Zeirim!wenden• •sich jetzt ׳mit einem A!u:fr n f a׳n die thoratreue .judenheit der ganzen Welt, •an dieser Gründung werktätigen (Anteil׳ ׳zu nehmen. Die palästinensische Industrie — eine Mittelstands•• industrie. Das Organ der Arbeiterparteien, ״Dawar“, bringt eine Statistik der jüdischen Industrie in Palästina, der zu■ entnehmen ist: In Palästina existieren heute 513 jüdische Industrieunternehmungen mit einem Gesamtgrundkapital von mehr als anderthalb Millionen Pfund. Diese Ind.ustrien beschäftigen 5000 jüdische Arbeiter, nicht eingerechnet die 700 jüdischen Arbeiter, die in Ruthenbergs Palestine Electric Corporation beschäftigt sind. Nur sechs! :! | |!

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.