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Jüdische Presse · 1929-05-17 · 20 (17.5.1929) · page 2

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Journal
Jüdische Presse
Volume
15 (1929)
Issue
20 (17.5.1929)
Date
1929-05-17
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 JÜDISCHE PRESSE Nr. 26 ganze Länder seiner als סייג וגרר zu bedürfen!glauben. b) Den § 4 aber entgegen seinem Sinne und seiner Genesis auf Eihzelgemeinden öder lokale Körperschaften auszudehnen, •ist ein weder sittlieh zu rechtfertigendes, noch den Lebensinteressen -der Agüda dienliches Unternehmen. Diese 'Verschärfung wurde eine rta מיררו שאין רוב הצבור יכולין לעמוד bedeuten.“ ad a): -Ich stimme hierin Herrn!Rosenheim völlig bei. Es •ist mir auch nicht bekannt, daß ich in meinen Ausführungen der persönlichen religiösen Ehre der Misrachisten zu nahe getreten wäre. Um die persönliche Ehre der einzelnen Individuen handelt es sich bei dieser Frage ־ überhaupt nicht, sondern darum, ob sich in der Führung der Agudas. Jisroel!Persönlichkeiten betätigen können, die ihrer Ueberzeugung gemäß auf jüdisch-politischem Gebiete eine andere Anschauung haben, als es die der Agudas Jisroel ist, wenn diese den Anspruch erhebt — um einen von Herrn Rösenheim öfter gebrauchten Vergleich zu wiederholen — die Thora im Mittelpunkt des jüdischen Volkes zu haben und nicht bloß ati der Peripherie. Dieses trifft aber nicht nur bei führenden Misrachisten zu, sondem 'bei Angehörigen jeder Organisation, die geeignet ist. die Gleichwertung der Neologie mit der Orthodoxie zu stärken. So hat beispielsweise der Delegiertentag der Landesorganisation der Agudas Jisroel in!Deutschland, welcher nach der Kenessio Gedaulo ■im Jahre 5684 stattfand, eine von Herrn Rabbiner Dr. Klein in Nürnberg eingebrachte Resolution bezüglich des ..Achduth“ mit großer 1Mehrheit angenommen. Diese Resolution beginnt •mit den Worten: ״Der Delegiertentag •bedauert die Gründung •des Achduth aufs tiefstte. weil sie die Gleichwertung der Neologie .mit der Orthodoxie zu stärken geeignet ist." Herr Rosenheim hat damals seine Zustimmung zu ־ dieser Resolution mit folgender Begründung gegeben: ״Einer. etwas genaueren ■Betrachtung bedarf die Resolution des Herrn Rabb. Dr. Klein, ׳Meine Herren, •alles. was ich mir vorhin über die Notwendigkeit auszuführen erlaubte, inmitten der die deutsche Orthodoxie •leider izerklüftenden Gegensätze ׳bei der sittlich-religiösen ׳Bewertung der Persönlichkeiten gerecht und liebevoll •zu bleiben, trifft auf die ,Gemeindeorthodoxie und trifft auf ׳Achduth zu. Ließe der erste Satz der Rer soiution ■Dr. Klein auch nur!im entferntesten die ׳Deutung zu, daß ׳den ■führenden Männern ׳der ״Achduth“ die bewußte Absicht einer Anerkennung der Neologie als gleichberechtigtes Judentum unterstellt werde, so würde ich gegen diese Resolution stimmen. Allein von einer solchen Unterstellung ist in׳ der ׳Resolution keine Rede. Sie bedauert die Gründung der neuen Organisation, weil sie geeignet (keineswegs ׳darauf berechnet) ist, die!Glerchwertung der Neologie mit der Orthodoxie zu ■stärken. An der Richtigkeit dieser Behauptung Ist ־ zu unserem •großen Schmerze nicht zu •zweifeln. Indem ״!Achduth“ mit dem besonderen Vorsatz!ins!Leben tritt, in offenbarem Gegensatz zu den vorhandenen orthodoxen Organisationen, die ׳״Einheit ׳der jüdischen Gemeinschaft stark zu betonen“, muß sie naturgemäß . ׳in unseren liberalen Stammesgenossen die Vorstellung nähren und stärken, daß ihr Abfall vom Judentum keineswegs eine Sprengung der jüdischen Einheit be- , deute, sondern lediglich eine Parteinuance ■im Judentum darstel'lt. ähnlich wie auch ׳die Orthodoxe Partei. Man ' ׳braucht nur den Widerhall zu beachten, den die Gründüng der ״Achduth“ beim radikalsten Liberalismus in der ״Jüdisch-liberalen Zeitung“ gefunden ׳hat, um die Probe auf das Exempel •dieser psychologischen •Fest- ׳Stellung zü ׳machen. Dies vor ■der Oeffentlichkeit auszüsprec'hen. sind wir der Wahrheit und unserem Gewissen schuldig. ׳Mag sein, •daß manche Fehler, die ■in ' unserem eigenen Lager begangen worden sind,!zum Teil •mit •die äußere Veranlassung, wenn auch nicht die Ursache der bedauerlichen Neugrühduhg bilden — das sind Dinge, die wir unter uns auszumachen ׳haben und die ■die Außenwelt nichts angehen. Man macht nicht auf offenem Markte Toilette. Der Kampf •der ׳Ideen kann jedenfalls nicht ausgeschaltet werden, und ich finde, ■daß ׳die Resolution Klein ׳den ideellen Gegensatz, in dem wir uns zu ״'Achduth“ befinden, in •der mildesten Form ausdrückt.“ Ich frage nun Herrn Rosenheim, ab er sich vorstellen kann, daß jemand, der nicht bloß Mitläufer des ■Achduth ist, sondern ein bewußtes Mitglied desselben, gleichzeitig ge- Aus Vergangenheit and Gegenwart. Ein Erlebnis des Oberkommandierenden Transjordaniens. Artur Koe stier, •der Berichterstatter der ״Neuen. Freien Presse“, schreibt: Diese Geschichte hat eine traurige und heitere Seite. Das Traurige besteht darin, daß mir niemand ihre Wahr- ׳haftigkeit glauben wird. Obwohl sie die ganze hebräische : und arabische Oeffentlichkeit beschäftigt. ׳Das Heitere: Wie : der britische Oberkommandierende Transjordaniens von einer französischen Patrouille in •der Wüste gefangen-! genommen und über die Grenze transportiert wurde. Peake Pascha ist gar kein Pascha,!sondern etn eng- Tischer Offizier, der den orientalischen Titel in seiner , Eigenschaft als britischer Oberkammandierender Trans- Jordaniens trägt. Er!ist jung, lang ׳und wortkarg, der Typus ׳des britischen Kolonialoffiziers, immer frisch ,gelbügelt, frisch rasiert und frisch gewaschen. Peake Pascha setzt sich also kürzlich ia Amman, der Hauptstadt Transjordaniens■, in sein Auto und fährt nach Um el Djemma. Die Franzosen hatten nämlich Um el Djemma ■besetzt, das zu Transjordanien gehört und in der •Nähe der syrischen Grenze liegt. Die einen geben als Grund für ■diese Besetzung die Absicht •der ׳Franzosen an, : dort eine!Quarantänestation gegen die Pest zu bauen. Die anderen behaupten, die Franzosen hätte es besetzt, um die Heuschreckenschwärme, die alljährlich aus der Wüste ׳ kommen, besser bekmämpfen zu können. Die ׳driten meinen, sie ׳hätten es •besetzt, um einen strategischen Stützpunkt gegen Sultan ׳Pascha et ׳Attrasch zu haben, der seit seiner; ׳Verbannung mit •den letzten Mohikanern des syrischen Aufstandes in der transjordanischen Wüste ׳kampierte. Kurz und gut, die Franzosen hielten Um ei Djemma besetzt. Um el Djemma ist übrigens auf keiner Landkarte •zu finden und abgesehen von einigen nationalistisch ■gesinnten Zeitungen Transjordaniens krähte auch kein Hahn nach seinem Verlust. Bloß zwischen den englischen und französischen ׳Behörden schwebten Verhandlungen über die friedliche Regelung der Frage. Und wahrscheinlich im Zusammenhang mit diesen ׳Verhandlungen setzte sich Peake Pascha, wie gesagt, in sein ׳Auto!und fuhr durch I! die W-iisite -in dieses Nest. eignet ist. bei dem ideellen Gegensatz zu Agudas Jisroel, den Herr Rosen/heim so treffend chrakteiüsiert, in die oberste!Leitung der Agadas Jisroel einzutreten? Handelt es sich aber um einen Mitläufer des Achduth, der sich selbst dessen nicht bewußt ist. welche Ideologie er föt- •dert, wenn er dem Achduth angehört. dann wird es ein Leichtes sein, diesen Betreffenden aufzuklären und nach seiner Aufklärung dementsprechend seine Stellung zu revidieren. ,Blefbt er nach der ׳Aufklärung trotzdem ein ,Bekenner der!Ideologie des Achduth. kann er selbstverständlieh trotz alledem ein sehr gewissenhafter treuer Jude sein in bezug auf die Erfüllung aller Mizwoth. mir zur Leitung der Agudas Jisroel ist er nicht geeignet. ad b): Nach dem Vorangeschickten scheint mir gerade die Beschränkung des § 4 auf den. ׳Misrachi, wie sie Herr Rosenheim vornimmt, dem Sinne dieses Paragraphen zu widersprechen. Die Tschechoslowakei — und das werden •ihre berufenen Vertreter jederzeit bestätigen — erblickt in dem Misrachisten keinen größeren Gegner der •agudistischen Anschauung als in dem •individuellen orthodoxen Juden, weither sich nicht der orthodoxen Gemeinde •seines Ortes anschließt. Man kann, natürlich wenn׳ man will, sagen, daß infolgedessen die tschechoslowakische Landesorganisation sich den Führer wählen soll, den sie wünscht, daß sie aber nicht das Recht hat, zu verlangen, daß die Weltorganisation sich nach ihr richtet. Das ist die von mir sehr wohl verstandene, (aber von mir nicht geteilte) Ansicht derjenigen, die den § 4 ganz abzuschaffen wünschen. Den § 4 beizubehalten, ihn aber lediglieh auf die Misrachisten zu beschränken, ist eine Halbheit, die auch ■der Genesis des § 4 nicht entspricht. Die Statutenkommission •hat sich keineswegs •in׳ ihren Beratungen •bloß an den ■Misrachi gehalten. Die Form, in ׳der Herr Rosenheim die Beschlüsse dieser Statutenkommission — der er ja nicht angehörte und über deren Verband- Jungen er •vielleicht nicht so genau unterrichtet war — dann dem Plenum •vortrug, ist sicherlich der aufrichtige Ausdruck seiner persönlichen Meinung, aber sie stellt keineswegs •die Genesis des § 4 dar. Herr Rosenheim glaubt nun irrtümlicherweise, daß ich das ■Bestreben hätte, den § 4 auf •diejenigen auszudehnen, welche Mitglieder einer Gemeinde sind, die auch neologe Anstalten unterstützt, unabhängig davon, ob diese Betreffenden auch der orthodoxen Gemeinde ihres Ortes angehören oder ob in ihrem Orte überhaupt nur eine Einheitsgemeinde besteht, fch habe niemals — weder in meinem Artikel noch sonst — dieses Verlangen gestellt. Die Haltlosigkeit einer solchen Bedeutung des § 4 ergibt sich ja zur Genüge daraus, daß die nämliche Kenession iGedaulo. welche den § 4 annahmen, eine Reihe Von Herren aus den von Herrn Rösenheim genannten Mitgliedern der Wiener und Warschauer Gemeinden eben in die •Zentralstellen der Agudas Jisroel ׳gewählt hat.!Es wurde auch ausdrücklich in der Statutenkommission seinerzeit eine solche Fassung des § 4 gewählt, welche ■darauf Rücksicht nimmt, ׳den 'Entscheidungen der für die Aguda maßgebenden rabbinischen Autoritäten eines Landes Rechnung zu tragen. In Deutschland ist aber — wie Herr Rösenheim mit Recht 1hervorhebt — von allen rabbinischen Landesautoritäten die Zugehörigkeit zur Gemeindeorthodoxie geduldet (wenn auch nicht gebilligt) worden, •Es muß sich daher der § 4 auf ׳diejenigen beschränken, welche an einem Orte, in dem eine selbständige orthodoxe Gemeinde vorhanden ist. sich •dieser nicht anschiießen. Es wäre ein nUding, zu verlangen, daß orthodoxe selbständige Gemeinden auf initiative ■der Aguda gegründet werden rqüßten oder könnten, wenn nicht die auf ' dem Boden der Aguda stehenden Rabbiner der betreffenden Orte ihrerseits dieses für notwendig erachten. Es hieße ja gegen die primitivsten ■Grundsätze ■der Agudas Jis- Kif& I öle jütische $d»ule fyotks u.föauphdw&fiirJ%naSov md^ädcAuimilOßenlßMalsraM ff. Wutzgas sc /<?_- כשר SEIFE Marke: ALEFBETH ו1כשר11יח des ortft. Rabbinatsassessofs, KoBice, erzeugt ״POLIO“ FRIEDMANN & Co. Seifen-und kerzenfaerik, koSice röel verstoßen, wenn die Autorität der orthodoxen Rab- •biner nicht anerkannt würde. Die historische Ursache aber, warum in Deutschland die Zugehörigkeit zur nichtorthodofcen Gemeinde geduldet werden müßte, hier im einzelnen zu begründen, würde zu weit führen. ■Es sei nur kurz darauf hingewiesen, daß die beiden großen geistigen Führer der deutschen Orthodoxie, Rabbiner Bamberger s. A. und Rabbiner Hirsch s. A. X deren Meinungsverschiedenlieiten leider für die Zukunft so unglückselige Folgen haben ■sollten — sich darüber einig waren, daß •unabhängig von Austritt oder Nichtaustritt man der selbständigen orthodoxen Gemeinde seines Ortes anzugehören habe. Wer dieses nicht tut, kann wiederum in allen übrigen Beziehungen ein absolut gesetzestreuer Jude ׳setin, nur kann man unmöglich die Forderung!Bambergers und Hir&chs berechtigt erachten, und auf der anderen Seite demjenigen, der •ihr in seiner Kehillo nicht• Rechnung trägt, •das Recht zuerkennen, führend :in der Weltorganisation der selbständigen Orthodoxie zu stehen. Denn einen größeren ideellen!Gegensatz zu der Idee der Agudas Jisroel gibt es nicht, als sich der selbständigen orthodoxen Gemeinde seines Ortes nicht anzuschließen. Eine Diskussion über ׳diese Frage ■ist •heute längst nicht mehr lokalen oder territorialen Charakters. Erez Jisroel mit seiner Kenesses Jisael. Polen •mit seinen durch die Wucht der Ereignisse verschärften 1Gegensätzen innerhalb der Gemeinden, •die früher oder ׳später zu einer selbständigen gemeindlichen Organisation führen werden, haben ein ebenso großes Interesse wie die Tschechoslowakei und die Mitglieder der selbständigen orthodoxen Gemeinen in!Deutschland. Und endlich glaube ■man doch •ja nicht, daß die Gegnerschaft gegen die Agudas Jisroel dann aufhören wird, wenn man einen künstlichen Trennungsstrich macht zwischen der Ideologie des Misrachi und derjenigen der Gemeindeorthodoxie. Beide •sind, um •mit Herrn!Rosen- •heim zu sprechen, genau so wie der Achduth ״geeign e t“ (keineswegs darauf berechnet) die ׳Gleichberechtigung •der Neologie mit der Orthodoxie zu!stärken. Es!ist ein entsetzlich schweres, hartes, oft brutal scheinendes Erbe, welches die Agudas Jisroel angetreten ׳hat, wenn sie in unserer Zeit versucht, ■in Klarheit und Reinheit die!Idee ■des ausschließlich um und durch die Thora geeinten G-ttesvolkes zu verkörpern. Es ist sicher leichter, einfacher und populärer, derartige Prinzipien zwar theoretisch zu proklamieren, sie aber doch nicht praktisch durchzuführen, ׳sondern möglichst einen Zusammenschluß aller gesetzestreuen Juden unabhängig von ihrer Einstei- Jung zu Klallidee ׳durctozuführen. ■Andererseits über dürften die ׳Kämpfe um die ׳Aguda — •die allen Kämpfern bitter und schmerzlich sind — doch durch ׳den einen Gedanken leichter erträglich sein, daß vielleicht in der Ent- Wicklung der Zeiten diejenigen Gruppen, die heute links von der Aguda stehen, sich freuen werden, ebenso an ׳der Aguda einen Rückhalt zu haben, wie ihn die Gemeinde- Orthodoxie an den selbständigen Gemeinden hat. Es ist weiter nicht verwunderlich, ׳daß Herr ׳Moritz A. ׳Loeb, einer der Väter der Achduth-Organisation. ׳im Leitartikel'׳von Nr. 18-19 des Berliner ״Jüdischen Wdchen- Wattes“ gegen meine Ausführungen in der ״Jüdischen Presse“ Stellung nimmt. Denn bekanntlich!ist ja •mehr oder minder deutlich ausgesprochen worden, daß die ,Gründung des׳ Achduth eben durch den Beschluß ׳der ersten Kenessio Gedaulo •bezüglich des § 4 veranlaßt wurde. Es ist das gute Recht des Herrn Loeb, sein •Mißbehagen •darüber zu äußern, wenn jemand — wie ich es!in. meinem »Artikel getan habe — die Gründe für die Annahme •des § 4 durch die erste Kenessio Gedaulo angibt. Dankbar bin ich dem Autor dafür, •daß er meine obigen Ausführungen bestätigt, ׳indem auch er der Meinung Ausdruck verleiht, daß der § 4 für diejenigen, die auf seinem Standpunkt stehen, auch dann unannehmbar ist, wenn man durch eine ׳Interpretation seine Geltung lediglich auf Misrachisten beschränkt. Herr Loeb gehört zu derjenigen Gruppe von Agudisten. welche den § 4 überhaupt abschaffen wollen. Soweit wäre alles in Ordnung, abgesehen von dem irrigen ■Glauben des Herrn Loeb, daß mein Artikel ein offiziöser sei — eine Ansicht, •die er ja wohl selbst schon korrigiert haben wird, Als er in die Nähe der römischen■ Ruinen!vor Um el!Djemma kam. hörte er Gewehrgeknatter. Da׳ über Gewehrgeknatter zur Wüste gehört wie Vogelgezwitscher zum Lenz, fuhr er ruhig weiter. Dann kam er zu •den Ruinen und dann standen plötzlich dreißig wilde Beduinen neben seinem!Auto und einer setzte sein Gewehr an des Paschas Brust und sagte seelenruhig: ״Nun schieß’ ich dich tot.“ ,,!Na. dann schieß’ •mich •halt tot“, sagte Peake ebenso seelenruhig, der, wie •gesagt, lang, wortkarg ׳und ein Pfeiler des britischen Imperiums!ist. Wer je mit Beduinen zu tun gehübt hat, weiß übrigens, daß dies die einzige ׳Methode war, der Drohung zu begegnen, denn tatsächlich lachten die Beduinen ׳und kletterten vorerst einmal. dreißig Mann hoch, in Peakes Auto hinein.!Inzwischen kam ein Reiter herangaloppiert, •der sich als Scheich Auda, Häuptling des syrischen Massaidstammes entpuppte und Peake Pascha energisch in Schutz nahm. Nun wäre vielleicht alles gut gegangen, wenn nicht einer der Beduinen in Peake •den Führer der seinerzeitigen britischen ׳Strafexpedition gegen die Massaig erkannt hätte. Während dieser Strafexpedition war nämlich der Bruder des betreffenden Kriegers gefallen. Nun forderte er Blutrache. ׳Zur Einleitung der ׳Blutrache versetzte er •dem Oberkommandierenden Transjordaniens zunächst eine ganz unromantische, aber fürchterlich wuchtige Ohrfeige. Doch der gute Scheich Auda verwehrte ihm die weitere Exekution und lud den konsternierten Peake und •seinen Chauffeur zur weiteren Beratung in sein Zelt. Dann •brach ein Sandsturm los und beruhigte einigermaßen die Gemüter: Peake ׳Pascha aber 1 forderte, •man solle nach dem französischen Offizier!in Um el Djemma senden,’ er habe ihm :eine wichtige Botschaft auszurichten.!Da die Beduinen wußten, daß mit den fran- .zösischen Nachbarn nicht zu spassen ist. sandten sie tatsächlich eine Deputation nach Um el Djemma, und nach einer Stunde erschien der französische Offizier mit einer Eskorte von zehn Mann. Da sie nun sahen, daß •ihnen die Beute entschlüpfte, erwachte aber wieder der Blutdurst der Beduinen und sie weigerten ׳sich, Peake freizugeben. Schließlich erklärte der Franzose, daß er Peake hiemit verhafte; das beruhigte die Rachegelüste der Beduinen! und der ׳britische Oberkomma!Klierende nebst •Chauffeur 1 zogen als französische Gefangene davon, wurden über ■die GTreitee!eskortiert und bei Öen trahsjordainischea ®e-' hörden abgegeben. ■Man sagt, Peake Pascha habe sich zunächst rasiert und sodann ׳den zuständigen Behörden ׳Bericht erstattet. Was die •zuständige Behörde geantwortet hat. wird leider für ewige Zeiten in den Geheimfächern der •britischen Koloniaiarchive ■modern; und man sagt auch, die Geschichte wäre nie in die Oeffentlichkeit gelangt, denn die Engländer in den Kolonien sind sehr schweigsame Leute, aber die Franzosen sind mitteilsam. Moritz Scharf, der Heid von Tisza-Eszlar. (J. T. A.) Amsterdamer Zeitungen berichten, daß1 vor einigen Wochen in Amsterdam, wo er seit Jahrzehnten als Diamantschleifer lebte und sich kümmerlich ernährte, Moritz Scharf, der einstige Kronzeuge in dem historisch gewordenen Ritualmordprozeß von Tisza-Eszlar, gestorben ist. Es hat eine Zeit gegeben, in der Moritz Scharfs Name in allen fünf Weltteilen Monate hindurch der am häufigsten genannte war. Es war die Zeit des Ritualmord.- Prozesses von Tisza-Eszlar, der vor dem Gerichtshof in Nyiregyhaza kn Jahre 1882 und dann vor dem ungari'- sehen Kassationshofe im Jahre 1884 verhandelt wurde. Der Hauptangeklagte in diesem Prozeß war Moritz Scharfs; Vater, der Schächter von Tisza-Eszlar. Um die Osterzeit war die dortige Bauemmagd Ester Solymosi verschwunden und es kam das Gerücht auf, sie wäre in der Tisza-Eszlarer! Synagoge vom Schächter Scharf unter Mitwirkung mehh rerer galizischer Juden zu rituellen Zwecken ermordet! Worden. Unter dieser Beschuldigung wurden der Vater des 12jährigen /Moritz und die •übrigen Beschuldigten yerhaftet. Der klejpe Moritz aber wurde von einem Komitatkbeamten in Pflege genommen. Im Verlaufe des Prozesses trat daun Monte Scharf ajs Kronzeuge' auf. Er sagte aus, durch das Schlüsselloch der Synagoge zugesehen zu haben, Wie sein Vater und die übrigen Beschuldigten das Ghristenmädchen abschlachteten. Per zwölfjährige Junge rezitierte seine Aussage in einer Weise, wie Schub Icffider ihre Lektion herzusagen pflegen. Man sah es dem Knaben an, daß er zu solcher Aussage präpariert worden War. Vom berühmten Verteidiger Karl Eötvösjns Kreuz}־ verhör genommen, gab Montz 60 konfuse Antworter(, daß die Anklage ׳zusammenbrach• Bekanntlich endete der Prozeß mit einem freisprechendea Urteil. Mittlerweile

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