Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 15 (1929)
- Issue
- 20 (17.5.1929)
- Date
- 1929-05-17
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Novinovt T^plttn£ povolen* riadit post a telegralo» v Bratlslave 21s. 41572-n1*2t. Zeitungen vom Verlegar versendet. Journal cxpldie par Tedlteir• HK JÜDISCHE PRESSE ORGAN FÜR DIE INTERESSEN DES ORTHODOXEN JUDENTUMS. Redaktion a. Administration! Wien, 11..Leopolds- «aue 86, 1. Stiege, ■1. Stock. — Tel. R 4594־4־.?ccbechoslow&kei: Bratislava, Postfach 140. ßvicheint jeden Freitag. — Redaktionsschluss: Mittwoch Mittag. Äbomicmemsprei&ci Ganzjährig: Für Oesterreich S 14 Tacbecboslowakci tschech. K. 70, Einzelnummer öst. Gr. 40, das übrige Ausland 2 Dollar. Zahlungen auf Konto ״Jüdische Presse“, Wien für Oesterreich: Postsparkassenkonto Nr. D1־J3614; Deutschland: Posi- Scheckkonto Berlin Nr. 122619; Jugoslawien: Postspk.-Amt Zagreb Nr. 40217; Polen : Postspk.-Amt Warschau Nr. 190409; Ungarn: Postspk.-Amt Budapest Nr.50170; Schweiz: Postsclieckk. Zürich VIII. 4117; für die Tschechoslowakei: ״Jüdisciie Presse“, Biatislava, Postspk.-Amt Prag Konto Nr.53386 »IN 20 Wien-Bratislava, 17. Mai 1929 .ב*ה וינדדפרעסבומ ז׳ אייר תיפ״ט 15. Jahrg• Tierschutz und In Wien ta:<tc זו;ז Laufe!lieser Woche der inte rn a 1t i a 11 a 1 e T i e r s c 11 u t z k 0 n g r c ß. Seitdem die Tier.sclnit7.ler eine kräftige A n t i s c h ä c h t p r o p asanda emfalten, sehen wir Jaden immer mit großer B c s 0 r g n i s solchen Tierschutzkongressen entgegen, denn von den drei Hauptforderungen, die die Tierschiitzier zum Wohle der 'Piere zu erheben pflegen, ist die Anti- ■schächttendcnz die einzige, bei der sie, da dieselbe gegen ■die Juden gerichtet ׳•:ist. auf Erfolg bei der antisemitisch eingestellten Straße rechnen können. Was sind denn diese drei Hauptforderungen der Tierschiitzier? 1. Abschaff 1: n g d e r V i v! s e k t i o n. Da aber die moderne medizinische Wissenschaft der Versuche an lebenden Tieren nicht entbehren zu können glaubt und die Tierschiitzier erfahren genug sind, ihre Kräfte nicht im 1Anremien gegen eine uneinnehmbare Festung — gegen die moderne Wissenschaft — zu vergeuden, so begnügen sie sich mit plato n i s c h en Resolut i 0 11 e 11 gegen die Vivisektion: ihre zweite Forderung'ist: Das Jagen der Tiere a b z 1! s c 11 a i i e 11. Da sollte man aimelirnen, daß hier am leichtesten ein Erfolg zu erzielen wäre, da weder ein vrissenschnftliehes noch ein bedeutendes volkswirtschaftliches Interesse durch die Gestattung der Jagd gewahrt ist. Allein die Jagd Ist eine besonders in •hohen Schiciiten allzu beliebter ..Sport“ und in diesen Kreisen wollen unsere ,Biedermänner und Tierschiitzier keine Ver- Stimmung' hervorrufen. Gegen die Jagd wird daher nur In den leisesten Tönen Einspruch erhoben. Um nun aber ׳der •Jdersohützierischen Leidenschaft unserer Tierfreunde irgenwie doch freien .Abfluß zu verschaffen, müssen die Juden!!erhalten. Gerade die Jude 11, d e 11 c 11 T i e rs c 1: u t z r e 1 i g i ö s c s G e b o t i s t, d i c J u d e 11, d e 11 c 11 B 1 u t g e 11 u ß u 111 e r c! e tt sc 11 w ersten A 11 d r 0 1111 n g e 11 verboten 1i s t! d i e J u d e 11, d i e am eigenen Leibe erfahren haben, was f oJ t e Mi u!1 d c! u ä 1 e n bede u t e t und daher auch dem Tier gegenüber immer ■Erbarmen v/al ten lassen. Die Tierschiitzier haben aber in den letzten, Jahren nach dem AnschweUen des Antisemitismus!in den Naclikriegsjahrcn erfahren, daß ihre Propaganda für den Tierschutz nicht so. sehr durch sachliche Aufkiärungsarbeit, nicht so sehr durch Spazierenführen von Hundcregimenterii mit und ohne ■Maulkorb, wie ■sie es diese Woche auf der Wiener Ringstraße gemacht haben, gefördert werden kann wie durch einen scheußlichen, g e h ä s ׳s i g e 11 >P 10 ־ p a g a 11 d a Li 1 in, der, im Geiste der Kaßpropagandafilme der Kriegsjahre verfertigt, durch lügenhafte und tendenziöse Darstellung der Schächtmethode, wie sie die Juden, das älteste liersehiitzlerische Volk, als religiösen Brauch übt, autreizt. Dieser Film wairde auch'in Wien :mfgefiihrt und der Film wirkte auf kritiklose Menschen, wie solche Filme zu wirken . pflegen. Jene aber, die ihrer! kritischen Sinn bewahrt haben, die wurden von dem Vorsitzenden des Wiener Tierschutzvereines, von Herrn Melkus, ärger als die liere behandelt. Da war der Delegierte aus Stettin, der gut urarische Herr Schlachthofdirektor Dr. Basel. Kaum׳ hatte der Vorsitzende Melkus aus seinen Ausführungen entnommen, daß seine langjährige Erfahrung auf dem Schiachthof mit der Tendenz des eben vorgeführten Propagandafilms nicht in Einklang gerbacht werden kann, so unterbrach er ihn 'barsch, ■bezweifelte, daß er überhaupt ein Delegierter wäre, und als Herr Dr.!Basel sich legitirn'ierte, gab er ihm ohne Schutz den Zwischenrufen! der Antisemitismus. ■verhetzten Tierfreunde preis, ohne, zu bedenken, daß es Tierschiitzlcni sicherlich nicht geziemt, Menschen nur deshalb so peinlichen Situationen uirszusetzen, weil sie zufällig über Tierschutz eine andere Anschauung als Herr Melkus oder Herr X. Y. haben. Geradezu uuqualifizier bar hat sich aber de!• Herr Präsident Melkus dem Wiiener Oberrabbiiier-Stcllvcrtroter Herrn Rabb. Doktor F c 11 c 111 w a 11 g gegenüber benommen.' Herr Dr. F e tt c h twang ergriff selbstverständlich zum Schutze des Judentuins das Wort und verstand es, die jüdische ׳Ehre zu wahren. Als Herr Rabbiner. Dr. Feuchtwaug noch vor Schluß der Sitzung infolge anderweitiger Geschäfte den Saal verlassen mußte, da konnte der Tierfreund Melkus die Bemerkung nicht unterdrücken, daß der Oberrabbiner-Stellvertreter deshalb vor Schluß der Sitzung den Saal verlasse, weil er ebenso wie die jüdische Kultnsgeineiiule für eine milde Behandlung der Schächttiere unzugänglich sei. Solche, eines Präsidenten unter allen Umständen ungcz i e m c 1! de 11 11 d u n w ii r d i g e Aeiißeruiigcu sind uns aber doch nicht unsympathisch, weil sic c.h a r a k t e r is t i s c 11 sind für den Geist voller Vorurteile, mit dein sie rücksichtslos gegen Menschen, die Juden. sind, vorgehen und diese durch Behinderung des angeblichen ticrquälcrischeii Schächten^ peinigen, ׳indem sie sie ■in der Befolgtuig ihrer religiösen Lebensweise behindern und moraüsoli in ■den Augen der KulturwelA herabsetzcii. Ei!1 geradezu rüder antisemitischer Geist kam . im verhüll t aus . Um den § 4. . Eine Replik von Dr. Salomoti Ehrmann. Der Vorsitzende des Geschäftsfiihrctideii ׳Ausschusses der Agudas Jisroel 111 Frankfurt a. M. hat meinen Artikel in ■der ״Jüdischen Presse“ zur Veranlassung gefrömmen, um ■Gcdatikeiigängeii. die• zwar tu ׳meinem Artikel nicht ausgesprochen sind, die aber Herrn Jakob Rosenheim wohl durch gemeinsame 'Aussprache bekannt waren, verschie- ■de n t 1 ich e n tgege 11 zu treten. Ich habe in meinem Artikel zunächst absichtlich vermieden, Stellung zu diesen Fragen zu ne 11in e 11. sondern 1 e d i g 1 i c 11 ■die H o f f n u n g aus- S es p r o c h e 11, d a ß die zweite K e 11 e s s io G ed au 1 0 k e i n 0 Unklarheit ü b e r die I nter.pret a t i o 11 des § 4 hi 1! t e r 1 a s s e. Herr Rosenheim wird wohl /;!!geben, daß heute eine solche Unklarheit besteht. Mitglieder der Satzimgskaminission. welche seinerzeit ■bei der ersten Kenessio Gedaulo diese Satzungen für das Plenum _ vorbereiteten, sind entschieden der Ansicht, daß dieser § 4 sieh keineswegs bloß auf Misracbisten. sondern auch anf diejenigen individuell׳ orthodoxen Juden beziehe, welche der selbständigen orthodoxen Gemeinde ihres Ortes nicht angehören. Herr Rosenheim ist der Ansicht, daß das niemals die Absicht gewesen sei. Es gibt eine dritte Gruppe, welche den § 4 überhaupt abschaffen will. Der Streit um den § 4 ist gerade deshalb so unerquicklich, weil die ׳Meinungen über seine Interpretation geteilt sind, loh verlangte in meinem Artikel nun zunächst ohne jede weitere persönliche Stellungnahme, daß diesem Streit durch eine authentische Interpretation ein •Ende gemacht werde. Es ist dabei völlig irrelevant, ob die Nomenklatur ״Kattowiitz oder Wien“ zutreffend ist oder nicht. Die Form ״Zurück nach ׳ ■Kattowitz“ ist nicht von ׳m׳ir, sondern von denjenigen geprägt worden, welche in dem § 4 ein Binderdem Munde eines anderen Delegierten, Prof. Müller aus München, der seine Aufgabe so am besten zu lösen glaubte, indem er die antisemitischen Instinkte des P u b 1 i k u m s in kr ä f t i g c 11 W e 11 d u n g e 11 gegen J u d e 11 u 11 d J 11 d e 11111 m in Auf w a 111111 g b 1; acht e. Wir erhoffen von der so unverblümten Offenbarung des antisemitischen Geistes eine gute Wirkung. Die vielen j ii d i s c 11 e n M i t g 1 i e d e r der Tierschutzvercine wer-: den sich noch einmal ihrer jüdischen Pflicht be■* sinnen und, mögen sie zu der Schächtfrage stehen, wie sie! wollen, sic werden es aber mit der jüdischen Ehre itir unvereinbar halten, daß sie Schlepperdienste iiir solche in Schafpelz gehüllte! , Wölfe leisten. . Wir Juden sind sicherlich gerne zugänglich für jede Belehrung, gerne zugänglich für die Anwendung . einer Methode, die nach moderner, wissenschaftlicher!Auffassung weniger tierquälerisch ist als die bisherige. Besonders sollen auf dem Gebiete der L e g u 11 •g s v e r s 11 c 11 c der Tiere vor• ihrem Schächten große Fortschritte erzielt worden sein. Diese Versuche soUen unter kräftiger Förderung der Jiidengerneiiidcii fortgesetzt und ihre Resultate äuge-, wendet werden. Allein an dem Schächten nach religiöser Vorschrift kann nicht gerüttelt werden. Das gesamte Judentum wird sich wie ein Mann mit allen Kräften gegen einen Eingriff irt seine religiöse Eichung wehren, die in allen Grundveriassungen der europäischen Staaten verankert ist und auch den feinsten moralischen' Fordeniiigen wahrer Humanität und Tierliebe standhält. Muh. 11׳is für die Entwicklung der Aguda erblicken. Daß im übrigen nebenbei bemerkt zwischen Kattowitz und Wien doch immerhin Unterschiede in dem von mir '•angedeuteten Sinne vorliegen, sei ׳beispielsweise durch ׳die Tatsache illustriert, daß damals in Kattowitz in den Referaten mit keinem Wort von einer Gegnerschaft ■zwischen der ziomistischcn und misrachistischen Ideologie einerseits und derjenigen der Aguda andererseits die Rede war. Der e!i'nzige, der damals darüber sprach, war Rabbiner Dr. Salomon Breuer s. A., dessen Ausführungen aber von der Leitung ׳der Agudas Jisroel ausdrücklich als Prlvatmeinung gekennzeichnet wurde., für die'die. Leitung der Agudas Jisroel keine Verantwortung übernehme. Heute dürfte wohlin dieser Frage keine Meinungsverschiedenheit ■innerhalb der Leitung der Agudas Jisroel, sein. Ja, cs hat sich inzwischen herausgestellt, daß einer der wesentlichsten Erfolge der Agudas Jisroel darin zu erblicken ist, daß sie es ׳verstanden hat, der areligiösen, nationalistischen Ideologie des Zionismus diejenige der durch die Thora konstituierten Einheit des jüdischen Volkes entgegenzustellen. Wenn meine Ausführungen in der Pessach-Nummer der ״Jüdischen Presse“ also lediglich den Wunsch zum Ausdruck bringen, Klarheit zu schaffen, so hat meines Erachtens noch keine Veranlassung Vorgelegen, aus dem Inhalt derselben dasjenige zu folgern, was Herr Rosenheim aus ihnen folgert. Nachdem Herr Rosenheim aber die sachliche Diskussion darüber eröffnet hat, so gestatte ich ׳mir eben im Interesse der!Klarheit, •auf seine Aus füll ruriige 11 etwas .näher einzugehen. Herr Rosenheim resümiert seine Aus׳־ führungen folgendermaßen: ״a) Der § 4 bestellt einmal, er läßt sich rechtfertigen.׳ ohne daß mau der persönlichen religiösen ׳Ehre der Misracbisten zu nahe tritt und seine Abschaffung kann billigerweise nicht gefährdet werden, ■solange Was bietet die führende Weltfirma Othmar Schiff, Wien, I., KSrntnerrins Nr, 6 in Damenperlidcen? *5 ־?°?e״"s<e «״«* individuelle Ausführung II. Tadellosen, mustergültigen Sitz III. Nur erste Qualität in Material und Arbeit zu mäßigen Preisen '' Ii i UMm 1111111g mmm eisiuD PiBitti&s (gegenüber dem Hotel Bristol - Tel. U-41-3-62) Die Firnia Othmar Schiff legt allergrößten Wert darauf, jede Kunde unter allen Umständen zufriedenzustellen * Setzen Sie sich daher, bevor Sie eine Perücke kaufen in Ihrem ureigensten Interesse mit der Firnia Othmar Schiff in Verbindung! Diskussion über die Hauptprobleme der zweiten KenessSo. 18