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Jüdische Presse · 1929-05-10 · 19 (10.5.1929) · page 3

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Journal
Jüdische Presse
Volume
15 (1929)
Issue
19 (10.5.1929)
Date
1929-05-10
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 19 JÜP1SCHE PRESSE Seite 3 Soll und darf eine Teilung innerhalb derungäflschen Orthodoxie erfolgen? * Von Rechteanwalt pr.': A r tjir-.f• $ t ein, Budapest.. Herr Rabbiner Ph. Fischer invSät־dspatak hat ■ es für, S?nt und zweckmäßig;gefunden, 'die; hierzulande unter, der Bezeichnung ,,sefardisdi‘‘ gekannte Be- F nvegu11g־'in der ,Jüdischen Presse‘‘.anzwgreifen und c'lie Aktion einseitig heim Aeropag der jüdischen Oeffentlichkeit bloßzuslellen. Als. ׳ Redakteur des ״Bagyotnany“ und als dem publizistischen Wortführer •der sefardischen Bewegung sei es mir gestattet, als altera' pars, die Antwort zu erteilen. Bevor ich aber die Antwort erteile, muß ich festnageln, daß alle diejenigen, die sich der sefardisehen Aktion abgeschlossen haben, und die Führer der Bewegung mit der größten Verehrung, Liebe und Vertrauen, an den Landespräsidenten der ungarischen Orthodoxie, Herrn Adolf; Frankl נ״י hängen, so daß, zugegeben, daß .eine Teilung erfolgen würde, W-ir als Landespräsidenten —- Herrn Adolf Frankl wählen würden,!«solange Herr Adolf Frankl Präses der .־ungarischen׳ Orthodoxie ist, kann schon aus diese«1 Grunde von einer Teilung der ungarischen Orthodoxie nicht die Rede sein. Er ist und bleibt auch unser Präses! Werden Artikel des Herrn Rabbiner Ph. Fischer aufmerksam! gelesen hat, konnte feststellen, daß die von ihm aufgeworfene Frage: ״Soll und darf eine Teilung innerhalb der ungarischen Orthodoxie erfolgen?“ — weder ■mit dem! Inhalte seines Artikels, noch mit der sefardischen Aktion in irgendeinem Zusammenhange steht. Herr Rabbiner Ph. Fischer stellt sich, vor als freiwilliger Feuerwerker, der auch dort eifrig löscht, wo kein Feuer ist. ■Denn Herr Rabbiner Ph. Fischer schreibt ja selbst, daß einige Forderungen der sefardischen Bewe.gung schon, von!meinem ■Großonkel, dem מהרים שיק aufgestellt wurden: will Herr Rabbiner Ph. Fischer Vielleicht auch den מהר״ם שיק als einen Zerstörungsorthodoxen brandimarken? Wir fühlen uns alle in der Gesellschaft des מהר״ם שיק ■auch als Zerstörungsorthodoxen sehr gut und sind dessen sicher, daß eine Bewegung, dje das durchführen will, was der מד.רם שיק auch als eine Forderung aufsteMte, keim ehrlich denkender Jude als Zerstörungsorthodoxie zu bra-nd- ׳marken wagen würde. Was d!ie ■sef-airdische Bewegung!ordert und wie!sie diese Förderungen zu erreichen hofft zur Stärkung der ungarischen Orthodoxie, adrüber läßt sich ja dispiitieren. Diese unsere ׳ForderuntgeH hat aber Herr Rabbiner Ph. Fischer dicht der Wahrheit entsprechend zitiert. Zugegeben aber, daß wir das fordern würden, was Fierr Rabbiner Ph. Fischer in der ״Jüdischen Presse“ zitiert: wenn eine Bewegung fordert, daß ojclile nevelot utrefor, mechalle sivbbot befreheszjo usw. von der Orthodoxie ■ausgeschlossen werden, daß als Führer der Orthodoxie nur jereim! üslemim gewählt werden sollen — ist dies eine Zerstörungs- Orthodoxie, oder eine Aktion, die die Stärkung der ■ungarischem! Orthodoxie ■ fordert, indem sie die Lcbensucrslcherunss-Qesellschaft PHONIX ■■מ■■ x Gegründet 1882 Gegründet 1882 H Versicherungsbestand . . . 1800 Millionen Schilling g j§ Garantiemittel Ende 1927 . 192 Millionen Schilling g H Prämienu. Zinseneinnahmen H g im Jahre 1927 . 71 Millionen Schilling g I Tätigkeitsfeld der Gesellschaft: | f§ Oesterreich, Deutsches Reich, Tschechoslowakische g 1 Republik, Belgien, Holland, Frankreich, Spanien, m §f Italien, Ungarn,Polenjugoslawien, Bulgarien, Griecheng 1 land, Rumänien, Palästina, Syrien, Türkei, Aegypten g 1 Kinder-Uersor$un$s-Uersicherun$ 1 | immmiimmimiimimmmimimmiimimm! ן M Erziehungsrente für das Kind, Sterbegeld nach dem |j jg Tode der Eltern, und prämienfreie Versicherung des g §§ Kindes vom 24. Lebensjahre an g iüllllllllllllllllllll heterogenen Elemente ans der Orthodoxie ausschalt'en will? Dies ist vielleicht politisch und Wirtschaftlieh unklug, aber die Orthodoxie ist eine religiöse Korporation, die zur Wahrung und Stärkung der Religiosität von politischen und wirtschaftlichen Gesichtspunktcn sich nicht leiiten lassen darf. So war es ln der Vergangenheit, so muß es jetzt ■und so soll cs auch in der Zukunft sein. lieber die sef!■irdische Bewegung nächstens. Das falsche, bürgerliche, philiströse, moralisierende Judentum S. R. Hirschs. Es ist leicht, VAvaw.ig Zeüeu in sclWoukliuigeuden Sätzen zu schreiben,, zu ■deren Widerlegung zwanzig ■Folioseiten nötig sind. ■Diese einfache ■Wahrheit ,tobe ich ׳wieder einmal ganz tüchtig gefühlt .1beim Lesen des .Artikel'« ״Agudas Jisroel, was ■sie ist und was sic sein soll“ in der jüngsten Pessachivuinrmer der ״Jüdischen Prcsc“. . Sehr ■viel •Raun« zur Widerlegung •des ganzen ,Artikels darf leih von!!Herrn ׳Redakteur ״wohl nicht erwarten; ich muß daher ■nur das .Hauptsächlichste herau«!greifen. Der langen Rede kurzer Unsinn, ist: Der ■Herr Verfasse!• gilbt der ,A'gudia® Jisroe'l den Auftrag, ein neues jüdisches ■Gedanhensysteni■ ■zu, schaffen!, und die Schriften S. R. :Hirsclis ■selten in den Papierkorlb. (Das wind mit gründlichen Betrachtungen ,verbrämt und mit :schönen Namen und׳ ׳wissenschaftlichen Dogniata ausge schmückt. 'Daß die Samaritaner nicht aus denn Judentum hinaus, sondern gerade ,hinein ■weilten׳, daß!Philo nicht ■eine!Brücke . schlagen weite, •sondern naiverwevs'e,, jedenfalls als etwas ,Selbstverständliche«, die -platonische• und pythagoräische Idee int Judentum iwiederzuifinden gla'uibte — wie ■der ׳ganze Alexandrinisehe 'Synkretismus — und ׳daß er gar nicht gewaltsam entfernt ■wurde, ׳ebensowenig wie Josephus usw. —, das sind nur 'wissenschaftliche!K!einigkeiten. Des Verfassers .Behauptungen ■hierüber ■sollten aber als Stützmauern!für sein Gebäude dienen. Aerger ist es schon, wenn er das Ueberbordwerfen der ׳Hebräischen Schrift •durch iHsra ganz glatt! findet ■und nicht ■sieht, ,daß •dies gerade Abschaffungen ureigensten nationalen Gutes und Hereimhoten fremden Gutes einer ״Scheidewand“ wegen wären — i11׳ Zeiten, •da ■man sehr wenig schrieb und nur תנ״ןד ■in Schrift fixierte! — und daß» •diese .Esragesehicihts racbfc. .$p• .ei-mfach ist, als er- ^iß; «ich .denkt (siehe ■z, B. Dr. Grünberg ■in WohlgenmthS jeschuruu. November-Dezember 1928!־)■ und, auch, daß ej* wohl die Tatsache .des Fasten«, der. ■Septuaginta wegen: ■zitiert (er hat die Stelle dicht' einmal ־richtig gelesen), abej. die •ü tt e r e n.׳günstigen' Urteile ׳über ■die LX.X., ■zum Be*»! spiel- 9 .מגלה. a— ft», beiseite, läßt oder ,:besser,־'da er nativ^fl lieh ein ehrlicher Mann ist, nicht kennt!' ,Ünd'aiich, daß e|! in dem Neinten.□פרושי mit eihetn führend :pinfadhen ״Sohc|| der Name. lehrt“, etwas, ganz •.Wiiinderfunkeinagclneuef■;hineininterpretiert '־מכיל ח א zu Ex. 19:6,. End'e. meh|| nicht,, was e r sagt) und utit :einer rührettdcii Sicherheit,,!all: wäre seine übertragene Bedeutung einem geistigen ׳Prinzip gegenüber Von פר״ש ein,räch und.allgemein. j ' Und das Schönste ist. daß ■S. R. Hirschs ״Thora im Derech Erez“ komipromißliaft. ist. falsch׳, bürgerlich, philiströs, ׳moralisierend, und daß eine agudistlsehe Wissen- •schalt geschaffen!werden .müsse — auf Befehl —, ■die den Gedanken jüdischer Einzigkeit und Einmaligkeit vertreten soll ■usw. Schade, ■daß er da nicht einen Satz'eingesetzt hat: ״Biiten Weg gibt's zum Heile — wo gesündigt •ward, da ' muß die ׳Sühne!beginnen usw. ׳Das wäre Werk ׳für diesen agudisfiscbeii Wis8e׳nscl1afts־>Ungcr.“ Der. Herr Verfasser weiß doch, was ich ׳meine? Wenn nicht, will ich ihm helfen: Er lese die 19׳ Briefe, 18. Brief. ■ Es sieht so aus. als hätte Rabbiner Hirsch die ״Thora-!!m-Dereel1-Ere;z“-Id׳ee nur so von sich aus erfunden! Wie ■falsch, .bürgerlich, philiströs, moralisierend muß schon Rabbi jehudo Hannosis Sohn gewesen sein, der. ■itu Gegensatz zum Verfasset־, Tltoralernen int Derech Erez schön gefunden hat! Und wie wird der Vater seinen Sohn kompromißbalft, ׳bürgerlich, philiströs ■usw. geschimpft halben . . . Oder!war er selbst auch ׳falsch. bürgerlich, moralisierend usw־.? Er ׳war ja mit ׳Artaba 11 befreundet, war mit!Antonius befreundet, sehr ,befreundet! Und es kam ׳viel!fremdes ■Derech Erez in sein!Lebern hinein! Wie war ■König 'David kompromißhaft, falsch, bürgerlich usw.. der sich seinen: Palast von Hiram erbauen ließ! Und noch :hundertmal ärger König Salomo, der sich für die Einrichtung des ביח המקדש mit ihrer durch und du reih jüdischen!Bedeutung einen in Tyrus großgezogeuen Künstler erbat und .■dieses große, ■das Volk int seinen Gefühlen und Gedanken beeinflussen sollende 'Gebäude von ,pliöni,zische,n ׳Bauleuten und Arbeitern ׳errichten ließ!!Die ׳ganze 'Sache liegt natürlich■ ׳ganz anders. Z:t11׳n Beispiel: ilm ׳Anfang ׳stand ״der gesunde Instinkt der!jüdischem! Volksseele“ denn. Hellenismus ׳gar!nicht feindselig gegenüber. Als aber nach und! ׳nach sein Einfluß schlecht ■wurde, und״ ׳dein Judentum, d. h׳. ■der ,'Erkenntnis 'u11׳d -der Verwirklichung desselben in dieser Zeit . . .“ (S. R.!Hirsch, Ges. ׳Sehr. llf.!Seite, ,2) ׳zu schaden anfiug, entstand die Gegnerschaft! Und von ׳König Sauls philisträ- •isolien — d. i. kretischen — Waffen, über den von der חרמ׳ הגמרא •hochgeschätzten hellenistischen: Oiplostoon der Alexandriiiischen Synagoge ׳bis zu dem Strelmel hat die jüdische Seele gern fremdes Kulturgut ׳angenommen, solange es ■nicht schadete! Und׳ nvas h׳at von den ״!weitliehen“ Wissenschaften זכאי p יוחנן H der ״kleinste“ von ■Hilleiis Schülern ׳nicht alles gewußt! Es hat einmal ein ganz fremdes!Gedankensystem sich ׳ins Judentum hieiugedräugt und da!feste 'Wurzel ge- •faßt. Und der erste, der nicht gegen die■!Philosophie ׳überhaupt, sondern gegen die Verquickung des Judentums!mit den fremden Ideen klar und verständlich protestierte, war eiben — S.!R. 'Hirsch! Und das!war ׳gegen eine Autorität, die riesengroß dastand und dasteht und weicher gegenüber!Hirsch trotz seiner übergroßen,!Ehrfurcht vor dieser Autorität doch das Fremde nnvertnsc'ht) •stigmatisierte und verurteilte: ׳die griechisch-arabische Philosophie des Ich ,habe den ,boshaften ■Gedanken, daß der ‘Herr Verfasser ■das nicht weiß! Er lese einmal den 18. der 19!Briefe nach! Ich habe ׳den noch boshafteren Gedanken״ ■daß d׳er ׳Herr Verfasser von Rabbiner Hirsch und ®einen. 1Schriften ׳manches nicht ■weiß! ■Und trotzdem — ׳oder ■eben ׳deshalb — ׳.gegen ihn schreibt; ■so ein wenig ׳tiach der Methode der Antisemiten, die gegen Juden! und! Judentum los'zieheu! Er 'hat ein. bißchen gehört von S. R.!Hirsch und vom Sonne mit einem Strahlenkränze auf dem Haupte auf einem Vierspännigen Wagen thronend. ׳Die freien Stellen sind ■mit Halbmond und Sternen .׳bedeckt. Konzentrisch zu dem kreisförmigen!Mittelstück sind die •zwölf Sternbilder angeordnet. ׳Das Jahr beginnt, wie aus den Inschriften Idar ersichtlich ist, mit dem Widder.—• dem Sternbild des ersten iFriihlingsmonats. ׳Besondere Erwähnung verdienen folgende •Bilder: 1. Das ■Bild der ״Zwillinge“, die ■eng ׳verbanden gleich siamesischen Zwillingen dargestellt sind. 2. Die ״Jungfrau“, die ■mit Ohrringen und anderem ■Schmuck behängt auf einem Thronsessel sitzt; 3. ׳Das Abbild der ״Waage“, das eitlen ■Mann zeigt, der in seiner Rechten eine Waage hält. 4. Der ״Schütze“, der!in der Linken einen Bogen hält. 5. Der ,,Wassermann‘־, der das Wasser aus einer ■Zisterne ■schöpft. in den vier 'Feldern des ׳Rechteckes, ׳das ׳den ׳Zodiakus umspannt, sind vier Darstellungen der Jahreszeiten augebracht, die durch geflügelte!Genien versinnbildlicht ,werden. Aut künstlerischesten ist das Sinnbild des :Herbstes. Die Gestalt trägt ein Diadem, Ohrringe und Schmuckbehäng, der hauptsächlich ■aus Smaragd, •Amethyst und 1 opas besteht, zu deren Wiedergabe man ׳Glaswürfel׳ verwendet, hat. ,׳Bemerkenswert ׳ist, daß!die Genien blondes Haar tragen. Gut erhaltene hebräische .Inschriften!befinden sich .neben jeder 'Abbildung. Das anschließende Feld ist einer!Darstellung ■der Opferung Isaaks gewidmet und!zeigt einen Aufmarsch aller beteiligten Personen■ ׳von link® nach rechts. ,'Links stehen die beiden jungen Diener mit ■dem aufgeräumten Esel. Der Diener rechts ׳von de׳m 'Fier :hält ■in ■der rechten .Hand die!Zügel, in der Mnken/ ׳eine ׳Peitsche. ׳Neben, ׳ihm sieht man einen Widder, der an einem ,Busch •angebunden ׳ist. Heber dem ■Widder findet sich ein Zitat aus dem Alten Testament, das auf den biblischen Vorgang hindoutet. Eine ausgestreckte, von einem Strahlenkranz umgebene Hand, symboliisiert das Eingreifen Gottes und weist auf!Abraham, der sich nach ihr umwendet, um den Ruf Gottes auf zu nehmen. Ucber der Hand ׳führen einige ■Irebräische ׳'Worte der! himm- Stechen Befehl an. Abraham selbst ׳ist als ein ältlicher, bärtiger, wohlbeleibter Mann ׳dargestellt, dessen langer Mantel bis auf den׳ Knochei herab'fällt. ln der Rechten hält er ein langes Messer. ׳Die Unke faßt ■den 'Sahn Jizchak, der nackt ■in sehr hellen weichen Farben als junges Knä'blein'mit gebundenen Händen'׳dargestellt ist. Rechts steht der Opferaftar mit I-odentdeii Flammen. Zu beiden Seiten der Mitte'ltiir trägt ׳das Mosaik ׳Bilder eines Löwen ■und"eines Bisons oder Stieres. Zwischen den beiden Tieren wurden zwei Inschriften — die eine in aramäischer, die andere in griechischer Sprache — gefunden. Die ■griechische Inschrift ■enthält die Namen ■der beiden Handwerker Marianos und seines Sohnes!Hanina, die da®!Mosaik legten. ׳Die leider zum Teil zerstörte aramäische!Inschrift ׳gibt die ׳Zeit ■der ,Anlage de;s Mosaiks an sowie die ׳dafür ■verausgabte Geldsumme ׳und die :Namen׳ ׳der!Stifter mit den ׳üblichen Segens- ׳‘formein. Von alledem hat sich noch ■folgendes erhalten: ״Dieses!Mosaik ■wurde im Jahre . . . der ׳Herrschaft des Kaisers Justinus gelegt“ usw- 'Sukenih vermutet, daß es sich um Justin .1., 517—528, ׳handelt, so ,daß wir es also mit ■einer Synagoge aus dem Ende des ersten Viertels des 6. Jahrhunderts n. Ohr. zu tun haben. Die aus der ganzen Welt versammelten Archäologen folgten mit gespanntem Interesse ׳den Ausführungen •Pro- ׳fessor Sakeulks. Neues über Jemen. Zwei junge orthodoxe Wiener Antiquitätenhändler, Herr Josef und Nachum Ha Ipern, hatten eine recht abenteuerliche Fahrt nach Jemen unternommen, um dort neue geschäftliche Beziehungen anzukniipfen. Nach fünfmonatigem Aufenthalt sind sie jetzt zurückgekehrt und haben ׳einem unserer Mitarbeiter interessante Nachrichten über di(e dortigen Verhältnisse, speziell aber über die Lage der Juden in Jemen, mitgeteilt. Sie kamen tm Novemher über Genua nach Aden, wo sie eine Einreise,•י bewilligung nach Jemen erhielten. Dieses Dokument zu beschaffen, war nicht leicht, denn der Imaii Ibn Jachja, der!einzige unabhängige arabische Fürst, der sich übrigens als Kalif aller Muselmänner hält, ist Ausländern gegenüber überaus mißtrauisch. Nachdem nun die Bewilligung unsereri Reisenden erteilt wurde, kamen sie nach Sanaa, der eigentlichen Hauptstadt Jemens, die auch gleichzeitig das Zentrum der jüdischen Bevölkerung ist. ln Sanaa lebten bis ־/.um Jahre 1905 ungefähr 60.000 jüdische Seelen• Pest und Hungersnot haben ihre Zahl dezimiert, so daß sie auf 1 ■1.000 gesunken ist. Erst in letzter Zeit begann' wiederum ihre Zahl zu steigen, so daß zurzeit m Sanaa 30.000 jüdische S.eelen wohnen. Diese Steigerung ist ausschließlich dem natürlichen Zuwachs zuzuschreiben. Die Mädchen heiraten im Alter von acht bis zwölf Jahren, die jungten Leute zwischen vierzehn und zwanzig. Der größte Teil der Juden lebt vom Handwerk oder vom Kleinhandel. Wohl gibt es in Sariaa einige Talmud-Thora- Schulen, doch ist die Unwissenheit unter den jemenischen Juden äußerst kraß. Die politische Lage der Juden in Sanaa selbst ist nicht schlecht, aber in den Dörfern! leben sie in halber Sklaverei., Sie sind Diener der arabisehen Grundbesitzer, für welche sie lebenslang arbeiten; müssen. Herr Halpern brachte aus Jemen interessante Dinge mit. Es gelang ihm, einen Kommentar des Rainbam auf den Traktat Chuli.11, den Maimuni in seinem Kommentar zu den Mischanjoth erwähnt und den noch Iben Esra gesehen haben soll, atifzufinden. Die Handschrift ist, nach dem Urteil der Oxforder Gelehrten, nicht eigenhändig von Rambam geschrieben worden, aber die Randbemerkungen sind seine eigene Handschrift; Außerdem erwarb Herr Halpern einen handschriftlichen■ Kommentar auf Tenach von einem unbekannten Autor, der aus dem Jahre 1354 stammt und auf Pergament geschrieben ist. Die Gebrüder Halpern wurden von dem Fürst Ibn Jachja persönlich empfangen, sowohl er wie sein Sohn, der Erbprinz, sind über die europäischen Verhältnisse gut unterrichtet, auch die Vorgänge in der jüdischen Weit verfolgen sie mit Aufmerksamkeit. Die Sich'erheitsverhältnisse im Lande sind zurzeit sehr gut, die■ Soldaten Ibn; Jachjas halten strenge Disziplin. Die jemitischen Juden! würden das beste Material für den Aufbau Erez Israels abgeben, da sie bedürfnislos und arbeitsam ■ sind, somit also mit den arabischen Arbeitern konkurrieren könnten• Allein die Regierung sieht diese Abwanderung• nicht gerne* Die Marannen-Gemelnde in Braganza. Die Mara׳m1e<n-GemeU1de in Braganza ׳breitet sich langsam, aber allmählich!aus• ׳Es ist jetzt ständiger Gottes•׳ dienst für Freitagabend ׳und Sabbat ׳eingerichtet worden. Interessant ist, daß gegen die Marannen-Bewegung in katholischen Kreisen eine■ leichte Gegenbewegnng ein zusetzen!scheint. So hat eine Deputation katholischer Frauen ,sieh an ■den Gouverneur von Braganza mit ׳der Bitte gewandt, ein Verbot der Bildung einer jüdischen Gemeinde auszus'prechen, da es sich um eine ׳Freimaurerloge handle. Der Gouverneur hat die Antwort gegeben, d׳a׳ß ׳die jüdische Religion •zu׳!respektieren sei, und daß mit demselben Recht ׳von jüdischer Seite die Schließung einer katholischen Kirche verlangt werden könnte. Der Gouverneur selbst ■nahm Veranlassung, den Vorfall jiidisch-marannisehen ׳Kreisen ■mitzuteilen. Auch in Minando do Douvo ׳hat die Propaganda unter der maramiischen Bevölkerung he« reits Früchte!getragen. Es wird über jüdische Fragen diskutiert und eine Anzahl von Marannen hat bereits ihren Anschluß an das Judentum vollzogen.

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