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Jüdische Presse · 1929-04-05 · 14 (5.4.1929) · page 1

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Journal
Jüdische Presse
Volume
15 (1929)
Issue
14 (5.4.1929)
Date
1929-04-05
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Novtsovt v?platn6 povolenfi riadit post 1 tefegratov v Bratislave Cis. 41572-in20־. Zeitungen vom Verleger versendet. Journal expddle par I'edfttar. V.feufe. «K m ORGAN FÜR DIE INTERESSEN DES ORTHODOXEN JUDENTUMS Redaktion n. Administration* Wien, fl.,Leopolds• *aste 26, i. Stiege, 1. Stock. - Tel. R 45-4-04. riehechoaicwakei: Bratislava, Postfach 140. Erscheint jeden Freitag. — Redaktionsschluss: Mittwoch Mittag. Abonnementspreise! Ganzjährig: Für Oesterreich S 14 Tschechoslowakei tschech. K. 70, Einzelnummer öst. Or. 40, das übrige Ausland 2 Dollar. Zahlungen auf Konto ״Jüdische Presse*, Wien für Oesterreich: PoslsparkassenkontoNr. D-93614; Deutschland: Post* Scheckkonto Berlin Nr. 122619; Jugoslawien: Postspk.-Amt Zagreb Nr. 40217; Polen: Postspk.-Amt Warschau Nr. 190409; Ungarn: Postspk.-Amt Budapest Nr.50170; Schweiz: Postscheckk. Zürich VIII. 4117; für die Tschechoslowakei: .Jü* dlsche Presse", Biatislava, Postspk.-AmtPrag Konto Nr. 53386 Nr. 14 Wien-Bratislava, 5. April 1929 ,ביו וינה־פרעססדג כ״ד ואור תיפ״ט 15. Jahrg« Die Wiener Knitnssemeinde will die Subventionen von Vereinen und Anstalten drosseln. ■Unter den- Anultic Iren Verlautbarungen) der Wiener Ktültusgemeinde finden innscre Leser in!der heutigen Nutn- •mer der ״ Jüdischen Presse“ eine Kundin ach u.11 g des Präsidiums, betreffend die Subventionierung von Vereinen!und Anstalten. Das Präsidium will die verantwortlichen Leiter dieser Vereine und Anstalten — ailso jene Männer ■und Frauen ׳in Wien, die mit bewundernswerter Ausdauer und Opfer fähig Reit trotz aller Unbill der Zeit für jüdischöffentliche Angelegenheiten arbeiten — rechtzeitig auf die bevorstehende Kürzung der Subventionen aufmerksam machen. Diese beabsichtigte Kürzung muß unter den Vereinen und Institutionen große Bestürzung hervorrufen, da sie alle nach diesem schrecklichen Winter um ihre notdürftige Existenz kämpfen. Das Präsidium der Kailtusgemeinde. begründet diese Kürzung mit der Finanzlage׳ der Kuiltusgemeinde. ״Wie schon“, ■heißt es in dieser Ver- .!autbäruug, ״aus dem Tätigkeitsbericht der Kuiltusgemeinde für die Periode 1925—׳ 1928׳hervorgeht, erscheint ׳das Defizit vornehmlich durch die bedeutende Steigerung der Subveiitioiislasteii ■und der Auf Wendungen im Fürsorgezwecke hervorger.iifcii;“^"‘ ׳■- ■/•••'.׳..,;.•ד•.«'■׳■׳•--־■" ליי ׳ Nun, sicherlich sind die ׳Finanzen der K ui tusgemeinde nicht sehr rosig, wir glauben aber kaum, daß die verantwörtlichen Leiter der Kultusgemeinde auf dem richtigen Wege sind, wenn sie durch Kürzung der Subventionen etwas nennenswerte Ersparnisse erzielen zu können gl anben. Mit s o 1 c:h e 11!M a ß 11 a hin e n werden sie wohfl die ■Fitianzlage der Kultusgemeinde nicht verbessern, ׳hingegen ׳alte!jene Männer ■und Frauen, die trotz der tristen! wirtschaftlichen Verhältnisse ihre Zeit und Energie für jü׳disch-!kul׳turel׳le und Wohilfahrtszwecke auf-, wenden, verärger n u 11 d i n v e r d rossenc Intere s s e 1 o s i g k ei t treiben. Wir halten die Verlautbarung des Präsidiums aber auch deshalb für verfehlt, well sie 1 : kein richtiges Bild von den tatsächlichen Finanzverhaltnissen der Kultusgenieinde gibt. Die ״Jüdische Presse“ •hat anläßlich der Veröffent- Hcliung jenes!Berichtes, aus welchem jetzt das Präsidium die Begründung der Notwendigkeit der;Kürzung nachweisen wilil, gerade jenen Passus scharf kritisiert, auf den sich die amtliche Verlautbarung bemft. Die Kritik der ״Jüdischen Presse“ hat an Aktualität nichts verloren, und wir׳ wollen sie hier im wesentlichen wiedergeben. Es hieß dort: ״Der Bericht über die Periode 1925—1928 schreibt: ״Eine besonders׳ ins Gewicht fallende Steigerung der Ausgaben!hat sich ■aus den erhöhten Zuwendungen an Vereine und Institutionen ergeben. Während die Subventionen für Bethausvereine i׳m Jahre 1924 uut S 19.04-1 betragen haben; mußten hiefiir im Jahre 1927 S 66.508 verausgabt werden. Auf dem Gebiet des Unterrichtswesens beliefen׳ sich die von der israelitischen Kultusgemeinde gewährten Subventionen im Jahre 1924 auf S 54.541 und stiegen im Jahre 1927 auf S •135.482. •Die Subventionen an Fürsorgevereine und Aktionen beliefen sich im Jahre 1924 auf s 631979, im Jahre 1927 auf S 133.629־.“ Wir glauben, daß diese Darstellung des Berichtes etwas Tendenzi׳öses an sich hat Es scheint, daß dem Vorstand ■das ganze Subventionswesen als eine lästige Angelegen heit vorkommt, mit der eigentlich die Kuitusgemeiindc nichts zu tun haben■ sollte. Man muß dies annehmen, denn •sonst könnte man ׳über diese Summen nicht als über ״eine besonders ins Gewicht fallende Steigerung der Ausgaben“ sprechen, denn die Steigerung der hier angeführten Kapitel beträgt insgesamt S 188.155. Die Ausgabe« der israelitischen Kultusgemeinde haben im Jahre 1924 S 3,695.316 erreicht und stiegen im Jahre 1927 auf S 5,426.234, also um S 1,730.918, somit macht die Steigerung, welche der Bericht als ״eine besonders ins Gewicht fallende“ bezeichnet, nur etwa ü Prozent der Gesamtsteigerung des Budgets aus. Die Aufwendungen der Kultusgeroeiude für Kultus- und Unterrichtzwecke betragen ■im allgemeinen etwa nur 20!Prozent des Gesamtbudgets, d׳ie Subventionen an Bethaus- und Unterrichts vereine höchstens 4 Prozent des Ge- Samtaufwandes derselben, so daß es durchaus ungerechtfertigt ׳und‘ verfehlt wäre, ,.die Sanierung“ der KuHusgemeinde durch Drosselung;der Subventionskosten, sp'eziell für Kultus- und Kutoirzwecke, .zu beginnen. Umgekehrt, wir glauben, daß ׳die Kultiisgenietinde zu ihrer Sanierung es dringend nötig hat, Kultus und Unterricht in der׳ Wiener jüdischen ׳Gemeinde zu vertiefen und religiöser zu gestalten. Tu dieser Annahme ■bestärkt u׳n׳s die :Bevölkerungsstatistik ■der Wiener Juden in auffälliger Weise. Im Jahre 1924 sind in Wien 2557 Kinder geboren, diese Geburtsziffer soll noch mit •den 316 Eintritten!in das Judentum verstärkt werden, also beträgt der Zuwachs 2973 Personen, ■Gestorben sind! in demselben Jahre 2695 Personen, hiezu kommen noch 881 Ausgetretene, somit insgesamt 3576, also ein Verlust von 603׳ Personen. Im Jahre 1927 sind aber bloß 1479 Geburten zu verzeichnen und bloß 283 Eintritte, also ein Zuwachs von 1762 Personen׳, gestorben sind in diesem Jahr 2739 Personen und ausgetreten 1063,. also ein Abgang von 4501 Personen, so macht der ■absolute Verlust an Seeienizabl im Jahre 1927. 2739 Personen aus. Die Zahl der Trauringen sank ebenfalls nicht unbedeutend, im Jahre 1924 wurden noch. 1470 Trauungen vollzogen, im Jahre 1927 bloß 1159. Die wirtschaftlichen Verhältnisse sind so schlecht, daß mit einer Zuwanderung nach Wien ׳nicht zu rechnen ist. Somit müßte eine vernünftige Gemeindepolitik die vorhandenen jüdischen Menschen für ■das lebendige Judentum rechtzeitig intercssieren, rechtzeitig, nicht durch den Bau einer prunkvollen Zeremonienhalle, die im. besten Fall unsere Glaubensgenossen für ein schönes Begräbnis am Juöenfriedhof gewinnen kann, sondern שומץ כשי (תחת השגחת הרב ח ישעי סורסט שיסשוהל) Erzeugt unter Aufsicht Sr. Ehrwürden Herrn Oberrabbiner Jesaia Fürst (Adas Jisroel> Ueberall erhältlich! durch die Erfassung der Jugend, durch Ausbau der religiösen Institutionen und durch die Schaffung von jüdischen, im religiösen Geist geleiteten Schulen. Dies wäre ,unseres Erachtens der ■Beginn vernünftiger, die Zukunft der Wiener Judengemeinde sichernder Gemeinde- Politik.“ Zu dieser Kritik ist wenig ׳hinzuzufügen. Sie hat ׳ihre ■BerechtigiUÄig leider ln vollem Umfang behalten. Wenn ■auch alle Parteien vor den Wahlen ׳mit der Parole des r e!1 ig i ö s e 11 Aufbaues der Wiener K 1111׳ u s g em e i n d e und ׳der W i e n e r J.u d e ׳n s c 11׳ a f t für sdch geworben haben, so zeigt •es sich schon beute, daß alle Parteien trotz' ihres Wahlversprechens Ihr Programm völlig vergessen haben. . Man wird aßen diesen Ausführungen: gegenüber aulf die triste Finanzlage der Kultusgemeinde hinweisen. Sicherlich sind' diese Finanzen nicht glänzende Wir verstehen den Standpunkt des Finanzreferenten der Kultusgemeinde, der in seiner ■Gebarung Ordnung ׳haben will, sehr gut. Wir haben uns ■aber die Sanierung der Finanzen ganz anders vorgestellt, als durch ■die Kürzung der Verhältnismäßig geringen Subventionen, welche die Kultusgemeinde an die Vereine, deren verdienstvolles und hingebungsvolles Wirken voll und ganz anerkannt wird, ׳bewilligt. Wir haben ums vorgestellt, daß der Kultusvorstand irgend einen überparteiischen Sanierungskommissär einsetzt, der prüft, ob nicht durch eine Rationalisierung der Verwaltung, durch Zusammenlegung von Institutionen, dann aber durch Steigerung der SteuerwilUgkeit und Opferfreudigkelt für die Kidtusgemeinde eine Sanierung möglich ist. Allerdings, diese Arbeit würde schwieriger sein als die Ansetzung des Hebels am Pun׳kte des schwächsten, Widerstandes, bei den Subventionen der Vereine und Anstalten. Diese haben nur einen m 0 r ad■i s che n Anspruch auf Subventionen seitens der KuJtusgemeinde, und scheinbar ist dieser Anspruch am leichtesten abzuwehren. 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