Mannheim
Compact Memory

Jüdische Presse · 1929-03-29 · 13 (29.3.1929) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Presse
Volume
15 (1929)
Issue
13 (29.3.1929)
Date
1929-03-29
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2629891-2630294-2630307--3268-2635242
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Seite 2 Nr. 13 JÜDISCHE PRESSE mmm₪₪₪₪₪m₪₪₪m Sorgfältigste Lieferung in plombierten Sicken ' von 1 Sack =: SO kQ angefangen franko Haus, ebenso in Fuhren und Waggons K JULIUS HABER Kohlen» und Koksgrollhandlung Nordwestbahnrutsche \ Wien, li., Ob. Donaustr. 107 Fernsprschsr R-47-1-M sich •selbstverständlich ganz anders ans wirken als •das heutigc System der S 11 b v c חי t i o n i e r u n g. Die Sicherheit, daß von der Kultusgemeinde die Hälfte •der Ausgaben für die jüdische Schule zuriiekerstattet wird, würde die Energie, die heute •für die Aufrechterhaltung einer jüdischen Schule ׳in Wien •aufgebracht wird, vervielfachen. Die P r iv a t i n i t i a t i v e würde eine n w:11 ndcrJiarc n Ansporn er 11 alten und die iKul-tusgemeiirdc könnte •mit nur 5 0 p r o z e n t i g e m •A •u f w a u d aus ihrem :Budget erreichen, daß Ihre ureigenste Aufgabe: die Schaffung jüdischer Schuten, zur Gänze erreicht wird. •Was für die!jüdische Volk sschulc gilt, gilt auch für die privaten Religion s- 11 11 d T a I m u d s c 11 u 1 c 11. Es •wird noch immer nicht genügend gewürdigt, daß in den ׳Nachkriegsjahren in Wien mehrere Chadarim entstanden sind, wo dank der Beflissenheit unserer thoratreuen Brüder Talmud gelehrt und gelernt wird. Wir wollen dankbar anerkennen, daß die Kultusgemeinde all :diesc Thoralehranstalten mehr oder minder subventioniert. Die •Kultusgemeinde sollte aber auch auf diesem Gebiete sich mit der Subventionierung allein nicht zufrieden geben, viel- •mehr sollte sic diese iReligions- und Talmudschulen zur Ausdc 11111111׳ g, •zur 1111 c 11 s i v i c r u n g i h r e r T ä 11 g- :keit •durch Zusicherung eines prazentueHeu Beitrages anspor ne 11. י Je mehr die Kultusgemeinde für diese Erziehuagsausgaben leistet, desto sicherer wird sie ihrer künftigen . Existenz ent gegen sehen können. Verarmung, Sterblichkeit, Rückgang der Geburten und Abfall vom Judentum, das sind die Schreckgespenster, von denen unsere Gegenwart überschattet wird. Ein weiser Kuitusvorstand sollte über alle finanziellen Schwierigkeiten hinweg den Weg einer besseren Zukunft weisen, und dieser Weg führt über die j ii d i s c h e S c h 111 e. P. Zuschriften an die Redaktion. Der Sabbat und der Kaufmann. Als Erwiderung •auf ׳den vorwöclngeu Artikel des ׳Herrn׳ . . . sab ״Der: Sabbat!und!der Kaufmann“ erhielten wir aus Arbeit- 11 e •h m e r kreisen eine ׳ganze Flut von Zu- Schriften. Eine der vielen, den Artikel des •Herrn R. N., bringen• wir nachstehend vollinhaltlich. Es ist erfreulich, daß über die Saibbatfrage so ■eifrig diskutiert wird; wir möchten ihm־ bitten, dlaß die Diskussion •im . ׳sachlichen■ •Rahmen :Weibe. D. Red. Sehr geehrter (Herr . . . sch! Ich habe mich wirklich gefreut, als ich •in ׳der letzten Nuiwner! der ״Jüdischen Presse“ die Ueberscbrift ׳des Artikels ״!Der Sabbat ׳und' der ,Kaufmann“ sah ׳uiid die Behandlang des Sabbat-Problems auch׳ in! •der Wiener orthodoxen Zeitaung!zum ersten Maie vom!Gesichtspunkt des | >4 jüdischen Kaufmannes erwartete, den •diese Frage in ebenso ernster Weise beschäftigen muß, wie einen jeden anderen Jehudi, cb es sich hiebei um einen Angestellten, Rabbiner, Rechtsanwalt oder was •auch immer handeln möge. Ich gestehe Ihnen aber gleich, Sie haben mich ׳bitter enttäuscht. Die Frage der Sabbat-Heiligung, der man in den letzten Jahren •mit ganz besonders erhöhtem!Interesse besegnet, dem sogar liberale Rabbiuen, ׳Kaufleute und Industrielle ihr Augenmerk schenken •und sich vereint mit Fii'hrern des gesetzestreuen Judentums zu einem׳ einheitlichen Verband •zusammengeschlossen׳ haben, ist!keine!Frage von Arbeitnehmer oder Arbeitgeber, es ist d i e Frage, ,mit׳ der das gesetzestreue Judentum steht und! fällt, es ■ist die!Frage, ob auch! weiterhin das Sabbatgesetz in seiner ganzen Größe und uangeheuren!Bedeutung van den •Massen •des Judentums ■praktisch betätigt׳ werden kann, oder aber ob die traurigen wirtschaftlichen Verhältnisse auch die Grund- •festen des Judentums erschüttern werden. Da glauben mm Sie, verehr fester Herr . . . sch, Mi die Bresche treten ׳und quasi •einen Warnruf ׳hinausposaunen zu!müssen: Jüdische Kaufleute, überlegt ׳euch wohl, ׳jüdische Angestellte zu• nehmen; sie sind faul, simd klassenbewußte Sozi, ja noch mehr, sic sind — o wie furchtbar! — ititelligent, ׳machen sich selbständig und! •nehmen! dir ׳dein Brot. Verehrtester ׳Herr . . . soll! Ich •billige Ihnen zu. daß Sie sieh mit •der Materie nicht genügend;befaßt und •daher Ihren Artikel in Unkenntnis ׳der tatsächlichen Ver- ׳häitnisse geschrieben, haben, obwohl man eigentlich erwarten dürfte, ׳daß man eine Angelegenheit, über die man׳ vor der, Oeffentlichkei't referieren! will, vorher einem gründlichen Studium unterzogen •hat. ׳Zugegeben, ׳es gibt gewiß auch ׳unter den gesetzestreuen Angestellten Menschen, denen es •kein Vergnügen macht, Sabbat abends ins Geschäft zu gehen:, die kein Verständnis dafür haben׳, daß •der Chef selbst׳ ׳durch den Sabbat eiben Verlust hat, den! man! durch •erhöhten Arbeitseifer iir der Woche wieder nach!Möglichkeit einzubringen suchen muß. Diese nur auf ihren Vorteil bedachten jungen Menschen sind ׳aber erfreulicherweise i n e׳i>n e r g a n z ver s c h wi 11 dende 11 Minor i t ä t und Sie, ׳!nein Verehrter, fallen נועי• den beliebten!Felder unserer guten Freunde, der Antisemiten, •die so gern• für •das Vergehen eines einzelnen Juden das Gesät nt jeden tan verantwortlich׳ ■machen. ,Sie werden aber auch nicht glauben, verehrter Herr . . . sch, daß christliche oder das Sabbatgesetz mißachtende jüdische Angestellte nach: Sabbatausgang geschäftlich arbeiten und die verlorene Arbeitszeit •einbringen werden, mehr, als dies gesetzestreue Angestellte tun.!Im!Gegenteil. Wenn Sie tum aber auch, sehr geehrter Herr, davon ab raten׳, jüdische ■Angestellte aufzun׳ehme׳n, weil •dieselben geschäftstüchtig sind und als spätere iKonkurrenz gefürchtet werden müssen, so werden Sie mir die!bescheidene Anfrage erlauben, ob Sie vielleichtals ״selbständiger Kaufmann“ das Licht der Welt erblickt haben. Oder 1haben Sie vielleicht in der ׳Eisenbranche gelernt, um sich alsdann in zarter •Rücksichtnahme ־auf Ihren, Herrn Prinzipal i;1 •einer •anderen, etwa ׳der . Schmierseif,enb rauche, selbständig zu ׳machen? Woraus wollen Sie herleitcn, daß der jüdische Angestellte, der den Sabbat respektiert; mehr Drang nach Selbständig- 'keit empfindet als der andere? Es -ist zwar!möglich׳, daß der Angestellte, der religiös lebt,- früher an eine Selbständlgkeit ׳denken׳ muß als der■ •andere, weil., er früher an die Gründung •eines eigenen Hauses •׳schreitet und ihm. 'bei der Einstellung vieler •orthodoxer. Fjrmeniuhaber .die;.Möglichkeit hiezu zum Teil nicht gegeben werden kann,!zum Teil , ׳aber ätich •trotz des:'Kömiensmicht gegeben: wird1. Wenn ׳die jüdischen- Ohefs ׳die Auges teilten, die bei ihnen gelernt und gearbeitet haben; zu dem Zeitpunkt, da der Angestellte dar angeht, sich ein jüdisches Heim zu gründen, dem durch entsprechende Einkommenerhöhung Rechnung tragen, ׳dann . werden. Sie, ,verehrtester Herr . . . sch, die entstehende;.Konkurrenz — die •an ׳sich vom wirtschaftlichen Gesichtspunkt aus ׳durchaus begrüßenswert ist — •nicht. mehr zu befürchten• haben. Wenn Sie ׳aber von 'Ihrem Standpunkt aus!geradezu davor warnen, Angestellte, die :auf Sabbathai tu hg' Wert legen, zu engagieren, so werden Sie mir gestatten, wenn ich Sie darüber ׳befrage, ob Sie sich schon;einmal den Kopf darüber ze.rbrocken!haben, was denn ׳diese vielen jungen ׳Menschen mntennehimen sollen, um sich׳ ׳einen ׳Lebensunterhalt zu verdienen׳? Was soll denn nach ׳Ihrer Ansicht mit den G. s. D. heute noch zahlreichen Schombre Sabbat geschehen, wenn wirklich andere Kaufleute ebenso denken würden wie Sie •oder sich von Ihren — ich sage es offen heraus — egoisfisehen׳ Gesichtspunkten überzeugen lassen sollten? Sie hätten sich :und der Gesamtjudeuheit besser ge- בשי של פסה KERNSEIFE Marke: ALEFBETH mit הכשר des orth. Rabbinatsassessors, Kofiice, erzeugt ״POLIO“ FRIEDMANN & Co. SEIFEN- UND KERZENFABRIK, [K O § IC E ■nützt, wenn Sie die Feder beiseite gelassen hätten. Sic haben über das Sabbat-Problem noch nicht nachgedacht und' es ist besser, Sic lassen solchen Männern das Wort, die sich mit •dieser Frage von der hohen Warte des g-ttliehen Saibbalgesetzcs aus befaßt haben und das Problem zu Nutz und Frommen der jüdischen Gesetzeslehre zu lösen bestrebt sind.!Hochachtungsvoll R. N. Amtliche Verlautbarungen der israelit. Kultusgemeinde Wien. Z. 1582 ex 1929.; Kundmachung. Der Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde hat den Rechnungsabschluß über die Einnahmen und Ausgaben der Kultusgemeinde und sämtlicher in der Verwaltung derselben stehenden Fonds und Anstalten über das Jahr 1928 fertiggestellt. Gemäß § 92 des Kultusgemeinde-Statuts wird dieser Rechnungsabschluß 14 Tage vom Tage der Kundmachung gerechnet, vor Prüfung und Erledigung durch den Kultus- Vorstand zur Einsicht der Gemeindemitglieder in der Amtsdirektion der Kultusgemeinde, I., Seitenstettengasse 4, III. Stock, aufgelegt. Die Gemeindemitglieder sind berechtigt, innerhalb dieser Frist über den Rechnungsabschluß Erinnerungen beim Vorstände der Kultusgemeinde schriftlich zu überreichen, welche bei der Prüfung des Rechnungsabschlusses in Erwägung gezogen werden. Diese Kundmachung wird unter Einem im amtlichen Teile der ״Wiener Zeitung“ verlautbart. י Wien, 22. März 1929. Der Vorstand der Israel. Kultusgemeinde Wien. Z- 646 ex 1929. W i e n, im März 1929. Konfirmandenunterriclit. Der Vorstand bringt zur Kenntnis, daß der alljährlich in den Tempeln der Gemeinde stattfindenden Konfirmation der •israelitischen Mädchen ein Konfirmandenunterriclit vorausgeht. Die Teilnahme an diesem Unterrichte!steht solchen Mädchen frei, welche im Laufe des Kalenderjahres das 14.• Lebensjahr bereits erreichen. Die P. T. Eltern oder Vormünder werden demgemäß eingeladen, ihre Töchter, beziehungsweise Mündel zu veranlassen, sich bei ihrem Religionslehrer oder im Schulamte der Israelitischen Kultusgemeinde, I., Seitenstettengasse 4, III. Stock, bis spätestens 10. April 1929 wegen Teilnahme an dem Koufirmandenuntcrricht zu melden. Mädchen, die keinen öffentlichen Religionsunterricht genießen und über Wunsch der Eltern oder Vormünder konfirmiert werden sollen, •sind gleichfalls im Schulamte der Israelitischen Kultusgemeinde bis zu dem angegebenen Termin anzumelden. •Der Unterricht ist unentgeltlich. Der Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde Wien- Aus Vergangenheit und Gegenwart. Wofür alles das Judentum verantwortlieh ist. Der bekannte amerikanische Journalist G. S. V i e rcGk äußerte sich einem jüdischen Journalisten gegenüber folgend über den Antisemitismus des Exkaisers Wilhelm: ׳״Ich weiß nicht, ob man den!Kaiser schlechthin als einen Judenhasser bezeichnen kann. Seine Ehrfurcht vor der Bibel und!vor der Tradition ist zu groß, um Ihn zum Hasser ׳des!jüdischen Volkes als solchem •zu machen, aber es unterliegt keinem Zweifel, daß er die Rolle, die verschie׳aenc Juden bei seinem Fall spielten, bitter empfindet. Mir, der.Ich jegliche Rassen- oder Religionsvorurteile verwerfe, scheint es, daß diese Stellungnahme des •Kaisers doch gewisse Gründe hat. die -geeignet sind. Jim in!dieser Hinsicht wenn auch nicht zu rechtfertigen, so doch zu verstehen ... Er betrachtet den verstorbenen Maximilian Harden, den in der Verfolgung seiner Ziele schonungslosen Reäakteur der ״Zukunft“, als den, der in erster Reihe jahrelang die öffentliche Meinung gegen ihn cinnahm und sein Am sehen beim deutschen Volke untergrub. Harden war ein Jude. Das ׳״Berliner Tageblatt“ führte während der kritlschesten Jahre der kaiserlichen Regierung einen unerbittliehen Kampf .gegen ihn, und er zweifelt nicht daran, daß diese fortgesetzten Angriffe einen bedeutenden Einfluß aus- ■übten. Auch in •den Herausgebern!des ״Tageblattes“ sali er •nur die Juden. Walter Ratheuau, dem der Kaiser eigentlich sehr zugeneigt war und dessen Bestrebungen er förderte, soll während der Zeit, als Deutschland gegen Feinde nach allen Seiten kämpfte, ganz offen gesagt haben, es würde einen Widersinn der Geschichte bedeuten,!wenn Wilhelm II. siegreich zurüakkämc. Rathenau war ein Jude. Emil Ludwigs Kalserbiographie hält er für eine Karikatur seiner Person, und er glaubt, er sei durch sie •lächerlich gemacht worden, Ludwig ist ein Jude. Von Marx bis Trotzki sei der rote Faden der sozialen Revolution in den wichtigsten •Perioden des!Kaiserreiches zu erkennen. Die ׳Führer dieser Bewegung, die auf ׳den Untergang der Hohenzallern hinzielte, wären Juden ׳gewesen. Kann man dem Kaiser dann verübeln, wenn •er nicht gut auf ׳die Juden zu sprechen ist? Ich gebe hier nur'wieder. Weder unterschreibe noch verteidige ׳ich hier ׳irgend welche!Ansichten.“ ״Ich für meinen Teil werde niemals ׳behaupten, daß diejenigen, ׳die ich oben aufzählte, wirklich die geschiehtliehen Ereignisse beherrschten. Personen machen selten Schicksale. Aber diese ׳und verschiedene •andere Persönlichkeiten waren Begleiterscheinungen jener Tage. Ich iiherschätze sicher nicht ihre Wichtigkeit; •doch •die jüdische Eigenschaft der scharfen Kritik war ein wichtiger Punkt. Kritik ist ein jüdisches Gharakteristikum. Vielleicht ist sie letzten Endes aufbauend. Ich habe niemals untersucht oder zu erforschen versucht, welchen Anteil diese!Kritik an •dem Fall des Kaisers hatte, und ich stelle nur einen ■gewissen Geisteszustand dar, nicht allein den!des Kaisers, sondern vielleicht der ganzen monarchistischen Gruppe, Ludendorff eingeschlossen. Es ist im ׳Grunde genommen diie alte Geschichte: ׳der Siindeiiibock mußte gefunden werden, und die Juden boten dafür ein treffliches Material. Die einflußreichen finanziellen Verbindungen einigier •jüdischer Familien ,kannten nicht die ״Grenzen politischer Bündnisse, und jeder Zweig der Familie war ein bedeutender Faktor in seinem Lande. Nicht einen Moment bestreite ich die patriotische Ehrlichkeit jedes jiidi- Spendet für den Kindergarten id Jessode Mora der Adas Jisroel, Wieft, II., Nesiroygasse 11 sehen ׳Bürgers jedes Landes. Tatsächlich glaube ich. daß die Tendenz der jüdischen Bürger sogar (ein wenig dazu ׳neigt, ״päpstlicher als ׳der Papst“!zu sein׳. Doch es ist da immer eine internationale Bindung vorhanden, die Argwohn herausfordert. So sind die deutschen Junker, die Monarchisten und Antisemiten fest •und aufrichtig davon überzeugt, daß Ihre nationale Katastrophe ®um größten Teil von den ״Juden“ verschuldet sei.“ W ie Einstein £iir Palästina gewonnen wurde Professor Einstein wird aus dem Anlasse!seines fünfzigsten Geburtstages überall als einer der größten Physiker der Welt gefeiert. Die Zionisten sind mit Recht stölz darauf, daß sie diesen •großen Mann für!ihre Sache gewonnen toben. J11׳ der ״Jüdischen Rundschau׳“ schildert Kurt iBlumenfeld, wie es gelungen •ist, Einsteins Interesse für die Sache des Palästinaaufbaues ׳zu erwecken. ■Ku׳rz «ach dem Kriege, schreibt ׳Blumenfeld, versuchte Felix Rosenblüth, der damals Vorsitzender der. Zionistischen Vereinigung für Deutschland war/׳ Gespräche mit!jüdischen Gelehrten über ׳den Zionismus •herbeizuführen. Als wir gemeinsam Professor Einstein besuchten, ׳dessen tName der ׳großen •Oeffentlichkeit noch nicht vertraut war, erlebten wir beide eine!große arncl freudige •Ueberrascbuiig. War fanden einen ■Mann, •der uns in •der •ersten Unterhaltung durah seine eigenartige Menschlichkeit, durch die tiefe Naivität seines Wesens bezwang, •und wir fühlten beide, daß!die •Gewinnung Einsteins für ,uns ein ׳Beweis für die Kraft und die Echtheit!der zionistischen Idee sein werde ... Man fragte ihn, ■warum er als Verfechter aller internationalen!Interessen, als Gegner aller nationalistischen Be- Strebungen die jüdische!nationale Sache zu ■seiner eigenen mache. Er erklärte seinen Standpunkt d׳u.rch ein Gleichms': Wer einen rechten Arm hat und davon spricht und1 immer davon spricht, ist ein Narr. Wem aber der rechte Ami fehlt, der darf alles tun, um sich das fehlende ■Glied zu ersetzen. Daher sei er in einer Welt, in ■der jedes Volk die Bedingungen des nationalen Lebens hat, ein Feind des Nationalismus, als Jude aber •ein Anhänger der jüdischnationalen Idee, weil den Juden die •notwendige und natiirliche Voraussetzung ihres nationalen Lebens fehlt.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.