Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 15 (1929)
- Issue
- 12 (22.3.1929)
- Date
- 1929-03-22
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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7Nr M2 JÜDISCHE PRESSE ־ ' Beitej Der Sabbat und der Kaufmann. Auf Grund des Rechtes der freien Ausr , spräche.. für alle־ Gesetzestreuen! gelben wir nachstehendem Aufsatz, der ׳das Sabbatproblem diesmal vom Gesichtspunkte1 des Unternehmers '' ‘:.betrachtet,; RaiMtvtp. ׳Red.' ■!v. fn den Spalten der; jüdischem Presse״ waren ln der letzten. Zeit des öfteren .Artikel zu ■lesen, die sich mit der durch das erschwerte ■Erwerbsleben entstandenen Gefahrdüng der Sabibatheiligumg.. beschäftigten. ־. Dieses Thema wurde eigentümlich, immer wieder nur von dem G esichts.punkte der An gestellt en und S t e 11 e nsuchenden und zumeist nur zu deren Gunsten aufge- -rollt und׳ beleuchtet, so als ob es ■nicht tausende und aber- tausende selbständige!Handels־‘ und Gewerbetreibende geben würde, die nicht nur im allgemeinen unter der wirt- :schaftlichen ■Krise und den erdrückenden. Steuern und Abgaben, wie Fürsorge, ׳Krankenkasse. Pensionsfonds etc. kämpfen müssen, sondern die im׳ besonderen obendrein unter den erschwerten Verhältnissen ■ eines Ruhetagsplusses von zirka 65-Tagen im Jahre; was 20־Proze!it aller Arbeitstage bedeutet (in Wirklichkeit sind es ■mehr, da •ja d׳er Erew Schabos und Erew Jomtow — besonders auf der Tour — nicht vollwertig genommen werden kann),, geschäftlich zu leiden haben. Diese Opfer, .welche natürlich von jedem Jehudi freudig getragen werden, bestehen einmal Ziffernmäßig. Die Gleichgültigkeit gegenüber deti Interessen aller Bürger, die nicht ״Arbeitnehmer“ genannt' werden ■können, liegt -übrigens ja in dem Zug der Zeit und über die Not der •Kaufmannschaft wird leider •nur an den■ Stellen •viel geschrieben!, die - man'Ausgleichs- ־• ■und Konkursgerichte nennt. ■'■■■; '•; ־"..'•'■:7 י" :Meirie Zeilen waHen nun den Versuch wagen, die Ursachen zu erforschen und;klarzulegen, welche der be- . dauerlichen. Erscheinung, daß gesetzestreue Arbeitgeber nicht mehr in althergebrachter Weise•!bei der Besetzung freier Stellen:, ■.ihren religiösen Gesäninungsgenossen -<den Vorzug geben, zugrundeliegen, lieh selbst habe in •meiner •Jugend׳ auf diesem Gebiete Erfahrung gemacht, alle Leiden des gesetzestreuen, jüdischen jungen. Angestellten •durchgelitten, ich ha'be später in meiner Selbständigkeit jalir-, zehiitelang möglichst nur Söhne frommer Eltern angestellt, ich habe mich auch in Saibbat-Schutzvereine als Funktionär vielfach betätigt und ich bin,■zu dem Resultat gelangt, daß. die o r thodox e;J ug e nd von:׳ heute ,letzten Endes an oberwähnter,.Kalamität zumindest teilweise selbst S c h u 1 d t f äg t... : . .ן ׳ :‘!In; der Vorkriegszeit, wo •es kein!Minimallohngesetz ' gab, hat sich vor allem׳ der (®tägige Arbeitsentgang in dem ■ Gehalt äusgedrückt.• Es ■war eine selbstverständliche, wenn auch nicht• immer praktizierte Einrichtung, daß der orthodoxe junge Mann, dessen׳•'Ansprüche •in dem Genußleben : der Großstadt geringer'•waren, sich mit einem kleineren Einkommen: zufriedenga-b, ׳ •׳ einen׳ Teil des Geschäftsentganges auch auf sich ׳nahm;׳ <um'das Glück der Sabbatheiligung .mitgenießen zu können. Die ׳Behauptung!, daß die orthodoxen •Chefs ihre Angestellten! ausbeuteten, bleibt nichtsdestoweniger eine!Fabel, erfunden von den bösen 'Widersachern der Ge setzest reuen und׳ von■ Söhnen frommer Eltern״ denen selbst, der Schabos gleichgültig geworden ist. In der Vorkriegszeit, wo die sozialen Errungenschaften; .'•wie Seclisuhrsperre,,‘Sonntagsruhe und Urlaubspflicht, noch ■,.';hidfcrauf'. ־deri-.'heutigeir (Höhe '•Ständen; haben die jüdischen . .Ahgestellteii •die ,entfallenden ״Arbeitsstunden an späten . ', Abenden und'.äh , Sonntagen:'• eingebracht. Und heute? '/H.eüit e.'v'e r!läß f e n a.n'einem 'Wfin t e rf reitag ' u ni;.y .i e,r Uh r; ä 1 s f r 0 m m e r: j u.d e d a s Büro, u m M׳‘o ri t äig früh wie der' a 1 's .׳k i a s s en'be wußter ,Ar.b e i t n. eh׳me r ■zu e r'sch eine11. . Verdrossen und verspätet folgt er hie und ..da ,dem Ersuchen des Chefs, am Samstag , abends, zu, kommen .. —.'. weil, er ja •nicht dazu;verpflichtet'׳ ist!-^׳ bis der Chef voil Aerger auf diese Gnade verzichtet. ■Ich frage: Kann man es nicht verstehen, daß der sorgenbeladene Chef eines großen Personals solchen ״Gesinnungsgenossen“ den! Vorzug verweigert? Muß man es nicht menschlich :begreiflich, finden, wenn sich da ein! Prinzipal sagt:. ״Ich ziehe jeden anderen einem gesetz-estreuen Angestellten vor, der al l e Öpf e r d e s S ab b a thalt ens mich allein ■, t ,r a!g e n .1 äs s e n will. Er ist nicht mein Freund/;‘.; .... . .,;v ־': 'Ich hätte , eine: 'Idee, ־ wie man ■•diesem Uebelstande einigermaßen abhelfen'!könnte. •Da die am Sabbat ruhenden Betriebe zu geringstem Teile׳, aus Detailgeschäften bestehen,, soillten; sich die Angestellten;;,, ,die ja mit Recht meistens organisiert , sind; ,mit Hil׳fe"'i:h'rer Organisationen ■ ׳beth ״bis zum Tode des Hohenpriesters“ (Chronostich) der kleinen Zählung (Zitat aus IV. B. Mos., 35. 25), •Denkstein des Hohenpriesters, der Balsamknospe, des heiligen Samens aus dem ׳Wurzelstamm (Zitat aus. Jesaia 6, 13), Esras des Schrif!gelehrten: ׳ •••■•.'■ :• Gabriel, der; engeigleiche Mann' (Engelmann), der Sohn des Israel, .ein Kriegsheld auf dem Felde-der ■Lehre ■des Jekuthiel (Mose) durch (sein Werk) ״Ehe Israel“ (,Die Augen •׳;Israels*‘);erleuchtete er ■ ׳Israels: Augen, •י er verbreitete TJ10rak־enntnis •vom 18. ׳'Lebensjahre an;; es wechselten bei ihm Tage der Lust •mit solchen! des Leids, nach seinem Alter (Anspielung auf I. B. iMos.!18, 12) wandelte ihn Lust ä!1 ■u׳nd er wurde zum Raw und!Lehrer der heiligen! Gemeinde berufen, bis er die Jahre der Stärke (80 J.) erreichte, — Genommen wurde von uns das Gefäß der Thora; der Gaon der Ewigkeit ging zur Ruhe, . er:• verließ uns in Kummer und Sorge, sein Auge ward •nicht trübe und seine Wange nicht .: welk (V. Mos. , 34, 7), ••> seinen Geist, beherrschte er ■bis zum Ende. Unser Trost •ist, daß er zuni Himmel emporstieg. seine Seele sei verbunden dem Bündel des Lebens! f •' 7 ' •Wiie bereits eingangs erwähht. folgte dem letzten Gaoa' von RecKnitz R. Gabriel — Dr. Meier Zipser im Amte. WHe es trotz , aller äußeren ׳Einflüsse von Steinamanger, Groß-Kanizsä, ja sogar Von Budapest her bei einer Gemeinde, in der Thorakenntnis und Gesetzestreue auf solcher Höhe standen wie in dem Rechnitz eines R. Gabr-iei Engelsmann, zu einem derart rapiden Wechsel kam, darüber haben sich schon viele!Menschen den Kopf 2erbrocheh. Vielleicht hat aber mein Gewährsmann Herr '• ’.Sekretär,:•Holzer׳ recht;•• wenn•1 •er ״■meint,• daß eine Gräfin; Batthy'any, die als ehemalige Schüfzherrin auch morali- ••’sehen" Einfluß auf die Judengemeinde ׳:•ausübte, den Vor- ר stfehern die׳ Wähl des! Dr. Zipser, der ihr als schöngeistiger Kanzelreäfier bekannt■ gewesen ׳ sein-. •dürfte, mahelegte. Wahrscheinlich wagten ׳die Vörsteher nicht recht zu widerspreche« und so kam alles, wie es kommen mußte. . . , Zum Schlüsse wären noch ein Dajan R. Jehuda Löb einerseits und mit den Inhabern der am Sabbat ruhenden Betriebe andererseits vereint bei den maßgebenden Beborden durchzusetzen suchen, daß in Betrieben, •die angemeldet am Sabbat strenge ruhen; an Sonntagen ohne jeden ■Kundenverlkehr und!bei verschlossenen Türen gearbeitet werden dürfe. Ich denke, daß sich auch die Arbeiterpartei diesem gerechten Verlangen beider in ge- Wässer Beziehung gleich interessierten Teile nicht verschließen! wird. Es gibt aber ■noch eine zweite Ursache dafür, warum immer weniger Angestellte aus streng religiösen Kreisen Unterkunft finden, eine Ursache,' über die sich sicherlicli nicht so bald jemand öffentlich geäußert hat, die aber — es wird dies jeder größere »abibathaltende Kaufmann •be־ stätigen — besteht. Der jüdische :junge Mensch!mit) seinem geschäftliehen!Instinkt und mit seiner frühreifen Tüchtigkeit, ferner mit seinem in der Tradition bedingten frühen׳ Verlangen nach einer Familiengründung, nicht selten auch aus. dem schätzenswerten Bedürfnisse heraus. Eltern und Gesch(wistern!bei Zeiten beizustehen■, ist früher •als ein anderer von dem Bestreben beseelt, sich׳ zu etablieren.!In •der Nachkriegszeit, in •der das ■Geld für solche Leute auf der Gasse lag •und alte prinzipientreue Finnen zugrunde gehen mußten, hat es in dieser Beziehung überhaupt keine Hemmungeni gegeben und unzählig sind •die Fälle, daß sich grüne, •junge Burschen׳ :bald nach •der Lehre ״selbständig“ machten. 1Der jüdische Unternehmer — ich!meine nicht den Fabrikanten oder Inhaber eines Weltgeschäftes —, ich meine den Durchschnittskaufmann oder den Inhaber eines Spezialgeschäftes, das keine ■zahllos anwachsende Konkurremz verträgt, trachtet, dieser Gefahr nach Möglichkeit aus dem Wege zu gehen. Er ■will nicht heute seinem Tempelnachbar zuliebe dessen Sohn akzeptieren und' in ■der allernächsten Zeit dessen rücksichtslose und schonungslose Konkurrenz ,zu fühlen bekommen. Es werden viele Wir liefern 10 neue Platten mit S iÖ.— Anzahlung {und ||flj S 2.— Wochenrate ohne Preiserhöhung *׳ GRAMOPHONFREUNDE! von 1929. ,iOreunaamnaus AUCH TEILZAHLUNG über meine Gedanken den Kopf schütteln und es׳ werden Laien von;mangelndem Betochen■ ■reden, aber es werden mir viele Chefs bestätigen, ■daß ich ihnen aus der Seele spreche. Betochen ist eine schöne Eigenschaft, aber •nur geübt auf eigene Rechnung und Gefahr. Der viel bekannte und mit Unrecht oft von seinem Personal gelästerte Nestor der orthodoxen Kaufmannschaft in Wien, Herr Hofbauer, hat einmal ■mit einem! guten Wiitz den Nagel auf den Kopf getroffen. Er führte einen befreundetem Wiener Schiffschuljuden, der ihm seinen 13jährigdn kleinen Buben zum •Zwecke der Aufnahme als Lehrjünge vorstellte, auf die Straße hinaus und •stellte an ihn die (Frage; .,Wo werden Sie da in meiner Nachbarschaft so leicht für den Jungen ein. Geschäftslokal bekommen? . . .“ ■Ich gebe. zu. daß hier Abhilfe nicht leicht ist, doch ich wollte nur, daß es einmal ausgesprochen ׳wird, daß wir unter ׳der Last der wirtschaftiichcn Mißverhältnisse leidende Kaufleute nicht allein an der besprochenen!Misere schuldtragend sind. Vielleicht denken Klügere und ■Mehnbegäbte •darüber •nach, ob es hier eine Abhilfe gibt. ־' ■ . -—sch.' Zwischen Vergangenheit und Znkunit. Von Anonymus. I. Zwischen: Vergangenheit und Zukunft ■liegt der •Fried- ■hof. Ich stecke viel zu sehr ■in der Gegenwart, uni mir, Zeit nehmen zu können, Rückschau zu halten. Nicht ei'nmal auf den Friedhof :pflege ich: zu. gehen. Diesmal aber hat ••mich die Trau erkunde über ■das Ablaben der Frau Charlotte Königswa r t er — die boobbetagte Frau konnte den Tod' ihrer inmigstgeliebten׳ Tochter nur um einige Stunden ■überleben — mit einem Ruck a׳us der .Gegenwart gerissen und ich entschloß mich, dieser, wirklich großen Frau, •die noch aus einer großen Zeit in unsere Gegenwart hineinragte, das Geleite izu: ■geben, das man allgemein a:ls ■die letzte Ehre zu bezeichnen pflegt. Es ist eine weite Strecke voim■ Zentrum der Wienerstadit bis zum Zentral'frie'dbcf; man kann unterwegs Beobachtungen machen und!!Erfahr rumgen sammeln. Aus meiner Träumerei weckte mich die eirste Stätte des Todes, ■die links von den Friedhöfen liegt. Es ist dies!das K r em a toniuim der Gemeinde Wien. In ׳meiner Vorfliebe für Statistik habe ich mir Zeit genornmen; die Freq׳u׳enz:.dieser Anstaltviestizustelien. Es war für.: mich, der ich!meine orthodoxe Brille auch hieher mitnabm, eine unangenehme lUeberraschung, zu sehen, weiche Popularität die Feuerbestattung aue.h im jüdischen Kreisen gewonnen hat; Männer und Frauen, selbst aus bürgerlich-konsenvatiiven Kreisen, wähle 11• .die Flamme, •um ihre sterblichem pflp1H»11»1nn111ffnnr11n!111111nnmm11111111mH11nflw1n»111111111i1»mm»1m1mm11nnfl111mmmmmttfmmg m AGUDAS JISROEL - JUGENDGRUPPE, WIEN, II. I י..׳■■■ —Floßgasse 1————.—— EINLADUNG zu der am Montag den 25. März 1929 präzise 1/?9 Uhr 1 abends im Festsaale des ״Hotel Post“, I., Fleischmarkt | Nr. 24 (Eingang!.,Drachengasse Nr.3), stattfindenden 1 * II | ■)71־ Restliche Karten (Damen und Herren) sind allabendlich | im Lokale der Jugendgruppe, II., Floßg. 1, Tel. R-45-7-47 und an der Abendkasse zu haben Ueberresto statt in Staub im׳ Asche zu verwandeln. Vor einiger Zeit schrieb ich, daß die rnode/rne •Menschheit •die in biblischer Zeit hart empfundene!Strafe der •Aus rotfutig freiwillig au.f sich nimmt; scheinbar!wollen diese Menschen d.e׳m!Höii i emff e.u e r, über welches so ׳viel Schreck11id1.es gesagt wird, •durch die Verbrennung ihrer Leiiber entgehen. Wie dem auch׳ sei; Tatsache ist,• daß dieses Krematorium dem Friedhöfen eine :ernste und erfolgreiche IK 0 n k u■ r r e 11 z! macht. Es ist ׳ dies selbstverständlich in erster Reihe eine religiöse.Frage; sie liat aber auch unangenehme w i r .t s c h a f 11 i c h e. ■Folgeerscheinungen, da der Friedhof eine wichtige Einnahme .für die Knlkisgememde!bedeutet, welche durch die ׳wachsende Inanspruchnahme des Krematoriums ernstlich gefährdet äst. •Man wird! noch die ׳Groteske erleben, daß für die Erd- ׳bestattung eine zugkräftige Anmo11׳ce.n1prdpagamda nötig sein wird, etwa• in der Foirini: Süß ist dier!Schlaf der Gerechten unter •den Schollen• d e s •T o.de.Sr aclkers. Doch, da merke;ich:, daß ich mich: wiederum zurück in die Gegenlw'airt• ■verirrt halbe, statt der Vergangenheit iiachizuhämgen. der Vergangenheit, in •der noch)!solch edile Persöniichlkeiten leibten;׳ wie ־Charlotte König.swar.tef eine wa:r. , , Charlotte Königswarter wurde imi Jahre 1841 als sechstes Kind des!Heinrich von We r.th e i'ms te in geboren1. •Sie ■heiratete •den Baro'11 Mori tz von׳ Königsw a׳r t er. Beide .Familien spielten ilm jüdischen Wien׳ eine große!Rolle• Die Verstorbene ׳war ein geradliniger׳ Abkömmiing des berühmten: Rabbi Samson Wertheimer, der ebenso fromm wie gelahrt :war u׳nd: als erfolgreicher Fi׳- nanzmann. der ׳österreichischen Kaiser sich \ trotz ' aller Machinationen der Judenfeinde behaupten konnte.'Baron Moritz K'önigsiwart'er, ihr Gatte, war der Sohn: des •Barön Jonas Königswarter, de.r am Anfang des XIX, Jahrhunderts aus FrauMurt a. IM. nach ‘Wien übersiedelte. Dieser Jonäiä Königswarter war ■seines scharfen Witzes wegen gefiirchtet, 0׳b seiner Frömmigkeit geachtet und ob seines' großer!: Reichtums vielfach beneidet. Von •ihm stammt die• spöt- .tische /Bemerkung, daß in Wien jeder; •der eine .Million hat, sich schon :für einen ׳)Millionär hält• Der Sahn •Moritz Königswarter ׳war Mitglied ■des österreichischen Herrenhauses, wo׳ er eine .achtenswerte!Rolle spielte. 111 diesem' Addismm Llssa, der Vater des R. Salamoii Reinitz, zu erwähnen, der ebenfalls in Rechnitz lebte, und, mehrere •bekannte Männer, die in Rechnitz geboren waren und später außerhalb ihrer Heimat zu Bedeutung gelangten. So vor allem ein R. Mordechai aus Rechnitz (Grünwakl. היהודי□ כאוג־ גאריא) und R. Joel Unger, der berühmte Rabbiner von Paks, dessen Lebenslauf erst vor kurzem in diesen Blättern von berufener ■Seite geschildert wurde׳. Ferner stammte aus Rechnitz R. Salomo Salman Stern, der in Wien 1853 ein Siddur □חשלת ישרי herausgab und auch als Bibliophile bekannt gewesen sein mußte, da in dem von Schwarz herausgegebenen Katalog der' hebräischen Handschriften der Wiener Nationalbibliothek I^r. 101 den Vermerk: שמות הפייטנים עם דייו אדום כתובים.ממני זלמן בן גואט־ ליב ן׳ כ״ט שטערן מילדי ישרון רעכניץ den Vermerk, ״190 und1 die Nummern 165 und שייך לי זלמן בן מו״ה י גאטליב טוב שטערן מילדי יישרו רעכניץ שנח חר״ט tragen. Ein anderes Rechnitzer Kind war R. Jakob Salomon Freier, Rabbiner von Neusatz,.; der im Jahre 1843 ,Andächtige ■Erinnerungen an die Pflichten eines Israeliten“ schrieb, und schließlich könnten •auch noch Ascher Anschel ben Josef aus Rechnitz (Wachstein', Wiener :Inschriften .II. 'S. 530), Jehuda Löb ben'Meir'Flesch aus ראכניץ (iibid; S. 26) .und 'Elia ben Hirsch Preßburg in Rechnitz (i'bid. S. 62) hier genannt werden. Ich habe mich in meiner Darstellung absichtlich auf kultur- •und iLiteraburhistorische Momente beschränkt, da die wrrtschafts- und rec׳htsgesc{1ichtliche Seite, soweit sie nicht von Zipser ohnehin :schon verarbeitet wurde, ein Eindringen in das Archiv der Rechnitzer Judengemeinde erfordert ■hätte,- zu dem mir Zeit und Mittel fehlten. Ob dieser Hinweis genügen wird, . die zahlreichen, in Wien und anderswo lebenden Rechnitzer Juden zu einem Zusammenschluß ad hoc zu veranlassen, lasse ich dahingestellt und will zum Schlüsse •nur noch auf das reiche folkloristische Material hin weisen,.. däs. auch in Rechnitz vorliegt. Außer den hier bereits flüchtig gestreiften Tat- Sachen ist in :dieser •Hinsicht auf eine Sage von einen! der Reclinitzer Rabbiner aufmerksam zu machen. Dieser ־v^ar erblindet und erhielt von einer ■übermütigen Schloßherrin den ■Befehl, zur ׳En׳igegen.11׳ai1me von Stockstreicheri auf dem Schlosse zu erscheinen. Er ging •trotz der Bitten seiner Schüler nach :dem Schlosse, versicherte aber, •daß es' zur Ausführung der Tat nicht kommen werde, und •tatsächlich soll ■die Gräfin noch vor ■seiner Ankunft auf •dem Schlosse gestorben sein. Eine andere Sage, die mit verschiedenen Varianten auch an R. Gerson Chajes. in Mattersdorf und an R. Mordechai Benet in Nikolsburg geknüpft ist. ־׳'berichtet, daß ein Rechnitzer Rabbiner gelegentlich eines Brandes mit einem Sefer Thora in der Hand dem Feuer Einhalt geboten habe. Von den Erklärungsversuchen für die nmgekehrten Grabsteine des R. isak Prostiz in Rechnitz und des R. Issachar Bär Bloch in Mattersdorf haben wir bereits oben gesprochen, Auch sie gehören־ einem gemeinsamen Sagenkreise an, der Personen von besonderem Ansehen gerne mit den! Kranze der Legende umgibt. Und schließlich erzählt auch in Rechnitz die Fama , von einem Ger, einem Proselyten;• der aus Deutschland׳ nach Rechnitz gekommen sein soll,, ebenso wie auch Schlaiming den Proselyten Abraham Doman (s. Jüdisches Archiv, Jahrg. 2, S. 23) und Kittsce seine ״Nonne“ Chaile Läwy hat (siche meine ״Bilder aus Oesterreich“, Jüd. Presse Nr1926 ,5 .׳). Während ich auf dem weiten Gräberfelde Vöri Rechnitz den Spuren der Geschichte dieser Gemeinde riachgehe, vernehme ich das fortwährende Surren einer' Maschine •von der anderen Seite der Straße u!1d bemerke kleine:'Stäubchen, die von dorther ■die Luft durchziehen; Neben : .dem Friedhöfe wird ■Asbest erzeugt und so bekomme ich:•.•hier in Muße noch ein Bild von dem Staube, zu dein hier schon alle Größe ■und alles Kleine gemeinsam geworden,ist.-wpd kann mir vorsteüen, wie über all :diesen Staub hinweg •■der Webstuhl der Zeit seine sausende Arbeit vollbringt;. Diese Arbeit ist es; die getan wird und getan werden ■muß,.-, ob nun die am Boden hastenden und .in den Stäub•־ sinkenden Erdensöhne sie begriffen •haben oder •nicht, ■ denn. ׳sle>:ist das Göttliche, die Vollendung •der Seele. ... . Nachbemerkung: :Auf Wunsch eines ungenannt sein, xyollebdeh'öhbo•• doxen Mitgliedes :der Rechnitzer Kultusgemeihde soll' hie-